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Hund, Katze, Maus…beim BM-Wahlkampf in Ingelfingen muss man zwischen den Zeilen lesen

Bürgermeisterkandidat Klaus Schmitt wirbt im Wahlkampf um den Rathaussessel in Ingelfingen mit den Schlagworten „Offenheit, Fairness, Respekt“. Neben den verwaltungstechnischen Kernkompetenzen scheint auch das Zwischenmenschliche in dem Wahlkampf um die Bürgermeisterkrone in Ingelfingen eine große Rolle zu spielen. Warum ist das so?

So einiges ist passiert in den vergangenen Jahren

So einiges ist passiert in den vergangenen Jahren. Bei der einzigen städtischen Wahlveranstaltung am Donnerstag, den 28. April 2022, hat eine Erzieherin den amtierenden Bürgermeister Michael Bauer auf  den großen Sanierungsstau im Kindergarten Breter angesprochen, der schon lange angegangen werden sollte. Jetzt werde alles angegangen, versprach Bauer nun im Wahlkampf. 50.000 Euro seien dafür veranschlagt. Doch wirft man einen Blick in den Haushaltsplan findet man den Kindergarten zum einen darin nicht. Und auch die 50.000 Euro sind angesichts der Aufgaben, die dort anstehen, wie Fenster, Heizung und vieles mehr vermutlich bei Weitem nicht ausreichend. Also alles nur ein Vertrösten bis auf nach der Wahl und dann ein Weiter so?

Die liquiden Mittel sinken in den nächsten drei Jahren

Erklärungsbedrf auch bei seiner Aussage , die er an der städtischen Wahlveranstaltung getätigt hat, Ingelfingen sei schuldenfrei. Das ist so nur dann richtig, wenn man Verschuldung und Überschuss aufrechnet. denn: Die liquiden Mittel sinken in den nächsten drei Jahren.

Es ist nicht unüblich, dass man im Wahlkampf gerne übertreibt, schön redet und verspricht, was das Zeug hält, um nach der Wahl einen Teil davon umzusetzen. Auch Klaus Schmitt hat so einige Projekte, die er angehen möchte, genannt und man weiß jetzt noch nicht, wie deren Umsetzbarkeit sind, etwa die Wiederbelebung des Kurparks und der Innenstadt Ingelfingens.

An was viele in diesem Wahlkampf eigentlich denken

An was aber in diesem Wahlkampf viele denken, sich aber nur wenige sich trauen zu sagen, aus Angst, die nächsten 8 Jahre dafür „bluten“ zu müssen (so ein Unternehmer), sind Begebenheiten, die einige Bürger:innen mit Bauer den vergangenen 16 Jahren hatten, die eher unangenehmer Natur waren.

Als er damals mit Anfang 40 gewält wurde, war er jung, charismatisch, nett. Die Ingelfinger freuten sich, einen so jungen Rathauschef in ihrerm Kocherstädtchen haben zu dürfen. Irgendwann drehte sich allmählich das Blatt. Bauer wurde patriachaler im Auftreten, autoritärer. Eine Unternehmerin sagt, er hätte sich gewandelt, weil er sich von vielen ungerecht behandelt fühlt. Mit Kritik konnte Bauer schlecht bis gar nicht umgehen, nachtragend sei er und teile die Welt in Freund und Feind ein. Im Gemeinderat habe nur der- ode diejenige ein leichtes Leben, die ihm nach dem Mund reden, ansonsten gäbe es Ärger in Form von verbalen Attacken. Auch Bürger:innen bekamen diese verbalen Attacken schon zu spüren, wenn sie etwa die Fahrbahn nicht ordnungsgemäß in Ingelfingen befuhren. Ortssherif Bauer griff ein, der Fall endete vor Gericht.

Persönliche Privilegien

Er nehme sich Vorteile heraus,die ansonsten kein anderer in Ingelfingen genießen dürfe, heißt es. Während einige Bauvervorhaben regelmäßig nicht durch den Gemeinderat kommen, weil etwa die beantragte Gaube nicht den rechten Winkel aufweise, habe er sich auf zwei Grundstücke eine große Villa hingebaut, was ansonsten in Ingelfingen nicht möglich sei. Auch sein Hund genieße als offizieller Ingelfinger Jagdhund besondere Privilegien. Eine Katze hat er indes schon auf dem Gewissen.

Diverse Gemeinderäte sind in der Vergangenheit wegen seines autoritären Führungsstils aus dem Gemeinderat ausgetreten oder bei den Wahlen nicht wieder angetreten.

Ärger wegen Faschingsplakat

Mit dem Faschingskomittee kam er wegen es Plakates aneinander, das sinngemäß den Titel trug: „Was für ein Zirkus in Ingelfingen“. Er hat sich dabei persönlich angegriffen gefühlt. Das Plakat musste geändert werden.

Bauer ist nicht ohne Grund aus dem Kreistag ausgetreten beziehungsweise hat nicht mehr kandidiert, auch hier gab es Probleme, mit den Bürgermeistern von den Nachbargemeinden hat er zudem nicht das beste Verhältnis. Ingelfingen steht in diversen Punkten derzeit isoliert da. Die Teilorte fühlten sich in der Vergangenheit nicht selten übergangen. Gemeinderäte attestieren Bauer eine „mangelnde Kommunnikationsfähigkeit“.

Es geht daher in diesem Wahlkampf um eine Richtungswahl für Ingelfingen. Entweder 8 Jahre ein isoliertes Weiter -so mit einem Abnickgremium in Form eines Gemeinderates oder eine lebendige Demokratie mit neuen Ideen und ein gemeinsames Miteinander für ein eigentlich bezaubernd schönes Kocherstädchen, das so viel Potenzial für mehr hat.

Die Bürger:innen haben die Wahl. Am 08. Mai 2022.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann




„Ich finde, ein Bürgermeister sollte als Vorbild vorangehen“

Die Bürgermeisterwahl in Ingelfingen steht kurz bevor. Am 08. Mai wird sich zeigen, welcher der beiden Kandidaten das Rennen macht. Der politische Newcomer und Unternehmer Klaus Schmitt steht dem amtierenden Bürgermeister Michael Bauer gegenüber. Schmitt sagt von sich, er wolle „neue Wege“ einschlagen und dem „alten Trott“ entgegenwirken. Im Hotel Nicklass stand er am Donnerstag, den 21. April 2022, den Ingelfingern Rede und Antwort, erklärt, wie genau er diese „neuen Wege“ einschlagen möchte und wird zum Teil sogar ins Kreuzverhör genommen.

Angeregte Stimmung

Die Stimmung im Tagungsraum des Hotel Nicklass ist am vergangenen Donnerstag „angeregt“, wie sie Klaus Schmitt später beschreibt. Rund 30 Interessierte scharen sich um den Unternehmer. Die Agenda ist folgende: Schmitt beginnt mit einer kurzen Vorstellung seiner selbst, anschließend möchte er den Interessierten sein Wahlprogramm vorstellen und zum Abschluss ist Raum für eine Fragerunde vorgesehen. Doch so weit kommt es nicht. Schon unmittelbar nach der Vorstellungsrunde wird Schmitt unterbrochen und mit einer Frage nach der anderen konfrontiert. Es entsteht der Eindruck, dass eine Minderheit der Anwesenden einige Fragen nur stellt, um Schmitt zu kompromittieren, aber darauf wird im Folgenden detaillierter eingegangen.

Zwei Männer fallen auf

Gerne hätten wir die Veranstaltung mit der Kamera begleitet. Uns wurde dies im Vorfeld auch von Klaus Schmitt genehmigt. Während der Veranstaltung allerdings wurden diese Bemühungen sabotiert. Zwei Männer im Publikum echauffierten sich dermaßen darüber, dass bei der öffentlichen Wahlkampf-Veranstaltung Redner Schmitt gefilmt wurde, dass Schmitt schließlich dem Druck nachgegeben hat und uns gebeten hat, das Filmen, um des Friedens willen, zu unterlassen.

Schwieriges Unterfangen

Dieselben Herren, die unsere Bemühungen zu filmen sabotiert haben, sind auch dadurch aufgefallen, dass sie Schmitt zum Teil ins Wort gefallen sind. Es entstand zuweilen der Eindruck, die beiden wollten Schmitt bewusst bloßstellen. Zum Teil haben daraufhin wiederum andere Anwesende, weitere Menschen, die Fragen stellen wollten, dazu aufgefordert, sich bemerkbar zu machen, um, neben diesen beiden Personen, die sehr viel Raum im Gespräch eingenommen haben, auch einmal zu Wort zu kommen. Im Folgenden werden wir einige Themen wiedergeben, die auf der Wahlkampfveranstaltung zur Sprache gekommen sind.

Will man Schmitt bewusst bloßzustellen?

