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Keine Künzelsauer Apfelschorle in diesem Jahr

Aufgrund der wochenlangen Hitze und Trockenheit sind viele Äpfel nicht mehr verwertbar oder hängen schon nicht mehr auf den Bäumen. Das geht aus einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau hervor.

Die Stadtverwaltung Künzelsau muss daher leider die Apfel-Sammelaktion, die am 16. und 17. September 2022 im zukünftigen Baugebiet „In den Hälden“ in Belsenberg stattfinden sollte, absagen.

 

 




Maisernte vorgezogen

Aufgrund der anhaltenden Dürre haben diverse Landwirte die Maisernte vorgezogen. Die Böden auf den Feldern bilden wegen des ausbleibenden Regens tiefe Risse. Der Mais ist wegen der Trockenheit nicht richtig gewachsen. Fast komplett verdorrt und vertrocknet haben viele Landwirte im Hohenlohekreis bereits Ende August 2022 ihren Mais eingefahren. Normalerweise steht der Mais ansonsten gerne noch bis Oktober oder sogar November.

Durch die anhaltende Hitze ist die Ernte nun wesentlich spärlicher ausgefallen. Den Mais verarbeiten die Landwirte in der Regel zu Tierfutter. Nun fürchten viele, dass das Futter in diesem Jahr nicht reicht und sie entweder Futter zukaufen oder Tiere schlachten müssen (wir berichteten).

Deutschlandweit sieht es nicht besser aus.

Angesichts anhaltender Trockenheit in vielen Regionen erwartet der Deutsche Raiffeisenverband erhebliche Schäden bei der Maisernte. Bei Körnermais sei mit Verlusten von knapp 600.000 Tonnen zu rechnen – rund 15 Prozent der ursprünglich prognostizierten Menge, teilte der Verband in Berlin mit. Das berichtet der Stern.

 




„Raten Sie Ihren Kindern, Mandarin zu lernen und erziehen Sie sie nicht zu Naturliebhabern“

Es klingt wie ein Endzeit-Szenario und vielleicht ist es das auch. 2052. Der neue Klima- und Wirtschaftsbericht des Club of Rome für die nächsten 40 Jahre zeigt an, worauf sich die Menschheit vorbereiten muss, basierend auf den Gedanken von Jorgen Randers.

Der vorangegangene große Klimabericht ebenfalls mit einem Ausblick auf die kommenden 40 Jahre von 1972 war immerhin sehr präzise.

Nun aber wollen die Macher nicht nur Katastrophenszenarien an die Wand malen, sondern Zukunftsszenarien, die konkrete Vorschläge beinhalten, wie der Einzelne auf sich abzeichnende Entwicklungen reagieren kann.

Temperaturen werden um mehr als 2 Grad steigen

Immerhin: Die Klimaintensität des Energieverbrauchs werde durch erneuerbare Energien gesenkt. Die CO2-Emissionen  Energieverbrauch werden 2030 ihren Höhepunkt erreichen. Die Temperatur werde um mehr als zwei Grad steigen, und das werde zu ernsthaften Problemen führen.

Ende der Konsumgesellschaft

Nach Randers wird das Bevölkerungswachstum sich verlangsamen, ab etwa 2040 wird die Bevölkerung schrumpfen. Die Erwerbsbevölkerung wird bereits um 2030 abnehmen. Produktivität und Bruttoinlandsprodukt werden weiter wachsen, aber langsamer. Denn Investitionen zur Verhinderung und Beseitigung von Umweltschäden werden zunehmen müssen. Es werden bisher ungeahnte Katastrophenkosten entstehen, und der Staat wird sich stärker einmischen müssen. Insgesamt wird der Konsum nicht mehr ansteigen und nicht selten auch sinken.

Das Internet und immaterielle Güter

Das Internet werde ein völlig neues Verständnis von Privatheit und Öffentlichkeit entstehen lassen.[12] Wissen werde kein knappes Gut mehr sein, aber das werde nur bedingt zu rationaleren Entscheidungen führen, da Erkenntnisse allein nicht ausreichten, um Verhaltensänderungen zu bewirken, wenn starke Interessen dem entgegenstehen.[13] [14] Daher werde vermutlich eine „grüne Truppe“ zur Durchsetzung ökologischen Verhaltens eingerichtet werden, so wie heute die Blauhelme zur Friedenssicherung einträten.[15]

