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Klimazentrum für kleine Klimahelden

Kupferzell-Westernach: An KiTas und Schulen frühzeitig für das Thema Klimaschutz sensibilisieren: Dieses Ziel verfolgt ein Projekt des Klima-Zentrums Hohenlohekreis. Hierzu wurden verschiedene Unterrichtsprogramme entwickelt, die an sämtliche Altersgruppen in Bildungseinrichtungen angepasst werden können. Die Thematik kann ebenfalls für Projekttage oder Workshops weiterentwickelt werden. Gefördert wird das Projekt durch Gelder des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg. Der erste Grundbaustein der Initiative wurde vergangene Woche im Kindergarten Westernach gelegt.

„Viele Kinder betrachten Windräder als etwas ganz Normales“

Nachhaltigkeit, Klimaschutz und energetische Belange sind Begrifflichkeiten, die in den kommenden Jahren immer mehr an Bedeutung gewinnen. Deshalb ist es wichtig, deren Wert bereits im jungen Alter aufzuzeigen. Dieser Aufgabe haben sich Melina Hahn und Dorothee van Aken, Klimadozentinnen des Hohenlohekreises, angenommen. Die beiden Dozent:innen haben selbst Familie und im persönlichen Umfeld liegt ihnen die Thematik ebenfalls sehr am Herzen. Im Kindergarten Westernach haben sie dies nun unter Beweis gestellt. Zwei Gruppen von Kindern im Vorschulalter wurde auf spielerische Weise das Bewusstsein für Energie und wo sie herkommt vermittelt. Der Unterricht ist von der jeweiligen pädagogischen Fachkraft entsprechend begleitet worden.

Es wurde eine Vielzahl verschiedener Möglichkeiten genutzt, um die Kinder nicht mit dem Lehrstoff zu überfordern und Abwechslung zu bieten. Somit wird verhindert, dass das Interesse verloren geht. Die Geschichte vom Umweltschreck und der Umweltfee macht darauf aufmerksam, wo wir unbewusst überall Energie in unserem Alltag benötigen und das gemeinsame Basteln eines Windrades aus Papier regt zum Nachdenken über deren Nutzen an.

„Viele Kinder betrachten die großen Windräder inzwischen als etwas ganz Normales in unserer Umgebung, doch wissen gar nicht, dass es für diese einen sinnvollen Hintergrund gibt“, erklärt Frank Witt, Leiter des Kindergartens Westernach. Gemeinsam mit dem Kupferzeller Bürgermeister Christoph Spieles hat er den Unterricht der beiden Dozentinnen aktiv verfolgt und sich daran beteiligt. Beide sind sich einig, dass das Potenzial dieses Programms noch weiter innerhalb des Hohenlohekreises ausgeschöpft und etabliert werden muss, da die Kinder mit so großer Begeisterung dabei waren.

„Wir ermutigen jeden Hohenloher“

Umso wichtiger ist es nun für das Klima-Zentrum Hohenlohekreis, sein Netzwerk aus Dozenten noch weiter auszubauen und noch mehr motivierte Kräfte zu sich ins Boot zu holen. „Wir ermutigen jede/n Hohenloher:in, der sich vorstellen kann, ein solches Programm mit uns zu entwickeln und zu präsentieren, sich bei uns zu melden. Der Umgang sowie das Bewusstsein unserer Kinder gegenüber der Natur und dem Klimaschutz ist einer der wertvollsten Beiträge für unsere Zukunft“, erklärt Joachim Schröder, Leiter des Klima-Zentrums.

Interessierte können sich bei Anregungen oder Fragen gerne an das Klima-Zentrum Hohenlohekreis wenden sowie Schulen und Kindergärten im Hohenlohekreis, die ebenfalls einen solchen Unterricht bei sich einplanen möchten. Gerne per E-Mail an klimazentrum@hohenlohekreis.de oder telefonisch unter 07940/18-1928.

 




„Wir kämpfen um die Zulassung“

Unter dem Motto „Jeder Tropfen zählt“ ist in Öhringen ein Projekt gestartet, das umweltfreundlichen Treibstoff für Kraftfahrzeuge aus Altfetten und -ölen erzeugen will. Öhringen ist nach Erlangen und Fürth der dritte Standort, an dem diese Stoffe aus der Gastronomie und Privathaushalten gesammelt werden, um sie einer zweiten Nutzung zuzuführen. Neben der Abfallwirtschaft Hohenlohe ist Roland Weissert, Geschäftsführer der EDi Energie-Direkt Hohenlohe GmbH, eine der treibenden Kräfte für diese Aktion. GSCHWÄTZ hat mit ihm über die Aktion und vieles mehr gesprochen.

