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Waldbrände in Tschernobyl setzen radioaktive Strahlung frei – Kommt die Wolke auch zu uns?

Seit dem vergangenen Wochenende toben Waldbrände in der radioaktiv belasteten Sperrzone um den explodierten Atomreaktor des Kernkraftwerks Tschernobyl. Zwar konnte die ukrainische Feuerwehr die brennende Fläche nach Angaben des Katastrophenschutzes zunächst auf etwa zehn Hektar halbieren. Doch hätten Windböen dafür gesorgt, dass sich das Feuer  auf trockenen Grasflächen wieder stark ausbreiten konnte. Zwischen 20 und 100 Hektar stehen in Flammen. 120 Feuerwehrleute und ein Löschflugzeug sind zur Bekämpfung der Waldbrände bislang im Einsatz gewesen. Das berichtete die Zeit https://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2020-04/tschernobyl-waldbraende-ukraine-feuer-sperrzone-kernkraftwerk

Die Strahlenwerte haben sich durch den Brand laut der TAZ erhöht https://taz.de/Feuer-um-Tschernobyl/!5677426/ Am Sonntag, den 05. April 2020 hatte Egor Firsow,  kommissarischer Chef der ukrainischen Umweltaufsichtsbehörde, von einer 16-fachen Erhöhung der zulässigen Norm berichtet. Diese Erhöhung sei jedoch nur im Zentrum des Brandes gemessen worden. Im 130 Kilometer von Tschernobyl entfernten Kiew sei die Strahlenbelastung nach Angaben der staatlichen Katastrophenschutzbehörde weiterhin im Normalbereich.

Jodtabletten gegen radioaktive Strahlung

Doch auch bei der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl 1986 dachte man zuerst, dass dieses Unglück die Nachbarländer nicht betrifft. Doch dann schwebt die radioaktive Wolke tagelang über europäische Länder hinweg. Zunächst wird von politischer Seite wenig bis nichts darüber kommuniziert und wenn überhaupt, in einem harmlosen Jargon. „Alles halb so schlimm, meint das Bundesinnenministerium: „Hierzulande besteht keine akute Gefahr.“ Und der Deutsche Wetterdienst erklärt, die Wahrscheinlichkeit, dass radioaktives Material in die Bundesrepublik komme, sei nach dem aktuellen Stand der Wetterlage „verhältnismäßig gering“. Doch warum wurden dann bereits erhöhte Werte gemessen? Ratlosigkeit.“ Tage später erscheinen die ersten Meldungen darüber. Kinder sollen nicht mehr draussen spielen, Pilze, die in deutschen Böden wachsen, erst einmal nicht mehr gegessen werden. Es beginnt ein Run auf Jodtabletten, da Jod vor radioaktiver  Strahlung, insbesondere Kinder, schützen soll – doch nur prophylaktisch. Eine nachträgliche Einnahme bringe laut Experten nicht den gewünschten Effekt.

In einem Artikel der Zeit sieht man anhand einer animierten Grafik, wie sich diese radioaktive Wolke damals von Tschernobyl Richtung Deutschland ausgebreitet hat und wieviel Tage sie dafür gebraucht hat.https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2016-04/tschernobyl-gau-wolke-1986-deutschland 

Am 26. April 1986 geschah das Reaktorunglück, vier Tage später erreicht die radioaktive Wolke zuerst Norddeutschland, am 01. Mai 1986 schwebt sie über halb Deutschland, dann über ganz Deutschland, bevor sie sich am 10. Mai 1986 wieder zurück zieht.

Zwar sind die aktuellen Waldbrände nicht vergleichbar mit Tschernobyl von 1986, jedoch wird auch derzeit radioaktive Strahlung freigesetzt. Überträgt man die Verbreitung von damals auf heute würden Winde (auch damals herrschte übrigens schönes Frühlingswetter) diese Strahlung binnen vier Tagen nach Deutschland transportieren und rund 10 Tage über Deutschland schweben.

Inzwischen wurde ein 27-jähriger Mann festgenommen, der Grasballen entzündet und damit das Feuer in Tschernobyl ausgelöst haben soll.

Ein Ende der Brände ist nicht abzusehen. In den nächsten Tagen soll es 20 Grad warm werden, mit Regen sei frühestens am Freitag zu rechnen.

Der Super-Gau – Was  geschah 1986 in Tschernobyl

Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl ereignete sich am 26. April 1986 in Reaktor-Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl nahe der 1970 gegründeten ukrainischen Stadt Prypjat. Auf der siebenstufigen internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse wurde sie laut wikipedia als erstes Ereignis in die höchste Kategorie katastrophaler Unfall (INES 7) eingeordnet. Dies ist nicht zu verwechseln mit einem GAU, also dem technischen Auslegungsstörfall einer kerntechnischen Anlage.
Bei einer unter der Leitung von Anatoli Stepanowitsch Djatlow durchgeführten, am 25. April 1986 begonnenen Simulation eines vollständigen Stromausfalls kam es auf Grund schwerwiegender Verstöße gegen die Sicherheitsvorschriften sowie der bauartbedingten Eigenschaften des graphitmoderierten Kernreaktors vom Typ RBMK-1000 zu einem unkontrollierten Leistungsanstieg, der am 26. April um 1:23 Uhr zur Explosion des Reaktors und zum Brand des als Moderator eingesetzten Graphits führte. Innerhalb der ersten zehn Tage nach der Explosion wurde eine Radioaktivität von mehreren Trillionen Becquerel in die Erdatmosphäre freigesetzt. Die so in die Atmosphäre gelangten radioaktiven Stoffe, darunter die Isotope 137Caesium mit einer Halbwertszeit (HWZ) von rund 30 Jahren und 131Iod (HWZ: 8 Tage), kontaminierten infolge radioaktiven Niederschlags hauptsächlich die Region nordöstlich von Tschernobyl sowie durch Windverfrachtung viele Länder in Europa. Nach der Katastrophe begannen sogenannte Liquidatoren mit der Dekontamination der am stärksten betroffenen Gebiete. Unter der Leitung des Kurtschatow-Instituts errichtete man bis November 1986 einen aus Stahlbeton bestehenden provisorischen Schutzmantel (russisch объект «Укрытие», objekt «Ukrytije»), der meist als „Sarkophag“ bezeichnet wird (Quelle: Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Nuklearkatastrophe_von_Tschernobyl )