Warum ist die CDU so leise?
Vergangene Woche sollten die neuen Richter für das Bundesverfassungsgericht von der neuen Bundesregierung bestimmt werden.
Richterwahl verhindert
In der Unions-Fraktion hatte es Vorbehalte gegen die SPD-Kandidatin Frauke Brosius-Gersdorf gegeben. Spahn erklärte, es sei ein Fehler gewesen, dass dabei der Eindruck entstanden sei, ein Plagiatsverdacht sei die zentrale Kritik an der Kandidatin gewesen. Beide Seiten hätten einen Anteil daran, dass man am Freitag keine Lösung mehr habe finden können. Die Koalitionsfraktionen seien „nicht gut gewappnet“ gewesen gegen eine von außen kommende Emotionalisierung und Polarisierung. Man dürfe aber auch nicht zulassen, dass der Einsatz von Unionspolitikern für Lebensschutz als „rechts oder gar rechtsextrem diffamiert“ werde.
Sie hat eine liberale Haltung zu Schwangerschaftsabbrüchen
Etliche Unions-Politiker hatten ihren Widerstand gegen Brosius-Gersdorf mit deren liberalen Haltung zum Schwangerschaftsabbruch begründet. Weil keine Zweidrittel-Mehrheit mehr für Brosius-Gersdorf sicher war, waren alle drei Richterwahlen am Freitag abgesagt worden. Danach gab es scharfe Kritik an Spahn, der als Fraktionschef für die Beschaffung von Stimmen und Mehrheiten zuständig ist.
Brosius-Gersdorf selbst will sich einem Medienbericht zufolge am Dienstag öffentlich äußern. Sie wolle ihre Positionen mit einer Stellungnahme erklären, berichtete das Nachrichtenportal Politico. Die Stellungnahme soll demnach schriftlich verbreitet werden. Brosius-Gersdorf will demnach auf Vorwürfe ihrer Kritiker eingehen und Irritationen ausräumen. Die Rechtsprofessorin hält dabei weiter an ihrer Kandidatur fest, wie es weiter heißt.
Merz steht weiter hinter dem stark angezählten Jens Spahn
Mittlerweile reihen sich etliche Pleiten und Pannen aus Jens Spahns politischer Liste. Rücktrittsforderungen wurden spätestens seit den mehrere Millionen schweren Corona-Maskendeals immer lauter. Doch die CDU und Bundeskanzler Friedrich Merz stehen nach wie vor hinter dem Fraktionsvorsitzenden der CDU/CSU, wie er etwa unlängst im ARD-Sommerinterview betont. Auch Jens Spahn sitzt weiter im Politikersattel, wie wenn ihn das alles nichts angehen würde.
Was sagt das über eine Partei aus, die anscheinend den 1950er Jahren mit all ihren Geklüngel-Attitüden noch immer nicht entsprungen ist?
Als Gesundheitsminister in der Corona-Pandemie gab Spahn Milliarden für Schutzmasken aus – an Bekannte und befreundete Unternehmer. Ein Sonderbericht dazu belastet ihn schwer. Dieser wurde zunächst gar nicht und dann nur stark geschwärzt veröffentlicht. Manche Medien bekamen den Bericht dann unter der Hand von Informanten ungeschwärzt. Darin steht schwarz auf weiß ein deutliches Fehlverhalten von Jens Spahn zu dieser Zeit. Ob aus Überforderung oder einem Allmachtsdenken oder aber um Freunden etwas „Gutes“ damit zu tun – man weiß es nicht. Fest steht: Spahn hat massive Fehler in seinem Amt gemacht. Konsequenzen muss er obwohlauch der öffentliche Druck immer mehr stark, scheinbar nicht befürchten.
Warum ist die CDU so leise?
Dadurch riecht das Ganze nach einer großen Klüngelei und man fragt sich: Warum ist die CDU so leise? Gibt es hier etwa noch mehr aufzuklären und aufzudecken? Stecken noch ganze andere von seinen Kameraden in dem Coronasumpf mit drin? Oder ist es einfach noch das Denken von vor 70 Jahren, als Politiker eine so große Immunität genossen, dass sie sich fast alles halben erlauben können? Wie laut muss der Aufschrei sein, bevor Jens Spahn seinen Platz räumt?
Die Opposition fordert nun einen Untersuchungsausschuss. aber ganz ehrlich: Es gab einen Sonderbericht, der alles belegt und aufzeigt. Es gab keine Konsequenzen. Selbst wenn der Untersuchungsausschuss sich an die Arbeit machen dürfte und dasselbe herauskäme – würde es dann eine Konsequenz für Jens Spahn geben oder würde man auch dann noch darüber gnädig hinwegsehen, weil eigentlich ist der Jens ja ein ganz toller. Bester Mann. Zumindest für die CDU.
Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

