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Quellen berichten von enormer Kostensteigerung

Seit gut sechs Monaten laufen die archäologischen Ausgrabungen auf dem Gelände neben dem Öhringer Krankenhaus. Gesucht und gegraben wird nach möglichen Überresten eines früheren Römerkastells. Geleitet werden die Ausgrabungen vom Landesamt für Denkmalpflege.

Römerkastell unter dem Gelände des geplanten Krankenhauses in Öhringen

Die Grabungen werden in zwei Abschnitten durchgeführt. Im ersten Abschnitt wurde auf der Fläche des Hubschrauberlandeplatzes des Öhringer Krankenhauses gegraben. Im zweiten Abschnitt fokussieren sich die Ausgrabungen auf dem Gelände der ehemaligen Behördengebäude der Hindenburgstrasse.

Grund für die Ausgrabungen ist der geplante Krankenhaus-Neubau, der auf der Fläche entstehen soll wo einst Landwirtschaftsamt und Veterinäramt standen. Diese wurden letztes Jahr für dieses Vorhaben abgerissen.

Doch wie hoch sind eigentlich die Kosten für diese Ausgrabungen?

Eine interne Quelle aus dem Hohenloher Krankenhaus hat berichtet, dass zunächst 200.000 Euro für die Grabungen vorgesehen waren. Stand April 2020 würden sich die Kosten aber bereits auf 800.000 Euro belaufen, so unsere Quelle.

Höhe der Kosten und Kostenträger für archäologische Grabung unklar

Wir haben bei beim Mehrheitseigner der Hohenloher Krankenhauses gGmbH, der BBT-Gruppe, nachgefragt, wie hoch die Kosten bis dato sind und wer diese Kosten trägt,

Von der BBT-Gruppe haben wir zu diesen Fragen folgende, schriftliche Rückmeldung erhalten: „Die archäologischen Ausgrabungen werden in den nächsten Wochen abgeschlossen. In Absprache mit dem Landesdenkmalamt werden wir die Ergebnisse dann gerne vorstellen. Die von uns geplante öffentliche Begehung des Grabungsfeldes kann leider aufgrund der Corona-Pandemie nicht stattfinden“. 

Unklar bleibt, ob der Hohenlohekreis als Minderheitsanteilseigner für die Kosten aufkommt oder die BBT-Gruppe. Auch auf unsere Frage, welche Kosten bis dato durch die Grabungen entstanden sind, hat sich die BBT-Gruppe nicht geäussert. Aber vielleicht erfolgt dies im Rahmen der Vorstellung der Ergebnisse.

Text: Carla Mosel 

Derzeitige Grabungen neben dem Öhringer Krankenhaus. Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ

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Foto: GSCHWÄTZ

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Foto: GSCHWÄTZ




Tödliches Virus

Im Hohenlohekreis gab es laut der Homepage des Landratsamtes Hohenlohekreis am Dienstag, den 28. April 2020, 742 bestätigte Corona-Fälle, davon sind offiziell 37 Menschen verstorben (abgerufen am 30. April 2020, 12 Uhr). Wenn man die Verstorbenen auf die Infiziertenzahl umrechnet, stirbt etwa jeder 20.. Infizierte am dem Virus, wenn man von den offiziellen Zahlen ausgeht. Aber natürlich darf man dabei nicht außer Acht lassen, dass es vermutlich eine hohe Dunkelziffer an Coronainfizierten gibt, die in keiner offiziellen Statistik auftauchen.

In Baden-Württemberg waren am Donnerstag, den 29. April 2020, Stand 16 Uhr, insgesamt offiziell 31.589 Menschen an Covid-19 erkrankt (+273). Davon sind offiziell 1.354 (+54) verstorben. (Quelle: Sozialministerium Baden-Württemberg, Stand 30. April 2020, 12 Uhr). Das bedeutet anhand der offiziellen Zahlen, dass etwa jeder 30. stirbt.

