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Ein Sieg, der eigentlich keiner ist

In Ingelfingen und der Nachbargemeinde Niedernhall durften am Muttertag, am Sonntag, den 08. Mai 2022, die Einwohner:innen ihren neuen Bürgermeister wählen. In beiden Gemeinden siegte der bisherige Bürgermeister – was in Niedernhall nicht überraschend war, immerhin trat Bürgermeister Achim Beck konkurrenzlos an und erzielte ein Ergebnis von knapp 97 Prozent – unter Berücksichtigung einer mageren Wahlbeteiligung von 39 Prozent.

Bürgermeisterwahl in Ingelfingen am 08. Mai 2022. Foto: GSCHWÄTZ

Erleichterung bei Michael Bauer

In dem nur wenige Kilometer entfernten Ingelfingen erzielte der alte und neue Bürgermeister Michael Bauer mehr als 40 Prozent weniger als Beck in Niedernhall. Die Erleichterung war Bauer am Rathaus bei der Verkündung des Ergebnisses anzusehen. Gerade so hatten die Stimmen seiner Anhänger ausgereicht, ihn über die 50-Prozent-Hürde zu tragen (1326 Stimmen fielen auf ihn, 1073 auf Mitbewerber Klaus Schmitt). Die Anspannung fiel merklich von ihm ab. Er verwies bei seiner kurzen Rede vor rund 100 Schaulustigen auf das knappe Ergebnis, sei aber froh, dass ER nun hier vorne stehen dürfe. Einer der Zaungäste riet ihm wohl bei der Gratulationsrunde, sich dieses Ergebnis zu Herzen zu nehmen. Die Antwort fiel wohl mehr als kühl aus. Es dürfte sich daher vermutlich nicht fiel ändern in den nächsten Jahren in Ingelfingen – zumindest was den Umgang zwischen Rathauschef und seinem Volk betrifft. Wer Fragen und Anregungen hat, darf um eine Audienz bitten.

Herausforderer Klaus mit seiner Frau Meliha Schmitt bei der Bürgermeisterwahl in Ingelfingen am 08. Mai 2022. Foto: GSCHWÄTZ

Die Wahlbeteiligung lag in Ingeflingen bei rund 55 Prozent. Das heißt, fast jeder zweite Einwohner:in verzichtete darauf, zur Wahl zu gehen. Ob aus Frust an der Lokalpolitik, an der Politik im Allgemeinen oder aus Desinteresse – zu den Gründen kann man an dieser Stelle nur spekulieren. Zur Wahl gegangen sind vermutlich vor allem die Menschen, die entweder voll und ganz hinter Bauer und seiner Politik stehen oder einen Wechsel wollten. Rund 300 Stimmen trennten den Unternehmer und politischen Newcomer Klaus Schmitt vom Sieg. Dabei haben sich die Teilorte und auch die Kernstadt teilweise sehr deutlich positioniert. Während in Diebach und Eberstal die Mehrheit Klaus Schmitt ihr Kreuz gab und damit einen Wechsel wollten, stimmten in Dörrenzimmern/Stachenhausen rund zwei Drittel für Bauer (wie haben die Teilorte und die Kernstadt gewählt? Hier geht es zu den Ergebnissen.).

Bürgermeisterwahl in Ingelfingen am 08. Mai 2022. Foto: GSCHWÄTZ

Über 44 Prozent der Stimmen konnte Klaus Schmitt für sich verbuchen. Ein Achtungserfolg, der quasi aus dem Nichts entstanden ist.

2006 holte Bauer bei seinem ersten Wahlsieg noch über 90 Prozent. Dieses Wahlergebnis nun, 16 Jahre später, ist kein Warnschuss mehr. Dies ist eine Abwahl auf Raten – wenn sich an seinem Kurs nicht schleunigst etwas ändert.

Bürgermeisterwahl in Ingelfingen am 08. Mai 2022. Foto: GSCHWÄTZ

Stimmauszählung. Bürgermeisterwahl in Ingelfingen am 08. Mai 2022. Foto: GSCHWÄTZ

Bürgermeisterwahl in Ingelfingen am 08. Mai 2022. Foto: GSCHWÄTZ

Bürgermeisterwahl in Ingelfingen am 08. Mai 2022. Foto: GSCHWÄTZ

Bürgermeisterwahl in Ingelfingen am 08. Mai 2022. Foto: GSCHWÄTZ




Gehen oder bleiben? Wählt Ingelfingen heute seinen alten oder einen neuen Bürgermeister?

So spannend wie die vergangenen 16 Jahre nicht war der Bürgermeisterwahlkampf in Ingelfingen in diesem Jahr. Nach 16 Jahren Amtszeit hat Mitbewerber Klaus Schmitt seinen Hut in den Ring geworfen um die Rathauskrone. Michael Bauer wirkt in diesem Wahlkampf angespannt und weiß anscheinend darum, dass sein Stuhl wackelt.

Stuhl wackelt

Spannend war und ist der Wahlkampf besonders deshalb, weil beide auf dem Lipfersberg wohnen und höchst unterschiedliche Menschen sind. Michael Bauer setzt auf seine langjährige Amtserfahrung, Klaus Schmitt betont, dass er die Menschen künftig mehr miteinbeziehen möchte in die Politik vor Ort, quasi gemeinsam mehr gestalten, wieder mehr miteinander in Dialog treten, auch die Wünsche der Wirtschaft stärker berücksichtigen, um sie an dem Standort Ingelfingen zu halten oder vielleicht sogar neues Gewerbe für das kleine Kocherstädtchen zu gewinnen.

Gemeinderat kämpfte bis zum Schluss

Michael Bauer sagte unter anderem bei dem Stimme-Wahlforum, dass seine Türen immer offenstünden für Wünsche und Anregungen der Bürger:innen. Des Öfteren beklagten sich indes Einwohner:innen und Gemeinderäte, dass Dinge beschlossen wurden und erst im Nachhinein, wenn überhaupt kommuniziert wurden. Lebendige Debatten im Gemeinderat wie in anderen Städten und Gemeinden gibt es in Ingelfingen eher selten. So kämpfte der Gemeinderat bis zum Schluss für eine letzte Stitzung, weil es einige Dinge gab, die sie noch ansprechen wollten vor der Bürgermeisterwahl. Michael Bauer ließ die letzte geplante Sitzung jedoch ohne Gründe ausfallen. Übers Landratsamt ging dann der Weg von einer Handvoll Gemeinderäten, bis schließlich Michael Bauer klein beigeben musste, die letzte Sitzung doch noch abzuhalten und diese legte er auf einen Tag vor der Wahl.

Um 18 Uhr schließen die Wahllokale. Es gibt wohl einige Briefwähler:innen, die ihre Wahl bereits gemacht haben. Gegen 18:30 Uhr wird bereits eine Entscheidung erwartet.




Hund, Katze, Maus…beim BM-Wahlkampf in Ingelfingen muss man zwischen den Zeilen lesen

Bürgermeisterkandidat Klaus Schmitt wirbt im Wahlkampf um den Rathaussessel in Ingelfingen mit den Schlagworten „Offenheit, Fairness, Respekt“. Neben den verwaltungstechnischen Kernkompetenzen scheint auch das Zwischenmenschliche in dem Wahlkampf um die Bürgermeisterkrone in Ingelfingen eine große Rolle zu spielen. Warum ist das so?

