Es klingt wie ein Endzeit-Szenario und vielleicht ist es das auch. 2052. Der neue Klima- und Wirtschaftsbericht des Club of Rome für die nächsten 40 Jahre zeigt an, worauf sich die Menschheit vorbereiten muss, basierend auf den Gedanken von Jorgen Randers.
Der vorangegangene große Klimabericht ebenfalls mit einem Ausblick auf die kommenden 40 Jahre von 1972 war immerhin sehr präzise.
Nun aber wollen die Macher nicht nur Katastrophenszenarien an die Wand malen, sondern Zukunftsszenarien, die konkrete Vorschläge beinhalten, wie der Einzelne auf sich abzeichnende Entwicklungen reagieren kann.
Temperaturen werden um mehr als 2 Grad steigen
Immerhin: Die Klimaintensität des Energieverbrauchs werde durch erneuerbare Energien gesenkt. Die CO2-Emissionen Energieverbrauch werden 2030 ihren Höhepunkt erreichen. Die Temperatur werde um mehr als zwei Grad steigen, und das werde zu ernsthaften Problemen führen.
Ende der Konsumgesellschaft
Nach Randers wird das Bevölkerungswachstum sich verlangsamen, ab etwa 2040 wird die Bevölkerung schrumpfen. Die Erwerbsbevölkerung wird bereits um 2030 abnehmen. Produktivität und Bruttoinlandsprodukt werden weiter wachsen, aber langsamer. Denn Investitionen zur Verhinderung und Beseitigung von Umweltschäden werden zunehmen müssen. Es werden bisher ungeahnte Katastrophenkosten entstehen, und der Staat wird sich stärker einmischen müssen. Insgesamt wird der Konsum nicht mehr ansteigen und nicht selten auch sinken.
Das Internet und immaterielle Güter
Das Internet werde ein völlig neues Verständnis von Privatheit und Öffentlichkeit entstehen lassen.[12] Wissen werde kein knappes Gut mehr sein, aber das werde nur bedingt zu rationaleren Entscheidungen führen, da Erkenntnisse allein nicht ausreichten, um Verhaltensänderungen zu bewirken, wenn starke Interessen dem entgegenstehen.[13] [14] Daher werde vermutlich eine „grüne Truppe“ zur Durchsetzung ökologischen Verhaltens eingerichtet werden, so wie heute die Blauhelme zur Friedenssicherung einträten.[15]
Norden Europas Klimagewinner
„Ich glaube, in 40 Jahren wird sich das Kräftegleichgewicht in Europa Richtung Norden verschieben. Die aufstrebenden Länder sind dann Skandinavien, Deutschland, die Beneluxstaaten und die Baltischen Staaten. Schottland wird seine Trennung vom Vereinigten Königreich vollziehen […] Südliche Länder wie Spanien, Portugal, Griechenland, Italien und der Balkan werden unter Temperaturanstiegen und Wasserknappheit leiden, wodurch es zu Nahrungsmittelknappheit, Gesundheitsproblemen und Unruhen kommt. Die Folgen sind Bevölkerungsverschiebungen und Einwanderungsschübe aus Nordafrika.“ (Catherine Cameron, S. 230)
- Angleichung der Staaten nördlich und südlich des Mittelmeeres aneinander
Trotz der Eurokrise bleiben die Staaten nördlich des Mittelmeeres für die nordafrikanischen Staaten attraktiv. „Trotz dieser düsteren Entwicklungen im mediterranen Norden nimmt die illegale Zuwanderung aus Afrika und Asien explosionsartig zu, hauptsächlich in Richtung Italien und Griechenland und in schwächerem Ausmaß nach Spanien, Malta und Zypern.“ (Thymio Papayannis, S. 235)
- Slum-Urbanismus in Afrika
Edgar Pieterse nimmt an, „dass Slum-Urbanismus angesichts des schwachen BIP-Wachstums, der anhaltenden Lohnungleichheit und systemischen politischen Fehlfunktion ein vorherrschender Zug afrikanischer Städte bleiben wird. […] Vom Staat wird nichts erwartet, genauso wenig wie vom privaten Markt. Stattdessen finden sich die Bewohner in verschiedenen Konstellationen zusammen und versuchen, ihr minimales Einkommen zu strecken, indem sie ihre gegenseitige Unterstützung, ihr Wissen und ihre Arbeitskraft einsetzen, um langsam aber systematisch alle nach vorne zu bringen. Im Kern dieses sozialen Betriebssystems steckt die Möglichkeit, die Ressourcen und Erwartungen der geordneten Stadt außerhalb des Slums ausschlachten, unterwandern, in Besitz nehmen und umformen zu können.“ (Edgar Pieterse, S. 241)
Geringere Fixierung auf Wirtschaftswachstum
Zur Veränderung wirtschaftspolitischer Zielsetzungen argumentiert Randers wie folgt:
„Ich glaube nicht, dass der Kapitalismus in den kommenden 40 Jahren unverändert weiter existieren wird. Der Name wird bleiben, doch die Funktionsweise der kapitalistischen Gesellschaft wird sich auf zweierlei Arten wandeln: Investitionsströme werden nicht mehr nur von Profitabilität gesteuert werden und Unternehmen werden gezwungen sein, nicht nur über ihre finanziellen Leistungen Rechenschaft abzulegen, sondern auch über die ökologischen und gesellschaftlichen Konsequenzen ihres Handelns.