„Haben Sie Verwaltungserfahrung? Nein? Wie stellen Sie sich dann überhaupt vor, als Chef der Verwaltung tätig zu sein? Das schaffen Sie nie!“ – Mit diesen harschen Worten startet die Diskussionsrunde. Schmitt antwortet darauf gewohnt ruhig und besonnen und erläutert anhand seiner vorangegangenen Tätigkeit, dass „sich in neue Aufgabengebiete einzuarbeiten“ für ihn „kein Hindernis“ sei. Des Weiteren betont Schmitt, dass das ja gerade auch für die Tatsache spreche, dass er, „gemeinsam“ mit Ingelfingen „einen Neuanfang“ wagen wolle. „Denn“, so Schmitt, „wenn Sie mal schauen wie hier die Kommunikation ist zu den Vereinen: Da liegt vieles im Argen. Wenn Sie schauen wie die Kommunikation ist zu den Nachbargemeinden: Die ist auch auf Eis gelegt.“

Aufbrausend und aggressiv

Darauf folgt eine Zwischenfrage aus dem Publikum: „Können Sie das bitte mal näher erläutern, anstatt nur Behauptungen aufzustellen?“ Schmitt: „Tatsache ist ja zum Beispiel, dass die das geplante Projekt einer gemeinsamen Kläranlage nicht stattgefunden hat. Jetzt haben wir seit dieser Woche eine neue Kooperation mit der Stadt Künzelsau und mit Kupferzell. Aber auch da ist die Frage: Warum hat man das nicht mit den Gemeinden kocherabwärts hingekriegt?“ „Warum wissen Sie nicht, warum man das nicht gemacht hat? Das ist nämlich allgemein bekannt“, entgegnet der Fragensteller. Eben dieser Herr unterstellt Schmitt „Falschaussagen“ wie schon „in seinen Videos“ und fordert ihn auf: „Na sagen Sie uns doch, woran es gelegen hat. Wir wollen es von Ihnen hören, wir wissen es ja schon!“ Sein Ton ist aufbrausend und aggressiv. Anschließend erklärt er mit verschränkten Armen und belehrendem, Tonfall, „den Gemeinden kocherabwärts“ hätte es „zu lange gedauert“ und deshalb hätten Sie sich „aus dieser Verwaltungsgemeinschaft, die da entstanden wäre, zurückgezogen.“ Außerdem sagt der Herr mit den vor der Brust verschränkten Armen: „Sie sehen schon, das ist Verwaltung und in der Verwaltung mahlen manche Mühlen halt langsam. Anders, als als selbstständiger Unternehmer, wo man alles, wie Sie schon gesagt haben, neu anpacken und sofort forcieren und entscheiden möchte.“

Es gibt Redebedarf

„Jetzt kommen wir zu meiner nächsten Frage“, schließt eben zitierter Herr an. „Sie haben gesagt, Sie sind seit 22 Jahren in Ingelfingen und möchten neue Räume schaffen für junge Leute, die hier wohnen möchten. Sagen Sie mir, wo Sie ein neues Baugebiet machen möchten.“ Schmitt erwidert: „Also, dass das ein Riesen Thema ist, habe ich schon mitgekriegt, da es ja nur noch wenig Fläche gibt. Auch in den Teilorten ist es so, weil die jungen Leute gerne in der Nähe  ihrer Familien bleiben würden. (…) Tatsache ist, dass hier die Flächen begrenzt sind. Ein Hindernis sind hier auch die sogenannten FFH-Flächen, die als Naturschutzgebiet ausgewiesen sind, die das Ganze ein Stück weit verhindern.“ Trotzdem könne man „auch in FFH-Flächen Bauplätze schaffen, wenn man Ausgleichsflächen zur Verfügung stellt.“ „Und wo sind die? Wo bringen Sie die her?“ Schmitt antwortet: „Viele dieser sogenannten Ausgleichsflächen sind in Privatbesitz und da komme ich wieder mit meiner Kommunikation. Da herrscht Redebedarf mit den Grundstücksbesitzern.“

Seniorenrat fragt: „Warum haben Sie kein Photovoltaik auf dem Dach?“

Ein Mitglied des Seniorenrats fragt: „Sie sind seit 22 Jahren in Ingelfingen und unter Ihrem Untertitel ‚Gestalten‘ schreiben Sie ‚Ingelfingen klimaneutral machen – insbesondere für unsere Kinder und Enkel‘. Das ist eine ganz tolle Sache, aber Sie sind seit 22 Jahren in Ingelfingen, aber auf Ihrer Dachfläche, die wunderbar dafür ausgerichtet wäre, Photovoltaik anzubringen, haben Sie kein Photovoltaik. Warum nicht, wenn Sie das klimaneutral machen wollen?“ Schmitt kontert mit einer Gegenfrage: „Warum hat die Stadt keine Photovoltaik-Anlagen auf ihren Dächern?“ – „Das ist eine andere Sache. Die Stadt bewirbt sich nicht um einen Bürgermeisterposten, sondern Sie.“ Durch die Reihen geht ein Kopfschütteln. Ein Zwischenruf aus dem Publikum ertönt: „Man sollte jetzt doch mal ein bisschen sachlicher bleiben.“ Schmitt beschwichtigt: „Das ist schon okay. Ich finde, ein Bürgermeister muss als Vorbild vorangehen und wenn ich die Stadt Ingelfingen klimaneutral machen möchte, dann werde ich, logischerweise, auch schauen, dass ich mir auch ein Angebot für eine Photovoltaikanlage einhole. Und das ist ja toll, wie stark sich der Seniorenrat bei mir Daheim umschaut. Der Herr L. (Name von der Redaktion gekürzt) war schon bei mir im Hausflur und hat sich über alles Mögliche erkundigt. Er hat sich nur leider nicht als solcher (Mitglied des Seniorenrats) zu erkennen gegeben.“

„Die Stadt bewirbt sich nicht um einen Bürgermeisterposten, sondern Sie“

Eine weitere Frage aus dem Publikum lautet: „Wie wollen Sie Ingelfingen jetzt tatsächlich klimaneutral machen? Bis jetzt haben Sie gesagt: ‚Das sollte man machen.‘ Aber wie? Und gleich die Anschlussfrage: Wie wollen wir das bezahlen?“ Der zweifache Vater Schmitt entgegnet: „Im Kreis gibt es jetzt einen Klimabeauftragten, den Herrn Schröder. Mit dem habe ich über das Klimaschutzkonzept für den Hohenlohekreis gesprochen. Das ist schon wieder überholt, weil das noch auf Basis von 2014 ist, aber darin werden 42 Punkte für die Gemeinden vorgeschlagen, was man tun kann, um eine Stadt klimaneutral zu machen. Ich beschäftige mich mit dem Thema erst seit Kurzem, aber ich weiß schon einmal, dass wir da vom Kreis Unterstützung bekommen. Da wäre es natürlich gut, wenn der Bürgermeister auch im Kreis vertreten wäre, was wir im Moment nicht sind. Da werden die ersten Weichen gestellt. Für Fördergelder, aber auch für Konzepte, an denen man anknüpfen kann.“

Photovoltaik-Flächen sollte nicht auf Kosten von Ackerbau gehen

„Haben Sie noch andere Fragen?“, fragt der Gastgeber Klaus Schmitt in die Runde. Ein Herr mit freundlichem Gesichtsausdruck meldet sich zu Wort: „Herr Schmitt, wie stehen Sie zu Flächen-Photovoltaik?“ – „Ich habe gehört, dass der Armin Müller im Gemeinderat einen tollen Vortrag zu den Vor- und den Nachteilen von Flächen-Photovoltaik für die Landwirtschaft gehalten hat“, erzählt Schmitt. „Klar ist: Flächen-Photovoltaik soll nicht auf Kosten von kostbarem Boden gehen, wo man Nahrungsmittel produzieren kann. Das heißt, es käme ja schon einmal nur eine bestimmte Art von Bodenqualität dafür infrage. In Künzelsau war das ja jetzt ganz groß Thema. Die haben eine Fläche in Mäusdorf genehmigt und eine andere abgelehnt, weil da eben doch wieder ganz unterschiedliche Voraussetzungen waren. Generell finde ich es dann gut, wenn der Boden dafür nicht für kostbarere Anbaugeschichten verloren geht und die Optik nicht massiv gestört wird.“

Schmitt gibt es sich durchweg freundlich, ruhig und diplomatisch

Andere Themen, die ausführlich diskutiert werden, sind vor allem der Stadtpark, Spielplätze und die Idee, neue gastronomische Angebote zu schaffen, beispielsweise auf der Burgruine.

„Das hat aber schon immer gut geendet.“

„Mit kritischen Fragen war ich schon öfter konfrontiert“, sagt der Bürgermeisterkandidat. „Aber das gehört ja auch dazu. Das ist ja auch das gute Recht der Bürger, sich zu informieren und die Dinge, die sie bewegen auch zu fragen. Dafür sind ja diese Bürgergespräche gedacht. Das hat aber immer gut geendet.“

Text: Priscilla Dekorsi

Klaus Schmitt mit seiner Frau bei einer Wahlkampfveranstaltung im Hotel Nicklass am 21. April 2022. Foto: GSCHWÄTZ

Klaus Schmitt, Bürgermeisterkandidat in Ingelfingen, bei einer Wahlkampfveranstaltung in Ingelfingen. Foto: GSCHWÄTZ




Ingelfingens Bürgermeister fühlt sich von der Presse ungerecht behandelt

Nachdem wir schon mehrfach über den Bürgermeisterkandidaten Klaus Schmitt berichtet haben, hätten wir uns sehr gefreut, wenn auch ein Gespräch mit dem amtierenden Ingelfinger Rathauschef Michael Bauer zustande gekommen wäre

Interview abgelehnt

Nun hat Bauer in einer schriftlichen Mitteilung ein Interview während des Wahlkampfes abgelehnt. Eigentlich war es nicht mal ein Interview. GSCHWÄTZ hatte ihm 5 Fragen mit der Bitte um schriftliche Beantwortung per Mail geschickt. Bauer hat dies abgelehnt, weil er befürchtet, dass aufgrund der GSCHWÄTZ-Berichterstattung in der Vergangenheit über ihn kein fairer und sachlicher Artikel herauskommen werde.

