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Alle Jahre wieder…

…kommt das Hochwasser mittlerweile in das Kocher- und Jagsttal hernieder. Auch in diesem Jahr ist es wieder soweit. Diverse Straßen, Wiesen und Felder stehen nach tagelangem Dauerregen wieder unter Wasser. Seit der Never-forget-Überflutung von 2016 scheinen sich derartige Wetterextreme zu häufen.

Lediglich die Auswirkungen sind nicht dieselben, da einige Städte und Gemeinden seitdem mittlerweile diverse Vorkehrungen getroffen haben, wie etwa die Stadt Niedernhall mit einem Hochwasserwall, der an der Hauptstraße entlang des Kochers errichtet wurde, so dass diese nicht mehr überschwemmt werden kann, sollte der Kocher an diesen Stellen wieder über die Ufer treten.

Indes steigen die Pegelstände von Kocher und Jagst aufgrund des anhaltenden Regens weiter an.

Auch wenn das Hochwasser eher mild ausfällt, könnten Jagst und Kocher laut der Hochwasserversorgungszentrale stellenweise auch in diesen Tagen wieder über die Ufer treten – das warnte die HVZ bereits am Freitagvormittag. Vereinzelt könnten auch land- und forstwirtschaftliche Flächen überflutet werden.

Video: GSCHWÄTZ/DauerregenKocher/200/Archiv




„Ökologische Katastrophe“

GSCHWÄTZ: Ich stehe hier in Oberregenbach mit Markus Hannemann, dem Sprecher der Fischhegegemeinschaft Jagst. Es hat seit Wochen und Monaten fast gar nicht mehr geregelt. Wir erleben hier eine einzigartige Dürreperiode. Herr Hannemann, welche Auswirkungen hat diese Dürreperiode jetzt auf die Jagst?

„Das tut den Lebewesen in der Jagst nicht gut“

Markus Hannemann: Die Fische und die anderen Lebewesen in der Jagst, dazu gehören auch Wirbellose oder Muscheln, stehen ständig unter Stress durch die hohen Wassertemperaturen von teilweise bis zu 27 Grad in der Nacht. Es ist einfach sehr extrem und das tut natürlich den Lebewesen in der Jagst nicht besonders gut.

GSCHWÄTZ: Wir haben uns für das Interview am Wasserkraftwerk in Oberregenbach getroffen – und das nicht ohne Grund. Die Kraftwerksbetreiber sind von den jeweiligen Landratsämtern von Schwäbisch Hall und Künzelsau angehalten worden, dass sie kein Wasser mehr anstauen sollen. Warum ist das so wichtig?

„Todesfalle“

Markus Hannemann: Ich möchte nicht alle Kraftwerksbetreiber über einen Kamm scheren, aber es gibt einzelne, die den so genannten Schallbetrieb durch Anstauen des Wassers verursachen, so dass dann über dieses Wehr, an dem wir hier stehen, beispielsweise kein Wasser mehr drüberfließt. Und da kann man sich vorstellen, was unterhalb dieses Bereiches passiert mit dem Wasser. Das heißt, wenn kein Wasser mehr von oben kommt, werden die ganzen Kiesbänke von jetzt auf nachher trockengelegt. Das wird dann quasi zur Todesfalle für die darin lebenden Lebewesen.

GSCHWÄTZ: Was fordern Sie denn von Kraftwerksbetreibern oder was wäre denn wichtig?

Überlebenschancen für die kleinsten Lebewesen

Markus Hannemann: Diesen Schwallbetrieb einzustellen, da er einen immensen ökologischen Schaden an der Jagst verursacht. Man sollte sich einfach an die Regeln halten, an den Mindestpegelstand, die Mindestabgabemenge des Wassers für die Wasserstrecken unterhalb des Wehres. Diese müssen genügend versorgt werden, dass die Lebewesen auch eine Überlebenschance haben.

GSCHWÄTZ: Was passiert, wenn etwa ein Kiesbett durch das Anstauen des Wassers für eine halbe Stunde trockengelegt wird?