So einiges ist passiert in den vergangenen Jahren

So einiges ist passiert in den vergangenen Jahren. Bei der einzigen städtischen Wahlveranstaltung am Donnerstag, den 28. April 2022, hat eine Erzieherin den amtierenden Bürgermeister Michael Bauer auf  den großen Sanierungsstau im Kindergarten Breter angesprochen, der schon lange angegangen werden sollte. Jetzt werde alles angegangen, versprach Bauer nun im Wahlkampf. 50.000 Euro seien dafür veranschlagt. Doch wirft man einen Blick in den Haushaltsplan findet man den Kindergarten zum einen darin nicht. Und auch die 50.000 Euro sind angesichts der Aufgaben, die dort anstehen, wie Fenster, Heizung und vieles mehr vermutlich bei Weitem nicht ausreichend. Also alles nur ein Vertrösten bis auf nach der Wahl und dann ein Weiter so?

Die liquiden Mittel sinken in den nächsten drei Jahren

Erklärungsbedrf auch bei seiner Aussage , die er an der städtischen Wahlveranstaltung getätigt hat, Ingelfingen sei schuldenfrei. Das ist so nur dann richtig, wenn man Verschuldung und Überschuss aufrechnet. denn: Die liquiden Mittel sinken in den nächsten drei Jahren.

Es ist nicht unüblich, dass man im Wahlkampf gerne übertreibt, schön redet und verspricht, was das Zeug hält, um nach der Wahl einen Teil davon umzusetzen. Auch Klaus Schmitt hat so einige Projekte, die er angehen möchte, genannt und man weiß jetzt noch nicht, wie deren Umsetzbarkeit sind, etwa die Wiederbelebung des Kurparks und der Innenstadt Ingelfingens.

An was viele in diesem Wahlkampf eigentlich denken

An was aber in diesem Wahlkampf viele denken, sich aber nur wenige sich trauen zu sagen, aus Angst, die nächsten 8 Jahre dafür „bluten“ zu müssen (so ein Unternehmer), sind Begebenheiten, die einige Bürger:innen mit Bauer den vergangenen 16 Jahren hatten, die eher unangenehmer Natur waren.

Als er damals mit Anfang 40 gewält wurde, war er jung, charismatisch, nett. Die Ingelfinger freuten sich, einen so jungen Rathauschef in ihrerm Kocherstädtchen haben zu dürfen. Irgendwann drehte sich allmählich das Blatt. Bauer wurde patriachaler im Auftreten, autoritärer. Eine Unternehmerin sagt, er hätte sich gewandelt, weil er sich von vielen ungerecht behandelt fühlt. Mit Kritik konnte Bauer schlecht bis gar nicht umgehen, nachtragend sei er und teile die Welt in Freund und Feind ein. Im Gemeinderat habe nur der- ode diejenige ein leichtes Leben, die ihm nach dem Mund reden, ansonsten gäbe es Ärger in Form von verbalen Attacken. Auch Bürger:innen bekamen diese verbalen Attacken schon zu spüren, wenn sie etwa die Fahrbahn nicht ordnungsgemäß in Ingelfingen befuhren. Ortssherif Bauer griff ein, der Fall endete vor Gericht.

Persönliche Privilegien

Er nehme sich Vorteile heraus,die ansonsten kein anderer in Ingelfingen genießen dürfe, heißt es. Während einige Bauvervorhaben regelmäßig nicht durch den Gemeinderat kommen, weil etwa die beantragte Gaube nicht den rechten Winkel aufweise, habe er sich auf zwei Grundstücke eine große Villa hingebaut, was ansonsten in Ingelfingen nicht möglich sei. Auch sein Hund genieße als offizieller Ingelfinger Jagdhund besondere Privilegien. Eine Katze hat er indes schon auf dem Gewissen.

Diverse Gemeinderäte sind in der Vergangenheit wegen seines autoritären Führungsstils aus dem Gemeinderat ausgetreten oder bei den Wahlen nicht wieder angetreten.

Ärger wegen Faschingsplakat

Mit dem Faschingskomittee kam er wegen es Plakates aneinander, das sinngemäß den Titel trug: „Was für ein Zirkus in Ingelfingen“. Er hat sich dabei persönlich angegriffen gefühlt. Das Plakat musste geändert werden.

Bauer ist nicht ohne Grund aus dem Kreistag ausgetreten beziehungsweise hat nicht mehr kandidiert, auch hier gab es Probleme, mit den Bürgermeistern von den Nachbargemeinden hat er zudem nicht das beste Verhältnis. Ingelfingen steht in diversen Punkten derzeit isoliert da. Die Teilorte fühlten sich in der Vergangenheit nicht selten übergangen. Gemeinderäte attestieren Bauer eine „mangelnde Kommunnikationsfähigkeit“.

Es geht daher in diesem Wahlkampf um eine Richtungswahl für Ingelfingen. Entweder 8 Jahre ein isoliertes Weiter -so mit einem Abnickgremium in Form eines Gemeinderates oder eine lebendige Demokratie mit neuen Ideen und ein gemeinsames Miteinander für ein eigentlich bezaubernd schönes Kocherstädchen, das so viel Potenzial für mehr hat.

Die Bürger:innen haben die Wahl. Am 08. Mai 2022.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann




„Ich finde, ein Bürgermeister sollte als Vorbild vorangehen“

Die Bürgermeisterwahl in Ingelfingen steht kurz bevor. Am 08. Mai wird sich zeigen, welcher der beiden Kandidaten das Rennen macht. Der politische Newcomer und Unternehmer Klaus Schmitt steht dem amtierenden Bürgermeister Michael Bauer gegenüber. Schmitt sagt von sich, er wolle „neue Wege“ einschlagen und dem „alten Trott“ entgegenwirken. Im Hotel Nicklass stand er am Donnerstag, den 21. April 2022, den Ingelfingern Rede und Antwort, erklärt, wie genau er diese „neuen Wege“ einschlagen möchte und wird zum Teil sogar ins Kreuzverhör genommen.

Angeregte Stimmung

Die Stimmung im Tagungsraum des Hotel Nicklass ist am vergangenen Donnerstag „angeregt“, wie sie Klaus Schmitt später beschreibt. Rund 30 Interessierte scharen sich um den Unternehmer. Die Agenda ist folgende: Schmitt beginnt mit einer kurzen Vorstellung seiner selbst, anschließend möchte er den Interessierten sein Wahlprogramm vorstellen und zum Abschluss ist Raum für eine Fragerunde vorgesehen. Doch so weit kommt es nicht. Schon unmittelbar nach der Vorstellungsrunde wird Schmitt unterbrochen und mit einer Frage nach der anderen konfrontiert. Es entsteht der Eindruck, dass eine Minderheit der Anwesenden einige Fragen nur stellt, um Schmitt zu kompromittieren, aber darauf wird im Folgenden detaillierter eingegangen.

Zwei Männer fallen auf

Gerne hätten wir die Veranstaltung mit der Kamera begleitet. Uns wurde dies im Vorfeld auch von Klaus Schmitt genehmigt. Während der Veranstaltung allerdings wurden diese Bemühungen sabotiert. Zwei Männer im Publikum echauffierten sich dermaßen darüber, dass bei der öffentlichen Wahlkampf-Veranstaltung Redner Schmitt gefilmt wurde, dass Schmitt schließlich dem Druck nachgegeben hat und uns gebeten hat, das Filmen, um des Friedens willen, zu unterlassen.

Schwieriges Unterfangen

Dieselben Herren, die unsere Bemühungen zu filmen sabotiert haben, sind auch dadurch aufgefallen, dass sie Schmitt zum Teil ins Wort gefallen sind. Es entstand zuweilen der Eindruck, die beiden wollten Schmitt bewusst bloßstellen. Zum Teil haben daraufhin wiederum andere Anwesende, weitere Menschen, die Fragen stellen wollten, dazu aufgefordert, sich bemerkbar zu machen, um, neben diesen beiden Personen, die sehr viel Raum im Gespräch eingenommen haben, auch einmal zu Wort zu kommen. Im Folgenden werden wir einige Themen wiedergeben, die auf der Wahlkampfveranstaltung zur Sprache gekommen sind.

