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Schluss mit lustig

Nach der Enthauptung eines Lehrers in Frankreich gab es laut der französischen Regierung am Montagabend, den 02. November 2020, einen Terroranschlag mit vermutlich islamistischem Hintergrund an sechs Schauplätzen in Wien in Österreich. Die Täter schossen scheinbar wahllos auf Menschen. Videos zeigen das Geschehen. Mindestens vier Passanten (Stand: 03. N0vember 2020, 10 Uhr) starben. Ein mutmaßlicher Angreifer wurde erschossen. Bei ihm wurde eine Pistole, eine Langwaffe und eine Machete gefunden. Das berichtet unter anderem der Tagesspiegel https://www.tagesspiegel.de/politik/terroranschlag-in-oesterreich-weiteres-opfer-stirbt-in-krankenhaus-insgesamt-fuenf-tote-bei-anschlag-in-wien/26583870.html.

Schweigeminute auch an Schulen im Hohenlohekreis

Nur rund zwei Wochen vorher, Mitte Oktober 2020, wurde ein weiteres enges Nachbarland Deutschlands, Opfer einer islamistisch motivierten Tat. Ein Lehrer wurde bei Paris in Frankreich enthauptet, weil er die Mohammed-Karikaturen der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo zum Unterrichtsthema gemacht hatte. https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/lehrer-bei-paris-enthauptet-motiv-wieder-mohammed-karikaturen-17007055.html. Diverse Schulen auch im Hohenlohekreis legten eine solidarische Schweigeminute für den enthaupteten Lehrer ein.

617 Kilometer sind es von Künzelsau nach Wien

Man fragt sich schlichtweg: Was soll das alles? War am Montag, den 02. November 2020, das große mediale Thema in Deutschland der November-Lockdown wegen steigender Coronazahlen, sollte am Dienstag, den 03. November 2020, eigentlich das große Thema die US-Wahl sein. Nun grätschen Islamisten dazwischen und erschießen mal kurz ein paar Passanten – und das nicht irgendwo auf der Welt, sondern ganz nah an der deutschen Grenze. In Wien. Rund 617 Kilometer sind es von Künzelsau nach Wien.

Durch die Coronakrise steigt auch das Aggressionspotenzial in Europa

Bislang blieb Deutschland von Tragödien wie in Frankreich und Österreich verschont. Die Frage ist nur: Wie lange noch? Und wie lange ist die europäische Gesellschaft bereit, islamistische Attentate im Herzen Europas zu tolerieren? Die Coronakrise lässt Geduldsfäden kürzer werden, während die Anspannung und das Aggressionspotenzial steigt. Nie dagewesene Existenzängste ergreifen allmählich die breite Mitte der Gesellschaft – und dann auch noch Attentäter, die scheinbar wahllos auf Passanten in einem Vergnügungsviertel schießen.

Klare Trennung zwischen Staat und Kirche gibt es nicht überall

Wie reagieren kultivierte Europäer darauf? Wir müssen nun unsere Werte und unser Rechtssystem hochhalten. Was ist uns wichtig, wofür stehen wir ein? Was geht und was geht eben nicht? Aber das gelingt nicht mit Pauschalisierungen. Richtig ist: Nicht jeder, der Muslim ist und an den Islam glaubt, ist ein Islamist. Richtig ist aber auch: Während es bei uns in Europa eine klare Trennung von Staat und Kirche gibt, scheint die Religion in anderen Kulturen eine weit höhere Stellung zu genießen als bei uns.

Werte verteidigen

Bereits die heutige Schullektüre „Nathan der Weise“ von Gotthold Ephraim Lessing, die 1779 (also vor mehr als 2 Jahrhunderten) veröffentlicht wurde, machte die drei Weltreligionen, den Islam, das Judentum und das Christentum zum Gegenstand der Betrachtungen. In der Ringparabel geht es im Wesentlichen um Toleranz. Wir haben in unserer westlichen, christlich geprägten Welt Toleranz als einer unserer wesentlichen Werte – Toleranz und Freiheit.

Es darf nun nicht nach dem Motto „Auge um Auge“ verfahren werden

Nicht mehr tolerierbar sind aber Handlungen, die das Leben von anderen gefährden oder gar vernichten. Das wäre eine falsche verstandene Toleranz. Es geht nicht darum, dass wir nun nach dem alttestamentlichen „Auge um Auge“ verfahren, sondern darum, dass die europäischen Länder zusammenstehen, auch öffentlich, und unsere Werte mit aller Konsequenz verteidigen – durch unser Rechtssystem und durch eine scharfe Verurteilung der Handlungen. Unabdingbar wäre des Weiteren, wenn sich muslimische Verbände, die hier in Europa beheimatet sind, sich dem anschlössen und etwa die Anschläge in Österreich ebenfalls verurteilen.

Lehrer haben nicht klein beigegeben in Frankreich

Den Anfang haben Schulen in Frankreich gemacht, in dem sie hinsichtlich der Mohammed-Karikaturen eben nicht klein beigegeben haben, sondern sie die Karikaturen nach der Enthauptung des Lehrers nun explizit zum Unterrichtsgegenstand auch an anderen Schulen erklärt haben.

Auch wir Medien haben die Aufgabe, für unsere Werte einzustehen und diese zu verteidigen. Und wie könnten wir das besser, als im Namen der Meinungs- und Pressefreiheit und der Toleranz die Mohammed-Karikaturen ebenfalls zu veröffentlichen – in Solidarität mit Charlie Hebdo und dem Lehrer, der sein Leben lassen musste für die wichtigsten Werte, die wir haben.

Text: Dr. Sandra Hartmann

Jetzt erst recht – nach diesem Motto haben viele deutsche Tageszeitungen die Mohammed-Karikaturen aus Solidarität zu Charlie Hebdo vor fünf Jahren ebenfalls abgedruckt. Quelle: NTV

Mohammed Karikatur, veröffentlicht in der französischen Satirezeitschrift Charlie Hebdo.