Markus Hannemann: Ganz einfach. Dann ist vermutlich alles verendet. Es sind ja nicht nur Fische, sondern zum Beispiel auch Muscheln. Hier in diesem Bereich gibt es etwa die , da gibt es ganz geschützte Muscheln, die Union des Crassus, die kommt hier ganz besonders oft vor hier. Und es ist eine ganz seltene Muscheln Art, die leiden darunter. Oder auch natürlich die Fischen Bärtierchen, die sogenannten Macro Zero Ventus, die Insekten Larven. Auf gut Deutsch gesagt, für die ist es genauso eine Todesfalle.

Ein ganzer Mikrokosmos kann sterben

GSCHWÄTZ: Das heißt, wenn es dann dumm läuft, kann da ein ganzer Mikrokosmos aussterben in kürzester Zeit.

Markus Hannemann: Genau. Das ist eine ökologische Katastrophe. Und daher bitten wir einfach als Naturschützer, dass sich auch die Kraftwerksbetreiber an die Regeln zu halten. Die meisten halten sich ja dran, aber einzelne nicht. Daher sollte man eigentlich von Gesetzes wegen verfügen, dass alle Anlagen auf den neuesten technischen Stand gebracht werden müssten, dass die Pegelstände automatisch und digital übermittelt und veröffentlicht werden und man dadurch auch den tatsächlichen einzelnen Verursacher feststellen kann.

GSCHWÄTZ: Wir haben vorhin davon gesprochen, dass teilweise die Pegelstände zehn Zentimeter unterschritten werden. Da gibt es laut Ihren Aussagen auch Fotos und Videos davon. Was droht denn den Verursachern, die sich nicht daran halten?

„Exempel statuieren“

Markus Hannemann: Das ist eine Ordnungswidrigkeit und wird theoretisch mit einem Bußgeld geahndet. Nur muss es dann halt auch verhängt werden von den Landratsämtern und das muss auch als Exempel statuiert werden.

Text: Dr. Sandra Hartmann




Rettungshubschrauber bringt 24-Jährige nach Kanufahrt ins Krankenhaus

Notrufer meldeten am Sonntagmittag, dass eine 24-jährige Kanufahrerin auf der Jagst bei Gommersdorf verunglückt sei.

Offenbar war die junge Frau mit einer Gruppe von anderen Kanuten auf der Jagst unterwegs, als sie nach rechts abgetrieben wurde und dann mit einem herabhängenden Ast kollidierte. Hierdurch kenterte das Kajak, die Frau konnte sich aber selbständig aufrichten und die Fahrt zunächst fortsetzen. Wenig später wurde ihr jedoch sehr schwindelig, weshalb die Gruppe beschloss die Tour abzubrechen und die Jagst mit den Booten zu verlassen.

Aufgrund der Schwere der Kopfverletzungen wurde die Dame mit einem Rettungshubschrauber in ein Klinikum verbracht. Glücklicherweise kann Lebensgefahr aber ausgeschlossen werden, ebenso Fremdverschulden. Im Einsatz waren ein Rettungswagen und eine Notärztin sowie die Feuerwehr Krautheim mit drei Fahrzeugen und 12 Einsatzkräften.




Jagst-Unglück: Anton Baron (AfD) kritisiert Zahlungsmoral des Landes

Hohenloher AfD-Landtagsabgeordneter kritisiert späte und unvollständige Erstattung

Anton Baron (AfD), Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Hohenlohe, kritisiert die Konditionen der Kostenübernahme des Jagst-Unglücks: „Dass die Kreise auf fast einer Million Euro sitzen bleiben, ist zutiefst unsolidarisch, ebenso wie der Umstand einer Verzögerung von drei Jahren seit der Katastrophe, nach der der grüne Umweltminister Franz Untersteller noch schnelle und unbürokratische Hilfe angekündigt hatte. Dass dieser nun dennoch eine vollständige Übernahme der Restsumme verweigert, ist ein Armutszeugnis. Mit ihrem Handeln bestraft die Landesregierung kommunale Katastrophenhilfe und sendet ein fatales Signal für die Zukunft aus.“

Für Anton Baron ist die Katastrophenhilfe vom Land katastrophal. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Anton Baron bezieht sich auf die Kostenerstattung bezüglich dem Jagst-Unglück 2015. Diese  sei nun „unter Dach und Fach“, wie der SWR vor drei Tagen berichtete. Mit Düngemittel verseuchtes Löschwasser war damals in die Jagst geflossen. Tonnenweise Fische kamen dabei um (wir berichteten). Feuerwehrler, THW, Mitglieder der örtlichen Fischereiverbänden und weitere ehrenamtliche Bürger waren tagelang im Einsatz, um das Ausmaß dieser Umweltkatastrophe so klein wie nur irgendmöglich zu halten. Allein im Hohenlohekreis entstand laut dem Landratsatm ein Schaden von 1,1 Millionen Euro.

