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Geschäftsführer Jürgen Schopf verlässt Hohenloher Krankenhaus

// Chef der Seniorenbetreuung, Herbert Trudel, wird künftig kaufmännischer Direktor

Nach der einstimmigen Entscheidung des Kreistages für eine strategische Zukunftspartnerschaft mit der BBT-Gruppe am 21. März haben das Kartellamt, das Regierungspräsidium und zuletzt auch die Zusatzversorgungskasse (ZVK) ihre Zustimmung gegeben. Damit sind alle sogenannten „aufschiebenden Bedingungen“ erfüllt. Bei der Gesellschafterversammlung am 14. Mai 2018 in Öhringen war die Barmherzige Brüder Trier gGmbH erstmalig als neuer Mehrheitsgesellschafter der Hohenloher Krankenhaus gGmbH und der Hohenloher Seniorenbetreuung gGmbH vertreten. Die Gesellschafter bestellten Dr. Albert-Peter Rethmann, Matthias Warmuth, Werner Hemmes und Andreas Latz als neue Geschäftsführer. Gemeinsam mit Landrat Dr. Matthias Neth dankten sie Jürgen Schopf, der nach dem Ausstieg der HK aus der Regionalen Gesundheitsholding Heilbronn-Franken (RGHF) diese Funktion seit Februar 2017 im Rahmen eines Managementvertrages für die Hohenloher Krankenhaus GmbH übernommen hatte.

„Herr Schopf hat die Geschäftsführung der Hohenloher Krankenhaus gGmbH in einer schwierigen Übergangsphase übernommen und in den vergangenen Monaten mit großer Umsicht und Verantwortung den Betrieb des Krankenhauses gesichert und damit einen gedeihlichen Übergang der Geschäftsführung auf die BBT Gruppe ermöglicht“, betonte Landrat Dr. Neth. „Dafür danke ich ihm ausdrücklich im Namen des Landkreises und aller Mitarbeitenden.“

Der bisherige Geschäftsführer der Hohenloher Seniorenbetreuung gGmbH, Herbert Trudel, wird entsprechend der Führungsstrukturen in der BBT-Gruppe künftig als kaufmännischer Direktor in der Verantwortung für die Senioreneinrichtungen stehen.

Am Nachmittag luden die Gesellschafter die Mitarbeitenden der Krankenhäuser und Senioreneinrichtungen zu einer ersten Begegnung in das Limescasino am Standort in Öhringen ein. Als Zeichen für das Zusammenwachsen und die gemeinsame Zukunft aller Häuser in der Region bepflanzten sie einen Blumenkübel. „So wie wir heute gemeinsam die ersten Samen aussäen, so wünschen wir uns, dass auch unsere Zusammenarbeit Wurzeln schlägt und weiter wächst“ erläuterte Regionalleiter Thomas Wigant. „Seit heute sind wir auch offiziell verantwortlich und werden uns nun gemeinsam mit den Führungskräften und Mitarbeitenden auf dem Weg machen, für die anstehenden Aufgaben gute Lösungen zu finden“ ergänzte Regionalleiter Thomas Weber zum Abschluss des Begrüßungsempfangs in Öhringen.

Eine ausführliche Vorstellung der BBT-Gruppe ist bei den Betriebsversammlungen ist am 16. und 17. Mai 2018 vorgesehen, heißt es in der Pressemitteilung der BBT-Gruppe.

 

Quelle // Pressemitteilung der BBT-Gruppe

 

// BBT-Gruppe //

Die BBT-Gruppe ist mit mehr als 80 Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens, über 11.000 Mitarbeitenden und ca. 900 Auszubildenden einer der großen christlichen Träger von Krankenhäusern und Sozialeinrichtungen in Deutschland. Ausführliche Informationen zur BBT-Gruppe sowie zu den neuen Geschäftsführern finden Sie im Pressebereich auf unserem Internetportal www.bbtgruppe.de oder erhalten Sie gerne bei den Pressestellen der Zentrale und der Region Tauberfranken-Hohenlohe.

 

// Fotos //

(1) Die Regionalleitung der BBT-Region Tauberfranken-Hohenlohe und die neuen Geschäftsführung des Hohenloher Krankenhauses und der Hohenloher Seniorenbetreuung zusammen mit Landrat Dr. Mathias Neth: (v.l.n.r.): Thomas Weber (Regionalleiter), Thomas Wigant, (Regionalleiter), Andreas Latz (Geschäftsführer), Matthias Warmuth (Geschäftsführer), Landrat Dr. Matthias Neth, Dr. Albert-Peter Rethmann (Geschäftsführer), Werner Hemmes (Geschäftsführung)

(2) Begrüßungsempfang: Landrat Dr. Matthias Neth und Geschäftsführer Matthias Warmuth mit Mitarbeitenden bei der Bepflanzung eines Blumenkübels als Zeichen für die zukünftige Zusammenarbeit.

 

Fotos // BBT-Gruppe; GSCHWÄTZ

 




„Man geht in den Wahlkampf, weil man gewinnen möchte“

Video-Interview: Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann über die Höhen und Tiefen seiner Amtszeit und welche Vision er für Künzelsau hat.