Will man Schmitt bewusst bloßzustellen?

„Haben Sie Verwaltungserfahrung? Nein? Wie stellen Sie sich dann überhaupt vor, als Chef der Verwaltung tätig zu sein? Das schaffen Sie nie!“ – Mit diesen harschen Worten startet die Diskussionsrunde. Schmitt antwortet darauf gewohnt ruhig und besonnen und erläutert anhand seiner vorangegangenen Tätigkeit, dass „sich in neue Aufgabengebiete einzuarbeiten“ für ihn „kein Hindernis“ sei. Des Weiteren betont Schmitt, dass das ja gerade auch für die Tatsache spreche, dass er, „gemeinsam“ mit Ingelfingen „einen Neuanfang“ wagen wolle. „Denn“, so Schmitt, „wenn Sie mal schauen wie hier die Kommunikation ist zu den Vereinen: Da liegt vieles im Argen. Wenn Sie schauen wie die Kommunikation ist zu den Nachbargemeinden: Die ist auch auf Eis gelegt.“

Aufbrausend und aggressiv

Darauf folgt eine Zwischenfrage aus dem Publikum: „Können Sie das bitte mal näher erläutern, anstatt nur Behauptungen aufzustellen?“ Schmitt: „Tatsache ist ja zum Beispiel, dass die das geplante Projekt einer gemeinsamen Kläranlage nicht stattgefunden hat. Jetzt haben wir seit dieser Woche eine neue Kooperation mit der Stadt Künzelsau und mit Kupferzell. Aber auch da ist die Frage: Warum hat man das nicht mit den Gemeinden kocherabwärts hingekriegt?“ „Warum wissen Sie nicht, warum man das nicht gemacht hat? Das ist nämlich allgemein bekannt“, entgegnet der Fragensteller. Eben dieser Herr unterstellt Schmitt „Falschaussagen“ wie schon „in seinen Videos“ und fordert ihn auf: „Na sagen Sie uns doch, woran es gelegen hat. Wir wollen es von Ihnen hören, wir wissen es ja schon!“ Sein Ton ist aufbrausend und aggressiv. Anschließend erklärt er mit verschränkten Armen und belehrendem, Tonfall, „den Gemeinden kocherabwärts“ hätte es „zu lange gedauert“ und deshalb hätten Sie sich „aus dieser Verwaltungsgemeinschaft, die da entstanden wäre, zurückgezogen.“ Außerdem sagt der Herr mit den vor der Brust verschränkten Armen: „Sie sehen schon, das ist Verwaltung und in der Verwaltung mahlen manche Mühlen halt langsam. Anders, als als selbstständiger Unternehmer, wo man alles, wie Sie schon gesagt haben, neu anpacken und sofort forcieren und entscheiden möchte.“

Es gibt Redebedarf

„Jetzt kommen wir zu meiner nächsten Frage“, schließt eben zitierter Herr an. „Sie haben gesagt, Sie sind seit 22 Jahren in Ingelfingen und möchten neue Räume schaffen für junge Leute, die hier wohnen möchten. Sagen Sie mir, wo Sie ein neues Baugebiet machen möchten.“ Schmitt erwidert: „Also, dass das ein Riesen Thema ist, habe ich schon mitgekriegt, da es ja nur noch wenig Fläche gibt. Auch in den Teilorten ist es so, weil die jungen Leute gerne in der Nähe  ihrer Familien bleiben würden. (…) Tatsache ist, dass hier die Flächen begrenzt sind. Ein Hindernis sind hier auch die sogenannten FFH-Flächen, die als Naturschutzgebiet ausgewiesen sind, die das Ganze ein Stück weit verhindern.“ Trotzdem könne man „auch in FFH-Flächen Bauplätze schaffen, wenn man Ausgleichsflächen zur Verfügung stellt.“ „Und wo sind die? Wo bringen Sie die her?“ Schmitt antwortet: „Viele dieser sogenannten Ausgleichsflächen sind in Privatbesitz und da komme ich wieder mit meiner Kommunikation. Da herrscht Redebedarf mit den Grundstücksbesitzern.“

Seniorenrat fragt: „Warum haben Sie kein Photovoltaik auf dem Dach?“

Ein Mitglied des Seniorenrats fragt: „Sie sind seit 22 Jahren in Ingelfingen und unter Ihrem Untertitel ‚Gestalten‘ schreiben Sie ‚Ingelfingen klimaneutral machen – insbesondere für unsere Kinder und Enkel‘. Das ist eine ganz tolle Sache, aber Sie sind seit 22 Jahren in Ingelfingen, aber auf Ihrer Dachfläche, die wunderbar dafür ausgerichtet wäre, Photovoltaik anzubringen, haben Sie kein Photovoltaik. Warum nicht, wenn Sie das klimaneutral machen wollen?“ Schmitt kontert mit einer Gegenfrage: „Warum hat die Stadt keine Photovoltaik-Anlagen auf ihren Dächern?“ – „Das ist eine andere Sache. Die Stadt bewirbt sich nicht um einen Bürgermeisterposten, sondern Sie.“ Durch die Reihen geht ein Kopfschütteln. Ein Zwischenruf aus dem Publikum ertönt: „Man sollte jetzt doch mal ein bisschen sachlicher bleiben.“ Schmitt beschwichtigt: „Das ist schon okay. Ich finde, ein Bürgermeister muss als Vorbild vorangehen und wenn ich die Stadt Ingelfingen klimaneutral machen möchte, dann werde ich, logischerweise, auch schauen, dass ich mir auch ein Angebot für eine Photovoltaikanlage einhole. Und das ist ja toll, wie stark sich der Seniorenrat bei mir Daheim umschaut. Der Herr L. (Name von der Redaktion gekürzt) war schon bei mir im Hausflur und hat sich über alles Mögliche erkundigt. Er hat sich nur leider nicht als solcher (Mitglied des Seniorenrats) zu erkennen gegeben.“

„Die Stadt bewirbt sich nicht um einen Bürgermeisterposten, sondern Sie“

Eine weitere Frage aus dem Publikum lautet: „Wie wollen Sie Ingelfingen jetzt tatsächlich klimaneutral machen? Bis jetzt haben Sie gesagt: ‚Das sollte man machen.‘ Aber wie? Und gleich die Anschlussfrage: Wie wollen wir das bezahlen?“ Der zweifache Vater Schmitt entgegnet: „Im Kreis gibt es jetzt einen Klimabeauftragten, den Herrn Schröder. Mit dem habe ich über das Klimaschutzkonzept für den Hohenlohekreis gesprochen. Das ist schon wieder überholt, weil das noch auf Basis von 2014 ist, aber darin werden 42 Punkte für die Gemeinden vorgeschlagen, was man tun kann, um eine Stadt klimaneutral zu machen. Ich beschäftige mich mit dem Thema erst seit Kurzem, aber ich weiß schon einmal, dass wir da vom Kreis Unterstützung bekommen. Da wäre es natürlich gut, wenn der Bürgermeister auch im Kreis vertreten wäre, was wir im Moment nicht sind. Da werden die ersten Weichen gestellt. Für Fördergelder, aber auch für Konzepte, an denen man anknüpfen kann.“

Photovoltaik-Flächen sollte nicht auf Kosten von Ackerbau gehen

„Haben Sie noch andere Fragen?“, fragt der Gastgeber Klaus Schmitt in die Runde. Ein Herr mit freundlichem Gesichtsausdruck meldet sich zu Wort: „Herr Schmitt, wie stehen Sie zu Flächen-Photovoltaik?“ – „Ich habe gehört, dass der Armin Müller im Gemeinderat einen tollen Vortrag zu den Vor- und den Nachteilen von Flächen-Photovoltaik für die Landwirtschaft gehalten hat“, erzählt Schmitt. „Klar ist: Flächen-Photovoltaik soll nicht auf Kosten von kostbarem Boden gehen, wo man Nahrungsmittel produzieren kann. Das heißt, es käme ja schon einmal nur eine bestimmte Art von Bodenqualität dafür infrage. In Künzelsau war das ja jetzt ganz groß Thema. Die haben eine Fläche in Mäusdorf genehmigt und eine andere abgelehnt, weil da eben doch wieder ganz unterschiedliche Voraussetzungen waren. Generell finde ich es dann gut, wenn der Boden dafür nicht für kostbarere Anbaugeschichten verloren geht und die Optik nicht massiv gestört wird.“

Schmitt gibt es sich durchweg freundlich, ruhig und diplomatisch

Andere Themen, die ausführlich diskutiert werden, sind vor allem der Stadtpark, Spielplätze und die Idee, neue gastronomische Angebote zu schaffen, beispielsweise auf der Burgruine.

