„Respekt, Wertschätzung, Kommunikation. Das ist mir wichtig“
Im nur drei Monaten, am 08. Mai 2022, wählt Ingelfingen einen neuen Bürgermeister. Der amtierende Rathauschef hat sich bereits für eine Wiederwahl zur Verfügung gestellt (wir berichteten). Nun bekommt er Konkurrenz – und zwar aus seiner unmittelbaren Nachbarschaft.
Konkurrenz aus der unmittelbaren Nachbarschaft
Klaus Schmitt hat seinen Hut in den Ring geworfen als weiterer Kandidat. Der 58-Jährige (Geburtsdatum: 17. Mai 1963) wohnt auf dem Lipfersberg, er ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von elf und 13 Jahren. Er ist selbstständig und katholisch getauft. Geboren ist er in Südhessen, „vor den Toren Mannheims“, wie er selbst so schön ausdrückt. Seit dem Jahr 2000, also seit über 20 Jahren, wohnt er im Hohenlohekreis. Durch das Unternehmen Würth kam er zunächst als Aussendienstler hierher, der Liebe wegen ist Schmitt geblieben.
Der Liebe wegen im Hohenlohekreis sesshaft geworden
Wir durften mit ihm am Freitag, den 18. Februar 2022 das ein erstes Interview führen nach seinem Entschluss, für das Bürgermeisteramt zu kandidieren und haben ihn auf Herz und Nieren in unserer Redaktion in Künzelsau geprüft.
GSCHWÄTZ: Lieber Herr Schmitt, schön, dass Sie da sind. Sie sind ja selbstständig. Nun bewerben Sie sich als Bürgermeister. Kritiker könnten sagen, dass Ihnen die nötige Amtserfahrung fehlt.
„Das würde ich gerne ändern“
Klaus Schmitt: Ich denke, da gibt es sehr viele Schnittstellen, vor allem das Thema Kommunikation, was ja ein Grund ist, warum ich mich in Ingelfingen als Bürgermeister bewerbe. Mein Eindruck, der mich glaube ich nicht täuscht, ist, dass die Kommunikation vom Rathaus zu den Vereinen, zu den Nachbargemeinden und zu den Bürgern doch sehr zu wünschen übrig lässt. Da sehe ich meine große Stärke. Das würde ich gerne ändern.
GSCHWÄTZ: Wie sieht es denn aus mit ihrer Verwaltungserfahrung?
Klaus Schmitt: Ich bin ja selbst und ständig. Als Selbstständiger muss ich bei mir alles, was mit Verwaltung zu tun hat, für mich selber organisieren. Also von der eigenen Homepage angefangen über die Verwaltung bis hin zur Neukundengewinnung und die Steuer. Im Rathaus in Ingelfingen arbeiten sehr gute Mitarbeiter und ich glaube, dass wir uns wunderbar ergänzen würden.
GSCHWÄTZ: Sie trauen sich diese Aufgabe also durchaus zu.
Klaus Schmitt: Absolut. Gerade als Produkt-Trainer bei Würth war es für mich normal, mich in ständig neue Dinge einarbeiten zu müssen. Und so ist es auch mein Leben lang geblieben. Da jetzt die Corona-Umstellung von Präsenz-Trainings in Online-Trainings mit zig verschiedenen Systemen, von Zoom über Webex und Teams und was es alles gibt, für mich nichts Neues.
Arbeitsplätze für Ingelfingen
GSCHWÄTZ: Wo sehen Sie denn Ingelfingen in fünf Jahren, wenn Sie gewählt werden?
Klaus Schmitt: Wir haben 4000 Arbeitsplätze in Ingelfingen bei 5500 Einwohnern und das ist erst mal ein ganz wichtiger Aspekt, dass man diese Zahl an Arbeitsplätzen in Ingelfingen hält oder gar erweitert.
GSCHWÄTZ: Wie wollen Sie das machen? Ingelfingen ist jetzt nicht gerade das Gewerbegebiet an der A6.
