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IG Metall Schwäbisch Hall warnt vor „Verarmungslawine“

„Gegen mauernde Arbeitgeber“: IG Metall Schwäbisch Hall startet gewaltige Ansprache-Offensive. 36.000 Gespräche vom 17.10. bis 18.11.22.

„So etwas gab es noch nie“, freut sich der erste Bevollmächtigte der IG Metall Schwäbisch Hall Uwe Bauer, „Wir wollen allen Beschäftigten der IG Metall Branchen in der Region ein Angebot zum gemeinsamen Handeln machen.“

„Beschäftigte enorm unter Druck“

Inflation und Mondpreise für Energie und Lebensmittel setzen viele Beschäftigte enorm unter Druck. Die Nachrichten sind geprägt von Unsicherheiten. In den laufenden Tarifverhandlungen der Metall- und Elektroindustrie zeigen die Arbeitgeber keine Regung, diese Not verstanden zu haben. Die Gewerkschaft fordert hingegen acht Prozent dauerhafte Entgelterhöhung sowie weitere Entlastungsmaßnahmen durch die Politik.

„Egal ob kleine KFZ-Betriebe oder großes Industrieunternehmen – wir sprechen alle Beschäftigen aktiv an“

„Gewerkschaft ist die Antwort gegen die Verarmungslawine, die gerade auf die Gesellschaft zurollt. Wir organisieren uns für gerechte Bezahlung und weitere Entlastungsmaßnahmen. Deswegen wurde im Ortsvorstand beschlossen: Wir gehen jetzt maximal in die Breite und sprechen alle Beschäftigten in unseren Branchen aktiv an. Egal, ob kleine KFZ Bude oder großer Industriebetrieb. Egal ob Leiharbeiter oder Führungskraft“, erklärt Uwe Bauer die Idee hinter der wochenlangen Aktion.

„Enormer Aufwand“

Dafür wird ein enormer Aufwand betrieben. Zusammen mit dem Gemeinsamen Erschließungsprojekt (GEP) und anderen Teilen der Bezirksleitung, sogar bis hin zur Vorstandsverwaltung des Bundes – alle packen mit an. Bis zu 35 zusätzliche Angestellte der IG Metall helfen jede Woche mit, das Unmögliche zu schaffen: 36.000 Gespräche in einem Monat, Besuche in bis zu 220 Betrieben! Das Ziel: Die Geschäftsstelle mit einer Vielzahl neuer Kontakte, Themen, Aktiver und Mitglieder nachhaltig auf eine neue Stufe der regionalen Verankerung zu heben. Das Monats-Motto ist zugleich der Anspruch der Gewerkschaft: „Wir.Sind.Hier.“

Hinter der innovativen Idee steht vor allem auch Andreas Flach, Projektleiter des GEP: „Alle Beschäftigten erhalten die Chance ihren persönlichen Weg gemeinsam und selbstbewusst in der IG Metall zu gehen. Wir sind eine Mitmach-Gewerkschaft mit starker Basisverankerung. Raus aus den Besprechungszimmern, direkt an die Arbeitsplätze der Beschäftigten. Vor ein paar Jahren hätten wir uns diese Mega-Koordination noch nicht zugetraut. Aber die IG Metall hat sich konsequent mit Beteiligungsmethoden beschäftigt und professionalisiert. Jetzt können wir unsere Arbeit entsprechend umstellen.“

 




„Das neue Entgeltsystem LeiV wird von einem erheblichen Teil der Beschäftigten abgelehnt. Das zeigt das Wahlergebnis der Betriebsratswahl“

Am Donnerstag, den 24. März 2022, wurde das Ergebnis der Betriebsratswahl bei ebm festgestellt und bekanntgegeben. 2.523 gültige Stimmen wurden gezählt, davon erhielt die Liste der IG Metall mit 857 Stimmen, also 34 Prozent der Stimmen und wurde damit mit Abstand zur stärksten Liste und wird 9 Betriebsrät:innen stellen können. Vier der 10 angetretenen Listen haben zu wenig Stimmen erhalten, um einen Vertreter in den neuen Betriebsrat entsenden zu können.