Norden Europas Klimagewinner

„Ich glaube, in 40 Jahren wird sich das Kräftegleichgewicht in Europa Richtung Norden verschieben. Die aufstrebenden Länder sind dann Skandinavien, Deutschland, die Beneluxstaaten und die Baltischen Staaten. Schottland wird seine Trennung vom Vereinigten Königreich vollziehen […] Südliche Länder wie Spanien, Portugal, Griechenland, Italien und der Balkan werden unter Temperaturanstiegen und Wasserknappheit leiden, wodurch es zu Nahrungsmittelknappheit, Gesundheitsproblemen und Unruhen kommt. Die Folgen sind Bevölkerungsverschiebungen und Einwanderungsschübe aus Nordafrika.“ (Catherine Cameron, S. 230)

Angleichung der Staaten nördlich und südlich des Mittelmeeres aneinander

Trotz der Eurokrise bleiben die Staaten nördlich des Mittelmeeres für die nordafrikanischen Staaten attraktiv. „Trotz dieser düsteren Entwicklungen im mediterranen Norden nimmt die illegale Zuwanderung aus Afrika und Asien explosionsartig zu, hauptsächlich in Richtung Italien und Griechenland und in schwächerem Ausmaß nach Spanien, Malta und Zypern.“ (Thymio Papayannis, S. 235)

Slum-Urbanismus in Afrika

Edgar Pieterse nimmt an, „dass Slum-Urbanismus angesichts des schwachen BIP-Wachstums, der anhaltenden Lohnungleichheit und systemischen politischen Fehlfunktion ein vorherrschender Zug afrikanischer Städte bleiben wird. […] Vom Staat wird nichts erwartet, genauso wenig wie vom privaten Markt. Stattdessen finden sich die Bewohner in verschiedenen Konstellationen zusammen und versuchen, ihr minimales Einkommen zu strecken, indem sie ihre gegenseitige Unterstützung, ihr Wissen und ihre Arbeitskraft einsetzen, um langsam aber systematisch alle nach vorne zu bringen. Im Kern dieses sozialen Betriebssystems steckt die Möglichkeit, die Ressourcen und Erwartungen der geordneten Stadt außerhalb des Slums ausschlachten, unterwandern, in Besitz nehmen und umformen zu können.“ (Edgar Pieterse, S. 241)

Geringere Fixierung auf Wirtschaftswachstum

Zur Veränderung wirtschaftspolitischer Zielsetzungen argumentiert Randers wie folgt:

„Ich glaube nicht, dass der Kapitalismus in den kommenden 40 Jahren unverändert weiter existieren wird. Der Name wird bleiben, doch die Funktionsweise der kapitalistischen Gesellschaft wird sich auf zweierlei Arten wandeln: Investitionsströme werden nicht mehr nur von Profitabilität gesteuert werden und Unternehmen werden gezwungen sein, nicht nur über ihre finanziellen Leistungen Rechenschaft abzulegen, sondern auch über die ökologischen und gesellschaftlichen Konsequenzen ihres Handelns.

Die Lösungen mögen teilweise schon fast ironisch wirkend, sind jedoch von Randers ernst gemeint. So heißt es unter anderem:

  1. Legen Sie mehr Wert auf Zufriedenheit als auf Einkommen.
  2. Vermeiden Sie eine Vorliebe für Dinge, die bald verschwunden sein werden.
  3. Investieren Sie in hochwertige Unterhaltungselektronik als Ersatz für die Realität.Was Randers dabei nicht ausspricht, aber andeutet, ist die Frage: Sollte man sich nicht früh daran gewöhnen, dass man vieles nicht mehr unternehmen kann, was früher möglich war?
  4. Erziehen Sie ihre Kinder nicht zu Naturliebhabern.
  5. Wenn Ihnen die Vielfalt des Lebens am Herzen liegt, genießen Sie sie, solange Sie noch können.
  6. Besuchen Sie die Sehenswürdigkeiten der Welt, bevor sie durch die Menschenmassen ruiniert werden.
  7. Wohnen Sie an einem Ort, der vom Klimawandel möglichst wenig betroffen ist.
  8. Ziehen Sie in ein Land, in dem Entscheidungen getroffen werden können.
  9. Finden Sie heraus, welche Folgen fehlender Nachhaltigkeit ihre Lebensqualität am meisten beeinträchtigen werden.
  10. Wenn Sie nicht im Dienstleistungsbereich oder in der Pflege arbeiten wollen, suchen Sie sich einen Job in den Bereichen Energieeffizienz oder erneuerbare Energien.
  11. Raten sie ihren Kindern, Mandarin zu lernen.
  12. Verabschieden Sie sich von der Vorstellung, jedes Wachstum sei gut.
  13. Denken Sie daran, dass Ihre fossilen Wertanlagen eines Tages plötzlich ihren Wert verlieren werden.
  14. Investieren Sie in Dinge, die robust gegen soziale Unruhen sind.
  15. Tun Sie mehr als Sie müssen. So vermeiden Sie später ein schlechtes Gewissen.
  16. Für Unternehmer: Loten Sie das Geschäftspotential von Verbesserungen der Nachhaltigkeit aus.
  17. Für Unternehmer: Mengenwachstum bedeutet nicht automatisch Gewinnsteigerung.
  18. Für Politiker: Wenn Sie wiedergewählt werden wollen, unterstützen Sie nur Initiativen, die langfristige Gewinne versprechen.
  19. Für Politiker: Denken Sie daran, dass wir in Zukunft an viele Grenzen stoßen werden.
  20. Für Politiker: Akzeptieren Sie, dass der gleichberechtigte Zugang zu begrenzten Ressourcen wichtiger werden wird als die Redefreiheit.