„Vieles ist in den vergangenen Jahren verloren gegangen“
Klaus Schmitt: Das ist richtig. Das ist auch das, was mir Kopfzerbrechen macht, dass etwa eine Firma Gemü ihren Standort verlagert, nach Waldenburg an die Autobahn. Unsere Firmen hier vor Ort sind allesamt sehr gut aufgestellt. Auch die Firma Reisser wächst um 30 Prozent und braucht natürlich auch mehr Platz – und damit einhergehend auch optimale Grundstücke hierfür, die nicht ständig vom Hochwasser betroffen beziehungsweise bestmöglich geschützt sind. Hier haben wir noch einiges an Potenzial. Was die technischen Dinge angeht, gibt es vieles, was in den letzten Jahren in Ingelfingen gut gelaufen sind: der Umbau der Schule, die neue Turnhalle, der Ausbau der Gemeindehäuser. Das ist alles prima für Ingelfingen. Aber ich sehe auf der anderen Seite auch, dass vieles in den letzten Jahren verloren gegangen ist – vor allem allem die Kommunikation zwischen dem Rathaus und den Vereinen und anderen Gruppen, ob es die Musikkapelle ist oder die Kirche oder die Kindergärten sind. Ich sehe noch viel Nachholbedarf im Bereich der Kommunikation mit den Menschen, mit den Bürgern. Mir wäre es wichtig, dass in fünf Jahren die Leute sagen: Der Schmitt hat viel vorangebracht. Wir pflegen eine Kommunikation auf Augenhöhe. Wir werden gehört. Wir werden nicht vor vollendete Tatsachen gestellt, wie das im Moment oft der Fall ist.
GSCHWÄTZ: Sie sind ja ein, wie sagt man so schön, Neigschmackter.
Klaus Schmitt: Ein Wahl-Ingelfinger (lacht).
GSCHWÄTZ: Genau. Was kann denn ein Wahl-Ingelfinger besser als einer, der hier schon immer mal gelebt hat?
Klaus Schmitt: Ich bin jetzt schon seit 22 Jahren in Ingelfingen und Ingelfinger. Ich denke, was mich unterscheidet von einem Ur-Ingelfinger ist, dass mich vieles, was aus der Vergangenheit vielleicht zu Konflikten geführt hat, nicht betrifft. Insofern bin ich da neutral, außenstehend, kann allen Parteien hören, wenn es Diskussionen gibt. Wie so oft im Leben haben beide irgendwie recht und ich glaube, da bin ich nicht so befangen und eingebunden wie andere.
„Ingelfinger sind bodenständig, offen und gradraus“
GSCHWÄTZ: Was mögen Sie denn besonders in Ingelfingen und an den Ingelfingern?
Klaus Schmitt: An Ingelfingen mag ich zunächst mal diese idyllische Lage. Ich habe mich bei diversen Feiern auf der Burg oben in diesen Blick in das langgezogene Tal verliebt. Die Kocher-Jagst-Strecke im Hohenloher Land ist für mich einfach ein Traum. Ich fühle mich hier richtig wohl und oben auf dem Lipfersberg sowieso. Da hören Sie nicht, ob Dienstag oder Sonntag ist, weil die Geräuschkulisse immer gleich ist. Das ist immer sehr, sehr angenehm. Ich möchte nirgends anders mehr wohnen. Und an den Ingelfingern mag ich, dass sie so bodenständig sind, so offen, so gradraus authentisch. Die sagen dir ins Gesicht, wenn ihnen was nicht passt. Und das finde ich gut so, da weiß man, wo man dran ist.
„Ich habe mich in dieses langgezogene Tal verliebt“
GSCHWÄTZ: Was haben Sie denn, wenn man jetzt mal vom Beruflichen absieht, denn für Hobbys und Interessen im privaten Bereich?
Klaus Schmitt: Ich habe früher gerne und viel Fußball gespielt. Ich habe auch mal acht Jahre die Jugend trainiert,mit 16 Jahren habe ich angefangen im Verein in meiner Heimat, die Bambinis zu trainieren. Von Beruf bin ich gelernter Maschinenschlosser und bin dann für meine Firma auf Montage gegangen und irgendwann war das nicht mehr vereinbar. Ich war immer häufiger unterwegs und wollte natürlich auch mein Team nicht hängen lassen und habe dann irgendwann gesagt, ich kann das nicht mehr leisten. Das ist auch ein Grund, warum ich mich hier in Ingelfingen mich nicht mehr als Trainer engagiert habe, obwohl die Jugendspieler dringend Leute gesucht haben, die die Teams führen könnten. Aber ich wusste genau, dass ich, wenn ich das anfange, dann will ich auch voll dabei da sein. Durch meine Selbstständigkeit, bei der ich durch ganz Deutschland reise, um Seminare zu geben, hätte ich das nicht leisten können.
