1

„Eltern sehen, wie sie selber überfordert sind“

Es wird das letzte Mal sein, dass er bei einer Landtagswahl kandidiert, verrät Arnulf von Eyb im GSCHWÄTZ-Interview. Nur 17 Stimmen Vorsprung hatte der 65-Jährige bekommen bei der CDU-Nominierungsveranstaltung im Hohenlohekreis. Im GSCHWÄTZ-Interview (Teil 1) sagt er uns, warum er mit der Werte-Union und der AfD nicht viel anfangen kann, Eltern überfordert sind mit der Homeschooling-Situation und die Hohenloher auf hohem Niveau jammern.
Am Sonntag, den 14. März 2021, sind Landtagswahlen in Baden-Württemberg. GSCHWÄTZ veröffentlicht ab sofort alle Informationen zu den Landtagswahlen – inklusive Kandidatenchecks mit Interviews mit Landtagskandidaten des Wahlkreises Hohenlohe (unter anderem der #SPD , den #Grünen , der #AFD und der #FDP ) sowie einem ausführlichen Wahlcheck. Also. SCHWÄTZ MER.

GSCHWÄTZ: Ich darf heute zum Wahlcheck für die Landtagswahlen in Baden-Württemberg am 14. März 2021 Arnulf von Eyb bei uns in der GSCHWÄTZ-Redaktion begrüßen. Er ist der CDU Landtagskandidat für den Hohenlohekreis und das wurde er mit einem hauchdünnen Ergebnis bei der Nominierung. Waren die 17 Stimmen Vorsprung zu ihrem Mitbewerber überraschend für Sie, dass es nur so hauchdünn war?

„Ich wusste natürlich, dass es Gegenstimmen gibt“

von Eyb: Also ich wusste natürlich, dass es Gegenstimmen gibt und ich wusste auch, dass es eine, ja, wie soll ich sagen, eine gewisse Stimmung gab, die mir kritisch gegenüberstand. Aber wie das bei Wahlen so ist, man weiß es nie im Vorfeld, und es hat auf jeden Fall gereicht. Und das ist für mich entscheidend. Ich bin ein liberaler Mensch und ich bin ein ruhiger und unaufgeregter Politiker, das werde ich auch bleiben. Ich haue keine Schlagworte raus, sondern ich mache meine Arbeit, so gut ich sie sie kann. Und der ein oder andere hätte vielleicht irgendwie etwas Kritisches in der einen oder anderen Richtung verlangt, aber ich habe es nicht getan. Ich weiß auch, warum ich das getan habe. Und ich glaube, die Arbeit eines Politikers bedeutet letztendlich, solide Arbeiten das ganze Jahr über und nicht in der Sekunde irgendeiner Stimmung nachgehen. Das mache ich nicht. Und das könnte auch der Grund sein, weshalb der eine oder andere sagt, ich bin vielleicht zu wenig konservativ. Dabei bin ich urkonservativ, aber eben in dem Sinne, wie ich es für richtig erachte.

Kein Anhänger der Werteunion, also des konservativen Flügels der CDU

GSCHWÄTZ: Wurde Ihnen das gesagt, dass Sie zu wenig konservativ sind?

von Eyb: Es gibt hier eine gewisse Strömung, die es auch innerhalb der CDU gibt, diese so genannte Werte-Union [Anm. d. Red.: konservative Bewegung in der CDU]. Das wurde mir auch ganz offen gesagt, dass ich zu merkelfreundlich sei. Und das ist auch nicht richtig. Aber ich bin ein liberaler Mensch und ich glaube, dass die Politik in Deutschland relativ gut läuft. Das sagen ja auch die Umfragen, und mit der Werte-Union kann ich persönlich nicht sehr viel anfangen. Das habe ich gesagt. Ich habe auch gesagt, dass ich mit der AfD nicht wahnsinnig viel anfangen kann und der eine oder andere sagt dann, dann ist er mir einfach zu liberal, ich möchte jemand, der vielleicht etwas konservativer ist, in einer ganz bestimmten Richtung, das verstehe ich nicht unter Konservatismus.

GSCHWÄTZ: Könnte das auch der Grund sein, dass Sie vielleicht von manchen als zu liberal empfunden werden, dass die AfD hier so ungemein punkten konnte vor fünf Jahren?  Anton Baron hat ja über 17 Prozent bei den letzten Landtagswahlen erzielt.

AfD konnte im Hohenlohekreis bei den letzten Landtagswahlen wegen der Flüchtlingskrise so viel punkten, vermutet Arnulf von Eyb

von Eyb: Ja gut, damals war das sicherlich dem Umstand geschuldet, dass die Flüchtlingskrise noch nicht verarbeitet war, dass sehr viele da eine Bedrohung gesehen haben und vor allen Dingen auch manche Wähler, die dann möglicherweise aus einer ganz bestimmten Ecke zu uns gekommen sind. Also ganz offen ausgesprochen, die dann vielleicht auch die Sorge gehabt haben, dass ihnen etwas weggenommen wird. Jetzt sind sie mühsam hier angekommen und haben vielleicht die Sorge, dass sie zu kurz kommen oder ähnliches. Ich weiß es nicht. Ich kann es nicht genau sagen.

„Manche Bürger, die möglicherweise aus einer ganz bestimmten Ecke zu uns bekommen sind und dann vielleicht Sorge haben, dass ihnen etwas weggenommen wird“, wählen die AfD

GSCHWÄTZ: Wie schätzen Sie denn heute, also 2021, die Stimmung im Land ein? Für die CDU? Für die AfD? Was denken Sie, wieviel  Prozent wird es geben im März?

von Eyb: Also ich kann ja nur das sagen, was die Demoskopen so uns erzählen oder sagen oder berichten. Und mal sind die Grünen vorne, mal sind wir vorne, dann ist es Gleichstand. Aber ich glaube auf jeden Fall, die AfD wird nicht mehr so stark sein in Hohenlohe wie vor einigen Jahren. Das hängt wohl auch damit zusammen, dass die Menschen merken, dass da eigentlich nichts Positives gearbeitet wird. Da wird sehr viele Schlagwörter rausgehauen und da werden alle möglichen Positionen eingenommen, die in meinen Augen einfach nicht tragbar sind. Und ich glaube, die werden ein paar Prozent weniger haben. Und ich hoffe natürlich, dass ein Teil der Wähler, die damals vor Enttäuschung zur AfD gegangen sind, dass die vielleicht auch zur CDU zurückkehren, wenn sie überhaupt bei uns gewesen sind. Also die Demoskopen sagen uns, es wird nicht so sein, dass wir alle diejenigen, die nicht mehr AfD wählen, dass wir die bekommen, die gehen vielleicht auch zu anderen Parteien oder sie gehen vielleicht gar nicht mehr wählen.

GSCHWÄTZ: Die AfD kritisiert ja den Kurs der Kanzlerin bezüglich den ganzen Corona-Maßnahmen. Sie haben gerade gesagt, manche schätzen sie als Merkel-Anhänger ein. Dabei sind sie das eigentlich gar nicht. Wie sehen Sie denn diese ganze Corona-Politik?

„52-jährige Chefin schwer an Corona erkrankt“

von Eyb: Ich habe gerade eben mit einem Oberarzt gesprochen von einer Klinik außerhalb des hohen Hohenlohekreises, der mir erzählt hat, dass seine 52-jährige Chefin, eine eigentlich gesunde Frau, schwer an Corona erkrankt ist und er behandelt gerade ein 15-jähriges Mädchen. Also ich glaube, Corona ist eine große Gefahr und ich glaube, weil es eine große Gefahr ist, müssen wir uns alle danach richten, dass wir so wenig Potenziale schaffen, um andere Menschen in Gefahr zu bringen und diese Politik trage ich im Wesentlichen mit. Es gibt immer Details, wo man irgendetwas anders sehen könnte, aber im Wesentlichen glaube ich, dass es richtig ist, den Versuch zu unternehmen, dass möglichst wenig Menschen die Chance haben, andere anzustecken. Und das ist halt nur mit Beschränkungen möglich. Anders ist es nicht denkbar.