Im Anschluß veröffentlichen wir eine Pressemitteilung der IG Metall:

Betriebsratswahlen: Eindeutiges Signal gegen LeiV

    • erstmalige IG Metall-Fraktion bei ebm-papst
    • Ergebnisse spiegeln die massive Kritik am neuen Entgeltsystem LeiV wieder
    • trotz hoher Gewinne, lässt das Unternehmen die Beschäftigten immer noch 1,5 Stunden pro Woche umsonst arbeiten
    • Uwe Bauer, Erster Bevollmächtigter: „Das ist ein klares Signal gegen LeiV und für einen Tarifvertrag!“

[Schwäbisch Hall] – Die Liste 6 der IG Metall hat mit dem Wahlslogan „LeiV stoppen“ 34 Prozent der Stimmen bekommen und zieht mit 9 Mandaten erstmalig in den Betriebsrat bei ebm-papst ein. „Das neue Entgeltsystem LeiV wird von einem erheblichen Teil der Beschäftigten abgelehnt. Das zeigt das Wahlergebnis der Betriebsratswahl“, bewertete Uwe Bauer die Ergebnisse.

Trotz der massiven Kritik aus dem gewerblichen Bereich wurde das neue Entgeltsystem LeiV kurz vor der Wahl auch bei den Angestellten eingeführt. Die Fraktion der IG Metall positioniert sich klar gegen LeiV und für einen Tarifvertrag. „Wir werden das Thema sofort auf die Tagesordnung setzen,“ sagte Uwe Bauer.

Auch die deutliche Mehrheit der anderen Listen haben im Wahlkampf zur Betriebsratswahl das LeiV-System kritisiert. „Wir freuen uns, dass wir zusammen mit den anderen Listen, das Thema LeiV konkret angehen könne,“ richtet Uwe Bauer einen selbstbewussten Appell an alle.

Neben LeiV spielt auch die unbezahlte Arbeitszeit eine große Rolle. „Das Unternehmen ist hochprofitabel und hat im Corona-Jahr 2020 seinen Konzernbilanzgewinn auf über 1 Mrd. EUR angehäuft. Dennoch arbeiten die Kolleginnen und Kollegen umsonst. Das passt nicht zusammen und ist hochgradig ungerecht,“ empörte sich Uwe Bauer. Erste Kollegen und Kolleginnen sind bereits gegen die Regelung vor Gericht gegangen und konnten einen Vergleich erzielen. „Wir werden die unbezahlte Arbeitszeit abschaffen und die Sonderzahlungen erhalten,“ sagte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Schwäbisch Hall.

Die Liste 6 der IG Metall setzt sich zudem für mehr Wahlrecht bei Überstunden und die Abschaffung der Samstagsarbeit ein. „Das Unternehmen hat die Risiken der Materialbeschaffung auf die Beschäftigten abgewälzt. Die Ergebnisse zeigen auch: das wird nicht weiter von der Belegschaft akzeptiert. Ein klarer Auftrag,“ resümiert Uwe Bauer.

Zum Abschluss sendete der Erste Bevollmächtigte der IG Metall noch ein deutliches Signal an die Belegschaft: „Wir werden eure Anliegen konsequent angehen und euch regelmäßig informieren. Betriebsratsarbeit darf keine Dunkelkammer mehr sein!“

Daniela Hagdorn, die die Liste der IG Metall anführte, erklärt: „Der Betriebsrat wird für 4 Jahre gewählt“. Sie stellt fest, dass von den gewählten Mitgliedern mehr als die Hälfte erstmals in den Betriebsrat gewählt wurden: „Das zeigt, wie wichtig den Mitarbeiter:innen die Vertretung im Betrieb ist.“ Ein Indiz für das hohe Interesse ist auch die Wahlbeteiligung: 2.523 von rund 3.800 Mitarbeiter:innen haben ihre Stimme abgegeben.

Matthias Lauterer
Pressemeldung IG Metall




„Nur ein Bruchteil unserer Mitarbeitenden konnte an der Umfrage teilnehmen beziehungsweise nahm daran teil“

In gut 4 Wochen, vom 21. bis 23. März 2022 finden bei ebm-papst in Mulfingen Betriebsratswahlen statt. Erstmals wird eine Liste der IG Metall antreten, weshalb es auch erstmals zu einer Listenwahl kommen wird. Zehn Listen bewerben sich um die Plätze im Betriebsrat, unter den Kandidat:innen sind viele Mitglieder des aktiven Betriebsrats. Die Anzahl der Listen kann man als ein Zeichen dafür sehen, wie wichtig den Arbeitnehmern im Werk Mulfingen die betriebliche Mitwirkung ist.