Gerichtsverfahren wegen Nötigung

GSCHWÄTZ hat in der Vergangenheit unter anderem über das schlechte Verhältnis von Michael Bauer zum TSV-Vorstand Bernd Bauer und zum Faschingskomittee berichtet. Auch sein Gerichtsverfahren (und Verurteilung) wegen Nötigung bezüglich einer Ingelfinger Einwohner:in war Thema unserer Berichterstattung. Hierauf hat er bei einer öffentlichen Veranstaltung in Ingelfingen gedroht, die Redaktion zu verklagen.

Auch mehrere Gemeinderäte seien in den vergangenen Jahren unter anderem wegen seines Verhaltens hinter den Kulissen aus dem Gemeinderat ausgetreten. Das Verhältnis zu Bürgermeistern in den Nachbargemeinden ist mehr schlecht als Recht. Aus dem Kreistag ist er ausgeschieden.

Leider hat Michael Bauer diese Möglichkeit nie wahrgenommen

Die Redaktion hat Michael Bauer bei jedem dieser Themen stets um eine Stellungnahme gebeten, damit er seine Sicht der Dinge schildern kann. Leider hat Michael Bauer diese Möglichkeit nie wahrgenommen. Stattdessen hat er die Gelegenheit genutzt, um bei einer Gastpredigt in der Kirche in Dörrenzimmern, GSCHWÄTZ zu diffamieren. Ein Gesprächsangebot im Nachgang hat er abgelehnt.

In einem anderen Fall hat er seinen Anwalt eingeschaltet, damit wir über ein gewisses Thema nicht mehr schreiben.

Anschuldigungen, Drohungen, Unter Druck setzen. Im Wahlkampf derzeit soll er wohl aber derzeit sehr nett sein.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann




„Ein Bürgermeister ist für die Menschen da und nicht umgekehrt“

Nicht mal einen Monat bleibt den Kandidaten noch Zeit, die Ingelfinger von sich als Rathauschef zu überzeugen. Seit Montag, den 11. April 2022, ist klar: In Ingelfingen bewerben sich Klaus Schmitt und der amtierende Bürgermeister Michael Bauer um das Amt. Während Niedernhall nur einen Kandidaten hat: den amtierenden Bürgermeister Achim Beck. Auch im Nachbarstädtchen Niedernhall wählen die Einwohner:innen am 08. Mai 2022 ihren neuen Rathauschef.

„Ich bin froh, dass ich mich beworben habe“

Dr. Sandra Hartmann hat mit Ingelfingens Bewerber Klaus Schmitt gesprochen, wie seine nächsten Wochen ausschauen.

GSCHWÄTZ: Wie geht es Ihnen am heutigen Tag, nachdem nun klar ist, dass es keinen weiteren Bewerber um das Amt des Ratshauschefs in Ingelfingen geben wird?

„Keine Chance auf einen Wechsel“

Schmitt: Nachdem es keine weiteren Mitbewerber gibt, bin ich umso mehr froh, dass ich mich beworben habe. Sonst wäre Herr Bauer der einzige Kandidat und damit hätte Ingelfingen keine Chance auf einen Wechsel gehabt.

GSCHWÄTZ: Warum wünschen Sie sich einen Wechsel für Ingelfingen?

Schmitt: Weil ich der Meinung bin, dass in Ingelfingen in den vergangenen 16 Jahren zwar viele Dinge angegangen wurden, aber es gibt darüber hinaus viele Projekte, die der Aufmerksamkeit wert sind, auch wenn es keine Fördergelder dafür gibt.

GSCHWÄTZ: Welche Projekte zum Beispiel?

Die Kindergärten zum Beispiel. Im Kindergarten Pusteblume etwa gibt es Risse in den Decken, im Boden, an den Wänden. Die Stadtverwaltung hat hier bislang nichts unternommen.

GSCHWÄTZ: Wie schauen nun bei Ihnen die nächsten Wahlkampfwochen aus bis zur Wahl am 08. Mai 2022?

„Der Fokus liegt in den Teilorten“

Schmitt: Der Fokus liegt auf den Teilorten, um dort näher auf die Themen einzugehen, die die Menschen interessieren. Ich war vorher schon in Gesprächen mit den Menschen und habe Ortsbegehungen gemacht und freue mich auf weitere Dialoge. Bislang habe ich sehr viele positive Rückmeldungen für meine Kandidatur bekommen. Viele Menschen sind frustriert, dass ihr Engagement nicht entsprechend gewürdigt wird, dass Dinge immer wieder zurückgestellt werden. Bei der Zusammenarbeit zwischen der Stadt und anderen Organisationen oder den Teilorten kann man noch einiges verbessern. Ich war gestern bei Gemü und habe gefragt, was sie von einem Bürgermeister erwarten, ich bin im Gespräch mit Kirchenvertretern, mit den Vereinen. Weitere Gespräche mit Wirtschaftsvertretern sind vorgesehen mit dem Fokus darauf, wir man als Team Ingelfingen stärken kann.

GSCHWÄTZ: Herr Bauers Plakate kann man schon überall sehen. Wo sind ihre?

Schmitt: Die kommen demnächst. Die Flyer haben meine Frau und bereits in jeden Briefkasten in Ingelfingen und den Teilorten verteilt. Vier Tage bei Eis und Schnee im April. Aber dadurch haben wir auch viele Rückmeldungen von Einwohner:innen bekommen.

GSCHWÄTZ: Haben Sie auch gemeinsame Wahlkampfauftritte mit Herrn Bauer?

Schmitt: In jedem Teilort gibt es gesonderte Einzeltermine von mir, bis auf den 28. April 2022 in der Turnhalle in Ingelfingen um 19 Uhr. Das ist eine städtische Veranstaltung. Da sind wir gemeinsam vor Ort.

GSCHWÄTZ: Haben Sie seit Ihrer öffentlichen Kandidatur mit Herrn Bauer persönlich gesprochen?

Schmitt: Nein, bislang nicht.

„Auf mein Wort kann man sich verlassen“

GSCHWÄTZ: Was unterscheidet Sie von Herrn Bauer?

Schmitt: Letzten Endes möchte ich gar nicht so sehr auf die Unterschiede schauen, sondern mehr darauf, was mich ausmacht. Ich gehe auf die Menschen zu, auf mein Wort kann man sich verlassen, ich möchte hören, was die Einwohner:innen brauchen, um daraus eine gute Politik zu machen. Ein Bürgermeister ist für die Einwohner:innen da und nicht umgekehrt. Dafür stehe ich.

GSCHWÄTZ: Was würde Ihr erstes großes Projekt sein, wenn Sie gewählt werden würden?

Schmitt: Ich habe von einem Bürgermeister den Rat bekommen, die Sachen langsam anzugehen. Ich würde mir daher erst einmal von der Verwaltung und den Prozessen ein Bild machen und mit den Menschen ins Gespräch kommen wollen, wo sie noch Verbesserungsvorschläge hätten. Und dann kommen die ersten Projekte, wie etwa die Erneuerung der Spieplätze, da wo es nötig ist, und eine vertiefende Kommunikation mit den Teilorten.

 




Nicht alles, womit er wirbt, hat er in die Tat umgesetzt

Eine Nummer größer hätte sein blauer Anzug sicher auch gut ausgeschaut. Nun hängt er überall auf Wahplakaten in Ingelfingen. Der amtierende Bürgermeister Michael Bauer möchte am 08. Mai 2022 gerne wiedergewählt werden von seinen Einwohner:innen. Derzeit gibt es einen Gegenkandidaten, Klaus Schmitt (wir berichteten), ebenfalls aus Ingelfingen-Lipfersberg. Die beiden sind quasi Nachbarn.

Viel gemeinsam haben sie indes nicht

Viel gemeinsam haben sie indes nicht. Während Klaus Schmitt Aufbruchsstimmung in dem kleinen Kocherstädtchen verbreiten möchte und mit mehr Kommunikation und Transparenz wirbt, betont Michael Bauer – wie viele seiner Bürgermeisterkollegen, wenn sie wiedergewählt werden möchten – wie viel denn schon gemeinsam geschafft wurde in den vergangenen – in diesem Fall 16 – Amtsjahren. „Gemeinsam viel erreicht“ heißt denn auch sein Wahlslogan. Darunter listet Bauer in einem Faltflyer diverse Erfolge der vergangenen Jahre auf. Etwa den Neubau der Heinrich-Ehrmann-Halle und die Platzgestaltung des Fritz-Müller-Platzes in der historischen Altstadt, ebenso wie den Wochenmarkt, den es dort seit einigen Jahren gibt sowie den Breitbandausbau. All die Errungenschaften, die er in seinen Augen erreicht hat, kann man in dem untenstehenden Flyer nachlesen, den wir hier vollständig abdrucken.