Kurz bevor es richtig losgeht mit dem Bürgermeisterwahlkampf in den einzelnen Ortsteilen und der Bürgermeisterwahl am 03. Juni 2018 haben wir am 23. April 2018 mit Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann über seine Zeit als Chef der Kreisstadt und seine Vision für die Zukunft gesprochen.

GSCHWÄTZ: Können Sie sich noch an den Tag vor acht Jahren erinnern, als Sie zum neuen Bürgermeister gewählt wurden?
Neumann: Es war ein sehr heißer Tag damals und es war ein wunderschönes Gefühl.

GSCHWÄTZ: Hätten Sie mit diesem Ergebnis gerechnet?
Neumann: Man tritt schon an, um zu siegen. Man geht in den Wahlkampf, weil man gewinnen möchte. Das war damals der Fall und das ist auch heute der Fall.

GSCHWÄTZ: Wenn Sie zurückdenken an die vergangenen acht Jahre, was waren besondere Momente?
Neumann: Gern erinnere ich mich zurück an die Stadtfeste, denn die sind ein Highlight für Künzelsau und für die gesamte Region. Da kommen Künzelsauer von der ganzen Welt her, um sich dort zu treffen. Was sicher auch ein besonderes Highlight war, war die Eröffnung des Carmen-Würth-Forums. Und auch die Welcome-back-Party mit Alexander Gerst.
Alexander Gerst fliegt bald wieder in den Weltraum. Wie begleitet Künzelsau dieses Ereignis?
Neumann: Wir versuchen, das angemessen zu begleiten. Wir sind ja in Kooperation mit der deutschen Luft- und Raumfahrt. Es wird unter anderem eine Startveranstaltung am Alten Rathaus am 06. Juni 2018 geben.

GSCHWÄTZ: Es gab ja nicht immer Sternstunden in den vergangenen Jahren.Wie haben Sie das Hochwasser 2016 erlebt?
NEUMANN: Das war ein ganz prägendes Ereignis. Bei mir persönlich was es so, dass ich abends noch eine WhatsApp von einer Kollegin bekommen habe, die in Braunsbach [Anm. der Redaktion: Braunsbach wurde am stärksten von dem Hochwasser verwüstet] Theater gespielt hat. Ich habe die Kinder noch ins Bett gebracht. Dann ging auch schon mein Melder los. Ich bin gar nicht mehr über die Kocherbrücke gekommen, weil das Wasser schon so hoch gestanden ist.

GSCHWÄTZ: Was haben Sie dann gemacht?
Neumann: Ich habe das Auto auf dem Gehweg abgestellt und bin zu Fuß zur Feuerwehrwache gelaufen.

Gesundheitsversorgung : „Es war eine unglaublich kräfezehrende Zeit“

GSCHWÄTZ: Wie haben Sie die Zeit erlebt rund um die Schließung des Künzelsauer Krankenhausstandortes?
Neumann: Es ist eine unglaublich kräftezehrende Zeit, die ja auch einen gewissen zeitlichen Vorlauf hat. Das hat ja schon mit meiner Tätigkeit als Aufsichtsrat begonnen und mich über die ganzen Jahre begleitet und begleitet mich ja heute immernoch, denn auch mit der Wahl des neuen Partners, der BBT-Gruppe, ist das Thema ja nicht ausgestanden, sondern es gibt viele offene Fragen, die es noch zu klären gilt und wo wir uns auch einbringen müssen.

GSCHWÄTZ: Wie geht es weiter mit der Gesundheitsversorgung für Künzelsau? Kennen Sie die Konzepte, die angedacht sind?
Neumann: Es gibt Konzepte und Varianten. Diese müssen aber noch ausformuliert werden. Das eine ist, was jetzt auf dem Papier steht, das andere ist, was man am Ende des Tages letztendlich leben kann. Wir können alle keine Lösung gebrauchen, die ein, zwei oder drei Jahre hält, sondern wir müssen Perspektiven auftun. Mit dem neuen Partner haben wir diese Möglichkeit, aber da gehört noch mehr dazu, als der neue Partner.

GSCHWÄTZ: Hohenlohes Landrat Dr. Matthias Neth könnte sich ein medizinisches Versorgungszentraum (MVZ) ähnlich dem in Forchtenberg vorstellen.
Neumann: Ein MVZ kann für mich nur ein Teil der Lösung sein. Es ist sicherlich richtig, dass vermehrt Ärzte ins Angestelltenverhältnis gehen möchten. Aber wir haben ja einen ganzen Komplex zu bespielen, der jetzt da ist. Das MVZ kann ein Kernelement sein, weil wir davon ausgehen, dass der ambulante Bereich gestärkt wird. Wir wollen aber auch die Möglichkeiten nutzen, die es in Künzelsau gibt. Wir haben beispielsweise Operationsmöglichkeiten. Die Frage ist: Kann man das in die Zukunft führen – auch in einem ambulanten Zentrum? Welche Fachrichtung kann man noch hinzugewinnen? Welche gesundheitsnahen Dienstleistungen kann man noch hinzuziehen? Das sind Fragen, sie es noch zu klären gilt, wo aber auch das Sozialministerium sicherlich seinen Teil dazu beitragen kann.

Medien: „Das eine ist, was man über die Medien wahrnimmt, das andere, was im OFF tatsächlich stattfindet.“

GSCHWÄTZ: Manche Bürger bemängeln, dass Sie sich zu wenig für das Krankenhaus Künzelsau eingesetzt haben.
Neumann: Das eine ist, was man wahrnimmt über die Medien und das andere, was im OFF tatsächlich stattfindet – sei es im Kreistag oder in Gesprächen, die wir mit dem Ministerium oder Ärztevertretern führen. Man kann davon ausgehen, dass sich der Bürgermeister und auch andere verantwortliche Personen in die Sache richtig reinknien, weil wir nicht nur ein persönliches, sondern ein städtisches Interesse haben, wie wir das Ganze nun weiterentwickeln. Da kann man sich natürlich an Wörtern stören oder an Meinungen. Aber unsere Aufgabe ist es, verantwortungsbewusst zu handeln und dann auch für die Zukunft einen Nutzen zu stiften. Die Gesundheitsversorgung hört mit der Schließung des Krankenhauses nicht auf und da muss jeder seinen Teil dazu beitragen – auch der Bürgermeister von Künzelsau.

GSCHWÄTZ: Künzelsaus Innenstadt hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Es hat sich einiges getan. Aber dennoch gibt es offene Baustellen, wie etwa das Peka-Areal. Wie geht es da weiter?
Neumann: In den nächsten Monaten werden wir den Kaufvertrag abschließen, der Bauantrag wird eingereicht. Wir haben erst diese Woche die letzten Details besprochen. Ich gehe davon aus, dass es mit der Baustelle ab Herbst und in den Wintermonaten so richtig losgeht. Ab Baubeginn rechnet man mit 18  Monaten Bauzeit, bis alles fertig ist.

GSCHWÄTZ: Ein weiteres großes Vorhaben ist der Neubau des Landratsamtes.
Neumann: Wir machen in diesem Jahr einen städtebaulichen Wettbewerb, um die ideale Stelle fürs Landratsamt zu finden. Es geht nicht nur ums Landratsamt, sondern auch um die Mitarbeiter. Die kommen großteils mit dem Auto. Wir schauen uns daher an, wo ein guter Standort für das Verwaltungsgebäude wäre und wo ein Parkhaus entstehen könnte.

Begrenzter Wohnungsmarkt: „Wir sehen den Trend zum urbanen Wohnen“

GSCHWÄTZ: Wo sehen Sie Künzelsau in den nächsten fünf bis zehn Jahren?
Neumann: Wichtig ist, dass sich Künzelsau positiv weiterentwickelt, dass wir den Schwung, den wir derzeit haben, auch mitnehmen und weiterführen. Künzelsau ist eine sehr lebenswerte Stadt, aber dafür muss man am Ball bleiben.

GSCHWÄTZ: Einige Bürger bemängeln den knappen Wohnungsmarkt.
Neumann: Künzelsau ist gefragt. Wir sehen den Trend zum urbanen Wohnen. Daher schaffen wir Wohnflächen in der Innenstadt. In Gaisbach haben wir eigene Flächen für Geschosswohnungsbau, wo wir modellhaft zeigen wollen, das preisgünstiges Wohnen möglich ist.

Im Rathaus in Künzelsau legen wir Stefan Neumann jeweils zwei Bilder vor, zwischen denen er sich entscheiden muss.

Fußball: VfB Stuttgart oder FC Bayern München?
Neumann: VfB Stuttgart. Ich habe ja bei der Landeshauptstadt Stuttgart angefangen zu arbeiten. Und mein Traum als Verwaltungspraktikant war eine Stelle im gehobenen Dienst im Sportreferat zu bekommen. Das sitzt nämlich direkt im Stadion. Meine Frau ist übrigens Bayern-München-Fan.

Musik: „lieber Après-Ski als Toten Hosen“

Helene Fischer oder Lena Meyer-Landrut?
Neumann: Ich würde mich dann eher für Helene Fischer entscheiden.

Andreas Gabalier oder die Toten Hosen?
Neumann: Ich entscheide mich für Après-Ski und damit Andreas Gabalier.

Dörzbachs Bürgermeister Andy Kümmerle oder Forchtenbergs Bürgermeister Michael Foss?
Neumann: Ich komme mit beiden richtig gut aus. Michael Foss hat bei uns mal ein Praktikum gemacht. In Forchtenberg habe ich auch meine berufliche Laufbahn begonnen. Deshalb entscheide ich mich für Michael Foss.

Landrat Dr. Matthias Neth oder BI-Sprecher Andreas Eckle?
Neumann: Das sind zwei Herren, die ich beide sehr gut kenne und ich komme auch mit beiden gut aus. Ich weiss nicht genau, wie das Innenverhältnis zwischen den Zweien ist. Mit dem Landrat haben wir natürlich viele Berührungspunkte, nicht nur das Krankenhaus, zum Beispiel auch der Neubau das Landratsamtes. Deshalb würde ich mich für Matthias Neth entscheiden.

// Stefan Neumann //

Stefan Neumann (35) wurde am 05. November 1982 in Schwedt geboren. Der Diplom-Verwaltungswirt war Kämmerer von Forchtenberg und Putzbronn, bevor er im Juli 2010 zum Bürgermeister von Künzelsau gewählt wurde. Neumann ist verheiratet und hat drei Kinder im Alter von fünf, drei und eins.
Das Video-Interview mit Neumann wurde in Künzelsau gedreht.

// Gegenkandidaten //

Ob es ein Wahlkampf wird, werden die Bürger am Montag, den 07. Mai 2018, in der Gemeinderatssitzung in Künzelsau erfahren. Dort wird verkündet, ob es Gegenkandidaten gibt und wenn ja, wer es ist.

Die Bürgermeisterwahl in Künzelsau ist am 03. Juni 2018.

Das Interview führte Dr. Sandra Hartmann; Videodreh und Schnitt: Dr. Felix Kribus

Das ganze Interview sowie Fotos vom Videodreh gibt es in unserer aktuellen GSCHWÄTZ-Ausgabe des Monats Mai – jetzt überall im Einzelhandel abonnieren über unseren GSCHWÄTZ-Shop: www.gschwaetz.de/gschwaetz-shop/

 




„Es wurden Fehler gemacht“

// Video-Interview mit Hans-Jürgen Saknus in Künzelsau und im Hotel-Restaurant Nicklass in Ingelfingen.

So rund ging es innerhalb der SPD schon lange nicht mehr – betrachtet man die vergangenen Monate, in der es die SPD in einer Achterbahnfahrt in die Regierung geschafft hat. Wir wollten vom stellvertretenden SPD-Kreisverbandsvorsitzenden des Hohenlohekreises, Hans-Jürgen Saknus, wissen: Wie sehr hat es wirklich innerhalb der Partei gekracht, über Fehler bei der Integration im Ländle, die fragwürdige Bildungs- und Gesundheitspolitik der Landesregierung. Weitere Themen: Warum Trump seiner Meinung nach ein Trampel ist, Jennifer Aniston besser als Angelina Jolie und warum Stefan Neumann Thilo Michler schlägt.

 

GSCHWÄTZ: Sie sind ja schon lange in der Politik tätig. Warum haben Sie sich für die SPD entschieden?

Saknus: Als ich Konfirmand war, hat mir unser Pfarrer gesagt, dass er SPD wählt. Das hat mich stutzig gemacht, weil ich gedacht habe, der müsste doch CDU wählen, wegen dem christlich im Namen. Aber er erklärte mir, dass es auch um Solidarität geht. Das hat sich in der kirchlichen Jugendarbeit fortgesetzt. Hier sind sehr viele mit der SPD verbandelt.

 

GSCHWÄTZ: Die SPD hat sich ja in den vergangenen Monaten bei den zähen Regierungsverhandlungen nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Wo ist eigentlich Martin Schulz abgeblieben?

Saknus: Es sind Fehler gemacht worden und die Fehler hat er auch eingestanden. Er hat zu vehement eine Nein-Politik verfolgt. Er tritt nicht in die Regierung ein. Die SPD geht sofort in die Opposition – was ja auch gut ankam, denn man war auch regierungsmüde. Aber wenn der Bundespräsident sagt, ihr müsst in Koalitionsgespräche gehen und man sich im politischen Wettbewerb aufstellt, dann kann man sich nicht verweigern.

 

GSCHWÄTZ: Also hat sich Ihrer Meinung die richtige Seite durchgesetzt – die alte Garde, die gedrängt hat, in die Regierung zu gehen, gegen die Jusos, die für eine starke Opposition geworben haben?

Saknus: Ich habe absoluten Respekt vor dem Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert. Er hat das toll gemacht und hat auch viele von den älteren mitgenommen, die gesagt haben: So können wir nicht weitermachen. Ein Weiter-so kann es auch für mich nicht geben, auch nicht in einer Neuauflage einer Großen Koalition – wobei beide Parteien so viel Punkte verloren haben, dass man nicht mehr von einer Großen Koalition sprechen kann.

 

GSCHWÄTZ: Eigentlich ist die SPD keine Volkspartei mehr, oder?

Saknus: Das ist die Problematik. Wir müssen uns als SPD wirklich überlegen, für wen wir stehen und für welche Ziele wir eintreten. Wir brauchen wieder eine Vision für die Zukunft und nicht das Klein-Klein im politischen Betrieb.

 

GSCHWÄTZ: Wie kann diese Vision aussehen?

Saknus: Die SPD muss deutlich Position beziehen, dass wir wieder eine Umverteilung von oben nach unten brauchen. Wir müssen einstehen für Geringverdiener, für die, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, für Familien, für Alleinerziehende. Viele leben am Existenzminimum. Diese Dinge gilt es zu ändern. Der Mindestlohn war ein erster Schritt.

 

// Haben wir ein Integrationsproblem? //

 

GSCHWÄTZ: Vor kurzem hat ein junger Asylbewerber die Scheiben des Jobcenters in Künzelsau eingeschlagen. Haben wir ein Integrationsproblem?

Saknus: Der junge Mann hat sicher ein Problem gehabt, sonst hätte er die Scheiben nicht eingeschlagen. Das ist nicht zu rechtfertigen oder kleinzureden. Aber ich vermute großen Frust dahinter. Asylverfahren dauern bei uns einfach viel zu lange, bis da die entsprechenden Entscheidungen getroffen sind. Wir sind hier ebenso unterbesetzt wie im Bereich Justiz, bei der Polizei und bei der Bundespolizei. Hinzu kommt, dass die jungen Menschen oft aus Ländern kommen, die diese Menschen nicht problemlos wieder zurücknehmen. Verhandeln Sie mal mit Libyen.

 

// Unterbesetzt bei der Polizei und in der Justiz //

 

GSCHWÄTZ: Wie schwer ist es für Neuankömmlinge, Arbeit zu finden?

Saknus: Arbeit zu finden ist nicht schwer, wenn der entsprechende Rechtsstatus geklärt ist. Wir haben aktuell in Öhringen 154 Menschen, die einen Rechtsstatus als Flüchtling oder Asylant haben. Sie haben eine Arbeitserlaubnis. Wir konnten hier auch schon gute Erfolge vorweisen. Über ein Drittel von ihnen hat Arbeit gefunden beziehungsweise ist in einer Ausbildung. Ein Drittel befindet sich in Schulungsmaßnahmen. Und der Rest teilt sich auf. Ich habe nur einen Menschen, der in einer Maßnahme beim Jobcenter ist.
Wie lange dauert es, bis entschieden wird, ob ein Flüchtling bleiben darf?
Saknus: Das Bundesamt für Migration (BAMF) möchte, dass innerhalb eines halben Jahres die Entscheidung darüber fällt – am besten noch schneller. Aber wir haben Asylbewerber, die sind schon über drei Jahre hier und wissen nicht, wie es mit ihnen weitergeht. Ich kann nachvollziehen, wenn diese Menschen Frust schieben. 18 Prozent aller Fälle bundesweit sind unbearbeitet und damit völlig offen in ihrem Ausgang.

 

// Hohenlohes Gesundheitspolitik: „Man darf die Augen nicht vor der Realität verschließen“ //

 

GSCHWÄTZ: Die BBT-Gruppe hat die Mehrheitsanteile des Hohenloher Krankenhauses (HK) bekommen. War die Entscheidung des Kreistages richtig?

Saknus: Wenn ich es richtig sehe, war es die einzige Entscheidung, die möglich war, denn es gab nur einen Anbieter. Ich finde es gut, dass es ein Träger ist, der gemeinnützig aufgestellt ist und dass sie nach Tarif zahlen wollen. Das ist auch eine unserer Forderungen. Und sie haben viel Erfahrung im Seniorenbetreuungsbereich.

 

GSCHWÄTZ: Kann es passieren, dass es dem Neubau in Öhringen wie Künzelsau ergeht und geschlossen wird, wenn er es nicht in die schwarzen Zahlen schafft?

Saknus: Durch die Schließung des Künzelsauer Standortes wird es ja künftig weniger Betten geben. Da ist man an einer kritischen Grenze, ein Krankenhaus zu führen.Man wird sehen, ob sich das Krankenhaus am Markt beweisen wird. Man darf die Augen nicht vor der Realität verschließen und muss hier schon genau hinschauen.

 

GSCHWÄTZ: Was bleibt in Künzelsau übrig von der Gesundheitsversorgung?

Saknus: Wenn ich Strukturveränderungen mache und kleine Krankenhäuser schließe – unsere Landesregierung praktiziert das ja – muss sie auch bereit sein, in neue Modelle zu investieren, etwa in ein medizinisches Versorgungszentrum, das ambulante wie auch teilstationäre Lösungen anbietet.

 

GSCHWÄTZ: Ihr Herzensanliegen auf bundespolitischer Ebene war ja eine Bürgerversicherung – eine Versicherung sowohl für private als auch gesetzlich Versicherte. Kommt die Versicherung nun?

Saknus: Das ist ein längerer Prozess. Aber wir brauchen einen Topf, denn wir können es uns nicht leisten, zwei parallele Systeme zu fahren. Wir sind das einzige Land in Europa, dass das noch so macht.

 

// Lehrermangel im Ländle //

 

GSCHWÄTZ: Immer mehr Schulen auch bei uns im Ländle verzeichnen einen Lehrermangel. Ist der Beruf zu unattraktiv geworden?

Saknus: Nein. Wir haben vielmehr ein Problem mit der Landesregierung, die nicht klar sagt, ob sie Lehrerplätze abbauen oder neue Lehrer einstellen möchte. Wir haben zu wenig Studienplätze und gleichzeitig viele Lehrer, die in Ruhestand gehen.

 

GSCHWÄTZ: Baden-Württemberg war ja mal Musterländle, was Pisa-Tests betrifft. Mittlerweile sind wir auf die vorletzten Plätze abgerutscht. Woran liegt das?

Saknus: Wir haben einen Reformstau. Vor allem die Gemeinschaftsschulen, die es seit ein paar Jahren in Baden-Württemberg gibt, werden nicht richtig unterstützt.

 

GSCHWÄTZ: Manche Schulleiter hier bei uns haben genug von den vielen Reformen in den vergangenen Jahren.
Saknus: Mit Reformen meine ich nicht, dass von oben etwas herunterverordnet wird, sondern im Gegenteil: dass die Schulen wieder mehr Freiheiten bekommen. Schulleiter bräuchten Unterstützung, es müsste mehr Sozialarbeiter an Schulen geben, aber das ist alles wieder zusammengestrichen worden.

 

Im Hotel-Restaurant Nicklass in Ingelfingen haben wir Herrn Saknus jeweils zwei Bilder vorgelegt, zwischen denen er sich entscheiden sollte.

 

GSCHWÄTZ: Fußball: VfB Stuttgart oder FC Bayern München?
Saknus: Bayern München ist ein toller Verein beziehungsweise eine tolle Mannschaft mit tollen Erfolgen, aber das Herz schlägt ganz klar im Schwabenland für den VfB. Aber ich muss gestehen, ich bin auch ein Franken-Fan. Ich bin gern beim FC Nürnberg.

GSCHWÄTZ: Haben Sie Fußball gespielt?
Saknus: Ja, in der Jugend habe ich viel gespielt und ich war auch 13 Jahre lang beim SSV Gaisbach
Jugendtrainer.

GSCHWÄTZ: Jennifer Aniston oder Angelina Jolie?
Saknus: Ich finde beide Frauen total bezaubernd. Aber vom Typ her würde ich eher Jennifer Aniston wählen.

GSCHWÄTZ: Hillary Clinton oder Angela Merkel?
Saknus: Auch wenn Hillary Clinton einer demokratischen Partei angehört, würde ich mich für Angela Merkel entscheiden. Sie ist ja eine Person, die viele SPD-Positionen gerne übernimmt (lacht).

GSCHWÄTZ: Donald Trump oder Wladimir Putin?
Saknus: Ich finde, Donald Trump ist ein Trampel. Er regiert über Twitter. Das geht gar nicht. Alles zweifelt am Bündnis mit den USA. Von daher muss ich mich für Putin entscheiden. Der macht das feiner. Wir müssen auch Lösungen finden mit Russland, mit dem Osten.

GSCHWÄTZ: Öhringens Bürgermeister Thilo Michler oder Künzelsaus‘ Bürgermeister Stefan Neumann?
Saknus: Jetzt bringen Sie mich aber in einen echten Konflikt. Thilo Michler ist mein Chef in Öhringen. Ich wohne aber in Künzelsau und bin dort auch Gemeinderat (überlegt). Da ich Jugendreferent bin, entscheide ich mich für die Jugend und nehme Stefan Neumann. Er ist ein bisschen jünger als Thilo Michler. Aber ich kann mit beiden gut.

 

// Hans-Jürgen Saknus //

Hans-Jürgen Saknus (59) ist stellvertretender SPD-Kreisverbandsvorsitzender des Hohenlohekreises. Der Wahlkünzelsauer wurde am 07. November 1956 geboren, hat nach der Realschule und einer Schreinerlehre Religions- und Gemeindepädagogik studiert, ist verheiratet und hat drei mittlerweile erwachsene Kinder. Saknus arbeitet bei der Stadt Öhringen als Jugendreferent und Integrationsbeauftragter. Während unserer Interviews präsentierte sich Saknus offen, kritisch und als jemand, der sozial Benachteiligten helfen möchte.
Video-Interview in Künzelsau und Ingelfingen Das Video-Interview mit Hans-Jürgen Saknus wurde in Künzelsau und Ingelfingen gedreht.

 

Das Interview führte Dr. Sandra Hartmann; Dreh und Schnitt: Dr. Felix Kribus;




Was wird aus Niedernhalls Filetstück? Bürgermeister schweigt über Kaufpreis

Während die Ermittlungen noch laufen, ob alles mit rechten Dingen zugegangen ist beim Kauf des Kerl-Areals, ein Filet-Grundstück nahe der Innenstadt, das sich die Stadt Niedernhall  2015 gesichert hat, spricht der Gemeinderat in der nächsten Sitzung darüber, was damit gemacht werden soll. Die Gerüchteküche brodelt. Manche Niedernhaller spekuliereren, dass die Stadt ihren Wert steigern möchte, in dem sie ein attraktives Wohnumfeld schaffen wolle mit weiteren Einkaufsmöglichkeiten. Wiederum andere tippen darauf, dass das Areal letzten Endes weiterverkauft werde an eine Firma. Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck wiegelt auf GSCHWÄTZ-Nachfrage ab: „Es gibt noch keine konkrete Entscheidung, welche Bebauung für das Kerl-Areal vorgesehen ist. Allerdings hat der Gemeinderat in einer Sitzung im Jahr 2017 entschieden, dass keine Wohnbebauung erfolgt.“ In der kommenden Sitzung am Montag, den 16. April 2018, werde der Gemeinderat über die Erschließung des Areals entscheiden. Der nicht-öffentliche Teil der Sitzung beginnt um 17.30 Uhr, der öffentliche Teil um 19 Uhr.

// Wo genau befindet sich das Kerl-Areal? //

Mit dem so genannten Kerl-Areal ist das Grundstück gemeint, das bis vor kurzem noch der Sägewerks-Firma Kerl Laubhölzer gehört hat. Das Areal grenzt an die Drogerie Rossmann an und erstreckt sich bis zur katholischen Kirche nahe der Kocherbrücke. Es liegt direkt an der Kochertalstraße am Ortseingang von Niedernhall, von Ingelfingen kommend auf der rechten Seite. Auf die Frage, wieviel die Stadt für das Grundstück bezahlt hat, sagt Achim Beck: „Bei den Kosten handelt es sich um eine Grundstücksangelegenheit, die ich vertraulich behandle.“

// Warum ermittelt die Staatsanwaltschaft? //

Der stellvertretende Bürgermeister von Niedernhall, Klaus Richter, wirft dem Gemeinderat und dem Bürgermeister unter anderem vor, Dinge in nichtöffentlichen Sitzungen beschlossen zu haben, die eigentlich in öffentlichen Sitzungen behandelt hätten werden müssen. Konkret geht es um das Kerl-Areal des Betriebes Kerl Laubhölzer in Niedernhall, das die Stadt gekauft hat. Klaus Richter hat gegen Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck sowie gegen den gesamten Gemeinderat geklagt. Achim Beck teilte auf Anfrage in einer Stellungnahme gegenüber GSCHWÄTZ mit: Am 27. November 2017 sei „eine Strafanzeige wegen Verdachts der Untreue im Zusammenhang mit der Sache „Kerl-Areal“ bei der Generalstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen in Stuttgart gegen mich – Achim Beck – als Bürgermeister eingereicht“ worden. „Dies wurde mir in einem Gespräch am 21. Februar 2018 durch die Kriminalpolizei Künzelsau mitgeteilt.“ Der Gemeinderat sei umgehend per E-Mail über diese Vorwürfe informiert worden. Weiter sagte Beck: „Die Generalstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen in Stuttgart ist jedoch nicht zuständig und hat das Verfahren beziehungsweise die Ermittlungen an die Staatsanwaltschaft Heilbronn/Schwäbisch Hall weitergegeben. Daher ist die Kriminalpolizei Künzelsau für die Ermittlung in dieser Sache und Vernehmung von mir zuständig. Die Kriminalpolizei Künzelsau stellt die weitere Ermittlung/Vernehmung bis zur Entscheidung über die derzeit beim Verwaltungsgericht Stuttgart laufende Feststellungsklage zurück. Danach wird die Staatsanwaltschaft über die Strafanzeige befinden. Bitte beachten Sie, dass ich je nach Ausgang der Strafanzeige meine persönlichen Konsequenzen aus dem Verfahren ziehen werde. Anfragen zur Strafanzeige werden von mir vor der Vernehmung nicht beantwortet.“




Laufen Wölfe auch im Hohenlohekreis herum?

In der Facebook Gruppe: Du weißt, dass du aus Künzelsau und Umgebung bist, wenn …  sprach man in den vergangen Wochen von der Sichtung eines Wolfes zwischen Künsbach und Morsbach. GSCHWÄTZ wollte es genau wissen. Deshalb haben wir beim Landratsamt angefragt, ob es tatsächlich Wölfe im Hohenlohekreis gibt. Lisa-Marie Dörr vom Landratsamt des Hohenlohekreises hat uns auf unsere GSCHWÄTZ Nachfrage geantwortet.

GSCHWÄTZ: In der Facebook Gruppe: Du weißt, dass du aus Künzelsau und Umgebung bist, wenn … steht, dass scheinbar ein Wolf gesichtet wurde. Stimmt das?

Dörr: Im Hohenlohekreis gibt es bisher keine bestätigten Hinweise, dass sich im Kreisgebiet ein Wolf aufhält beziehungsweise gelegentlich durchzieht. In den Sozialen Medien wurde von der Sichtung eines wolfähnlichen Tieres zwischen Künsbach und Morsbach berichtet. Aufgrund fehlender Nachweise wie zum Beispiel Pfotenabdruck, Losung, Haare konnte die Echtheit der Sichtung nicht überprüft werden.

GSCHWÄTZ: Inwieweit ist der Wolf allgemein schon verbreitet? In welchen Gebieten kann er gefunden werden?

Dörr: Der Wolf ist in den Nachbarländern wie der Schweiz und in Frankreich verbreitet. Von dort aus wandern seit geraumer Zeit immer wieder einzelne männliche Jungtiere ab. Sie verlassen ihr Rudel, um ein Weibchen zu suchen. Dabei legen die jungen Rüden beträchtliche Strecken zurück und sind das ein oder andere Mal auch durch Baden-Württemberg gezogen. Dies ist für die Tiere gefahrenträchtig, da die Wölfe oft Bahnlinien und Autobahnen überqueren müssen und endet nicht selten mit dem Tod.

GSCHWÄTZ: Wie verhält man sich wenn man einem Wolf begegnet?

Dörr: Wölfe sind in der Regel scheu und meiden den Kontakt zu Menschen. Bei einer Sichtung wäre es hilfreich für den Nachweis ein Foto oder Video zu machen und an den Wildtierbeauftragten des Hohenlohekreises Johannes Jakob, johannes.jakob@hohenlohekreis.de zu melden.

// Foto: Nabu




Frisch gedruckt: Unsere GSCHWÄTZ-Januar-Ausgabe

// Interne Prüfungen beim Deutschen Roten Kreuz (DRK): Was unterscheidet Malteser, ASB und diverse andere Verbände vom DRK Hohenlohe? Sie zahlen Steuern beim Verkauf von Kleiderspenden aus Altkleidercontainern. Derzeit laufen interne Untersuchungen, ob es rechtens ist, dass der DRK Hohenlohe keine Steuern diesbezüglich abführt. Was sagt der Präsident des DRK, Landrat Dr. Matthias Neth, dazu?

// Hetzer oder Held? Dr. Andreas Eckle äussert sich im Interview zu den Vorwürfen gegen seine Person, die von Kreisräten, dem Landrat und der hiesigen Tagespresse gegen ihn erhoben wurden und sagt, warum das Krankenhaus Künzelsau nie hätte geschlossen werden dürfen

// 30 Jahre Gonzo live. Der Musiker aus Künzelsau, der weltweit Auftritte hat, öffnet uns seine Türen zu seinem Palast und hat mit uns über Tinder, Star Wars und das Wichtigste in seinem Leben gesprochen.

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Bürger in Künzelsau 1 Monat nach der Bundestwahl: „Angela Merkel hat mit Sicherheit nicht alles richtig gemacht“

Von den knapp 170.000 Wählern im Wahlkreis 268 (Schwäbisch Hall – Hohenlohe) haben ihre Erststimme 40,5 Prozent der CDU gegeben. 18,5 Prozent der Stimmen bekam die SPD. Drittstärkste Partei ist die AfD mit 13,5 Prozent noch vor der FDP und den Grünen geworden. Wie die Hohenloher mit dem Wahlergebnis zufrieden sind und warum wohl jeder achte Wähler blau gewählt hat, das haben sie Dr. Felix Kribus vor dem Künzelsauer Rathaus erzählt – eine nicht repräsentative Umfrage.

Manuel Schäfer, Künzelsau, Azubi:

„Es ist echt beschissen ausgegangen, weil es traurig ist, dass ein Land, das die Geschichte so geprägt hat, so viele AfD-Wähler hat und auch Sonstiges ziemlich altmodisch bleibt und nichts Neues von den Leuten gewählt wird. Man sollte sich um die Leute kümmern, die Hilfe brauchen und nicht über Abschiebung oder Mindestgrenzen nachdenken.“

Uwe Haag, Künzelsau:

„Ich bin erstaunt, habe es fast befürchtet mit dem Wahlergebnis. Das Abschneiden der AfD macht mir Sorgen und ich bin gespannt, wie es weitergeht, wie sich die Dinge entwickeln und gestalten werden und wann die Menschen merken, dass man zwar ein Recht hat auf Veränderungen, aber dass das so nicht der richtige Weg ist.“

Klaus Hillenmaier, Ingelfingen:

„Es ist erschreckend, dass die AfD so viele Stimmen von uns Bürgern erhalten hat. Das war sehr viel Protestwahl. Aber es geht auch sehr viel tendenziell mehr in Richtung rechts. Dass die Verhältnisse jetzt so sind, dass es schwieriger wird, eine Regierung zu bilden, vor allem auch dieser Schwester- oder Bruderkrieg von der CDU/CSU finde ich nicht richtig.“

Ingo Rudolph, Künzelsau:

„Ich finde, das Wahlergebnis spiegelt die derzeitige Lage in Deutschland wieder. Ein Teil hat aus Überzeugung gewählt. Aber die meisten haben aus Protest gewählt, weil sie die großen Parteien nicht wählen wollten. Die Linke ist ja bei Protestwählern schon rausgefallen und deshalb auch keine Protestpartei mehr.“

A. C. (möchte anonym bleiben):

„Das war meine Erstwahl. Ich habe mir Videos angeschaut, habe mich mit meinen Freunden ausgetauscht. Jede Partei hat Versprechungen gemacht und man kann sich sicher sein, dass nicht alles so realisierbar ist, aber es hört sich sehr gut an. Ich war sehr enttäuscht, dass in meinem Freundeskreis wirklich junge Leute, um die 20 Jahre, AfD, gewählt haben.




Maulkorb für Rettungsdienstmitarbeiter

Seit Freitag, den 27. Oktober 2017, gibt es unsere November-Ausgabe in gedruckter Form zu kaufen. Der Aufmascher: Rettungsdienst am Limit. Warum Fahrzeuge im Hohenlohekreis nicht oder nur bedingt einsatzbereit ausrücken können. Fast zur selben Zeit erhielten Rettungsdienstmitarbeiter des DRK (Deutschen Roten Kreuzes) Hohenlohekreis eine interne E-Mail von Ihrem neuen Chef, Kreisgeschäftsführer Bernd Thierer. Darin werden die Mitarbeiter explizit darauf hingewiesen, den Umgang mit der Presse zu meiden und auf ihre Schweigepflicht hingewiesen.

In unserer Analyse über den Rettungsdienst im Hohenlohekreis in unserer aktuellen gedruckten Ausgabe bemängen Mitarbeiter und ehemalige Mitarbeiter unter anderem die dünne Personaldecke, die hohe Überstundenzahl und „signifikante Mängel in der Führung, Organisation und Anwendung einschlägiger Vorschriften und Leitlinien“. Besonders in der Kritik steht dabei Karl Heer, der bis vor kurzem Kreisgeschäftsführer des DRK war: „Unser ehemaliger Kreisgeschäftsführer (…)  hat viele richtige Dinge dort gesagt, leider aber auch dreist gelogen. Er sagte, dass bisher noch keine Rettungsfahrzeuge wegen Personalmangel ausgefallen seien und das ist schlichtweg falsch“, sagen Mitarbeiter.