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Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl: „Natürlich geht es nur um wenige Fälle, aber die sind gefährlich“

Personen, die sich weigern, in Corona-Quarantäne zu gehen, sollen in Baden-Württemberg künftig in zwei dafür vorgesehene Kliniken untergebracht werden. Diese Plätze würden dauerhaft durch einen Wachdienst kontrolliert, teilte das Gesundheitsministeriums in Stuttgart am Sonntag, den 17. Januar 2021, mit.Das berichtet unter anderem der SWR https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/kliniken-fuer-quarantaene-verweigerer-organisiert-100.html

Gründe für das harte Vorgehen

Das Regierungspräsidium äußerte sich in diesem Zusammenhang nicht dazu, ob es für diese Zwangseinweisungsmaßnahmen Gründe gibt, etwa ob zahlreiche Menschen sich den Quarantänemaßnahmen verweigern.

2 Kliniken stehen wohl fest

Laut dem SWR stehten bereits zwei Kliniken fest, in welche Quarantäneverweigerer dann kämen. Der finale Vertragsabschluss sei diese Woche geplant. Dann wolle das Regierungspräsidium auch die Namen der Kliniken nennen. Eine der beiden Kliniken soll im württembergischen und eine im badischen Landesteil liegen. Zuerst hatte die „Welt am Sonntag“ darüber berichtet. Für eine Zwangseinweisung ist laut dem Behördensprecher ein richterlicher Beschluss nötig. „Die zwangsweise Unterbringung ist kein neues Instrument, sie konnte auch bisher schon angeordnet werden und wurde in Einzelfällen auch bisher schon angeordnet.“ Es handle sich bei der zwangsweisen Unterbringung nicht um eine Strafmaßnahme, sondern um eine Maßnahme des Infektionsschutzes. „Derzeit sind wir in der Abstimmung mit Krankenhäusern im Land, die aus unserer Sicht geeignet sind, um hartnäckige Quarantäneverweigerer für einige Tage gesichert unterzubringen.“

Zwangseinweisung wurde bereits angeordnet

Manfred Lucha und Thomas Stobl im Schulterschluss

Auf dieses Verfahren hatten sich Gesundheitsminister Manfred Lucha (Grüne) und Innenminister Thomas Strobl (CDU) schon Anfang Dezember geeinigt. Das Innenministerium hatte auf eine strikte Zwangseinweisung solcher Personen in eine zentrale Klinik im Land gedrängt. Lucha hatte dafür plädiert, dass sich die Kommunen dezentral darum kümmern, da es sich um Einzelfälle handle.

Strobl fährt harten Coronakurs

Strobl sagte der Deutschen Presse-Agentur am Sonntagabend, den 17. Januar 2021: „Natürlich geht es nur um wenige Fälle, aber die sind gefährlich. Es geht um uneinsichtige, bußgeldunempfindliche Personen, die vorsätzlich in Kauf nehmen, andere Menschen mit Corona zu infizieren.“ Für die brauche es eine Lösung und man dürfe die kommunale Ebene damit nicht alleine lassen, so der CDU-Politiker.

Ob bei der Zwangseinweisung unterschieden werden soll zwischen Personen, die coronainfiziert sind und solchen Menschen, die lediglich Kontaktpersonen sind oder aus einem Reiserisikogebiet zurückkehren und dadurch in Quarantäne müssen, ist nicht bekannt.

 




Nur für Araber und reiche Russen?

Für private Praxisklinik auf Schloss Stetten klatscht nicht jeder Applaus.

Dr. Hans-Wilhelm Köhler kann nur den Kopf schütteln  über das, was er von Schloss Stetten hört beziehungsweise was manche Bürger meinen: Nun haben wir ja bald wieder ein Krankenhaus.

Der Arzt aus Künzelsau aber betont: „Diese Praxisklinik ist nicht annähernd vergleichbar mit einem vollwertigen Krankenhaus“ und sei daher auch kein Ersatz für die bevorstehende Schließung des Krankenhauses in Künzelsau.

Anfang Juli 2018 ist es amtlich, was schon seit September 2017 in Form von Gerüchten durch das Kochertal waberte (wir berichteten): „Es gibt Gerüchte, dass Sie eine Praxisklinik zusammen mit Professor Dr. Christoph Karle in Schloss Stetten mit Schwerpunkt Kardiologie planen.“ Ob das zutreffe, haben wir den Bundestagsabgeordneten Christian von Stetten im August 2017 gefragt.

