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„Ich bin dankbar“

Den 12. Januar 2022 wird Nhomsai Hagen aus Ingelfingen wohl nie vergessen. An diesem Tag erhielt die 33-Jährige die Diagnose akute myeloische Leukämie (AML). Das ist eine bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems (Blutkrebs), bei der eine frühe Vorstufe einer myeloischen Zelle entartet und sich unkontrolliert vermehrt. Zu den myeloischen Zellen gehören die roten Blutkörperchen, Blutplättchen und ein Teil der weißen Blutkörperchen. Dr. Sandra Hartmann hat mit Nhomsai ein Interview in der Redaktion GSCHWÄTZ in Künzelsau geführt, als sie zwischen zwei Chemoblöcken Ende Februar 2022 zu Hause in Ingelfingen war. An die Verkündung der Hiobsbotschaft erinnert sie sich noch gut zurück.

„Mir war klar, dass etwas absolut nicht stimmt, aber ich habe wirklich sehr lange nicht an Krebs gedacht“

Nhomsai: Einige Ärzt:innen kamen in mein Zimmer, die eine hat sich als Oberärztin der Onkologie vorgestellt und gesagt, dass sie leider keine guten Neuigkeiten hat. Bei dem Wort „Onkologie“ bin ich in Tränen ausgebrochen. Das ging mir schon ziemlich nahe. Vorher habe ich tatsächlich immer gedacht, das ist „nur“ ein akuter Eisenmangel oder ein akuter Vitamin-B-Mangel. Mir war klar, dass etwas absolut nicht stimmt, aber ich habe wirklich sehr lange nicht an Krebs gedacht, dieser Gedanke kam tatsächlich erst kurz vor der Diagnose.

Nhomsai ist approbierte Apothekerin, verheiratet und hat eine 1,5-jährige Tochter. Geboren ist sie in Zimbabwe, ihre Eltern, besonders ihre Mutter, ist dort bis heute sehr engagiert. „Nhomsai“ bedeutet „Dankbar sein“.

Auf dem einen Auge begann sie, schwarze Flecken zu sehen

Bevor Nhomsai die Diagnose im Krankenhaus in Schwäbisch Hall bekam, gingen Monate der Ungewissheit voraus. Sie fühlte sich nach ihrem Zimbabwe-Urlaub im Oktober 2021 alles andere als fit, ging aber zunächst von einem „Winterblues“ aus. Im Dezember 2021 verschlechterte sich ihr Zustand, das Treppenlaufen fiel ihr zunehmend schwer, sie war blass. In ihrem Blog schrieb sie dazu: „Ich musste nach einem Stockwerk Pause machen, um zu Atem zu kommen. Habe nachmittags zwei bis vier Stunden zusätzlich geschlafen. Keinen Appetit. Als hätte man mir den Stecker gezogen.“ Auf dem einen Auge begann sie, schwarze Flecken zu sehen. Ihr Augenarzt tippte auf Netzhauteinblutungen. Als ihre Hausärztin aus dem Urlaub zurück war, wurde ein Blutbild gemacht, das sehr auffallend war. Nach den ersten Blutergebnissen ging es direkt ins Krankenhaus. Zwei Tage später erhielt sie die Diagnose. Danach rief sie erst ihren Mann an, danach ihren Bruder, der Arzt ist.

Nhomsai: Es war für alle ein Schock. Aber es war auch gut, dass nun Klarheit herrschte, was mit mir los ist. Ich bin  im Krankenhaus und jetzt wird etwas dagegen unternommen. Diese Woche nach Silvester, als meine Hausärztin im Urlaub war und ich aber einfach wusste, es stimmt was nicht, diese Ungewissheit war schlimmer.

„Egal was rauskommt oder wie das ausgeht, ich muss schauen, dass es zumindest nicht umsonst war“

GSCHWÄTZ: Du bist auch sehr rational an die Sache rangegangen beziehungsweise das machst du ja immer noch. Liegt es daran, dass Du berufsbedingt auch vieles einfach auf medizinischer Ebene betrachtest?

Nhomsai: Ich bin vom Typ her sehr rational und mein Mann auch. Ich habe ja Pharmazie studiert und er Elektrotechnik. Mein erster Gedanke nach der Diagnose war tatsächlich: Jetzt habe ich wenigstens eine Diagnose und es kann losgehen mit der Behandlung. Tatsächlich war auch einer meiner ersten Gedanken, egal was rauskommt oder wie das ausgeht, ich muss schauen, dass es zumindest nicht umsonst war.

GSCHWÄTZ: Dass es einen Sinn hat. Du hast ja daraufhin auch begonnen, einen Blog zu schreiben, der heißt „Leukaemut“ auf der Seite Krebsblogger-Seite Influcancer. Damit informierst Du ja nicht nur über diese Krankheit, sondern bist bestimmt auch ein Vorbild für viele, weil du so eine unglaublich starke, positive Einstellung hast. Unter anderem hast Du dort etwas sehr bewundernswertes geschrieben, nämlich, dass Du dankbar bist. (Anm. d. Red.: Nhomsai bedeutet ebendies: dankbar sein).

„Bei jedem Eintrag Rotz und Wasser geheult“

Nhomsai: Ja, der Hintergrund zu dem Blogschreiben ist, dass eine Stufenkameradin vor Jahren einen Blog angefangen hat, als sie ihr todkrankes Kind palliativ begleitet hat. Das habe ich mitverfolgt und bei jedem Eintrag immer Rotz und Wasser geheult und gedacht: Mein Gott, wie gut geht es mir eigentlich? Zu dem Zeitpunkt war ich schwanger. Ich bin so dankbar, ein gesundes Kind zu haben. In meinem Leben lief alles bislang immer reibungslos, toller Mann, tolles Kind, toller Job, tolles Haus. Ich wusste, irgendetwas muss jetzt kommen und habe einfach nur gehofft, dass es nicht meinen Mann oder mein Kind trifft.

