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Fast jedes dritte Kind leidet unter psychischen Auffälligkeiten

Die neue Sozialdezernentin im Landratsamt Hohenlohe, Elke Schöll, hat auf der letzten Kreistagssitzung am Montag, den 21. Juni 2021, einen Vortrag über „Familien und Corona – Wege aus der Krise“ mit Informationen aus dem Jugendamt gehalten. Sie beleuchtete darin vor allem die Auswirkungen der Pandemie auf Familien. GSCHWÄTZ stellt Auszüge daraus vor.

Demnach habe sich im Bereich der ambulanten Hilfen der Anteil der sozialpädagogischen Familienhilfe von 67 Fällen im Jahr 2019 auf 88 im Jahr 2020 gesteigert. Steigerungen gab es auch beim Erziehungsbestand (von 37 auf 42 Fälle) sowie bei der Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder und Jugendliche (103 auf 11 Fälle).

Bei weit über der Hälfte der Inobhutnahmen, die im Juni bis Dezember 2020 stattgefunden haben, hat Corona teilweise oder maßgeblich beigetragen – nämlich bei 57,1 Prozent der Fälle.

Screenshot: GSCHWÄTZ

Die Anzahl der gemeldeten Kindeswohlgefährdungen steigt seit Jahren – im Jahr 2020 auf 214 Fälle. Das sind 66 mehr als im Jahr davor. Die meisten dieser Fälle – nämlich 51 – wurden von der Polizei, Gerichten oder staatlichen Stellen gemeldet. In 16,8 Prozent aller Fälle von Kindeswohlgefährdung, die von Juni bis Dezember 2020 gemeldet wurden, spielte Corona eine Rolle.

Screenshot: GSCHWÄTZ

In zehn Prozent der in 2020 überprüften Fälle lag eine Kindeswohlgefährdung vor, was einem Rückgang von sechs Prozent entspricht. Bei 34 war diese Gefahr latent (plus 14 Prozent), bei ebenso vielen Fällen gab es zwar keine Kindeswohlgefährdung aber Hilfebedarf (minus elf Prozent). Bei fast einem Viertel – immerhin 22 Prozent der überprüften Fälle – lag keine Kindeswohlgefährdung vor und es gab auch keinen Hilfebedarf.

Screenshot: GSCHWÄTZ

Die meisten der betroffenen Kinder – nämlich 88 – waren im Alter von sechs bis unter 14 Jahren. Besonders betroffen waren zudem die Familien mit einem alleinerziehenden Elternteil – zu 43 Prozent – im Vergleich mit 39 Prozent, bei denen die Eltern zusammenlebten.

Wie Elke Schöll weiter ausführte, ergab die bundesweite Copsy-Studie – eine Längsschnittstudie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf – dass fast jedes dritte Kind unter psychischen Auffälligkeiten leidet. Außerdem fühlten sich vier von fünf Kindern und Jugendlichen durch die Corona-Pandemie belastet. In Familien, wo es bereits vor Corona Strukturen gab und sie sich wohl und aufgehoben fühlten, seien die Kinder gut durch die Krise gekommen.

Die Familien sehen sich in der Krise mit zunehmender Überforderung und Überlastung der Erziehungsberechtigten konfrontiert. Jugendliche werden in ihren Entwicklungsaufgaben behindert, Bewegungsmangel und familiäre Konflikte nahmen zu. Die Ernährungsweise sowie der Umgang mit Medien waren zusätzliche Herausforderungen in den Familien.

Weitere Probleme ergaben sich für die Familien durch das Homeschooling – beispielsweise durch Wegfall der stabilen Strukturen – das auch Auswirkungen auf schulische und die persönliche Entwicklung der Kinder und Jugendlichen hatte. Am Übergang von Schule zu Beruf gab es nicht nur erhebliche Schwierigkeiten hinsichtlich der Berufsorientierung. Die Abschlussschüler:innen befürchteten auch, den Stempel eines Corona-Abschlusses im Schuljahr 2019/2020 und 2020/2021 zu bekommen und sie hatten die Sorge vor Problemen bei der Lehrstellensuche.