„Coronapolitik trage ich im Wesentlichen mit“

GSCHWÄTZ: Warum hat man nicht einfach im Frühjahr 2020, wir machen einen kompletten Shutdown. Gleich am Anfang haben ja viele auch gesagt, das Land komplett herunterfahren, 2 Wochen, 3 Wochen, 4 Wochen. Dann wäre vielleicht vieles schon schneller überstanden gewesen, womit wir jetzt immer noch zu kämpfen haben.

Kompletter Shutdown gleich am Anfang der Pandemie wäre vielleicht eine gute Option gewesen, aber „man ist nach einer gewissen Entwicklung immer schlauer als vorher“

von Eyb: Ja, da stimme ich zu. Aber das Problem ist halt, dass man nach einer gewissen Entwicklung immer schlauer ist wie vorher. Ich bin überzeugt, wenn man gesehen hätte, dass man mit vier Wochen oder sechs Wochen radikal runterfahren das Problem in den Griff kriegt…aber jeder Ministerpräsident hat natürlich auch irgendwie die Befürchtung gehabt, dass sein Land vielleicht besonders schlecht wegkommt. Der Einzelhandel stöhnt, die Gastronomie stöhnt. Alles verständlich. Und dass man da vielleicht gehofft hat, mit weniger harten Maßnahmen doch zum Ziel zu kommen, ist in meinen Augen verständlich.

„Es gibt kein „Staatslehrbuch dafür“

GSCHWÄTZ: Und zum anderen mussten Politiker wie auch Wissenschaftler erst einmal selbst überprüfen, was ist das überhaupt, was da auf uns zukommt. Da steht man ja am Anfang auch als Kommunalpolitiker wahrscheinlich erst einmal da und muss sich erst mal einlesen, 0der?

„Im internationalen Vergleich steht Deutschland gut da“

von Eyb: Ja, es ist wie mit der Flüchtlingskrise Es gibt kein Staatslehrbuch, wo man auf die Seite 943 geht und bis 1350 liest, wie man eine Pandemie bewältigt. Das hat es auch bei der Flüchtlingskrise nicht gegeben. Dann heißt das, die Politik muss versuchen, mit den Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen, das Beste draus zu machen. Und ich glaube, wenn wir in den internationalen Vergleich schauen, dass es Deutschland so schlecht gar nicht gemacht hat,

„Eltern kommen auf mich zu, die fordern, dass die Schulen wieder aufgemacht werden sollen, dass man sie entlastet von der Situation zu Hause, der sie nicht mehr gewachsen sind“

GSCHWÄTZ: Kommen denn Bürger aus dem Hohenlohekreis  gezielt auf sie zu, die nun durch die Coronaßnahmen allmählich am Limit fahren?

von Eyb: Ja, das kriege ich mit. Und zwar nicht täglich, sondern quasi stündlich. Mich rufen Eltern an, die zum Beispiel fordern, dass die Schule wieder aufgemacht wird. Die fordern, dass man sie endlich auch entlastet von der Situation zu Hause, der sie nicht mehr gewachsen sind. Es rufen mich immer auch Eltern an, die sagen, sie haben Angst um Opa und Oma, sie haben Angst, dass irgendetwas passiert. Sie wollen, dass die Schule überhaupt nur noch digital geführt wird. Also das Meinungsspektrum, das ist so irrsinnig weit, dass ich kürzlich in einem Interview gesagt habe: Ich möchte jetzt alles sein, nur nicht die Verantwortung für das Kultusministerium zu haben. Und wir sehen es hier an der armen Frau Dr. Eisenmann, in welchem Spannungsverhältnis sie jeden Tag kommt. Es gibt radikale Forderungen in die eine Richtung. Es gibt radikale Forderungen in die andere Richtung und irgendwie muss man Ausgleich finden. Und ich finde, das macht sie prima.

GSCHWÄTZ: Sie ist auch mittlerweile ein bisschen auf Distanz zu dem Kurs von unserem Ministerpräsidenten gegangen, was  die Schulen betrifft. Da hat sie ja ganz klar darauf, dass man alles dafür tun müsse, die Schulen so früh wie möglich wieder zu öffnen. Da kam der Herr Kretschmann ein bisschen hinterher gehängt.

„Eltern sehen, wie sie selber überfordert sind“

von Eyb: Also wenn ich die Stimmungslage, die mir bekannt ist, bewerte und ich kann nur bewerten das, was ich hier höre, dann wünscht sich der größte Teil der Eltern  eine vernünftige Beschulung. Sie sehen  vielleicht gewisse Schwierigkeiten im Nahverkehr. Das mag sein. Oder in der Schülerbeförderung, sag ich mal so, aber sie wollen auf jeden Fall, dass die Schulen wieder aufgemacht werden. Sie sehen zum einen das Argument, Schüler stecken sich nicht so leicht an. Und wenn man es ordentlich macht, dann ist ja auch in der Vergangenheit aus diesem Bereich relativ wenig passiert. Und sie sehen einfach, wie sie selber überfordert sind. Also wenn eine Mutter, auch wenn sie noch so gebildet ist und noch so viele technische Möglichkeiten hat, wenn die zwei Kinder hat und nebenher noch Home Büro machen soll, wie soll sie das bewältigen? Das bewältigt sie kaum und irgendwann ist man dann so genervt, dass man zum Hörer greift oder mich anruft. Oder. Oder eine SMS schreibt. Oder WhatsApp-Nachrichten. Also meine Nummer ist ja vielen Menschen bekannt und ich werde bestürmt mit entsprechenden E-Mails. Und ich antworte jedem so gut es geht. Und in den Gesprächen kommt dann eben manchmal doch heraus, dass sie nicht alles so verstanden haben, weil die Erläuterungen, die jeden Tag notwendig sind, sind ja auch schwierig. Man kann den Einzelnen ja nicht immer im Detail berichten, was da im Hintergrund an Überlegungen angestellt werden, um die Pandemie im Griff zu kriegen. Aber wenn man mit den Menschen sich unterhält das Gespräch endet fast immer relativ freundschaftlich. Aber ich rede natürlich auch mit älteren Menschen und die sagen mir manchmal also lieber einmal ehrlich. Es ist sicherlich schwierig für unsere Enkel oder Urenkel. Aber wir haben ganz andere Sachen ertragen müssen über eine viel längere Zeit. Wir hatten kein Skype, wir hatten kein Radio, wir hatten kein Telefon. Wir hatten keine Geräte, die man ein iPhone nennt oder wo man mit Freunden immerhin noch in Kontakt treten kann. Das hatten wir alles nicht. Und die glauben nicht, dass die Kinder einen so bleibenden Schaden davontragen, dass wir nachher alle in psychologische Beratung schicken müssen. Also so schlimm wird es hoffentlich nicht kommen.