Nhomsai war bereit, auch relativ neue Medikamente auszuprobieren, die erst seit vier Jahren in Europa zugelassen sind

Nach der Diagnose ging es direkt nahtlos über in die Chemotherapie. Nachmittags erhielt Nhomsai die Diagnose, abends startete die Chemo im Diak in Schwäbisch Hall. Parallel dazu lief die Diagnostik, um welche Art Blutkrebs es sich genau handelte, um die Behandlung besser anzupassen. Knochenmarkspunktion, Laborauswertung, genetische Untersuchungen. In den vergangenen Jahren hat sich viel getan in der Krebstherapie. Auch im Bereich der Leukämie. Nhomsai war bereit, auch relativ neue Medikamente auszuprobieren, die erst seit vier Jahren in Europa zugelassen sind, aber auf ihren spezifischen Mutationstyp passen.

Ihre kleine Tochter hat sie während ihres ersten Krankenhausaufenthaltes fünf Wochen nicht gesehen

ine klassische Chemotherapie richtet sich gegen alle sich schnell teilenden Zellen. Abericht nur Krebszellen teilen sich schnell, sondern eben auch andere Zellen, wie Zellen der Schleimhäute. Daher werden diese ebenfalls bei einer Chemotherapie angeriffen. Nhomsai erhielt nun zusätzlich auch eine gezieltere Krebstherapie, die sich nur gegen die Krebszellen richtet. Nhomsais erster „Chemoblock“ dauerte drei Wochen. In der ersten Woche bekam sie rund um die Uhr Infusionen mit Medikamenten (klassische Zytostatika, spezifisch für sie, auch hinsichtlich ihrer Größe und ihres Gewichts, in der Apotheke am Krankenhaus hergestellt), die sich gegen alle schnell teilendend Zellen, unter anderem die Krebszellen richten. Die anderen beiden Wochen musste sie relativ große Kapseln morgens und abends schlucken. Eine derartige Krebstherapie richtet sich gezielt an die Krebszellen und ist erst seit ein paar Jahren in Deutschland auf dem Markt. Diese Therapie kostet, so Nhomsai, fast 600 Euro am Tag, was die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland übernehmen. Die befürchtete Übelkeit blieb aus. Ihre schulterlangen, hellbraunen Haare verlor sie. Als sie die ersten Haarbüschel in den Händen hielt, bat Nhomsai ihren Ehemann, ihre Haare komplett abzurasieren. Die Mundschleimhaut war entzündet und sie bekam Blutbläschen unter der Zunge. Im Februar 2022 war sie zwei Wochen zu Hause. Anfang März 2022 kommt der zweite Chemoblock. Während der Zeit zu Hause haben wir das Interview mit Nhomsai in der Redaktion geführt. Sie kam mit dem Elektrofahrrad von Ingelfingen nach Künzelsau geradelt und fühlte sich viel besser, als vor der Chemo. Ein erster großer Erfolg. Ihre kleine Tochter hat sie zuvor während ihres Krankenhausaufenthaltes, auch als ihr Immunsystem zu schwach war, fünf Wochen lang nicht gesehen.

Nhomsai: Wir haben dank WhatsApp jeden Tag per Video miteinander telefoniert, das hat auch gut funktioniert und das war sehr schön.

GSCHWÄTZ: Aber es war schon auch hart für dich beziehungsweise euch, so lange getrennt zu sein, oder?

„Ich hatte manchmal das Gefühl, ich muss mich zum Teil fast schon rechtfertigen, dass ich so positiv da rangehe“

Nhomsai: Das war schon hart, aber es ging nicht anders und es klappte auch ganz gut. Anfangs haben wir zweimal täglich miteinander telefoniert. Ansonsten kriege ich halt Videos. Da waren zum Glück auch alle ganz, ganz toll. Mein Mann, meine Schwiegereltern und meine Eltern, die sich dann viel um meine Tochter gekümmert haben und von ihr für mich viele Videos gedreht haben.

GSCHWÄTZ: Du hast eine unglaublich positive Einstellung.

Nhomsai: Es bleibt mir nichts anderes übrig (lacht). Ich hatte manchmal das Gefühl, ich muss mich zum Teil fast schon rechtfertigen, dass ich so positiv da rangehe. Oder viele denken: Na ja, das kann doch nicht sein. Aber ich denke: So lange es mir jetzt gerade gut damit geht, nehme ich das auch so mit. Mir ist bewusst, dass noch harte Tage kommen können. Es waren auch schon zwei, drei tränenreiche Tage dabei, da war ich nicht ganz so optimistisch. Aber nach diesen Erfahrungen ist das auch in Ordnung, das habe ich dann auch einfach zugelassen.

Einen zentralen Venenkatheter wurde ihr am Hals gelegt

Nhomsai bekam kurz vor ihrem ersten Chemoblock einen zentralen Venenkatheter am Hals gelegt. Darüber bekam sie die Infusionen. Auch das Blut abnehmen ist darüber einfach und unkompliziert möglich.

Da Frauen nach einer Chemotherapie nicht selten unfruchtbar sein können, bekam Nhomsai eine spezielle Spritze, die sie quasi in die Wechseljahre versetzt. Damit werden ihre Eierstöcke geschützt. Man weiß jedoch nicht, ob sie dadurch ausreichend geschützt werden. „Aber es ist eine Chance“, sagt Nhomsai. Darüber hinaus bekommt sie eine hoch dosierte Antibabypille, um Blutungen zu vermeiden.

Unfruchtbarkeit vermeiden

Nach dem ersten Chemoblock sehen die Blutwerte von Nhomsai wesentlich besser aus, als noch unmittelbar vor der Chemo. Auch das Treppensteigen klappt wieder. Sie fühlt sich fit. Bei einem optimalen Heilungsverlauf müsste Nhomsai rund ein halbes Jahr lang mehrere Chemoblocks „durchlaufen“, bis sich ihr Blutbild stetig wieder erholt. Nicht selten brauchen Leukämiekranke darüber hinaus noch eine Stammzellenspende. In den zwei Wochen, in denen sie zu Hause ist, hat sie prophylaktisch schon mal einen Termin in Stuttgart bezüglich einer allogenen Stammzellen-Transplantation.

Nhomsai: Für den Fall, dass ich es bräuchte – derzeit bin ich im intermediären Risiko. Es kann sein, dass ich eine Stammzellenspende brauche. Ich hoffe es nicht. Das entscheidet sich wohl nach dem zweiten Chemozyklus.