In ganz Deutschland wurden am gleichen Tag um 32 Uhr 161.539 Corona-Fälle gezählt. Davon sind 6.467 (+147) verstorben und 123.500 (+9.358) genesen. (Quelle: John Hopkins University). Hier wäre es anhand der offiziellen Zahlen jeder 25. Fall, der tödlich verläuft.

Corona-Landkarte des Hohenlohekreises, erstellt vom Landratsamt:

 




Künzelsau: Zulassungsstelle öffnet wieder regulär – Kreisverwaltung rechnet mit großem Andrang

Laut einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises öffnen die Zulassungsstelle, die Führerscheinstelle, die Ausländerbehörde und Asylbewerberleistung sowie die Einbürgerungsbehörde ab Montag, den 04. Mai 2020, wieder zu den regulären Öffnungszeiten für den Publikumsverkehr. Die Schalterarbeitsplätze wurden mit einem Spuckschutz ausgestattet. Sowohl Mitarbeiter als auch Bürger müssen eine Maske tragen.

Insbesondere bei der Zulassungsstelle rechnet die Kreisverwaltung mit einem größeren Andrang. Im Wartebereich im Foyer des Landratsamtes dürfen sich maximal 15 Personen aufhalten. Daher kann es passieren, dass Bürger auch außerhalb des Landratsamtes warten müssen. Ein Sicherheitsdienst ist vor Ort und regelt den Einlass sowie das Einhalten der Abstandsvorschriften. Personen, die eine Terminreservierung haben, sollten die Reservierung beim Einlass vorzeigen. „Um lange Wartezeiten zu vermeiden, wird die Bevölkerung gebeten, nur bei wirklich dringenden Zulassungen die Behörde aufzusuchen. Es besteht auch die Möglichkeit der Online-Zulassung, die bisher kaum genutzt wird. Auch Online-Terminreservierungen sind weiterhin erwünscht“, erklärt der Leiter der Zulassungsstelle, Karlheinz Haaf, in der Mitteilung.

Die übrigen Bereiche sowie die Außenstellen des Landratsamtes bleiben weiterhin für den Publikumsverkehr geschlossen. Kundenkontakte sind in diesen Ämtern nur nach vorheriger Terminvereinbarung möglich. Auch hier gilt eine Maskenpflicht. Nur Bürger mit Mund-Nasen-Bedeckungen dürfen das Gebäude betreten.

Quelle: Landratsamt Hohenlohekreis




Landrat Neth: „Es ist noch keine Zeit für Entwarnung“ – 1.-Mai-Traditionen fallen wegen Corona aus

Landrat Dr. Matthias Neth appelliert in einer Pressemitteilung des Landratsamtes Hohenlohekreis an die Bevölkerung, sich an das Kontaktverbot zu halten und dies in diesem Jahr zu unterlassen. „Auch wenn Läden wieder geöffnet haben und wenn es in anderen Bereichen zu Lockerungen gekommen ist, ist es weiterhin sehr wichtig auf Kontakte zu verzichten. Deshalb bitte ich alle, meiden Sie Menschenansammlungen, halten Sie Abstand und bleiben Sie am besten zuhause“, so der Hohenloher Landrat laut der Mitteilung. „Es ist erfreulich, dass die Anzahl der Neuinfektionen gesunken ist, aber es ist noch keine Zeit für eine Entwarnung. Ein einfacher Mundschutz kann das Abstandhalten nicht ersetzen, deshalb ist die Einhaltung des Abstandes nach wie vor unerlässlich“, so Neth weiter.

Nur Familien oder maximal zwei Personen dürfen gemeinsam on Tour

Auch im Hohenlohekreis sind in vielen Ortschaften der „Tanz in den Mai“ mit einem Maibaumfest und bunt geschmücktem Maibaum feste Tradition, um den Anbruch der warmen Jahreszeit zu feiern. Am 01. Mai selbst ist man mit Freunden und der Familie in der Natur unterwegs und verbringt gemeinsame Zeit. Dieses Jahr werden die Brauchtümer von der Corona-Pandemie beeinflusst – das Kontaktverbot gilt auch für das 1. Mai-Wochenende. Das heißt, nur Familienmitglieder eines gemeinsamen Hausstandes, ansonsten maximal zwei Personen, dürfen zusammen etwas unternehmen.