Nicht alles, womit er wirbt, hat er bereits in die Tat umgesetzt

Man muss jedoch sagen, das nicht alles bisher in die Tat umgesetzt wurde, was darin als Erfolg verbucht wird, etwa den Breitbandausbau. Derzeit wirbt die Stadt Ingelfingen und auch Bürgermeister Bauer mit dem privaten Glasfaseranbieter Giganetz, der bei einer Beteiligung der Ingelfinger Haushalte von 35 oder mehr Prozent, den Glasfaser-Ausbau für die Stadt vornimmt. Also: Erledigt ist da noch nichts und zahlen tut es, wenn es nach Bauer geht, am liebsten ein privater Investor, nämlich Giganetz. Das wäre für die Stadt das Günschtigschte, wie Bauer in einer Gemeinderatssitzung Anfang des Jahres 2022 betont – womit er sicher nicht Unrecht hat, aber den Breitbandausbau als bereits geleisteten Erfolg in einen Flyer zu packen, scheint doch etwas übertrieben. Und wer als ein weiterer Erfolg einen Wochenmarkt auflistet, nun gut.

Wochenmarkt als weiterer Erfolg

Die größten Erfolge in seiner Amtszeit sind sicherlich die Sanierung der Georg-Fahrbach-Schule und der Sporthallenneubau. Das war und ist für Ingelfingen, für Bildung und Sport, sehr wichtig. Das ist Lebensqualität und macht die Attraktivität einer Stadt aus. Aber es bleibt nicht zu vergessen, dass beim Sporthallenneubau und den dazugehörigen Planungen vieles auch ehrenamtlich vom TSV gestemmt und mitgestaltet wurde. Es gab hinter den Kulissen deswegen und wegen diversen anderen Dingen viele Konflikte. Eine normale Kommunikation ist hier kaum mehr möglich.

Einwohner:innen vor vollende Tatsachen gestellt

Mit der Schule und der Schulleitung indes arbeitete und arbeitet Bauer sehr eng und gut zusammen. In anderen Bereichen wie in der Wirtschaft, bei Kultur und Sport von diversen Gemeinderäten hört man des Öfteren ein Wehklagen, dass mit ihm nicht gut Kirschen essen sei, wenn man nicht mit seiner Meinung einhergeht. Bauer sei nachtragend, habe ein Freund-Feind-Denken und nicht selten geschehen Taten vor der Kommunikation wie jüngst in Eberstal, als die Einwohner:innen vor vollendete Tatsachen gestellt wurden beim Abholzen von altem Baumbestand (wir berichteten).

Gewerbegebiet in Stachenhausen liegt schon seit längerem im Dornröschenschlag

Im Flyer stehen auch Dinge, die sich Bauer als Erfolg verbucht, aber andere Einwohner:innen, darunter auch Gemeinderäte, nach wir vor vermissen und sich mehr wünschen, etwa „die Erschließung von Gewerbeflächen“. Stachenhausen etwa liegt schon seit längerem im Dornröschenschlaf. Manchmal stimmt seine Selbstwahrnehmung und Selbsteinschätzung nicht mit der Fremdwahrnehmung seiner Umgebung überein, nicht nur in diesem Punkt.

In den „Senkel gestellt“

Bauer präsentiert sich in seinem Flyer auch mit seinem Enkel, quasi als Familienmensch. Aber auch hier stehen seine Taten in der Vergangenheit nicht gerade überzeugend für die eines Familienmenschen. Kommunikation mit anderen auf Augenhöhe, damit tut er sich im Allgemeinem immer wieder schwer. Man erinnere sich nur an den Vorfall, als er seinen Hund nicht unter Kontrolle hatte und eine Katze dabei sterben musste oder als er eine Autofahrerin in den, wie sagt man so schön, „Senkel gestellt“ hat und vor Gericht dafür sogar verurteilt wurde.

Was ein sehr gutes Licht auf ihn wirft, ist aber eine solide Haushaltsführung in und für Ingelfingen. Seine Finanzen hat er im Griff.

Text: Dr. Sandra Hartmann

 




„Man kann ja nicht nur meckern und nichts tun“

Dr. Sandra Hartmann hat Klaus Schmitt zum Videointerview in Ingelfingen getroffen. Der Bürgermeisterkandidat, der den amtierenden Bürgermeister Michael Bauer herausfordert, möchte in Ingelfingen einiges verändern und hat dafür auch schon konkrete Pläne.

„Das hat mir richtig gut getan“

GSCHWÄTZ: Heute habe ich mich im Kurpark in Ingelfingen verabredet, mit Klaus Schmidt. Der zweifache Familienvater und Unternehmer hat seinen Hut in den Ring geworfen um das Amt des Bürgermeisters in Ingelfingen.

Klaus Schmitt: Ich grüße Sie.

GSCHWÄTZ: Sie haben ja am Samstag, den 5. März, den Briefumschlag eingeworfen zur Wahl. Wie ging es Ihnen dabei bei diesem Augenblick?

Klaus Schmitt: Das mir richtig gut getan, weil jetzt diese ganze Anspannung, die vorher da war, weggefallen ist. Die ganzen Überlegungen sind jetzt auf einmal abgefallen. Das Kuvert war drin und ich habe mich an dem Tag richtig gefreut, dass es jetzt losgeht in den Wahlkampf.

GSCHWÄTZ: Wie lange haben Sie denn überlegt, ob Sie kandidieren sollen?

Klaus Schmitt: Ach, da habe ich mir schon einige Monate den Kopf zerbrochen. Aber letztendlich ist es so: Man kann ja nicht nur meckern und nichts tun. Wenn man was bewegen will, muss man halt auch Verantwortung übernehmen.

Wichtig ist den Bürger:innen der Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen vor Ort

GSCHWÄTZ: Kommunikation ist ja ein großer Begriff Ihres Wahlkampfes, der jetzt nun anläuft, auch wenn es mit Corona etwas schwieriger ist, diverse Veranstaltungen zu machen, diverse Menschen zu treffen. Aber sie haben schon die Fühler ausgestreckt, sie haben mit diversen Bürger:innen gesprochen, auch mit Unternehmern von hier . Gestern haben Sie zu einem digitalen Frühschoppen eingeladen, mit Gemeinderäten und mit Ortsvorsteher. Was konnten Sie denn bisher heraushören, was die Bürger:innen sich von Ihrem künftigen Bürgermeister erwarten?

Klaus Schmitt: Die Themen sind natürlich sehr breit gestreut, aber Stabilität, Erhalt und Schaffung neuer Arbeitsplätze war ein ganz wichtiger Punkt, der sich da herauskristallisiert hat. Das wird ein Riesenthema sein, das voranzubringen. Und die zweite Sache, das sind eher so diese Lebensumstände in Ingelfingen. Wir sind ja hier im Stadtpark. Die Bürger:innen sind ein bisschen traurig, dass der Stadtpark nicht mehr dieses Ambiente bietet, wie es früher mal war. Und ich glaube, da hat man ganz viel Potenzial, noch was Neues zu schaffen. Angefangen von der Bewirtung, dass man hier auch mal verweilen kann, dass man hier mal einen Kaffee trinken kann bis hin zu einem Spielplatz für die Kinder, wo man den Bachlauf nutzen könnte, um hier auch für die Kinder und ihre Eltern hier einen Platz zu schaffen, wo man länger sich aufhält, wo man einfach auch den Park genießen kann. Es ging um die Boule-Bahn, wie man die noch beleben kann, auch mit Veranstaltungen und bis hin zu Platzkonzerten, die es früher mal gab.

Mariannenstraße muss angegangen werden

GSCHWÄTZ: Nur unweit von diesem Stadtpark befindet sich ja die schöne Mariannenstraße. Auch die war gestern Thema bei dem digitalen Frühschoppen. Es gibt ja auch viele Gemeinderäte, die noch ein Geschäft in Ingelfingen haben sich dementsprechend auch Gedanken machen um, ja, man könnte schon fast sagen, eine Wiederbelebung der Mariannenstraße.

„Das muss jetzt was passieren“

Klaus Schmitt: Absolut. Das ist, ich habe es gestern schon mal erwähnt, ein Thema, wo ich glaube, da muss man mittelfristig denken, es gibt bestimmt Dinge, die kann man sofort angehen. Aber bei der Mariannenstraße muss man eher mittelfristig denken. Was ich aber so vom Gefühl her sagen würde, ist, dass vieles auf Eis liegt, weil man auf Fördergelder wartet. Da frage ich mich, ob das die richtige Strategie ist für die Wiederbelebung ist, weil das ja eigentlich schneller gehen muss. Je länger so ein Geschäft leer steht, umso geringer die Chancen, dass da noch jemand reingeht. Und wenn ich jetzt an Frau Turber denke, wo absehbar ist, dass sie nur noch bis Ende 2022 ihr Geschäft betreibt, müsste man sich jetzt um die Nachfolge kümmern, auch um die Räumlichkeiten, die eigentlich gar nicht mehr gehen. Da gibt es nur Elektroöfen und dann friert man sich vorne an der Theke die Füße ab. Das sind so Dinge, wo ich sage, da kann ich doch nicht warten, bis Fördergelder da sind. Da muss jetzt was passieren.

