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Der Tod kommt leise

Die Zahl der weltweiten Covid-19-Fälle steigt unaufhörlich, die John Hopkins Universität meldet weltweit über 300.000 offiziell an dem Covid-19-Virus verstorbene Menschen (Stand: 15. Mai 2020, 07 Uhr, https://coronavirus.jhu.edu/map.html). In Deutschland sind bislang 7.884 Menschen offiziell durch das Coronavirus gestorben.

Doch die Dunkelziffer könnte deutlich höher sein. Darauf weist ein Artikel des Nachrichtenmagazins Focus unter Berufung auf Recherchen der New York Times und des Economist hin. Denn: Um die ganze Welt vermelden Länder Steigerungen der Sterberate, die deutlich über den Werten der offiziell der Pandemie zugerechneten Toten liegen.

Sterberaten steigen im Vergleich zu früheren Jahren signifikant an

Die beiden Blätter werteten die gemeldeten Todesfälle der letzten Wochen aus und verglichen sie mit den Durchschnittsdaten der letzten Jahre. Die Analyse zeigt: In allen untersuchten Fällen liegt die Todesrate deutlich über den zu erwartenden Zahlen – und zwar auch dann, wenn man die an offiziell an Covid-19 Verstorbenen berücksichtigt. https://www.msn.com/de-de/nachrichten/coronavirus/covid-19-die-fehlenden-opfer-sterberate-steigt-weltweit-st%C3%A4rker-als-die-offiziellen-corona-todeszahlen/ar-BB132voS

Mehr als 25.000 zusätzliche Verstorbene fanden die Journalisten auf diese Weise – in nur sieben Ländern (unter anderem in Spanien, Frankreich und England) sowie den drei Metropolen New York City, Istanbul und Jakarta. Im besonders stark betroffenen New York lag die Sterberate etwa ganze 298 Prozent über dem zu erwartenden Wert von etwa 5000 Toten monatlich. Doch von den 17.200 zusätzlichen Toten wurden nur 13.240 als Covid-19-Opfer gerechnet. Mehr als 4000 zusätzlich Verstorbene werden durch die Statistik also nicht erklärt. Dabei hätten alleine diese Todesfälle die Sterberate fast verdoppelt.

Auch im Hohenlohekreis passen die Zahlen nicht zusammen

Auch bei Bestattungsinstituten im Hohenlohekreis kommen Zahlen zu Tage, die nicht mit der offiziellen Corona-Statistik des Hohenlohekreises zusammenpassen. Bei Interviews mit Bestattern vor einigen Wochen, teilten diese mit, wie viele Coronafälle sie bereits hatten. Dabei überstieg die Zahl der Fälle die offizielle Zahl des Hohenlohekreises an Toten. Allein ein Bestatter davon hatte bereits 15 Fälle – so viel wie im ganzen Hohenlohekreis damals offiziell als Zahl an Corona-Toten angegeben worden war.

Mittlerweile ist die Zahl der Toten im Hohenlohekreis auf 43 gestiegen. Was auch verwundert: Die Zahl der Infizierten verändert sich im Hohenlohekreis seit Wochen kaum noch (754, Stand: 14. Mai 2020 https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/aktuelle-infos-zu-corona/corona-karte-baden-wuerttemberg/). Kritiker bemängeln hier, dass es zu wenig Testungen gibt. Eine genaue Zahl der Testungen ist nicht bekannt, aber in der Drive-In-Abstrichstelle in Belzhag sollen zu Beginn an „Spitzentagen“ rund 180 Verdachtsfälle getestet worden sein, zum Ende hin teilweise nur noch 16 Verdachtsfälle. Nun soll die Abstrichstelle in Belzhag erstmal geschlossen und das Abstrich-Zepter an die Arztpraxen übergeben werden.

Keine einheitliche Messmethode

Das grundsätzliche Problem ist: Es gibt weltweit keine einheitliche Messmethode, wer als Coronafall gilt und wer nicht. Auch in Deutschland herrscht darüber Uneinigkeit. Immer wieder steht dabei die Frage im Raum: Ist jemand an dem Virus gestorben und oder ist jemand gestorben aus anderen Gründen, war aber gleichzeitig infiziert? Des Weiteren herrscht Uneinigkeit darüber, ob es Sinn macht – etwa wie im Hohenlohekreis geschehen – Tote zu testen, weil das Virus laut dem Robert-Koch-Insititut wohl relativ schnell aus dem Körpfer eines Toten wieder verschwindet. Viele Länder zählen des Weiteren nur die Opfer, die in den Krankenhäusern starben. Die, die zu Hause still und heimlich sterben, werden von der Statistik größtenteils vermutlich nicht erfasst. https://www.tagesspiegel.de/wissen/woran-sterben-corona-patienten-wirklich-ein-schweizer-forscher-macht-hoffnung-im-kampf-gegen-covid-19/25750666.html Oft werden nur Verdachtsfälle nachträglich gestetet – wenn überhaupt. Immerhin hat man in Deutschland bereits zwei Wochen nach dem offiziellen Ausbruch einen Mangel an Teststäbchen verzeichnet. Die darauf folgenden ergänzenden ärztlichen Coronadiagnosen werden nicht mal in der offiziellen Coronastatistik erfasst, ob dann die möglichen daraus resultierenden Toten erfasst werden, ist fraglich.

Symptomfreier Verlauf = keine Erfassung in der Statistik

Gerade bei den besonders gefährdeten älteren Menschen bleibt der Verlauf laut dem Nachrichtemagazin Focus oft symptomfrei und weil die allgemeine Todesrate in dieser Altersgruppe ohnehin höher ist, werden sie in der Statistik oft schlicht nicht als Covid-19-Tote erfasst. Darauf deutet etwa hin, dass die Anzahl der zusätzlichen Todesfälle in Schweden im Altersbereich über 80 Jahren am höchsten ist. In Großbritannien werden laut der „BBC“ knapp 4.000 Todesfälle in Altersheimen dem Virus zugeschrieben – die in der offiziellen Statistik aber laut dem Nachrichtenmagazin Focus nicht auftauchen.

Keine Zahlen für Deutschland

Für ganz Deutschland liegen Zahlen zur Todesstatik laut dem Focus bisher nur eingeschränkt vor. Das läge unter anderem daran, dass die offiziellen Todesraten normalerweise nicht in solch kurzen Abständen und zudem von den einzelnen Bundesländern erhoben werden. Auch die Zahlen der ausgewerteten Länder seien in erster Linie nutzbar gewesen, weil sie ihre Statistiken wegen der Krise schneller als sonst herausgegeben hatten.

Trotz der hohen Dunkelziffer könnten die Todesraten noch viel höher sein, vermutet der Max-Planck-Forscher  Vladimir Shkolnikov. „Die aktuellen Anstiege der allgemeinen Sterberaten finden unter besonderen Maßnahmen wie Social Distancing, Lockdowns, geschlossenen Grenzen und besonderen medizinischen Bemühungen statt“, erklärte er der Zeitung. „Ohne diese Maßnahmen lägen die aktuellen Todeszahlen sicher deutlich höher.“