Bürgerhotline im Gesundheitsamt am 2. Mai geöffnet

Die Hotline des Regierungspräsidiums Stuttgart/Landesgesundheitsamt ist unter Telefon 0711/904 39555 von Montag bis Sonntag zwischen 9 und 18 Uhr erreichbar. Die Bürgerhotline des Gesundheitsamtes Hohenlohekreis unter der Telefon 07940/18 888 ist am Freitag, den 01. Mai 2020, nicht besetzt. Am Samstag, den 02. Mai 2020, ist dagegen das Bürger-Info-Telefon wie gewohnt von 10 bis 14 Uhr erreichbar. Fragen zur Wirtschaft kann man direkt unter Telefon 07940/18 351 und Fragen zur Landwirtschaft unter Telefon 07940/18 616 stellen.

Quelle: Landratsamt Hohenlohekreis




Futuristische Atemschutzmaske aus Hohenlohe – Neth: „Es macht keinen Sinn, jedem Bürger FFP2-Masken zu geben, wenn das Pflegepersonal keine hat“

Hat Landrat Dr. Matthias Neth Besuch aus dem All? Nein, unter diesem außerirdisch aussehenden Helm steckt Professor Dr. Ralph Wystup von der Hochschule Eisenach, der in Zusammenarbeit mit Hohenloher Firmen diese neuartige Atemschutzmaske entwickelt hat. Professor Dr. Buchhorn, Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin am Caritas-Klinikum in Bad-Mergentheim, erklärt, wie die Idee zu einer solchen Schutzmaske entstand: „Wir haben uns überlegt, wie man die Kliniken unterstützen könnte – Beatmungsgeräte waren zu komplex, am drängendsten ist eine Schutzmaske. Mit dieser Maske können wir möglicherweise den Arbeitsschutz verbessern“. An diesem Projekt beteiligt waren neben Wystup und Buchhorn, Wystups Bruder Frederik, der ein Ingenieurbüro in Neuenstein betreibt, sowie die Firmen ebm-papst, Ziehl-Abegg, Ansmann und Jako. Alle Beteiligten haben ihre Kernkompetenzen zur Verfügung gestellt, Frederik Wystup die Entwicklung der Steuerungselektronik, Professor Buchhorn das medizinische Anforderungsprofil, ebm-papst die Lüftungstechnik, Ansmann die Akkus, Ziehl-Abegg seine Kapazitäten im 3-D-Druck und Jako sein textiles Know-How.

Produktion weltweit möglich

Herausgekommen ist bei dieser Zusammenarbeit bisher ein Funktionsmodell, das noch nicht serienreif ist, aber bereits zeigt, wohin das Projekt gehen kann: Die Hülle besteht aus einem leichten „Windjackenstoff“, der genügend luftdicht ist, um Außenluft fernzuhalten. Die Maske wird mit gefilterter Außenluft unter Überdruck gesetzt und hält sich durch den Überdruck selber in Form. Der Überdruck sorgt auch für Sicherheit, da selbst bei einer Verletzung der Maske keine möglicherweise kontaminierte Außenluft eindringen kann. Das Funktionsmuster funktioniert mit Standard-Akkus von Ansmann, sowohl Akku als auch das Gebläse von ebm sind in einem einfachen Rucksack untergebracht. Die Gebläse sind bereits heute in Beatmungshilfsgeräten, zum Beispiel Geräten zur Behandlung von Schlafapnoe, verbaut und somit schon im Markt bekannt und zertifiziert. Die Maske selbst besteht aus rein textilen Materialien, kann also überall dort produziert werden, wo textiles Know-How vorhanden ist, also praktisch überall auf der Welt.

„Der Markt ist nicht Deutschland, der Markt ist die ganze Welt.“

Ein weiterer Vorteil ist das geringe Gewicht der Maske. Die Entwickler gehen davon aus, dass die Maske zu einem äußerst konkurrenzfähigen Preis auf den Markt gebracht werden kann, Ralph Wystup betont: „Wir können voraussichtlich auf gutem Preisniveau anbieten, die Maske ist einfach zu bedienen und gut zu reparieren“ und sein Bruder Frederik ergänzt: „Die Maske ist tragbar und mit Akkutechnik, daher auch für Gebiete mit wenig Infrastruktur geeignet“. Davon ist auch Landrat Dr. Neth überzeugt: „Der Markt ist nicht Deutschland, der Markt ist die ganze Welt.“

„Ich sehe da eine Entwicklung von Low-End bis High-End.“

Obwohl die Maske etwas unförmig aussieht, sei sie doch recht bequem, meint Rainer Nase, Entwicklungsingenieur bei ebm: „Der Luftstrom verschafft eine gewisse Kühlung, auch die Luftfeuchtigkeit könnte reguliert werden.“ Die Maske ist groß genug, dass man zum Beispiel einen Bluetooth-Kopfhörer mit Noise-Cancelling-Technik darunter tragen und über Handy komunizieren kann. Nase denkt schon an die Zukunft: „Perspektivisch sehe ich da eine Entwicklung von Low-End bis High-End“. Frederik Wystup sieht ebenfalls weitreichende technische Möglichkeiten wie zum Beispiel Luftmessdatenübertragung und –kontrolle mit WLAN-Kommunikation zu Servern über die Maske. Auf der anderen Seite sei die Maske durch Preis und Einfachheit geradezu ideal für den Einsatz in Pflegeheimen und bei mobilen Pflegediensten, meint Ralph Wystup.

„Bis jetzt reine Privatveranstaltung“

Aber ganz so weit ist das Projekt noch nicht, denn Wystup betont: „Bis jetzt ist das eine reine Privatveranstaltung. Wir stehen jetzt am Scheidepunkt: Wollen wir das weitertreiben?“.
Eine Zertifizierung als Medizingerät wäre der nächste Schritt – der ist allerdings sehr aufwändig. Landrat Dr. Neth ist von den Erfolgsaussichten überzeugt und bietet dem Projektteam an, Kontakte zu speziellen Ansprechpartnern des Landes Baden-Württemberg an, die bei Zulassung und Zertifizierung unterstützen können: „Die Chance ist, dass wir in der Region gute Ressourcen haben. Der Charme ist die Zusammenarbeit vor Ort, was anderswo nicht gegeben ist.“ Ihn lässt auch die Idee der Beatmungsgeräte nicht los: „Die Masken lösen nicht alles, wenn man davon ausgeht, dass es weltweit eine Weile geht. Das Thema Beatmungsgeräte wollen wir nicht aus den Augen verlieren. Ich vermute, dass das Thema wiederkommt“. Äußerst zufrieden zeigen sich alle Projektteilnehmer mit der unkomplizierten Zusammenarbeit im Team, Dr. Walter Angelis, Technischer Leiter bei Ziehl-Abegg sagt: „Wir sind sehr stolz darauf, was in kurzer Zeit entstanden ist. Das ist ein Zeichen für die Politik.“

Zum Thema Schutzmasken für die Allgemeinheit betonte Landrat Neth: „Es macht keinen Sinn, jedem Bürger FFP2-Masken zu geben, wenn das Pflegepersonal keine hat.“

Auch Altenheime und Bestattungsunternehmen beklagen derweil einen Engpass an Schutzkleidung.

Text: Matthias Lauterer

Professor Ralph Wystup zieht die Atemschutzhaube an. Foto: GSCHWÄTZ

Professor Frank Wystup (rechts) präsentiert die Atemschutzhaube Landrat Dr. Matthias Neth (links). Foto: GSCHWÄTZ

Rainer Nase. Foto: GSCHWÄTZ

Professor Ralph Wystup. Foto: GSCHWÄTZ




Warum die heile Hohenloher Welt danach eine andere ist

Es ist Samstag, der 28. März 2020, 19.41 Uhr. Aber es spielt keine Rolle, mit welchem Satz ich beginne, denn alles, was das Thema Coronavirus betrifft, ist binnen kürzester Zeit obsolet, veraltet, überholt.

