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„Es scheint fast so, als ob wir noch immer im Mittelalter verhaftet wären, in welchem es nur darum geht, die Hexe brennen zu sehen“ – Christina Block und das Prinzip „Monster-Mutter“

Christina Block – Warum Mütter medial und gerichtlich in Deutschland nicht selten den Kürzeren ziehen: Ihr Exmann behält nach der Trennung die Kinder in Dänemark, obwohl sie das alleinige Sorge- und Aufenthaltsbestimmungsrecht hat. Niemand greift ein. Irgendwann entscheidet das Gericht in Hamburg, dass die Kinder nun eben in Dänemark verwurzelt seien. Eine verzweifelte Mutter sucht nach Wegen, um wieder Kontakt zu ihren inzwischen völlig entfremdeten Kindern aufzubauen.

Eine kleine Lehrkunde in Psychologie und Patriarchat

Doch medial wird die Unternehmerin überwiegend nur als Täterin dargestellt. Kein Verständnis für das Mutter-Sein, kein Verständnis für die Entfremdung, keine Empathie. Wenn die vierfache Mutter im Gerichtssaal weint, verdreht die deutsche Öffentlichkeit scheinbar genervt die Augen, denn Emotionen im Gerichtssaal zu zeigen, das wird oft noch als Schwäche gewertet. Es geht hier eben nicht nur um eine vermeintliche Entführung, die einfach zu erzählen ist, weil es doch klar ist, wer hier die Teufelin und wer der good daddy ist. Es geht hier um noch so viel mehr, um den Entzug der Mutter von heute auf morgen über Jahre, um Manipulation, Machtmissbrauch und Kindeswohlgefährdung, die eigentlich keine Gefährdung mehr ist, sondern Missbrauch in seiner reinsten Form – die gezielte Isolation von Kindern von einem Teil der Familie in einem anderen Land und eine massive Manipulation der Vergangenheit gegen einen Elternteil, der vermeintlich „böse“ ist und der völlige Kontaktabbruch das scheinbar adäquate Mittel. Isolation und Abschottung. Warum aber will das die mediale Außenwelt nicht auch diese Seite sehen und näher beleuchten? Die Antwort ist ganz einfach. Eine kleine Lehrkunde in Psychologie und Patriarchat.

Zu Beginn dieses Artikels möchten wir betonen, dass wir generell jede Form von Gewalt an Kindern ablehnen,  jede Form von Missbrauch und Kindeswohlgefährdung – emotionaler und körperlicher Natur. 

Der derzeit vor dem Hamburger Gericht verhandelte Fall von Christina Block, einer prominenten Mutter, die ihre Kinder „entführt“ haben soll, wird medial deutschlandweit verfolgt. Fast täglich kommen neue Presseberichte direkt aus dem Gerichtssaal. Das Medieninteresse ist groß. Die BILD schreibt ebenso darüber wie die Süddeutsche Zeitung, aber auch diverse Online-Medien. Eine Mutter soll ihre eigenen Kinder entführt haben. Ein Skandal. Und eine Story, die leicht eingängig ist und sich gut vermarkten lässt. Das Problem dabei ist nur: Hier findet eine Verkehrung der Umstände um 180 Grad statt und niemanden scheint das zu interessieren.

Was ist passiert?

2014 trennt sich die Millionen schwere Steakhouse-Erbin Christina Block von ihrem damaligen Ehemann Stephen Hensel. Die Scheidung folgte vier Jahre später Nachdem Hensel erst wie Block weiterhin in Hamburg gewohnt hatte, zog er 2019 mit seiner neuen Familie ins dänische Gråsten. Als die älteste 15-jährige Tochter im Sommer 2021 beschloss, zu ihrem Vater zu ziehen, eskalierte der Streit. Beim Hamburger Jugendamt erhob Hensel Vorwürfe gegenüber Block. Er sprach von „Klapsen auf den Hinterkopf“. Seine Ex-Frau bestritt diese Anschuldigungen.

Als Hensel seine beiden jüngsten Kinder im August wie üblich für ein Besuchswochenende abgeholt hatte, kehrten sie danach nicht zu ihrer Mutter zurück. Hensel schrieb Block stattdessen eine E-Mail, in der er ankündigte, das Jugendamt zu kontaktieren. Die jüngste Tochter habe „Angst vor deinem Verhalten“, und das Verhalten gegenüber dem Sohn sei „kindeswohlgefährdend“.

Wenn Behauptungen des Vaters ausreichen, die Kinder jahrelang vor der Mutter komplett zu verstecken

Das Amtsgericht Hamburg sprach ihm im September 2021 vorläufig das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht für seine beiden Kinder zu. Die Mutter legte Beschwerde ein, doch vor Gericht erneuerten die Kinder die Vorwürfe. Beide beteuerten, nicht zurück zu ihrer Mutter zu wollen. Im Oktober 2021 entschied das Gericht jedoch, dass Hensel die Kinder an die Mutter „herauszugeben“ hat. Das Aufenthaltsbestimmungsrecht wurde vorläufig der Mutter übertragen. Später sollte in einem Hauptverfahren geklärt werden, wo die Kinder leben sollen.

Hensel kam der Aufforderung des Gerichts aber nicht nach. Es folgten zahlreiche Verfahren in Dänemark, doch der Hamburger Beschluss wurde nicht vollstreckt. Block zeigte ihren Ex-Mann dann wegen Kindesentziehung an. Das Amtsgericht lehnte zunächst die Eröffnung eines Hauptverfahrens ab, jetzt muss das Landgericht darüber entscheiden. Im November 2022 soll Block eine Sicherheitsfirma angeheuert haben, die bei der „Rückführung der Kinder“ helfen sollten, wie der Spiegel vom damaligen Geschäftsführer erfuhr. Der Plan scheiterte jedoch.

Zahlreiche Traumata

Nun gibt es aktuell einen medienwirksamen Gerichtsprozess, in welchem Block vor Gericht steht, ob sie in der Silvesternacht 2023/2024 einen weiteren Rückholversuch unternommen hat beziehungsweise diesen beauftragt hat. Nach Angaben der dänischen Polizei griffen Unbekannte Hensel in Süddänemark an und nahmen den zehnjährigen Jungen und das 13-jährige Mädchen in zwei Autos mit. Block ist unter anderem wegen Kindeswohlgefährdung angeklagt.

Auffällig ist, wie unterschiedlich hier die Behörden, die Polizei, die Staatsanwaltschaft und die Gerichte in ähnlich gelagerten Situationen handeln. Als die gemeinsamen Kinder von Hensel einbehalten werden nach einem Wochenendaufenthalt in Dänemark, geschieht nichts. Als die Kinder nach Jahren für zwei Tage bei Christina Block in Hamburg sind, werden sie von zahlreichen Polizisten kurze Zeit später wieder zurück nach Dänemark gebracht. Sprechen wir hier von Justizversagen oder mysogenem Verhalten? Werden Väter hier mehr unterstützt als Mütter? Oder steht die vermeintlich gewaltsame Entführung der Kinder in der Silvesternacht über allem? Tragen hier nicht zumindest beide Eltern Schuld an den zahlreichen Traumata der Kinder?

Kontaktabbruch, Abwendung, ein Leben in völlige Isolation – soll das normal sein?

Die Kinder verlieren in den Jahren in Dänemark völlig den Kontakt zu ihrer Heimat, ihren Freunden, ihrer Familie. Auch das ist eine massive Form von Kindeswohlgefährdung, auch wenn die Kinder diesen schleichenden Prozess und die massive Manipulation zur Schaffung eines Feindbildes, die Mutter, nicht als solches bewusst wahrnehmen.

Christina Block sieht eben nicht, wie ihr Exmann, alle zwei Wochen ihre Kinder, was das mindeste an Kontakt wäre. Doch auch hier scheint sie gerichtlich keinerlei Rückendeckung zu bekommen, wohingegen Väter oft einen sofortigen sehr starken gerichtlichen Rückhalt bekommen, wenn sie ihre Kinder keinen regelmäßigen Umgang nach einer Trennung haben. Der deutschlandweit aktive Netzwerk Väternotruf scheint hier stark vernetzt in alle Gerichte zu sein, wie deren Homepage zeigt, auf welcher alle möglichen Richter in den einzelnen Gerichten namentlich genannt werden.