 

Bleibt zu hoffen, dass auch dieser Bereicht, ähnlich wie der erste, die Menschheit wachrüttelt und zum Umdenken zwingt. Allerdings hat die Menschheit auf die vorhergehenden Berichte zwar reagiert, aber mit einer Verzögerung von 20 bis 40 Jahren.

Zum Zweiten ist er vor dem Hintergrund der Erfahrung seit 1972 zu lesen, nämlich, dass die gesamte Menschheit auf die vorhergehenden Berichte reagiert hat, aber mit 20- bis 40-jähriger Verzögerung.

Text: Dr. Sandra Hartmann

 




„Wir gehen davon aus, dass die Preise für landwirtschaftliche Produkte durch die Bank steigen werden“

Unlängst haben wir von einem Landwirt aus dem Kochertal berichtet, der aufgrund der voraussichtlich schlechten Ernte aufgrund der Dürre einen Teil seiner Rinder im Herbst schlachten muss, weil er seine Tiere vermutlich nicht alle satt bekommt. Wir haben daraufhin bei Helmut Bleher, dem Kreisgeschäftsführer des Landesbauernverbandes in Baden-Württemberg, nachgefragt, ob es sich hier um einen Einzelfall handelt oder ob noch weitere Betriebe drohen, in diese Notlage zu rutschen.

Kein Futter für die Tiere

GSCHWÄTZ: Sieht es bei den anderen landwirtschaftlichen Betrieben ähnlich aus, wie bei dem Landwirt im Kochertal?

Bleher: Die Trockenheit bereitet derzeit große Sorge. Vor allem die Futtergrundlage für die Tiere ist stark gefährdet, weil die Sommerschnitte ausfallen und der Mais verdorrt und keine guten Kolben ausbildet. Landwirte, die nicht noch Reserven aus Vorjahren haben, werden den Viehbestand abstocken müssen. Denn Grobfutter wie Heu oder Silage kann nicht einfach so zugekauft werden.

Mittelfristig werde Milch und Rindfleisch knapper

GSCHWÄTZ:  Wenn Rinder geschlachtet werden müssen, müsste doch eigentlich der Rindpreis fallen?

Ob der Rindfleischpreis unter Druck gerät, wenn in Teilen Deutschlands Herden abgestockt werden müssen, ist so nicht einfach zu beantworten. Der Rindfleischpreis hängt von weltweiten Einflüssen ab. Nach einer Schwäche in den letzten Monaten stabilisiert er sich aktuell wieder. Eher ist durch die jetzt befürchteten Herdenverkleinerungen damit zu rechnen, dass mittelfristig, Rindfleisch – übrigens wie auch Milch – knapper wird. Inwiefern dies sich in steigenden Preisen niederschlägt, hängt aber vor allem vom Verbrauch ab: Denn die Menschen reagieren auf steigende Milch- und Fleischpreise recht schnell mit Änderung des Konsumverhaltens und Einsatz von pflanzlichen Ersatzprodukten (zB Margarine statt Butter). Die sind aber aufgrund des Ukrainekriegs auch knapp. Die Märkte sind in Bewegung und sehr volatil. In welche Richtung es geht, ist nicht absehbar. Vermutlich können wir mit weiter steigenden Preisen rechnen, weil alles knapp ist.

Ukrainekonflikt treibt die Preise für landwirtschaftliche Bedarfsmittel in schwindelerregende Höhen

GSCHWÄTZ: Müssen Verbraucher künftig mit steigenden oder fallenden Preisen von landwirtschaftlichen Erzeugnissen in den kommenden Monaten rechnen?

Wir gehen davon aus, dass die Preise für landwirtschaftliche Produkte durch die Bank steigen werden. Dies hängt zum einen mit der erzeugten Mindermenge infolge des Ukrainekonflikts zusammen. Vor allem aber sind die landwirtschaftlichen Bedarfsstoffe wie Düngemittel und Treibstoff, zum Teil um das sechsfache teurer geworden. Landwirte werden nur dann arbeiten, wenn sie ihre Kosten gegenfinanzieren können. Sonst ist es günstiger, nichts zu erzeugen. Dies findet z.B. gerade in der Schweinehaltung in Deutschland statt. Die Versorgung wird dann über andere Wege, entweder über das Ausland oder über Austauschprodukte erfolgen. Insgesamt steigen dadurch die Preise zwangsläufig in allen Bereichen.

