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„Unser Kampf ist noch lange nicht vorbei“

Am Freitag, den 03. März 2023, rufen wieder weltweit Organisationen und Aktivist:innen zum Klimastreik auf. Die Aktivisten-Plattform Avaaz* fordert auf ihrer Internetseite: „Lasst uns also mit ihnen auf die Straße gehen – gegen den Ausbau von Kohle und Erdgas und für die Förderung der Erneuerbaren! Wir treffen uns auf einen der 180 Klimastreiks in ganz Deutschland — denn obwohl wir in den letzten Jahren schon viel erreicht haben, ist unser Kampf noch lange nicht vorbei.“

Tomorrow is too late

Auch fridays for future wirbt für die Klimademo, unter anderem mit dem markanten Hashtag #tomorrowistoolate: „Es gibt heute eine breite gesellschaftliche Mehrheit für mehr Klimaschutz – doch auf den großen Durchbruch warten wir bis heute. Weder an die Vereinbarungen aus dem Koalitionsvertrag noch an das Klimaschutzgesetz hält sich die Politik. Anfang März treffen sich die Ampel-Parteien zum Koalitionsgipfel. Kurz zuvor findet unser Klimastreik statt – auch in Deiner Nähe. Damit er sich auf die richtige Seite stellt, darf Scholz keine Sekunde lang glauben, die Menschen in diesem Land interessieren sich nicht mehr für das Klima. Dafür müssen die Demos wieder richtig groß werden. Gemeinsam machen wir klar: unsere Zukunft darf nicht an einer bockigen Politik scheitern.“

Auch im Ländle wird demonstriert

Mehr als 240 Demos sind bereits im ganzen Land angemeldet. Wo überall gestreikt wird, seht ihr hier: Klimastreik – Mit Fridays for Future auf die Straßen – Klima Streik (klima-streik.org)

Auch in Künzelsau, Öhringen, Schwäbisch Hall und Stuttgart gehen die Menschen für mehr Klimaschutz auf die Straße:

> Stuttgart, Schlossplatz, 14 Uhr

> Heilbronn, Bollwerksturm, 16.30 Uhr

> Öhringen, Marktplatz, 16 Uhr

> Künzelsau, Altes Rathaus, 16 Uhr

> Schwäbisch Hall, Fahrraddemo, 13 Uhr

 

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Avaaz.org ist ein weltweites Kampagnennetzwerk mit 70 Millionen Mitgliedern, das sich zum Ziel gesetzt hat, den Einfluss der Ansichten und Wertvorstellungen aller Menschen auf wichtige globale Entscheidungen durchzusetzen. („Avaaz“ bedeutet „Stimme“ oder „Lied“ in vielen Sprachen). Avaaz Mitglieder gibt es in jedem Land dieser Erde; unser Team verteilt sich über 18 Länder und 6 Kontinente und arbeitet in 17 verschiedenen Sprachen.

 




„Daran möchte ich gar nicht denken, dass das nicht gelingt“

50 bis 60 Teilnehmer seien es, meinte ein Polizeibeamter, der am Freitag, den 24. September 2021, am Unteren Markt in Künzelsau die Startkundgebung der Demonstration von Hohenlohe for Future beobachtete. Als sich der Demonstrationszug in Bewegung setzte, sah man deutlich, dass er sich verschätzt hatte. Es werden wohl mehr als 150 Teilnehmer gewesen sein, die etwa eine dreiviertel Stunde lang durch die Innenstadt zogen, den Verkehr wie gewünscht zum Anhalten brachten und lautstark auf sich und ihr Anliegen aufmerksam machten. Bunt gemischt war der aktive Teilnehmerkreis – vom Teenager bis zum Großvater, vom Mann im Anzug bis zur Frau in Hippiekleidung. Allen liegt das Thema „Klima“ für sich selbst und die nachfolgenden Generationen am Herzen. Eine Trommel und ein Megafon sorgten für die entsprechende Lautstärke.

„Da brauchts mehr als eine Demo“

Silas, 13 Jahre alt und Schüler, trug ein Schild, auf dem die Temperaturentwicklung im vergangenen Jahrhundert abgebildet ist. Er sagte: „Das geht uns alle etwas an, wir müssen jetzt die Folgen sichtbar machen.“ Ob die Teilnahme an einer Demo hilft? „Da braucht’s mehr als eine Demo, die Demo ist nur ein Stück“, zeigte er sich realistisch.

„Geld regiert die Welt“ – die Macht der Konzerne

Auf die Macht der Konzerne wies Tina, 53, mit einem Plakat hin, das George Grosz nachempfunden ist und den Großkonzern als dicken weißen Mann mit Zigarre symbolisiert. Die Macht des Geldes beziehungsweise der Konzerne wurde auch während des Demonstrationszuges zum Thema gemacht – insbesondere Öl- und Autokonzerne wurden zur verbalen Zielscheibe der Demonstrant:innen.  „Das Klima ist das Wichtigste, für das es sich zu kämpfen lohnt“, meinte Tina. Mit der Demonstration will sie vor allem mithelfen, andere Menschen, „auch aus der Politik“, ans Klima zu erinnern.