Entfremdung von einem Elternteil – noch immer können viele Außenstehende nicht glauben, dass so etwas möglich ist und auch von manchen Elternteilen bewusst und leider sehr erfolgreich praktiziert wird nach einer Trennung, so gibt es zahlreiche Betroffene in Deutschland

Die Kinder entfremden sich immer mehr von allem und leben in ihrer eigenen Welt in Dänemark. Sie bekommen Angst vor der Mutter, möchten nicht mehr zurück, sie auch gar nicht mehr besuchen. Werden sie näher gefragt, was o schlimm an ihrer Mutter ist, sprechen sie selbst etwa davon dass sie streng sei, was die Hausaufgaben betreffe. Also nichts wirklich gravierendes, aber natürlich nervig, wenn man die Wahl hat zwischen einem Elternteil, der in dieser Hinsicht vielleiht etwas lockerer ist, als der andere Elternteil. Insbesondere Jugendliche im Teenageralter bevorzugen hier oftmals den eher „lockeren“ Elternteil. aber auch die Vergangenheit kann man in den Köpfen von Kindern – aber auch Erwachsenen ändern. Wenn Eltern etwa auch ihren erwachsenen Kindern immer wieder davon erzählen, wie viel sie mit ihnen in ihrer Kindheit gespielt haben – nehmen die Kinder das oftmals als gegeben war, weil sie sich gar nicht mehr daran erinnern können und/oder auch erst einmal blindes Urvertrauen in die Geschichten der Eltern haben.

Psychologisch nennt man das „false memory“

Psychologisch nennt man das „false memory“. Man kann false memory eindeutig belegen beziehungsweise widerlegen. Doch leider fehlt es häufig in dementsprechenden Familienrechtsverfahren an psychologischen Expert:innen. False memory macht sich vor allem dadurch bemerkbar, dass pauschale Dinge gesagt werden, ohne näher ins Detail zu gehen. Es handelt sich dabei um falsche Erinnerungen, die Menschen subtil immer wieder gesagt bekommen, bis sie sie als ihre eigenen Erinnerungen verinnerlicht haben. Detailwissen dazu gibt es nicht, weil es sich um künstlich produzierte Erinnerungen handelt.  Bei Christina Block, ohne dass wir die Familie kennen, ist auffällig, dass es zu äußerst vagen, allgemeinen Äußerungen und Andeutungen kommt, dass die Kinder Angst hätten, ihre Mutter würde sie schlagen. Der Vater hat einmal wohl gesagt, dass es „Klapse auf den Hinterkopf“ gegeben habe. Konkrete, detailliert Schilderungen von bestimmten Situationen von Übergriffen bleiben aus. Ob der Vater jemals Gewalt angewendet wird, wird gar nicht erst gefragt. Block selbst bestreitet die Gewaltanwendung. Ob dadurch eine völlige Isolation der Kindern von der alten Heimat, Familie und Freunden gerechtfertigt ist, darf zumindest  bezweifelt werden.

Wie man falsche Erinnerungen erkennen kann

Wenn Kinder traumatische Dinge erleben, bleiben sie oft ihr Leben lang mit allen Details im Gedächtnis und können immer wieder gleichermaßen im Detail reproduziert werden, sogar mit dem Wortlaut der beteiligten Personen zur damaligen Zeit. Werden Sachen erfunden, fehlt es an Detailgenauigkeit und es werden schwammige Formulierungen verwendet.

Wenn Kinder auf einmal anscheinend eine unerklärliche Angst vor einem anderen Elternteil entwickeln, in einer Zeit, in welcher sie nur mit dem anderen Elternteil regelrecht abgeschottet leben, ist das – gelinde gesagt – zumindest auffällig. Wenn man als Elternteil seinen Teenager-Kindern einen Alarmknopf um den Hals hängt, wie es Stephan Hensel getan hat, ist das in erster Linie verstörend für die Kinder und sie denken: „Mein Elternteil macht das zu meinem Schutz. Die Alternative wäre ja auch schlimm. Die Alternative wäre: Mein Elternteil macht das, weil psychische krank ist und und uns von unserer Mutter entfremden möchte.“ In der Regel nehmen betroffene Kinder lieber die „Wahrheit“ an, dass der Elternteil gefährlich und/oder krank ist, bei welchem sie nicht leben und nicht bei welchem sie leben.

Niemand hinterfragt das teilweise skurrile Verhalten des Vaters

Aber auch hier: Dieses absurde Vaterverhalten mit dem Alarmknopf um den Hals von Teenagern wird medial und auch gerichtlich nicht hinterfragt, auch nicht das seiner neuen Frau Astrid, die die Kinder angeblich immer aufgefordert hat, sich immer direkt zu duschen und umzuziehen, sobald sie aus Hamburg von ihrer Mutter nach Dänemark an den Wochenenden zu Besuch kamen. Das Verhalten der Mutter wird hingegen bis in Tagebucheinträge hinein zerpflückt.

Klar ist in jedem Fall: Es gab bis heute keine wirkliche Erklärung für eine völlige Isolierung der Kinder vor Christina Block. Sie ist sicher keine Monster-Mutter, auch wenn sie gerne so dargestellt wird, weil es die Geschichte eben vereinfacht. Weil man sich nicht vorstellen kann und möchte, dass es Menschen gibt, die Kinder als Machtmittel einsetzen, als Trophäen einbehalten, vollkommen isolieren – nicht weil sie sie lieben, sondern um den anderen Elternteil nach einer Trennung damit zu quälen. Dann ist der Gedankengang bequemer, der Mutter die ganze Schuld in die Schuhe zu schieben und zu sagen, wie furchtbar diese ganz bestimmt zu ihren Kindern war.

Entfremdung hält oft ein Leben lang an – wenn ein Elternteil, der nichts Schlimmes getan hat, aus dem Leben verbannt wird

Entfremdung kennen viele Außenstehende nicht und halten eine Entfremdung der Kinder von einem Elternteil auch häufig daher auch für unrealistisch. Aber es gibt zahlreiche Fälle in Deutschland in Familienrechtsverfahren, in welchen Väter und Mütter berichten, wie sie von ihren Kindern entfremdet werden, isoliert werden, jäufig durch subtile Beeinflussung, so dass mittelfristig ein stark negativ konnotiertes Bild des anderen Elternteils geschaffen wird aufgrund von eigentlich banalen Begebenheiten. Am Ende steht häufig ein völliger Kontaktabbruch mit einem Elternteil und der Familie des Elternteils, der über Jahre, wenn nicht sogar ein Leben lang andauert, bis der manipulative Elternteil, der bewusst entfremdet hat, stirbt.

Was viele Außenstehende auch immer wieder vergessen: Oft neigen Kinder eher zum Täterschutz als zum Opferschutz. Kinder stehen oft solidarisch hinter dem vermeintlich schwächeren Elternteil (oder dem Angst machenden Elternteil) und übernehmen die Rolle des Erwachsenen, um diesen vermeintlich schwächeren zu schützen und zu stützen – wie etwa wenn Kindern nun gegen die eigene Mutter aussagen sollen vor Gericht. Jedes vernünftige Elternteil hätte es ihnen schützend untersagt, um sie nicht in einen Gewissenskonflikt zu bringen. Hier scheint es regelrecht forciert worden zu sein vom Vater. Die Kinder werden massiv instrumentalisiert gegen den anderen Elternteil – und das schon lange vor der „Entführung“. Auch das nennt sich Kindeswohlgefährdung, wenn nicht sogar Kindesmissbrauch. Kinder benötigen zumindest einen Anker-Elternteil und an diesem bleiben sie oftmals mit aller Konsequenz hängen – besonders wenn sie so isoliert leben wie Christina Blocks Kinder – bei ihrem Vater und seiner neuen Frau, die laut Medienberichten anscheinend ebenfalls ihre Kinder isoliert vom Vater. Auch hier wird nicht weiter nachgefragt und nachgeforscht. Auch das scheint normal zu sein.