GSCHWÄTZ: Viele Altbauten in der Innenstadt sind ja stark sanierungsbedürftig. Auch das Thema Spielplätze bewegt die Ingelfinger.

Klaus Schmitt: Im Neubaugebiet auf dem Lipfersberg, wo ich wohne, gibt es gar keinen Spielplatz mehr. Das ist so ein Beispiel, wo die Schaukeln verschwanden und am Schluss dann gar nichts mehr da war.

Thema Spielplätze

GSCHWÄTZ: Woran liegt das? Wissen Sie das?

Klaus Schmitt: Es ging wohl auch um die Bewirtschaftung und dass die Geräte alt waren und man hätte neue kaufen müssen oder platzieren müssen. Und dann hat man gesagt, wegen den paar Kindern brauchen wir das nicht. Das Gelände wurde ja zur Verfügung gestellt von einem, der das sogar gemäht hat. Ich finde es einfach schade. Bei anderen Spielplätzen gibt es wohl ähnliche Situationen, dass die Geräte einfach nicht gewartet und zu alt sind. Das kann man doch mal anpacken. Was mir aber sehr am Herzen liegt, dass diese Ideen nicht nur von mir kommen, sondern auch von dern Bürger:innen der Stadt.

GSCHWÄTZ: Seit 22 Jahren leben Sie mit Ihrer Familie schon hier in Ingelfingen. Wo sehen Sie denn das Kocherstädtchen in fünf Jahren?

Ausbau Gewerbegebiet Stachenhausen

Klaus Schmitt: Zum einen ist es, glaube ich, als Bürgermeister ganz wichtig, die Arbeitsplätze auszubauen. Wir haben das Industriegebiet in Stachenhausen, wo Leute gerne was eröffnen würden oder könnten, wenn man nicht so passiv abwarten würde, bis genügend da sind, sondern vielleicht auch mal in Vorleistung gehen würde, das Gebiet erschließen und dann die Bauplätze auch progressiv anbieten. Das wäre ein ganz wichtiges Thema, dass man Arbeitsplätze schafft und dass man natürlich auch den Menschen, die hier arbeiten wollen, Wohnraum zur Verfügung stellt. Das sind so Themen, die mich antreiben, die mich interessieren und wo ich aber nicht alleine lösen kann, da braucht es die Mitwirkung der Bürger. Und das ist mir ein ganz, ganz großes Anliegen, die Leute abzuholen, zu involvieren in den Prozess. Wie kann man das voranbringen? Ich bin ja nicht Jesus, ich habe nicht alle Antworten parat, aber gemeinsam, da bin ich mir sicher, kriegen wir da gute Lösungen hin.

Teilorte mehr einbinden

GSCHWÄTZ: Es gibt ja diverse Teilorte hier, die manchmal auch das Gefühl hatten, in den vergangenen Jahren so ein bisschen auf eine Nebenstraße zu fahren. Ist es auch ihr Wunsch, diese wieder besser an die Kernstadt anzubinden?

Klaus Schmitt: Auf jeden Fall. Ich kriege ja in den Gemeinderatssitzungen mit, dass da Entscheidungen gefällt werden, wo Tatsachen geschaffen werden und die Leute das einfach dann hinterher schlucken müssen. Und das finde ich katastrophal. Das geht gar nicht. Wir haben das Beispiel in Eberstal, wo Bäume gefällt wurden und der Ortsvorsteher von nichts wusste. Das ist ein No Go.

Bessere Kommunikation mit den Nachbargemeinden Künzelsau und Niedernhall

GSCHWÄTZ: Auch mit den Nachbargermeinden hat Ingelfingen derzeit nicht allzu viel zu tun, mit Künzelsau, mit Niedernhall, mit Weißbach. Sie waren jetzt letztens erst mit Bürgermeister Bernd Herzog von Waldenburg im Gespräch.

Klaus Schmitt: Ja, weil mich das Thema interessiert hat mit einer gemeinsamen Kläranlage. In einer Gemeinderatssitzung habe ich gehört, dass man vielleicht mit Kupferzell und Waldenburg was machen möchte. Da habe ich mich gefragt: Kann das Sinn machen, dass man Abwässer über so viele Kilometer pumpt? Da würde ich gerne mit den Nachbarbürgermeistern nochmal ins Gespräch kommen wollen, ob es hier nicht eine bessere Lösung geben könnte.

TSV

GSCHWÄTZ: Auch sportliche Kooperationen mit den Nachbargemeinden gab es früher wesentlich mehr, Stichwort Fußball oder TSV im Allgemeinden. Zudem gibt es unvorteilhafte Wege für Kinder und Jugendliche, um auf den Sportplatz zu kommen und dann wieder zurück zu den Umkleidekabinen. Da gilt es, die Landesstraße zu überqueren. Ein neues Sportheim, das ja schon seit Jahren gewünscht wird, aber nicht erfüllt wird. Sind das alles Projekte, die relativ einfach von der Umsetzung sind oder denken Sie, dass es schon auch schwierig wird, diese Projekte anzugehen?

Klaus Schmitt: Ich denke, dass es schwierig wird, aber lösbar und man muss sie halt anpacken. Man muss den Willen haben, hier eine Lösung zu finden und sich mit den Leuten an einen Tisch setzen. Denn es gibt ja auch durchaus hier Interessenskonflikte und da gilt es, die Leute an den Tisch zu holen. Da sehe ich meine Rolle als Bürgermeister. Ich muss derjenige sein, der die Initiative ergreift, der sagt: Kommt, Fakten auf den Tisch, was brauchen wir? Wo hängt es, wo hapert es jetzt und wie können wir das lösen? Dann bin ich sicher, gibt es da auch Lösungen zu finden.

Kochen und Gärtnern gehört nicht zu seinen Stärken

GSCHWÄTZ: Jetzt haben wir lange über Ihre Kompetenzen gesprochen. Aber sicher haben Sie doch auch ein paar Schwächen.

Klaus Schmitt: Also Sie meinen jetzt so Dinge wie, dass ich nicht kochen kann und dass ich keinen grünen Daumen habe (lacht).

GSCHWÄTZ: Wer kocht denn bei Ihnen zu Hause?

Klaus Schmitt: Ich habe eine Frau, die kocht so gerne und es ist ihr so ein großes Vergnügen und eine Freude. Ich habe richtig Glück.

GSCHWÄTZ: Ihre Frau ist auch sehr sozial engagiert, abe ich gehört von einigen Bürger:innen.

Klaus Schmitt: Genau. Sie hat zehn Jahre Theater gespielt auf Schloss Stetten. Sie war im Vertrauensrat bei Würth und ist überall, wo Hilfe gebraucht wird, mit dabei. Und was ich zu dem Thema Schwächen noch sagen wollte Ich weiß von mir, ich bin jetzt nicht gerade der geduldigste Mensch. Bei mir muss alles irgendwie in einem überschaubaren Rahmen auch abgeschlossen sein.

Lieblingsplatz Ruine

GSCHWÄTZ: Ihr Lieblingsplatz in Ingelfingen ist die Ruine.

Klaus Schmitt: Ja, denn ich habe sehr schöne Erinnerungen daran, weil wir hier das eine oder andere Fest schon gefeiert haben und auch die Genießertour hier oben war immer sehr schön. Ein fantastischer Ausblick hat man von der Runie, da kommt bei mir immer so ein bisschen Wehmut auf, dass man da nicht mehr draus macht, weil man könnte ja beispielsweise auch in den Sommermonaten das Bewirtschaften, hier eine Art Besenkneipe reinmachen, dass man zumindest in den Sommermonaten hier diese schöne Aussicht genießen kann, wenn es noch lau ist abends und man da ein bisschen beisammensitzen kann.

 




21-Jährige schläft ein, während Essen auf dem Herd in Brand geriet

am Montagabend, den 14. März 2022, schlief eine 21-Jährige ein, während sie Essen auf dem Herd hatte. Die Speisen fingen daraufhin an zu brennen und setzte dadurch die Küchenzeile in Brand, wie die Polizei mitteilte. Zwar wurde die Küche in Mitleidenschaft gezogen, das Feuer breitete sich aber nicht in der restlichen Wohnung aus.

Zwei Fahrzeuge der Feuerwehr, die Polizei sowie der Rettungsdienst waren in der Mariannenstraße im Einsatz. Die beiden Bewohner der betroffenen Wohnung wurden vorsorglich ins Krankenhaus gebracht. Der bei dem Brand entstandene Sachschaden wird auf zirka 20.000 Euro geschätzt.