„In den Gesprächen kommt dann eben manchmal doch heraus, dass sie nicht alles so verstanden haben, weil die Erläuterungen, die jeden Tag notwendig sind, sind ja auch schwierig“

GSCHWÄTZ: Also ist das Jammern auf hohem Niveau?

von Eyb: Ja, also zuweilen denkt man, es ist vielleicht auch mal ganz gut, wenn man den ein oder anderen erlebt. Es kann nicht immer schneller, höher, weiter gehen, dass man auch mal merkt, es gibt Restriktionen, da muss man sich eine Zeitlang zusammenreissen. Und sehr, sehr viele Eltern erzählen mir auch, dass ihre Kinder völlig neue Fähigkeiten entwickeln, dass sie zum Beispiel wieder miteinander spielen, dass sie sich auch wieder für das Buch interessieren. Oder ich bin Präsident des Bundes der Deutschen Musiker, Landesverband Baden-Württemberg. Was da alles läuft mit Fernschulunterricht. Also es ist nicht alles ganz mies, was damit zusammenhängt. Natürlich wünscht sich keiner, dass es länger geht, wie auch nur eine Stunde länger als unbedingt notwendig.

GSCHWÄTZ: Was denken Sie denn, wie lange der Lockdown noch geht?

von Eyb: Ich bin zwar ein sehr optimistischer Mensch, aber ich möchte den Menschen auch nichts versprechen, was ich dann in irgendeiner Form für selber nicht glaubhafter erachte. Ich glaube, das erste halbe Jahr des Jahres 2021 werden wir uns noch relativ zurücknehmen müssen und ab der zweiten Hälfte ist hoffentlich auch genügend Impfstoff da. Dann können wir die Menschen impfen und dann wird sich das alles entspannen. Davon bin ich ziemlich überzeugt.

„Das erste halbe Jahr des Jahres 2021 werden wir uns noch relativ zurücknehmen müssen“

GSCHWÄTZ: Sie sind 65, nächsten Monat werden Sie 66. Haben Sie selber schon Corona gehabt oder jemand aus Ihrem näheren Umfeld?

von Eyb: Ja, also ich selber zum Glück nicht. Ich schon mehrmals getestet worden, weil ich jedes Mal, wenn ich in den Landtag komme, die Möglichkeit habe, dann lasse ich mich testen. Es war bisher immer negativ. Das ist so schön. Und ich habe allerdings auch Bekannte, die an Corona erkrankt waren. Ich habe auch einen jungen Mann, der erkrankt ist und der mich dann eben auch angegeben hat beim Gesundheitsamt als K1-Person. Mit dem habe ich vor wenigen Tagen gesprochen. Der schmeckt noch nichts und riecht noch nichts. Also ein 20-jähriger junger Mann, pumperlgsund, wie man so schön sagt. Aber er sagt: Nehmen Sie das bitte nicht auf die leichte Schulter.

GSCHWÄTZ: Haben Sie persönlich Angst vor Erkranken?

Arnulf von Eyb hat keine Angst, an Corona zu erkranken

von Eyb: Nein, aus irgendwelchen Gründen hab ich das nicht. Zum einen bin ich vorsichtig und ich glaube auch, dass das die beste Methode ist. Aber wenn ich erkranken würde, dann hoffe ich natürlich, dass ich nicht so schwer erkranken würde, dass ich an irgendeine Maschine angeschlossen werden muss. Weil das ist ja die Krux. Wir wissen, derjenige, der an die Maschine angeschlossen wird, der hat eine relativ große Wahrscheinlichkeit, dass er das nicht überlebt.

„Weil das ist ja die Krux. Wir wissen, derjenige, der an die Maschine angeschlossen wird, der hat eine relativ große Wahrscheinlichkeit, dass er das nicht überlebt.“

GSCHWÄTZ: Sie haben vorhin gesagt, dass wenn Sie gewählt werden, wird das Ihre letzte Amtsperiode sein. Wenn Sie jetzt zurückblicken auf Ihre Jahre als Landtagsabgeordneter, was waren denn Ihre Höhepunkte?

von Eyb: Es gab zwei Höhepunkte, die aber ja sicherlich mit einem negativen Vorzeichen versehen waren. Das war einmal das Jagstunglück, und das waren die Wassermassen, die über Braunsbach hereingefallen sind und auch Schäden, die wir in Künzelsau hatten, hier unmittelbar neben ihrem Büro, Sie wissen es ja, da war ein Loch, vor der CDU-Geschäftsstell e [Anm. d. Red.: am oberen Bach, neben der Redaktion GSCHWÄTZ], da hätte ein Auto verschwinden können. Und als ich dann nach Braunsbach gefahren bin, zwei Stunden später, bin ich schon mal gar nicht reingekommen. Ich musste einen Riesenumweg fahren.  Und als ich das gesehen habe, habe ich den Bürgermeister Harsch gebeten – übrigens ein ganz toller Typ. Typ ist der falsche Ausdruck, Eine tolle Persönlichkeit, wollte ich sagen. Herr Harsch, tun Sie mir einen Gefallen und lassen Sie fünfmal hintereinander abzählen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein solches Unglück in Braunsbach nicht zu einem Todesfall geführt hat. Er hat fünfmal abzählen lassen. Es ist keiner unter den Massen verschwunden. Aber die damit zusammenhängenden Herausforderungen an das Land und an die Abgeordneten, die waren enorm. Und mittlerweile: Das Land hat es gut gemanagt. Braunsbach hat es gut gemacht. Tolle Bevölkerung. Viele Menschen haben geholfen und das waren die beiden ganz großen Herausforderungen.

Jagstunglück und Hochwasser in bleibender Erinnerung

Und das Jagstunglück. Wenn man selber Angler ist, eine Zeitlang war ich Präsident des Landesfischereiberbandes, wenn man da sieht, wie die Menschen darum kämpfen, möglichst viele Fische herauszunehmen, um sie irgendwo zwischenzulagern, und diese Anstrengungen, dieses ehrenamtliche Engagement, das Helfen, da jeder hat irgendwie eine Idee. Der eine kennt den, der andere kennt den und der dritte kennt dann jemand, der einen Bagger hat, damit man irgendwo einen Jagstarm abschottet, damit die Fische, die da drin sind, entsprechend überleben. Das war schon ein tolles Erlebnis, aber natürlich: Die Ausgangslage war kritisch, ausgesprochen kritisch.

Ansonsten leben wir doch in einem wunderbaren Land hier in Hohenlohe.

Das Interview führte GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann

Arnulf von Eyb im Gespräch mit GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann. Foto: GSCHWÄTZ

Arnulf von Eyb stand GSCHWÄTZ Rede und Antwort. Foto: GSCHWÄTZ

 

 




Lichter aus. Ein totaler Shutdown muss kommen

Und wieder war es nichts. Die Hoffnungen von vielen Eltern und Schüler, zurück in den normalen Schulalltag in die Schulen zu dürfen, zerplatzte am Donnerstag, den 28. Januar 2021, als der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann nicht zum ersten Mal alle zuvor gestreuten Hoffnungen auf baldige Schul- und Kitaöffnungen zu nichte machte. Angesichts der Mutationen des Coronavirus‘, die es nun in Baden-Württemberg gäbe, seien Lockerungen der Coronamaßnahmen derzeit nun überhaupt nicht mehr vorstellbar.

Überhaupt nicht mehr vorstellbar

Hierzu gab es vor allem in den sozialen Medien diverse hämische ironische Kommentare à la: ,Die Virusmutation sei ja nun ganz überraschend aufgetaucht.‘ In der Tat berichteten diverse Medien bereits im Dezember 2020 von der neuen Mutante in Baden-Württemberg. Also fragt man sich derweil schon, was diese Salamitaktik der Regierung soll, den Bürgern stets Hoffnung auf eine baldige Beendigung der Coronamaßnahmen zu geben, um dann den Traum in letzter Minute platzen zu lassen. Warum sagt man nicht gleich: Stellt euch auf drei Monate Lockdown ein? Damit wäre zumindest die Glaubwürdigkeit in die Politik nicht dermaßen am Wanken.