Nun hat man sich mit dem dafür verantwortlichen Mühlenbetreiber geeinigt. Laut dem SWR zahlt seine Versicherung knapp eine Million Euro. Der Rest (1,1 Millionen Euro) zahlt das Land Baden-Württemberg. Die drei betroffenen Landkreise (neben dem Hohenlohekreis war der Schäbisch Haller Kreis und der Landkreis Heilbronn betroffen) erhalten damit eine Gesamtsumme von 2,1 Millionen Euro.

Der Hohenlohekreis bleibt auf zirka 340.000 Euro sitzen

Der Hohenlohekreis erhält 764.552 Euro. Dementsprechend werde der Hohenlohekreis auf knapp einem Drittel seiner Ausgaben zur Jagst-Rettung von 1,1 Millionen, nämlich zirka 340.000 Euro, sitzen bleiben, so Baron.

Nicht nur Anton Baron sieht die Vorgehensweise des Landes Baden-Württemberg kritisch. Kritik kommt auch von Reinhold Gall (SPD), der ebenfalls die lange Zeit kritisiert – immerhin drei Jahre – bis die Landkreise die Erstattungen bekommen haben. Das Land hätte seiner Meinung nach den Kreisen die entstandenen Kosten sofort ersetzt müssen und dann die Kosten beim Verursacher einklagen, so Gall auf der Homepage des SWR.

Beim Jagstunglück waren die Feuerwehren tagelänge im Einsatz. Hier: Herrenmühle. Foto: privat

 

 




Extrem niedrige Wasserpegel im Kocher- und Jagsttal – Wasserentnahmen nur noch begrenzt möglich

„Die anhaltende Trockenheit der letzten Wochen und die überdurchschnittlich hohen Temperaturen haben dazu geführt, dass die Wasserpegel der Flüsse und Bäche im Hohenlohekreis erheblich gesunken sind“, so eine aktuelle Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises. Um die Wassermengen nicht zusätzlich zu verringern, bittet das Landratsamt Hohenlohekreis um einen verantwortungsbewussten Umgang bei der Wasserentnahme. Aus oberirdischen Gewässern und dem Grundwasser darf nur begrenzt Wasser entnommen werden.

Was ist noch erlaubt?

Ohne Erlaubnis zulässig sind Wasserentnahmen in geringen Mengen für den Gemeingebrauch, darunter das Tränken von Tieren oder das Schöpfen von Hand mit Eimern und Gießkannen. Landwirte und Gartenbaubetriebe dürfen hierzu zwar auch Pumpen benutzen, allerdings darf der Abfluss des Gewässers insbesondere an den Nebengewässern von Kocher und Jagst nicht maßgeblich weiter verringert werden. Ein Aufstauen des Gewässers zur Entnahme ist ebenfalls nicht erlaubt.
Weitere Informationen zum Thema Niedrigwasser und zu Wasserentnahmen sind bei der unteren Wasserbehörde des Landratsamts Hohenlohekreis erhältlich. Telefon:  07940 18 254.

Empfindliche Ökosysteme

„Oberflächengewässer sind besonders empfindliche Ökosysteme. Gerade im Sommer sind sie durch hohe Temperaturen und lang andauernder Trockenheit großen Belastungen ausgesetzt. Zum Schutz der Gewässerlebewesen muss eine Mindestwassermenge im Gewässer verbleiben“, heißt es in der Pressemitteilung. Durch vermehrte und teilweise unkontrollierte Wasserentnahmen werde der empfindliche ökologische Zustand der Gewässer mit ihren Tieren und Pflanzen zusätzlich gefährdet und könne völlig zerstört werden.