Hintergrund

Umfrageergebnis der IG Metall. Foto: Flyer der IG Metall

Eine Umfrage der IG-Metall ergab einerseits eine Unzufriedenheit mit dem bisher amtierenden Betriebsrat, andererseits eine Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen. Dem Betriebsrat wird eine zu große  Nähe zur Geschäftsleitung vorgeworfen, mangelnder Respekt durch Vorgesetzte, Leistungsdruck und ungerechte Lohneinstufung sind die Vorwürfe im Bereich Arbeitsklima.

Aufstellung einer IG Metall-Liste führt zur Listenwahl

Die IG Metall hat dies zum Anlass genommen, eine eigene Liste aufzustellen, die unter anderem den Abschluss eines Tarifvertrags erreichen will. Wenn eine Liste beim Wahlvorstand eingereicht ist, fordert das Gesetz die Listenwahl anstatt der bisher bei ebm-papst immer durchgeführten Persönlichkeitswahl.

ebm kann Umfrageergebnis nicht nachvollziehen

Hauke Hannig, verantwortlich für die Unternehmenskommunikation, kann das Umfrageergebnis nicht nachvollziehen: „Die Umfrageergebnisse der IG-Metall beruhen nicht auf einer repräsentativen Umfrage. Sie wurden vor ausgewählten Werkstoren in der Regel zu Schichtwechseln erhoben. Nur ein Bruchteil unserer Mitarbeitenden konnte daran teilnehmen bzw. nahm daran teil.“ Er verweist auf eine eigene, vom amtierenden Betriebsrat durchgeführte Umfrage: „1.621 Mitarbeitende von insgesamt 3.600 nahmen daran teil, mit dem Ergebnis, dass 95% unserer Mitarbeitenden die Vorteile des Bündnis für Arbeit mit seinen Inhalten, wie u.a. Arbeitsplatzsicherheit, Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld und vielen weiteren Vorteilen für wichtig bzw. sehr wichtig halten. Dreiviertel der Mitarbeiter sprachen sich dafür aus, 18 Minuten Arbeitszeit für das Bündnis einzubringen.“

Ein großes Thema der Wahl ist also die Frage „Betriebsvereinbarug oder Tarifvertrag?“

Wir veröffentlichen im Folgenden eine Pressemitteilung und einen Aufruf, zur Wahl zu gehen, der IG Metall:

Pressemitteilung der IG Metall

Betriebsratswahlen bei ebm-papst in Mulfingen: Ein erfolgreiches Unternehmen in einer Zeitenwende?
Vom 21.03.22 bis zum 23.03.22 finden die turnusmäßigen Betriebsratswahlen auch bei ebm-papst in Mulfingen statt

    • Die IG Metall Schwäbisch Hall ruft rund 3.900 Beschäftigte zur Wahl auf
    • Uwe Bauer, Erster Bevollmächtigter: „Zu einem Weltmarktführer gehören professionelle Mitbestimmung, gute Arbeitsbedingungen und damit auch ein Tarifvertrag!“

Bei ebm-papst in Mulfingen brodelt es. Viele Beschäftigte sind unzufrieden. Ein großes Indiz dieser Unzufriedenheit ist, dass es zu den anstehenden Betriebsratswahlen keine Persönlichkeitswahl, sondern eine Listenwahl mit 10 konkurrierenden Listen gibt. Dies ist schon sehr ungewöhnlich. Aber dies zeigt auch sehr deutlich, dass aus Sicht und Wahrnehmung der Beschäftigten die Arbeitsbedingungen und das Arbeitsklima als immer schlechter empfunden werden und man kein Vertrauen in den bisher zusammengesetzten Betriebsrat hat, dies zu verändern.

Früher ein Familienunternehmen, geprägt von Herrn Gerhard Sturm – heute ein internationaler Konzern mit Managementstrukturen. Ein erfolgreiches Unternehmen in einer Zeitenwende?