„Bei den Prognosen war ich selber auch ein bisschen erschrocken“

Damit eine Stammzellenspende von einem Fremdspender vom Körper angenommen wird, muss das eigene Immunsystem dabei mit einer hoch dosierten Chemotherapie zunächst heruntergefahren werden. Als erstes braucht man aber einen passenden Spender, sonst ist die Gefahr einer Abstoßung zu groß.

||| Jeder Bundesbürger kann sich ganz leicht registrieren auf dkms.de und schauen, ob er als Spender in Frage kommt und einem anderen Menschen damit eventuell das Leben retten kann |||

GSCHWÄTZ:  Wenn man so etwas durchstehen muss, wächst man vermutlich auch als Familie noch mehr zusammen.

Nhomsai: Ja. Meine Mutter war zum Zeitpunkt der Diagnose gerade noch in Simbabwe für ihr Kindergartenprojekt und mein Bruder war mit seiner Lebensgefährtin in Argentinien auf Weltreise. Beide sind daraufhin tatsächlich heimgekommen. Ich habe zu ihnen gemeint, dass wir auch zoomen können, wenn sie weiterhin in Zimbabwe oder in Argentinien sind. Aber sie wollten jetzt hier sein. In der Nähe, um uns besser unterstützen können. Das war schon auch schön, das so zu sehen. Bei meinem Bruder hat es tatsächlich den Vorteil durch die Zeitverschiebung gehabt, dass ich auch nachts immer einen Ansprechpartner hatte. Dadurch dass er Arzt ist, hat er mir sehr viel geholfen.

GSCHWÄTZ: Hast Du auch selbst nach Verlauf und Prognosen bezüglich deiner Krankheit gegoogelt oder vermeidest du das?

„Mir ist klar, dass es die Möglichkeit gibt, dass es vielleicht auch nichts wird“

Nhomsai: Ja, zum einen aus pharmazeutischer Neugier. Ich muss aber tatsächlich sagen, bei den Prognosen war ich selber auch ein bisschen erschrocken. Da habe ich bewusst schnell weiter gelesen oder irgendwie versucht, das nicht wirklich an mich ran zu lassen, weil sie auch zum Teil einfach so widersprüchlich sind. Es gibt ja sehr viele Formen und unterschiedliche Verläufe bei Leukämie. Prognosen sind halt Prognosen. Und wie es dann letztendlich bei dem einen oder anderen ausgeht, ist nochmal eine ganz andere Sache. Ich bin auch hier wieder zu rational, dass ich jetzt sagen würde: Ich überstehe das hundertprozentig. Das kann ich irgendwie nicht. Mir ist klar, dass es die Möglichkeit gibt, dass es vielleicht auch nichts wird. Aber ich kann in der Hinsicht etwas machen dagegen, und zwar, dass ich trotzdem eine positive Einstellung habe. Ansonsten muss ich es halt so hinnehmen, wie es kommt. Und gucken, dass ich mich einigermaßen damit abfinde, vorbereite und auch für meine Familie vorbereite. Ich habe auch mit meinem Mann darüber gesprochen, was wäre, wenn das jetzt nicht klappt und ich sterben würde. Also wie will ich, dass es weitergeht oder was mit mir passiert. Ich habe mich damit schon auseinandergesetzt, habe aber versucht, diesen Dingen nicht allzu viel Raum zu geben.“

1.000 Kraniche für Nhomsai

Bis Anfang März haben Nhomsai und Freunde von ihr insgesamt 1.000 Kraniche gebastelt als Zeichen der Hoffnung. Dahinter verbirgt sich die Geschichte von Sadako. Im August 1945 wurde eine Atombombe über Hiroshima in Japan abgeworfen. Sadako überlebte diese Katastrophe. Doch einige Jahre später erkrankte sie an Leukämie, aber Sadako wollte leben, deshalb faltete sie 1000 Papierkraniche. In Japan ist der Kranich ein Symbol des Glücks und der Langlebigkeit.

1.000 Kraniche für Nhomsai. Foto: privat

Der Verein Eisvogel hilft speziell Leukämie- und Lymphknotenkrebs-Erkrankten sowie deren Angehörigen und gibt ihnen den für die Genesung so wichtigen Impuls für neuen Kampfgeist, Lebensmut und Lebensfreude. Wir sorgen für Beistand und realisieren dies im Speziellen durch Patenschaften.

Text: Dr. Sandra Hartmann




„Respekt, Wertschätzung, Kommunikation. Das ist mir wichtig“

Im nur drei Monaten, am 08. Mai 2022, wählt Ingelfingen einen neuen Bürgermeister. Der amtierende Rathauschef hat sich bereits für eine Wiederwahl zur Verfügung gestellt (wir berichteten). Nun bekommt er Konkurrenz – und zwar aus seiner unmittelbaren Nachbarschaft.

Konkurrenz aus der unmittelbaren Nachbarschaft

Klaus Schmitt hat seinen Hut in den Ring geworfen als weiterer Kandidat. Der 58-Jährige (Geburtsdatum: 17. Mai 1963) wohnt auf dem Lipfersberg, er ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von elf und 13 Jahren. Er ist selbstständig und katholisch getauft. Geboren ist er in Südhessen, „vor den Toren Mannheims“, wie er selbst so schön ausdrückt. Seit dem Jahr 2000, also seit über 20 Jahren, wohnt er im Hohenlohekreis. Durch das Unternehmen Würth kam er zunächst als Aussendienstler hierher, der Liebe wegen ist Schmitt geblieben.

Der Liebe wegen im Hohenlohekreis sesshaft geworden

Wir durften mit ihm am Freitag, den 18. Februar 2022 das ein erstes Interview führen nach seinem Entschluss, für das Bürgermeisteramt zu kandidieren und haben ihn auf Herz und Nieren in unserer Redaktion in Künzelsau geprüft.

GSCHWÄTZ: Lieber Herr Schmitt, schön, dass Sie da sind. Sie sind ja selbstständig. Nun bewerben Sie sich als Bürgermeister. Kritiker könnten sagen, dass Ihnen die nötige Amtserfahrung fehlt.