„Das hat aber schon immer gut geendet.“

„Mit kritischen Fragen war ich schon öfter konfrontiert“, sagt der Bürgermeisterkandidat. „Aber das gehört ja auch dazu. Das ist ja auch das gute Recht der Bürger, sich zu informieren und die Dinge, die sie bewegen auch zu fragen. Dafür sind ja diese Bürgergespräche gedacht. Das hat aber immer gut geendet.“

Text: Priscilla Dekorsi

Klaus Schmitt mit seiner Frau bei einer Wahlkampfveranstaltung im Hotel Nicklass am 21. April 2022. Foto: GSCHWÄTZ

Klaus Schmitt, Bürgermeisterkandidat in Ingelfingen, bei einer Wahlkampfveranstaltung in Ingelfingen. Foto: GSCHWÄTZ




„Ein Bürgermeister ist für die Menschen da und nicht umgekehrt“

Nicht mal einen Monat bleibt den Kandidaten noch Zeit, die Ingelfinger von sich als Rathauschef zu überzeugen. Seit Montag, den 11. April 2022, ist klar: In Ingelfingen bewerben sich Klaus Schmitt und der amtierende Bürgermeister Michael Bauer um das Amt. Während Niedernhall nur einen Kandidaten hat: den amtierenden Bürgermeister Achim Beck. Auch im Nachbarstädtchen Niedernhall wählen die Einwohner:innen am 08. Mai 2022 ihren neuen Rathauschef.

„Ich bin froh, dass ich mich beworben habe“

Dr. Sandra Hartmann hat mit Ingelfingens Bewerber Klaus Schmitt gesprochen, wie seine nächsten Wochen ausschauen.

GSCHWÄTZ: Wie geht es Ihnen am heutigen Tag, nachdem nun klar ist, dass es keinen weiteren Bewerber um das Amt des Ratshauschefs in Ingelfingen geben wird?

„Keine Chance auf einen Wechsel“

Schmitt: Nachdem es keine weiteren Mitbewerber gibt, bin ich umso mehr froh, dass ich mich beworben habe. Sonst wäre Herr Bauer der einzige Kandidat und damit hätte Ingelfingen keine Chance auf einen Wechsel gehabt.

GSCHWÄTZ: Warum wünschen Sie sich einen Wechsel für Ingelfingen?

Schmitt: Weil ich der Meinung bin, dass in Ingelfingen in den vergangenen 16 Jahren zwar viele Dinge angegangen wurden, aber es gibt darüber hinaus viele Projekte, die der Aufmerksamkeit wert sind, auch wenn es keine Fördergelder dafür gibt.

GSCHWÄTZ: Welche Projekte zum Beispiel?

Die Kindergärten zum Beispiel. Im Kindergarten Pusteblume etwa gibt es Risse in den Decken, im Boden, an den Wänden. Die Stadtverwaltung hat hier bislang nichts unternommen.

GSCHWÄTZ: Wie schauen nun bei Ihnen die nächsten Wahlkampfwochen aus bis zur Wahl am 08. Mai 2022?

„Der Fokus liegt in den Teilorten“

Schmitt: Der Fokus liegt auf den Teilorten, um dort näher auf die Themen einzugehen, die die Menschen interessieren. Ich war vorher schon in Gesprächen mit den Menschen und habe Ortsbegehungen gemacht und freue mich auf weitere Dialoge. Bislang habe ich sehr viele positive Rückmeldungen für meine Kandidatur bekommen. Viele Menschen sind frustriert, dass ihr Engagement nicht entsprechend gewürdigt wird, dass Dinge immer wieder zurückgestellt werden. Bei der Zusammenarbeit zwischen der Stadt und anderen Organisationen oder den Teilorten kann man noch einiges verbessern. Ich war gestern bei Gemü und habe gefragt, was sie von einem Bürgermeister erwarten, ich bin im Gespräch mit Kirchenvertretern, mit den Vereinen. Weitere Gespräche mit Wirtschaftsvertretern sind vorgesehen mit dem Fokus darauf, wir man als Team Ingelfingen stärken kann.

GSCHWÄTZ: Herr Bauers Plakate kann man schon überall sehen. Wo sind ihre?

Schmitt: Die kommen demnächst. Die Flyer haben meine Frau und bereits in jeden Briefkasten in Ingelfingen und den Teilorten verteilt. Vier Tage bei Eis und Schnee im April. Aber dadurch haben wir auch viele Rückmeldungen von Einwohner:innen bekommen.

GSCHWÄTZ: Haben Sie auch gemeinsame Wahlkampfauftritte mit Herrn Bauer?

Schmitt: In jedem Teilort gibt es gesonderte Einzeltermine von mir, bis auf den 28. April 2022 in der Turnhalle in Ingelfingen um 19 Uhr. Das ist eine städtische Veranstaltung. Da sind wir gemeinsam vor Ort.

GSCHWÄTZ: Haben Sie seit Ihrer öffentlichen Kandidatur mit Herrn Bauer persönlich gesprochen?

Schmitt: Nein, bislang nicht.

„Auf mein Wort kann man sich verlassen“

GSCHWÄTZ: Was unterscheidet Sie von Herrn Bauer?

Schmitt: Letzten Endes möchte ich gar nicht so sehr auf die Unterschiede schauen, sondern mehr darauf, was mich ausmacht. Ich gehe auf die Menschen zu, auf mein Wort kann man sich verlassen, ich möchte hören, was die Einwohner:innen brauchen, um daraus eine gute Politik zu machen. Ein Bürgermeister ist für die Einwohner:innen da und nicht umgekehrt. Dafür stehe ich.

GSCHWÄTZ: Was würde Ihr erstes großes Projekt sein, wenn Sie gewählt werden würden?

Schmitt: Ich habe von einem Bürgermeister den Rat bekommen, die Sachen langsam anzugehen. Ich würde mir daher erst einmal von der Verwaltung und den Prozessen ein Bild machen und mit den Menschen ins Gespräch kommen wollen, wo sie noch Verbesserungsvorschläge hätten. Und dann kommen die ersten Projekte, wie etwa die Erneuerung der Spieplätze, da wo es nötig ist, und eine vertiefende Kommunikation mit den Teilorten.

 




Start der kleinen Wahlkampftournee von Klaus Schmitt in Diebach

Pressemitteilung Bürgermeisterkandidat Klaus Schmitt




Nicht alles, womit er wirbt, hat er in die Tat umgesetzt

Eine Nummer größer hätte sein blauer Anzug sicher auch gut ausgeschaut. Nun hängt er überall auf Wahplakaten in Ingelfingen. Der amtierende Bürgermeister Michael Bauer möchte am 08. Mai 2022 gerne wiedergewählt werden von seinen Einwohner:innen. Derzeit gibt es einen Gegenkandidaten, Klaus Schmitt (wir berichteten), ebenfalls aus Ingelfingen-Lipfersberg. Die beiden sind quasi Nachbarn.