Knochenmarkspender für Nhomsai aus Ingelfingen gesucht

Vor kurzem haben wir über Nhomsai aus Ingelfingen berichtet, die an akuter myeloischer Leukämie erkrankt ist und derzeit im Diak in Schwäbisch Hall behandelt wird. Ihren ersten Chemoblock hat die Apothekerin und Mutter einer kleinen Tochter gut hinter sich gebracht, im zweiten befindet sie sich gerade. Allerdings ist nun klar, dass sie defintiv einen Knochenmarkspender braucht.

So schreibt sie in ihrem Blog Influcancer:

„Meine Blutwerte aktuell sind ziemlich gut und bei der Knochenmarkspunktion kam 2% Blasten raus – Ziel war unter 5%. Insofern hat die erste Chemo-Therapie sehr gut angeschlagen. Allerdings habe ich heute bei der Visite erfahren, dass man wohl auch eine Fibrose (Vernarbung) im Knochenmark bei mir entdeckt hat– vermutlich war die als erstes da und daraus hat sich die AML entwickelt. Somit ist wohl die Stammzelltransplantation für mich doch notwendig, auch wenn ich bezüglich AML sehr gut auf die Chemo-Therapie anschlage.

Während meiner Zeit zu Hause war ich zusammen mit meinem Bruder ja in Stuttgart zum prophylaktischen Vorgespräch für eine allogene Stammzelltransplantation – das Gespräch war wirklich gut, die Ärztin hat alles toll erklärt und sich viel Zeit für uns genommen. Ich denke da bin ich dann ganz gut aufgehoben.

Leider hat sich mittlerweile herausgestellt, dass mein Bruder als Spender für mich nicht richtig passt, insofern schaut man jetzt nach einer/m Fremdspender*in in der Datenbank. Hier nochmal der Aufruf: Rettet Leben und registriert euch bei der DKMS!!!! Ist wirklich ganz einfach und erstmal total schmerzlos! Und ich habe bei meinem Besuch in Stuttgart auch nach den Gefahren für meine/n potentiellen Spender*in gefragt – das ist wohl wirklich sehr gering und klang durchaus machbar – so dass ich es auch ohne allzu schlechtem Gewissen einer anderen Person zumuten würde und die Spende dann wirklich seeeehr gerne und wahninnig dankbar annehmen werde!!!!! Ihr rettet damit nicht nur das Leben einer einzelnen Person, sondern helft auch deren ganzem Umfeld – Kinder können mit ihren Eltern aufwachsen, Ehepartner bleiben zusammen, Geschwister, Eltern, Freunde verlieren keine Lieben…..“

Anbei der Link, wo man sich einfach und kostenfrei registieren kann, um Leben zu retten: https://www.dkms.de/aktiv-werden/spender-werden

Wer Nhomsai folgen möchte, kann dies auf unterschiedliche Weise tun:

https://www.influcancer.com/blogs/blog-autoren/leukaemut/

https://leukaemut.blogspot.com/2022/02/babysteps-aber-steps.html

https://www.instagram.com/p/CZ7S9Q9NJGK/?utm_medium=share_sheet

 

 

 

 




„Fehlende Kommunikation zwischen Stadt und Firmen“

Zunächst waren die zehn Zoom-Teilnehmer wohl ziemlich überrascht, wenn nicht sogar beeindruckt, über den fein angerichteten Frühstücksteller, den Klaus Schmitt in die Kamera zeigte. Seine Frau habe diese leckeren Häppchen für ihn vorbereitet. Schmitt hatte schließlich nicht umsonst zu einem virtuellen Frühschoppen am Sonntag, den 07. März 2022, Ortsvorsteher und Gemeinderäte von Ingelfingen eingeladen. Die Teilnehmer sollten dabei auch etwas essen und trinken. Mit Tee, Kaffee oder einem Gläschen Wein ging es los, während der Unternehmer und zweifache Familienvater aus Ingelfingen-Lipfersberg sich erst einmal vorstellte, bevor es ans Eingemachte ging.

Schmitt möchte den Informationsfluss verbessen

Und damit war nicht etwa das Essen gemeint. Dem 58-Jährigen wollte hören, was die Menschen in Ingelfingen und den Teilorten bewegt, was ihnen wichtig ist in der Gemeinde und auch, was fehlt.

Eines betonte Schmitt gleich zu Beginn: Er möchte, wenn er denn gewählt werden würde am 08. Mai 2022 zum neuen Rathauschef, den Informationsfluss verbessen. „Wichtig wäre mir ein reger Austausch zwischen Ortschaftsräten, Gemeinderäten und den Bürgern“, etwa in Form von Bürgersprechstunden oder das zu Beginn einer jeden Gemeinderatssitzung Bürger:innen Fragen stellen können. Er trete den Menschen mit viel Wertschätzung entgegen, könne zuhören und möchte die Einwohner:innen bei Entscheidungen mitnehmen anstatt vor vollendete Tatsachen zu stellen, wie unlängst beim Abholzen der Bäume rund um den Grillplatz in Eberstal, das diverse Rentner:innen schockiert hat, die den Grillplatz jahrelang in Eigenregie gepflegt hatten.

Frau Turber hört auf, Biancas Bastewerkstättle als Nachfolge?

Schmitt höre auch immer wieder von Bürger:innen, das sie ausgebremst werden würden, sei es beim Thema Photovoltaik oder bei Restaurants in der Innennstadt. Dabei müsse man Ingelfingen vor allem in der Innenstadt wieder attraktiver machen. Klaus Schmitt sprach in diesem Zuge auch die bevorstehende Schließung von Frau Turbers Schreibwarenladen Ende des Jahres an. Möglich wäre etwa, Biancas Bastelwerkstättle, das derzeit auf dem Lipfersberg beheimatet ist, im Stadtkern eine neue Heimat zu geben. Eine Wiederbelebung der Mariannenstraße, in der bis vor einigen Jahren noch einige kleinere Einzelhändler ihre Läden hatten, wünschen sich ebenfalls einige Zoom-Teilnehmer. „Mein Vater sagt immer: Keine Stadt ist so tot wie Ingelfingen“, sagt Gemeinderat Markus Hammel.

Dr. Sandra Hartmann in der Mariannenstraße in Ingelfingen 2019, als Bürgermeister Bauer daraus eine Einbahnstraße machen wollte, dies aber nicht durchsetzen konnte. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Auch beim Stichwort „Geselligkeit“ und Veranstaltungen gebe es noch „viel Potenzial in Ingelfingen“. Da habe Schmitt auch schon die „ein oder andere Idee“.

Teilweise in die Jahre gekommenen Spielplätze

Ein großes Thema beim virtuellen Frühschoppen waren auch die mancherorts in die Jahre gekommenen Spielplätze in Ingelfingen und den Teilorten. Die seien teilweise ziemlich veraltet, so der Eindruck der Gemeinderätin Kathrin Ehrmann. Ein Wasserspielplatz wäre schon, fehle aber in Gänze. Auch in Lipfersberg etwa, wo Klaus Schmitt selbst wohnt, sei der Spielplatz immer kleiner geworden, obwohl immer mehr Familien in dem Neubaugebiet bauen.

Kunst und Kultur fördern

Ein weiteres großes Thema war der Kurpark, quasi das Herz der 5.500 Einwohner großen Gemeinde. Der Park sei, so Susanne Schmetzers Eindruck, „in einem furchtbaren Zustand“. Als ehemaliger Galerist in Schwäbisch Hall könnte Klaus Schmitt sich vorstellen, Skulpturen in den Kurpark von örtlichen Unternehmern zu stellen, ein Parkcafé würde die Attraktivität steigern und Veranstaltungen mit der Kulisse des Schlosses würden sich hier anbieten. „Kunst und Kultur fördern“, auch das liegt dem Bürgermeisterkandidaten am Herzen, um die Menschen auch von ausserhalb wieder nach Ingelfingen locken. Dies sei bereits mit kleinen Mitteln möglich. So werde die neue Minigolfanlage im Ort, die weit und breit einmalig sei, nach aussen kaum beworben. Neue Bücher für die Stadtbücherei wären ebenfalls von Nöten. Um den Bouleplatz Kurpark bespielen zu können, wären Boulekugeln zum Ausleihen praktisch.

Ingelfingen. Foto: Gülay Sween.

Auch eine Plattform „Ingelfingen hilft Ingelfingen“ könnte sich Kommunikationstrainer Schmitt vorstellen. Bürger:innen helfen Bürger:innen, Einkäufe zu erledigen, mit dem Hund Gassi zu gehen. Eine Plattform des Austausches und des Miteinanders solle so entstehen.

Für Gewerbetreibende hat das Baugebiet in Stachenhausen viel Potenzial

Gemeinderätin Karin Hagdorn warf kritisch ein, dass das nun alles ja „soft skills“ seien und wollte von Klaus Schmitt wissen: „Wo würden Sie die Entwicklung in Ingelfingen sehen hinsichtlich der Arbeitsplätze?“ Der gelernte Maschinenschlosser Schmitt antwortete: Den teilweisen Wegzug von Gemü finde ich sehr schade. Das sollte nicht einreissen.“ Hier sollte es mehr Gespräche, mehr Angebote an Firmen geben. Gemeinderätin Susanne Schmezer warf ein: „Wir haben hier ja ein Baugebiet für Gewerbetreibende, das viel Potenzial hat: in Stacehenhausen“, auch und vor allem für kleinere Unternehmen. Auf diesem Gebiet verweilen tatsächlich bereits seit Jahren lediglich eine Handvoll Firmen, weil die Stadtverwaltung Ingelfingen es noch nicht weiter erschlossen hat. Auch sei „eine fehlende Kommunikation zwischen Stadt und Firmen“ festzustellen, so Markus Hammel.