„Das würde ich gerne ändern“

Klaus Schmitt: Ich denke, da gibt es sehr viele Schnittstellen, vor allem das Thema Kommunikation, was ja ein Grund ist, warum ich mich in Ingelfingen als Bürgermeister bewerbe. Mein Eindruck, der mich glaube ich nicht täuscht, ist, dass die Kommunikation vom Rathaus zu den Vereinen, zu den Nachbargemeinden und zu den Bürgern doch sehr zu wünschen übrig lässt. Da sehe ich meine große Stärke. Das würde ich gerne ändern.

GSCHWÄTZ: Wie sieht es denn aus mit ihrer Verwaltungserfahrung?

Klaus Schmitt: Ich bin ja selbst und ständig. Als Selbstständiger muss ich bei mir alles, was mit Verwaltung zu tun hat, für mich selber organisieren. Also von der eigenen Homepage angefangen über die Verwaltung bis hin zur Neukundengewinnung und die Steuer. Im Rathaus in Ingelfingen arbeiten sehr gute Mitarbeiter und ich glaube, dass wir uns wunderbar ergänzen würden.

GSCHWÄTZ: Sie trauen sich diese Aufgabe also durchaus zu.

Klaus Schmitt: Absolut. Gerade als Produkt-Trainer bei Würth war es für mich normal, mich in ständig neue Dinge einarbeiten zu müssen. Und so ist es auch mein Leben lang geblieben. Da jetzt die Corona-Umstellung von Präsenz-Trainings in Online-Trainings mit zig verschiedenen Systemen, von Zoom über Webex und Teams und was es alles gibt, für mich nichts Neues.

Arbeitsplätze für Ingelfingen

GSCHWÄTZ: Wo sehen Sie denn Ingelfingen in fünf Jahren, wenn Sie gewählt werden?

Klaus Schmitt:  Wir haben 4000 Arbeitsplätze in Ingelfingen bei 5500 Einwohnern und das ist erst mal ein ganz wichtiger Aspekt, dass man diese Zahl an Arbeitsplätzen in Ingelfingen  hält oder gar erweitert.

GSCHWÄTZ: Wie wollen Sie das machen? Ingelfingen ist jetzt nicht gerade das Gewerbegebiet an der A6.

„Vieles ist in den vergangenen Jahren verloren gegangen“

Klaus Schmitt: Das ist richtig. Das ist auch das, was mir Kopfzerbrechen macht, dass etwa eine Firma Gemü ihren Standort verlagert, nach Waldenburg an die Autobahn. Unsere Firmen hier vor Ort sind allesamt sehr gut aufgestellt. Auch die Firma Reisser wächst um 30 Prozent und braucht natürlich auch mehr Platz – und damit einhergehend auch optimale Grundstücke hierfür, die nicht ständig vom Hochwasser betroffen beziehungsweise bestmöglich geschützt sind. Hier haben wir noch einiges an Potenzial. Was die technischen Dinge angeht, gibt es vieles, was in den letzten Jahren in Ingelfingen gut gelaufen sind: der Umbau der Schule, die neue Turnhalle,  der Ausbau der Gemeindehäuser. Das ist alles prima für Ingelfingen. Aber ich sehe auf der anderen Seite auch, dass vieles in den letzten Jahren verloren gegangen ist – vor allem allem die Kommunikation zwischen dem Rathaus und den Vereinen und anderen Gruppen, ob es die Musikkapelle ist oder die Kirche oder die Kindergärten sind. Ich sehe noch viel Nachholbedarf im Bereich der Kommunikation mit den Menschen, mit den Bürgern. Mir wäre es wichtig, dass in fünf Jahren die Leute sagen: Der Schmitt hat viel vorangebracht. Wir pflegen eine Kommunikation auf Augenhöhe. Wir werden gehört. Wir werden nicht vor vollendete Tatsachen gestellt, wie das im Moment oft der Fall ist.

GSCHWÄTZ: Sie sind ja ein, wie sagt man so schön, Neigschmackter.

Klaus Schmitt: Ein Wahl-Ingelfinger (lacht).

GSCHWÄTZ: Genau. Was kann denn ein Wahl-Ingelfinger besser als einer, der hier schon immer mal gelebt hat?

Klaus Schmitt: Ich bin jetzt schon seit 22 Jahren in Ingelfingen und Ingelfinger. Ich denke, was mich unterscheidet von einem Ur-Ingelfinger ist, dass mich vieles, was aus der Vergangenheit vielleicht zu Konflikten geführt hat, nicht betrifft. Insofern bin ich da neutral, außenstehend, kann allen Parteien hören, wenn es Diskussionen gibt. Wie so oft im Leben haben beide irgendwie recht und ich glaube, da bin ich nicht so befangen und eingebunden wie andere.

„Ingelfinger sind bodenständig, offen und gradraus“

GSCHWÄTZ: Was mögen Sie denn besonders in Ingelfingen und an den Ingelfingern?

Klaus Schmitt: An Ingelfingen mag ich zunächst mal diese idyllische Lage. Ich habe mich bei diversen Feiern auf der Burg oben in diesen Blick in das langgezogene Tal verliebt. Die Kocher-Jagst-Strecke  im Hohenloher Land ist für mich einfach ein Traum. Ich fühle mich hier richtig wohl und oben auf dem Lipfersberg sowieso. Da hören Sie nicht, ob Dienstag oder Sonntag ist, weil die Geräuschkulisse immer gleich ist. Das ist immer sehr, sehr angenehm. Ich möchte nirgends anders mehr wohnen. Und an den Ingelfingern mag ich, dass sie so bodenständig sind, so offen, so gradraus authentisch. Die sagen dir ins Gesicht, wenn ihnen was nicht passt. Und das finde ich gut so, da weiß man, wo man dran ist.

„Ich habe mich in dieses langgezogene Tal verliebt“

GSCHWÄTZ: Was haben Sie denn, wenn man jetzt mal vom Beruflichen absieht, denn für Hobbys und Interessen im privaten Bereich?

