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„Ein Labyrinth ist kein Irrgarten“

Wie jedes Jahr haben Ehrenamtliche der evangelischen Kirchengemeinde und des Hospizdienstes in der Künzelsauer Johanneskirche ein Labyrinth aufgebaut. Zwischen den Kirchenjahren, also von Totensonntag bis zum ersten Advent, soll das Labyrinth den Menschen die Möglichkeit zur Besinnung bieten. Das Labyrinth soll zum Nachdenken oder Meditieren über den eigenen Weg im Leben anregen, über die Erwartungen an das Leben bis hin zum Lebensende, aber auch über die persönliche Beziehung zu Gott.

Labyrinthe sind uralte Symbole der Menschheit

„Labyrinthe haben eine lange Tradition, überall auf der Welt“, sagt Christine Stumpf, stellvertretende Leiterin des Hospizdienstes Kocher-Jagst. Sie nennt Beispiele aus völlig unterschiedlichen Kulturkreisen, aus Südamerika und der europäischen Frühgeschichte beispielsweise. Das Labyrinth des Minotaurus ist wohl das berühmteste Labyrinth.

Die Symbolik der Labyrinthe

„Labyrinthe stehen als Symbol für den Anfang und das Ende des Lebens, sie haben einen Eingang und einen Ausgang und eine Mitte als Symbol Gottes. Den Weg zur Mitte muss man finden“, erklärt sie. Von dieser Mitte bewege man sich im Leben mal weg, mal bewegt man sich zu ihr hin. Ganz wichtig ist ihr: „Ein Labyrinth ist kein Irrgarten“.

Der Weg ins Innere ist individuell

Mal hin und mal weg von der Mitte – wie das Leben. Foto: GSCHWÄTZ

Der Weg ins eigene Innere ist ein ganz individueller Weg, jeder hat seinen eigenen Zugang. Daher liegen unterschiedliche Materialien bereit, die dem einzelnen ein Hilfsmittel sein können: Verschiedene „Impulse“ mit Fragen, auf die jeder seine Antworten finden kann, aber auch Material zum Malen. Wer will, kann seine Gedanken in ein Labyrinthbuch eintragen.

Alles im Ehrenamt

Christine Stumpf dankt den Ehrenamtlichen der evangelischen Kirchengemeinde und des Hospizdienstes, die am Totensonntag das Labyrinth aufgebaut haben: Die Bestuhlung der Kirche wich dem Labyrinth, die Helfer:innen haben das Labyrinth anhand einer Projektion auf dem Boden aufgebracht, die Plakate aufgestellt und die Materialien bereitgelegt. „Das hat ganz harmonisch geklappt am Sonntag“.

Das Labyrinth ist am Freitag,25. November 2022 von 08:00 bis 12:00 letztmals geöffnet – danach wird die Kirche für den Adventssonntag vorbereitet.

Text: Matthias Lauterer




Bewegende Geschichte des Babybasars Bieringen

Susanne Kobylka aus Bieringen organisiert zweimal im Jahr einen Teenie- und Bambinibasar. Der gesamte Erlös des Basars geht an das Kinderhospiz in Öhringen.
Wie kam es dazu?

Die 36-Jährige hat selbst Erfahrungen mit einem Kinderhospiz gesammelt, als ihr Sohn Nico mit zweieinhalb Jahren an Krebs starb: „Es ist eine gute Sache und gehört einfach unterstützt.“ Und so kam es dazu, dass Susanne Kobylka und Ilona Zengler seit 2015 in der Jagsthalle in Bieringen einen Basar organisieren.

Das Kinderhospiz Öhringen bekommt von den beiden Frauen eine 100-Prozent-Spende. Die zwei Euro Teilnahme-Gebühr, die 15 Prozent Verkaufserlös und der gesamte Erlös aus dem Verkauf von Kaffee und Kuchen gehen direkt an das Kinderhospiz. Kobylka erzählt, dass viele Besucher des Babybasars auch einfach noch an der Kasse fünf Euro spenden.

„Um die 500 Euro sind es immer. Einmal haben wir es sogar geschafft, 800 Euro zusammenzubekommen und zu spenden“, schwärmt die 36-Jährige.
Freitagabends geht es los. Die beiden Organisatorinnen bekommen von den Damen der Krabbelgruppe in Bieringen Unterstützung. Die Frauen nehmen die zu verkaufenden Waren an. In der Sporthalle werden die Tische aufgebaut und die Kartons aufgemacht. Die Kleidungsstücke, die Schuhe und das Spielzeug, das sich darin befindet, legen die Helfer auf den nach Größen sortierten Tischen aus. Das kann bis ein Uhr nachts dauern. „Am Samstagmorgen von neun bis zehn Uhr können die Schwangeren ohne Sorge um ihren Babybauch in aller Ruhe durch den Basar schlendern. Von zehn bis zwölf Uhr haben alle anderen die Möglichkeit, zu shoppen“, erklärt Kobylka. Auch der Kinderhospizdienst selbst ist vor Ort. „Der Hospizdienst bietet meistens eine Kinderbetreuung während des Basars an. Manchmal basteln sie mit den Kindern oder machen eine Kinderschmink-Aktion. Es ist immer megatoll, was sie mit den Kindern machen.“

Der nächste Teenie- und Bambinibasar ist am 16. März 2019 in Bieringen.