Verbraucher verzichten auf hochwertige Bio-Lebensmittel

Interessant ist momentan das Phänomen, dass die Verbraucher auf hochwertige Lebensmittel verzichten, also sparen, und dadurch ausgerechnet die politisch gewollte Umstrukturierung zu mehr „Bio“ ins Straucheln gerät. Auch Biolandwirte müssen Geld verdienen und haben ähnliche Kostensteigerungen wie konventionelle Landwirte. Trotzdem stagnieren dort die Preise, weil die teureren Produkte nicht mehr nachgefragt werden. Biomilchprodukte sind zwischenzeitlich in einigen Läden billiger als konventionelle. Den Mechanismen des Marktes kann sich keiner entziehen. Unsere stets geäußerte Auffassung, dass mehr auf den Markt und weniger auf Ideologie geachtet werden sollte, bewahrheitet sich aktuell schneller als wir gedacht hatten.

Häufung von Extremwettersituationen

GSCHWÄTZ: Sind das Ausnahme-Trocken-Sommer oder müssen sich Landwirte auf veränderte klimatische Bedingungen hierzulande einstellen?

Trockene Sommer hat es immer gegeben und das wird so bleiben. Trotzdem sehen wir eine gewisse Häufung von Extremwettersituationen, die vermutlich dem Klimawandel geschuldet sind. Die Landwirte stellen sich laufend auf veränderte Situationen ein. Man züchtet hitze- und trockenresistente Sorten und setzt die auch ein. Man ändert die Bodenbearbeitung, achtet noch mehr auf wassersparende Bewirtschaftung. Wir brauchen aber als Landwirte jetzt die Unterstützung und vor allem die Einsicht der Politik, dass wir vernünftig arbeiten können und nicht durch künstliche Vorgaben wie zum Beispiel Düngeverbote oder Verbot von Pflanzenschutzmitteln zusätzlich beeinträchtigt werden. Vieles was aus ackerbaulicher Sicht zur Ernährungssicherung dringend notwendig ist, steht im Widerspruch zu den am Grünen Tisch verfügten, oft ideologisch begründeten falsch verstandenen Maßnahmen zum Arten- Umwelt und Klimaschutz. Landwirte tragen mit ihrer sich stets an die Bedingungen anpassenden Arbeit am allerbesten aus Eigeninteresse zu einem effektiven Schutz unserer Ressourcen und zur nachhaltigen Erhaltung unserer Böden bei.

„Wenn wir aufgrund einer „Ökologisierung unserer Landwirtschaft in Europa oder Deutschland“  1/3 weniger erzeugen, wird andernorts der Regenwald gerodet, der unbestreitbar für das Weltklima wichtig ist“

GSCHWÄTZ: Wie könnten Maßnahmen ausschauen, um sich an den Klimawandel auch in der Landwirtschaft optimal anzupassen?

Zu allererst müssen Landwirte in die Lage versetzt werden, selbstständig und angepasst arbeiten zu dürfen. Denn der beste Klimaschutz entsteht dadurch, dass je produzierter Lebensmitteleinheit (kg Getreide, Liter Milch, kg Obst oder Gemüse oder Fleisch) möglichst wenig klimaschädliche Ressourcen verbraucht werden und man in regenerativen Kreisläufen denkt. Dies ist aber bei der Politik und der Gesellschaft noch nicht angekommen. Viele glauben, dass durch Extensivierung der Böden und der Produktion das Klima umso mehr geschützt wird. Dies ist aber nicht der Fall. Denn die rund 8 Mrd Menschen auf der Welt müssen ernährt werden. Das was wir auf unseren hoch ertragreichen Böden nicht erzeugen, wird irgendwo auf der Welt, zum Teil mit katastrophalen Folgen erzeugt werden. Wenn wir aufgrund einer „Ökologisierung unserer Landwirtschaft in Europa oder Deutschland“  1/3 weniger erzeugen, wird andernorts der Regenwald gerodet, der unbestreitbar für das Weltklima wichtig ist.  Wenn in Deutschland CO2 eingespart wird, ist das schön. Es  hilft aber nichts, wenn dafür in den entlegensten Steppen großflächig mit immensem Einsatz von Treibstoff und Düngung viel mehr CO2 verbraucht wird. Man muss daneben auch erkennen, dass zur Landwirtschaft eine ausgewogene Tierhaltung gehört. Denn Grünland, Wiesen und Weiden können eben nur über Rindvieh genutzt werden. Andernfalls würden diese verwalden und stünden nicht mehr der menschlichen Existenzsicherung zur Verfügung.