„Viele kleine Maßnahmen ergeben auch ein Stück für den Klimaschutz“

GSCHWÄTZ: Herr Weissert, was hat Sie bewegt, Biokraftstoff aus der Bratpfanne zu erzeugen?

Weissert: Viele kleine Maßnahmen ergeben auch ein Stück für den Klimaschutz. Das Altfett verstopft sonst das Kanalsystem und sorgt in den Kläranlagen für Aufwand. Ein gewerblicher Abfallentsorger aus Franken hat ausgerechnet, dass pro Person ein Potential von etwa 1,3 kg pro Kopf und Jahr besteht und hatte auch bereits ein Sammelsystem eingerichtet. Da wir bereits heute derartige Kraftstoffe vertreiben, war so ein Projekt für uns natürlich interessant.

GSCHWÄTZ: Lohnt sich das?

Weissert: Nein, noch deckt der Aufwand für die Sammlung den Wert nicht. EDi finanziert das Projekt gemeinsam mit dem Altfettsammler. Aber wenn die Sammlung angenommen wird, wird der Kreis über die Weiterführung entscheiden. Wir hoffen, dass wir ein Leuchtturmprojekt für ganz Baden-Württemberg werden können.

„Wir hoffen, dass wir ein Leuchtturmprojekt für ganz Baden-Württemberg werden können“

GSCHWÄTZ: Was wird genau aus dem Altfett und -öl erzeugt?

Weissert: Daraus wird ein Dieselkraftstoff erzeugt, wie sie ihn bei uns als CARE-Diesel bereits heute kaufen können. Dieser Kraftstoff erfüllt alle Kriterien der Dieselnorm DIN EN 15940 (Kraftstoffe mit synthetischer oder biologischer Herkunft) und übertrifft damit eigentlich die Anforderungen der DIN EN 590, die für Diesel auf Mineralölbasis gilt.

Anmerkung der Redaktion: Der Hersteller des Care-Diesel, die Firma Tool-Fuel, benennt die Vorteile ihres synthetischen Kraftstoffs:
Durch die sehr hohe Cetanzahl (> 70) verbrennt C.A.R.E. Diesel sauberer, als normaler Diesel. Als Folge wird der Ausstoß von gesundheitsgefährdenden Stoffen wie Ruß und Stickoxiden deutlich reduziert. Im Klartext:

    • -35% Stickoxide NOx (bei optimierter Motorsteuerung)
    • -30% Feinstaub PM
    • -30% Kohlenmonoxid
    • -50% Kohlenwasserstoffe THC

C.A.R.E. Diesel wird größtenteils aus pflanzlichen Rest- und Abfallstoffen hergestellt. Diese Rohstoffbasis sorgt für eine CO2-Reduktion zwischen 70% und 90% verglichen mit normalem Diesel. 

Man könnte mit diesen Kraftstoffen auch Autos tanken, aber das ist (derzeit noch) nicht erlaubt

GSCHWÄTZ: Und mit diesem Kraftstoff kann ich meinen PKW betanken?

Weissert: Sie können das tun. Aber das ist quasi nicht erlaubt in Deutschland, da wird es gleich auf mehreren Ebenen problematisch. Es gibt nämlich einen Punkt der EN 590, die der Kraftstoff nicht erfüllt: Er ist mit rund 780kg/1000l leichter als es die Norm mit 820kg/1000l vorschreibt. Alle anderen Anforderungen der Norm erfüllt oder übererfüllt der CARE-Diesel. Aber damit entspricht er nicht  den Zulassungskriterien der Automobilhersteller und ist von den meisten Herstellern nicht zertifiziert. An einigen Shell-Tankstellen gibt es den Shell R33 BlueDiesel: Dem ist neben den üblichen 7% Biodiesel 26% CARE-Diesel beigemischt, damit erreicht er genau das Mindestgewicht. Für die Nutzfahrzeughersteller stellt das Gewicht scheinbar kein Problem dar: Die Firma LIEBHERR befüllt beispielsweise ihre Fahrzeuge bei der Auslieferung sogar mit CARE-Diesel.

Bundesumweltministerium ist dagegen

Ausserdem ist sich die Politik uneinig. Baden-Württemberg sagt: „Wir brauchen synthetischen Kraftstoff“, Ministerpräsident Kretschmann und Verkehrsminister Herrmann sind dafür, das Bundes-Umweltministerium ist dagegen.

GSCHWÄTZ: Wenn die Aussagen des Herstellers stimmen, wie kann das Umweltministerium dagegen sein?