„Fehlende Kommunikation zwischen Stadt und Firmen“

Schmezer ergänzt in diesem Zug: „Die Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen hat in den vergangenen Jahren stark gelitten. Hier wären Synergien zwingend notwendig.“ Schmitt erwiderte darauf hin, dass er bereits Gespräche mit Waldenburgs relativ neuem Bürgermeister Bernd Herzog geführt habe.

Weitere Themen waren die Digitalisierung, die vorangetrieben werden müsse, das innerörtliche Bauen und die dringende Sanierung der Bestandsgebäude im Stadtkern, Umwelt (wie kann Ingelfingen klimaneutral werden?), Kommunikation, Bürgernähe, Sanierungsbedarf bei diversen Kindergärten wie etwa am Breter, das lang ersehnte neue Vereinsheim mit Umkleidekabinen für den Fußballverein des TSV. Fazit: Es gibt viel zu tun. Aber es gibt auch viele Menschen, allen voran Klaus Schmitt, die Lust haben, diese Themen anzugehen.

Bis Montag, den 11. April 2022, 18 Uhr, können sich Interessierte noch bewerben um das höchste Amt in Ingelfingen.

Text: Dr. Sandra Hartmann

Ingelfingen. Foto: Gülay Sween.




„Ich bin dankbar“

Den 12. Januar 2022 wird Nhomsai Hagen aus Ingelfingen wohl nie vergessen. An diesem Tag erhielt die 33-Jährige die Diagnose akute myeloische Leukämie (AML). Das ist eine bösartige Erkrankung des blutbildenden Systems (Blutkrebs), bei der eine frühe Vorstufe einer myeloischen Zelle entartet und sich unkontrolliert vermehrt. Zu den myeloischen Zellen gehören die roten Blutkörperchen, Blutplättchen und ein Teil der weißen Blutkörperchen. Dr. Sandra Hartmann hat mit Nhomsai ein Interview in der Redaktion GSCHWÄTZ in Künzelsau geführt, als sie zwischen zwei Chemoblöcken Ende Februar 2022 zu Hause in Ingelfingen war. An die Verkündung der Hiobsbotschaft erinnert sie sich noch gut zurück.

„Mir war klar, dass etwas absolut nicht stimmt, aber ich habe wirklich sehr lange nicht an Krebs gedacht“

Nhomsai: Einige Ärzt:innen kamen in mein Zimmer, die eine hat sich als Oberärztin der Onkologie vorgestellt und gesagt, dass sie leider keine guten Neuigkeiten hat. Bei dem Wort „Onkologie“ bin ich in Tränen ausgebrochen. Das ging mir schon ziemlich nahe. Vorher habe ich tatsächlich immer gedacht, das ist „nur“ ein akuter Eisenmangel oder ein akuter Vitamin-B-Mangel. Mir war klar, dass etwas absolut nicht stimmt, aber ich habe wirklich sehr lange nicht an Krebs gedacht, dieser Gedanke kam tatsächlich erst kurz vor der Diagnose.

Nhomsai ist approbierte Apothekerin, verheiratet und hat eine 1,5-jährige Tochter. Geboren ist sie in Zimbabwe, ihre Eltern, besonders ihre Mutter, ist dort bis heute sehr engagiert. „Nhomsai“ bedeutet „Dankbar sein“.

Auf dem einen Auge begann sie, schwarze Flecken zu sehen

Bevor Nhomsai die Diagnose im Krankenhaus in Schwäbisch Hall bekam, gingen Monate der Ungewissheit voraus. Sie fühlte sich nach ihrem Zimbabwe-Urlaub im Oktober 2021 alles andere als fit, ging aber zunächst von einem „Winterblues“ aus. Im Dezember 2021 verschlechterte sich ihr Zustand, das Treppenlaufen fiel ihr zunehmend schwer, sie war blass. In ihrem Blog schrieb sie dazu: „Ich musste nach einem Stockwerk Pause machen, um zu Atem zu kommen. Habe nachmittags zwei bis vier Stunden zusätzlich geschlafen. Keinen Appetit. Als hätte man mir den Stecker gezogen.“ Auf dem einen Auge begann sie, schwarze Flecken zu sehen. Ihr Augenarzt tippte auf Netzhauteinblutungen. Als ihre Hausärztin aus dem Urlaub zurück war, wurde ein Blutbild gemacht, das sehr auffallend war. Nach den ersten Blutergebnissen ging es direkt ins Krankenhaus. Zwei Tage später erhielt sie die Diagnose. Danach rief sie erst ihren Mann an, danach ihren Bruder, der Arzt ist.

Nhomsai: Es war für alle ein Schock. Aber es war auch gut, dass nun Klarheit herrschte, was mit mir los ist. Ich bin  im Krankenhaus und jetzt wird etwas dagegen unternommen. Diese Woche nach Silvester, als meine Hausärztin im Urlaub war und ich aber einfach wusste, es stimmt was nicht, diese Ungewissheit war schlimmer.

„Egal was rauskommt oder wie das ausgeht, ich muss schauen, dass es zumindest nicht umsonst war“

GSCHWÄTZ: Du bist auch sehr rational an die Sache rangegangen beziehungsweise das machst du ja immer noch. Liegt es daran, dass Du berufsbedingt auch vieles einfach auf medizinischer Ebene betrachtest?

Nhomsai: Ich bin vom Typ her sehr rational und mein Mann auch. Ich habe ja Pharmazie studiert und er Elektrotechnik. Mein erster Gedanke nach der Diagnose war tatsächlich: Jetzt habe ich wenigstens eine Diagnose und es kann losgehen mit der Behandlung. Tatsächlich war auch einer meiner ersten Gedanken, egal was rauskommt oder wie das ausgeht, ich muss schauen, dass es zumindest nicht umsonst war.

GSCHWÄTZ: Dass es einen Sinn hat. Du hast ja daraufhin auch begonnen, einen Blog zu schreiben, der heißt „Leukaemut“ auf der Seite Krebsblogger-Seite Influcancer. Damit informierst Du ja nicht nur über diese Krankheit, sondern bist bestimmt auch ein Vorbild für viele, weil du so eine unglaublich starke, positive Einstellung hast. Unter anderem hast Du dort etwas sehr bewundernswertes geschrieben, nämlich, dass Du dankbar bist. (Anm. d. Red.: Nhomsai bedeutet ebendies: dankbar sein).

„Bei jedem Eintrag Rotz und Wasser geheult“

Nhomsai: Ja, der Hintergrund zu dem Blogschreiben ist, dass eine Stufenkameradin vor Jahren einen Blog angefangen hat, als sie ihr todkrankes Kind palliativ begleitet hat. Das habe ich mitverfolgt und bei jedem Eintrag immer Rotz und Wasser geheult und gedacht: Mein Gott, wie gut geht es mir eigentlich? Zu dem Zeitpunkt war ich schwanger. Ich bin so dankbar, ein gesundes Kind zu haben. In meinem Leben lief alles bislang immer reibungslos, toller Mann, tolles Kind, toller Job, tolles Haus. Ich wusste, irgendetwas muss jetzt kommen und habe einfach nur gehofft, dass es nicht meinen Mann oder mein Kind trifft.

Nhomsai war bereit, auch relativ neue Medikamente auszuprobieren, die erst seit vier Jahren in Europa zugelassen sind

Nach der Diagnose ging es direkt nahtlos über in die Chemotherapie. Nachmittags erhielt Nhomsai die Diagnose, abends startete die Chemo im Diak in Schwäbisch Hall. Parallel dazu lief die Diagnostik, um welche Art Blutkrebs es sich genau handelte, um die Behandlung besser anzupassen. Knochenmarkspunktion, Laborauswertung, genetische Untersuchungen. In den vergangenen Jahren hat sich viel getan in der Krebstherapie. Auch im Bereich der Leukämie. Nhomsai war bereit, auch relativ neue Medikamente auszuprobieren, die erst seit vier Jahren in Europa zugelassen sind, aber auf ihren spezifischen Mutationstyp passen.

