1

Er wäre viel lieber Förster geworden

Eine Zeitreise zurück in die Vergangenheit: Klosterapotheke in Schöntal

Die Klosterapotheke in Schöntal ist anders als andere Apotheken. Sie strahlt einen ganz eigenen Charme vergangener Zeiten aus. Betritt man das Gebäude, fühlt man sich in eine längst vergangene Zeit zurückversetzt. „Ich wäre viel lieber in die Försterei“, sagt Peter Holch heute, wenn er an die Zeit zurückdenkt, bevor er die Klosterapotheke in Schöntal in den 1950er Jahren
übernahm. Durch seine selbstlose Entscheidung blieb die Apotheke jedoch in Familienbesitz, in dem sie sich seit 1872 befindet. In dem Jahr starb der damalige Besitzer und Apotheker Polack in jungen Jahren an Tuberkulose. Er war der erste Mann von Holchs Großmutter. Nach seinem Tod ging die Apotheke in ihren Besitz über.

„Meine Großmutter durfte die Apotheke nicht betreiben, da sie keine Apothekerin war“

Doch das Apothekerhandwerk war seit jeher mit vielen Restriktionen verbunden. „Meine Großmutter durfte die Apotheke nicht betreiben, da sie keine Apothekerin war“, so Peter Holch über die damalige Zeit. „Sie musste einen Apotheker als Verwalter einsetzen.“ Ihr Schwager sprang damals kurzerhand ein und gab ihr somit die Zeit, einen dauerhaften Nachfolger zu finden. Diesen fand sie in Carl d’Alleux, der viele Jahre später ihr zweiter Mann wurde. Aus der 1896 geschlossenen Ehe gingen zwei Kinder hervor: ein Sohn und eine Tochter, die Mutter von Peter Holch.

Neben dem Apothekerhandwerk liebte Carl d’Alleux das Fotografieren. „Ich wundere mich, wie er dafür noch die Zeit gefunden hat“, schmunzelt Peter Holch, „war die Arbeit als Apotheker damals doch noch sehr viel zeitintensiver als heute“. Der Tatsache, dass er die Zeit dazu fand oder sie sich bewusst nahm, verdanken wir heute sehr viele Fotografien, die als Zeitzeugen das damalige Leben dokumentieren und bereits von der Kulturstiftung Hohenlohe in Büchern veröffentlicht wurden.

Von außen wie von innen scheint die Zeit stehengeblieben zu sein.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Auch die Försterei hatte in der Familie eine große Tradition

Nach dem Tod seiner Großeltern war die Apotheke erst einmal verpachtet und Peter Holch machte sich die Entscheidung nicht leicht, ob er das Familienerbe antreten wolle. Das Gebäude war seinerzeit in einem sehr schlechten Zustand und er selbst fühlte sich als junger Mensch vom Wald deutlich mehr angezogen, als von Salben und Pasten. Denn auch die Försterei hatte in der Familie eine große Tradition. Doch in fremde Hände sollte die Apotheke nicht fallen und so wandte er sich nach langem Für und Wider dem Apothekertum zu, absolvierte seine Ausbildung und übernahm im Jahre 1954 den Familienbetrieb.

Die Klosterapotheke ist wie eine etwas verschrobene alte Dame, die ein wenig altbacken daher kommt

Inzwischen ist er stolze 88 Jahre alt und hat die Geschäfte längst an seine Tochter Ulrike übergeben. „Für Ulrike wird es jedoch schwer werden, einen Nachfolger zu finden. Es gibt wenig Apothekernachwuchs in der heutigen Zeit“, sagt Holch nachdenklich. Und der ohnehin schon dünn gesäte Nachwuchs wünscht sich vermutlich einen hochmodernen Arbeitsplatz auf der Höhe der Zeit. Doch genau das ist sie nicht, die Klosterapotheke: modern. Und genau deshalb lieben sie ihre Kunden, weil sie eben nicht so ist, wie andere Apotheken. Sie ist einfach anders, sie ist eine etwas verschrobene alte Dame, die ein wenig altbacken daher kommt und gleichzeitig aus der Masse hervorsticht.

Manche der Einrichtungsgegenstände sind fast 200 Jahre alt.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Die alten Einrichtungsgegenstände stammen laut Kunsthistorikern aus dem Zeitraum um 1830/40.

Betritt man die Apotheke, spürt man deutlich die vergangenen Zeiten, die in den altehrwürdigen Mauern fortzudauern scheinen. Die Klosterapotheke Schöntal wurde nicht zwanghaft immer wieder modernisiert, wie es in der Apothekerbranche in den letzten Jahrzehnten rundherum geschah. Die alten Einrichtungsgegenstände stammen laut Kunsthistorikern aus dem Zeitraum um 1830/40. Dieser konnte aufgrund ihrer Bemalung eingestuft werden und die Familie Holch wollte sich nie davon trennen. Die Apotheke hat sich dadurch etwas bewahrt, das die Menschen heute begeistert und vielleicht auch manchmal etwas innehalten lässt. Innehalten vom Alltagsstress, denn dieser fällt augenblicklich von einem ab, wenn man das alte Gebäude gegenüber des Klosters betritt. Es riecht nach Vergangenheit und man hat den Eindruck, dass Carl d’Alleux jeden Moment um die Ecke kommen könnte, um ein Glasbehältnis mit dem entsprechenden Medikamentennamen zu beschriften.

 

Text & Fotos: Nadine Cwik