Weissert: Das Argument ist, dass in den verwendeten Grundstoffen Palmöl verwendet werden könnte – und für das Umweltministerium ist wohl die Weiterverwendung selbst des bereits benutzten Palmöls verwerflich. Es geht aber bei unserem Projekt nur darum, Öle und Fette zu verwerten, die schon im Umlauf sind und die sonst entsorgt werden müßten. Außerdem werden Verbraucherschutzargumente vorgeschoben, denn man könnte versehentlich einen Kraftstoff tanken, der vom Autohersteller nicht freigegeben ist. Das ist natürlich vorgeschoben, denn sonst würden ja auch heute viele Menschen Diesel statt Super oder umgekehrt tanken.

Umweltministerium gegen Verkehrsministerium

Aber das Tollste: Das Verkehrsministerium sieht das wieder ganz anders. Die EU hat eine „Clear-Vehicle-Directive“ beschlossen, die die Nutzung von e-Fuels explizit erlaubt: 45 Prozent aller Neufahrzeuge öffentlicher Betreiber müssen mit sauberem Antrieb ausgestattet sein, und da ist der synthetische Diesel neben Elektroantrieb und grünem Wasserstoff ausdrücklich genannt. Auch die deutsche Umsetzung, das „Saubere Fahrzeuge Beschaffungs Gesetz“ erlaubt  Fahrzeuge, die mit Diesel nach der Norm DIN EN 15940 fahren, „ausgenommen Kraftstoffe, die aus Rohstoffen mit einem hohen Risiko indirekter
Landnutzungsänderungen erzeugt wurden“. Noch toller: In der 10. Bundesimmissionsschutzverordnung des Bundesministeriums für Justiz und Verbraucherschutz kommt dieser Diesel gar nicht erst vor.

„Wir kämpfen um die Zulassung“

GSCHWÄTZ: Sehen Sie Anzeichen, das sich nach der Wahl etwas ändern wird?

Weissert: Nach dem Wahlergebnis könnte ein frischer Wind ins Umweltministerium kommen.

GSCHWÄTZ: Und was können Sie jetzt tun?

Weissert: Wir kämpfen um die Zulassung. Wir sind dran und brauchen jede Hilfe. In ganz Europa sind diese Kraftstoffe ein Teil der Strategie zur CO2-Vermeidung, nur in Deutschland nicht. Ein Vertragsverletzungsverfahren bei der EU, weil Deutschland die Clear-Vehicle-Directive nicht ordentlich umgesetzt hat, ist bereits am Laufen.

„Einseitige Festlegung auf E-Mobilität“

Das Umweltministerium legt sich einseitig auf die Elektro-Mobilität fest und fördert diese. Das kann aber nur ein Teil der Lösung sein. Auch wir haben jetzt einen Förderantrag für einen E-LKW gestellt: Der kostet 280.000 Euro mehr als ein Diesel – und wird mit 240.000 Euro gefördert. Dabei hat er eine realistische Reichweite von 120 bis 150 Kilometer. Das heißt, wir können mit diesem Fahrzeug noch nicht mal Pellets beim Hersteller abholen. [lacht]

Es geht um die CO2-Neutralität

Die Wissenschaft fordert Technologieoffenheit, das Ziel sollte einzig die CO2-Neutralität sein. Es ist ein Wahnsinn, mit welchem Druck in der Politik die e-Mobilität forciert wird.

GSCHWÄTZ: Sie sind ein Brennstoffhändler. Wie stellen Sie sich für die Zukunft auf, wenn fossile Brennstoffe durch nachhaltigere Energie ersetzt werden sollen?

Weissert:  Wir haben eigentlich gar kein Energieproblem. Die Energie ist nur am falschen Ort zur falschen Zeit. Eigentlich haben wir sogar zuviel Energie. Das Hauptproblem ist das Speichern und die Transportlogistik. Wir müssen die Energie an den Ort bringen, wo sie gebraucht wird.

Power-to-Liquid in der Wüste

Ein Ansatzpunkt könnte sein, die Energie direkt am Entstehungsort umzuwandeln und die bestehende Infrastruktur zu nutzen. Saubere Stromerzeugung mit Photovoltaik „in der Wüste“, beispielsweise in den heutigen Ölförderstaaten, ist viel effizienter als bei uns. Wenn man diesen Strom vor Ort in Methan umwandelt, dazu braucht man nur CO2 und Wasser, dann könnte man das wie bisher in Tankern in alle Welt transportieren. Gleichzeitig würde man den Ölländern eine Alternative aufzeigen und unsere Industrie könnte die notwendigen Anlagen liefern.