GSCHWÄTZ: Das heißt, die Selbstständigkeit würde, falls sie gewählt werden, auch erst mal ruhen?
Klaus Schmitt: Natürlich ist mein Ziel jetzt auf das Bürgermeisteramt ausgerichtet und die Selbstständigkeit würde ruhen. Die würde ich dann komplett aufgeben müssen, weil sich das nicht vereinbaren lässt vom Zeiteinsatz her. Ich habe auch schon meine Kunden informiert, dass wir eine Lösung brauchen für den Tag nach dem 8. Mai 2022, falls mich die Ingelfinger wählen.
Erschwerte Bedingungen: Wahlkampf in Coronazeiten
GSCHWÄTZ: Jetzt gehen Sie in den Wahlkampf bis Mai. Wie ist das in Coronazeiten? Wie kann man da überhaupt einen vernünftigen Wahlkampf führen?
Klaus Schmitt: Ich werde jede Chancen nutzen, die ich kriege, um die Einwohner:innen persönlich zu treffen. Natürlich hat man den größten Hebel, wenn man in die Organisationen geht, wo man mehr Leute auf einmal treffen kann. Es wird mich aber auch nicht davon abhalten, auch von Briefkasten zu Briefkasten zu gehen und mal zu klingeln an der Haustür und meine Prospekte abzugeben und mich vorzustellen, damit die Bürger:innen auch mal den Klaus Schmitt gesehen haben, der sich als Bürgermeister bewirbt und um ins direkte Gespräch mit den Leuten zu kommen.
Stärken und Schwächen von Klaus Schmitt
GSCHWÄTZ: Eine letzte Frage zum Schluss ist so eine typische Bewerbungsfrage, die immer vom Personaler gestellt wird, die kennen Sie sicher auch: Wenn Sie uns zum Abschluss noch drei ihrer Stärken und drei ihrer Schwächen nennen könnten.
Klaus Schmitt: Fangen wir mal mit den Stärken an. Die Tatsache, dass ich Menschen mit Respekt behandele und ich auch mit Respekt behandelt werden möchte, dass wir hier auf Augenhöhe miteinander agieren und dass ich immer ein offenes Ohr habe – egal, ob es die Leute im Rathaus selber sind oder in den Vereinen oder die Bürger:innen, die auf mich zukommen. Respekt, Wertschätzung, Kommunikation. Das ist mir wichtig. Ich denke, die Kommunikation, da hapert es enorm in Ingelfingen. Wenn ich sehe, wer alles verärgert ist, wer alles vergrault ist, wer frustriert ist. Da sehe ich gute Chancen, die Stadt wieder voran und näher zusammenzubringen.
GSCHWÄTZ: Jetzt kommen wir zu Ihren Schwächen …
Klaus Schmitt: Sicher, wenn es um das Amt des Bürgermeisters geht, fehlt mir Verwaltungserfahrung. Aber ich scheue mich nicht, mich in Dinge hinein zu arbeiten. Ich weiss, dass ich das gut kann. Und ich habe auch noch nicht die Vernetzung habe, die es braucht. Aber auch da denke ich, dass das die Zeit mit sich bringt. Es ist mir wichtig, einen besseren Kontakt mit den Nachbargemeinden und den Rathäusern herzustellen. Diese Kultur ist leider etwas verloren gegangen ist.
GSCHWÄTZ: Dann wünschen wir Ihnen jetzt eine angenehme Wahlkampfzeit und viel Spaß und Erfolg.
Klaus Schmitt: Dankeschön.
Das Gespräch führten Dr. Sandra Hartmann und Matthias Lauterer.
Mehr Informationen über Klaus Schmitt gibt es auf seiner Internetseite: https://buergermeister-kandidat-klaus-schmitt-ingelfingen.jimdosite.com/