Die Lösungen mögen teilweise schon fast ironisch wirkend, sind jedoch von Randers ernst gemeint. So heißt es unter anderem:
- Legen Sie mehr Wert auf Zufriedenheit als auf Einkommen.
- Vermeiden Sie eine Vorliebe für Dinge, die bald verschwunden sein werden.
- Investieren Sie in hochwertige Unterhaltungselektronik als Ersatz für die Realität.Was Randers dabei nicht ausspricht, aber andeutet, ist die Frage: Sollte man sich nicht früh daran gewöhnen, dass man vieles nicht mehr unternehmen kann, was früher möglich war?
- Erziehen Sie ihre Kinder nicht zu Naturliebhabern.
- Wenn Ihnen die Vielfalt des Lebens am Herzen liegt, genießen Sie sie, solange Sie noch können.
- Besuchen Sie die Sehenswürdigkeiten der Welt, bevor sie durch die Menschenmassen ruiniert werden.
- Wohnen Sie an einem Ort, der vom Klimawandel möglichst wenig betroffen ist.
- Ziehen Sie in ein Land, in dem Entscheidungen getroffen werden können.
- Finden Sie heraus, welche Folgen fehlender Nachhaltigkeit ihre Lebensqualität am meisten beeinträchtigen werden.
- Wenn Sie nicht im Dienstleistungsbereich oder in der Pflege arbeiten wollen, suchen Sie sich einen Job in den Bereichen Energieeffizienz oder erneuerbare Energien.
- Raten sie ihren Kindern, Mandarin zu lernen.
- Verabschieden Sie sich von der Vorstellung, jedes Wachstum sei gut.
- Denken Sie daran, dass Ihre fossilen Wertanlagen eines Tages plötzlich ihren Wert verlieren werden.
- Investieren Sie in Dinge, die robust gegen soziale Unruhen sind.
- Tun Sie mehr als Sie müssen. So vermeiden Sie später ein schlechtes Gewissen.
- Für Unternehmer: Loten Sie das Geschäftspotential von Verbesserungen der Nachhaltigkeit aus.
- Für Unternehmer: Mengenwachstum bedeutet nicht automatisch Gewinnsteigerung.
- Für Politiker: Wenn Sie wiedergewählt werden wollen, unterstützen Sie nur Initiativen, die langfristige Gewinne versprechen.
- Für Politiker: Denken Sie daran, dass wir in Zukunft an viele Grenzen stoßen werden.
- Für Politiker: Akzeptieren Sie, dass der gleichberechtigte Zugang zu begrenzten Ressourcen wichtiger werden wird als die Redefreiheit.
Bleibt zu hoffen, dass auch dieser Bereicht, ähnlich wie der erste, die Menschheit wachrüttelt und zum Umdenken zwingt. Allerdings hat die Menschheit auf die vorhergehenden Berichte zwar reagiert, aber mit einer Verzögerung von 20 bis 40 Jahren.
Zum Zweiten ist er vor dem Hintergrund der Erfahrung seit 1972 zu lesen, nämlich, dass die gesamte Menschheit auf die vorhergehenden Berichte reagiert hat, aber mit 20- bis 40-jähriger Verzögerung.
Text: Dr. Sandra Hartmann