Auf und nieder, immer wieder

Knapp ein Jahr geht dieser Lockdown-Marathon schon. Auf und nieder, immer wieder. Ein baldiges Ende ist durch die Mutationen derweil erst einmal nicht in Sicht – und damit gehen auch erst einmal die Dauerdoppelbelastungen von vielen Familien weiter, die in einer coronaisolierten Welt leben, die gefühlt nur noch aus homeschooling, homeoffice und Kurzarbeit besteht.

Von Anfang ein knallharter Shutdown

Viele Freizeitaktivitäten sind gestrichen, diverse Läden zu, einige Firmen vor der Insolvenz. Selbst ein Friseurbesuch ist derzeit verboten. Die sozialen Kontakte sollen auf ein Minimum reduziert werden. Die große Frage: Wie lange hält das Volk das noch durch? Wäre es nicht sinnvoller gewesen, wenn man zu Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 sofort einen strikten Shutdown-Kurs gefahren hätte? Das habe ich jüngst Arnulf von Eyb, den CDU-Landtagsabgeordneten des Hohenlohekreises, im einem Video-Interview zur bevorstehenden Landtagswahl gefragt. Er sagte sinngemäß: Sicher, wenn man das alles immer vorher wüsste.

Stoppen wir das Virus. Jetzt

Damals war das Virus neu für Deutschland. Nun nicht mehr. Wir wissen inzwischen viel mehr, auch die Politiker. Nun haben wir eine zweite Chance. Eine Mutation, die weitaus schlimmer ist als die erste Variante, soll in Deutschland angekommen sein. Warum nicht jetzt die neuen Erkenntnisse nach einem Coronajahr nutzen und den totalen Shutdown verhängen? Einen Monat alles herunterfahren. Kein Unterricht mehr, kein arbeiten mehr. Die Doppel- und Dreifachbelastung hätte damit für viele zum ersten Mal seit langer Zeit ein Ende. Und auch die finanziellen Folgen eines knallharten Shutdownkurses wären angesichts der immensen Kosten, die der vorherrschende langwierige Dauerhalblockdown verursacht, vorzuziehen. Denn: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Stoppen wir das Virus. Jetzt.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann




Einmal Mathe digital, bitte

Homeschooling war noch nie so einfach. Diesen Satz empfinden viele Eltern als sarkastisch. und doch hat sich seit dem ersten Lockdown so einiges getan an Deutschlands Schulen, was das digitale Lernen betrifft (wir berichteten). Natürlich gibt es aber auch hier zwischen den einzelnen Schulen und Lehrern erhebliche Unterschiede.

Wie geht digitaler Unterricht?

Wir wollten wissen: Was ist heutzutage an digitalem Unterricht überhaupt möglich und haben unsere GSCHWÄTZ-Praktikantin Cora-Lee Pusker zu einer virtuellen Mathestunde mit einer Lehrerin aus dem Kochertal, die anonym bleiben möchte, geschickt.

Auch die GSCHWÄTZ-Redaktion hatte so ihre Probleme mit Zoom

Über die Software Zoom haben sich die beiden zusammengefunden. Wir durften Mäuschen spielen. Aber nicht jede/r GSCHWÄTZ-Redakteur:in hat mit Zoom Erfahrung gemacht. Daher stellten sich für uns zunächst ganz banale technische Fragen: Brauchen wir hierfür eine Webcam? Unsere normalen Monitore haben nämlich keine vorinstallierte Kamera. Also müssen wir uns tatsächlich eine separate Webcam kaufen. Oder wir nehmen hilfsweise unser Notebook, dieses hat eine Kamera integriert. Nun müssen wir das Notebook jedoch auf eine kleine Erhöhung vor uns stellen, damit uns die Kamera des Notebooks quasi auf Augenhöhe filmt. Sonst filmt uns die Kamera lediglich in die Nasenlöcher rein, was sehr unschön ausschauen würde.

Wir sind nun virtuell in einem Raum verbunden

Und nun? Wir erhalten von der Mathelehrerin per E-Mail einen Zoom-Link. Darauf klicken wir und schon öffnet sich ein Fenster. Darauf zu sehen: Eine Matheaufgabe in groß und rechts daneben zwei kleine Bewegtbilder. In dem einen sehen wir die Mathelehrerin, in dem anderen winkt uns Cora-Lee zu und auch wir sind als drittes Bewegtbild ebenfalls zu sehen. Das Wichtigste wäre geschafft: Wir sind nun virtuell alle in einem Raum verbunden. Normalerweise sind hier mehr Schüler zu sehen. Dafür hat die Mathelehrerin einen zweiten Monitor zu Hause stehen. Ansonsten wäre ihr Monitor nur mit Gesichtern voll und die Aufgabe wäre nicht mehr zu sehen. Man kann die Leiste mit den Gesichtern aber auch einfach kleiner machen oder ganz verschwinden lassen. Aber dann sieht die Lehrkraft nicht mehr die Reaktionen der Schüler. Sprich: Wer meldet sich gerade (hierfür gibt es einen kleinen Button), wer hat eine Frage, wer passt nicht auf.

Das Erarbeitete vom ersten Lockdown helfe ihr nun auch beim zweiten

Neben der Matheaufgabe ist Platz für die Rechnung selbst. Da kann die Lehrerin etwa mittels Touchscreen die Rechnung hinschreiben, die ihr Cora-Lee nach ein paar Minuten überlegen, diktiert.  Auch Cora-Lee kann mit ihrer Maus die Grafik markieren oder selbst etwas in das weiße Feld neben der Grafik schreiben. Stimmt die Rechnung? Die Lösung taucht einen Klick später auf. Die Mathaufgabe und das Diagramm sowie die Lösungen wurden mittels Power Point vorbereitet und in Zoom eingespielt. Das alles geht nicht von heute auf morgen. „Ich habe schon viel Zeit auch in meiner Freizeit investiert, um mich mit digitalem Unterricht auseinanderzusetzen“, sagt die Lehrerin. Das Gute aber sei: Was man hat, das hat man. Sprich: Das Erarbeitete vom ersten Lockdown helfe ihr nun auch beim zweiten.

Manche Fächer einfacher zu unterrichten als andere

Aber auch hier gibt es Unterschiede: Ältere Schüler können eher einem Onlineunterricht folgen als jüngere. Bei den jüngeren ist der digitale Konzentrationsfaden oft noch kürzer als im Klassenzimmer. Kleinere Gruppen von 5 Schülern sind besser als eine Klasse mit 25 Schülern. Manche Fächer sind einfacher zu unterrichten als andere. „Wir Mathelehrer kamen eigentlich gut mit unseren Unterrichtsmaterialien während des ersten Lockdowns durch“, erinnert sich die Lehrerin. Aber wie bringe ich einem Erstklässler in Deutsch bei, wie man die Buchstaben richtig schreibt? Da wird es dann schon schwieriger. Man könne zwar beispielsweise ein „R“ direkt auf ein digitales Whiteboard, ähnlich einer Tafel, schreiben. Dadurch wissen dann die Erstklässler, wie man das R korrekt schreibt, aber sie müssen es auch korrekt nachschreiben. Im Klassenzimmer kann die Lehrkraft kurzerhand durch das Klassenzimmer laufen und die Aufschriebe anschauen. Das geht im digitalen Unterricht nicht.

