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Im Einsatz für Hohenlohe – aber nicht gemeinsam

Neben Arnulf von Eyb (CDU) sind auch Catherine Kern (Bündnis 90/Die Grünen) und Anton Baron (AfD) im neuen baden-württembergischen Landtag und vertreten den Wahlkreis Hohenlohe. Nur auf eine überparteiliche Zusammenarbeit dürfen die Bürger:innen wohl erstmal nicht hoffen. GSCHWÄTZ-Redakteur Matthias Lauterer hat mit den beiden einen Tag nach der Landtagswahl am 14. März 2021 am Rande einer Kreistagssitzung kurz gesprochen.

„Wir hoffen, dass wir auch in Hohenlohe grüne Politik voranbringen“

GSCHWÄTZ: Frau Kern, Sie haben den persönlichen Erfolg im zweiten Anlauf. Die Partei hat einen Erfolg mit plus Prozenten. Sie lächeln aus gutem Grund, nehme ich an.

Kern: Ja, ich bin sehr erfreut über unser Gesamtergebnis. Natürlich über mein persönliches Ergebnis. Ja, es war ein langer Weg. Es hat sich gelohnt. Insofern hoffen wir, dass wir jetzt auch in Hohenlohe grüne Politik voranbringen.

GSCHWÄTZ: Dann gratuliere ich Ihnen dazu. Wissen Sie denn schon, welche Fachgebiete Sie dann in der Fraktion bearbeiten werden oder ist das noch nicht abgesprochen?

Kern: Morgen gibt es das erste Treffen, wo alle Abgeordnete zusammenkommen. Ich gehe davon aus, dass es da im Gespräch sein wird.

„Mit der AfD möchte ich nicht zusammenarbeiten“

GSCHWÄTZ: Wir haben jetzt nicht mehr nur zwei Abgeordnete aus der Umgebung, sondern drei. Wird das den Stand des Hohenlohekreises oder des Wahlkreises 21 in der Politik stärken? Können Sie sich vorstellen, dass es eine fraktionsübergreifende Zusammenarbeit gibt mit den Abgeordneten aus der Region?

Kern: Ich schätze Herrn von Eyb. Ich habe schon 2016 mit ihm Wahlkampf zusammen gemacht. Er bringt zehn Jahre Erfahrung mit, 16 Jahre Kenntnisse von Hohenlohe. Ich habe als kommunale Politikerin auch meinen Erfahrungsbereich. Ich denke, da kann es einen guten Austausch geben. Mit der AfD möchte ich nicht zusammenarbeiten.

„Das landesweite Ergebnis ist enttäuschend“

Auch den AfD-Abgeordneten Anton Baron konnte Matthias Lauterer am Rande der Kreistagssitzung am 15. März 2021 für ein kurzes Statement gewinnen.

GSCHWÄTZ: Herr Baron. Erst einmal herzlichen Glückwunsch, dass Sie Ihr Mandat wiederbekommen haben. Aber so ganz ohne Wermutstropfen ist es wohl nicht, denn Sie haben Stimmen verloren. Ihre Partei hat knapp ein Drittel Ihrer Stimmen verloren. Wie fühlen Sie sich gerade?

Baron: Natürlich bin ich froh über mein persönliches Ergebnis. Ich bin froh, dass meine bürgernahe Arbeit auch hier im Kreis honoriert worden ist. Ich habe mich immer bemüht, mich für die Menschen hier einzusetzen. Natürlich ist das landesweite Ergebnis enttäuschend. Das hängt natürlich mit vielem zusammen. Zum einen, dass uns die öffentlich-rechtlichen Medien ignoriert haben vor den Wahlen. Wir sind in keine Talkshows eingeladen worden. Wir haben nahezu keinen Platz gehabt im Fernsehen. Und darüber hinaus muss man auch sagen, diese Verfassungsschutzkeule, der politisch instrumentalisierte Verfassungsschutz, der uns kurz vor den Wahlen nochmal hier aufgesetzt worden ist und den das Gericht schlussendlich auch kassiert hat, hat nichtsdestotrotz sicherlich auch Wähler verschreckt.

„Wir wollen diesen klar bürgerlich-konservativen Weg gehen“

GSCHWÄTZ: Jetzt ist ja der Fall, dass viele Abgeordnete der AfD, die vorher drin waren und die sich besonders durch Standpunkte vom rechten Spektrum ausgewiesen haben, nicht mehr dabei sind. Ist das für Sie ein Zeichen?

Baron: Ja, definitiv. Bei uns findet natürlich auch die Professionalisierung statt und dass wir Provokateure ganz entschlossen ausschließen. Das haben wir auch bewiesen. Wir haben diese Provokateure und auch die, die mit diesem Parlamentsbetrieb nicht zurechtgekommen sind, ausgeschlossen oder die sind von sich alleine ausgetreten. Das zeigt auch, dass wir hier diesen klar bürgerlich-konservativen Weg gehen wollen.

GSCHWÄTZ: Wir haben jetzt seit oder ab der nächsten Legislaturperiode zum ersten Mal überhaupt drei Abgeordnete aus Hohenlohe im Parlament. Sehen Sie da die Möglichkeit, regional für die Region, zum Beispiel für Verkehr und Energie zusammenzuarbeiten?

„Wir stehen immer bereit für Gespräche“

Baron: Wir als AfD und prinzipiell ich selber stehe immer bereit für Gespräche. Ich verwehre mich auch keinen Lösungsvorschlägen, die für unsere Bürger irgendetwas bringen. So stimmen wir auch immer in den Gemeinderäten, im Landesparlament oder auch im Kreistag ab. Und daran wird sich auch nichts ändern. Wir sind ja in den Parlamenten, um irgendetwas zu erreichen für unsere Bürger hier in Hohenlohe. Und daran halten wir auch weiterhin fest.

Anton Baron und Catherine Kern einen Tag nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg am 15. März 2021. Fotos und Fotomontage: GSCHWÄTZ