Kurz: wir brauchen eine faktenorientierte Klimapolitik, die den Landwirten zutraut, Lösung und nicht das Problem zu sein.

Text: Dr. Sandra Hartmann




Hitze: „Mehr Flächenbrände im Hohenlohekreis“

Über 40 Grad sind längst keine Seltenheit mehr, auch im Hohenlohekreis. Künzelsaus‘ Stadtbrandmeister sprach mit Dr. Sandra Hartmann über Wald- und Flächenbrände im Ländle und wie sich diese Einsätze auch auf die Feuerwehrler auswirken.

Mehr Einsätze

GSCHWÄTZ: Seit mehreren Tagen zeigen die Thermometer im Hohenlohekreis vielerorts über 40 Grad an. Heute spreche mit Stadtbrandmeister Thomas Böhret von Künzelsau über die derzeitige Lage. Wie haben sich denn diese hohe Temperaturen ausgewirkt auf die Feuerwehr bisher? Haben Sie mehr Einsätze als zuvor?

Thomas Böhret: Wir haben auf jeden Fall im Hohenlohekreis mehr Flächenbrände. Auch einen Waldbrand hatten wir vergangenes Wochenende.Auf die Einsatzkräfte wirkt sich das dahingehend aus, dass wir eine persönliche Schutzausrüstung anhaben, die ein gewisses Gewicht hat. Das macht unseren Einsatzkräften zu schaffen.

GSCHWÄTZ: Wo gab es bisher Flächen- oder Waldbrände?

Thomas Böhret: In Krautheim gab es einen Waldbrand und in DÖrrenzimmern einen Flächenbrand. Solche Sachen passieren bei bei Trockenheit, bei der Hitze, die wir gerade haben.So etwas kann bei diesen Temperaturen auch durch eine herumliegende Glasscherbe, die in der Wiese liegt, ausgelöst werden. Aber natürlich muss man auch dazu sagen, dass die öffentlichen Grillstellen trotz der hohen Temperaturen benutzt und oft nicht hundertprozentig ausgemacht werden. Es glimmt dann wieder auf und auch dadurch entstehen solche Flächen- oder auch Waldbrände.

Grillen keine so gute Idee

Derzeit immer mit dabei: Eine Kiste Sprudel. Foto: GSCHWÄTZ

GSCHWÄTZ: Das heißt, Grillen an öffentlichen Plätzen sollte man bei den Temperaturen eher vermeiden?

Thomas Böhret: Das sollte man auf jeden Fall vermeiden. Es ist in meinen Augen auch ein bisschen fahrlässig, wenn man zu Hause grillt mit Holzkohle und es gibt es einen Funkenflug, bei dem man gar nicht so genau beobachten kann, wo die Funken wieder niedergehen.

GSCHWÄTZ: Sie sind auch in enger Absprache mit den Landwirten damit, falls noch mehr Flächen- und Waldbrände drohen, dass man nicht nur als Feuerwehr vorbereitet ist und ausrückt, sondern dass auch da die Landwirte vor Ort ihre Güllefässer vorbereiten, die man dann ebenfalls schnell mit Löschwasser füllen kann.

Von Landwirten befüllte Pumpfässer

Thomas Böhret: Die Landwirte machen das selbstständig. Wir als Feuerwehr Künzelsau bringen zum Beispiel 5.000 Bis 10.000 Liter Wasser mit. Alles andere müssen wir uns dann in den Ortschaften organisieren. Wir rufen hierfür dann andere Feuerwehren hinzu. Vor Ort gibt es öffentliche Entnahmestellen oder die Landwirte haben mit Wasser befüllte Pumpfässer, die man dann natürlich auch mit zum Einsatz bringen kann.

GSCHWÄTZ: Wie hoch sehen Sie denn das Risiko, wenn es weiterhin so konstant heiß ist, dass es noch mehr Flächen- und Waldbrände in Hohenlohe geben wird?

Mehrere Kilo schwere Kleidung. Foto: GSCHWÄTZ

Trockenere Sommer

Thomas Böhret: Das wird es in jeden Fall geben. Von Mittwoch auf Donnerstag gab es ja ein ein Gewitter. Das ist natürlich schön gewesen. Es gab ein bisschen Entlastung, aber es wird mit Sicherheit die nächsten Tage wieder warm  und heiß werden. Dann haben wir die gleiche Problematik eigentlich wieder. Mir fällt auf, dass es die letzten fünf Jahre trockenere Sommer gibt und ich bin mir fast sicher, dass es auch in Zukunft so sein wird.

