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#Scholz schummelt, sagt Luisa Neubauer

Derzeit grassiert ein Hashtag in den sozialen Medien, der den neuen Bundeskanzler Olaf Scholz nicht sehr freudig stimmen wird: #OlafSchummelt. Unter anderem die Klimaaktivistin Luisa Neubauer auf Twitter gepostet:

Als erste, große, internationale Klimaentscheidung seiner Amtszeit plant

dem EU-Vorschlag zuzustimmen, Erdgas als „grüne“ Energie zu labeln. Nichts an Erdgas ist grün. Nichts. Was ein Wahnsinn. #OlafSchummelt

Doch was hat es eigentlich damit auf sich. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland erklärt, dass es bei dieser Grün-Labelung mal wieder ums Geld geht und Scholz auch nicht der einzige ist, der möglicherweise „schummelt“: Frankreich möchte etwa Atomkraft als grüne Stufe von der EU einstufen lassen: „Es setzt traditionell auf Atomenergie und will deren Erzeugung sogar ausbauen. Präsident Emmanuel Macron hat also ein großes Interesse daran, private Investitionen in Nuklearenergie zu erleichtern. Kernkraft mache die EU unabhängig von Lieferanten fossiler Brennstoffe und sei überdies klimafreundlich, so die Argumentation in Paris. Deutschland will Erdgas als grün erklären, weil das Land durch die Abschaltung der letzten AKW und den angestrebten Kohleausstieg bis spätestens 2038 die entstehend Lücke kaum mit erneuerbaren Energien wird füllen können. Die Lücke kann nach Berechnungen mehrerer Studien nur geschlossen werden, wenn bis 2030 Gaskraftwerke mit einer Gesamtleistung von 15 bis zu 40 Gigawatt entstünden. Das wären, je nach Größe, bis zu 140 Kraftwerke mit jeweils bis zu sechs Jahren Bauzeit.“
Vielleicht sind die beiden Energien ja doch ein wenig grün?
Defintiv nein. Spätestens seit Frank Schätzings Weltbestseller „Der Schwarm“ weiß jeder informierte Leser, was Fracking (Erdgasbohrungen in der Tiefsee) der Natur und den Tieren antut. Auch Atomkraf durch seine strahlende Energie wäre nur dann umweltfreundlich,wenn sie an absolut sicheren Orten produziert werden könnte. Man denke nur einmal zurück an die verheerende Katastrophe in Fukushima vor einigen Jahren. Ein ähnlicher Rektorunfall in Hiroshima in den 1980er Jahren hatte zu einer großen Antiatomkraftbewegung geführt. Microsoftgründer und Multmillionär Bill Gates wiederum ist ein Freund voon Atomkraft, wenn es zum einen sicher hergestellt wird und zum anderen vollständig in seine Bestandteile wieder zerlegt werden und nicht Millionen Jahre irgendwo unter der Erde gelagert werden muss. Er engagiert sich in diesem Bereich auch in hohem Maße.
Klimapositiv sein: mehr Energie erzeugen als verbrauchen
Als grüne Energien dürfen demnach theoretisch nur diese Energien bezeichnet werden, die so wenig wie möglich in die Natur eingreifen beziehungsweise Schaden anrichten. doch hier liegt auch schon der Kasus Knaxus. Den im Grunde sind Windräder auch nicht mehr grün, wenn dafür ganze Wäder gerodet werden. Der beste Weg, klimafreundlicher zu werden, ist daher immernoch der Verzicht: Weniger Strom, weniger Auto, weniger Fleisch. Weniger Konsum. Zusätzlich wäre es sinnvoll, wenn etwa Städte und Unternehmen nicht mehr klimaneutral als Ziel ansteuern, sondern klimapositiv werden, das heißt, mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen.
Text: Dr. Sandra Hartmann