Klaus Schmitt: Ich habe früher gerne und viel Fußball gespielt. Ich habe auch mal acht Jahre die Jugend trainiert,mit 16 Jahren habe ich angefangen im Verein in meiner Heimat, die Bambinis zu trainieren. Von Beruf bin ich gelernter Maschinenschlosser und bin dann für meine Firma auf Montage gegangen und irgendwann war das nicht mehr vereinbar. Ich war immer häufiger unterwegs und wollte natürlich auch mein Team nicht hängen lassen und habe dann irgendwann gesagt, ich kann das nicht mehr leisten. Das ist auch ein Grund, warum ich mich hier in Ingelfingen mich nicht mehr als Trainer engagiert habe, obwohl die Jugendspieler dringend Leute gesucht haben, die die Teams führen könnten. Aber ich wusste genau, dass ich, wenn ich das anfange, dann will ich auch voll dabei da sein. Durch meine Selbstständigkeit, bei der ich durch ganz Deutschland reise, um Seminare zu geben, hätte ich das nicht leisten können.

GSCHWÄTZ: Das heißt, die Selbstständigkeit würde, falls sie gewählt werden, auch erst mal ruhen?

Klaus Schmitt: Natürlich ist mein Ziel jetzt auf das Bürgermeisteramt ausgerichtet und die Selbstständigkeit würde ruhen. Die würde ich dann komplett aufgeben müssen, weil sich das nicht vereinbaren lässt vom Zeiteinsatz her. Ich habe auch schon meine Kunden informiert, dass wir eine Lösung brauchen für den Tag nach dem 8. Mai 2022, falls mich die Ingelfinger wählen.

Erschwerte Bedingungen: Wahlkampf in Coronazeiten

GSCHWÄTZ: Jetzt gehen Sie in den Wahlkampf bis Mai. Wie ist das in Coronazeiten? Wie kann man da überhaupt einen vernünftigen Wahlkampf führen?

Klaus Schmitt: Ich werde jede Chancen nutzen, die ich kriege, um die Einwohner:innen persönlich zu treffen. Natürlich hat man den größten Hebel, wenn man in die Organisationen geht, wo man mehr Leute auf einmal treffen kann. Es wird mich aber auch nicht davon abhalten, auch von Briefkasten zu Briefkasten zu gehen und mal zu klingeln an der Haustür und meine Prospekte abzugeben und mich vorzustellen, damit die Bürger:innen auch mal den Klaus Schmitt gesehen haben, der sich als Bürgermeister bewirbt und um ins direkte Gespräch mit den Leuten zu kommen.

Stärken und Schwächen von Klaus Schmitt

GSCHWÄTZ: Eine letzte Frage zum Schluss ist so eine typische Bewerbungsfrage, die immer vom Personaler gestellt wird, die kennen Sie sicher auch: Wenn Sie uns zum Abschluss noch drei ihrer Stärken und drei ihrer Schwächen nennen könnten.

Klaus Schmitt: Fangen wir mal mit den Stärken an. Die Tatsache, dass ich Menschen mit Respekt behandele und ich auch mit Respekt behandelt werden möchte, dass wir hier auf Augenhöhe miteinander agieren und dass ich immer ein offenes Ohr habe – egal, ob es die Leute im Rathaus selber sind oder in den Vereinen oder die Bürger:innen, die auf mich zukommen. Respekt, Wertschätzung, Kommunikation. Das ist mir wichtig. Ich denke, die Kommunikation, da hapert es enorm in Ingelfingen. Wenn ich sehe, wer alles verärgert ist, wer alles vergrault ist, wer frustriert ist. Da sehe ich gute Chancen, die Stadt wieder voran und näher zusammenzubringen.

GSCHWÄTZ: Jetzt kommen wir zu Ihren Schwächen …

Klaus Schmitt: Sicher, wenn es um das Amt des Bürgermeisters geht, fehlt mir Verwaltungserfahrung. Aber ich scheue mich nicht, mich in Dinge hinein zu arbeiten. Ich weiss, dass ich das gut kann. Und ich habe auch noch nicht die Vernetzung habe, die es braucht. Aber auch da denke ich, dass das die Zeit mit sich bringt. Es ist mir wichtig, einen besseren Kontakt mit den Nachbargemeinden und den Rathäusern herzustellen. Diese Kultur ist leider etwas verloren gegangen ist.

GSCHWÄTZ: Dann wünschen wir Ihnen jetzt eine angenehme Wahlkampfzeit und viel Spaß und Erfolg.

Klaus Schmitt: Dankeschön.

Das Gespräch führten Dr. Sandra Hartmann und Matthias Lauterer.

Mehr Informationen über Klaus Schmitt gibt es auf seiner Internetseite: https://buergermeister-kandidat-klaus-schmitt-ingelfingen.jimdosite.com/

 

 

 




Überraschung: Dieser Mann tritt gegen Michael Bauer bei der BM-Wahl an

Heute erwarten Dr. Sandra Hartmann und Matthias Lauterer bei ihrem Freitagsfrühstück einen Überraschungsgast im GSCHWÄTZ Redaktionsstudio. Die Bürgermeisterwahl in Ingelfingen wird damit doch noch spannend. Ein Gegenkandidat aus dem unmittelbaren Umfeld des amtierenden Bürgermeisters Michael Bauer wirft seinen Hut in den Ring.

Weitere Durchgekaut-Themen: + + + Lauschangriff im Altenheim Kocherstetten + + + „Wie bei einer Drückerkolonne“: Giganetz unterwegs in Hohenlohes Straßen + + + Umsonst gearbeitet: Eine Frau aus dem Hohenlohekreis muss mehrere tausend Euro an Väterchen Staat zurückzahlen

Das erste Interview mit dem Herausforderer Klaus Schmitt lesen Sie exklusiv bei GSCHWÄTZ.




Senioren schreiben Wutbrief an die Stadt & Gemeinderäte

In der jüngsten Gemeinderatssitzung am Dienstag, den 15. Februar 2022, wird ein Brief verlesen, der auch den müdesten Krieger an diesem Abend aufhorchen lässt. Die Senioren meldeten sich zu Wort, genauer gesagt, die Initiative Rentner Eberstal. Der Grund: Reihenweise Bäume wurden am Grillplatz in Eberstal gefällt. Für sie nicht nachvollziehbar.