Neue Anwältin, neues Glück?

Nun hat Christina Block sich eine neue Anwältin geholt. Paula Wlodarek. Auffällig ist der Name von ihr. Denn es gibt auch eine sehr bekannte Psychologin mit demselben Nachnamen. Dr. Eva Wlodarek. Es ist nun reine Spekulation, ob die beiden Frauen miteinander verwandt sind, aber es wäre wohl wichtig, die psychologischen Aspekte in diesem Gerichtsprozess nicht außer acht zu lassen. Auch was die mediale Berichterstattung betrifft, die oft entscheidenden Einfluss auf ein Urteil hat.

Wenn der Spiegel etwa unlängst titelt: „Die „verrückten“ Ideen der Frau Block“ – und damit despektierlich die überwältigenden Gefühle abwertet, die Verzweiflung, die eine Mutter erfasst, wenn die Kinder von heute auf morgen nicht mehr da sind, isoliert leben in einem anderen Land. Es ist oft eine männlich-abgeklärte journalistische Sicht auf sehr emotionale Reaktionen, die noch immer den deutschen Journalismus der so genannten Leitmedien prägt. Wer hier auch als Journalist:in mit Christina Block mitfühlen kann, ist oft selbst „nicht ganz zurechnungsfähig“. So einfach ist das. Eine wirklich detaillierte Aufarbeitung der gerichtlichen Abläufe, neutral dargestellt, findet man hingegen oftmals eher in kleineren Medienpublikationen, wie etwa der Artikel: „Wird Stephan Hensel angeklagt?“

Warum hat man die Kinder nicht befragt, als sie in Deutschland waren?

Christina Block ist die Entführerin ihrer eigenen Kinder. Sie ist die Böse. Er der Gute. Das ist das mediale Narrativ. Das auch Stephan Hensel die gemeinsamen Kinder zunächst in Dänemark einbehalten hat unter fadenscheinigen Gründen, das auch das eigentlich einer Kindesentführung in ein anders Land gleichkommt, darüber wird nicht gesprochen. Die Kinder seien ja freiwillig, aus triftigen Gründen bei ihm geblieben, sagen dann Kritiker. Aber wissen wir das wirklich? Wurden Sie vielleicht nicht doch massiv manipuliert und aufgehetzt gegen die Mutter? Warum hat man die Gelegenheit nicht genutzt, die Kinder zu befragen, als sie nach der besagten Silvesternacht in Deutschland waren? Welch eine Chance und man verpasste sie aus nicht nachvollziehbaren Gründen.

Die Bevölkerung möchte an einen funktionierenden Rechtsstaat glauben

Die Bevölkerung möchte an einen funktionieren Rechtsstaat glauben. Man möchte, dass der Rechtsstaat den verurteilt, der im Unrecht ist. Man möchte eine klare Unterscheidung haben zwischen Gut und Böse. Man möchte keine Grautöne. Und die Öffentlichkeit hat schon entschieden, wer „böse“ ist. In Gerichtsberichten wird immer wieder geäußert, dass die vorsitzende Richterin Christina Block scharf anging. Es scheint, als habe auch sie innerlich schon ihr Urteil gefasst und es gelte nur noch die Beweise für eine hieb- und stichfeste Verurteilung zu liefern.

Welche Traumata die Beteiligten durch das jahrelange Zurückhalten der Kinder in einem damals noch fremden Land für sie und für alle Beteiligten, auch bei Christina block entstanden sind, spielen anscheinend indes keine Rolle. Das darf eigentlich auch nicht sein. Wie oft kommen bei Vergewaltigungen und Femiziden tatmildernde Umstände ins Spiel, wie etwa psychologische Ausnahmezustände und/oder Suchtmittel? Warum wir das bei Frauen wie Christina block mit dieser extremen psychischen Belastungen wie des jahrelangen Kinndesentzugs  nicht diskutiert? Warum gibt es bei Frauen oftmals keine mildernden Umstände? Es scheint fast so, als ob wir noch immer im Mittelalter verhaftet wären, in welchem es nur darum geht, die Hexe brennen zu sehen.




Online-Vortrag „Stillen – was kommt danach?“

Das Landwirtschaftsamt des Landratsamtes Hohenlohekreis veranstaltet am Mittwoch, 26. Oktober 2022, von 9.30 bis etwa 11.00 Uhr einen Online-Vortrag zum Thema „Stillen – was kommt danach?“ Alle Mütter und Väter, die wissen möchten, wie die Einführung von Beikost bei Babys gelingt, sind hierzu herzlich eingeladen.

In den ersten vier bis sechs Lebensmonaten ist Muttermilch beziehungsweise Säuglingsnahrung die beste Mahlzeit für den Säugling. Danach müssen die Milchmahlzeiten durch Beikost ergänzt und schrittweise ersetzt werden, da der Energie- und Nährstoffgehalt nicht mehr ausreichen. Beim Vortrag „Stillen – was kommt danach?“ lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Ernährungsplan für das erste Lebensjahr ihres Kindes kennen und erhalten eine Orientierungshilfe für die Umstellung von der Milch auf feste Nahrung.

Der Online-Vortrag findet im Rahmen der Landesinitiative Bewusste Kinderernährung (BeKi) statt und wird von BeKi-Referentin Andrea Häusele gehalten. Die Teilnahme ist kostenfrei. Eine Anmeldung ist bis Mittwoch, 19. Oktober 2022, unter http://webinare-lawiamt.lra-hok.de. Genauere Informationen sowie der Teilnahme-Link werden am Tag vor der Veranstaltung per Mail verschickt.

Pressemitteilung Landwirtschaftsamt Hohenlohekreis




Die Sorgen der Eltern liegen der Pharmaindustrie scheinbar nicht am Herzen

GSCHWÄTZ berichtete kürzlich, dass beliebte Fiebersäfte für Kinder momentan in Apotheken kaum noch verfügbar sind. Verschiedenste Gründe dafür wurden von Ärzte- und Apothekerverbänden sowie des zuständigen Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vermutet, die genauen Gründe wissen diese Institutionen nicht.

GSCHWÄTZ hat bei der Industrie nachgefragt

GSCHWÄTZ hat daher direkt bei den Herstellern Ratiopharm (IBU ratiopharm), Zentiva (Ibuflam), Reckitt Benckiser (Nurofen) und Johnson&Johnson (Dolormin) nach den Gründen für den Mangel gefragt, insbesondere weil bei anderem Medikamenten mit denselben Wirkstoffen offenbar kein Mangel besteht. Außerdem wollten wir wissen, bis wann die Säfte wieder ausreichend verfügbar sein werden und welche Alternativen die Hersteller empfehlen.

Kein Interesse

Drei der angefragten Firmen haben nicht einmal geantwortet – die Sorgen der Eltern scheinen diesen Firmen nicht am Herzen zu liegen.

Schwammige und nichtssagende Antwort

Geantwortet hat einzig Reckitt Benckiser, der Hersteller der Marke Nurofen. Allerdings antwortet nicht etwa ein Repräsentant des Unternehmens, sondern eine „Junior Account Executive“ einer vom Unternehmen beauftragten Werbe- und Marketingagentur: „Wir haben diese [Presseanfrage, Red.] einmal mit unserem Kunden abgestimmt und nun Rückmeldung erhalten. Generell ist die Entwicklung der Nachfrage nach Nurofen Fieber- und Schmerzsäften derzeit nur schwer vorauszusehen und es kann in Ausnahmefällen zu gelegentlichen, punktuellen Lieferverzögerungen und -engpässen kommen.“ Eine Marketingagentur wirbt ja bei Ihren Kunden damit, dass sie die Märkte ihrer Kunden gut kennt – insofern erscheint diese Antwort sehr schwammig.