Viel gemeinsam haben sie indes nicht

Viel gemeinsam haben sie indes nicht. Während Klaus Schmitt Aufbruchsstimmung in dem kleinen Kocherstädtchen verbreiten möchte und mit mehr Kommunikation und Transparenz wirbt, betont Michael Bauer – wie viele seiner Bürgermeisterkollegen, wenn sie wiedergewählt werden möchten – wie viel denn schon gemeinsam geschafft wurde in den vergangenen – in diesem Fall 16 – Amtsjahren. „Gemeinsam viel erreicht“ heißt denn auch sein Wahlslogan. Darunter listet Bauer in einem Faltflyer diverse Erfolge der vergangenen Jahre auf. Etwa den Neubau der Heinrich-Ehrmann-Halle und die Platzgestaltung des Fritz-Müller-Platzes in der historischen Altstadt, ebenso wie den Wochenmarkt, den es dort seit einigen Jahren gibt sowie den Breitbandausbau. All die Errungenschaften, die er in seinen Augen erreicht hat, kann man in dem untenstehenden Flyer nachlesen, den wir hier vollständig abdrucken.

Nicht alles, womit er wirbt, hat er bereits in die Tat umgesetzt

Man muss jedoch sagen, das nicht alles bisher in die Tat umgesetzt wurde, was darin als Erfolg verbucht wird, etwa den Breitbandausbau. Derzeit wirbt die Stadt Ingelfingen und auch Bürgermeister Bauer mit dem privaten Glasfaseranbieter Giganetz, der bei einer Beteiligung der Ingelfinger Haushalte von 35 oder mehr Prozent, den Glasfaser-Ausbau für die Stadt vornimmt. Also: Erledigt ist da noch nichts und zahlen tut es, wenn es nach Bauer geht, am liebsten ein privater Investor, nämlich Giganetz. Das wäre für die Stadt das Günschtigschte, wie Bauer in einer Gemeinderatssitzung Anfang des Jahres 2022 betont – womit er sicher nicht Unrecht hat, aber den Breitbandausbau als bereits geleisteten Erfolg in einen Flyer zu packen, scheint doch etwas übertrieben. Und wer als ein weiterer Erfolg einen Wochenmarkt auflistet, nun gut.

Wochenmarkt als weiterer Erfolg

Die größten Erfolge in seiner Amtszeit sind sicherlich die Sanierung der Georg-Fahrbach-Schule und der Sporthallenneubau. Das war und ist für Ingelfingen, für Bildung und Sport, sehr wichtig. Das ist Lebensqualität und macht die Attraktivität einer Stadt aus. Aber es bleibt nicht zu vergessen, dass beim Sporthallenneubau und den dazugehörigen Planungen vieles auch ehrenamtlich vom TSV gestemmt und mitgestaltet wurde. Es gab hinter den Kulissen deswegen und wegen diversen anderen Dingen viele Konflikte. Eine normale Kommunikation ist hier kaum mehr möglich.

Einwohner:innen vor vollende Tatsachen gestellt

Mit der Schule und der Schulleitung indes arbeitete und arbeitet Bauer sehr eng und gut zusammen. In anderen Bereichen wie in der Wirtschaft, bei Kultur und Sport von diversen Gemeinderäten hört man des Öfteren ein Wehklagen, dass mit ihm nicht gut Kirschen essen sei, wenn man nicht mit seiner Meinung einhergeht. Bauer sei nachtragend, habe ein Freund-Feind-Denken und nicht selten geschehen Taten vor der Kommunikation wie jüngst in Eberstal, als die Einwohner:innen vor vollendete Tatsachen gestellt wurden beim Abholzen von altem Baumbestand (wir berichteten).

Gewerbegebiet in Stachenhausen liegt schon seit längerem im Dornröschenschlag

Im Flyer stehen auch Dinge, die sich Bauer als Erfolg verbucht, aber andere Einwohner:innen, darunter auch Gemeinderäte, nach wir vor vermissen und sich mehr wünschen, etwa „die Erschließung von Gewerbeflächen“. Stachenhausen etwa liegt schon seit längerem im Dornröschenschlaf. Manchmal stimmt seine Selbstwahrnehmung und Selbsteinschätzung nicht mit der Fremdwahrnehmung seiner Umgebung überein, nicht nur in diesem Punkt.

In den „Senkel gestellt“

Bauer präsentiert sich in seinem Flyer auch mit seinem Enkel, quasi als Familienmensch. Aber auch hier stehen seine Taten in der Vergangenheit nicht gerade überzeugend für die eines Familienmenschen. Kommunikation mit anderen auf Augenhöhe, damit tut er sich im Allgemeinem immer wieder schwer. Man erinnere sich nur an den Vorfall, als er seinen Hund nicht unter Kontrolle hatte und eine Katze dabei sterben musste oder als er eine Autofahrerin in den, wie sagt man so schön, „Senkel gestellt“ hat und vor Gericht dafür sogar verurteilt wurde.

Was ein sehr gutes Licht auf ihn wirft, ist aber eine solide Haushaltsführung in und für Ingelfingen. Seine Finanzen hat er im Griff.

Text: Dr. Sandra Hartmann

 




„Man kann ja nicht nur meckern und nichts tun“

Dr. Sandra Hartmann hat Klaus Schmitt zum Videointerview in Ingelfingen getroffen. Der Bürgermeisterkandidat, der den amtierenden Bürgermeister Michael Bauer herausfordert, möchte in Ingelfingen einiges verändern und hat dafür auch schon konkrete Pläne.

„Das hat mir richtig gut getan“

GSCHWÄTZ: Heute habe ich mich im Kurpark in Ingelfingen verabredet, mit Klaus Schmidt. Der zweifache Familienvater und Unternehmer hat seinen Hut in den Ring geworfen um das Amt des Bürgermeisters in Ingelfingen.

Klaus Schmitt: Ich grüße Sie.

GSCHWÄTZ: Sie haben ja am Samstag, den 5. März, den Briefumschlag eingeworfen zur Wahl. Wie ging es Ihnen dabei bei diesem Augenblick?

Klaus Schmitt: Das mir richtig gut getan, weil jetzt diese ganze Anspannung, die vorher da war, weggefallen ist. Die ganzen Überlegungen sind jetzt auf einmal abgefallen. Das Kuvert war drin und ich habe mich an dem Tag richtig gefreut, dass es jetzt losgeht in den Wahlkampf.

GSCHWÄTZ: Wie lange haben Sie denn überlegt, ob Sie kandidieren sollen?

Klaus Schmitt: Ach, da habe ich mir schon einige Monate den Kopf zerbrochen. Aber letztendlich ist es so: Man kann ja nicht nur meckern und nichts tun. Wenn man was bewegen will, muss man halt auch Verantwortung übernehmen.

Wichtig ist den Bürger:innen der Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen vor Ort

GSCHWÄTZ: Kommunikation ist ja ein großer Begriff Ihres Wahlkampfes, der jetzt nun anläuft, auch wenn es mit Corona etwas schwieriger ist, diverse Veranstaltungen zu machen, diverse Menschen zu treffen. Aber sie haben schon die Fühler ausgestreckt, sie haben mit diversen Bürger:innen gesprochen, auch mit Unternehmern von hier . Gestern haben Sie zu einem digitalen Frühschoppen eingeladen, mit Gemeinderäten und mit Ortsvorsteher. Was konnten Sie denn bisher heraushören, was die Bürger:innen sich von Ihrem künftigen Bürgermeister erwarten?