Anbei veröffentlichen wir den Inhalt des Schreibens:

„Zur aktuell laufenden Durchforstungsaktion am Grillplatz in Eberstal möchten wir uns, die „Initiative Rentner Eberstal“. mit diesem Schreiben zu Wort melden.

Der Grillplatz, der in den vergangenen Jahren, von uns liebevoll gepflegt (Bäume und Sträucher schneiden), instand- (Bänke repariert und gewartet), sauber und sicher gehalten wurde. ist nun in einem Zustand, der uns und auch viele weitere Bürger in und um Eberstal schockiert hat.

Laut Aussage des zuständigen Revierförsters wurde im Rahmen des Forstwirtschaftsplans der Wald um den Grillplatz durchforstet.

Uns stellt sich die Frage, ob die Durchforstung in diesem Maße wirklich notwendig gewesen war.

Wir möchten darauf hinweisen, dass der Wald als Biotop ausgewiesen ist.

Das Ergebnis sieht erschreckend aus. Durch die fehlenden Baume und Sträucher fehlt nun der Sicht- und Windschutz. Auch der natürliche Sonnenschutz ist nicht mehr gegeben.

Für uns Eberstaler, war dieser Ort immer ein besonderer, den wir gerne genutzt haben um gemütliche Stunden zu verbringen und auch Feste dort zu feiern,

Für all die Arbeiten, die wir ehrenamtlich und in Abstimmung mit dem Bauhofleiter erbracht haben, fühlen wir keine Wertschätzung. Darüber sind wir sehr enttäuscht und es stellt sich für uns persönlich die Frage, ob unser Einsatz unnütz war.

Gerne hätten auch wir, die Mitglieder der Initiative Rentner, die anfallenden Forstarbeiten, speziell am Grillplatz, durchführen können. Viele von uns verfügen über Erkenntnisse und die benötigen Arbeitsmittel.

Uns ist natürlich klar, dass diese Aktion nicht mehr rückgängig gemacht werden kann. Wir hoffen aber auf Ihr Verständnis. dass wir den Grillplatz wieder gerne in einem für uns zufriedenstellen Zustand haben möchten, an dem wir uns in einigen Jahren, wieder erfreuen können.

Deshalb würden wir es sehr begrüßen. wenn der Grillplatz entlang der Straße wieder mit neuen Bäumen bepflanzt wird.

Zur Wiese hin, hoffen wir, dass der natürliche Jungwuchs den Sichtschutz und Lichteinfall bald wieder etwas vermindert.

Sicherlich wäre ein Gespräch hierzu in beidseitigem Interesse zielführend.

Die Initiative Rentner Eberstal

In der Gemeinderatssitzung hat Bürgermeister Michael Bauer darauf hingewiesen, dass das Thema nochmal in der nächsten Sitzung, wenn auch der Förster anwesend ist, angesprochen werden soll. Außerdem habe Bauer bereits Kontakt mit den Rentnern aufgenommen, um eine Lösung zu finden.

 




Neues Leben für Ingelfinger Alte Schule

Rechter Hand, wenn man von Niedernhall kommend am Ortseingang links in den Ortskern Ingelfingen Richtung Rathaus fährt, steht kurz vor dem Rathaus die denkmalgeschützte alte Schule am Eingang der Schloßstraße und prägt damit den Eingang des Ingelfinger Altstadtensembles. Der Ingelfinger Gemeinderat hat in seiner Sitzung vom 15. Februar 2022 mit großer Mehrheit die Renovierung des Gebäudes beschlossen, es gab eine Gegenstimme und zwei Enthaltungen.

Soll weiterhin eine Obdachlosenunterkunft bleiben, Asylbewerberunterkunft soll hinzu kommen

Bereits 2018 hatte der Gemeinderat die Renovierung beschlossen, führt Bürgermeister Bauer in das Thema ein, allerdings gab es zu diesem Zeitpunkt keine Fördermittel. Im Jahr 2021 habe man das Sanierungsgebiet Mariannenstraße um die alte Schule erweitert, um Zugriff auf Fördermittel zu bekommen.

Neue Nutzung mit Obdachlosenunterkunft, Wohnungen und Asylbewerberunterkunft

Ortskern Ingelfingen. Rechts die Alte Schule. Foto: GSCHWÄTZ

Andrea Kempf, Architektin, stellt den derzeitigen Zustand und das Ziel vor: Das Erdgeschoß dient heute der Unterbringung von Obdachlosen und Bedürftigen, ein Teil des ersten Obergeschoßes ist vermietet, der Rest des Gebäudes steht leer. Kempfs Konzept sieht im Erdgeschoß weiterhin Sozial- und Obdachlosenunterkünfte vor – 8 Menschen sollen hier unterkommen können. Der momentan ungenutzte Bereich im ersten OG soll zu einer weiteren Mietwohnung ausgebaut werden, das zweite Obergeschoß und das Dachgeschoß soll für die Unterbringung von Asylbewerbern genutzt werden. Insgesamt 4 kleine Wohnungen für Familien sowie neun Einzelzimmer, dazu Sanitär-, Küchen und Aufenthaltsbereiche, sollen entstehen.

Umfangreiche Renovierungen sind notwendig

Die komplette Installation (Heizung, Wasser, Elektrizität) muss neu eingebaut werden, die Installation einer Gasheizung ist unter dem Dach vorgesehen. Die alten Klassenräume müssen komplett neu gestaltet werden, Wände müssen eingezogen werden. Auch der Brandschutz ist ein wichtiges Thema: Ein Brandschutzkonzept liegt vor, das unter anderem von geeigneten baulichen Maßnahmen begleitet wird.
Eine Außendämmung kann das Gebäude nicht erhalten, es ist denkmalgeschützt, die Decke zum Dach ist bereits gedämmt.

Gesamtvolumen: 1,5 Millionen Euro

Laut Architektin Kempf rechnet man mit Baukosten von rund 1.5 Millionen Euro, wobei in dieser Summe bereits 200.000 Euro Puffer für Unvorhergesehenes – Kempf: „Es ist schließlich ein historisches Gebäude“ – eingerechnet sind.
85 Prozent dieser Summe ist förderfähig, die Förderung beträgt 60 Prozent, so dass die Stadt Ingelfingen mit Kosten von rund 750.000 Euro rechnen muß. Demgegenüber stehen, das betont Bürgermeister Bauer, regelmäßige Einnahmen, denn Bund und Land zahlen für die Unterbringung der Asylbewerber Gelder an die Gemeinden.

