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Überraschende Corona-Wende: „Kinder sind wohl seltener infiziert als Erwachsene“

Im Rahmen einer Studie, die die Landesregierung von Baden-Württemberg im April 2020 in Auftrag gegeben hat und an der sich die Unikliniken Heidelberg, Freiburg, Tübingen und Ulm beteiligten, wurden rund 5.000 Menschen ohne Symptome für Covid-19 getestet – 2.500 Kinder im Alter von eins bis zehn Jahren und jeweils ein Elternteil. Laut der Homepage der Landesregierung unter https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/alle-meldungen/meldung/pid/mehr-bereiche-profitieren-von-lockerungen/ wurden dabei einerseits auf Covid-19 direkt getestet, aber auch nach Antikörpern gesucht. Mit der Studie erhoffe man sich Erkenntnisse darüber, „welche Rolle Kinder unter zehn Jahren bei der Verbreitung des Coronavirus spielen und ob es womöglich eine andere Ausgangslage gibt als bei Erwachsenen“.

„Bei Kindern fast keine unerkannten Infektionen“

Zurzeit wird die Studie noch ausgewertet, die Studienleiter haben Ministerpräsident Winfried Kretschmann jedoch schon vorab über ein paar vorläufige Erkenntnisse informiert. So hätte sich laut der Homepage gezeigt, „dass bei den Eltern und Kindern fast keine unerkannten aktuellen Infektionen mit dem Virus gefunden wurden“. Außerdem: „Die Zahl von Personen, die nach durchgemachter Infektion Antikörper gebildet haben, ist ebenfalls gering und liegt im Bereich zwischen ein und zwei Prozent“.

„Ausbreitungsrisiko bei Kindern in Notbetreuung nicht höher“

Wie die Landesregierung weiter schreibt, hätten Kindern im Vorschul- und Grundschulalter im Verlauf der Epidemie seltener als Erwachsene die Infektion durchgemacht. „Kinder werden also anscheinend nicht nur seltener krank, sondern sie sind wohl auch seltener infiziert als Erwachsene“, heißt es. Erste Ergebnisse hätten zudem gezeigt, dass das Ausbreitungsrisiko bei Kindern in Notbetreuung nicht höher sei, als bei denen die zu Hause betreut wurden. Insgesamt lasse sich daher ausschließen, dass Kinder anders als bei anderen Infektionskrankheiten besondere Treiber des aktuellen Infektionsgeschehens seien, so das Fazit der Landesregierung.

Regelmäßige Tests für Personal von Kitas und Grundschulen

Aufgrund der vorläufigen Studien-Ergebnisse wollen Ministerpräsident Kretschmann und Kultusministerin Sabine Eisenmann Kitas und Grundschulen weiter öffnen. Das Kultusministerium solle nun umgehend Konzepte für weitere Öffnungsschritte entwickeln – in enger Abstimmung mit den Trägern und den anderen Partnern. Damit einher gehe eine angepasste Teststrategie. So solle nun auch das Personal von Kitas und Grundschulen regelmäßig getestet werden, um mögliche Infektionsherde schnell zu erkennen. 

Bis zur vollständigen Vorstellung der Studie werde noch etwas Zeit vergehen – schließlich solle sie laut Ministerpräsident Kretschmann den „höchsten wissenschaftlichen Ansprüchen“ genügen.

Doch keine Virenschleudern? Foto: Kinder/adobe stock