An der Realität vorbei

Und sie trifft auch nicht die Realität: Von „punktuellen Lieferverzögerungen und -engpässen“ kann nicht die Rede sein, wenn in ganzen Bundesländern diese Medikamente nicht mehr verfügbar sind und sich beispielsweise in Nordrhein-Westfalen bereits der Landtag mit dem Problem beschäftigt.

Vertiefende Nachfrage führt nicht zu tiefergehender Antwort

Eine vertiefende Nachfrage mit dem Verweis auf bundesweite Nichtverfügbarkeit wird nicht mehr von der „Junior Account Executive“ beantwortet, sondern von einer „Consultant“ der Agentur: „Da der Saft als Einnahmeart bei Kindern einfach besonders beliebt ist, bestehen die Lieferengpässe eben genau bei diesem Produkt.“ Das klingt nach „Die Ware ist knapp, weil sie knapp ist“, denn die Beliebtheit dieser Säfte war auch vor der Knappheit bekannt. Die Gründe, warum die Nachfrage das Angebot derzeit übersteigt, will auch die Consultant nicht nennen. Gerade von einer Werbe- und Marketingagentur hätte man vielleicht erwarten können, dass sie kompetente Aussagen über den Markt treffen kann.

Gründe weiter unklar

Eine Knappheit der Wirkstoffe kann kaum die Ursache der Nichtverfügbarkeit der Säfte sein, denn die Wirkstoffe Ibuprofen und Paracetamol sind in anderen Darreichungsformen gut verfügbar. Die reine Produktion im fernen Ausland und die Schwierigkeiten mit dem Schiffsverkehr dürfte auch nicht die Ursache sein – denn die anderen Darreichungsformen kommen größtenteils ebenso von dort.

Lieferbarkeit und Alternativen

Auch das Thema, wann die Säfte wieder ausreichend verfügbar sein werden, wird nur sehr schwammig beantwortet: „Nurofen ist zuversichtlich, die Nachfrage der Kund*innen, Verbraucher*innen und Patient*innen trotz dieser kurzzeitigen Einschränkungen weiterhin zur vollen Zufriedenheit zu bedienen.“

Immerhin die Frage nach den Alternativen wird konkret beantwortet: „Eine gute Alternative zu Säften stellen die Nurofen Zäpfchen für Kinder und für Kinder ab 6 Jahren die Nurofen Schmerztabletten dar.“

Text: Matthias Lauterer

 

 




„Das weiß doch jedes Kind, dass Babys und Kleinkinder keine Tabletten schlucken können.“

Derzeit beklagen sich Eltern darüber, dass einige beliebte Fiebersäfte mit den Wirkstoffen Ibuprofen und Paracetamol, in den Apotheken nicht lieferbar sind. Gerade diese Fiebersäfte sind aber besonders beliebt, enthalten sie doch einen preiswerten Wirkstoff und sind sie doch normalerweise in jeder Apotheke jederzeit vorrätig. Und wer einmal erlebt hat, wie gut diese Säfte bei leichteren Krankheiten bei Kindern wirken, der weiß, wie wichtig gerade diese Medikamente sind. Sowohl die Schloß-Apotheke in Ingelfingen als auch die mediKün-Apotheke in Künzelsau bestätigen die Beobachtungen der Eltern: „Die Situation ist da, bei Paracetamol noch düsterer als bei Ibuprofen“.

Knappheit ist der zuständigen Behörde bekannt

Nicht lieferbar: Fiebersäfte mit Ibuprofen. Screenshot einer großen Internet-Apotheke vom 09.August 2022. 

Es ist bekannt, dass mit 1A-Pharma ein Generikahersteller diese Säfte nicht mehr anbietet. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat Anfang August in einer Pressemitteilung festgestellt: „Ein Lieferabriss ist nach Kenntnis des BfArM zu keinem Zeitpunkt eingetreten und die in den Markt im Direktvertrieb oder über den vollversorgenden Großhandel abgegebenen Warenmengen repräsentieren in Summe den bisherigen durchschnittlichen Bedarf. In 2022 ist der Bedarf an den betroffenen Arzneimitteln überproportional angestiegen. Die Ursachen hierfür konnten bislang nicht befriedigend ermittelt werden“.

Unerklärbar hohe Nachfrage

Identischem Angebot steht also eine höhere Nachfrage gegenüber, die nicht erklärbar ist – ob die erhöhte Nachfrage mit der Versorgungssituation in der Ukraine zu tun hat, ist Spekulation. Das BfArM spricht von einer „Verteilproblematik“, ohne näher darauf einzugehen.

Corona soll schuld sein

Der Bayerische Apothekerverband (BAV) will die Ursachen für den Mehrbedarf kennen: „Im Moment sind viele Kinder krank – wir sehen eine hohe Zahl an Sommererkältungen.“ Peter Sandmann, ein Sprecher des Verbandes sagt:  „Unser Immunsystem hat ein bisschen verlernt zu tun, wofür es da ist und macht damit die Coronamassnahmen für die Situation mitverantwortlich.

„Ursula Funke, Präsidentin der Landesapothekenkammer Hessen nennt „Lieferschwierigkeiten“ als Grund, die sie nur teilweise an der Pandemie festmacht. Ein Problem sei, „dass Arzneimittel außerhalb Europas, unter anderem in Indien und China, produziert werden“, womit der pandemiebedingte Zusammenbruch der Lieferketten doch wieder die Ursache wäre.

Die hiesigen Apotheken können nur feststellen, dass Lieferengpässe bestehen, die Gründe dafür kennen sie nicht.

Billige Produktion weltweit

Deutliche Worte findet der Bayerische Landesverband der Kinder- und Jugendärzte. Dessen Vorsitzender Dominik Ewald wird mit „Jetzt rächt sich die Produktions-Verlagerung sogenannter unrentabler, aber für bestimmte Patientengruppen wichtiger Arzneimittelspezifikationen ins außereuropäische Ausland“ zitiert. „Das weiß doch jedes Kind, dass Babys und Kleinkinder keine Tabletten schlucken können.“ Für die Hersteller sei die Produktion von Saft oder Zäpfchen aufwendiger als die von Tabletten, weshalb diese nun knapp sind, während Arzneien mit dem gleichen Wirkstoff für Erwachsene in Tablettenform ohne Weiteres verfügbar sind.

Alternativen

„Es bleibt kein Kind in Deutschland unversorgt“, beruhigt Ulrike Funke. Sie empfiehlt Zäpfchen oder Schmelztabletten als Ersatz. Jedoch sind die handelsüblichen Schmelztabletten ,mit 200mg Wirkstoff für Kinder sehr hoch oder sogar zu hoch dosiert. Außerdem, so die Schloß-Apotheke in Ingelfingen, gebe es auch dort schon Lieferprobleme. Das BfArM hat jetzt festgelegt, dass unter bestimmten Voraussetzungen die Apotheken die Säfte selbst herstellen dürfen. „Wir haben das aber noch nicht gemacht“, ist aus der Schloß-Apotheke zu vernehmen.
Die Industrie will die Kapazitäten bis zum Winter erhöhen. Allerdings werden die Medikamente dann bestimmt teurer werden, denn – so sagt es zumindest die Industrie – der Preis für den Wirkstoff Paracetamol sei in den letzten Monaten um 70% angestiegen.

Text: Matthias Lauterer




„Für jeden Gast, egal ob Klein oder Groß, entstehen uns die gleichen Aufwendungen“

Ein wahres Familienidyll ist das Solymar in Bad Mergentheim. Dieser Eindruck wird jedenfalls von der Homepage erweckt. Groß war demzufolge der Aufschrei der Öffentlichkeit, als das Bad die Preise und die Preisstruktur für den Thermenbesuch anpasste. 25€ kostet nun die Tageskarte, einen Rabatt für Kinder gibt es nicht mehr   (GSCHWÄTZ berichtete).

Die Argumente der Betreiber klingen vertraut: Allgemeine Preissteigerungen, insbesondere bei den Energiekosten seien der Grund für die Preiserhöhung. Neu ist das Argument, dass der Energieaufwand für ein Kind nicht anders sei als für einen Erwachsenen.

