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„Ihre verbrannte Leiche ficken, um sicherzustellen, dass sie tot ist“

„In einer Reihe von Texten sagte Depp, dass er Heard „verbrennen“ wolle und dass er „ihre verbrannte Leiche ficken“ würde, um „sicherzustellen, dass sie tot ist“. Oder: „Hoffentlich verwest die Leiche dieser Fotze im verdammten Kofferraum von einem Honda Civic.“
Hingegen wurden die Bilder von Heards Verletzungen als „Photoshop“ bezeichnet und ihre Aussagen mit Kotz-Emojis versehen. Die bissigen Kommentare haben schon eine verstummende Wirkung. Einige User haben bereits zu viel Angst, sich gegen Depp auszusprechen, weil sie nicht wollen, dass „seine Horde“ sie angreift.“ So schreibt es das Nachrichtenmagazin Stern in einem Online-Artikel am 04. Juni 2022 und ist damit eines der wenigern Medien, die nicht Amber Haerd als vermeintliche Verleumdungstäterin sehen, die lediglich Johnny Depps Ruf ruinieren wollte und nun zu Recht fast 10 Millionen Euro wegen Rufschädigung an ihn bezahlen soll.
Depp verklagt Haerd wegen angeblicher Rufschädigung
Was ist geschehen? Johnny Depp hat nun ein Gerichtsverfahren gegen seine Exfrau Amber Haerd gewonnen. Nachdem Amber Haerd über häusliche Gewalt im Rahmen eines Interview gesprochen hat, hat Johnny Depp Klage eingereicht, weil er seinen Ruf bedroht gesehen hat. Zwar hat Haerd seinen Namen in dem Interview nicht erwähnt, aber anhand der zeitlichen Aussagen könne anscheinend nur er damit gewesen sein.
Es steht Aussage gegen Aussage – Jury glaubt Johnny Depp mehr, das heißt aber nicht, dass Amber Haerd gelogen hat
Dies habe angeblich seine Karriere gekostet. Er verklagte Heard daraufhin auf 50 Millionen Euro, was an sich schon lächerlich ist, weil sie nicht mal seinen Namen genannt hat in dem besagten Interview. An dieser Stelle hätte die Klage bereits abgewiesen werden soll. Aber das Gegenteil trat ein: Die Jury stimmte am Ende mehrheitlich dafür, dass Johnny Depp das Opfer ist und Geld von Amber Haerd bekommt. Das Thema Rufschädigung wurde höher gewichtet als die Frage: Wo beginnt häusliche Gewalt?
Die große Frage: Wo beginnt häusliche Gewalt?
Amber Heard sah sich während ihres Verleumdungsprozesses gegen Ex-Mann Johnny Depp einer Flut von Hasskommentaren im Netz ausgesetzt. Doch dieser Umgang könnte neben Heard auch einer ganzen jungen Generation schaden: Nicht nur die Schauspielerin wurde im Stich gelassen, schreibt nun der Stern:

„Amber Heard wurde im Prozess gegen Johnny Depp für schuldig befunden. Die Jury verurteilte sie, 8,35 Millionen Dollar an ihren Ex-Mann zu zahlen. Doch während der Verleumdungsfall zwischen den beiden Schauspielern vor einem Gericht in Virginia verhandelt wurde, fand im Internet ein weiterer Prozess statt, bei dem das Urteil stark in Richtung Depp als „wahres Opfer“ tendierte. Wochenlang überschwemmten Memes und Reels, die Heard als „Lügnerin“, „Psychopathin“ und „Manipulatorin“ bezeichnen, die sozialen Medien. Sie machten sich über ihre Haare, ihr Outfit und ihre Mimik lustig und wünschten ihr manchmal sogar den Tod.

In den Kommentaren zu den Livestreams des Prozesses wurden Depps gewalttätige Texte heruntergespielt („lol Johnny“) und seine Anschuldigungen gewürdigt.

„Ich denke nicht, dass wir nur Amber Heard im Stich gelassen haben. Ich denke, wir haben alle Frauen im Stich gelassen, die geschlechtsspezifische Gewalt erfahren haben“, sagte Mandi Gray, Expertin für Geschlechtergerechtigkeit und Forscherin an der Universität von Calgary, gegenüber „Vice News„. Diese Aussage kann auch Farrah Khan gegenüber „Vice News“ bestätigen, sie ist Anwältin für Geschlechtergerechtigkeit: „Man braucht ein ganzes Dorf. Es geht nicht nur um die Person, die Schaden anrichtet, sondern auch um die Menschen in ihrem Umfeld, die dies ermöglichen, unterstützen und fördern.“

Missbrauchstäter klagen oft gegen ihre Opfer, um sie öffentlich zu demütigen

Beide haben auch darauf hingewiesen, dass Verleumdungsklagen sehr oft von Missbrauchstätern benutzt werden, um Überlebende weiter zu kontrollieren und zu zwingen. Gray, die das Phänomen untersucht hat, sagte, solche Gerichtsverfahren seien eine „Möglichkeit, Menschen, vor allem Frauen, öffentlich zu demütigen und Kontrolle zu gewinnen“. Das liegt zum Teil daran, dass man bei einer Klage einen großen Teil seines Lebens preisgeben muss: Textnachrichten zwischen Freunden und Familien, E-Mails und mehr, die dann vor Gericht untersucht werden. „Es ist ein sehr invasiver Prozess“, sagte Gray und fügte hinzu, dass die Täter durch die Einleitung von Verleumdungsklagen auch versuchen können, „das Blatt zu wenden“. „Dieser Fall ist nicht die Ausnahme. Er ist die Regel.“

Täter versuchen, das Blatt zu wenden und sich selbst als Opfer zu inszenieren

„Es ist ein Thema, das wir ernst nehmen sollten, denn dies ist eine der größten öffentlichen Fehlinformationskampagnen, die wir je über häusliche Gewalt gesehen haben“, sagte Khan. „Dieser Fall prägt das Bild, das junge Menschen von häuslicher Gewalt haben.“

Johnny Depp: Das sind die skurrilsten Momente des Gerichtsverfahrens