Ihre kleine Tochter hat sie während ihres ersten Krankenhausaufenthaltes fünf Wochen nicht gesehen

ine klassische Chemotherapie richtet sich gegen alle sich schnell teilenden Zellen. Abericht nur Krebszellen teilen sich schnell, sondern eben auch andere Zellen, wie Zellen der Schleimhäute. Daher werden diese ebenfalls bei einer Chemotherapie angeriffen. Nhomsai erhielt nun zusätzlich auch eine gezieltere Krebstherapie, die sich nur gegen die Krebszellen richtet. Nhomsais erster „Chemoblock“ dauerte drei Wochen. In der ersten Woche bekam sie rund um die Uhr Infusionen mit Medikamenten (klassische Zytostatika, spezifisch für sie, auch hinsichtlich ihrer Größe und ihres Gewichts, in der Apotheke am Krankenhaus hergestellt), die sich gegen alle schnell teilendend Zellen, unter anderem die Krebszellen richten. Die anderen beiden Wochen musste sie relativ große Kapseln morgens und abends schlucken. Eine derartige Krebstherapie richtet sich gezielt an die Krebszellen und ist erst seit ein paar Jahren in Deutschland auf dem Markt. Diese Therapie kostet, so Nhomsai, fast 600 Euro am Tag, was die gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland übernehmen. Die befürchtete Übelkeit blieb aus. Ihre schulterlangen, hellbraunen Haare verlor sie. Als sie die ersten Haarbüschel in den Händen hielt, bat Nhomsai ihren Ehemann, ihre Haare komplett abzurasieren. Die Mundschleimhaut war entzündet und sie bekam Blutbläschen unter der Zunge. Im Februar 2022 war sie zwei Wochen zu Hause. Anfang März 2022 kommt der zweite Chemoblock. Während der Zeit zu Hause haben wir das Interview mit Nhomsai in der Redaktion geführt. Sie kam mit dem Elektrofahrrad von Ingelfingen nach Künzelsau geradelt und fühlte sich viel besser, als vor der Chemo. Ein erster großer Erfolg. Ihre kleine Tochter hat sie zuvor während ihres Krankenhausaufenthaltes, auch als ihr Immunsystem zu schwach war, fünf Wochen lang nicht gesehen.

Nhomsai: Wir haben dank WhatsApp jeden Tag per Video miteinander telefoniert, das hat auch gut funktioniert und das war sehr schön.

GSCHWÄTZ: Aber es war schon auch hart für dich beziehungsweise euch, so lange getrennt zu sein, oder?

„Ich hatte manchmal das Gefühl, ich muss mich zum Teil fast schon rechtfertigen, dass ich so positiv da rangehe“

Nhomsai: Das war schon hart, aber es ging nicht anders und es klappte auch ganz gut. Anfangs haben wir zweimal täglich miteinander telefoniert. Ansonsten kriege ich halt Videos. Da waren zum Glück auch alle ganz, ganz toll. Mein Mann, meine Schwiegereltern und meine Eltern, die sich dann viel um meine Tochter gekümmert haben und von ihr für mich viele Videos gedreht haben.

GSCHWÄTZ: Du hast eine unglaublich positive Einstellung.

Nhomsai: Es bleibt mir nichts anderes übrig (lacht). Ich hatte manchmal das Gefühl, ich muss mich zum Teil fast schon rechtfertigen, dass ich so positiv da rangehe. Oder viele denken: Na ja, das kann doch nicht sein. Aber ich denke: So lange es mir jetzt gerade gut damit geht, nehme ich das auch so mit. Mir ist bewusst, dass noch harte Tage kommen können. Es waren auch schon zwei, drei tränenreiche Tage dabei, da war ich nicht ganz so optimistisch. Aber nach diesen Erfahrungen ist das auch in Ordnung, das habe ich dann auch einfach zugelassen.

Einen zentralen Venenkatheter wurde ihr am Hals gelegt

Nhomsai bekam kurz vor ihrem ersten Chemoblock einen zentralen Venenkatheter am Hals gelegt. Darüber bekam sie die Infusionen. Auch das Blut abnehmen ist darüber einfach und unkompliziert möglich.

Da Frauen nach einer Chemotherapie nicht selten unfruchtbar sein können, bekam Nhomsai eine spezielle Spritze, die sie quasi in die Wechseljahre versetzt. Damit werden ihre Eierstöcke geschützt. Man weiß jedoch nicht, ob sie dadurch ausreichend geschützt werden. „Aber es ist eine Chance“, sagt Nhomsai. Darüber hinaus bekommt sie eine hoch dosierte Antibabypille, um Blutungen zu vermeiden.

Unfruchtbarkeit vermeiden

Nach dem ersten Chemoblock sehen die Blutwerte von Nhomsai wesentlich besser aus, als noch unmittelbar vor der Chemo. Auch das Treppensteigen klappt wieder. Sie fühlt sich fit. Bei einem optimalen Heilungsverlauf müsste Nhomsai rund ein halbes Jahr lang mehrere Chemoblocks „durchlaufen“, bis sich ihr Blutbild stetig wieder erholt. Nicht selten brauchen Leukämiekranke darüber hinaus noch eine Stammzellenspende. In den zwei Wochen, in denen sie zu Hause ist, hat sie prophylaktisch schon mal einen Termin in Stuttgart bezüglich einer allogenen Stammzellen-Transplantation.

Nhomsai: Für den Fall, dass ich es bräuchte – derzeit bin ich im intermediären Risiko. Es kann sein, dass ich eine Stammzellenspende brauche. Ich hoffe es nicht. Das entscheidet sich wohl nach dem zweiten Chemozyklus.

„Bei den Prognosen war ich selber auch ein bisschen erschrocken“

Damit eine Stammzellenspende von einem Fremdspender vom Körper angenommen wird, muss das eigene Immunsystem dabei mit einer hoch dosierten Chemotherapie zunächst heruntergefahren werden. Als erstes braucht man aber einen passenden Spender, sonst ist die Gefahr einer Abstoßung zu groß.

||| Jeder Bundesbürger kann sich ganz leicht registrieren auf dkms.de und schauen, ob er als Spender in Frage kommt und einem anderen Menschen damit eventuell das Leben retten kann |||

GSCHWÄTZ:  Wenn man so etwas durchstehen muss, wächst man vermutlich auch als Familie noch mehr zusammen.

Nhomsai: Ja. Meine Mutter war zum Zeitpunkt der Diagnose gerade noch in Simbabwe für ihr Kindergartenprojekt und mein Bruder war mit seiner Lebensgefährtin in Argentinien auf Weltreise. Beide sind daraufhin tatsächlich heimgekommen. Ich habe zu ihnen gemeint, dass wir auch zoomen können, wenn sie weiterhin in Zimbabwe oder in Argentinien sind. Aber sie wollten jetzt hier sein. In der Nähe, um uns besser unterstützen können. Das war schon auch schön, das so zu sehen. Bei meinem Bruder hat es tatsächlich den Vorteil durch die Zeitverschiebung gehabt, dass ich auch nachts immer einen Ansprechpartner hatte. Dadurch dass er Arzt ist, hat er mir sehr viel geholfen.

GSCHWÄTZ: Hast Du auch selbst nach Verlauf und Prognosen bezüglich deiner Krankheit gegoogelt oder vermeidest du das?

„Mir ist klar, dass es die Möglichkeit gibt, dass es vielleicht auch nichts wird“

Nhomsai: Ja, zum einen aus pharmazeutischer Neugier. Ich muss aber tatsächlich sagen, bei den Prognosen war ich selber auch ein bisschen erschrocken. Da habe ich bewusst schnell weiter gelesen oder irgendwie versucht, das nicht wirklich an mich ran zu lassen, weil sie auch zum Teil einfach so widersprüchlich sind. Es gibt ja sehr viele Formen und unterschiedliche Verläufe bei Leukämie. Prognosen sind halt Prognosen. Und wie es dann letztendlich bei dem einen oder anderen ausgeht, ist nochmal eine ganz andere Sache. Ich bin auch hier wieder zu rational, dass ich jetzt sagen würde: Ich überstehe das hundertprozentig. Das kann ich irgendwie nicht. Mir ist klar, dass es die Möglichkeit gibt, dass es vielleicht auch nichts wird. Aber ich kann in der Hinsicht etwas machen dagegen, und zwar, dass ich trotzdem eine positive Einstellung habe. Ansonsten muss ich es halt so hinnehmen, wie es kommt. Und gucken, dass ich mich einigermaßen damit abfinde, vorbereite und auch für meine Familie vorbereite. Ich habe auch mit meinem Mann darüber gesprochen, was wäre, wenn das jetzt nicht klappt und ich sterben würde. Also wie will ich, dass es weitergeht oder was mit mir passiert. Ich habe mich damit schon auseinandergesetzt, habe aber versucht, diesen Dingen nicht allzu viel Raum zu geben.“

1.000 Kraniche für Nhomsai

Bis Anfang März haben Nhomsai und Freunde von ihr insgesamt 1.000 Kraniche gebastelt als Zeichen der Hoffnung. Dahinter verbirgt sich die Geschichte von Sadako. Im August 1945 wurde eine Atombombe über Hiroshima in Japan abgeworfen. Sadako überlebte diese Katastrophe. Doch einige Jahre später erkrankte sie an Leukämie, aber Sadako wollte leben, deshalb faltete sie 1000 Papierkraniche. In Japan ist der Kranich ein Symbol des Glücks und der Langlebigkeit.

1.000 Kraniche für Nhomsai. Foto: privat

Der Verein Eisvogel hilft speziell Leukämie- und Lymphknotenkrebs-Erkrankten sowie deren Angehörigen und gibt ihnen den für die Genesung so wichtigen Impuls für neuen Kampfgeist, Lebensmut und Lebensfreude. Wir sorgen für Beistand und realisieren dies im Speziellen durch Patenschaften.

Text: Dr. Sandra Hartmann