Text: Matthias Lauterer




Coronaviren: Ingelfinger Bürgermeister immun

Die Stadtverwaltung Ingelfingen lud am 25. Januar 2022 Gemeinderät:innen und interessierte Bürger:innen zur ersten Gemeinderatssitzung in diesem Jahr in die Stadthalle ein. Der Saal war denn auch gut besucht. Zuvorderst, direkt unter der Bühne, saß mittig Bürgermeister Michael Bauer. Zu seiner jeweils linken und rechten Mitarbeiter:innen der Stadtverwaltung.

Dahinter, auf Einzelstühlen, das Volk

Ihm gegenüber saßen jeweils an Einzeltischen die Gemeinderäte, dahinter auf Einzelstühlen, das Volk beziehungsweise Vertreter dessen in Form von interessierten Bürger:innen. Auffällig war bei diesem Bild vor allem eines: Diverse Gemeinderäte und die Stadtverwaltung samt Bürgermeister, die vor der Sitzung noch einen Mundschutz umhatten, saßen die mehrstündige Sitzung dann aber hauptsächlich ohne Maske ab, während die Bürger:innen während der gesamten Zeit einen Mund-Nasen-Schutz tragen mussten.

Offensichtlich befallen Coronaviren per Amtswegen keine Politiker und Staatsbedienstete oder vielleicht sind diese gegen die Viren immun. Immerhin besitzen sie ja auch von Staats wegen Immunität.

Laut der Ludwigsburger Kreiszeitung ist das Tragen der Maske, mit Verweis auf die aktuell gültige Coronaverordnung des Landes Baden-Württemberg, nur dem Volk zuzumuten, „die Vertreter sind davon befreit“. Und das, obwohl doch jeder Politiker öffentlich stets zur Vorsicht und Umsicht mahnt und die Bürger:innen darauf hinweist, das Maske tragen „extrem wichtig“ ist und man jetzt „zusammenhalten“ müsse in dieser schweren Zeit. Wir „sitzen ja schließlich alle im selben Boot“. Na, zumindest, im selben Raum. Und doch haben manche Bürger:innen dann doch mehr Freiheiten als andere.

Die Ludwigsburger Kreiszeitung hat dies schon in einem ihrer Artikel moniert, der den schönen Titel trägt: „Coronaregeln in den Kommunen. Jeder brät seine eigene Bratwurst“.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

Kurz vor Beginn der Gemeinderatssitzung in Ingelfingen am Dienstag, den 25. Januar 2022. Foto: GSCHWÄTZ

Kurz vor Beginn der Gemeinderatssitzung in Ingelfingen am Dienstag, den 25. Januar 2022. Foto: GSCHWÄTZ




„Das war peinlich“

Es war eine denkwürdige Gemeinderatssitzung in Ingelfingen und niemand von der hiesigen Presse war anwesend, sondern musste sich die Informationen im Nachgang zusammentragen. Auch die Redaktion GSCHWÄTZ war nicht vor Ort. Dieser Bericht soll rekonstruieren, was am 14. Dezember 2021 in der Stadthalle geschehen ist. Bitte beachten Sie beim Lesen jedoch, dass wir nicht vor Ort waren und lediglich das berichten, was uns im nach hinein von Dritten, die in dieser Sitzung anwesend waren, berichtet wurde.

„Das war peinlich“

Um 19 Uhr startete die Sitzung mit insgesamt 10 Punkten. Allerdings verlief bereits der erste Punkt, in dem es um die Bürgermeisterwahl 2022 ging, nicht wie diverse Anwesende vermutlich gedacht haben. Bürgermeister Michael Bauer gab bekannt, dass er nochmal als Bürgermeister kandidieren möchte. Hierfür gab es verhaltenen Beifall von Gemeinderäten, was im Nachhinein unter anderem mit dem Satz kommentiert wurde: „Das war peinlich.“ Es wäre die 3. Amtszeit von Bürgermeister Bauer.

Dr. Baum leitete als Stellvertreter von Bürgermeister Bauer, der bei diesem Tagesordnungspunkt befangen war, die Sitzung.

Die Mehrheit der Gemeinderäte setzten sich für einen späteren Wahltermin ein

Die Verwaltung hatte in der Einladung zur Gemeinderatssitzung den frühest möglichen Wahltermin, den 03. April 2022 vorgeschlagen. Daraufhin wehrten sich Gemeinderäte. Die zweite stellvertretende Bürgermeisterin Susanne Schmezer brachte einen fraktionsübergreifen Antrag ein, dass die Wahl erst am 15. Mai 2022 stattfinden soll. Der Grund: „Wir wollten den Wahltermin nach hinten schieben, dass ein Wahlkampf im wärmer werdenden Frühjahr möglich ist (auch wegen Corona, wenn möglicherweise keine Hallenveranstaltungen möglich sind) und aus Fairnessgründen, dass ein wenig mehr Zeit bleibt für einen Bewerber von außen“, erklärt Gemeinderat Bernd Bauer gegenüber der Redaktion GSCHWÄTZ.

Bürgermeister Bauer saß abseits vom Geschehen

Eine zwei Drittel Mehrheit, nämlich 14 Gemeinderäte, hat dann für den abgeänderten Antrag mit Wahltermin 8. Mai 2022 gestimmt. Sieben Gemeinderäte waren dagegen, ein Gemeinderat hat sich enthalten.  Bürgermeister Michael Bauer durfte sich während der Diskussion und Abstimmung nicht zu Wort melden und saß etwas abseits vom Geschehen („Der Befangene muss abrücken“).