„nur Blabla, man redet nur“

Rainer gehört mit seinen 79 Jahren der „Großelterngeneration“ an. Er hat, wie er sagte, „diverse Enkelkinder“ und findet es „zu wenig, was die Regierung macht.“ Er höre „nur blabla. Man redet nur.“ Sein Beweggrund, an der Demonstration teilzunehmen, war: „Wenn einer läuft, ist das zu wenig, wenn viele laufen, sieht’s anders aus.“

Klimaneutralität

Dr.-Ingenieur Harald Drück, Mitglied des Künzelsauer Klimabeirats, erläuterte in einer Rede das Thema „Klimaneutralität“. Er definierte Klimaneutralität als „nicht mehr CO₂ erzeugen, als die Erde auch verarbeiten kann“. Derzeit, so sagte er, erzeugen wir etwa das Vierfache an CO₂, als die Erde verarbeiten kann. Er wunderte sich, dass das Thema Klimaneutralität schon in vielen Gesetzen vorkommt, aber nirgends steht, was jeweils unter Klimaneutralität verstanden wird – ein klarer Vorwurf an den Gesetzgeber.

„Gar nicht erst CO₂ verursachen“

Seine Folgerung ist: „Gar nicht erst CO₂ verursachen“. Die Mittel und Wege dazu klingen einfach:

  • Die Energieeffizienz steigern, also wenig Energie verbrauchen
  • Weniger, das heißt für ihn vor allem: intelligenter konsumieren
  • Erneuerbare Energien einsetzen

„Das ist nur gemeinsam zu schaffen“, war sein Schlusscredo.

„Daran möchte ich gar nicht denken“

Nicola Hellgardt leitete die Veranstaltung und ist mit ihren beiden Kindern gekommen. Sie wirkte ein wenig gestresst: „Eine Demonstration organisieren und auf zwei kleine Kinder aufpassen, das ist nicht einfach.“  In ihrer abschließenden Ansprache ist sie mit dem Verlauf der Veranstaltung zufrieden: „Man hat uns gehört und gesehen.“  Auch die Bilanz der Arbeit von Hohenlohe for Future sieht sie positiv: „Der Klimabeirat von Künzelsau wurde auch auf unsere Veranlassung gegründet – das ist ein ganz konkreter Schritt, den wir schon erreicht haben.“ Das Engagement im Klimabeirat steht in Zukunft auf der Agenda von Hohenlohe for Future, genauso wie die Organisation weiterer Demonstrationen.

Was aber passiert, wenn das Engagement keinen Erfolg hat, schließlich haben ja ältere Generationen ebenfalls schon für die Umwelt gekämpft? „Das kann trotzdem passieren, aber man darf die Hoffnung nicht aufgeben. Daran möchte ich gar nicht denken, dass das nicht gelingt.“

Text: Matthias Lauterer

#fff #Klimaneutralität #hohenloheforfuture #parentsforfuture #KlimabeiratKünzelsau

Lautstark machten die Demonstranten auf ihr Anliegen aufmerksam. Foto: GSCHWÄTZ

Geld regiert die Welt – Großkonzerne symbolisiert durch einen dicken, weißen Mann mit Zigarre. Foto: GSCHWÄTZ

Rund 150 Teilnehmer hatte die Demo, die durchaus auch den Verkehr zum Stehen brachten. Foto: GSCHWÄTZ

„Nicht mehr CO₂ erzeugen, als die Erde auch verarbeiten kann“ – ist eines der Anliegen. Foto: GSCHWÄTZ

Für Bremser gab’s die Rote Klimakarte. Foto: GSCHWÄTZ

Der 13-jährige Silas hatte auf sein Schild die Temperaturentwicklung der vergangenen Jahre aufgezeichnet. Foto: GSCHWÄTZ

 




Klimademo wegen Corona abgesagt

Aufgrund des Lockdown light wurde die in Künzelsau für Freitag, den 29. November 2020, geplante Klimademo abgesagt – wie in vielen anderen Städten auch. Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage teilte Parents for future mit: „Viele Ortsgruppen möchten nicht zu Veranstaltungen auffordern, die mit einer Ansammlung von Menschen verbunden sind.“ In manchen Städten würden zwar Demos unter sehr strengen Hygienemaßnahmen stattfinden, „wir haben uns aber bewusst dagegen entschieden und auch nirgendwo für eine Veranstaltung Werbung gemacht“.

Am globalen Klimaaktionstag sollte die Künzelsauer Demo am Hafenmarkt starten. Anschließend war eine Kundgebung geplant. Außerdem sollte mit „Sing for the climate“ ein hörbares Zeichen für den Klimaschutz aus Hohenlohe gesendet werden.

Wurde abgesagt: die Klimademo in Künzelsau am globalen Weltklima-Aktionstag.