„Was macht mein Sohn denn den ganzen Tag in seinem Zimmer? Er liegt da rum. — Eine Mutter meinte mal zu mir, er
reift und das riecht man auch“, auf die Aussagen folgte lautes Gelächter. Jung und Rogge setzen humorvolle Anekdoten
wie diese ein, um Problematiken mit Pubertieren anhand von Alltagsbeispielen zu veranschaulichen. Sie bringen damit
aber nicht nur das Publikum zum Lachen, sondern erklären gleichsam, wie man als Elternteil am besten auf das Verhalten
des Kindes reagieren kann. In diesem Beispiel liegt die Problematik im Rückzug der Kinder. Das Kind möchte plötzlich
Privatsphäre und in Ruhe gelassen werden.

Matthias Jung und Dr. Jan Uwe Rogge (rechts) in der Stadthalle in Ingelfingen. Foto: GSCHWÄTZ
Das Erziehungskabarett „Chill mal“ der Pubertäts-Docs Jan-Uwe Rogge und Matthias Jung, fand am Mittwoch regen Anklang in der fast voll besetzten Stadthalle in Ingelfingen. In einem zweistündigen Comedy Programm erklärten sie dem Publikum auf
humorvolle Weise, wie sie mit ihren Teenagern besser umgehen können.
Tatjana Brand aus Kupferzell ist zum ersten Mal bei einer Veranstaltung der beiden gewesen. Gemeinsam mit ihren
Freundinnen ist sie hier und freut sich auf die Vorstellung. Sie erwartet viele Tipps, die sie hoffentlich bei ihren Kindern
anwenden kann, sagte sie mit einem Schmunzeln. Die Tipps lassen auch nicht lange auf sich warten.

Auf der Bühne haben die Kabarettisten ihre jeweiligen Programme aufeinander abgestimmt. Foto: GSCHWÄTZ
Die Experten beschreiben unter anderem den sprachlichen Rückzug. Dafür führten sie ein sehr bekanntes Beispiel an:
„Wer kennt es? Die Kinder kommen von der Schule heim und ihr fragt: Wie war’s in der Schule?“ Die Antwort ist meist ein
knappes „gut“, was vielen im Publikum bekannt vorzukommen scheint, denn die Antwort gab nicht der Kabarettist, sondern
das Publikum. Doch was tun bei solch einem Rückzug? Rogge und Jung raten da klar zur Kommunikation. Dabei
empfehlen sie den Eltern, sich auf Augenhöhe mit den Kindern zu begeben, ruhig zu bleiben und situationsabhängig klare
Worte zu finden oder auch mal humorvoll zu sein. Sie betonen dabei vor allem, wie wichtig es ist, authentisch zu bleiben.
Nur dann finde man einen Zugang zu den Kindern. Manchmal sei es auch notwendig, sich mit einem Thema
auseinanderzusetzen, das aktuell im Leben des Kindes eine große Rolle spiele.
Auch der Vergleich des Wachstumsprozesses eines Hummers, der von innen nach außen wächst und sich dann in einer Höhle versteckt, findet Anklang im Publikum, verdeutlicht er doch recht anschaulich die Rückzugstendenzen vieler Jugendlicher. Das Schmunzeln und zustimmende Nicken der Zuschauer verrät, dass ihnen diese Situation bekannt vorkommt.

Die Stadthalle war gut besucht. Foto: GSCHWÄTZ
In einem Interview verraten die beiden, dass viele Eltern danach streben die „perfekten Eltern“ zu sein. Es gibt immer neue
Wellen und Trends in der Erziehung. Momentan tendieren Eltern in Richtung einer bedürfnisorientierte Erziehung, in der
man immer alles richtig machen wolle, so Matthias Jung. Das Programm heißt „Chill mal“ und das ist auch die Botschaft, die
die jüngere Generation vermitteln möchte. Außerdem müssen sich Eltern mit ihren Kindern beschäftigen, haben dafür aber
oft zu wenig Zeit. Die beiden erzählen, dass der Trend zwar neu ist, aber nicht unbekannt.
Die beiden freuen sich sehr auf die Vorstellung, in der sie einen Ausschnitt aus ihren beiden Programmen vorstellen, mit
welchem sie seit vergangenem Jahr gemeinsam auftreten.
Christine Frank aus dem Organisationsteam hat davon mitbekommen und direkt angefragt, ob die beiden nicht nach
Ingelfingen kommen wollen. Rogge war bereits dreimal hier und sie war jedesmal begeistert. Nachdem sie gehört hat, dass
er jetzt zusammen mit Matthias Jung und neuem Programm auftritt, hat sie nicht lange gefackelt und nach 20 Minuten war
es beschlossene Sache.
Nach der Vorstellung findet Tatjana Brand aus Kupferzell, dass die Vorstellung besser war als sie zunächst erwartet hatte. Dass nicht nur ein Tipp dem nächsten folgte, sondern der Großteil in Anekdoten und nachvollziehbare Alltagssituationen eingebettet wird, fanden sie und ihre Freundinnen toll. Zudem fanden sie positiv, dass vermittelt wurde, dass man die Kinder so annehmen solle, wie sie sind.

Christine Frank vom Orga-Team freut sich über die gelungene Veranstaltung. Foto: GSCHWÄTZ
So meinten die Experten, dass die Schule nicht das wichtigste ist und die meisten Jugendlichen in der Kursstufe oder vor
dem Abschluss die Bedeutung erkennen und sich dann anstrengen. „Keine Sorge, aus denen wird schon was“, sagte
Matthias Jung.
Mit vielen weiteren Anekdoten und Beispielen über die Veränderung des Gehirns und die dadurch entstehenden Folgen
wie schlechtes Zeitgefühl, Leben im Hier und Jetzt und Verpeiltheit brachten die Zuschauer immer wieder zum Lachen.
Einer der wichtigsten Tipps war aber wohl der zum Abnabelungsprozess der Jugendlichen: „Man muss die Tür offen
lassen, langsam loslassen, aber niemals fallen lassen.“