Von Stettens damalige Antwort verlor sich im Unkonkreten: „Wie Sie wissen, habe ich mich sehr für den Erhalt des Künzelsauer Krankenhauses eingesetzt. Nach dem die politische Mehrheit aber anders entschieden hat, arbeiten wir an Möglichkeiten, die medizinische Versorgung der Bevölkerung im Kochertal (von Niedernhall bis Braunsbach) und im Jagsttal (von Mulfingen bis Langenburg) aufrecht zu erhalten oder in bestimmten Punkten zu verbessern.“

Es sei jedoch noch zu früh, um mitzuteilen, welche dieser Projekte tatsächlich realisiert werden können.

Nun rollen die Bagger, damit das Gebäude für eine private Praxisklinik schnell hochgezogen werden kann.

In Notfällen könnten aber auch Kassenpatienten kommen.

Schwerpunkt: Kardiologie, also für Patienten mit Herzerkrankungen. Hauptmieter der Räume ist Professor Dr. Christoph Karle. Auch OP-Räume sind vorgesehen. Privatpatienten könnten sich künftig in Schloss Stetten beispielsweise einen Herzschrittmacher legen lassen. In Notfällen könnten aber auch Kassenpatienten kommen.

Die Frage ist nur: Wäre nach 18 Uhr noch ein Arzt in der Klinik anzutreffen. Und: Was ist überhaupt ein Notfall? „Notfälle bestimmt der MdK (Anm. d. Redaktion: Medizinischer Dienst der Krankenversicherung)“, so Köhler. Das Problem: Viele Bürger säßen heutzutage in den Notfallambulanzen, ohne einen Notfall zu haben. „Das ist in den vergangenen fünf Jahren explodiert“, berichtet Köhler. Daher ist der Allgemeinmediziner auch für eine Notfallgebühr, die momentan in der Politik diskutiert wird. Die Bürger würden mit Bauchschmerzen „aus Bequemlichkeit“ ins Krankenhaus gehen, um sich den Arztbesuch zu sparen. das ist für ihn inakzeptabel.

Nach wie vor fehle in Künzelsau mit Blick auf die bevorstehende Schließung des Krankenhauses eine Perspektive für eine 24-Stunden-Notfallambulanz, kritisiert Köhler.

In Künzelsau darf keine weitere Praxis aufmachen

Das Künzelsauer Problem: Diverse Ärzte sind in Forchtenberg und Öhringen mittlerweile mit ihren Praxen ansässig. Wieviel Praxen in einem bestimmten Kreis aufmachen dürfen, entscheidet die kassenärztliche Vereinigung. Und da schaut es gerade ziemlich mau aus mit freien Sitzen im Hohenlohekreis. In Künzelsau dürfte daher gemäß der aktuellen Lage keine weitere Praxis, etwa zum Aufbau eines Notfallzentrums, aufmachen, so Köhler. Und die Ärzte, die derzeit noch im Ärztehaus arbeiten, seien  ausgelastet. Auf die Kritik von Köhler angesprochen, entgegnete Karle, dass es natürlich das langfristige Ziel sei, in Schloss Stetten auch Kassenpatienten behandeln zu können. Köhler sieht dies skeptisch: „Nach heutigem Recht ist das absolut unmöglich.“ Zudem soll Karle einmal gesagt haben: „Mich interessieren nur Araber und reiche Russen.“ Karle betont gegenüber GSCHWÄTZ indes, dass diese neuen Einrichtungen der gesamten Bevölkerung in der Region Hohenlohe offen stehen soll, „unabhängig davon, ob die Patienten privat oder gesetzlich versichert sind.“ Dieses Ziel unterstützt auch Bauherr Christian von Stetten „uneingeschränkt“, wie er in einer Pressantwort an unser Magazin betont.

Doch das ist gar nicht so einfach. Dr. René Schilling, Pressesprecher der AOK Heilbronn Franken, betonte gegenüber GSCHWÄTZ: „Grundsätzlich gilt für die gesetzliche Krankenversicherung bei der Abrechnung von stationären Leistungen mit Kliniken: Diese müssen im Landeskrankenhausplan geführt werden. Ist diese Rechtsgrundlage nicht gegeben, ist eine Abrechnung ausgeschlossen.“ Sprich: Es obliegt dem Land Stuttgart, zu entscheiden, ob Künzelsau wieder Betten bekommt, nachdem sie zuvor im Rahmen des HK gestrichen wurden.