Standard-Antwort der Betreiber auf google-Rezensionen. Foto: Screenshot

Das ist in anderen Einrichtungen übrigens genauso, trotzdem zahlen Kinder beispielsweise im Museum oder im Nahverkehr weniger als ein Erwachsener.

Das Internet tobt

Im Internet sind die Menschen größtenteils nicht mit den Preiserhöhungen für Kinder einverstanden. Eine Preiserhöhung wird von den meisten durchaus akzeptiert, Knackpunkt ist der Wegfall jeglicher Ermäßigung für Kinder und Jugendlichen und damit das neue Preissystem. Dieses empfinden die Kommentarschreiber als „unsozial“ oder „Frechheit“ – je nach sozialem Medium sind die Kommentare teilweise regelrecht beleidigend.

Hier beispielhaft einige google-Rezensionen:

Der Kommentar von oems83 bringt den Aufsichtsrat ins Spiel. Dieser wird am Mittwoch, 13. Juli 2022, unter dem Vorsitz von Mergentheims Oberbürgermeister Udo Glatthaar tagen. Die Fränkischen Nachrichten wollen erfahren haben, dass das Thema Preiserhöhungen zwar nicht auf der Tagesordnung steht, aber trotzdem Thema sein wird. Gegenüber den FN hat Peter Zimmermann, Betriebsleiter der Solymar Therme, gesagt, dass er nicht glaube, dass die neuen Preise zurückgenommen werden.

Gegenüber GSCHWÄTZ hat Zimmermann ebenfalls das ein oder andere gesagt, will aber nicht öffentlich zitiert werden.

Nicht alle finden die Preisstruktur schlecht

In den zitierten Rezensionen ist teils direkt, teils unterschwellig die Rede davon, dass das Preissystem oder sogar die Betreiber des Solymar kinderfeindlich seien. Andererseits sagen einige Besucher:innen der Therme deutlich, dass sie sich von Kindern in der Therme belästigt fühlen:

Vielleicht mag die neue Preisstruktur tatsächlich von Besucher:innen beeinflusst sein, die sich über Kinder in der Therme beklagt haben. Jedenfalls kommt dieser Eindruck bei vielen Menschen, nicht nur aus Bad Mergentheim, auf.

Schlechte PR

Auf jeden Fall scheint das Solymar nicht mit dem öffentlichen Interesse gerechnet zu haben, anders sind die Reaktionen der Betreiber nicht zu erklären: Die Kommentare werden mit immer demselben Text beantwortet, irgendein Eingehen auf Argumente der Rezensenten ist nicht zu erkennen. Offensichtlich wurde die Preiserhöhung vorab in den Gremien, vor allem dem Aufsichtsrat, nicht kommuniziert, auch die Benutzer:innen und deren Wünsche wurden wohl nicht einbezogen. Die Solymar Therme GmbH & Co. KG ist eine private Firma. Als persönlich haftende Gesellschaft ist die Schauer Beteiligungs- und Management GmbH eingetragen. Ein Unternehmen kann seine Preise prinzipiell frei gestalten und kann sich seine Kunden auch aussuchen.  Da die Stadt Bad Mergentheim im Aufsichtsrat vertreten ist, dürfte es allerdings auch einen sozialen Auftrag geben.

Die Bedeutung des Solymar für Familien scheint – so legen es die Reaktionen nahe – den Betreibern nicht klar zu sein: Für viele Familien ist ein Tag im Solymar – inklusive Therme – ein Höhepunkt im Jahr, gerne wurden auch Kindergeburtstage dort gefeiert. Ein Höhepunkt, den sich mit dem neuen Preissystem viele Menschen nicht mehr leisten können oder wollen.

Text: Matthias Lauterer

 




„Irgendwann möchte ich in einem echten Zuhause wohnen“

Geht man auf die Internetseite von Alea Horst aus Reckenroth, das zwischen Koblenz und Frankfurt liegt, lacht einen eine dunkelhaarige Frau aus einem Cockpit eines Segelflugzeuges an. Die Hochzeitsfotografin macht aber nicht nur Bilder von den schönsten Momenten im Leben, sondern auch von weniger schönen, teilweise entsetzlich bedrückenden Szenen. Für SOS-Kinderdörfer Sri Lanka war Horst etwa am Hafen von Bangladesch und fotografierte Kinder bei der Arbeit. Dort werden Schiffsschrauben gefertigt und Schiffe zurückgebaut, um Rohstoffe zu gewinnen.

„Dieses Projekt ist eines der emotionalisten, welches ich bisher fotografiert habe“

„Dieses Projekt ist eines der emotionalsten, welches ich bisher je fotografiert habe. In Bangladesch ist Kinderarbeit an der Tagesordnung“, schreibt Horst auf ihrer Homepage. Sie hat dort Kinder fotografiert, die mit dreckigen nackten Füßen, in einem Schiffsrumpf arbeiten, wie sie schweißen und hämmern. Es sind eigentlich unfassbare Fotos im 21. Jahrhundert.

Kleinkind in Bangladesh. Foto: Alea Horst

Weniger schöne, teilweise entsetzlich bedrückende Szenen

Alea Horst hat schon viel gesehen auf der Welt. Die 40-Jährige war in Syrien, Äthiopien, Jordanien und auch in Griechenland. Achtmal allein war sie in Lesbos. Allerdings nicht zum urlauben. Sie hat dort Kinder begleitet, unterstützt und fotografiert, die aus Syrien und anderen Ländern geflohen sind und nun in einem Auffanglager teilweise jahrelang verharren müssen. Entstanden ist daraus ein Buch mit dem Titel:

„Manchmal male ich ein Haus für uns. Europas vergessene Kinder.“

Zainab (12 Jahre, rechts) mit ihrer Freundin Nida. Sie lernten sich nach ihrer Flucht kennen und leben im Containerlager Kara Tepe. Foto: Alea Horst

Zainab: „Das Wichtigste in einer Freundschaft ist es, sich gegenseitig zu helfen und sich gegenseitig zu respektieren. In Nidas Familie gibt es nur eine Wärmflasche. Die bekommt dann immer ihr Bruder, wenn es nachts zu kalt ist. […] Wenn ich groß bin, möchte ich Ärztin werden, weil mein Papa ein Herzproblem hat. […] Ein perfekter Tag hätte nichts mit Warten zu tun. Es gäbe keine Fragen wie: Warum sind wir noch hier? Wann geht es weiter? Wir wären einfach angekommen.“

Dr. Sandra Hartmann hat mir der Fotografin über die Kraft der Bilder gesprochen und die Kraft dieser Kinder in den Lagern.

Alea Horst im Zataari Camp in Jordanien. Foto: privat

GSCHWÄTZ: Wie oft waren Sie in den Flüchtlingslagern, allen voran Moria auf der griechischen Insel Lesbos, in den vergangenen Jahren?

Horst: „Achtmal bin ich vor Ort gewesen. Die Interviews in dem Buch sind letztes Jahr im Februar 2022 entstanden. Das erste Mal war ich im Januar 2016 dort, dann ab 2020 wieder häufiger. Dazwischen war ich für Hilfsorganisationen in Jordanien, Syrien und Äthiopien. Die Fotos werden von den Organisationen für Spenden verwendet.

Die Schwestern Asra (9 Jahre, links) und Tabasom (6 Jahre) kommen aus Afghanistan und leben im Containerlager in Kara Tepe auf der Insel Lesbos. Foto: Alea Horst

GSCHWÄTZ: Sie haben aber nicht nur fotografiert vor Ort.

Horst: Oft packe ich auch selbst mit an. In Lesbos habe ich sehr viel mit angepackt. Aber es sind immer ganz unterschiedliche Aufgaben, die einen erwarten. 2016 habe ich beispielsweise Nothilfe am Strand geleistet, 2020 habe ich Lebensmittel und Kleidung besorgt, Spenden aus Deutschland organisiert oder Kranke zum Arzt gefahren.

GSCHWÄTZ: Sie leisten hauptsächlich ehrenamtlich Hilfe. Wie finanziert man das als Privatperson?