Ökumenischer Hospizdienst Region Öhringen e. V.
Der ökumenische Hospizdienst mit seinen ehrenamtlichen Mitarbeitern steht kranken Kindern und Jugendlichen sowie deren Familien bei. Auch Kinder und Jugendliche, in deren Familien Vater oder Mutter krank oder verstorben sind, werden betreut. Kontaktdaten: telefonisch unter 07941/64 80 26 oder per E-Mail unter info@hospizdienst-oehringen.de

 




Nicht jeder stirbt für sich alleine

„Die Atmung setzt aus und dann weiß man – jetzt passiert es. Und auf einmal sehen die Menschen ganz friedlich aus“, schildert Ingeborg Zeller.  Sie und Bärbel Weltin arbeiten ehrenamtlich für den Hospizdienst Kocher-Jagst. Sie begleiten Menschen bis zum Tod. Menschen, die krank und ohne Aussicht auf Heilung sind. 

Wenn das Telefon klingelt und Bettina Jörger am anderen Ende ist, bedeutet das für Ehrenamtliche wie Zeller und Weltin, dass es wieder so weit ist – ihre Hilfe wird benötigt. „Man muss selbst frei sein, denn wenn wir zu viel im Kopf haben oder gestresst sind, können wir das nicht machen“, so Weltin über ihr Ehrenamt. Die 62-Jährige macht die Sterbebegleitung nun seit sechs Jahren. 

„Jetzt habe ich es geschafft.“

„Wenn jemand verstorben ist, der lang gelitten hat, krank war und Schmerzen hatte, habe ich immer den Eindruck gehabt, dass die Menschen erleichtert sind. An den Gesichtszügen stellt man einen gewissen Ausdruck fest, der sagt: Jetzt habe ich es geschafft“, beschreibt Zeller den Übergang vom Sterben zum Tod.

Für Zeller ist dieses Ehrenamt auch eine private Angelegenheit. Denn die 65-Jährige musste bereits mit 23 Jahren ihre Großmutter beim Sterben begleiten. Als dann ihr Schwiegervater daheim verstarb, meldete sie sich kurzerhand beim Hospizdienst Kocher-Jagst. „Die Art und Weise, wie man mit dem Tod umgegangen ist, fand ich schlimm“, erzählt die Künzelsauerin. 

„Die Betroffenen wollen nicht immer reden.“

Aber wie genau sieht dieses Begleiten aus? Die Ehrenamtlichen vom Hospizdienst kommen einmal die Woche für ein bis zwei Stunden zu der Person, die sterben wird – sei es nun zu Hause, ins Krankenhaus oder auch ins Pflegeheim. Zeller berichtet, dass die Zeiten, in denen sie da ist, individuell mit den Angehörigen und Betroffenen abgestimmt wird. Sie erinnert sich an einen ganz besonderen Fall: „Damit eine Ehefrau beruhigt schlafen konnte, war ich die ganze Nacht am Bett ihres Mannes gesessen und sobald sie morgens aufgestanden ist, bin ich nach Hause.“ 

Weltin erklärt: „Die Betroffenen wollen nicht immer reden. Darum geht es auch nicht. Auch ein Händedruck oder einfach nur das Dasein hilft.“ Zeller beschreibt, dass man nicht wisse, was für Gedanken noch in den Köpfen der Sterbenden sind. Es sei viel Ungeklärtes im Kopf und wenn jemand viel Ballast im Kopf hat, sterbe er wahrscheinlich schwerer. Denn er müsse noch viel für sich abarbeiten. 

„Aber nicht, dass sie meinen Sohn anrufen und ihm sagen, dass ich sterbe.“

Zeller erzählt, dass sie eine Dame begleitet hat, bei der es hieß, sie hätte keine Angehörigen mehr. Nach ein paar Wochen habe ihr die Dame erzählt, dass sie einen Sohn hätte, aber sagte mit Nachdruck: „Aber nicht, dass sie jetzt auf die Idee kommen, meinen Sohn anzurufen und ihm sagen, dass ich sterbe.“ „Als ihr nicht mehr allzu viel Zeit blieb, wollte sie ihn aber nochmal sehen. „Ich ließ die beiden dann alleine, damit sie sich in Ruhe unterhalten konnten. Dieses Gespräch tat beiden gut – vor allem dem Sohn“, beschreibt Zeller. 

