Corona-Rot im gesamten Hohenlohekreis + + + Krankenhäuser bereiten sich für den Ernstfall vor: Geplante Behandlungen müssen eventuell verschoben werden
Erstmals dürfte am heutigen Montag, 15. November 2021, die Marke von 390 Covid-Patienten auf Intensivstationen in Baden-Württemberg überschritten werden. Dies sagte eine Sprecherin des Gesundheitsministeriums der dpa. Das Gesundheitsministerium geht davon aus, dass auch Dienstag die Zahl jenseits des Schwellenwertes von 390 liegen dürfte. Damit wäre der Bereich der Warnstufe verlassen und die Regelungen der Alarmstufe würden ab Mittwoch in Kraft treten – mit Konsequenzen für Menschen, die noch keinen vollen Impfschutz genießen. Die Sprecherin geht nicht davon aus, dass die Zahl bald wieder unter 390 fallen. Grund sei, dass inzwischen eine große Anzahl jüngerer Menschen auf den Intensivstationen (ITS) lägen, deren Behandlungsdauer länger sei.
Ergänzung: Nach Veröffentlichung des Beitrags wurde die Zahl der belegten ITS Betten für den 15. November 2021 mit 406 bestätigt.
Eine Übersicht der Regeln der Alarmstufe kann man sich hier herunterladen. Es gilt dann in fast allen Bereichen, ausser in den Supermärkten eine 2-G-Pflicht. Das heißt, Zutritt nur noch für Geimpfte und Genesene.
SLK Kliniken reagieren
Auch in den Krankenhäusern wird die Lage angespannter: So wurde in den SLK-Kliniken eine vierte Normalstation für Corona-Patienten eröffnet – das sind 20 Betten, die für andere Patienten nicht zur Verfügung stehen. Konsequenz ist, dass wahrscheinlich geplante Behandlungen verschoben werden müssen. In einigen Gebieten von Baden-Württemberg sind die ITS derart belastet, dass die Landesregierung inzwischen Verhandlungen mit anderen Bundesländern zur Verlegung von Patienten aufgenommen hat. Beispielsweise mit Bremen, das eine signifikant höhere Impfquote hat und wo die ITS noch nicht so ausgelastet sind.
Intensivbettenbelegung zeigt teils ein bedrohliches Bild
Von den sieben Intensivbetten im Krankenhaus Öhringen sind aktuell (Stand 15.11., 16:15, www.intensivregister.de) sechs belegt, davon drei mit COVID-Patienten. Im Kreis Schwäbisch Hall sind fünf von 44 Betten frei, fünf COVID-Patienten werden intensiv behandelt. Etwas entspannter scheint die Lage im Main-Tauber-Kreis: 12 freie Betten stehen 34 belegten ITS-Betten, davon sieben Covid-Patienten, entgegen. Ganz und gar nicht entspannt ist die Lage in der Stadt Heilbronn: Alle 37 Intensivbetten sind belegt, davon 12 mit COVID-19-Patienten. Die Krankenhäuser des Landkreises Heilbronn haben nur 2 ITS-behandelte Patienten, von 52 Betten sind sechs verfügbar.
Heilbronner Intensivstationen sind voll
Insgesamt ist die Lage angespannt: Sollte sich beispielsweise in der Nähe von Heilbronn ein Verkehrsunfall mit einem Massenanfall von Verletzten ereignen, müßten die Verletzten über weite Strecken transportiert werden.
In den sozialen Netzwerken ist von (meist anonymen) Beschäftigten im Pflegedienst zu lesen, dass angeblich Patienten von der ITS auf Normalstation verlegt würden, wo das Monitoring naturgemäß nicht so detailliert sein kann wie auf einer Intensivstation.
Ungeimpfte bei den schweren Fällen überrepräsentiert
Die Zahlen des Landes zeigen deutlich das höhere Risiko von Ungeimpften gegenüber Geimpften:

aus dem Lagebericht des LGA vom 11.11.2021
Für die Verstorbenen teilt das Regierungspräsidium auf GSCHWÄTZ-Anfrage folgende Zahlen mit:
„Dem Landesgesundheitsamt wurden mit Meldedatum innerhalb der letzten 28 Tage insgesamt 95.027 COVID-19 Fälle und 251 Fälle, die mit und an COVID-19 verstorben sind, nachdem Infektionsschutzgesetz übermittelt. Der Altersmedian für die verstorbenen COVID-19 Fälle liegt bei 83 Jahren.“ Das bedeutet, daß die Hälfte der Todesfälle Menschen über 83 Jahren waren, die andere Hälfte waren Jüngere.
„77 Verstorbene (30,7 %) hatten Angaben zu einem vollen Impfschutz (Impfdurchbruch*)
135 Verstorbene (53,8 %) sind gar nicht bzw. haben einen unvollständigen Impfschutz.
Für 39 verstorbene Fälle (15,5 %) liegen keine Angaben zum Impfstatus vor. “ [Datenstand: 11.11.2021, 16 Uhr]
Hohenlohekreis meldet Rekordzahl auf Rekordzahl
Auch im Hohenlohekreis werden immer weitere Rekordzahlen gemeldet, sowohl für die täglichen Neuinfektionen als auch für die Inzidenz. Die Inzidenz steigt steil an und lag am 14.11.2021 mit 392,1 knapp unter der 400-er Marke auf absolutem Rekordniveau, Tendenz steil steigend:

Inzidenz im HOK – Abruf 15.11., 17:00 Uhr
Vor ungefähr einem Monat, am 11.10.2021 lag die Inzidenz bei 34,6 – also fast eine Ver-Elf-Fachung innerhalb eines Monats. Das Verdoppelungsintervall liegt damit bei knapp über einer Woche – zu Beginn der Pandemie war man über eine Verdoppelung innerhalb von 5 Wochen noch sehr beunruhigt.
99 neue Infektionen wurden allein am Freitag, 12. November 2021 vermeldet – eine Rekordzahl für Hohenlohe.

Neue Infektionsfälle pro Tag: 99 ist neuer Rekord
Inzwischen zeigt die Corona-Karte des Hohenlohekreises nur noch eine Farbe: Alle Gemeinden sind dunkelrot. Das bedeutet eine Inzidenz jenseits der 200 in allen Kreisgemeinden. Auch das war nie zuvor der Fall.

Alle Gemeinden im dunkelroten Bereich
Text: Matthias Lauterer