Horst: Die meisten Einsätze freiwillig und ehrenamtlich. Ich habe das von meinen Rücklagen und meinem Ersparten bezahlt. Mittlerweile bin ich aber so bekannt, dass Organisationen kommen und Bilder abkaufen, aber das steht in keinem Verhältnis, was ich an Ausgaben habe.

Sie haben ein Fotobuch herausgebracht über Kinder in den Flüchtlingslagern auf Lesbos, allen voran aus dem bekanntesten Lager namens Moria, das es mittlerweile nach einem großen Brand nicht mehr gibt. Welches Foto hat Sie dabei am meisten bewegt?

Horst: Das Foto, das mich am meisten bewegt hat, ist ein Junge, der sich nach dem Feuer in Moria auf den Boden gelegt hat, weil es die Verzweiflung und die Hilflosigkeit und das Ausgeliefertsein der Kinder darstellt. Hinter ihm sieht man Schatten von Erwachsenen. Es zeigt, wie erschöpft und traumatisiert die Kinder sind und das andere bestimmen, andere Schatten über ihr Leben bestimmen.

Mohammad Martin (13 Jahre) ist allein mit seiner Mutter und seiner älteren Schwester aus Aghanistan geflohen, wohnte erst im alten Moria Camp, jetzt im Zeltlager Kara Tepe. Foto: Alea Horst

Mohammad Martin: „Meine Familie und ich kommen aus Afghanistan. Aber dort kann ich nicht leben. Deshalb mussten wir hierherkommen. Wir haben uns das nicht wirklich ausgesucht. Der Weg hierher nach Lesbos hat mir viel Angst gemacht. Einmal habe ich meine Mama verloren an der türkischen Grenze. Ich habe überall nach ihr gesucht. Das war schrecklich. Ich habe keinen Papa. Wir sind nur mit meiner Mama hergekommen. Wenn man die dann verliert, das ist ganz schlimm. Die Flucht ohne Vater ist viel gefährlicher und schwieriger […] Moria ist ein schlimmer Ort. Jede Nacht gab es Krieg dort. […] Auch hier im neuen Lager sind wir schon ausgeraubt worden. Sie kommen nachts in die Zelte und klauen einfach alles, vor allem die Handys und das bisschen Geld.“

GSCHWÄTZ: Haben Sie selbst Kinder?

Horst: Ich habe zwei Kinder im Aller von 21 und 22 Jahren. Meine Tochter war mit mir schon einmal in Moria und hat dort zwei Monate als Englisch- und Deutschlehrerin gearbeitet.

GSCHWÄTZ: Wie nah kommt man den Kindern in den Lagern?

Horst: Ich arbeite viel mit Kindern, auch in anderen Ländern. Es dauert in der Regel nicht lange, dass man sich mit Kindern anfreunden kann, weil sie so ein Urvertrauen haben. Bei mir geht es immer schnell. Die spüren auch, wenn man es gut mit ihnen meint, wenn man versucht, Situationen nur ein kleines bisschen besser versucht zu machen. Sie erzählen, was sie für Sorgen machen, um ihre Mütter zum Beispiel. Wenn Sie spüren: Ich bin nicht irgendein Journalist, sondern ich bin wirklich interessiert an ihrer Geschichte.

Qutbuddin (8 Jahre) aus Afghanistan lebt mit seinen drei Brüdern, seiner Schwester Samira und seinen Eltern im Lager Kara Tepe. Foto: Alea Horst

Qudbuddin: „Im Zelt gibt es keinen Tisch und keine Stühle oder Betten. Es ist einfach nur Boden. […] Ich habe immer wieder Albträume. Die größte Angst ist dann, dass der Regen in unser Zelt kommt und das Zelt kaputtgeht oder wegfliegt. […] Ich träume dann, dass wir wieder auf der Straße sind, wie damals nach dem Feuer [Anm. d. Red.: im Lager von Moria] oder als wir in der Türkei aus dem Gefängnis gekommen sind. Oder ich träume, dass wir ins Meer treiben und untergehen, weil unser Zelt so nah am Wasser steht. Irgendwann möchte ich in einem echten Zuhause wohnen.“

GSCHWÄTZ: Wie traumatisiert sind die Kinder?

Horst: Ich hatte ein Gespräch mit der Kinderpsychologin von Ärzte ohne Grenzen. Manche Kinder haben ständige Angst vor Alpträumen. Sie träumen, was sie im Herkunftsland erlebt haben, von ihrer Flucht, von ihrem  Leben im Lager, von Vergewaltigungen. Sie sind retraumatisiert, ruhelos, rastlos. Ein Mädchen sagte mir: „Ich würde gerne mal eine Woche an einem ruhigen Ort sein, schlafen und alles vergessen.“ Sie sehnen sich nach einem Fels, nach einem Zuhause. Nach einem sicheren Ort.

Tajala (10 Jahre) aus Afghanistan lebte mit ihren Eltern und ihren vier Geschwistern vor dem Brand im alten Moria, zwischenzeitlich auf der Straße und jetzt im Zeltlager Kara Tepe. Foto: Alea Horst

„Ich habe noch Erinnerungen an das alte Moria. Erst hatten wir ein Iglu-Zelt. Das war natürlich für uns alle zu klein. Dann hat mein Papa angefangen, aus aus Holz und Plastikplanen eine Zelthütte zu bauen. Dann hatten wir mehr Platz. Aber dann kam das Fuer und alles ist verbrannt. Wir haben alles verloren. Wir waren dann 10 Tage auf der Straße. Wir konnten nirgendwohin, sondern mussten auf dem Bürgersteig bleiben. Die Polizei stand am Anfang und am Ende der Straße und hat den Weg versperrt. Die Polizei hat dann auch noch Tränengas geschossen. Das waren wirklich sehr schlechte Tage, und es war schwer für uns. Ihr müsst euch das so vorstellen: Wir hatten nicht genug zu essen. Wir hatten ja nicht mal Decken. Wir haben auf Pappe geschlafen, die wir irgendwo gefunden haben. Es gab nicht mal Wasser. Ich habe gedacht, dass uns die Polizei vielleicht etwas zu essen gibt, aber stattdessen kam das Tränengas.“

GSCHWÄTZ: Wie macht sich diese Retraumatisierung konkret bemerkbar?

Horst: Es gibt starke Verhaltensauffälligkeiten. Eine Junge sagte mir: „Ich weiß nicht mehr, wie spielen geht.“ Die Kinderpsychologin berichtet, dass Kinder auf einmal nicht mehr laufen können oder sie verletzen andere Kinder stark. Auf diesen Kindern liegt ein wahnsinniger Druck, die Familie hat das Land verlassen. Wir sind zu alt, um in einem neuen Land nochmal voll durchstarten zu können, aber du wirst das schaffen und du wirst das Geld für uns verdienen, um uns mitzufinanzieren. Die ganze Hoffnung der Familie ruht auf ihren Schultern. Ein Mädchen sagte: „Der Traum von einem guten Leben ist für mich vorbei“, weil sie so lange nicht zur Schule gegangen ist.

Fares (11 Jahre) lebt mit seinen vier Brüdern und Schwestern, seiner Mutter, seinem Vater sowie dessen Zweitfrau und Baby in einem Zelt im Zeltlager Kara Tepe. Foto: Alea Horst

Fares: „Alles hat angefangen, sagt mein Papa, als ich neun Jahre alt war. Da ist eine Bombe auf das Nachbarhaus gefallen. Mein Freund ist dort gestorben. Seitdem habe ich diese Schwierigkeiten mit den Gedanken. Ich habe keine Erinnerungen mehr, an nichts mehr. Ich kann mich nicht an Syrien erinnern und auch nicht an den Weg hierher. Es ist nichts mehr da. Morgens weckt mich meine Mama. Sie sagt immer, ich soll rausgehen, spielen. Aber ich kann nicht mehr spielen. Ich weiß nicht mehr, wie das geht.“

Was wäre ihr größter Traum?