Ebenfalls theoretisch möglich: Altfetten auch Heizöl

Auch könnte man unsere Kraftstoffe aus Altfetten auch Heizöl oder Flüssiggas beimischen. Öl- und Gasheizungen, aber auch Verbrennungsmotoren werden uns noch eine lange Zeit begleiten, da kann sich die Politik auf den Kopf stellen. Die Mobilität auf dem Land wird weiterhin individuell bleiben, man kann Stadt und Land nicht über einen Kamm scheren.

Wir sind heute schon auf erneuerbare Kraftstoffe spezialisiert.
Auf der anderen Seite haben wir die erste Schnellladesäule im Hohenlohekreis installiert, vertreiben Wallboxen und stellen mit unseren Kunden auf erneuerbare Energien um.

„Wir kommen aus der Luxussituation, dass der Strom einfach aus der Steckdose kommt“

Wir kommen aus der Luxussituation, dass der Strom einfach aus der Steckdose kommt. Dieser Komfort wird nicht besser. Wir suchen Wege und Lösungen, den Lebensstandard zu erhalten. Wir tun das, was wir können, um heute praktikable Methoden für den Klimaschutz umzusetzen.

„Da wundert man sich nicht mehr, warum man in unserem Land nicht weiterkommt“

Aber wir stehen uns seit Jahren im Weg. Ein Beispiel: Würde man industriell erzeugtes CO2, wie es etwa in der Zementindustrie anfällt, mit grünem Strom und Wasser in Methan umwandeln, dürfte das nicht auf die Erreichung der Klimaziele angerechnet werden. Da wundert man sich nicht mehr, warum man in unserem Land nicht weiterkommt.“

Das Interview führte Matthias Lauterer

Mehr Informationen:
https://jedertropfenzaehlt.de/
https://www.edi-hohenlohe.de/produkte/kraftstoffe/care-diesel/
https://toolfuel.eu/

 




„Gehört zu den größten Bremsern im aktuellen Bundestag“

Mehrere Bürger:innen versammelten sich in der vergangenen Woche vor der CDU-Zentrale in Künzelsau, um deren Bundestagskandidat Christian von Stetten die „Rote Klimakarte“ zu zeigen. Das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung von Hohenlohe for Future hervor.

Darin heißt es:

Die „Rote Klimakarte“ ist eine Aktion von Parents for Future Deutschland und Lobby Control, die im Vorfeld der Bundestagswahl am Sonntag, 26. September, auf besonders klimaschädliches Verhalten von Politikern und Politikerinnen aufmerksam machen. Im Hohenlohekreis beteiligte sich Hohenlohe for Future an der Aktion.

„Gehört zu den größten Bremsern im aktuellen Bundestag“

„Wir zeigen Christian von Stetten heute die Rote Klimakarte, weil er zu den größten Bremsern im aktuellen Bundestag gehört, wenn es um Maßnahmen für echten Klimaschutz geht“, erklärt Priscilla Reinauer aus Jagstberg. „Die politischen Entscheidungen der nächsten vier Jahre werden das Schicksal der Generation meiner Kinder bestimmen. Dürren, Brände, Stürme, Überflutungen: An vielen Orten der Welt sind Klimaextreme schon Alltag. Wenn wir nichts tun, wird das Leben der nächsten Generationen zu einem Kampf ums Überleben. Dieser Gedanke macht mir Angst.“

„Kampf ums Überleben“

Am 24. Juni 2021 stimmte der Deutsche Bundestag über die Verschärfung des Klimaschutzgesetzes ab, nachdem die erste Fassung vom Bundesverfassungsgericht für in Teilen unvereinbar mit den Grundrechten erklärt worden war. 351 Abgeordnete der Regierungskoalition votierten für das Gesetz, zehn Mitglieder der CDU stimmten gegen ihre eigene Partei – darunter Christian von Stetten, Abgeordneter für den Wahlkreis Schwäbisch Hall-Hohenlohe. Bereits 2019 mahnte er seine eigene Bundesregierung vor „übertriebenem Klimaschutz“.

von Stetten mahnte angeblich die Bundesregierung vor „übertriebenem Klimaschutz“

„Ich würde von Christian von Stetten gerne wissen, warum er gegen das Gesetz gestimmt hat und sich im Wahlkampf gleichzeitig als Klimaschützer darstellt“, fragt Silvia Schöne aus Künzelsau-Gaisbach. Von Stetten wirbt immer wieder mit seiner persönlichen Klimaneutralität mit Strom aus einer Photovoltaikanlage, Energie aus Holzhackschnitzeln und einem Brennstoffzellenauto. „Sein privates Engagement in allen Ehren, aber das ist nicht das, was seine Wähler:“innen bekommen, sondern seine Blockadepolitik gegen mehr Klimaschutz im Bundestag.“