Bauherr Christian von Stetten rechnet mit einer Bauzeit von 1,5 Jahren. Ende 2019 soll das Gebäude bereits in Betrieb genommen werden. „Der Pachtvertrag mit Prof. Karle ist abgeschlossen und Gespräche mit weiteren Ärzten laufen.“




Tod einer Krankenschwester

An einem Montagabend, den 05. März 2018, zwischen 20 und 20.30 Uhr, läuft eine Krankenschwester mit ihrer Arbeitskollegin und einem Praktikanten nach ihrem Spätdienst zu ihrem Auto, das auf einem Parkplatz auf dem Klinikgelände abgestellt war. Auf einmal kippt sie um, fällt mit dem Gesicht auf den asphaltierten Boden. Während die Kollegin bei ihr bleibt, gibt der Praktikant auf der Intensivstation im Krankenhaus Bescheid. Krankenhausmitarbeiter kommen mit einer Notfallausrüstung für die Erstversorgung auf den Parkplatz, parallel wird ein Notruf abgesetzt. Ein Rettungswagen des Deutschen Roten Kreuzes kommt und fährt die Krankenschwester ins Klinikum nach Bad Mergentheim. Alle Reanimationsmaßnahmen scheitern. Die Krankenschwester stirbt im Caritas-Klinikum in Bad Mergentheim. Diagnose: schwerer Herzinfarkt.

Ist Sie das erste Opfer der Krankenhaus-Sparpolitik?

Bürger rätseln seitdem, warum die Krankenschwester nicht gleich im Krankenhaus in Künzelsau behandelt wurde, anstatt wertvolle Zeit mit einem Abtransport nach Bad Mergentheim zu verlieren.

Der Standort Künzelsau sollte im Zuge des Neubaus des Ärztehauses und der Sanierung und Renovierung der Kranknenhausräume vor rund acht Jahren schließlich zum „Leuchtturm“ für kardiologische, sprich Herz-Erkankungen werden. Die teuren Geräte dazu, wie Kardio-MRT und Herzkatheterlabor, sind nach wie vor im Ärztehaus in Künzelsau.

sukzessiver Abbau in Künzelsau

Durch die Neuausrichtung des Hohenloher Krankenhauses sind nun diverse Schwerpunkte von Künzelsau nach Öhringen gewandert: Im vergangenen Jahr betraf dies unter anderem die Schlaganfalleinheit (wir berichten).

Auch der „Leuchtturm“ Kardiologie scheint ausgeleuchtet. Auch wenn die Geräte hierfür noch da sind, sei es nicht möglich, diese in einem solchen Notfall „mal schnell hochzufahren“, wie Krankenhaus-Mitarbeiter erklären. Allein für das Herzkatheterlabor bedarf es vier Kardiologen und Pflegepersonal, um dieses rund um die Uhr betreiben zu können.

Die damaligen Pläne, Künzelsau zum Schwerpunkt von Herzkrankheiten zu machen, seien ohnehin nur halbherzig umgesetzt worden, kritisiert die Bürgerinitiative pro Hohenloher Krankenhaus (BI) auf GSCHWÄTZ-Nachfrage. Eine 24-Stunden-Notfalleinheit im Bereich Herzerkrankungen sei nie umgesetzt worden.

Das Kardio-MRT, der Hybrid-OP und das Herzkatheter-Labor, welche im Ärztehaus bei Professor Dr. Christoph Karle im Einsatz sind, werden derzeit ausschließlich dort betrieben und nicht, wie einst im Unternehmenskonzept vorgesehen, als gemeinsamer kardiologischer Schwerpunkt mit dem Krankenhaus Künzelsau genutzt. Vor einigen Jahren gab es diese Zusammenarbeit im Rahmen der regionalen Gesundheitsholding Heilbronn-Franken. Das Angebot, das Herzkatheter-Labor zu nutzen, sei von Seiten des Krankenhauses jedoch nicht angenommen worden, heißt es.

Stattdessen wolle man nun Öhringen zum neuen Herz-Schwerpunktzentrum machen, so die aktuellen Pläne des neuen Mehrheitseigners, der BBT-Gruppe.

Je schneller ein Herzinfarkt korrekt behandelt wird, umso höher die Überlebenschancen und je minimaler die möglichen Schädigungen im Gehirn. Die Mitarbeiter des Krankenhauses trauern um eine „liebe Freundin und sehr gute Kollegin“.

 

Hintergrundinformation: Wechsel in der Führungsebene

Nachdem die BBT-Gruppe die Mehrheitsanteile an der Hohenloher Krankenhaus gGmbH übernommen hat, gibt es auch einen Wechsel in der Führungsspitze. Geschäftsführer Jürgen Schopf, der weniger als 1,5 Jahre die Geschäfte leitete, wird abgelöst von den vier neuen Geschäftsführern Dr. Albert-Peter Rethmann, Matthias Warmuth, Werner Hemmes und Andreas Latz, so eine Pressemitteilung der BBT-Gruppe. In einem internen Schreiben an die Mitarbeiter heißt es, dass Betriebsleiter Helmut Munz kommissarisch die Aufgaben des kaufmännischen Direktors und des Pflegedirektors für die Krankenhäuser übernimmt, „bis zur Klärung der endgültigen Besetzung“. Herbert Trudel wird kaufmännischer Direktor für die Senioreneinrichtungen.