Horst: Ich würde mir eine sofortige Auflösung der Lager wünschen. Die Menschen müssen evakuiert und sicher verteilt werden. Wir züchten dort Kriminalität. Ständige Retraumatisierung führt zu einem Verlust des Urvertrauens. Diese Menschen vertrauen anderen Menschen irgendwann nicht mehr. Wir entscheiden dass, das die Menschen dort kaputt gehen. In Afghanistan und im Irak droht den Menschen der Tod, aber überall anders werden sie teilweise auch verprügelt, haben die Krätze, werden von Ratten angefressen. Also lautet die Devise: Entweder lasse ich mich ausrauben oder raube selber aus. Die Menschen bekommen 70 Euro pro Person in einem Flüchtlingslager pro Monat in Griechenland. Es herrscht dort eine wahnsinnige Behördenwillkür. Ohne Rechtsbeistand sind die Chancen gleich Null, dass man einen positiven Asylbescheid bekommt.

Adonai (12 Jahre) aus dem Kongo lebt mit seinen Schwestern und seinen Eltern im Zeltlager Kara Tepe. Sein Bruder, von dem Adonai spricht, ist nicht mit im Camp. Foto: Alea Horst

Adonai: „Ich würde gerne etwas lernen. Aber ich gehe nicht zur Schule. Nicht eine Stunde Unterricht habe ich. Dabei möchte ich gerne etwas lernen. Mein Problem ist, dass ich ja älter werde. Die Zeit vergeht. Seit so langer Zeit bin ich jetzt hier und lerne nichts. Wie soll ich das alles irgendwann nachholen? Ich habe kein Wissen. […] Am meisten leide ich, wenn ich ohne Essen ins Bett gehe.“

Sie fahren, während wir telefonieren, zu ihrer nächsten Lesung.

Horst: Jetzt geht es nach Dresden, ich lese dort vor Schulklassen, von der vierten bis zur siebten. Und ich bekomme dabei immer viele Fragen gestellt. Krieg und Verfolgung ist oft ein Tabuthema zu Hause. Die Kinder wollen wissen, wie das ist, wenn man Angst hat, Angst um sein Leben. Sie sind total begeistert, wenn sie mit mir darüber sprechen können, wie es in einem Flüchtlingslager aussieht. Kinder verfallen dann nicht in eine lähmende Hilflosigkeit, wie es oft bei Erwachsenen der Fall ist, sondern bringen Ideen ein, wie sie helfen könnten, etwa mit Waffeln backen, verkaufen und das Geld dann spenden. Kinder haben immer tolle Ideen für Frieden und ein besseres Miteinander.

Zum ersten Mal seine Geschichte erzählt

Es sind viele Kinder mit Fluchterfahrung in den Klassen. Das hat ihnen sehr geholfen, sich zu öffnen. Ihre schreckliche Vergangenheit auch anerkannt zu bekommen. Ein syrischer Junge hat davon erzählt, wie man auf sein Boot geschossen hat und wie er in der Türkei seine Mama verloren hat. Seine Schulkameraden haben ganz gespannt zugehört, wie er zum ersten Mal seine Geschichte erzählt hat.

Verein

Hilfsprojeke, Bildung, Zukunftsbau: Alea Horst hat einen Verein gegründet mit dem Namen Alea e.V.

Der Verein steht für soziale Gerechtigkeit, Gemeinwohl, Respekt, Gemeinschaft, Würde und Frieden. Damit werden unter anderem soziale internationale Projekt unterstützt. Der Verein freut sich über Spenden.

Das im März 2022 erschienene Buch: „Manchmal male ich ein Haus für uns. Europas vergessene Kinder“ von Alea Horst und Mehrdad Zaeri ist beim Klett Kinderbuchverlag erschienen. Für 16 Euro kann man es überall kaufen, unter anderem bei Amazon: https://www.amazon.de/Manchmal-male-ich-ein-Haus/dp/3954702630

Buchcover: „Manchmal male ich ein Haus für uns.“

Text: Dr. Sandra Hartmann




Über 300 Kinder sind beim Künzelsauer Stadtlauf dabei

Gut 325 Kinder hatten sich am Samstag, 07. Mai 2022, für die Läufe der Bambini, Kinder und Jugend beim Künzelsauer Stadtlauf angemeldet. „Das ist Rekordbeteiligung“, sagt Bianca Vogel, die für die Jugendarbeit im TSV Künmzelsau stolz. Genau so stolz wie Vogel ist Robert Beck, er organisiert die vielen Helfer, die für die Läufe benötigt werden: Alles klappt reibungslos.

Robert Beck vom TSV Künzelsau ist zufrieden mit dem gesamten Ablauf. Foto: GSCHWÄTZ

Allein 122 Meldungen kamen aus der Georg-Wagner-Schule. Rainer Süßmann, kommissarischer Schulleiter, hat dort die Werbettrommel gerührt und ist froh, dass es solche Veranstaltungen wieder geben kann: „Wir brauchen das einfach.“ Er meint damit bestimmt nicht nur die Kinder, sondern die ganzen Familien.

Dicht gedrängt stand das Publikum. Foto: GSCHWÄTZ

Statt des geplanten einen Bambini-Laufes muss sogar zweimal gestartet werden, erst die Mädchen, dann die Jungen, so viele Kinder wollten mitlaufen. Oder … sollten mitlaufen, denn einzelne Kinder verloren mitten auf der 400 Meter langen Strecke die Lust und wurden von Papa oder Mama ins Ziel geführt.

„So weit ist das?“ „Und dann müssen wir ja auch wieder zurück!“ Die beiden sind  skeptisch. Foto: GSCHWÄTZ

Emilia darf stolz auf ihre Medaille sein! Foto: GSCHWÄTZ

Zwei Runden á 500 Meter mussten die Teilnehmer:innen am Kinderlauf  zurücklegen. Die Veranstalter hatten einen äußerst selektiven Streckenverlauf gewählt und so war das Feld bereits nach der ersten Runde weit auseinandergezogen. Aber selbst im hinteren Feld gab es noch bis zum Schluß Positionskämpfe, mit so viel Eifer waren die Jungen und Mädchen bei der Sache.

Ein erschöpfter Sieger. Raffael Rudolph hat den Kinderlauf gewonnen. Foto: GSCHWÄTZ

Zum Lauf der Jugend, der über 3,3 Kilometer ging, waren 24 Läufer:innen gemeldet, bei einigen merkte man, dass sie bereits voll im Lauftrainig stehen. Der Sieger, Anton Florian, brauchte für die Strecke gerade einmal 13:30 Minuten.

13:30 Minuten braucht Anton Florian für die 3.3 Kilometer. Foto: GSCHWÄTZ

Text & Fotos: Matthias Lauterer




Nikolaus kommt doch nicht mit der Feuerwehr

Vor wenigen Tagen kündigte die Feuerwehr Niedernhall an, dass der Nikolaus mit dem Feuerwehrauto zu den Kindern kommt, um ihnen eine Freude zu bereiten.

Nun macht die aktuelle Corona-Verordnung allen Beteiligten einen Strich durch die Rechnung: Aufgrund der Corona-Situation muss diese Aktion leider ausfallen.




Musikinstrumente einfach mal ausprobieren

Welches Instrument ist das richtige? Damit die Wahl und das Entscheiden für ein Instrument oder vielleicht auch für das Singen leichter werden, lädt die städtische Jugendmusikschule Künzelsau im
September zu einem Infotag und zu Schnupperstunden ein:
Der Infotag findet am Samstag, 18. September 2021 von 14 bis 17 Uhr im Hermann-Lenz-Haus, Kirchplatz 9, in Künzelsau statt. Während der Tage des offenen Unterrichts, von Montag, 20. September bis Freitag, 24. September 2021, sind Gäste ausdrücklich erwünscht.

Jürgen Koch lädt Kinder und Familien ein

Kinder, die sich für ein Musikinstrument interessieren, sind gemeinsam mit ihren Familien herzlich willkommen. Die Teilnahme an den beiden Angeboten ist kostenfrei.