„Blockadepolitik gegen mehr Klimaschutz im Bundestag“

Parents for Future Deutschland & Lobby Control haben Informationen zum klimaschädlichen Verhalten von Stettens zusammengetragen: Der CDU-Politiker ist Mitglied im Präsidium des Wirtschaftsrats seiner Partei, der immer wieder als Klimaschutzbremser auftritt. Der Wirtschaftsrat warnt vor ambitionierteren Klimazielen auf europäischer Ebene und prophezeit den Niedergang des Wirtschaftsstandorts Deutschlands, wenn hier mehr für den Klimaschutz getan werde. Auch die von ihm mitgeführte Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Union (MIT) spielt Klimaschutz gegen Wirtschaft aus. Von Stetten ist zudem auch Mitglied der Werteunion, deren Klima-Manifest von 2020 den Zusammenhang von CO2-Ausstoß und Klimawandel bestreitet und den menschemgemachten Klimawandel skeptisch sieht, Klimaforschung gar als „Müll-Wissenschaft“ bezeichnet. Der Klima-Wissenschaftler Stefan Rahmstorf hat in diesem Manifest 16 längst widerlegte Klima-Mythen ausfindig gemacht, die zuvor vor allem auf Webseiten von selbsternannten Klima-Skeptikern wie EIKE, Kalte Sonne, Tichy’s Einblick und der Achse des Guten verbreitet wurden.

Wirtschaft versus Klimaschutz

„Hohenlohe ist die Region der Weltmarktführer. Warum setzt sich Christian von Stetten nicht dafür ein, dass Hohenlohe auch zur Region der Weltmarktführer im Klimaschutz wird?“, fragt Friederike Höhn aus Künzelsau. In Braunsbach wurde deutlich, was der Wiederaufbau nach einer Überflutung gekostet hat, derzeit sehe man im Ahrtal und den anderen betroffenen Regionen, wie teuer kein Klimaschutz ist. „Klimaschutz ist Menschenschutz“, betont sie.

„In Braunsbach wurde deutlich, was der Wiederaufbau nach der Überflutung gekostet hat“

Die Bundestagswahl am 26. September wird die Grundlage für die politische Arbeit der nächsten vier Jahre legen. Ein breites Bündnis aus Gruppen der For-Future-Bewegung, kirchlichen Gruppen wie „Brot für die Welt“, Misereor, die vier großen Kirchen in Baden-Württemberg und auch Naturschutzverbände wie Greenpeace, NABU, WWF und BUND rufen zum Globalen Klimastreik am Freitag, den 24.09. auf. Auch der Hohenlohekreis ist mit dabei und setzt ein Zeichen für den Klimaschutz und gegen eine „Weiter so“-Politik: in Künzelsau um 15 Uhr am Unteren Markt und in Öhringen um 16 Uhr am Marktplatz. Die Mitstreiterinnen von Hohenlohe for Future rufen zur Teilnahme auf: „Es braucht Wähler:innen, um den Druck auf die Politik zu erhöhen. Deshalb gehen wir zusammen auf die Straße.“

Christian von Stetten hat laut eigenen Aussagen bereits rechtliche Schritte eingeleitet

Christian von Stetten wiederspricht den Anschuldigen von Hohenlohe for future vehement und hat laut eigenen Angaben bereits rechtliche Schritte eingeleitet. Und gibt GSCHWÄTZ hierzu auch eine Stellungnahme. Den Artikel hierzu lesen Sie hier.

 

 




„Der Mensch dringt immer tiefer in den natürlichen Lebensraum von Wildtierbeständen vor. Das steigert die Wahrscheinlichkeit, dass neue Viruserkrankungen vom Tier auf den Menschen übergehen“

Luisa Neubauer und Ursula sind im Gleichklang, zumindest bei einer Sache. Fast wortgleich geben die beiden bekannten Frauen Deutschlands derzeit Interviews mit einem ganz ähnlich klingenden Tenor: Der Klimawandel bedingt Pandemien.