Die Beschäftigten beklagen vor allem das neue Entgeltsystem LeiV. Dieses System sei massiv ungerecht, wird uns berichtet. Zudem sei in Mulfingen, anders als in den tarifgebundenen Standorten St. Georgen, Herbolzheim und Landshut die Arbeitszeit ohne Entgeltausgleich höher, was auch weniger Geld für die Beschäftigten bedeutet. Daher stellen sich die Beschäftigten von ebm-pabst in Mulfingen die Frage, warum gelten gerade bei uns in der Zentrale nicht auch die Tarifverträge der IG Metall Baden- Württemberg?

Auf Liste 6 „Team IG Metall“ stehen Kolleginnen und Kollegen, die eins verbindet: Menschen vor Profite, guten Arbeitsbedingungen und dem Bedürfnis nach Veränderung. Die Kolleginnen und Kollegen wollen u.a. das neue Entgeltsystem LeiV stoppen. Ebm papst soll wieder attraktiv für qualifizierte Fachkräfte sein. Das geht nur mit starken IG Metall Betriebsräten.

Aufruf, zur Wahl zu gehen

Die IG Metall Schwäbisch Hall ruft die Beschäftigten bei ebm-papst in Mulfingen auf, sich an den anstehenden Betriebsratswahlen zu beteiligen und so für eine starke Interessenvertretung in ihrem Betrieb zu sorgen. „Das Unternehmen steht vor großen Herausforderungen,“ sagte Uwe Bauer, Erster Bevollmächtigter. „Nach der Zeit von Gerhard Sturm fehlt die Identifikationsfigur des Unternehmens. Ebm ist schlicht und einfach ein von einem Management geführter, internationaler Konzern. Und gerade aus diesem Grunde braucht es eine professionelle, starke und beteiligungsorientierte Mitbestimmung. Eine gute Arbeitnehmervertretung, gute Arbeitsbedingungen, ein Tarifvertrag und wirtschaftlicher Erfolg sind kein Widerspruch, sondern entsprechen einer zeitgemäßen Unternehmenskultur.“

ebm-papst zu den Aussagen der Gewerkschaft

Den Aussagen der Pressemeldung hält Hannig entgegen: „Dass aufgrund der Einführung eines neuen Vergütungssystems Unsicherheit bei den Mitarbeitenden entsteht, können wir gut nachvollziehen. Durch umfassende Kommunikation versuchen wir mögliche Sorgen unserer Belegschaft zu LeiV aufzugreifen und zu widerlegen. Auch der Tarifvertrag der IG-Metall sieht ein leistungsbezogenes Entgelt vor und ist im ERA-Tarif geregelt. Im Gegensatz zu ERA, bei dem bei sinkender Leistung weniger Entgelt an die Mitarbeitenden gezahlt wird, bleibt bei LeiV ein einmal erreichtes Entgelt auch bei rückläufiger Leistung dauerhaft bestehen. Dies ist für unsere Mitarbeitende ein sehr wirksamer Schutz zur Entgeltsicherung.“

Kultur der Menschlichkeit und des Respekts

Auch sieht die Geschäftsleitung von ebm-papst eine gute innerbetriebliche Kultur: „Wir haben bei ebm-papst eine Kultur, die die Menschlichkeit und den Respekt jedes Einzelnen in den Fokus unseres Handeln setzt. Unsere Führungskräfte werden kontinuierlich geschult und weitergebildet. Unser Betriebsratsgremium, die Personalabteilung und viele unabhängige interne wie externe Ansprechpartner stehen stets zur Unterstützung und zur Ansprache zur Verfügung, um mögliche entstehende Konflikte von Beginn an zu lösen und ein gutes Miteinander mit Respekt und Wertschätzung zu gewährleisten.“

Eine Spitze gegen die Gewerkschaft kann sich Hannig letztlich nicht verkneifen: „Die IG-Metall und der Deutsche Gewerkschaftsbund hat in den letzten Jahren mit einer Austrittswelle zu kämpfen, wie dies in vielen Medien kürzlich berichtet wurde. Für die Gewerkschaft IG-Metall geht es also auch darum, neue Mitglieder zu gewinnen und in das Betriebsgremium Einzug zu finden.“

Text: Matthias Lauterer




„Von fehlender Wertschätzung kann keine Rede sein“

Die Vorwürfe der IG Metall über die Arbeitsbedingungen bei ebm in Mulfingen und Hollenbach sowie gegen die Arbeit des dortigen Betriebsrats (GSCHWÄTZ berichtete) haben bei Geschäftsleitung und Betriebsrat von ebm zu Unverständnis und Reaktionen geführt.