„Das ist eine sehr gute Möglichkeit für die Kinder verschiedene Musikinstrumente auszuprobieren und kennenzulernen. Wir Lehrer stehen beratend zur Seite und stellen auch Instrumente vor. Damit
wollen wir eine Hilfestellung bei der Beantwortung der Frage nach dem richtigen Instrument für das Kind geben“, lädt Musikschulleiter Jürgen Koch Familien ein, die Tage des offenen Unterrichts und den
Infotag zu nutzen.

Großes Angebot an Instrumentalunterricht

Folgende Fächer und Instrumente werden angeboten: Gesang, Gitarre, E-Gitarre, Trompete, Horn, Klavier, Schlagzeug, Violine, Viola, Violoncello, Blockflöte, Querflöte, Klarinette, Saxophon, Posaune,
Euphonium, Tuba.

Bitte vorab anmelden

Um eine kurze Voranmeldung für die Tage des offenen Unterrichts wird gebeten. Diese nimmt Stefan Bender, Fachbereichsleiter Blasinstrumente und Stadtkapellmeister entgegen. Kontakt: stefan.bender@kuenzelsau.de, mobil 0151 58495667, gerne auch per

Neue Kurse beginnen ab Oktober 2021

Die Schnuppertage liegen ideal vor dem Beginn des neuen Semesters. Im Oktober 2021 beginnen die neuen Kurse und es gibt noch freie Plätze. Die Musikschule gibt gerne Informationen dazu und nimmt Anmeldungen von Schülerinnen und Schülern an für den Unterricht in den Fächern Violine, Violoncello, Querflöte, Euphonium, Posaune, Klarinette, Saxophon, Blockflöte, Klavier, Gitarre und Trompete, Horn und Gesang.

Instrumente können über den Förderverein ausgeliehen werden

Vom Förderverein für die Jugendmusikschule können bei Bedarf kostengünstig Leihinstrumente
gestellt werden.

Angebot für Kinder schon ab 3 Jahren

Ebenso beginnen ab Oktober 2021 auch die neuen Kurse für die kleineren Kinder ab drei Jahren mit der Musikalischen Früherziehung, der Musikalischen Grundausbildung, der Orientierungsstufe und der
Kindersingstunde.

Musikalische Früherziehung

Die „Musikalische Früherziehung“ ist für Kinder ab drei Jahren gedacht und dauert eineinhalb Jahre. Darauf aufbauend gibt’s für die Musikalische Grundausbildung für Kinder ab fünf Jahren. Im Vordergrund stehen gemeinsame Spielfreude, Fantasie, Singen und Tanzen sowie elementares Instrumentalspiel. Das gemeinsame Erleben der Musik prägt den Unterricht. Es werden Lerninhalte
vermittelt, die das Verständnis für die Notenschrift wesentlich erleichtern. Die Kurse werden in Künzelsau im Hermann-Lenz-Haus und verschiedenen Kindergärten in Künzelsau angeboten.

Kindersingstunde

Für Kinder ab sechs Jahren hat die Jugendmusikschule noch weitere Angebote: In der „Kindersingstunde“ entwickeln die Kinder durch gemeinsames Singen im Ensemble Spontanität, Freude und Bewusstsein für das körpereigene Instrument. Gemeinsame Aufführungen von Singspielen oder Kindermusicals in Zusammenarbeit mit anderen Instrumentalgruppen sind meist das Ziel
der Proben.

Orientierungsstufe

Die „Orientierungsstufe“ ist für Kinder ab sechs Jahren gedacht und dauert ein halbes Jahr. Der Unterricht umfasst das vertiefende Kennenlernen von Instrumenten aus allen Bereichen, rhythmische
Übungen und den Einstieg in die Notenschrift. Auf diese Weise können sich jüngere Kinder besser vorstellen, ob und welches Instrument sie gerne erlernen wollen. Die Kurse finden im HermannLenz-Haus in Künzelsau statt.

Musik ist wichtiger Bestandteil der kindlichen Entwicklung

Das gemeinsame Musizieren fördert die Motivation und das soziale Miteinander der Kinder und Jugendlichen. In den verschiedenen Instrumentalfächern gibt es Ensembles, in denen sowohl Anfänger als auch Fortgeschrittene mitspielen können.

Info

Anmeldeformulare und Informationen zu den Instrumenten, Kursen oder zu anderen Angeboten gibt es auf der Homepage der Stadtverwaltung Künzelsau, www.kuenzelsau.de , und bei der Jugendmusikschule Künzelsau. Kontakt: Jürgen Koch und Katerina Kaminski, Telefon 07940 931800 oder 07940 931801.

Pressemitteilung der Stadt Künzelsau




An die falsche Adresse

Nach der Corona-Impfung für Erwachsene wird zurzeit diskutiert, ob nicht auch alle Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren gegen das Virus geimpft werden sollten. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt nur eine Impfung für Kinder mit bestimmten Vorerkrankungen, weil diese ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf haben. Kinder ohne Vorerkrankung haben dagegen meist einen milden oder sogar asymptomatischen Krankheitsverlauf.

Sorge vor den Auswirkungen

Klar ist: Über Corona-Impfungen bei Kindern muss diskutiert werden, denn daran scheiden sich die Geister. Viele Politiker:innen – beispielsweise Bundesgesundheitsminister Jens Spahn – wünschen sich eine Ausweitung der STIKO-Empfehlung für alle Kinder, weil sie glauben, nur so sei eine Herdenimmunität zu erreichen. Das aber lehnen viele Eltern ab, weil sie darin einen unverhältnismäßigen Eingriff sehen, von dem Kinder nichts bis wenig haben. Sie treibt die Sorge um, welche Auswirkungen die verwendeten Impfstoffe auf ihre Kinder langfristig haben können.

Druck wird aufgebaut

Doch was gar nicht geht: Bereits im Vorfeld wird versucht, per anonymem Schreiben die Hohenloher Schulleiter:innen und Lehrer:innen unter Druck zu setzen, sich gegen Corona-Impfungen bei Kindern einzusetzen (https://www.gschwaetz.de/2021/07/20/sie-machen-sich-moeglicherweise-strafbar/). Das Schreiben wurde der GSCHWÄTZ-Redaktion per Post zugestellt. Es bezieht sich auf dubiose Quellen – beispielsweise die Schweizer Ärzte-Vereinigung Aletheia – und endet mit einer unverhohlenen Drohung: „Die hohe Anzahl von wissenschaftlichen Fakten, die nur noch schwer zu ignorieren sind, wird aber die Gerichte unter Druck setzen, um einen Schuldigen zu benennen. Stellen Sie heute schon sicher, dass Sie nicht dazu zählen.“ Unterzeichnet haben „besorgte Eltern, die leider anonym bleiben möchten“.

Leidtragende wie alle anderen auch

Es ist verständlich, dass die Eltern besorgt um ihren Nachwuchs sind. Jeder will schließlich das Beste für sein Kind. Doch in dem Fall ist der Brief an die falsche Adresse gerichtet. Die Lehrer:innen sind schlicht und ergreifend dafür nicht zuständig. Sie haben die Aufgabe, unseren Kindern Wissen zu vermitteln und ihr soziales Miteinander zu fördern. Schutz vor Krankheiten und das Verhindern staatlicher Maßnahmen gehören nicht dazu. Sie sind nicht schuld an der Pandemie, sondern Leidtragende wie alle anderen auch. Außerdem: Auch viele Lehrer haben Kinder und stehen ebenso vor der Frage, ob sie ihren Nachwuchs impfen lassen oder nicht.

Offen einstehen für Kinderrechte

Wenn es den „besorgten Eltern“ wirklich so ernst ist mit ihrer Sorge, sollten sie aus der Anonymität kommen und für die Rechte ihrer Kinder offen einstehen. Sie könnten sich organisieren und öffentlich auf ihr Anliegen aufmerksam machen – und zwar an den richtigen Stellen, nämlich den Politiker:innen. Demonstrationen und Schreiben an Politiker:innen sind in einer Demokratie legitime Mittel, die jedem zustehen. Druck aufbauen auf eine ganze Berufsgruppe gehört aber nicht dazu.

Kommentar: Sonja Bossert