„Die Sterbenden wollen es ihren Angehörigen nicht antun, dass sie sehen, wie sie sterben.“

Sie verdeutlicht: „Jedes Sterben ist anders. Jeder stirbt anders. Und jeder hat ein anderes Anliegen, wann er sterben kann. Es ist oft so, dass die Angehörigen auch viel bei dem Sterbenden sind und kaum sind die Angehörigen aus dem Raum, wenn Sie kurz an die frische Luft gehen oder sich einen Kaffee holen, in diesem einen Moment, in der kurzen Zeit, versterben die Menschen dann. Die Sterbenden wollen es ihren Angehörigen nicht antun, dass sie sehen, wie sie sterben.“ Auch Weltin ist der Meinung: „Jede Geburt ist anders und jedes

Sterben ist anders. Jeder stirbt individuell. Einige sterben tagelang. Aber jeder hat es geschafft, in die Welt zu kommen und muss es auch schaffen, wieder aus der Welt zu gehen. Man kann Hilfestellung leisten. Aber gehen muss jeder selbst. Ich denke, da ist noch irgendwas ungeklärt, aber sie schaffen es nicht mehr, sich zu äußern. Das ist für uns auch sehr schwer.“ 

Weltin ist Christin und weiß auch, dass nicht jeder daran glaubt, dass der Tod nicht endgültig ist. Auch sie glaubt daran, dass nach dem Tod noch etwas kommt. Zeller hilft es, nachdem jemand gestorben ist, in die Kirche zu gehen und es zu verarbeiten. Bettina Jörger, die Leiterin des Hospizdienstes Kocher-Jagst, erreichen die Anfragen an den Hospizdienst meist telefonisch oder per E-Mail. Sie vereinbaren dann einen Termin für einen Erstbesuch nach den Wünschen der Betroffenen.

Sie und ihre Stellvertreterin, Lisa Möhler, sind ausgebildete Palliativschwestern. Daher erstreckt sich die Beratung auch auf alle Teile der Palliativpflege – je nachdem, welche Fragen die Betroffenen haben. Jörger gibt einige Beispiele von Fragen, die die Angehörigen haben:

„Wie lässt sich die Pflege in der letzten Lebensphase daheim organisieren? Gibt es Alternativen? Welche belastenden körperlichen Symptome gibt es? Wie werden diese durch den Hausarzt behandelt? Was kann man darüber hinaus noch tun?“ Auch der Hospizdienst hat Fragen an die Angehörigen, wie etwa: „Möchte der sterbende Mensch jemanden an seiner Seite haben? Gibt es religiöse Bedürfnisse, braucht es spirituelle Begleitung? Welche Hoffnungen tragen durch diese Zeit? Welche Bilder haben die Menschen vom Sterben?“ Jörger stellt fest, dass die Menschen ganz genaue Fragen zum Prozess des Sterbens haben. 

 

Hospizdienst Kocher-Jagst

Hospizdienst Kocher-Jagst

Oberamteistraße 18

74653 Künzelsau

Leitung: Bettina Jörger, joerger@hospizdienst-kocher-jagst.de

Stellvertretende Leitung: Lisa Möhler, moehler@hospizdienst-kocher-jagst.de. Telefon: 07940 9395012 (mit Anrufbeantworter)

www.hospizdienst-kocher-jagst.de

Die Beratung und Begleitung durch den Hospizdienst ist kostenlos. Alle Mitarbeiter unterliegen der Schweigepflicht.

Neuer Ausbildungskurs für Ehrenamtliche

Im zweiten Halbjahr 2019 beginnt ein neuer Ausbildungskurs. In rund 100 Stunden lernen die Menschen alles rund um das Thema Sterbebegleitung und setzen sich mit den teils sehr persönlichen Aspekten rund um Sterben, Tod und Trauer auseinander. Es gibt zunächst ein Orientierungswochenende für erste Inhalte und für alle speziellen Fragen zu Organisation, Befähigung und Rahmenbedingungen. Die Ausbildung ist kostenlos, wenn man anschließend in einem Hospizdienst mitarbeiten möchte. Das Orientierungswochenende kostet eine geringe Gebühr für Essen, Getränke und Materialien. Geeignet für die Hospizarbeit sind alle Menschen, die bereit sind, sich auf die Wünsche und Bedürfnisse Sterbender einzulassen, Menschen, die sich mit klugen Ratschlägen zurückhalten können, die warmherzig und zugewandt sind und keine Berührungsängste haben.