So erklärte Ursula von der Leyen in einem Interview mit der ZEIT, dass wir uns am Anfang eines pandemischen Zeitalters befänden: „Wissenschaftler sagen uns, dass wir uns wahrscheinlich schon im Zeitalter der Pandemien befinden. Das Phänomen wird uns aller Voraussicht nach dauerhaft begleiten.“

Pandemien als Folge der Klimakrise

Als Gründe hierfür sieht von der Leyen unter anderem den Klimawandel, denn: „Sieben von zehn neuen infektiösen Erkrankungen werden vom Tier auf den Menschen übertragen. In den vergangenen Jahren haben wir doch in immer rascherer Folge Epidemien erlebt: Ebola, Sars, Mers, HIV, Zika. Dahinter steht eine größere Krise: die Zerstörung der Natur, Klimawandel, Artensterben, Massentierhaltung. Der Mensch dringt immer tiefer in den natürlichen Lebensraum von Wildtierbeständen vor. Das steigert die Wahrscheinlichkeit, dass neue Viruserkrankungen vom Tier auf den Menschen übergehen. Auch wenn der Kampf gegen diese Pandemie aktuell alles in den Schatten stellt, müssen wir uns parallel der größeren ökologischen Krise dahinter stellen.“

„Bei Tieren richten diese Viren häufig wenig Schaden an, aber wenn die Krankheiten auf den Menschen übertragen werden, wird es gefährlich“

Klimaaktivistin Neubauer äußerte sich gegenüber der Aachener Zeitung ähnlich: „Wir dringen bis in die letzte Wildnis vor.“ Sie führt näher aus: „Ich berufe mich hier auf Studien und wissenschaftliche Erkenntnisse. Und die sind relativ beunruhigend. Die letzten großen, verbreiteten Zoonosen wie HIV, Ebola, Sars, Mers, Zika sind in immer kürzeren Abständen aufgetreten. Bei Tieren richten diese Viren häufig wenig Schaden an, aber wenn die Krankheiten auf den Menschen übertragen werden, wird es gefährlich. Die Frage ist dann, woher die große Nähe zwischen wilden Tieren und Menschen kommt, die diese Verbreitung ermöglicht. Dabei spielt Wildtierhandel eine Rolle – und zwar nicht nur in China. Es verschwinden aber auch immer mehr die geschützten Lebensräume dieser Tiere, weil wir bis in den letzten Fleck Wildnis vordringen. Auch der Klimawandel erhöht die Wahrscheinlichkeit von Pandemien, weil sich Ausbreitungsräume von Infektionskrankheiten verschieben. Wenn wir Natur zerstören und Wälder roden, dann zerstören wir immer mehr die Chancen, dass wir ein sicheres und gesundes Leben führen können. Wir können nicht gesund bleiben in einer kranken Umwelt.“

Mikroorganismen von vor 20.000 bis 30.000 Jahren könnten aus einem Kälteschlaf erwachen

Wjatscheslaw Schadrin weißt in einem im Magazin des Goethe Instituts (Ausgabe 2/2020) erschienen Artikel mit dem Titel: „Die Natur vertraut uns nicht mehr“ darüber hinaus auf weitere klimatische Auswirkungen hin und welche Folgen diese wiederum letztendlich für den Menschen haben und bezieht sich dabei auf seine Heimat Sibirien: „Besonders auffallend ist die Veränderung der Flüsse und Seen. Wann das Eis zu treiben beginnt und die Zeit, in der die Flüsse zufrieren hat sich entscheidend verschoben. In unserer Region gibt es mehr Überschwemmungen, die Flüsse führen mehr Wasser, sodass die Ufer stärker unterspült werden. Aber die Ursache ist weniger die Strömung, sondern vielmehr der auftauende Permafrostboden. Und das ist eine große Gefahr, da fast alle unsere Dörfer an Flussufern liegen. In den letzten Jahren warnen die Einheimischen auch vor einem anderen Problem: Vieh, das an Milzbrand verendet und begraben worden ist, sowie alte Friedhöfe, mit Gräbern von Pest- und Pockentoten könnten freigespült werden. Früher war diese Bedrohung hypothetisch, jetzt ist sie real. Wissenschaftler*innen vermuten, Mikroorganismen von vor 20.000 bis 30.000 Jahren könnten aus einem Kälteschlaf erwachen –im Labor gibt es dafür bereits Beispiele. Das wäre eine potentielle Gefahr für die ganze Menschheit, da diese Mikroorganismen dann von Zugvögeln in der ganzen Welt verbreitet werden und verschiedene Mutationen ausbilden könnten.“

Wenn man die Pandemien in den Griff bekommen möchte, muss man die Klimakrise angehen

Luisa Neubauer kritisiert: „Die Zusammenhänge zwischen Klima, Umwelt und Gesundheit wurde bislang in der umweltpolitischen Debatte großzügig ausgeklammert.“

Nun aber erhält sie starke politische Rückendeckung von einer der mächtigsten Frauen auf der Welt: der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen. Es ist kein Geheimnis, dass sich Greta Thunberg, Luisa Neubauer und Ursula von der Leyen schon das ein oder andere Mal getroffen haben. Nun fragt sich: Wer wurde da von wem beeinflusst? Doch eigentlich ist diese Frage überflüssig. Entscheidend ist der Zusammenhang zwischen den Pandemien, die wir erleben und der Klimakrise, dass es keine voneinander getrennte Krisen sind, sondern die eine Krise ursächlich für die andere ist. Das heißt: Wenn man die Pandemien in den Griff bekommen möchte, muss man die Klimakrise angehen.