Keine Kontaktaufnahme durch die Gewerkschaft

Hauke Hannig, der für die Unternehmenskommunikation verantwortlich ist, kann viele der Aussagen der IG Metall nicht bestätigen und widerspricht einigen Aussagen der Gewerkschaft in einem Statement deutlich. Wo Uwe Bauer von der IG Metall sagt, dass auf ein Anschreiben an die Geschäftsleitung keine Reaktion erfolgt sei, sagt Hannig beispielsweise: „Als Vertreter der Arbeitnehmerseite hat die IGM bis heute keinen Kontakt zu unserem Betriebsratsgremium oder zur Arbeitgeberseite aufgenommen.“

Wir führen kontinuierlich Befragungen zu Belastungssiuationen unserer Mitarbeitenden durch“

Über das Betriebsklima sei die Geschäftsleitung gut informiert, vor allem sei es nicht so, wie von der Gewerkschaft behauptet: „Von fehlender Wertschätzung kann keine Rede sein! Wir führen kontinuierlich Befragungen durch u.a. zur Belastungssituation unserer Mitarbeitenden. Diese zeigen, dass unsere Belegschaft, wie dies auch für die gesamte Gesellschaft gilt, in der aktuellen Lage belastet ist. Positiv zurückgemeldet wird uns von den Mitarbeitenden unser Umgang mit der Corona-Krise, unsere Sicherheitsmaßnahmen sowie die transparente Informationspolitik.“

Positiver Umgang mit der Coronakrise

Auch die bemängelte Intransparenz des Vergütungssystems LeiV sieht Hannig in einem ganz anderen Licht: Es sei die Grundlage für faire und transparente Bezahlung aller Mitarbeiter: „Dabei werden neben der eigentlichen Tätigkeit und dem Arbeitsziel auch weiche Faktoren, wie beispielsweise der faire Umgang mit Kollegen und die Weitergabe von Wissen bei der Entlohnung berücksichtigt.“ Er fährt fort: „In der Mehrzahl wurden Löhne und Gehälter durch Erhöhung angeglichen. Im Gegensatz zu allen anderen Tarifsystemen, wie z.B. ERA, sichert LeiV ein einmal erreichtes Entgeltniveau ohne Kürzungen dauerhaft ab.“

„Der Anstand hätte es geboten, den Betriebsrat zu informieren“

Andreas Schmitt und Anja Burkhardt vom Betriebsrat des Unternehmensstandorts in Mulfingen setzen sich ebenfalls gegen die Vorwürfe der IG Metall zur Wehr: „Die Vorwürfe können wir in der Gänze nicht nachvollziehen.“ In Richtung IG Metall schicken Sie dem Gespräch voraus: „Der Anstand hätte es geboten, den Betriebsrat zu informieren.“

Die Betriebsratswahl wird ordnungsgemäß ablaufen

Anja Burkhardt hat schon viele Betriebsratswahlen mitgemacht. Zur Aussage der Gewerkschaft, dass in der Mitgliederzeitschrift falsche Aussagen zum Wahlverfahren veröffentlicht worden seien, sagt sie: „Ich bin seit 34 Jahren Betriebsratsmitglied und seitdem hatten wir immer eine Personenwahl, deshalb habe ich die Personenwahl beschrieben.“ Und die Aussage der Gewerkschaft, dass das Wahlrecht von Leiharbeitern und Jugendlichen nicht korrekt beschrieben sei? „Der Vorlauf für das Magazin ist ziemlich lang. Seit ich den Artikel geschrieben habe, sind beim Wahlrecht einige Neuerungen eingetreten, diese werden aber berücksichtigt. Der Wahlvorstand, der inzwischen gebildet ist, wird selbstverständlich korrekt zur Wahl aufrufen.“

Unbezahlte Mehrarbeit?