Text: Sonja Bossert




Künzelsau: Aufklärung im Fall Derek

In unserer Februar-Ausgabe haben wir nach der Person gesucht, die in der Künzelsauer Innenstadt ein mysteriöses Plakat aufgehängt hat, auf dem der Selbstmord eines Elfjährigen beklagt wurde. Mittlerweile konnten wir die Urheberin ausfindig machen. Der kleine Junge war kein Fall des hiesigen Jugendamtes, sondern lebte wohl in Berlin Er sollte nach Osteuropa gebracht werden.

Mit ihrem Plakat wollte Barbara Hammer aus Waldenburg auf den Tod des Jungen aufmerksam machen und gleichzeitig gegen die Willkür der deutschen Jugendämter protestieren, die immer wieder Kinder in ihre Obhut nehmen und so laut Hammer ganze Familien zerstören würden. Die mehrfache Mutter, die zusätzlich zu ihren sechs eigenen Kindern noch drei Pflegekinder aufgenommen hat, schreibt Politiker an, geht auf Demos gegen Kindesentzug und schreibt sogar Lieder über dieses Thema. Wir berichten über sie in einer unserer nächsten Ausgaben.




Neue Leiterin des Jugendamtes im Landratsamt Hohenlohekreis

Claudia Müller hat zum 1. Juni 2019 die Leitung des Jugendamtes im Landratsamt Hohenlohekreis übernommen. Sie ist Nachfolgerin von Josef Grochla, der mit Ablauf des Mai 2019 die Freizeitphase seines Altersteilzeitvertrages angetreten hat.

von links: Landrat Dr. Matthias Neth, Amtsleiterin Claudia Müller, Ursula Mühleck, Dezernentin für Familie, Bildung und Gesundheit, Michael Schellmann, Dezernent für Finanzen und Service.
Foto: Landratsamt des Hohenlohekreises

„Ich freue mich, dass mit Claudia Müller eine langjährige erfahrene Mitarbeiterin die Leitung des Jugendamtes übernommen hat“, erklärte Landrat Dr. Matthias Neth und wünschte der neuen Amtsleiterin viel Erfolg und ein gutes Ankommen auf ihrer neuen Stelle.

Claudia Müller ist 45 Jahre alt und gelernte Diplom-Sozialpädagogin. Sie ist seit 1. Oktober 2002 beim Landratsamt Hohenlohekreis im Jugendamt tätig, zunächst als Sozialarbeiterin im Bereich des Allgemeinen Sozialen Dienstes. Ab Mitte des Jahres 2011 war sie sieben Jahre lang als Teamleitung im Besonderen Sozialen Dienst und später wieder im Allgemeinen Sozialen Dienst beschäftigt, bevor sie ab August 2018 die Fachdienstleitung des Allgemeinen Sozialen Dienstes übernahm. Im Rahmen der Einarbeitung wurde Frau Müller bereits mit Wirkung vom 01.11.2018 zur stellvertretenden Amtsleiterin des Jugendamtes bestellt.

Hintergrund:

Das Jugendamt ist mit über 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern das größte Amt im Landratsamt Hohenlohekreis. Die Fachkräfte aus Sozialpädagogik und Verwaltung haben sich zum Ziel gesetzt, Kinder, Jugendliche und Familien bei Bedarf zu unterstützen und sich für die Wahrnehmung derer Interessen und Bedürfnisse einzusetzen. Der Fachdienst Bildung ist zuständig für die Verwaltung und Betreuung der Kreisschulen und des Kreismedienzentrums. Zudem sind hier das Bildungsbüro und die Geschäftsstelle des Europäischen Sozialfonds angesiedelt.

 

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises