Einmal Mathe digital, bitte
Homeschooling war noch nie so einfach. Diesen Satz empfinden viele Eltern als sarkastisch. und doch hat sich seit dem ersten Lockdown so einiges getan an Deutschlands Schulen, was das digitale Lernen betrifft (wir berichteten). Natürlich gibt es aber auch hier zwischen den einzelnen Schulen und Lehrern erhebliche Unterschiede.
Wie geht digitaler Unterricht?
Wir wollten wissen: Was ist heutzutage an digitalem Unterricht überhaupt möglich und haben unsere GSCHWÄTZ-Praktikantin Cora-Lee Pusker zu einer virtuellen Mathestunde mit einer Lehrerin aus dem Kochertal, die anonym bleiben möchte, geschickt.
Auch die GSCHWÄTZ-Redaktion hatte so ihre Probleme mit Zoom
Über die Software Zoom haben sich die beiden zusammengefunden. Wir durften Mäuschen spielen. Aber nicht jede/r GSCHWÄTZ-Redakteur:in hat mit Zoom Erfahrung gemacht. Daher stellten sich für uns zunächst ganz banale technische Fragen: Brauchen wir hierfür eine Webcam? Unsere normalen Monitore haben nämlich keine vorinstallierte Kamera. Also müssen wir uns tatsächlich eine separate Webcam kaufen. Oder wir nehmen hilfsweise unser Notebook, dieses hat eine Kamera integriert. Nun müssen wir das Notebook jedoch auf eine kleine Erhöhung vor uns stellen, damit uns die Kamera des Notebooks quasi auf Augenhöhe filmt. Sonst filmt uns die Kamera lediglich in die Nasenlöcher rein, was sehr unschön ausschauen würde.
Wir sind nun virtuell in einem Raum verbunden
Und nun? Wir erhalten von der Mathelehrerin per E-Mail einen Zoom-Link. Darauf klicken wir und schon öffnet sich ein Fenster. Darauf zu sehen: Eine Matheaufgabe in groß und rechts daneben zwei kleine Bewegtbilder. In dem einen sehen wir die Mathelehrerin, in dem anderen winkt uns Cora-Lee zu und auch wir sind als drittes Bewegtbild ebenfalls zu sehen. Das Wichtigste wäre geschafft: Wir sind nun virtuell alle in einem Raum verbunden. Normalerweise sind hier mehr Schüler zu sehen. Dafür hat die Mathelehrerin einen zweiten Monitor zu Hause stehen. Ansonsten wäre ihr Monitor nur mit Gesichtern voll und die Aufgabe wäre nicht mehr zu sehen. Man kann die Leiste mit den Gesichtern aber auch einfach kleiner machen oder ganz verschwinden lassen. Aber dann sieht die Lehrkraft nicht mehr die Reaktionen der Schüler. Sprich: Wer meldet sich gerade (hierfür gibt es einen kleinen Button), wer hat eine Frage, wer passt nicht auf.
Das Erarbeitete vom ersten Lockdown helfe ihr nun auch beim zweiten
Neben der Matheaufgabe ist Platz für die Rechnung selbst. Da kann die Lehrerin etwa mittels Touchscreen die Rechnung hinschreiben, die ihr Cora-Lee nach ein paar Minuten überlegen, diktiert. Auch Cora-Lee kann mit ihrer Maus die Grafik markieren oder selbst etwas in das weiße Feld neben der Grafik schreiben. Stimmt die Rechnung? Die Lösung taucht einen Klick später auf. Die Mathaufgabe und das Diagramm sowie die Lösungen wurden mittels Power Point vorbereitet und in Zoom eingespielt. Das alles geht nicht von heute auf morgen. „Ich habe schon viel Zeit auch in meiner Freizeit investiert, um mich mit digitalem Unterricht auseinanderzusetzen“, sagt die Lehrerin. Das Gute aber sei: Was man hat, das hat man. Sprich: Das Erarbeitete vom ersten Lockdown helfe ihr nun auch beim zweiten.
Manche Fächer einfacher zu unterrichten als andere
Aber auch hier gibt es Unterschiede: Ältere Schüler können eher einem Onlineunterricht folgen als jüngere. Bei den jüngeren ist der digitale Konzentrationsfaden oft noch kürzer als im Klassenzimmer. Kleinere Gruppen von 5 Schülern sind besser als eine Klasse mit 25 Schülern. Manche Fächer sind einfacher zu unterrichten als andere. „Wir Mathelehrer kamen eigentlich gut mit unseren Unterrichtsmaterialien während des ersten Lockdowns durch“, erinnert sich die Lehrerin. Aber wie bringe ich einem Erstklässler in Deutsch bei, wie man die Buchstaben richtig schreibt? Da wird es dann schon schwieriger. Man könne zwar beispielsweise ein „R“ direkt auf ein digitales Whiteboard, ähnlich einer Tafel, schreiben. Dadurch wissen dann die Erstklässler, wie man das R korrekt schreibt, aber sie müssen es auch korrekt nachschreiben. Im Klassenzimmer kann die Lehrkraft kurzerhand durch das Klassenzimmer laufen und die Aufschriebe anschauen. Das geht im digitalen Unterricht nicht.
Digitale Arbeitsräume
Was gut bei Zoom funktioniert: digitale Gruppenarbeitsräume. Die Lehrkraft steckt zum Beispiel Cora-Lee mit zwei Schulfreundinnen in einen digitalen Arbeitsraum, die anderen Mitschüler kommen gruppenweise in andere Arbeitsräume. Dort sollen sie verschiedene Aufgaben gemeinsam lösen. Sie sind unter sich, unterhalten sich hier auch mal über andere, außerschulische Dinge. Man sieht die Schulkameraden ansonsten ja kaum mehr. Wenn sie Fragen haben, können sie die Lehrerin digital mit dem Klick eines Buttons rufen, aber auch die Lehrerin kann jederzeit den digitalen Klassenraum betreten und hören und sehen, was die Schüler bis dato geschaffen haben. Die Lehrkraft kann auch einen Timer stellen, wann die Gruppenarbeit in den einzelnen Räumen zu Ende ist und alle wieder in demselben Klassenzimmer zusammensitzen.
Auch abschalten ist wichtig. Und das im wahrsten Sinne
Nicht nur für die Lehrkräfte, auch für die Schüler war das homeschooling zunächst eine große Umstellung. Cora-Lee erinnert sich daran, dass sie im ersten Lockdown sich selbst und ihren Tag erst einmal eigenständig strukturieren musste: Wann mache ich was zu welcher Uhrzeit? Und hat dabei gelernt: sich auch immer wieder bewusst eine Pause zwischendurch zu nehmen, ist wichtig. Auch einmal abschalten ist wichtig. Und das wahrsten Sinne.
Text: Dr. Sandra Hartmann

Homeschooling-Mathestunde mit GSCHWÄTZ-Praktikantin Cora-Lee Pusker. Foto: Screenshot aus der Probestunde