Ein weiterer Vorwurf der IG Metall ist unbezahlte Mehrarbeit. Dazu Burkhardt: „Jede Stunde wird aufgezeichnet“, eine Aussage, auf die auch Hauke Hannig in seinem Statement Wert legt: „Alle Arbeitsstunden werden ohne Ausnahme exakt in persönlichen Zeitkonten erfasst. Dies gilt für Überstunden sowie für Minusstunden, die wir aktuell aufgrund der weltweiten Lieferengpässe zur Sicherung der Arbeitsplätze verstärkt nutzen.“

„Bündnis für Arbeit“

Die Gewerkschaft spricht wohl die im „Bündnis für Arbeit“, einer Betriebsvereinbarung, festgelegte unbezahlte Zeit, die die Mitarbeiter täglich leisten. „Das Bündnis für Arbeit ist eine Kollektivvereinbarung zur Standortsicherung, eine Arbeitsplatzgarantie – hier sehe ich den Mehrwert“. Wie GSCHWÄTZ berichtete wird die Rechtsverbindlichkeit dieses Bündnisses derzeit geprüft, erstinstanzlich äußerte das Arbeitsgericht in Crailsheim daran Zweifel. „Zu diesem Verfahren in Crailsheim werden wir uns nicht äußern. Wir wären aber kein guter Betriebsrat, wären wir darauf nicht vorbereitet“, sagt  Andreas Schmitt.

„Wie Menschen, die auf der Landstraße zu schnell fahren“

Mit dem Thema Mobbing beschäftigt sich der Betriebsrat intensiv. „Das wird nicht unter den Teppich gekehrt“, sind sich Schmitt und Burkhardt einig. Als Mobbing empfunden wurde die Art und Weise, wie einige Personalgespräche durchgeführt wurden. Gab es kurzfristig angesetzte Personalgespräche, die nicht als Personalgespräch angekündigt waren und an denen der BR nicht teilnehmen konnte? Diese gab es offenbar, aber „da hat sich der BR unmittelbar eingeschaltet“, die Führungskräfte seien dann nochmals geschult worden. „Ein Abholen am Arbeitsplatz zum Personalgespräch gibt es nicht mehr.“ In diesen Fällen handelte es sich, so Burkhardt, um ein Fehlverhalten des Vorgesetzten, die Regeln für Personalgespräche seien eigentlich festgelegt.

Als Mobbing empfunden wurde die Art und Weise, wie einige Personalgespräche durchgeführt wurden

Leider könne der Betriebsrat in solchen Fällen immer erst eingreifen, wenn ihm ein Vorfall bekannt geworden sei. „Ich sehe das so, wie Menschen, die auf der Landstraße zu schnell fahren. Das muß man einfangen“, veranschaulicht Schmitt.

Vorwurf: Der Betriebsrat vertritt nicht die Interessen der Belegschaft

In einem Flugblatt der IG Metall kommt ein fiktiver Kollege Slavko, 38 Jahre alt, zu Wort: „Ein so schlechtes Betriebsklima wie bei ebm habe ich noch nie erlebt“, wird er zitiert. Und dort steht auch „Er regt sich vor allem über den BR auf, der nicht die Interessen der Belegschaft vertritt.“ Dieses Flugblatt kannten Burkhardt und Schmitt nicht – und man merkt ihnen selbst beim Telefoninterview an, dass diese Aussage sie ins Herz trifft. „Dass die Interessen der Belegschaft, der Gemeinschaft, nicht vertreten werden, das weisen wir von uns“, sprechen sie nicht nur für sich, sondern für den ganzen Betriebsrat.  „Wir sind dem Kollektiv verantwortlich“, sagt Burkhardt und räumt ein, dass im Einzelfall ein Betroffener das nicht so empfinden mag, aber so Schmitt: „Die Verhältnismäßigkeit zu den Kollegen muß gewahrt sein.“

„Slavko kann sich gerne an uns wenden“

Der Betriebsrat sei immer bereit, auch Kritik an seiner Arbeit entgegenzunehmen: „Slavko kann sich gerne an uns wenden.“ Oft wird als Indikator für das Betriebsklima die Fluktuation der Belegschaft herangezogen. Das tut auch die IG Metall, sie spricht von relativ hoher Fluktuation und einem hohen Anteil von Eigenkündigungen. Das bestätigen Burkhardt und Schmitt nicht: „Wir haben mehr Eigenkündigungen als im Vorjahr, aber nicht in einem bedrohlichen Ausmaß.“ Jede Eigenkündigung würde im Personalausschuss geprüft, man führe auch Gespräche mit Mitarbeitern, die kündigen. Meist seien es sehr persönliche Gründe, die einen Mitarbeiter zur Kündigung bewegten. Schmitt stellt sogar fest: „Gerade da, wo man mit Fluktuation rechnen würde, haben wir so gut wie keine“, er meint damit insbesondere die IT-Abteilung.