Luisa Neubauer: „ine konkrete Idee auf dem Tisch ist es, einen großen Teil des Planeten, etwa 30 bis 50 Prozent, unter Schutz zu stellen“

Auch einen konkreten Ausweg aus dem Dilemma weiß die 24-jährige Klimaschutzaktivistin Neubauer: „Wir erleben ja gerade, wie schnell es mit den Mutationen gehen kann. Manche sehen darin eine dritte Welle, andere sprechen schon jetzt von einer zweiten Pandemie. Diese Erfahrungen müsste für die Bundesregierung, aber auch für Regierungen weltweit eine maximale Motivation sein, sich der Klimakrise entgegenzustellen und das Ende der Naturzerstörung anzugehen. Die Pläne und Zielsetzungen dafür liegen seit Jahren auf dem Tisch, aber Regierungen haben sich darüber hinwegsetzt. Man hat kein einziges der 20 UN-Biodiversitätsziele bis 2020 erreicht. Ja, die notwendigen Transformationen sind manchmal inhärent langsam – aber vor allem dann, wenn man positiven Wandel aktiv verhindert. Eine konkrete Idee auf dem Tisch ist es, einen großen Teil des Planeten, etwa 30 bis 50 Prozent, unter Schutz zu stellen. Daran knüpft sich eine große Gerechtigkeitsfrage, weil man Menschen nicht ihren Lebensraum absprechen kann. Aber wir müssen darüber nachdenken, wie man Raum schaffen kann, damit die Natur und wir uns von unserer eigenen Zerstörung erholen können.“

Text: Dr. Sandra Hartmann




„Wir lassen niemanden zurück beim Klimaschutz“

„Wir lassen niemanden zurück beim Klimaschutz, denn jeder kann und muss seinen Beitrag dazu leisten – sozial ausgewogen und gerecht. Der Maßstab dafür ist die Einhaltung des 1,5 Grad-Ziels. Die dezentrale Energiewende spielt dabei für mich eine zentrale Rolle“, so der Hohenloher SPD-Landtagskandidat Patrick Wegener in einer Pressemitteilung. Darüber diskutiert er am Donnerstag, den 18. Februar 2021, um 18 Uhr über Zoom mit dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der SPD-Bundestagsfraktion, Dr. Matthias Miersch. Der war zentraler Akteur der SPD-Bundestagsfraktion bei der Einigung über ein Klimaschutzgesetz im Bund.

Die Diskussion wird auf Facebook übertragen. Eine direkte Teilnahme über Zoom ist unter folgenden Einwahldaten möglich: Meeting-ID 844 2103 5356, Kenncode 920137– alternativ über Facebook teilnehmen. Weitere Informationen gibt es unter http://www.patrick-wegener.de.


Quelle: Pressemitteilung von Patrick Wegener

 




Bis 2030 sollen doppelt so viele Menschen auf Bus und Bahn umsteigen

Ein zentrales Ziel für den Klimaschutz ist die Verdopplung der Nachfrage im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bis 2030 (Bezugsjahr 2010). Verkehrsminister Winfried Hermann stellte am Mittwoch, den 09. Dezember 2020, laut einer Pressemitteilung in einer Online-Veranstaltung Vertretern der Land- und Stadtkreise sowie der Verkehrsverbünde, der Verkehrsunternehmen und der Fahrgastverbände den ÖPNV-Report Baden-Württemberg vor. Darin wird beschrieben, wie der ÖPNV in den unterschiedlichen Regionen bisher aufgestellt ist und mit welchen Mitteln mehr Fahrgäste im ÖPNV gewonnen werden können. Die Studie analysiert den Status quo des ÖPNV auf Ebene der Verkehrsverbünde, der Stadt- und Landkreise sowie der Städte und Gemeinden. Dabei wird auch ein Vergleich gezogen mit ähnlich strukturierten vorbildlichen Best Practice-Regionen im In- und Ausland hinsichtlich der Angebotsqualität, des Preis-Leistungs-Verhältnisses und der Nachfrage im ÖPNV.