Klaus Schmitt: Die Themen sind natürlich sehr breit gestreut, aber Stabilität, Erhalt und Schaffung neuer Arbeitsplätze war ein ganz wichtiger Punkt, der sich da herauskristallisiert hat. Das wird ein Riesenthema sein, das voranzubringen. Und die zweite Sache, das sind eher so diese Lebensumstände in Ingelfingen. Wir sind ja hier im Stadtpark. Die Bürger:innen sind ein bisschen traurig, dass der Stadtpark nicht mehr dieses Ambiente bietet, wie es früher mal war. Und ich glaube, da hat man ganz viel Potenzial, noch was Neues zu schaffen. Angefangen von der Bewirtung, dass man hier auch mal verweilen kann, dass man hier mal einen Kaffee trinken kann bis hin zu einem Spielplatz für die Kinder, wo man den Bachlauf nutzen könnte, um hier auch für die Kinder und ihre Eltern hier einen Platz zu schaffen, wo man länger sich aufhält, wo man einfach auch den Park genießen kann. Es ging um die Boule-Bahn, wie man die noch beleben kann, auch mit Veranstaltungen und bis hin zu Platzkonzerten, die es früher mal gab.

Mariannenstraße muss angegangen werden

GSCHWÄTZ: Nur unweit von diesem Stadtpark befindet sich ja die schöne Mariannenstraße. Auch die war gestern Thema bei dem digitalen Frühschoppen. Es gibt ja auch viele Gemeinderäte, die noch ein Geschäft in Ingelfingen haben sich dementsprechend auch Gedanken machen um, ja, man könnte schon fast sagen, eine Wiederbelebung der Mariannenstraße.

„Das muss jetzt was passieren“

Klaus Schmitt: Absolut. Das ist, ich habe es gestern schon mal erwähnt, ein Thema, wo ich glaube, da muss man mittelfristig denken, es gibt bestimmt Dinge, die kann man sofort angehen. Aber bei der Mariannenstraße muss man eher mittelfristig denken. Was ich aber so vom Gefühl her sagen würde, ist, dass vieles auf Eis liegt, weil man auf Fördergelder wartet. Da frage ich mich, ob das die richtige Strategie ist für die Wiederbelebung ist, weil das ja eigentlich schneller gehen muss. Je länger so ein Geschäft leer steht, umso geringer die Chancen, dass da noch jemand reingeht. Und wenn ich jetzt an Frau Turber denke, wo absehbar ist, dass sie nur noch bis Ende 2022 ihr Geschäft betreibt, müsste man sich jetzt um die Nachfolge kümmern, auch um die Räumlichkeiten, die eigentlich gar nicht mehr gehen. Da gibt es nur Elektroöfen und dann friert man sich vorne an der Theke die Füße ab. Das sind so Dinge, wo ich sage, da kann ich doch nicht warten, bis Fördergelder da sind. Da muss jetzt was passieren.

GSCHWÄTZ: Viele Altbauten in der Innenstadt sind ja stark sanierungsbedürftig. Auch das Thema Spielplätze bewegt die Ingelfinger.

Klaus Schmitt: Im Neubaugebiet auf dem Lipfersberg, wo ich wohne, gibt es gar keinen Spielplatz mehr. Das ist so ein Beispiel, wo die Schaukeln verschwanden und am Schluss dann gar nichts mehr da war.

Thema Spielplätze

GSCHWÄTZ: Woran liegt das? Wissen Sie das?

Klaus Schmitt: Es ging wohl auch um die Bewirtschaftung und dass die Geräte alt waren und man hätte neue kaufen müssen oder platzieren müssen. Und dann hat man gesagt, wegen den paar Kindern brauchen wir das nicht. Das Gelände wurde ja zur Verfügung gestellt von einem, der das sogar gemäht hat. Ich finde es einfach schade. Bei anderen Spielplätzen gibt es wohl ähnliche Situationen, dass die Geräte einfach nicht gewartet und zu alt sind. Das kann man doch mal anpacken. Was mir aber sehr am Herzen liegt, dass diese Ideen nicht nur von mir kommen, sondern auch von dern Bürger:innen der Stadt.

GSCHWÄTZ: Seit 22 Jahren leben Sie mit Ihrer Familie schon hier in Ingelfingen. Wo sehen Sie denn das Kocherstädtchen in fünf Jahren?

Ausbau Gewerbegebiet Stachenhausen

Klaus Schmitt: Zum einen ist es, glaube ich, als Bürgermeister ganz wichtig, die Arbeitsplätze auszubauen. Wir haben das Industriegebiet in Stachenhausen, wo Leute gerne was eröffnen würden oder könnten, wenn man nicht so passiv abwarten würde, bis genügend da sind, sondern vielleicht auch mal in Vorleistung gehen würde, das Gebiet erschließen und dann die Bauplätze auch progressiv anbieten. Das wäre ein ganz wichtiges Thema, dass man Arbeitsplätze schafft und dass man natürlich auch den Menschen, die hier arbeiten wollen, Wohnraum zur Verfügung stellt. Das sind so Themen, die mich antreiben, die mich interessieren und wo ich aber nicht alleine lösen kann, da braucht es die Mitwirkung der Bürger. Und das ist mir ein ganz, ganz großes Anliegen, die Leute abzuholen, zu involvieren in den Prozess. Wie kann man das voranbringen? Ich bin ja nicht Jesus, ich habe nicht alle Antworten parat, aber gemeinsam, da bin ich mir sicher, kriegen wir da gute Lösungen hin.

Teilorte mehr einbinden

GSCHWÄTZ: Es gibt ja diverse Teilorte hier, die manchmal auch das Gefühl hatten, in den vergangenen Jahren so ein bisschen auf eine Nebenstraße zu fahren. Ist es auch ihr Wunsch, diese wieder besser an die Kernstadt anzubinden?

Klaus Schmitt: Auf jeden Fall. Ich kriege ja in den Gemeinderatssitzungen mit, dass da Entscheidungen gefällt werden, wo Tatsachen geschaffen werden und die Leute das einfach dann hinterher schlucken müssen. Und das finde ich katastrophal. Das geht gar nicht. Wir haben das Beispiel in Eberstal, wo Bäume gefällt wurden und der Ortsvorsteher von nichts wusste. Das ist ein No Go.

Bessere Kommunikation mit den Nachbargemeinden Künzelsau und Niedernhall

GSCHWÄTZ: Auch mit den Nachbargermeinden hat Ingelfingen derzeit nicht allzu viel zu tun, mit Künzelsau, mit Niedernhall, mit Weißbach. Sie waren jetzt letztens erst mit Bürgermeister Bernd Herzog von Waldenburg im Gespräch.

Klaus Schmitt: Ja, weil mich das Thema interessiert hat mit einer gemeinsamen Kläranlage. In einer Gemeinderatssitzung habe ich gehört, dass man vielleicht mit Kupferzell und Waldenburg was machen möchte. Da habe ich mich gefragt: Kann das Sinn machen, dass man Abwässer über so viele Kilometer pumpt? Da würde ich gerne mit den Nachbarbürgermeistern nochmal ins Gespräch kommen wollen, ob es hier nicht eine bessere Lösung geben könnte.

TSV

GSCHWÄTZ: Auch sportliche Kooperationen mit den Nachbargemeinden gab es früher wesentlich mehr, Stichwort Fußball oder TSV im Allgemeinden. Zudem gibt es unvorteilhafte Wege für Kinder und Jugendliche, um auf den Sportplatz zu kommen und dann wieder zurück zu den Umkleidekabinen. Da gilt es, die Landesstraße zu überqueren. Ein neues Sportheim, das ja schon seit Jahren gewünscht wird, aber nicht erfüllt wird. Sind das alles Projekte, die relativ einfach von der Umsetzung sind oder denken Sie, dass es schon auch schwierig wird, diese Projekte anzugehen?