Das habe ebm erkannt und biete allen Mitarbeitern eine kostenlose psychologische Beratung an

Generell sei das Betriebsklima allerdings durch Corona und die Materialknappheit insofern betroffen, dass die Mitarbeiter durch die Corona-Maßnahmen, die Maskenpflicht und die Regeln für Geimpfte und Ungeimpfte, sowie die Ungewißheit der Materialversorgung stark belastet seien und unter außergewöhnlichem Druck stünden. Auch Belastungen außerhalb der Firma, etwa im Familienkreis, kämen hinzu. Das habe ebm erkannt und biete allen Mitarbeitern eine kostenlose psychologische Beratung an – diese sei vollständig anonym, finde komplett außerhalb der Firma statt und auch der Betriebsrat sei nicht beteiligt.

Fluktuation nicht so hoch wie von IG Metall in den Raum gestellt

Das entspricht auch der Aussage in Hauke Hannigs Statement: „Was die Fluktuation bei ebm-papst anbetrifft, so ist diese sehr gering. Sie liegt abzüglich der natürlichen Fluktuation wie z.B. Ruhestand bei 1 bis 2 Prozent. Der Großteil unserer Fachkräfte beendet seine Karriere bei ebm-papst und wir fördern eine langfristige Beschäftigung.“

Hau-drauf-Mentalität ist nicht unsere Art

Gegen Ende des Geprächs kommen Schmitt und Burkhardt auf ihre Philosophie von Betriebsratsaarbeit zurück: „Für uns ist wichtig, dass ein Betriebsrat fair und offen arbeitet“ sagt Schmitt und Burkhardt ergänzt: „Ich glaube nicht, dass man im Streit mehr erreicht. Wir stehen nicht für Konfrontation sondern für Kommunikation.“ Der letzte Satz ist vielleicht an die IG Metall gerichtet: „Die Hau-Drauf-Mentalität ist nicht unsere Art.“

Text: Matthias Lauterer

 




Es herrsche ein großer Leistungsdruck

In den letzten Wochen waren mehrfach Infostände der IG Metall vor dem Werksgelände von ebmpapst aufgebaut. Gewerkschaftsmitglieder wollten sich ein  Bild über die Situation der Beschäftigten machen und führten dort Gespräche mit Mitarbeitern und führten eine Umfrage durch.

Erfolgreiche Verhandlungen mit DOMETIC

Hintergrund ist, dass die IG Metall bei ihrer Arbeit in Krautheim, wo in Verhandlungen ein Beschäftigungssicherheitspakt für die Beschäftigten bei Dometic bis 2027 erreicht wurde, auf ebm hingewiesen wurde.  Die Umfrage ergab, so Uwe Bauer, 1. Bevollmächtigter der IG Metall in Schwäbisch-Hall, ein klares Bild:

Klare Aussagen der Arbeitnehmer:innen

Eingruppierungen beim Lohn werden als willkürlich empfunden, es herrsche ein hoher Leistungsdruck, 91 Prozent der Umfrageteilnehmer fordern einen Tarifvertrag mit mehr Geld und festen Regeln, der aktuelle Betriebsrat wird stark kritisiert, er sei geschäftsleitungsnah.

Uwe Bauer berichtet, dass die Geschäftsleitung zwar großen Wert darauf gelegt habe, dass die Gewerkschaft ihre Infostände anmeldete, auf eine Bitte zu einem Gespräch hätte die  Geschäftsleitung nicht einmal geantwortet. „Anmelden war Ihnen wichtig, die Belange der Beschäftigten scheinen ihnen weniger wichtig zu sein.“

2020 sollten laut Bauer viele indirekte Beschäftigte gehen, die Mitarbeiter berichten ihm von Druck, Aufhebungsverträgen und vielen Eigenkündigungen. Das sei ungewöhnlich in dieser Schärfe, sagt Bauer. Vor allem das neue Lohn-Eingruppierungssystem LEIV werde von Vielen als willkürlich betrachtet, daher bestünden „schwere Befürchtungen“ bei den indirekten Mitarbeitern, bei denen ab dem 1.April ein neues Bewertungssystem eingeführt werden soll.