GSCHWÄTZ: Das heißt, wir müssen uns dementsprechend auf heißere Zeiten vorbereiten.

Thomas Böhret: Richtig. Die Feuerwehren untereinander sind gut verknüpft. Wir arbeiten gut zusammen. Auf dem Land bei den Landwirten laufen die dementsprechenden Vorbereitungen automatisch. Wir sind gut vorbereitet.

GSCHWÄTZ: Herr Böhret, ich danke Ihnen für das Gespräch und wünsche Ihnen noch viele weitere erfolgreiche Einsätze.

Thomas Böhret: Vielen Dank.

 




Kommunen bräuchten mehr Kompetenzen, um die Energiewende durchzubringen“

Zu einem Austausch besuchte der Bundestagsabgeordnete Kevin Leiser (SPD) jüngst den Bürgermeister der Gemeinde Braunsbach, Frank Harsch.
Herr Harsch und die Gemeinde Braunsbach haben nach der Flutkatastrophe Beeindruckendes geleistet. Ich möchte erfahren, was bei kommenden Katastrophen seitens des Staates besser
gemacht werden kann“, so Leiser.

60 Millionen Euro für Schutzmaßnahmen und für den Wiederaufbau investiert

Sechs Jahre nach der Flutkatastrophe seien in Braunsbach rund 60 Millionen Euro für Schutzmaßnahmen und für den Wiederaufbau investiert worden, erläuterte Bürgermeister Frank
Harsch. Mit den Erfahrungen vergangener Katastrophen sollten gerade die Warnsysteme ausgebaut werden. Dazu gehöre für ihn auch, dass der Bund flächendeckend neue Sirenen finanziere, so Harsch.

„Die Energiewende wird durch planungsrechtliche Vorgaben erschwert“

Ein Schwerpunkt der Arbeit in Braunsbach sei der Klimaschutz. Als erste Gemeinde im Landkreis habe man einen Klimaschutzmanager angestellt. Die für den Klimaschutz notwendige Energiewende, wie zum Beispiel der Ausbau von Windkraft, wird durch planungsrechtliche Vorgaben erschwert“, erklärte Harsch. Die Kommunen bräuchten mehr Kompetenzen, um die Energiewende durchzubringen, forderte der Bürgermeister.

Interkommunale Zusammenarbeit

Zur Weiterentwicklung der Gemeinde sei für Braunsbach die interkommunale Zusammenarbeit von
zunehmender Bedeutung, wie bereits beim Gewerbegebiet mit Untermünkheim geschehen, skizzierte Frank Harsch.

Strategien für die Auswirkungen der Klimakrise entwickeln.

Bundestagsabgeordneter Kevin Leiser nahm, gerade auch vor dem Hintergrund seiner Erfahrung als Gemeinderat und Kreisrat, die Anregung auf: Wir brauchen ein besseres Frühwarnsystem und sollten die Kompetenzen von Bund und Ländern beim Katastrophenschutz bündeln. Den Ausbau erneuerbarer Energien gilt es zu forcieren. Im Genehmigungsprozess sollten erneuerbare Energien privilegiert werden, um Vorrang vor anderen abzuwägenden Interessen zu erhalten. Gleichzeitig gilt es Strategien zu entwickeln, wie wir uns an die Auswirkungen der menschengemachten Klimakrise anpassen können. Für ihn sei ebenso eine gute Infrastruktur die Grundlage für einen zukunftsfähigen und attraktiven ländlichen Raum. Dazu gehörten nicht zuletzt die flächendeckende Breitbandversorgung sowie der zwingend notwendige Ausbau der Autobahn A6.

Pressemitteilung Kevin Leiser




Wir sind selbst daran schuld

Der Wald in Treuenbrietzen in Brandenburg brennt erneut. Der Landrat hat am Wochenende nun den Katastrophenfall ausgerufen. Es sind jetzt etwa 100 bis 110 Hektar betroffen. Auch in Heilbronn gab es diverse Flächenbrände.

Am Wochenende stieg das Thermometer vielerorts auf fast 40 Grad. Die Freibadbetreiber haben sich gefreut ob des großen Andrangs. Die Natur ächzte und stöhnte hingegegen angesichts der Hitzeperiode. Flächenbrände und Waldbrände blieben nicht aus.

Diese Woche soll es nun wieder regnen. Vor nicht einmal einem Monat gab es auch im Hohenlohekreis so starke Unwetter, dass es wieder zu diversen Überschwemmungen kam. Selbst die Natur, so scheint es, weiß mit diesen Wetterkapriolen immer weniger anzufangen. Mancher Ackerboden kann die Wassermassen nicht mehr fassen, die in sturzbachartigen Regengüssen niederprasseln. Nur wenig später drohen Dürretage die Pflanzen austrocknen zu lassen.