Klaus Schmitt: Ich denke, dass es schwierig wird, aber lösbar und man muss sie halt anpacken. Man muss den Willen haben, hier eine Lösung zu finden und sich mit den Leuten an einen Tisch setzen. Denn es gibt ja auch durchaus hier Interessenskonflikte und da gilt es, die Leute an den Tisch zu holen. Da sehe ich meine Rolle als Bürgermeister. Ich muss derjenige sein, der die Initiative ergreift, der sagt: Kommt, Fakten auf den Tisch, was brauchen wir? Wo hängt es, wo hapert es jetzt und wie können wir das lösen? Dann bin ich sicher, gibt es da auch Lösungen zu finden.

Kochen und Gärtnern gehört nicht zu seinen Stärken

GSCHWÄTZ: Jetzt haben wir lange über Ihre Kompetenzen gesprochen. Aber sicher haben Sie doch auch ein paar Schwächen.

Klaus Schmitt: Also Sie meinen jetzt so Dinge wie, dass ich nicht kochen kann und dass ich keinen grünen Daumen habe (lacht).

GSCHWÄTZ: Wer kocht denn bei Ihnen zu Hause?

Klaus Schmitt: Ich habe eine Frau, die kocht so gerne und es ist ihr so ein großes Vergnügen und eine Freude. Ich habe richtig Glück.

GSCHWÄTZ: Ihre Frau ist auch sehr sozial engagiert, abe ich gehört von einigen Bürger:innen.

Klaus Schmitt: Genau. Sie hat zehn Jahre Theater gespielt auf Schloss Stetten. Sie war im Vertrauensrat bei Würth und ist überall, wo Hilfe gebraucht wird, mit dabei. Und was ich zu dem Thema Schwächen noch sagen wollte Ich weiß von mir, ich bin jetzt nicht gerade der geduldigste Mensch. Bei mir muss alles irgendwie in einem überschaubaren Rahmen auch abgeschlossen sein.

Lieblingsplatz Ruine

GSCHWÄTZ: Ihr Lieblingsplatz in Ingelfingen ist die Ruine.

Klaus Schmitt: Ja, denn ich habe sehr schöne Erinnerungen daran, weil wir hier das eine oder andere Fest schon gefeiert haben und auch die Genießertour hier oben war immer sehr schön. Ein fantastischer Ausblick hat man von der Runie, da kommt bei mir immer so ein bisschen Wehmut auf, dass man da nicht mehr draus macht, weil man könnte ja beispielsweise auch in den Sommermonaten das Bewirtschaften, hier eine Art Besenkneipe reinmachen, dass man zumindest in den Sommermonaten hier diese schöne Aussicht genießen kann, wenn es noch lau ist abends und man da ein bisschen beisammensitzen kann.

 




„Respekt, Wertschätzung, Kommunikation. Das ist mir wichtig“

Im nur drei Monaten, am 08. Mai 2022, wählt Ingelfingen einen neuen Bürgermeister. Der amtierende Rathauschef hat sich bereits für eine Wiederwahl zur Verfügung gestellt (wir berichteten). Nun bekommt er Konkurrenz – und zwar aus seiner unmittelbaren Nachbarschaft.

Konkurrenz aus der unmittelbaren Nachbarschaft

Klaus Schmitt hat seinen Hut in den Ring geworfen als weiterer Kandidat. Der 58-Jährige (Geburtsdatum: 17. Mai 1963) wohnt auf dem Lipfersberg, er ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von elf und 13 Jahren. Er ist selbstständig und katholisch getauft. Geboren ist er in Südhessen, „vor den Toren Mannheims“, wie er selbst so schön ausdrückt. Seit dem Jahr 2000, also seit über 20 Jahren, wohnt er im Hohenlohekreis. Durch das Unternehmen Würth kam er zunächst als Aussendienstler hierher, der Liebe wegen ist Schmitt geblieben.

Der Liebe wegen im Hohenlohekreis sesshaft geworden

Wir durften mit ihm am Freitag, den 18. Februar 2022 das ein erstes Interview führen nach seinem Entschluss, für das Bürgermeisteramt zu kandidieren und haben ihn auf Herz und Nieren in unserer Redaktion in Künzelsau geprüft.

GSCHWÄTZ: Lieber Herr Schmitt, schön, dass Sie da sind. Sie sind ja selbstständig. Nun bewerben Sie sich als Bürgermeister. Kritiker könnten sagen, dass Ihnen die nötige Amtserfahrung fehlt.

„Das würde ich gerne ändern“

Klaus Schmitt: Ich denke, da gibt es sehr viele Schnittstellen, vor allem das Thema Kommunikation, was ja ein Grund ist, warum ich mich in Ingelfingen als Bürgermeister bewerbe. Mein Eindruck, der mich glaube ich nicht täuscht, ist, dass die Kommunikation vom Rathaus zu den Vereinen, zu den Nachbargemeinden und zu den Bürgern doch sehr zu wünschen übrig lässt. Da sehe ich meine große Stärke. Das würde ich gerne ändern.

GSCHWÄTZ: Wie sieht es denn aus mit ihrer Verwaltungserfahrung?

Klaus Schmitt: Ich bin ja selbst und ständig. Als Selbstständiger muss ich bei mir alles, was mit Verwaltung zu tun hat, für mich selber organisieren. Also von der eigenen Homepage angefangen über die Verwaltung bis hin zur Neukundengewinnung und die Steuer. Im Rathaus in Ingelfingen arbeiten sehr gute Mitarbeiter und ich glaube, dass wir uns wunderbar ergänzen würden.

GSCHWÄTZ: Sie trauen sich diese Aufgabe also durchaus zu.

Klaus Schmitt: Absolut. Gerade als Produkt-Trainer bei Würth war es für mich normal, mich in ständig neue Dinge einarbeiten zu müssen. Und so ist es auch mein Leben lang geblieben. Da jetzt die Corona-Umstellung von Präsenz-Trainings in Online-Trainings mit zig verschiedenen Systemen, von Zoom über Webex und Teams und was es alles gibt, für mich nichts Neues.

Arbeitsplätze für Ingelfingen

GSCHWÄTZ: Wo sehen Sie denn Ingelfingen in fünf Jahren, wenn Sie gewählt werden?

Klaus Schmitt:  Wir haben 4000 Arbeitsplätze in Ingelfingen bei 5500 Einwohnern und das ist erst mal ein ganz wichtiger Aspekt, dass man diese Zahl an Arbeitsplätzen in Ingelfingen  hält oder gar erweitert.

GSCHWÄTZ: Wie wollen Sie das machen? Ingelfingen ist jetzt nicht gerade das Gewerbegebiet an der A6.