Digitale Arbeitsräume

Was gut bei Zoom funktioniert: digitale Gruppenarbeitsräume. Die Lehrkraft steckt zum Beispiel Cora-Lee mit zwei Schulfreundinnen in einen digitalen Arbeitsraum, die anderen Mitschüler kommen gruppenweise in andere Arbeitsräume. Dort sollen sie verschiedene Aufgaben gemeinsam lösen. Sie sind unter sich, unterhalten sich hier auch mal über andere, außerschulische Dinge. Man sieht die Schulkameraden ansonsten ja kaum mehr. Wenn sie Fragen haben, können sie die Lehrerin digital mit dem Klick eines Buttons rufen, aber auch die Lehrerin kann jederzeit den digitalen Klassenraum betreten und hören und sehen, was die Schüler bis dato geschaffen haben. Die Lehrkraft kann auch einen Timer stellen, wann die Gruppenarbeit in den einzelnen Räumen zu Ende ist und alle wieder in demselben Klassenzimmer zusammensitzen.

Auch abschalten ist wichtig. Und das im wahrsten Sinne

Nicht nur für die Lehrkräfte, auch für die Schüler war das homeschooling zunächst eine große Umstellung. Cora-Lee erinnert sich daran, dass sie im ersten Lockdown sich selbst und ihren Tag erst einmal eigenständig strukturieren musste: Wann mache ich was zu welcher Uhrzeit? Und hat dabei gelernt: sich auch immer wieder bewusst eine Pause zwischendurch zu nehmen, ist wichtig. Auch einmal abschalten ist wichtig. Und das wahrsten Sinne.

Text: Dr. Sandra Hartmann

Homeschooling-Mathestunde mit GSCHWÄTZ-Praktikantin Cora-Lee Pusker. Foto: Screenshot aus der Probestunde

 

 

 




„Maaaama, komm mal. Ich habe kein Klopapier“

Ich befinde mich nun wieder seit gefühlt 100, aber offiziell sind es nur drei Tagen, im homeschooling und home office. Das heißt, eigentlich befinde ich mich dort bereits seit Mitte Dezember 2020, als die Schulen überraschenderweise bereits fast eineinhalb Wochen vor den eigentlichen Ferien zugemacht haben und ich meinen Kindern, nachdem die Lehrer sich in die frühzeitigen Winterferien verabschiedet haben, Schulaufgaben aus dem Internet ausgedruckt habe, um zumindest am Vormittag noch ein oder zwei Stunden meiner Firma per Fernwartung zu dienen.

The same procedure 2021

Nun also the same procedure 2021. Aber hey, nachdem wir im Hohenlohekreis bereit nach zwei Wochen an die 700 Menschen geimpft haben – von insgesamt rund 120.000 – kann der Lockdown nur noch bis 2030 gehen. Wir bleiben optimistisch und beginnen den Tag bereits um 05 Uhr direkt am PC beim digitalen Arbeiten, dort wird auch gefrühstückt. Ich will  ja schließlich keine Zeit verlieren, bis meine Kinder aufstehen. Mein Mann steht eine Stunde später auf und verabschiedet sich lautlos in die Arbeit. Um 07 Uhr fällt das erste Kind aus dem Bett und ist nicht gut gelaunt angesichts der Tatsache, dass sein Unterricht bereits um 08 Uhr beginnt, der Unterricht bei dem anderen Kind beginnt nämlich erst um 08.30 Uhr. In dieser homeschooling-Phase sind die Schulen sehr motiviert, zu beweisen, dass ihre Lehrer nicht zu Hause im Garten sitzen und Kaffee trinken, sondern ständig anwesend und ansprechbar sind. Also gibt es permanent E-Mails und ganz viele Videokonferenzen. Teilweise morgens, mittags und abends.

Einen Strich für unentschuldigtes Fehlen

Und da muss man dabei sein, sonst erhält man einen Strich wegen unentschuldigten Fehlens. So. Jedes Mal hoffe ich daher, dass unser Internet stabil bleibt und wir die Verbindung korrekt einrichten und hinbekommen. Das Kind ist frisch gekämmt und hat saubere Kleidung an. Der Schreibtisch ist aufgeräumt. Puh. Das wäre geschafft. Während das eine Kind Videokonferenz macht und darüber spricht, wie die Aufgaben vom Vortag waren, schlurft das andere Kind im Hintergrund schlaftrunken in T-Shirt und Unterhose durch das Videobild. Alles gestikulieren meinerseits hilft nichts. Egal. Ich sitze mittlerweile auch nicht mehr in Bluse und Buntfaltenhose vor dem Rechner, sondern in Kapuzenpulli und Adidas Sporthose. So ändern sich eben die Zeiten. Jetzt zählt nur noch das nervliche Überleben.

Der Ärger beginnt bereits um kurz vor halb neun

Der Ärger beginnt bereits um kurz vor halb neun. Mein eines Kind mault im Hintergrund, das es langsam auch das Tablet braucht, weil seine Videokonferenz nun anfängt. Das andere Kind zuckt mit den Schultern und gestikuliert, doch bitte ruhig zu sein. Ich sage dem Kind, es kann auch mit meinem Handy rein. Nein, da seien nicht alle Symbole verfügbar und der Bildschirm zu klein. An meinem PC bin ich gerade an der Erstellung einer Tabelle. Soll ich mein Kind dort ranlassen? Im Hintergrund in meinem Büro sieht es zudem aus wie bei Hempels. Dort müsste ich vorher noch aufräumen, sonst wird es peinlich.

Wir können der Videokonferenz nicht digital beitreten

Es ist fünf Minuten nach halb neun. Die zweite Videokonferenz läuft schon, während mein zweites Kind sich zuschaltet. Es ist sowieso schon sehr schlecht gelaunt, weil es den Anfang vermutlich verpasst hat. Wir können die Konferenz nicht digital betreten. Eine Welt bricht ein – für mein Kind. Ich melde es per E-Mail der Lehrerin und sage, dass wir jetzt anfangen zu arbeiten und vielleicht morgen digital sehen. Während ich dem einen Kind erkläre, warum es sich an die Vorgaben des Lehrers halten muss und zwei Sätze als Aufsatz nicht ausreichen, kreischt mein anderes Kind, als es den Wochenplan vor sich sieht, dass das alles viel zu viel sei und das alles nicht bewältigen könne. Außerdem habe es Hunger und möchte ein Müsli auf seinen Schreibtisch platziert wissen. Zwischendurch rufen meine Kollegen an, um sich abzusprechen wegen des Projektes XY, der Bofrostmann klingelt und der Paketbote ebenso. Die erste Aufgabe im Fach Deutsch wäre beim ersten Kind erledigt. Ich fotografiere sie ab und schicke sie dem betreffenden Lehrer. Danach schaue ich, welches Fach auf dem Stundenplan als nächstes drankommt und welche dazugehörigen Aufgaben. Ich suche verzweifelt das Religionsblatt, das als nächstes zu machen wäre, während das andere Kind mich nebenbei wissen lässt, dass die Lösungen in Mathe alle im Buch hinten drin stehen und er jetzt schnell mal nachschaut, ob er auch alles richtig gerechnet hat. Aha. Bevor ich eingreifen kann, klingelt das Telefon. Mein Chef ist dran und will wissen, wie weit ich mit der Tabelle wäre und ob wir um 11 Uhr eine kurze Videokonferenz machen könnten zur Besprechung der Ergebnisse. Derweil schreit’s im Hintergrund, vermutlich aus dem Badezimmer: „Maaaama, komm mal. Ich habe kein Klopapier“. Eine Mail vom Deutschlehrer erreicht mich wenig später, dass an der Hausaufgabe meines Kindes noch etwas geändert werden muss und dann bitte, na klar, nochmal zuschicken. Eine WhatsApp trifft parallel dazu ein von meinem Mann, der mich darauf aufmerksam macht, dass man Abwesenheitsassistent noch aktiv ist, obwohl ich doch schon wieder arbeite. Und ich frage mich: Wie lange soll nochmal der Shutdown gehen?

Eine Kolumne von Christine Müller

 




Homeschooling-Plattform Moodle überlastet – 200 Schulen betroffen

Zum Start des Fernunterrichts am Montagvormittag, den 11. Januar 2021, haben das Kultusministerium Baden-Württemberg mehrere Rückmeldungen erreicht, dass einige Moodle-Instanzen nicht erreichbar sind, das heißt verlangsamt beantwortet werden oder eine Fehlermeldung erzeugen. Moodle ist eine digitale Lernplattform, mit der viele Schulen währendes homeschooling im Corona-Lockdown arbeiten.

Dies führt zeitweise dazu, dass der Login fehlschlägt und sich die betroffenen Personen erneut anmelden müssen. BelWü als Moodle-Betreiber hat im technischen Monitoring 200 betroffene Schulen identifiziert und die jeweiligen Probleme identifiziert. In weiten Teilen Baden-Württembergs und bei der überwiegenden Mehrheit der Schulen funktioniert Moodle jedoch störungsfrei.

„Auf dieses Szenario vorbereitet“

„Das Überlastproblem haben das Kultusministerium und BelWü umgehend angepackt, indem die großen Moodle-Instanzen von ihren Servern auf neue Pufferkapazitäten ausgelagert werden“, heißt es in einer Pressemitteilung des Kultusministeriums. Für genau dieses Szenario einer erhöhten Belastung hat sich das Kultusministerium vorbereitet und gemeinsam mit BelWü die Pufferkapazität für Moodle um rund 50 Prozent zusätzlicher Rechenleistung erhöht, um bei einer Störung schnell reagieren zu können. Bei der aktuellen Störung muss nun festgestellt werden, welche Moodle-Instanzen konkret von der Überlast betroffen sind.

Leistungsfähigere Server sollen Abhilfe schaffen

Für diese Moodle-Instanzen werden nun die aktuell noch umfangreichen Pufferkapazitäten zugewiesen und die Instanzen auf entsprechend leistungsfähigere Server umgezogen. Die Probleme sollten im Laufe des Tages behoben werden. Das Kultusministerium analysiert mit BelWü den Bedarf weiterhin laufend. Auch heute Nacht sollen weitere Optimierungen vorgenommen werden. Den betroffenen Schulen und Nutzern steht ein Moodle-Support mit erweiterter Kapazität zur Verfügung. Darüber hinaus sind Anwenderfortbildungen auf Abruf verfügbar.

 

Aktuell nutzen laut dem Kultusministerium etwa 600.000 Nutzerinnen und Nutzern und etwa die Hälfte aller Schulen die Lernplattform Moodle. „Das Kultusministerium und das Landeshochschulnetz BelWü haben die Entwicklungen und Situationen in den anderen Ländern aufmerksam beobachtet und auf technisch-fachlicher Ebene mit den Ländern, die ebenfalls Moodle einsetzen, einen engen Austausch etabliert.“

Ds Kultusministerium Baden-Württemberg erklärt:

  • Seit März 2020 arbeitet das Kultusministerium gemeinsam mit dem Betreiber von Moodle, dem Landeshochschulnetz BelWü, daran, die Moodle-Prozesse stetig zu verbessern, um Rechenleistung und Arbeitsspeicher der einzelnen Server möglichst optimal auszutarieren. So wurden beispielsweise Updates vorgenommen, zusätzliche Plugins eingespielt oder auch Absicherungen gegen Hackerangriffe vorgenommen. Im März hat das Kultusministerium für alle Schulen neue Moodle-Installationen auf neuen, leistungsfähigeren Servern zur Verfügung gestellt, die Speicherkapazitäten erhöht und die Leistungsfähigkeit der Mailserver verbessert. Dafür hat das Land rund 2,25 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.
  • Von Mai bis Dezember wurden Updates und Erweiterungen vorgenommen, um zusätzliche Funktionen freizuschalten und Schnittstellen zu anderen Systemen zu ermöglichen. Zudem wurde die Moodle-App für Schulen zur Verfügung gestellt, um mit mobilen Endgeräten komfortabler mit Moodle arbeiten zu können. Außerdem wurde die Bedienerfreundlichkeit der Plattform verbessert und diverse technische Optimierungen vorgenommen. Dafür hat das Land zusätzlich 396.000 Euro investiert.
  • In den Weihnachtsferien wurden sowohl die Kapazitäten des Videokonferenztools Big Blue Button als auch die Rechenleistung der Moodle-Server optimiert und ausgeweitet. Die Puffer-Rechenkapazität wurde um 50 Prozent vergrößert. Zudem hat BelWue die Sicherheit vor Hackerangriffen erhöht. Für diese Maßnahmen hat das Land nochmals 250.000 Euro ausgegeben.
  • Im Jahr 2020 hat das Land für Moodle, das integrierte Videokonferenztool Big Blue Button, das Videokonferenztool Jitsi, für entsprechende Fortbildungen und für die rechtssichere und pädagogisch geprüfte SESAM-Mediathek insgesamt rund 8,4 Millionen Euro investiert. Für das Jahr 2021 sind weitere 9,8 Millionen Euro, unter anderem für Verbesserungen und Weiterentwicklungen bei Moodle, eingeplant.

 




3 Schulklassen, 1 Kindergarten, 2 Fußballmannschaften sowie Teilnehmer einer privaten Feier in Quarantäne

Wegen eines Corona-Falles innerhalb der Lehrerschaft sind drei Grundschul-Klassen der Pestalozzi-Schule Pfedelbach als Kontaktpersonen erster Kategorie eingeordnet worden und müssen deshalb für 14 Tage in Quarantäne. Außerdem betroffen sind zwei Mannschaften des TSV Pfedelbach sowie die Teilnehmer einer privaten Feier. Ein zweiter Fall betrifft einen Kindergarten in Öhringen. Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises hervor.

Lehrer hat Corona

Das Landratsamt Hohenlohekreis ermittelt derzeit alle Kontaktpersonen und hat aufgrund der größeren Menge ein zweites Fallermittler-Team aktiviert. Insgesamt sind mehr als 150 Personen von der Quarantäne betroffen.

„Es zeigt sich, dass immer wieder Fälle auftreten – zwar nicht gehäuft, aber doch recht regelmäßig“, erklärt Torsten Kunkel, Bürgermeister der Gemeinde Pfedelbach. „Daher kann man gar nicht oft genug betonen, dass es wichtig ist, die bekannten Hygieneregeln einzuhalten.“

„Wir dürfen nicht leichtsinnig werden“

Auch Landrat Dr. Matthias Neth appelliert an die Bürger im Kreis, vorsichtig zu sein: „Wir dürfen nicht leichtsinnig werden, sondern müssen gerade jetzt, wenn es in Richtung Herbst und Winter geht, darauf achten, alles zu tun, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen.“




Jetzt sind Eltern gefragt – Landesweite Umfrage zum homeschooling

Viele Eltern werden erleichtert sein, denn die Sommerferien in Baden-Württemberg rücken in greifbare Nähe und damit hat das homeschooling erst einmal ein Ende. Der Landeselternverband weist indes darauf hin, dass es nach den Ferien immer mal wieder zu homeschooling-Phasen kommen kann.

In einer landesweiten Umfrage, die sich an die Eltern richtet, möchte der Verband nun wissen, wie die Eltern das homeschooling, das sich im Groben über das vergangene halbe Schuljahr erstreckt hat, rückblickend bewerten. Ziel sei es anhand der Auswertungen Verbesserungen für zukünftige homeschooling-Phasen zu bekommen, so der Verband.

Mitmachen darf jeder, der Schulkinder hat. Der Fragebogen ist standardisiert, individuelle Antworten sind nicht möglich. Das erleichtert die Auswertung, vernachlässigt aber dadurch auch einzelne Aspekte. Abgefragt wird etwa, wie oft und in welcher Form die Kinder die Schulaufgaben übermittelt bekommen haben, wie der Kontakt zu den Lehrern war und ob zu viele oder zu wenige Aufgaben an die Kinder verteilt wurden. Klar ist: Hier werden keine objektiven Ergebnisse am Ende herauskommen, sondern subjektive Erlebnisse und Eindrücke der Eltern, die sich vermutlich auch stark von Schule zu Schule und Lehrer zu Lehrer unterscheiden.

Dennoch darf man gespannt sein auf die Ergebnisse und die Rückschlüsse, die daraus gezogen werden.

Wer mitmachen möchte, hat hierzu noch bis Ende zum Ende des Schuljahres, also bis Ende Juli 2020, Gelegenheit. Die Teilnahme ist anonym. Hier geht’s zur Umfrage:

https://leb-bw.de/umfrage




„Für viele Familien ein Problem, wenn sie nicht für jedes Kind einen Rechner haben“

In Zeiten von Corona lernen die Schüler von Zuhause aus, Homeschooling ist das Schlagwort der Stunde. Dazu mussten die Schulen Strukturen aufbauen, um die Kinder und Jugendlichen mit den nötigen Lernmaterialien versorgen zu können.

„Seit zwei bis drei Jahren nutzen wir das für unsere Fünftklässler“

Die Realschule in Krautheim hatte bereits eine digitale Struktur. „Wir nutzen Office 365 von Microsoft“, sagt Schulleiter Thomas Weniger. Die Schule hat seit einigen Jahren eine Lizenzvereinbarung mit dem Software-Riesen. „Wir haben einen Pauschalvertrag über alle Rechner im Haus, der nach Anzahl der Lehrkräfte bezahlt wird“, so der Rektor. Der Vertrag beinhalte auch Heimnutzungsrechte für das Kollegium und die Schüler. „Seit zwei bis drei Jahren nutzen wir das besonders für unsere Fünftklässler“, so Weniger weiter. Als im März klargeworden sei, dass die Schulen schließen, mussten nur noch die E-Mail-Adressen der Eltern eingeholt werden, damit alle direkt erreichbar sind. Worüber sich Weniger besonders freut: Alle Eltern haben geantwortet. Am letzten Schultag hätten außerdem die Schüler einen Link oder Bar-Code bekommen, mit dem sie sich direkt in ihren digitalen Klassenordner mit Arbeitsaufträgen der Fächer einloggen konnten.

„Es läuft ganz gut bei uns“

„Der Online-Unterricht läuft bei uns ganz gut“, ist Weniger überzeugt. Sowohl Zugang als auch Struktur seien recht einfach. Unterrichtet werde nach Stundenplan, für den zuvor Wochenpläne erstellt worden seien. „Wir haben einen Musterwochenplan, anhand dem die Lehrer vorgehen“, sagt er. So könnten alle einheitlich und strukturiert arbeiten. Vorher hätte es kein digitales Lernen an der Realschule gegeben, lediglich einen Server mit Tauschordnern, auf die Schüler und Lehrer Zugriff hätten.

„Es ist auch eine Belastung für die Eltern“

„Es ist ja auch eine Belastung für die Eltern, wenn eine Schule verschiedene Möglichkeiten nutzt“, so Weniger. Die hätten oft genug Probleme, das Homeschooling zuhause zeitlich zu koordinieren. „Für viele Familien ist es zudem ein Problem, wenn sie nicht für jedes Kind einen Rechner haben.“ Auch die Rückmeldungen von Seiten der Schüler sei positiv. Wenn er bei seinen Schülern anrufe, geht es ihnen zwar ganz gut, vielen sei aber langweilig. Den Umfang der Aufgaben für Zuhause finden die meisten in Ordnung.

„Videokonferenzen sind lediglich für kleine Schülergruppen“

Nach den Osterferien wurden in Krautheim wie an vielen anderen Schulen Videokonferenzen eingeführt. Diesem Heimnutzungsrecht mussten die Eltern zuvor zustimmen, was 78 Prozent auch taten. „Die Videokonferenzen sind lediglich für kleine Schülergruppen“, sagt Weniger, der selbst Englisch unterrichtet. Sie seien nicht vergleichbar mit Präsenzunterricht. „Wenn eine gewisse Schülerzahl überschritten wird, wird es schwierig, was Sinn und Zweck anbelangt“, findet er. Der Lernstoff müsse also anders aufbereitet werden.

Den Rücklauf muss der Lehrer einfordern.

Nach drei bis vier Unterrichtsstunden würde er von seinen Schülern eine Rückmeldung verlangen. Das heißt, sie müssen ihre Hausaufgaben an den Lehrer schicken. Ansonsten kontrollieren sie ihre Aufgaben anhand von eingestellten Lösungen selbst. Schulleiter Weniger ist der Kontakt wichtig: „Wenn nichts kommt, schreibe ich eine E-Mail. Kommt dann immer noch keine Reaktion, rufe ich an“. Diesen Rücklauf müsse der Lehrer einfordern, Hausaufgaben auch mal ausdrucken und korrigieren. Und dann an die Schüler ein entsprechendes Feedback geben. Meistens klappe es aber auf Anhieb.

Aufgaben müssen bis 8 Uhr online sein

Manche Lehrer geben die Hausaufgaben wochenweise, andere täglich. Das werde unterschiedlich gehandhabt, allerdings müssen die Aufgaben bis spätestens 8 Uhr online sein. Das erleichtere es den Schülern, zuhause einen Rhythmus zu finden. Momentan hält Weniger dieses Vorgehen für alternativlos. Er komme mit dem Unterrichtsfortschritt voran, zwar langsamer, aber die Qualität sieht er bei ungefähr Dreiviertel der sonstigen.

„Es besteht die Gefahr, dass Schüler abgehängt werden“

Dennoch befürchtet der Schulleiter, dass die Schere zwischen guten und schlechten Schülern noch weiter auseinandergeht. „Es besteht durchaus die Gefahr, dass Schüler abgehängt werden“, sagt er. Deshalb können in Krautheim Schüler, die Unterstützung brauchen, in die Schule kommen. „Die Lehrer melden Problemfälle an die Schulsozialarbeit“, beschreibt Weniger. Die lade die Schüler ein. Zurzeit seien das zwei, es könnten aber auch vier bis fünf Schüler sein.

„Wir halten die Abstände ein“

Kinderreiche Familien, die nicht für alle Kinder einen PC zur Verfügung haben, könnten außerdem ein Leih-Tablet bekommen. Oder auch diese Kinder kommen in die Schule. In der dann betreuten Zeit müssen die online gestellten Aufgaben gemacht werden. Das könne an einem Vormittag sein, aber durchaus auch dreimal in der Woche. „Dabei halten wir die Abstände ein“, so Weniger. Bis zu zwölf Schüler könnten so untergebracht werden.

Abschlussprüfungen im Bürgersaal

Der Blick von Thomas Weniger richtet sich nun Richtung Abschlussprüfungen. In Krautheim kommen die 63 Prüflinge in den Bürgersaal, wo mehr als der vorgeschriebene 1,50 Meter-Abstand eingehalten werden kann und eine Lüftungsanlage für Frischluft sorgt. Auch die Regeln für die vier Kinder aus der Gruppe der Risikopatienten können problemlos beachtet werden.