„Viele Kreise setzen den Angebotsausbau fort“

Minister Hermann sagte in der Mitteilung: „Der Quervergleich mit Regionen in der Schweiz und Österreich zeigt eines sehr deutlich: Die Verdopplung der Nachfrage im ÖPNV bis 2030
kann erreicht werden. Aber das erfordert eine gemeinsame Kraftanstrengung des Landes sowie der Stadt- und Landkreise als Aufgabenträger des ÖPNV. Viele Kreise machen sich hier im Rahmen ihrer Nahverkehrspläne bereits auf den Weg und setzen
den Angebotsausbau fort. Dazu zählt auch ein flächendeckendes Mindestangebot eines verlässlichen Stundentakts von 5 bis 24 Uhr, den das Land im Rahmen des Zielkonzepts 2025 für den regionalen Schienenverkehr als Mindeststandard bereits definiert hat. Aber für eine klimafreundliche Verkehrswende muss flächendeckend in allen Bereichen noch deutlich mehr in die Angebotsverbesserung investiert werden, im Schienenverkehr, im Stadtverkehr und im Busverkehr in der Fläche“, betonte Minister Hermann.

„Landkreise und kreisfreie Städte müssen ebenfalls ihr Angebot verbessern“

Die wichtigsten Hebel seien dabei eine deutliche Takt- und Fahrplanverdichtung, eine attraktive Kombination aus Taktdichte und preiswertem Tarif sowie eine bessere Verknüpfung von Bus und Bahn mit dem Fahrrad im Umweltverbund. Der Verkehrsminister machte deutlich: „Bund und Land haben bereits die Fördermittel für die Infrastruktur massiv ausgeweitet. Nun kommt es im nächsten Schritt darauf an, dass auch deutlich stärker in den Betrieb und in Fahrplanverdichtungen investiert wird. Landkreise und kreisfreie Städte müssen ebenfalls ihr Angebot ausbreiten und verbessern.“

Deutlich besseres Angebot in Österreich und der Schweiz

Denn der Vergleich zeigt, dass Best-Practice-Regionen in der Schweiz und in Österreich ein deutlich besseres Fahrplanangebot aufweisen, als viele Regionen in Baden-Württemberg. Die Analyse ergibt auch, dass in Regionen mit dichtem Fahrplanangebot der Marktanteil des ÖPNV spürbar höher ist. Minister Hermann betonte daher: „Nur mit durchgehend dichtem Fahrplanangebot – auch im Freizeitverkehr am Wochenende – kann der ÖPNV eine echte Alternative zum Pkw darstellen“. Und auch flexible Bedienformen könnten zu Zeiten und in Räumen mit schwacher Nachfrage eine wichtige ergänzende Rolle spielen. Dazu müssen Nutzungshürden jedoch abgebaut und die Regelungen vereinheitlicht werden.

„Das sind sehr gute Voraussetzungen für den weiteren Ausbau des ÖPNV“

Ein besonders positives Ergebnis der Studie ist, dass ein Großteil der Bevölkerung in Baden-Württemberg bereits heute eine ÖPNV-Haltestelle in kurzer Zeit erreichen kann: Zu Fuß kommen rund 86 Prozent aller Einwohner in maximal fünf Minuten zu einer Bus- oder Bahn-Haltestelle. Mit dem Fahrrad erreichen rund 68 Prozent aller Einwohner in maximal 15 Minuten sogar eine Bahnhaltestelle. „Das sind sehr gute Voraussetzungen für den weiteren Ausbau des ÖPNV. Und die schnelle Erreichbarkeit der Bushaltestellen zu Fuß und der Bahnhaltepunkte mit dem Fahrrad zeigt auch, wie wichtig die Optimierung der Fußwege und die Verknüpfung von ÖPNV und Rad durch den Ausbau guter Fahrradabstellanlagen an den Haltestellen ist. Auch das muss daher ein wichtiger Fokus in den nächsten Jahren sein“, erklärte Minister Herrmann.

ÖPNV einen Schritt nach vorne bringen

Die Ergebnisse des ÖPNV-Reports Baden-Württemberg fließen nun in den Strategieprozess ein, den das Verkehrsministerium im Juli 2020 begonnen hat. Die ÖPNV-Zukunftskommission wurde einberufen, um Ziel- und Maßnahmenempfehlungen für die ÖPNV-Strategie 2030 zu erarbeiten. Gemeinsam mit Experten aus allen relevanten Handlungsfeldern werden Ideen und Maßnahmen diskutiert, die den ÖPNV neu und groß denken sowie ihn strategisch einen weiten Schritt nach vorne bringen. Darüber hinaus bietet das Verkehrsministerium von Anfang 2021 an bis zu 25 Stadt- und Landkreisen eine auf ihre regionale Situation explizit zugeschnittene Präsentation der Ergebnisse des ÖPNV-Reports an.

Quelle: Pressemitteilung des Ministeriums für Verkehr Baden-Württemberg