„Vieles ist in den vergangenen Jahren verloren gegangen“

Klaus Schmitt: Das ist richtig. Das ist auch das, was mir Kopfzerbrechen macht, dass etwa eine Firma Gemü ihren Standort verlagert, nach Waldenburg an die Autobahn. Unsere Firmen hier vor Ort sind allesamt sehr gut aufgestellt. Auch die Firma Reisser wächst um 30 Prozent und braucht natürlich auch mehr Platz – und damit einhergehend auch optimale Grundstücke hierfür, die nicht ständig vom Hochwasser betroffen beziehungsweise bestmöglich geschützt sind. Hier haben wir noch einiges an Potenzial. Was die technischen Dinge angeht, gibt es vieles, was in den letzten Jahren in Ingelfingen gut gelaufen sind: der Umbau der Schule, die neue Turnhalle,  der Ausbau der Gemeindehäuser. Das ist alles prima für Ingelfingen. Aber ich sehe auf der anderen Seite auch, dass vieles in den letzten Jahren verloren gegangen ist – vor allem allem die Kommunikation zwischen dem Rathaus und den Vereinen und anderen Gruppen, ob es die Musikkapelle ist oder die Kirche oder die Kindergärten sind. Ich sehe noch viel Nachholbedarf im Bereich der Kommunikation mit den Menschen, mit den Bürgern. Mir wäre es wichtig, dass in fünf Jahren die Leute sagen: Der Schmitt hat viel vorangebracht. Wir pflegen eine Kommunikation auf Augenhöhe. Wir werden gehört. Wir werden nicht vor vollendete Tatsachen gestellt, wie das im Moment oft der Fall ist.

GSCHWÄTZ: Sie sind ja ein, wie sagt man so schön, Neigschmackter.

Klaus Schmitt: Ein Wahl-Ingelfinger (lacht).

GSCHWÄTZ: Genau. Was kann denn ein Wahl-Ingelfinger besser als einer, der hier schon immer mal gelebt hat?

Klaus Schmitt: Ich bin jetzt schon seit 22 Jahren in Ingelfingen und Ingelfinger. Ich denke, was mich unterscheidet von einem Ur-Ingelfinger ist, dass mich vieles, was aus der Vergangenheit vielleicht zu Konflikten geführt hat, nicht betrifft. Insofern bin ich da neutral, außenstehend, kann allen Parteien hören, wenn es Diskussionen gibt. Wie so oft im Leben haben beide irgendwie recht und ich glaube, da bin ich nicht so befangen und eingebunden wie andere.

„Ingelfinger sind bodenständig, offen und gradraus“

GSCHWÄTZ: Was mögen Sie denn besonders in Ingelfingen und an den Ingelfingern?

Klaus Schmitt: An Ingelfingen mag ich zunächst mal diese idyllische Lage. Ich habe mich bei diversen Feiern auf der Burg oben in diesen Blick in das langgezogene Tal verliebt. Die Kocher-Jagst-Strecke  im Hohenloher Land ist für mich einfach ein Traum. Ich fühle mich hier richtig wohl und oben auf dem Lipfersberg sowieso. Da hören Sie nicht, ob Dienstag oder Sonntag ist, weil die Geräuschkulisse immer gleich ist. Das ist immer sehr, sehr angenehm. Ich möchte nirgends anders mehr wohnen. Und an den Ingelfingern mag ich, dass sie so bodenständig sind, so offen, so gradraus authentisch. Die sagen dir ins Gesicht, wenn ihnen was nicht passt. Und das finde ich gut so, da weiß man, wo man dran ist.

„Ich habe mich in dieses langgezogene Tal verliebt“

GSCHWÄTZ: Was haben Sie denn, wenn man jetzt mal vom Beruflichen absieht, denn für Hobbys und Interessen im privaten Bereich?

Klaus Schmitt: Ich habe früher gerne und viel Fußball gespielt. Ich habe auch mal acht Jahre die Jugend trainiert,mit 16 Jahren habe ich angefangen im Verein in meiner Heimat, die Bambinis zu trainieren. Von Beruf bin ich gelernter Maschinenschlosser und bin dann für meine Firma auf Montage gegangen und irgendwann war das nicht mehr vereinbar. Ich war immer häufiger unterwegs und wollte natürlich auch mein Team nicht hängen lassen und habe dann irgendwann gesagt, ich kann das nicht mehr leisten. Das ist auch ein Grund, warum ich mich hier in Ingelfingen mich nicht mehr als Trainer engagiert habe, obwohl die Jugendspieler dringend Leute gesucht haben, die die Teams führen könnten. Aber ich wusste genau, dass ich, wenn ich das anfange, dann will ich auch voll dabei da sein. Durch meine Selbstständigkeit, bei der ich durch ganz Deutschland reise, um Seminare zu geben, hätte ich das nicht leisten können.

GSCHWÄTZ: Das heißt, die Selbstständigkeit würde, falls sie gewählt werden, auch erst mal ruhen?

Klaus Schmitt: Natürlich ist mein Ziel jetzt auf das Bürgermeisteramt ausgerichtet und die Selbstständigkeit würde ruhen. Die würde ich dann komplett aufgeben müssen, weil sich das nicht vereinbaren lässt vom Zeiteinsatz her. Ich habe auch schon meine Kunden informiert, dass wir eine Lösung brauchen für den Tag nach dem 8. Mai 2022, falls mich die Ingelfinger wählen.

Erschwerte Bedingungen: Wahlkampf in Coronazeiten

GSCHWÄTZ: Jetzt gehen Sie in den Wahlkampf bis Mai. Wie ist das in Coronazeiten? Wie kann man da überhaupt einen vernünftigen Wahlkampf führen?

Klaus Schmitt: Ich werde jede Chancen nutzen, die ich kriege, um die Einwohner:innen persönlich zu treffen. Natürlich hat man den größten Hebel, wenn man in die Organisationen geht, wo man mehr Leute auf einmal treffen kann. Es wird mich aber auch nicht davon abhalten, auch von Briefkasten zu Briefkasten zu gehen und mal zu klingeln an der Haustür und meine Prospekte abzugeben und mich vorzustellen, damit die Bürger:innen auch mal den Klaus Schmitt gesehen haben, der sich als Bürgermeister bewirbt und um ins direkte Gespräch mit den Leuten zu kommen.

Stärken und Schwächen von Klaus Schmitt

GSCHWÄTZ: Eine letzte Frage zum Schluss ist so eine typische Bewerbungsfrage, die immer vom Personaler gestellt wird, die kennen Sie sicher auch: Wenn Sie uns zum Abschluss noch drei ihrer Stärken und drei ihrer Schwächen nennen könnten.

Klaus Schmitt: Fangen wir mal mit den Stärken an. Die Tatsache, dass ich Menschen mit Respekt behandele und ich auch mit Respekt behandelt werden möchte, dass wir hier auf Augenhöhe miteinander agieren und dass ich immer ein offenes Ohr habe – egal, ob es die Leute im Rathaus selber sind oder in den Vereinen oder die Bürger:innen, die auf mich zukommen. Respekt, Wertschätzung, Kommunikation. Das ist mir wichtig. Ich denke, die Kommunikation, da hapert es enorm in Ingelfingen. Wenn ich sehe, wer alles verärgert ist, wer alles vergrault ist, wer frustriert ist. Da sehe ich gute Chancen, die Stadt wieder voran und näher zusammenzubringen.

GSCHWÄTZ: Jetzt kommen wir zu Ihren Schwächen …

Klaus Schmitt: Sicher, wenn es um das Amt des Bürgermeisters geht, fehlt mir Verwaltungserfahrung. Aber ich scheue mich nicht, mich in Dinge hinein zu arbeiten. Ich weiss, dass ich das gut kann. Und ich habe auch noch nicht die Vernetzung habe, die es braucht. Aber auch da denke ich, dass das die Zeit mit sich bringt. Es ist mir wichtig, einen besseren Kontakt mit den Nachbargemeinden und den Rathäusern herzustellen. Diese Kultur ist leider etwas verloren gegangen ist.

GSCHWÄTZ: Dann wünschen wir Ihnen jetzt eine angenehme Wahlkampfzeit und viel Spaß und Erfolg.

Klaus Schmitt: Dankeschön.

Das Gespräch führten Dr. Sandra Hartmann und Matthias Lauterer.

Mehr Informationen über Klaus Schmitt gibt es auf seiner Internetseite: https://buergermeister-kandidat-klaus-schmitt-ingelfingen.jimdosite.com/