Der Klimawandel ist in vollem Gang. Wir sind mittendrin, statt nur dabei. Und nicht nur das private Eigenheim gilt es, katastrophensicher zu gestalten, das heißt, gegen volllaufende Keller und abgedeckte Dächer. Sondern es gilt, im Großen und Ganzen, CO2 zurückzufahren. Denn: Je mehr davon in die Luft geblasen wird durch menschengemachte Abgase, umso schneller wird sich das Klima wandeln. Daher: einen Gang herunterschalten, lieber mal eine unnötige Fahrt mit dem Auto ausfallen lassen.

Und die Organisationen unterstützen, die für den Erhalt des Regenwaldes kämpfen. Denn: Je mehr Bäume gerodet werden weltweit, desto weniger CO2 kann mittels eben dieser dringend benötiger Bäume und Pflanzen gebunden werden. Daher: Bäume pflanzen und Wälder schützen, grüner werden auf Wald und Wiese. Ich weiß, viele haben derweil andere Sorgen, wenn man auf die Ukraine schaut, auf steigende Energiepreise und explodierende Lebensmittelkosten. Aber alles steht und fällt mit dem Boden, auf dem wir stehen.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

 




Olaf mit der Nazikeule?

Beim Kirchentag in Stuttgart bedarf es nur weniger Sätze des aktuellen Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD), die nun zum viralen Aufreger in den sozialen Medien, allen voran Twitter, werden. Klimaaktivist:in Luisa Neubauer bezeichnete die Äusserungen des Bundeskanzlers als „Skandal“.

Welche Worte sind gefallen?

Was genau hat Scholz gesagt? „Ich sage mal ganz ehrlich. Diese schwarz gekleideten Inszenierungen bei den verschiedensten Veranstaltungen von immer den gleichen Leuten erinnern mich an eine Zeit, die lange zurück liegt und Gott sei Dank.“ Hier geht es direkt zum Video mit Scholz’Aussage:

Luisa Neubauer schreibt in Ihrem Tweet:

OK WIR MÜSSEN DARÜBER SPRECHEN. „Olaf #Scholz wurde mit der Klimakrise konfrontiert. Seine Reaktion macht sprachlos. Und wir sollten genau hingucken. Denn das spricht Bände über das, was wir vom Kanzler in der Klimakatastrophe erwarten müssen.“ Neubauer sieht demnach Scholz nach seinen Äusserungen nicht als Vorreiter in der Klimapolitik, im Gegenteil.

Ola Scholz führt auf dem Katholikentag näher aus: „Und deshalb glaube ich, ist das keine Diskussion, sondern der Versuch, eine Veranstaltung für seine eigenen Zwecke zu manipulieren. Das sollte man nicht machen.“

Manipulation findet jedoch in gewisser Weise immer statt, wenn jemand an Veranstaltungen teilnimmt und sich zu Wort meldet. Dann möchte jemand etwas einbringen und damit den Diskussionsverlauf ändern. Auch Olaf Scholz manipuliert in dem Moment, in dem er diese Aussagen auf dem Podium tätigt.

Auch der Begriff „eigene Zwecke“ ist zweifelhaft hzu betrachten, da die Klimaaktivist:innen sich schließlich nicht persönlich bereichern wollen mit deratigen Aktionen, sondern darauf aufmerksam machen möchten, dass man aktiv gegen den Klimawandel vorgehen muss.

Text: Dr. Sandra Hartmann

 




#Scholz schummelt, sagt Luisa Neubauer

Derzeit grassiert ein Hashtag in den sozialen Medien, der den neuen Bundeskanzler Olaf Scholz nicht sehr freudig stimmen wird: #OlafSchummelt. Unter anderem die Klimaaktivistin Luisa Neubauer auf Twitter gepostet:

Als erste, große, internationale Klimaentscheidung seiner Amtszeit plant

dem EU-Vorschlag zuzustimmen, Erdgas als „grüne“ Energie zu labeln. Nichts an Erdgas ist grün. Nichts. Was ein Wahnsinn. #OlafSchummelt