„Wenn das so ist, dass man Wahltermine ausmachen darf, wenn man mit dem Bürgermeister  befreundet ist, dass haut dem Fass den Boden raus“

In der Diskussion hat sich herausgestellt, dass eine Vorbesprechung über das Wahlprozedere  stattgefunden hat. Teilnehmer Bürgermeister Michael Bauer und die zwei stellvertretenden Bürgermeister Dr. Baum und Frau Hagdorn. Nicht dabei war Susanne Schmezer. Nach mehreren Wortwechseln erklärte Dr. Baum daraufhin in öffentlicher Sitzung gegenüber den restlichen Gemeinderäten, dass dieses Treffen stattgefunden habe, weil die drei befreundet sind. Das ist manch einem Gemeinderat sauer aufgestoßen: „Wenn das so ist, dass man Wahltermine ausmachen darf, wenn man mit dem Bürgermeister  befreundet ist, dass haut dem Fass den Boden raus“, wurde von einem Besucher der Gemeinderatssitzung auf dem Heimweg geäußert.

Schließlich einigte man sich beim Wahldatum auf den 08. Mai 2022, da am 15. Mai 2022 noch diverse andere größere Aktivitäten in den Teilorten stattfinden, etwa die 777-Jahr-Feier in Dörrenzimmern.

Die Suche nach einem geeigneten Gegenkandidaten läuft.




Bauers Reifeprüfung

Als Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer (54) 2006 zum Bürgermeister von Ingelfingen gewählt wurde, war er frische 40 Jahre und sprühte vor Enthusiasmus und einem positiven Gemüt. Mittlerweile sind fast 16 Jahre ins Land gezogen. Die Haare sind lichter, der Blick ernster und nicht selten düsterer. Der Bürgermeister war auch vor Corona immer seltener bei öffentlichen Auftritten zu sehen.

Rosinenpicker

Er ließ unter anderem verlauten, dass er eben nicht an allem interessiert sei (wir berichteten), zum Beispiel am Fasching. Die Veranstalter waren enttäuscht. Denn auch wenn ein Bürgermeister ein Faschingsmuffel ist, sollte er doch den Organisatoren den Anstand zollen, sich auf diese Veranstaltung, die lediglich einmal im Jahr in der Stadthalle mit viel Mühe ausgerichtet wurde, hinzubemühen.

Auch Veranstaltugen des TSV nahm er immer seltener oder gar nicht wahr, weil es zwischen ihm und dem TSV-Vorsitzenden Bernd Bauer viele Spannungen gab und gibt.

Beleidigte-Leberwurst-Verhalten

Menschlich vielleicht verständlich, wenn jemand ein Faschingsmuffel ist, dass er solchen Veranstaltungen nicht beiwohnt. Oder auch TSV-Veranstaltungen meidet, wenn man sich mit dem Vorsitzenden nicht gut versteht. Aber ein Bürgermeister ist eben nicht Hans Müller vonnebenan, sondern sollte sich in derartigen Situationen anders verhalten. Ein Beleidigte-Leberwurst-Verhalten ist nicht angemessen für einen Rathauschef, sondern wirkt, pardon, eher lächerlich.

Wer tritt gegen Bauer an?

Die größte Schlappe: Sein Projekt, das Einbahnstraßendasein der Mariannenstraße in Ingelfingen, scheiterte kläglich am Protest der Bürger:innen und Gemeinderäte. In einer so kleinen Stadt wie Ingelfingen eher eine Seltenheit.

Die wenigsten gewinnen bei einer Wahl gegen einen amtierenden Bürgermeister

Diverse Gemeinderatmitglieder suchen daher derzeit händeringend nach einem Ersatzkandidaten, der gegen Bauer zur Wahl 2022 antreten könnte. Doch das ist gar nicht so einfach. Denn kaum jemand kann sich im ländlichen Hohenlohekreis gegen einen amtierenden Bürgermeister bei einer Wahl durchsetzen – unabhängig davon, was schon alles in der Vergangenenheit vorgefallen ist. Denn: Diverse Bürger:innen kennen Bauer nur vom Foto und machen ihr Kreuz einfach bei dem Namen, der ihnen bekannt und vertraut ist.

Kritische Nachfragen stellen nur die mutigen Bürger:innen

Falls er wiedergewählt wird, wird es weitere acht Jahre nicht einfach werden für all diejnigen, die es sich mit ihm verscherzt haben. Nicht selten reichte dafür, eine andere Meinung zu äussern oder sich anders verhalten zu haben, als Bauer es sich gewünscht hat. Und Michael Bauer ist nachtragend. Daher wird es sehr spannend sein, mit anzusehen, wie er sich bei seinen Wahlkampfveranstaltungen nach aussen präsentiert. Kritische Nachfragen stellen vermutlich nur die mutigeren Bürger:innen, denn da kann es passieren, dass man einen harten Gegenwind erfahren muss.

Text: Dr. Sandra Hartmann




Ingelfingen: Bürgermeister Michael Bauer stellt sich zur Wiederwahl

Eine große Neuigkeit wird Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer am morgigen 14. Dezember 2021 nicht mehr verkünden, steht der Inhalt seiner Erklärung doch bereits im Amtsboten: „Bürgermeister Bauer wird vor der Gemeinderatsitzung eine Erklärung abgeben, dass er für eine dritte Amtsperiode kandidieren wird“. Auch der Ausschreibungstext, über den der Gemeinderat abstimmen wird, für die Bürgermeisterwahl enthält bereits den Passus, dass der Amtsinhaber zur Wahl antritt.

Die Wahl findet voraussichtlich am 3. April 2022 statt, ein eventueller zweiter Wahlgang ist für den 24. April 2022 geplant – sofern der Gemeinderat am Dienstag, den 14. Dezember 2021, diesen Terminen zustimmt.




Orstdurchfahrt Weldingsfelden gesperrt

Von Dienstag, den 14. September 2021, bis voraussichtlich Freitag, den 17. September 2021, ist die Ortsdurchfahrt K 2311 Weldingsfelden wegen Fahrbahninstandsetzungsmaßnahmen der Straßenmeisterei Künzelsau gesperrt.

Eine überörtliche Umleitung wird in beide Fahrtrichtungen ausgeschildert und erfolgt über die B19 Hohebach – Stachenhausen –  Kirchwald – K 2316 Hermuthausen – L 1022 und umgekehrt.

Der NVH darf die Streckensperrung passieren und ist von der Umleitung nicht betroffen. Die Zufahrten Hohebach – Seidelklingen und L1022 Hermuthausen – Weldingsfelden – Stachenhausen bleiben zugänglich.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises