1

The same procedure

Nie wieder sollten die Schulen geschlossen und die Schüler:innen aufgrund der Coronapandmie in den Distanzunterricht / home schooling geschickt werden. Zu groß der Schaden, der dabei entsteht und entstanden ist. Das sagten Politiker:innen quer durch die Parteien nach der ersten Coronawelle Mitte des Jahres 2o20 und viele Eltern glaubten fest daran beziehungsweise wollten es glauben. Im Dezember 2020 kam dann die große Ernüchterung. Deutschlands Klassenzimmer schlossen teilweise monatelang.

Nach nur zwei Wochen die erste Schule zu

In diesem Jahr folgte nun the same procedure wie vergangenes Jahr. Krz vor den Sommerferien, nachdem die Schulen wieder ein paar Wochen offenhatten, schworen Politiker:innen aller Couleur erneut Stein und Bein, dass die Schulen im Herbst / Winter 2021 trotz aller Wahrscheinlichkeit wieder schnell steigenden Inzidenwerten nicht mehr geschlossen werden. Die Eltern hofften nach 1,5 Jahren Homeschooling-Jahren noch mehr, dass diese Versprechen eingehalten werden würde – und auch dieses Mal wurden sie schnell enttäuscht.

Der Norden Deutschlands hat es als erstes erwischt

Die Schüler:innen in Schleswig-Holstein starteten als erstes in die Sommerferien und dementsprechend auch wieder in das neue Schuljahr. Nach nur zwei Wochen schloss bereits die erste Schule und schickte die Schüler:innen in den Distanzunterricht.

Und das, obwohl die Bildungsministerin von Schleswig-Holstein, Karin Prien, noch wie viele ihrer Kolleg:innen ebenfalls betont hat, dass die Schulen aufgrund der Impfangebote und des besseren Schutzes der Risikogruppen offenzubleiben haben, weil der Schaden größer wäre, wenn man sie schlösse. Nun hat es eine Gemeinschaftsschule in Leck in Nordfriesland erwischt. Ein Schüler:innen hat Corona und hatte wohl aufgrund der Aufhebung der Gruppenbildung Kontakt zu fast allen Klassen. Die Schulleitung habe daraufhin in Abstimmung mit dem örtlichen Schulamt die Entscheidung zur vorübergehenden Schließung getroffen, bis alle 420 Schüler:innen und Beschäftigten einen PCR-Test vorweisen können.

So ist also die Realität

So ist also die Realität. Was die Bildungsministerin vor kurzem noch betonte, ist obsolet. Das örtliche Schulamt hat nun ganz anders entschieden und alle der über 400 Schüler:innen kurzerhand nach Hause geschickt, weil eine Person unter ihnen Corona hat.

Falls die lokalen Schulämter alle so entscheiden und auch künftig wegen einem Coronafall die Schulen reihenweise schließen, sind die Schulen schneller geschlossen als im Herbst / Winter 2021.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

 




Pandemie, welche Pandemie?

Monatelang saßen (und sitzen immernoch, etwa die Schüler:innen der weiterführenden Schulen, die erstmal nur in den Wechselunterricht dürfen und diese Woche teilweise daher noch zu Hause sind) Grundschüler:innen zu Hause im homeschooling mit teilweise nicht mal einer Stunde Videounterricht am Tag, kommen nun zurück in die Klassenzimmer und starten teilweise direkt mit Tests und Klassenarbeiten über Dinge, die sie sich teilweise zu Hause aneignen mussten. Das geht gar nicht. Warum nicht?

Das geht gar nicht. Warum nicht?

Nun, zum einen mussten sich Schüler:innen in der dritten Corona-Homeschooling-Welle, teilweise Dinge autark zu Hause erarbeiten. Denn nicht jedes Elternteil hat die Möglichkeit, home office über Monate zu machen, sondern es soll Eltern eben, die müssen irgendwo hinfahren zum Arbeiten, während ihre Kinder zu Hause alleine homeschooling machen. Es war auch politisch immer viel in den Medien die Rede davon, dass solche Familien benachteiligt sind, die in diesen nun 1,5 Jahren ihren Kindern kein adäquates Lernumfeld zu Hause bieten können, weil sie schlichtweg keine Wahl haben. Manche Kinder haben zu Hause nicht mal ein eigenes Zimmer, um in Ruhe lernen zu können.

Das Kultusministerium reduzierte zwar die Anzahl der Arbeiten, tut aber weiterhin so, als ob man nach dem Zuhauseunterricht einfach nahtlos weitermachen könnte

Zum anderen gab es, auch wenn es das baden-württembergische Kultusministerium ein wenig anders sieht, vor allem an den Grundschulen teilweise keinen adäquaten Videounterricht, den man mit dem qualitativen und quantitativen Lernen im Klassenzimmer annäherend gleichsetzen kann. Wer Glück hatte, der hatte jeden Tag ein oder zwei Stunden digitalen Unterricht als Grundschüler:in. Wer Pech hatte, gar keinen. Und da sind wir auch schon beim nächsten Punkt. Jeder Landkreis, jede Schule, jeder Lehrer:in hat hier sein eigenes Süppchen gekocht. Wenn man sich jetzt nicht fragt, ob der deutsche Föderalismus abgeschafft gehört, wann dann?

Jede Schule, jeder Lehrer:innen hat im digitalen Unterricht sein eigenes Süppchen gekocht

Unterschiedlicher vorbereitet könnten die Schüler:innen nicht in die Klassenzimmern gehen. Und da braucht man kein Pädagoge zu sein, sondern da reicht einfacher Menschenverstand, um nach 1,5 Pandemiejahren zu sagen: Lasst uns die Schüler:innen doch erst einmal wieder freundlich und fröhlich willkommen heißen, lasst Sie uns mit Wiederholungen erst einmal abholen an ihrem Wissensstand, lasst uns erst einmal mit ihnen über Corona und die teils schwere Zeit sprechen. Das wäre jetzt wichtig und richtig. Aber es gibt manche Lehrer:innen, diehaben schon jetzt den Klassenarbeitsplan für die nächsten zwei Monate fertig zusammengezimmert. Nicht nur in den Hauptfächern, sondern selbstverständlich auch in allen Blümchenfächern, allen voran Religion. Alles andere scheint erstmal zweitrangig.

Schützt endlich die Schüler:innen

Mit dem Fingerzeig zum Kultusministerium heißt es dann: „Ja, aber wir müssen doch noch mindestens eine Arbeit pro Fach schreiben, bevor das Schuljahr endet.“ Sagen wir einmal so: Es muss in Deutschland eigentlich Unterricht im Klassenzimmer erfolgen, zu Hause unterrichten war verboten. Das hat man durch die Coronapandemie über den Haufen geworfen – wie so vieles mehr. Da kann man jetzt, wo es wieder auf Kosten der Schüler:innen geht, doch auch auf die Coronapandemie verweisen und zum Kultusministerium sagen: Das geht so nicht. Das können wir unseren Schüler:innen nicht zumuten. Lasst sie erstmal wieder ankommen.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

 




Grundschüler kommen voll zurück in die Schulen am Montag, Fünftklässer haben das Nachsehen

Die Recherche nach dem tagesaktuellen Inzidenzwert. Das gehört für viele schon zum Frühstücksritual dazu. Denn: Ständig verändernde Zahlen bedeuten auch ständig veränderte Regeln und Freiheiten für den jeweiligen Kreis, in dem man wohnt.

Am Donnerstag, den 03. Juni 2021, gab es nun eine Information des Landratsamtes des Hohenlohekreises, dass der Inzidenzwert von 50 an drei Werktagen infolge überschritten worden sei und dass daher ab Freitag, den 04. Juni 2021, wieder andere Regeln gelten.

Homeschooling hat erstmal ein Ende, aber fragt sich nur, wie lange

Für die Schulen, die nach den Pfingstferien wieder öffnen am Montag, den 07. juni 2021, bedeutet das im Wesentlichen: Die Grundschulen dürfen endlich in den langersehnten Präsenzunterricht zurückkehren nach monatelanger Klassenzimmerabstinenz. Die weiterführenden Schulen öffnen ihre Pforten ebenfalls nach langer Zeit wieder, um ihre Schüler in den Gebäuden zu empfangen, allerdings nur im Rahmen eines Wechselunterichts:

Übersicht: welche Klassen werden aktuell wie unterrichtet, Quelle: Kultusministerum Baden-Württemberg:

  • Für Grundschulen gilt:
    • Inzidenz unter 100: Präsenzunterricht (Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen)
    • Inzidenz zwischen 100 und 165: Wechselunterricht
    • Inzidenz über 165: Fernunterricht. Für die Eltern, die zwingend auf eine Betreuung angewiesen sind, wird sowohl im Wechselbetrieb als auch im Falle von Fernunterricht eine Notbetreuung eingerichtet.

 

  • Für weiterführende Schulen und berufliche Schulen gilt:
    • Inzidenz unter 50: Präsenzunterricht (Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen)
    • Inzidenz über 50: Wechselunterricht für alle Klassenstufen bis auf die Abschlussklassen
    • Inzidenz über 165: Fernunterricht für alle Klassenstufen bis auf die Abschlussklassen. Für die Klassenstufen 5-7 wird für die Eltern, die zwingend darauf angewiesen sind, eine Notbetreuung eingerichtet.

 

  • Abschlussklassen: Die Schülerinnen und Schüler, die in diesem Jahr ihre Abschlussprüfungen ablegen, werden seit 22. Februar 2021 im Wechsel von Präsenz- und Fernunterricht unterrichtet. Dies gilt als Ausnahmeregelung auch in Landkreisen, in denen entsprechend der Regelungen der Bundesnotbremse der Präsenzunterricht untersagt ist. Unterschreitet ein Landkreis die Inzidenz von 50, kehren auch sie selbstverständlich in den Präsenzunterricht (Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen) zurück. Mit Blick auf die anstehenden Abschlussprüfungen gilt weiterhin die Empfehlung, dass die Schulen zwei Wochen vor deren Beginn den Unterricht für diese Schülerinnen und Schüler ausschließlich auf Fernunterricht umstellen.

 

  • Kindertageseinrichtungen und Kindertagespflege: Der Betrieb ist am übernächsten Tag einzustellen, wenn das Gesundheitsamt eine Sieben-Tages-Inzidenz über 165 an drei aufeinanderfolgenden Tagen feststellt und bekannt gemacht hat. Eine Notbetreuung wird für diese Kinder eingerichtet.
Übersichtstabelle der inzidenzabhängigen Regelungen
0-50
Präsenz aller Schularten
Ja
Pflicht
Nein für Schülerinnen und Schüler/Unterricht
Sport im Freien ist im Klassenverbund gestattet; Tagesausflüge im Klassenverbund gestattet
50-100
Wechsel Präsenz-/Fernunterricht für weiterführende Schulen; Präsenzunterricht für GS, SBBZ-Grundstufen/SBBZ G,K, etc.
Ja
Pflicht; Präsenzphase abhängig von Testangeboten
bei Wechselunterricht ja; an GS, SBBZ nein
Sport im Freien ist im Klassenverbund gestattet, an weiterführenden Schulen nur kontaktarm; 2 Wochen vor Prüfung ist Fernunterricht möglich; Umfang/Dauer Präsenz entscheidet Schulleitung;
100-165
Wechsel Präsenz-/Fernunterricht
Ja
Pflicht; Präsenzphase abhängig von Testangebot
Ja
Sport drinnen zur Prüfungsvorbereitung und in Jahrgangsstufe 1 u. 2 ist mit Abstand möglich; Ü 100 Abstand auch im Freien
über 165
Fernunterricht;
nur zwingend erforderliche Leistungsfeststellungen in Präsenz
Ja
optional bei Leistungsfeststellungen; gegebenenfalls Trennung nicht getesteter von getesteten Schülerinnen und Schülern
Ja
Bisherige Ausnahmen (Abschlussklassen, SBBZ, bestimmte Schülerinnen und Schüler, etc.)

 

 

 




Kaum Hoffnung auf Klassenzimmerunterricht vor den Pfingstferien

Die Inzidenz des Hohenlohekreises fiel im Laufe der vergangenen Tage von 265 auf knapp 200. Nun steigt sie laut dem Landratsamt des Hohenlohekreises wegen 28 neuer Fälle wieder auf 262,7 (Stand:  25. April 2021).  So besteht kaum eine Hoffnung, dass die Schulen im Hohenlohekreis bis zu den Pfingstferien wieder öffnen könnten.

Die Schulen öffnen gemäß der Bundes-„Notbremse“ wieder, wenn an fünf aufeinanderfolgenden Tagen der Inzidenzwert unter 165 liegt. Sollte der Inzidenwert jedoch dann wieder nach oben schnellen (zum Beispiel wegen der dann folgenden diversen Schnelltests an Schulen), dann wären die Schulen ab dem übernächsten Tag schon wieder geschlossen. Wie schnell das geschehen kann, konnte man auch im Hohenlohekreis in jüngster Vergangenheit erleben, wenn man die Hotspots in den Firmen und Kitas denkt.

Unter einem Inzidenzwert von 165 gibt es auch kein Klassenzimmerunterricht per se, sondern lediglich Wechselunterricht (homeschooling und stundenweise Klassenzimmernunterricht). Erst ab einem Inzidenzwert von unter 100 soll es wieder richtigen regulären Schulunterricht geben.

Bis es soweit ist, kann es noch eine Weile dauern.




Dieses Schuljahr gehört gestrichen

Was war Deutschland kulant im ersten Coronalockdown zwischen März und Juli 2020. Schüler:innen durften nicht sitzenbleiben angesichts des monatelangen homeschoolings. Neuer Stoff durfte eigentlich nicht im homeschooling vermittelt beziehungsweise musste mindestens von der Lehrkraft im Klassenzimmer wiederholt werden und dann erst durfte er in Klassenarbeiten und Tests abgefragt werden.

Eltern sind nach wie keine ausgebildeten Lehrer:innen

Das ist nun mit dem neuen Schuljahr alles Schnee von gestern. Der Grund: Homeschooling läuft ja nun viel besser als noch im ersten Lockdown, was ja auch durchaus stimmt. Er ist besser organisiert. Dennoch darf man nicht vergessen: Eltern sind nach wie keine ausgebildeten Lehrer:innen. Es gibt nicht ohne Grund ein mehrjähriges Studium hierfür. Immerhin zwischen 3.700 und 3.800 Euro verdienen bade-württembergische Grundschullehrer jeden Monat. Das ist uns die Bildung unserer Kinder wert. Nun sind es aber doch seit über einem Jahr im Wesentlichen die Eltern, die den Kindern den Stoff vermitteln. Im Homeschooling gibt es zwar nun eine Handvoll mehr Stunden Videounterricht in der Woche. Der Großteil des (neuen) Stoffs wird aber weiterhin von den Eltern beigebracht, die auch nach über einem Jahr Lockdown, nach wie vor neben dem Lehrerdasein noch häufig irgendwo anders arbeiten. Also kann der neue Stoff vielleicht nicht so vertiefend erklärt und beigebracht und/oder überprüft werden wie im Klassenzimmer. Geschweige denn, dass nicht jedes Elternteil an den weiterführenden Schulen den Stoff den Kindern erklären kann. Man denke nur an Fächer wie Französisch oder Chemie.

Biildungsschwache und berufstätige Eltern und ihre Kinder haben das Nachsehen

So sind nach wie berufstätige Eltern doppelt belastet und damit benachteiligt, aber auch bildungsschwache Familien, die ihren Kindern nicht so unterstützen können beim digitalen Lernen oder Eltern, die selbst in einem anderen Bildungssystem groß geworden sind. Ein Grundschulkind, das etwa aus einem anderen Land kommt und dessen Eltern beide nicht gut Deutsch sprechen und das vielleicht zu Hause nur ein Zimmer mit seinen Geschwistern zusammen hat, hat schon mal schlechtere Voraussetzungen beim digitalen Lernen, wie ein Kind, das eigenen ruhigen Platz zum Lernen hat, seinen eigenen PC-Zugang, und Eltern, die Zeit und das Wissen haben, alles zu erklären, falls nötig.

Das Resultat: Die Arm-Reich-Schere klafft in einem Land, wo nach wie vor noch häufig die Kinder in die schulischen und beruflichen Fußstapfen ihrer Eltern treten (Vater Arbeiter > Sohn Arbeiter; Vater Akademiker > Sohn Akademiker) noch weiter auseinander. Soziale Unterschiede verfestigen sich.

Dieses Schuljahr noch mehr homeschooling als im vergangenen Jahr

Dieses Schuljahr setzt nun bislang noch mehr auf Homeschooling als das vergangene. Im vergangenen Jahr fand zumindest die erste Hälfte des Schuljahres im Klassenzimmer statt. In diesem aktuellen Schuljahr nun waren es gerade mal ein paar Wochen am Anfang.  Auch in diesem Jahr muss daher das Sitzenbleiben entfallen, zu unterschiedlich sind die Lernbedingungen der Schüler:innen und damit das Gleichheitsprinzip, das gelten sollte.

Lehrer müssen Nachholkurse anbieten

Stattdessen müssen  nun nachmittags, samstags oder in den Ferien Nachholkurse angeboten werden – von den Lehrern. Und zwar flächendeckend. Damit alle Schüler:innen ab September 2021 auf einem annähernd gleichen Niveau starten können.

Klassenarbeiten sind gerade einfach fehl am Platz

Es kann auch nicht sein, dass Kinder monatelang von den Eltern zu Hause unterrichtet werden und, sobald sie ein paar Tage in die Schule dürfen, dieses neu gelernte Wissen in Tests und Klassenarbeiten abgefragt und benotet wird. Zuerst muss wieder ein normaler Unterricht stattfinden mit einer Wiederholung des zu Hause gelernten Stoffes. Erst dann dürften Noten vergeben werden. Wir befinden uns aber aktuell in einer absoluten schulischen Ausnahmesituation, wo Tests und Klassenarbeiten einfach fehl am Platz sind.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann




Tut das weh?

Eventuell soll ein Unterricht im Klassenzimmer in Baden-Württemberg ab Montag, den 19. April 2021, wieder möglich sein. Voraussetzung sind wie gehabt geringere Covid-Fallzahlen als bislang und eine ausgeklügelte Corona-Teststrategie. Beides ist bislang noch nicht vorhanden. Daher geht es ab Montag, den 12. April 2021, auch erst einmal für eine Woche wieder ins homeschooling, bis möglichst viele Fragen geklärt und hoffentlich die Fallzahlen niedriger sind.

Wie soll das genau ablaufen?

Schulleiter, Lehrer und Eltern rätseln bislang, wie die Coronateststrategien genau funktionieren sollen. Geplant sind regelmääßige Testungen von Schüler:innen, bevor sie am Unterricht teilnehmen. Derzeit ist es nicht ungewiss, ob es genügend Coronaschnelltests für alle Schulen flächendeckend zur Verfügung stehen. Wenn das der Fall sein sollte, dann soll voraussichtlich erst einmal bis Pfingsten an Schulen regelmäßig getestet werden. Derzeit ist eine zweimalige Testung für Schüler:innen angedacht. Warum nicht jedne Tag gestet wird, liegt möglicherweise an zu wenigen Schnelltests, die zur Verfügung stehen, oder an zu hohen Kosten.

Verpflichtende Tests durch die Hintertür

Diverse Eltern und Lehrer bemängeln daher auch hier die inkonsequente Politik. Sie sagen: Wenn schon Tests, dann bitte verpflichtend und täglich. Ansonsten sei es wieder mal nur ein Flickenteppich. Verpflichtend sind die Tests aber eigentlich schon, zumindest durch die Hintertür. Denn wer sein Kind nicht testen lassen möchte, muss es weiterhin im homeschooling unterrichten.

Zuhause oder in der Schule testen? Klar ist bislang wenig

Der Flickenteppich wird vermutlich dadurch noch vergrößert, dass wieder einmal jede Schule die Umsetzung der Landesvorgaben selbständig tätigen kann, etwa, ob die Tests zu Hause durchgeführt werden (wie in Künzelsau zum Beispiel), damit sich das Virus erst gar nicht auf den Schulweg machen kann, oder in den Einrichtungen direkt (wie etwa in der Kita in Niedernhall, weil der Bürgermeister sichergehen möchte, dass die Tests richtig angewendet werden).

Kann man beim Testen auch etwas kaputtmachen in der Nase?

Die nächste Frage: Kann man mit der Selbstdurchführung dieser Tests auch etwas kaputtmachen in der Nase? Geschweige denn, dass diese PCR- und Antigentests höchst unangenehm sind und auch wehtun können. Besser wären in den Schulen und Kitas in jedem Fall der flächendeckende Einsatz von Lutschtests, die bereits entwickelt worden sind für Kinder. Warum diese nicht zur Anwendung kommen (zu teuer?), darüber wurde bislang nicht gesprochen.

Zielgerichtetes Testen durch Fiebermessstationen

Einfacher wären auch Fiebermessstationen, die es bereits in diversen anderen Einrichtungen gibt und die sofort darauf hinweisen, ob jemand eine erhöhte Temperatur hat. Das wäre zwar kein Coronatest, aber doch ein erster Hinweis für ein zielgerichtetes Testen.

Eins ist zweifelsfrei klar: Wenn flächendeckend alle Schüler:innen getestet werden, schießen die Fallzahlen vermutlich wieder in die Höhe. Und das bewirkt? Richtig. Die nächste Homeschooling-Runde. Und eine weitere Doppelbelastungsrunde für jede berufstätige Mutter.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann




Nach der Ostereiersuche geht es zurück ins homeschooling

Lange wurde in den vergangenen Tagen und Wochen über die Einführung kostenloser Schnelltests an den Schulen in Baden-Württemberg diskutiert. Nach den Osterferien sollten diese flächendeckend ermöglicht werden.

Verpflichtende Schnelltests

Am Donnerstag, den 01. April 2021 nun, am Anfang der Osterferien, verschickte das Kultusministerium ein Schreiben an alle Schulen im Ländle, dass es nach den Osterferien erst einmal für die große Mehrheit der Schüler zurück ins homeschooling geht. Als Grund werden die hohen Inzidenzzahlen und der Verweis auf die Mutationen genannt, die sich anscheinend besonders unter Schüler:innen verbreitet. Ab 19. April sollen die Schulen dann wieder mit Wechselunterricht starten, in Kombination mit einer verpflichtenden Schnelltestung an den Schulen. Ob diese verpflichtenden Schnelltests zu einer Aufhebung der Maskenpflicht führen könnten, ist noch nicht bekannt.

Anbei veröffentlichen das ganze Schreiben:




„Frau sitzt da mit dem Baby auf dem Schoß und macht Homeoffice – dass das nicht funktioniert ist inzwischen einfach klar“

„Kinder, Küche, Homeoffice – Frauen zwischen Ermüdung, Armut und Aufbruch“ titelt am vergangenen Donnerstag, den 18. Februar 2021, ein Polit-Talk der besonderen Art. Dafür holt die ASF (Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen) die Bundestagsabgeordnete Leni Breymaier und Kim Alisa Wagner, Zweitkandidatin der SPD Hohenlohe zur Landtagswahl, an einen virtuellen Tisch. Entgegen dem Klischee der Polit-Manier, über die Menschen, statt mit ihnen zu sprechen, glänzt die ASF mit einem offenen Micro und dem ehrlichen Versuch, die rund 35 Teilnehmer des Online-Talks einzubinden. Monika Pfau, stellvertretende Vorsitzende der ASF, moderiert das Gespräch. Es geht unter anderem um Wege aus der strukturellen Ungleichheit zwischen Männern und Frauen, Erklärungen, warum Frauen einem erhöhten Armutsrisiko ausgesetzt sind und um ein neues Selbstverständnis der Geschlechter.

„Frauen tragen nach einer Scheidung nach wie vor das Armutsrisiko“

Breymaier stellt gleich zu Beginn des Gesprächs klar: „Frau sitzt da mit dem Baby auf dem Schoß und macht Homeoffice’ – dass das nicht funktioniert ist inzwischen einfach klar.“ Die Bundestagsabgeordnete fährt fort: „Wenn Fußballer Sonderregeln kriegen, um ihre Werbe- und Fernsehverträge zu erfüllen und die Industrie ganz normal weiter läuft, da kommt dann schon ein komisches Gefühl auf. (…) Also diese Sachen, Brot und Spiele, das läuft.“

„Fußballer kriegen Sonderregeln“

Breymaier fordert eine neue Definition von Vollzeitarbeit, die weniger Stunden umfasst als bisher. Das sei nur durch Tarifverträge zu stemmen. Außerdem plädiert die 60-Jährige für die Abschaffung der Steuerklasse 5 und von 450 Euro-Jobs.

Leni Breymaier fordert eine neue Definition von Vollzeitarbeit, die weniger Stunden umfasst als bisher

Alisa Wagner zitiert „Studien, die einhellig zu dem Entschluss kommen“, dass die geringere Bezahlung von sozialen Berufen daraus resultiere, „dass es ein Arbeitsbereich ist, der nach wie vor von Frauen dominiert wird. Es gibt auch eine Studie, die zeigt, dass es Arbeitsbereiche gibt, die sehr männerdominiert waren, wo dann ein Wechsel stattgefunden hat und eine Frauendominanz eingekehrt ist, wo es dann sogar einen Rückwärtswandel gab. Das waren besser bezahlte Jobs, die dann nach unten gefallen sind, weil sie dann frauendominiert waren. Das ist wirklich ein großer Knackpunkt in unserer Gesellschaft.“ Die 32-Jährige plädiert: „Wir brauchen auch die Männer für unseren Kampf für Gleichberechtigung. Es geht nicht darum, dass wir Frauen den Männern irgendetwas wegnehmen wollen, sondern es geht um Gemeinschaft.“

Frauen arbeiten in schlechter bezahlten Berufen

„Ich mache jetzt so lange Gleichstellungspolitik“, resultiert Breymaier. „Und es geht immer in eine Richtung, es geht immer nach vorne. Es geht mal schneller, es geht mal langsamer, aber es geht immer nach vorne.“

Text: Priscilla Dekorsi

Screenshot aus dem Politik-Talk.

Screenshot aus dem Politik-Talk.

 




„Dafür muss man studiert haben“

Wenn die dritte Coronawelle nicht doch noch dazwischengrätscht, dann wird der Traum vieler Eltern ab Montag, den 22. Februar 2021, wahr: Der Unterricht in den Klassenzimmern startet wieder. Aber so einfach ist das nicht. Und vor allem nicht flächendeckend. Wer, wann, wie in die Schule kommt, das studieren derzeit Erziehungsberechtigte zu Hause, wenn die neuen Unterrichtsdokumente ins Haus flattern. Diese Dokumente sind oft gar nicht so einfach zu entschlüsseln, hochkomplex („dafür muss man studiert haben“) und wirft die Frage auf: Wie sollen Erziehungsberechtigte unter diesen Bedingungen wieder vernünftig arbeiten gehen können?

Wie sollen Erziehungsberechtigte unter diesen Bedingungen wieder vernünftig arbeiten gehen können?

Wechselmodel heißt dabei das Zauberwort der baden-württembergischen Landesregierung, das bei diversen Lehrern und Eltern jedoch nicht so dollen Anklang findet. Wechselmodell bedeutet, dass es die nächsten Wochen eine Mischform zwischen Präsenzunterricht in der Schule und homeschooling geben soll. Wie das konkret umgesetzt wird, das entscheiden die einzelnen Schulen für sich. Das Problem: Jede Schule macht es ein bisschen anders. Wenn Eltern Kinder auf mehrere Schulen verteilt haben, wird es zudem nicht leichter, sich die unterschiedlichen Präsenzzeiten, wann die Kinder in die Schule gehen, zu merken. Im ersten Lockdown haben diverse Schulen noch wöchentlich zwischen Präsenzunterricht und homeschooling gewechselt. Nun wechseln die Schüler nicht nur wöchentlich, sondern teilweise täglich beziehungsweise stündlich.

Wer geht wann in die Schule? Erziehungsberechtigte verlieren leicht den Überblick

Das heißt, an manchen Schulen haben die Schüler nur zwei oder drei Stunden täglich Unterricht, an anderen Schulen haben die Kinder drei Tage wöchentlich vier Stunden Unterricht. Es sollten pi mal Daumen zehn Stunden in den Klassenzimmern im Durchschnitt angeboten werden, das ist die Vorgabe des Kultusministeriums. Wie sich diese aber verteilen, kann sehr unterschiedlich ausschauen an den Schulen und dementsprechend auch für Familien.

Nehmen wir einmal exemplarisch Familie Müller

Nehmen wir einmal exemplarisch Familie Müller. Familie Müller hat zwei Kinder, Paul geht in die dritte und Lena in die vierte Klasse. Für Paul startet der Unterricht in seinem Klassenzimmer wieder ab Montag, den 22. Februar 2020, denn in dieser Woche dürfen die Erstklässler und die Zweitklässler wieder ran. Lena hat diese Woche weiterhin homeschooling, da die Zweit- und Viertklässler erst eine Woche später wieder in der Schule Unterricht haben. Die Klassen von Paul und Lena wurden zudem geteilt, damit Lehrer anstatt zum Beispiel 26 Kinder nur jeweils 13 Kinder in dem Klassenzimmer zur selben Zeit versammelt haben. Paul ist in Gruppe 1, Lena in Gruppe 2 von ihrer jeweiligen Klasse eingeteilt. Pauls Gruppe 1 hat Montags, Dienstags und Freitags Schule, Lenas Gruppe Mittwochs, Donnerstags und Freitags. Manchmal haben sie drei Stunden Unterricht, dann müssen sie mit dem Auto gefahren werden, da kein Bus fährt, manchmal haben sie vier Stunden am Stück Unterricht. In seltenen Fällen auch zwei Stunden. Dann ist ein Kind zu Hause, während ein Erziehungsberechtigter – meistens die Mutter – das Kind zwischen Schule und Zuhause hin- und herfährt. Denn die ohnehin schon mangelhaften Schulbusverbindungen werden durch stundenweisen Unterricht nicht besser. Nach Pauls Woche in der Schule darf seine Schwester Lena in die Schule und Paul ist wieder eine Woche im homeschooling und immer so weiter im Wechsel. Das heißt: Es ist immer ein Kind abwechselnd im Homeschooling. Und auch wenn das eine Kind, zum Beispiel Paul in der Schule ist, hat er keinen normalen Unterricht, sondern ist in dieser Woche lediglich für rund 10 Stunden in der Schule. Das heißt, er hat stundenweise oder tageweise Schule, der Rest findet auch wieder im Homeschooling unter Anleitung des Erziehungsberechtigten statt.

Die weiterführenden Schulen hoffen hier auf eine schrittweise Öffnung ab dem 08. März 2021

Wenn dann ein Kind zu Hause war und das andere in der Schule Unterricht hatte, hat das Homeschooling-Kind in der Regel den Nachmittag frei, während das Präsenzunterricht-Kind nach Hause kommt und nachmittags in der Regel noch Hausaufgaben zu machen hat. Damit bleibt kaum mehr Spielraum für etwaige Schichtarbeit, falls der Erziehungsberechtigte noch neben des Homeschoolings weiterhin seiner eigentlichen Arbeit nachgehen möchte. Wenn Familie Müller nun noch ein weiteres Kind in der weiterführenden Schule hätte, dann würde dieses Kind erst einmal weiter komplett im Homeschooling sein (wie lange ist auch hier offen, die weiterführenden Schulen hoffen hier auf eine schrittweise Öffnung ab dem 08. März 2021). Das bedeutet, für den Erziehungsberechtigten zu Hause, dass morgens immer zwei Kinder per Homeschooling zu unterrichten wären und nachmittags ein Kind bei den Hausaufgaben betreut werden müsste, somit bleibt weder vormittags noch nachmittags Zeit für ein mögliches Homeoffice oder für eine Arbeit außerhalb der vier häuslichen Wände. Man kann dann entweder eine Umschulung zum Nachtwächter machen. Dann könnte man nachts arbeiten, während die Kinder schlafen oder man arbeitet im nächtlichen Homeoffice oder man erklärt seinem Arbeitgeber nach einem Lockdown-Jahr, dass man die nächsten vier Wochen (solange sind die Pläne nicht selten im Voraus ausgestaltet), eigentlich gar nicht mehr arbeiten kann, weder wochen-, noch tage-, noch stunden-, noch schichtweise, weil das Wechselmodell nun die kompletten Tage ausfüllt, wenn man mehrere Kinder in ungünstigen Konstellationen hat. Ach so, am Wochenende wäre noch ein Zeitfenster. Das könnte man dann vielleicht…

Entweder ganz oder gar nicht

Daher liebes Kultusministerium, auch hier zählt wie beim Striptease: entweder ganz oder gar nicht. Lieber noch zwei weitere Wochen komplett im homeschooling, dafür aber dann direkt danach vollständig in den Präsenzunterricht.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann




Wenn Frauen streiken

Ein witziges zweiminütiges Video geistert derzeit durch die WhatsApp-Gruppen. Der Urheber ist das Satireformat browser ballett.

Es zeigt verzweifelte Männer mit schreienden Babys in ihren Armen, die um Hilfe rufen: „Helfen Sie meinem Baby. Was hat es denn? Bauchweh? Hunger? Es macht so komische Geräusche.“ Frauen verweigern in dem Videoclip ihre Hilfe, andere Frauen gehen auf die Straße mit Plakaten, auf denen unter anderem steht: „Heute nimmst du die Kinder.“ Eine Stimme aus dem Off sagt: „Alle Frauen weltweit sind heute in den Streik getreten. Sie fordern Gleichberechtigung. Der Kampf der Geschlechter geht in die letzte Runde.“ Ein Endzeitszenario wird ausgerufen, es zeigt leere Büros und den fallenden Dax. „Dr größte Börsencrash der Geschichte“, kommentiert die Stimme aus dem Off.Männer in Meetings werden gezeigt, einer sagt: „Normalerweise würde ich jetzt die Ideen meiner Assistentin vorschlagen, aber die streikt jetzt auch.“

Hintergrund ist vermutlich die im Zuge der Coronapandemie seit rund einem Jahr andaueren andauernenden massiven Doppelbelastung von Frauen, die den Spagat zwischen homeoffice / Arbeit und homeschooling neben dem Haushalt stemmen müssen.