Tablets oder Laptops für die Lehrer

Der nächste Schritt an der Krautheimer Realschule werden Tablets oder Laptops mit Pens sein, denn die würden das digitale Korrigieren für die Lehrer erleichtern. „Im Moment nutzen unsere Lehrkräfte ihr eigenes privates Equipment“, so Weniger. Er selbst sei als Schulleiter verpflichtet, jeden Werktag vormittags in der Schule zu sein. Doch die Vorbereitung des Unterrichts mache er dann oft auch Zuhause.

Text: Sonja Bossert

Thomas Weniger, Leiter der Realschule Krautheim (links) mit Josef Kraus. Foto: GSCHWÄTZ




„Was anfangs schön, entwickelte sich immer mehr zum Albtraum“

Vor wenigen Tagen haben wir einen Aufruf gestartet. Wir wollten von den Hohenlohern wissen, wie sehr Corona ihr Leben verändert hat. Die Frage lautete: „Corona – lebensverändernd oder einfach nur nervig?“ Anbei veröffentlichen wir Auszüge aus den bisher eingegangenen Antworten:

„Soziale Kontakte bis auf Social Media eingeschränkt“

Für Helmut Zier trifft beides zu. Das Coronavirus sei sowohl lebensverändernd für ihn gewesen, also auch nervig. „Da passt alles“, resümiert er. Jürgen Wernando sieht das ähnlich: „Corona hat auf alle Fälle mein Leben verändert“, sagt er. Besonders die eingeschränktes Freizeitaktivitäten verändern das Privatleben: „Die sozialen Kontakte sind bis auf Social Media eingeschränkt. Ich hatte auch Urlaub in der Lockdownzeit und konnte nicht wie sonst üblich Familie und Freunde besuchen. Jetzt werden die Maßnahmen ja gelockert, hoffentlich nicht zu schnell, um eine zweite Welle zu vermeiden und vielleicht einen zweiten Lockdown.“

„Uns geht allen die Puste aus“

Kim Schrader berichtet über die Entwicklung, die sie während der Lockdownzeit durchlebt hat: „Ich bin Mutter von drei Kindern. Anfangs war es für uns tatsächlich eine Erleichterung. Kein Termindruck, kein Mama-Taxi, keine Verabredungen. Morgens keine Brote schmieren, die Kinder schlafen lassen. Ja, es war tatsächlich richtig schön, eine Zeitlang.“ Nun sei es „einfach nur noch anstrengend und zum Haare sträuben… jedes Spiel wurde unzählige Male gespielt, das anfangs spannende Homeschooling wird zur täglichen Geduldsprobe für Kind und mich und die Langeweile steigt ins Unermessliche.“ Ihr Fazit: „Uns geht allen die Puste aus. Was anfangs wie Urlaub war, entwickelt sich immer mehr in richtig Albtraum. Es wird Zeit, dass wir wieder ein Stückchen Normalität zurückbekommen.“

Aufgaben über den PC selbst kontrollieren, Musikschulunterricht übers Telefon

Eine Familie mit ebenfalls drei Kindern, die anonym bleiben möchte, schildert ähnliches: „Wir sind eine fünfköpfige Familie. Ein Kind geht noch in die Grundschule (2. Klasse), zwei Kinder gehen auf die weiterführende Schule (Gymnasium). Corona hat unser Leben total verändert. Mein Mann macht seit Beginn der Pandemie nur noch Homeoffice und betreut unsere drei Kinder zu Hause. Ich habe eine anwesenheitspflichtige Halbtagsstelle und bin jeden Morgen werktags außer Haus. In der Zeit muss mein Mann alles regeln. Zur Mittagszeit komme ich nach Hause, wir kochen und essen danach gemeinsam. Nachmittags machen die Großen weiterhin ihre Hausaufgaben und das kleinste Kind beschäftigt sich mit Spielmöglichkeiten im Haus oder wir spielen gemeinsam etwas. Informationen/Aufgaben bekommen die Kinder über IServ oder die Schul-Cloud. Jeden Dienstag muss das kleinste Kind seine erledigten Aufgaben in der Schule abgeben und ein neues Lernpaket, dass es zu festgelegten Zeiten in der Schule abholen muss, mitnehmen.

Kontakt mit Freunden nur übers Handy

Freitags muss es die Aufgaben zunächst erst mal über den Rechner selbst kontrollieren. Wenn die Großen fertig sind, spielen wir Brettspiele. Nach draußen gehen wir selten, nur zum Einkaufen, zur Arbeitsstelle oder auf einen kurzen Spaziergang. Die Kinder haben Angst vor Corona und trauen sich gar nicht mehr so richtig, nach draußen zu gehen. Musikschulunterricht an der Musikschule erhalten die Kinder über das Telefon und/ oder Videoanruf. Der Informationsaustausch mit der Schule findet nur noch per Computer statt (E- mails, Videokonferenzen….). Kontakt mit Freunden findet nur noch über das Handy statt. Alle Vereinsaktivitäten finden aufgrund der Coronapandemie derzeit nicht mehr statt.“

Mitmachen und Geschenk bekommen

Wie hat Corona Ihr Leben verändert? Schilden auch Sie uns Ihre Erfahrungen. Als Dank erhält jeder Teilnehmer ein türkisfarbenes GSCHWÄTZ-Notizbuch, DIN-A5, zugeschickt. Bitte geben Sie Ihre Anschrift an, wenn Sie uns Ihre Nachricht schicken, an: info@gschwaetz.de




„Soweit möglich unterstützen, aber…“

Corona verlangt uns allen viel ab, stellt das Leben auf den Kopf, nichts ist mehr so, wie wir es gewohnt sind. Seit Wochen sind die Kinder zuhause, erst seit dieser Woche dürfen Schüler der Abschlussjahrgänge wieder in die Schulen. Und so manche Mutter und Vater jüngerer Kinder wünschen sich das Gleiche auch für ihren Nachwuchs. Denn das so leicht dahingesagte Wort Homeschooling wird für manche Eltern immer mehr zum Schreckgespenst.

„Bedenkt aber, dass auch wir unsere eigenen Kinder betreuen müssen“

Nun erreichte die GSCHWÄTZ-Redaktion das Schreiben der Schulleitung eines Gymnasiums im Heilbronner Landkreis (auszugsweise abgebildet), mit dem nach den Osterferien die nächste Runde „Homeschooling“ eingeläutet wurde. Der Brief an die Eltern und Schüler wurde uns von einer betroffenen Mutter eines Fünftklässlers zugesandt, die sich fragt: „Wer nimmt denn Rücksicht auf uns?“ Wie dem Schreiben der Schule unter dem Stichwort „Organisation“ zu entnehmen ist, werde von den Schülern erwartet, „dass ihr täglich auf die Lernplattform kommt, um zu sehen, welche Arbeitsaufträge ihr zu bearbeiten habt. Wir Lehrer werden euch soweit wie zeitlich und technisch möglich unterstützen. Bedenkt aber auch, dass wir teilweise unsere eigenen Kinder betreuen müssen und unsere Arbeitskapazität auch beschränkt ist. Teilweise haben wir auch mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen“.

Die betroffenen Eltern fühlen sich unter Druck gesetzt. Ihnen würde das Gefühl gegeben, dass sie ständig erreichbar sein, aber gleichzeitig Rücksicht auf die Lehrer nehmen müssten, die eben nicht ständig erreichbar sein müssten. „Wer fragt denn nach unseren gesundheitlichen Problemen oder nach unseren Arbeitskapazitätiten?“

Text: Sonja Bossert

Statement eines Gymnasiums. Screenshot