IG Metall will im März 2022 bei der Betriebsratswahl antreten

Deswegen will die IG Metall mit einer schlagkräftigen Liste bei der Betriebsratswahl 2022 antreten. Der derzeitige Betriebsrat zeige Unprofessionalität – im aktuellen Mitarbeitermagazin habe der Betriebsrat über die Regelungen zur Betriebsratswahl falsch informiert.

Rückblickend ist Bauer mit dem Erreichten bei WÜRTH und DOMETIC zufrieden: Bei WÜRTH seien inzwischen zehn Betriebsräte in der IG Metall organisiert, die Betriebsratsarbeit sei fruchtbar und konstruktiv. Auch die Geschäftsleitung würde den Betriebsrat ernstnehmen. Bei DOMETIC hat die IG Metall gerade eine Beschäftigungssicherung bis 2027 erreicht.

Ein Wunschzettel für ebm. Foto: IG Metall

Diese Erfolge nimmt die IG Metall zum Ansporn, auch bei ebm den Wahlkampf um die Betriebsratsmandate aufzunehmen.

„Ein Betriebsrat tut dem Unternehmen einen Gefallen“

Zu guter Letzt spricht die Gewerkschaft die Geschäftsleitung von ebm direkt an: „Wir haben keinen Fachkräftemangel, wir haben einen Arbeitskräftemangel.“ Richtig gute Leute würden das Unternehmen ebm verlassen – das sei kein Wunder: In tarifgebundenen Unternehmen können sie über 20 Prozent mehr verdienen. „Ein Betriebsrat tut dem Unternehmen einen Gefallen, die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass die Mitarbeiter bleiben.“

Text: Matthias Lauterer

 




Mindestlohn steigt auf 12,55 Euro

Maurer erhalten mehr Mindestlohn: Für die rund 1.460 Bauarbeiter im Hohenlohekreis gilt eine neue Lohnuntergrenze, teilt die IG BAU Stuttgart in einer Pressemitteilung mit. Keiner, der in der Branche arbeitet, darf weniger als 12,55 Euro verdienen – 35 Cent mehr als bisher. Das macht ein Plus von rund 60 Euro am Monatsende. Wer als Geselle oder angelernte Kraft fachliches Knowhow mitbringt, der hat sogar Anspruch auf 15,40 Euro (plus 20 Cent). Die Gewerkschaft rät den Beschäftigten deshalb, den letzten Lohnzettel zu prüfen. „Das Plus muss bereits mit der April-Abrechnung auf dem Konto sein. Und alle 92 Baufirmen im Hohenlohekreis müssen dieses Lohn-Minimum zahlen“, sagt Bezirksvorsitzender Mike Paul in der Mitteilung.

Messlatte für gelernte Betonbauer, Zimmerer und Fliesenleger sei jedoch der Tariflohn, so der Gewerkschafter. Der liegt bei aktuell 20,63 Euro pro Stunde. „Handwerker sind extrem gefragt – sogar in Zeiten von Corona. Bauarbeiter müssen wissen, was ihre Arbeit wert ist. Jeder hat eine anständige Bezahlung verdient. Gerade in Kleinbetrieben wird das vom Chef schon mal gern vergessen“, so Paul. Anspruch auf den Tariflohn haben Gewerkschaftsmitglieder, deren Firma Mitglied im Arbeitgeberverband ist.

Nach Angaben von Bauindustrie und -handwerk verzeichnete die Branche im vergangenen Jahr einen Rekordumsatz von bundesweit knapp 140 Milliarden Euro. Mit einem Plus von vier Prozent gilt die Branche als eine zentrale Säule der Konjunktur – während die gesamte Wirtschaft nur um 0,6 Prozent zulegte. „Hier sollte sich kein Bauarbeiter unter Wert verkaufen“, betont Paul.

Quelle: Pressemitteilung der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt