Seit dem 16. Dezember 2020 sind die Einzelhandelsgeschäfte in Baden-Württemberg geschlossen. Lediglich Liefer- und Abholservice darf angeboten werden. Der Lebensmittel-Einzelhandel hat weiterhin geöffnet. Betroffen von der Schließung ist auch Dorles Blumenladen in Ingelfingen. Inhaberin Dorothee Widenmeyer war von der Schließung kurz vor Weihnachten völlig überrascht worden, hatte vor der Tür ihres Geschäfts noch einen Verkaufswagen mit Blumen stehen und einer Kasse, in das die Käufer das Geld einwerfen konnten. „Beim ersten Lockdown im Frühjahr haben wir das auch so gemacht und das hat wunderbar funktioniert“, erklärt die Blumenverkäuferin. „Das darf man jetzt nicht mehr machen.“ Bloß hatte ihr das keiner gesagt und schriftlich gab’s natürlich auch nichts. Prompt wurde der Laden beim Ordnungsamt im Rathaus angezeigt. Der Mitarbeiter vom Ordnungsamt habe sie „ziemlich unfreundlich“ auf ihren Fehler hingewiesen. „Etwas später kam noch Bürgermeister Bauer vorbei“, erinnert sie sich. „Der hat uns sehr nett und freundlich die Vorschriften erklärt.“ Aber dagegen machen könne auch der Verwaltungschef nichts. Den Verkaufswagen hat sie denn auch gleich hereingeholt. Immerhin musste sie keine Geldstrafe bezahlen.
„Das geht null auf null aus“
Jetzt darf Dorothee Widenmeyer ihre Kunden nur auf Bestellung mit Blumen versorgen, die diese entweder abholen oder sich liefern lassen. Das heißt aber auch, dass sie immer Ware im Laden haben muss. „Aber die Leute nehmen das nicht so an“, bedauert sie. „Das ist denen zu umständlich.“ Laufkundschaft, die sonst häufig in ihrem Laden vorbeikomme, gibt es momentan natürlich auch nicht. „Da steht keiner am Fenster, schaut herein und bestellt dann per Handy oder von daheim aus“, bedauert sie. Momentan hält sie sich mit Lieferungen auf Bestellung über Wasser. Sie ist bei Euroflorist dabei, bindet Sträuße für den Blumenversender – „das geht so null auf null aus“, schließlich müsse sie für ihren Laden Miete bezahlen.
„Es geht nicht nur um uns“, sondern auch um die Zulieferer
„Ich versteh‘ ja die Maßnahmen wegen dieser Krankheit und außerdem geht es den Friseuren auch nicht besser“, zeigt sich die Ladenbesitzerin verständnisvoll. Dennoch fühlt sie sich unfair behandelt. „Wenn ich bloß den Verkaufswagen rausstelle mit Blumen drauf, komme ich doch mit den Leuten nicht zusammen“, meint sie. „Das Ganze ist eine Schweinerei, weil die Discounter verkaufen dürfen, wie sie wollen.“ Bei Lidl, Aldi und Co, auch bei BAGeno in Ingelfingen gibt’s auch jetzt noch Pflanzen und Dorothee Widenmeyer befürchtet, dass so letztendlich Kundschaft abgezogen wird. Was sie noch zu bedenken gibt: „Es geht nicht nur um uns.“ Die Discounter verkaufen Hollandware, unterstützen keine Lieferanten in Deutschland. „Wir haben Top-Lieferanten und die können jetzt nicht aussäen, weil sie nicht wissen, bis wann sie wieder verkaufen können.“ Den Samen allerdings haben sie im vergangenen Jahr bereits bestellt, müssen ihn jetzt auch bezahlen. „Einer meint schon, wenn das so weitergeht, ist er bis Ostern pleite“, bedauert sie.
„Ich gebe nicht auf“
Demnächst steht der Valentinstag vor der Tür – neben dem Muttertag und Weihnachten einer der wichtigsten Tage im Blumengeschäft. „Die gehen sonst immer am besten“, blickt Dorothee Widenmeyer zurück. Sie fürchtet, dass das gerade so weitergeht, sie ihr Geschäft bis ins Frühjahr 2021 nicht öffnen darf. Die Blumen, die sie momentan im Laden hat, müsste sie eigentlich rausstellen – den Pflanzen ist es im Laden mit 15 Grad zu warm. So hat sie es in den vergangenen Jahren immer gehalten. Aber nicht einmal das dürfe sie zurzeit. Alles verschenken, was sie nicht verkauft, könne sie ja auch nicht. „Aber ich gebe nicht auf“, gibt sich kämpferisch. „Ich habe bereits die Hohenloher Bundestags- und Landtagsabgeordneten angeschrieben und mich beschwert.“ In den Schreiben plädiert sie dafür, dass auch die Discounter keine Blumen verkaufen dürfen. Aus Solidarität.
Text: Sonja Bossert