Doch was hat es eigentlich damit auf sich. Das Redaktionsnetzwerk Deutschland erklärt, dass es bei dieser Grün-Labelung mal wieder ums Geld geht und Scholz auch nicht der einzige ist, der möglicherweise „schummelt“: Frankreich möchte etwa Atomkraft als grüne Stufe von der EU einstufen lassen: „Es setzt traditionell auf Atomenergie und will deren Erzeugung sogar ausbauen. Präsident Emmanuel Macron hat also ein großes Interesse daran, private Investitionen in Nuklearenergie zu erleichtern. Kernkraft mache die EU unabhängig von Lieferanten fossiler Brennstoffe und sei überdies klimafreundlich, so die Argumentation in Paris. Deutschland will Erdgas als grün erklären, weil das Land durch die Abschaltung der letzten AKW und den angestrebten Kohleausstieg bis spätestens 2038 die entstehend Lücke kaum mit erneuerbaren Energien wird füllen können. Die Lücke kann nach Berechnungen mehrerer Studien nur geschlossen werden, wenn bis 2030 Gaskraftwerke mit einer Gesamtleistung von 15 bis zu 40 Gigawatt entstünden. Das wären, je nach Größe, bis zu 140 Kraftwerke mit jeweils bis zu sechs Jahren Bauzeit.“
Vielleicht sind die beiden Energien ja doch ein wenig grün?
Defintiv nein. Spätestens seit Frank Schätzings Weltbestseller „Der Schwarm“ weiß jeder informierte Leser, was Fracking (Erdgasbohrungen in der Tiefsee) der Natur und den Tieren antut. Auch Atomkraf durch seine strahlende Energie wäre nur dann umweltfreundlich,wenn sie an absolut sicheren Orten produziert werden könnte. Man denke nur einmal zurück an die verheerende Katastrophe in Fukushima vor einigen Jahren. Ein ähnlicher Rektorunfall in Hiroshima in den 1980er Jahren hatte zu einer großen Antiatomkraftbewegung geführt. Microsoftgründer und Multmillionär Bill Gates wiederum ist ein Freund voon Atomkraft, wenn es zum einen sicher hergestellt wird und zum anderen vollständig in seine Bestandteile wieder zerlegt werden und nicht Millionen Jahre irgendwo unter der Erde gelagert werden muss. Er engagiert sich in diesem Bereich auch in hohem Maße.
Klimapositiv sein: mehr Energie erzeugen als verbrauchen
Als grüne Energien dürfen demnach theoretisch nur diese Energien bezeichnet werden, die so wenig wie möglich in die Natur eingreifen beziehungsweise Schaden anrichten. doch hier liegt auch schon der Kasus Knaxus. Den im Grunde sind Windräder auch nicht mehr grün, wenn dafür ganze Wäder gerodet werden. Der beste Weg, klimafreundlicher zu werden, ist daher immernoch der Verzicht: Weniger Strom, weniger Auto, weniger Fleisch. Weniger Konsum. Zusätzlich wäre es sinnvoll, wenn etwa Städte und Unternehmen nicht mehr klimaneutral als Ziel ansteuern, sondern klimapositiv werden, das heißt, mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen.
Text: Dr. Sandra Hartmann



Droht der Golfstrom zu kollabieren? Erste Warnzeichen bestätigen sich

Die Atlantische Umwälzströmung (AMOC) ist ein komplexes Strömungssystem, das für den Austausch warmer und kalter Wassermassen im Atlantik verantwortlich ist: Warmes Wasser aus den Tropen gelangt so an der Ozeanoberfläche Richtung Norden. Dort kühlt es ab, sinkt Richtung Meeresboden und wird in südliche Gefilde zurücktransportiert. Dieser permanente Austausch beeinflusst unter anderem das Klima in West- und Mitteleuropa – sorgt beispielsweise für die relativ milden Temperaturen hierzulande. Ein Teil der AMOC ist der Golfstrom, der den meisten hierzulande geläufig sein dürfte. Sollte dieses System zusammenbrechen, hätte das große Auswirkungen vor allem für das Klima in Europa.

Golfstrom sorgt für milde Temperaturen in Europa

Und genau das könnte tatsächlich drohen: Dr. Niklas Boers, Forscher am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), hat im Fachmagazin Nature Climate Change einen Artikel darüber veröffentlicht, dass genau diese AMOC möglicherweise an Stabilität verloren hat. Denn die Strömung sei so schwach wie in den vergangenen 1000 Jahren nicht, zitieren beispielsweise Die Zeit sowie die FAZ  den Forscher. Noch sei aber nicht klar, ob dahinter wirklich ein Stabilitätsverlust steckt.

Stabilitätsverlust liegt tatsächlich vor

Boers hat deshalb sogenannte Fingerabdrücke in Temperatur- und Salzgehaltmustern auf der Atlantik-Oberfläche genauer analysiert. Aufgrund seiner Forschungen kommt er zu dem Schluss, dass tatsächlich ein Stabilitätsverlust vorliegt. Es gebe einen kritischen Punkt, auf den sich das System zubewege. Werde dieser überschritten, werde die AMOC in wenigen Jahrzehnten zum Erliegen kommen.

Was heißt das dann für die Menschen hierzulande? In Europa könnte es Europa zunehmend zu Stürmen und sinkenden Temperaturen kommen.

Unwetterschäden an der Neufelser Mühle 2019. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv