Psychologische Tests mit Flüchtlingen
Am Donnerstag, den 12. Juli 2018, stellte das Integrationsnetzwerk Hohenlohe-Main-Tauber (INW) beim regionalen Fachtag 2018 in Künzelsau die ersten Zwischenergebnisse für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt, Ausbildung und Schulbildung vor. Es handelt sich dabei um ein Kooperationsprojekt der Landkreise Hohenlohe und Main-Tauber. Die ersten Ergebnisse zeigen: Psychologische Tests helfen nur bedingt bei der Weitervermittlung in das Berufsleben.

Das Publikum am regionalen Fachtag des INW.
Foto: GSCHWÄTZ
Das Projekt kostet 2,6 Millionen Euro. Davon finanziert der Bund 90 Prozent, die restlichen 10 Prozent finanziert der INW durch Eigenleistung. Die beiden Landkreise müssen bis zum 31. Dezember 2019 840 Teilnehmer in das Projekt aufnehmen, so die Vorgabe des Bundes. Ende 2017 wurden laut der Projektleiterin Dr. Silvia Elisabeth Keller 707 Flüchtlinge aufgenommen. Somit müssen bis Ende 2019 noch 133 Personen hinzukommen. Das sei laut Keller zu schaffen.
„Wir wollten die kognitiven Fähigkeiten der Flüchtlinge herausfinden“
In ihrem Vortrag stellte die Projektleiterin nicht nur die Ziele, sondern auch zwei Modellprojekte vor. „Caidancer-R“ ist ein Projekt, in dem ein psychologischer Test mit den Flüchtlingen durchgeführt wurde, um deren IQ zu messen. Es wurden 100 Tests für beide Landkreise eingekauft und umgesetzt. Keller erklärt: „Der Anspruch war: Wir wollten herausfinden, was die kognitiven Fähigkeiten, Eigenschaften und Interessen von Flüchtlingen sind. Ziel sei es gewesen, es eine objektive Auswertung zu erreichen“, und zwar, welcher Beruf zu wem am besten passt. Die Tests enthielten wegen der eventuell hohen Sprachbarrieren wenig Sprachelemente, sie erhielten stattdesssen viele Piktogramme (Informatiosvermittlung durch vereinfachte grafische Darstellung).“ Die Teilnehmer sollten die Aufgaben selbstständig am Computer lösen. Keller und ihr Team haben jedoch festgestellt, dass der Test trotzdem erklärungsbedürftig gewesen sei. „Piktogramme wurden teilweise falsch gedeutet. Es ist ein anderes Verständnis. Viele Menschen haben auch keinen vergleichbaren anerkannten Berufsschulabschluss mitgebracht.“ Dadurch landeten viele Teilnehmer am Ende bei demselben Ergebnis: Beruflich seien sie im „Helfer-Bereich anzusiedeln“. Darunter fallen Hilfstätigkeiten, etwa im Lager, in der Produktion oder im Handwerk.
Projekt „Mein Ordner“
Ein weiteres Modellprojekt ist „Mein Ordner“. Das INW kaufte 1.600 Ordner, die bei Beratungsgesprächen, beim Jobcenter und von Ehrenamtlichen an Flüchtlinge verteilt wurden. Die Flüchtlinge sollen darin wiederum wichtige Dokumente aufbewahren.

Modellprojekt „Mein Ordner“.
Foto: GSCHWÄTZ
Kurse, um auf den Führerschein vorzubereiten
Dem INW steht ein Ausschreibungs-Budget zur Verfügung, somit kann das INW ergänzende Angebote zum Regelsystem schaffen. „Wir haben Vorbereitungskurse für Führerscheine ermöglicht. Wir haben keine Führerscheine finanziert, sondern wir haben hier eine Hinführung zum Führerschein ermöglicht, in dem hier fachbezogener Deutschunterricht vermittelt wurde“, erklärt Keller. Die Verkehrsregeln wurden unter anderem erklärt und auch, wie die Fragebögen auszufüllen seien.
Im Hohenlohekreis und im Main-Tauber-Kreis befinden sich laut Keller insgesamt 2.714 Flüchtlinge (Zahlen beziehen sich auf den Zeitraum Oktober 2015 – Juni 2018). Das INW hat nach eigenen Aussagen 235 Flüchtlinge vermittelt – 39 in Schulen, 27 in Ausbildung und 169 in Arbeit. Aber auch durch Eigeninititiative haben die Flüchtlinge eine neue Aufgabe gefunden, so Keller.
„Die größten Hürden sind die Sprache sowie fehlende Fachkenntnisse im Vergleich zu deutschen Standards“
Das Jobcenter des Hohenlohekreises hat 360 Flüchtlinge in Arbeit vermittelt (Zeitraum: 2015 bis Mai 2018. Stand: 12. Juli 2018). Das geht aus einer Antwort auf unsere Anfrage an das Landratsamt des Hohenlohekreises hervor. „Die vermittelten Arbeitsstellen waren hauptsächlich im gewerblichen Helferbereich, insbesondere im Lager, in der Produktion und im Handwerk. Bei nicht reglementierten Berufen, wie zum Beispiel im Büro oder im Handwerk auf Gesellenebene kann ein direkter Einstieg ins Berufsleben erfolgen. Hier entscheidet der Arbeitgeber über eine Einstellung. Bei reglementierten Berufen wie zum Beispiel Erziehung, Pflege, Ingenieure, Ärzte ist eine Anerkennung des bisherigen Abschlusses notwendig. Hier wird von staatlicher Seite, meist Regierungspräsidium, eine Gleichwertigkeitsprüfung vorgenommen. Dann gibt es entweder eine vollständige Anerkennung, eine teilweise Anerkennung oder keine Anerkennung“, heißt es in der Presseerklärung. Aber nicht nur die deutsche Bürokratie verzögert einen leichten Einstieg in das Berufsleben. „Die größten Hürden bei der Vermittlung von Geflüchteten sind die Sprache sowie fehlende Fachkenntnisse im Vergleich zu deutschen Standards“, so das Landratsamt.