Verzeihen Sie uns, aber noch nie war das von heute Geschriebene morgen schon so veraltet.

Ich bin ein Kind der 1980er Jahre. Das Spektakulärste, das ich bislang hinsichtlich unserer deutschen Geschichte erlebt habe, war vielleicht der Fall der Berliner Mauer, aber auch das tangierte mich eher peripher in Baden-Württemberg.

Denn: Es änderte sich nicht wirklich viel im schönen Hohenlohekreis, als die Mauer fiel. Damals war ich ein Kind. Der Krieg war weit weg und rückte erst ein Stückchen näher, als die Zwillingstürme des World Trade Center in den Vereinigten Staaten einstürzte. Die Welt bekam Risse, aber sie schien noch heil.
Als Fridays for future mit Greta startete, bewunderte ich die neue politisch motivierte Jugend mit ihrem Glauben an eine bessere Welt (und tue es immernoch).

Und jetzt? Heute, als ich zum hellblauem Himmel blickte bei schönstem Sonnenschein, sah ich kein einziges Flugzeug, kein einziger Kondensstreifen zeigte sich. Aber leider hat das nicht die Greta-Bewegung geschafft. Sondern Deutschland scheint seit über zwei Wochen stillzustehen wegen eines Virus‘, zuerst genannt Corona, dann Covid-19. Ein Virus legt in Rekordschnelle eine hochmoderne Welt lahm. Wer hätte das gedacht?

Und man sieht: So anfällig ist unser System. Was 1919 die Spanische Grippe bewirkte (damals starben 27 bis 50 Millionen Menschen), könnte laut der Financial Times auch uns jetzt blühen.

Die heile, sichere Hohenloher Welt, wie wir sie gekannt haben, ist passé.

Keine Frage, irgendwann werden die jetzt steigenden Zahlen an Infizierten und Toten wieder fallen. Irgendwann wird die Seuche wieder verschwunden sein.

Aber wir werden damit leider in die Geschichte eingehen und unsere Enkel werden uns vielleicht irgendwann einmal fragen: Oma, wie war das damals, als die Seuche über euch kam? Wie habt ihr euch verhalten?

So ähnlich, wie ich meine Großmutter einst gefragt habe, wie der Krieg war.

Wir werden danach in einer anderen Welt leben.




Hohenlohe: Coronafälle im Altenheim – Bewohner dürfen Gelände nicht mehr verlassen

Nach positiven Tests dürfen Bewohner das Heim bis auf Weiteres nicht mehr verlassen

Das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises hat für ein Pflegeheim in Zweiflingen-Orendelsall die häusliche Absonderung der Bewohner und Mitarbeiter angeordnet. Hintergrund sind positive Testergebnisse auf das Coronavirus unter Mitarbeitern und Bewohnern des Pflegeheims. Das meldet das Landratsamt des Hohenlohekreises am Samstag, den 29. März 2020.

Gelände nicht mehr verlassen

Alle Bewohner sowie die Mitarbeiter gelten damit bis auf Weiteres als sogenannte Kontaktpersonen der Kategorie 1.
Für die Bewohner bedeutet das, dass sie das Gelände nicht mehr verlassen sowie keinen Besuch empfangen dürfen. Die Mitarbeiter des Heims gehören zur Gruppe der systemrelevanten Berufe und dürfen weiterarbeiten, solange sie keine Krankheitssymptome haben. Währenddessen muss stets eine persönliche Schutzausrüstung getragen werden. In der restlichen Zeit müssen sich die Mitarbeiter zuhause isolieren.

Mitarbeiter und Bewohner werden täglich auf die typischen COVID-19-Symptome beobachtet und gegebenenfalls getestet, so das Landratsamt. Pauschale Testungen aller Mitarbeiter werden damit nicht vorgenommen.  „Ziel ist es, Bewohner und Mitarbeiter des Pflegeheims bestmöglich zu schützen und gleichzeitig den Betrieb weiterhin aufrecht zu erhalten“, so die Leiterin des Gesundheitsamts, Dr. Antje Haack-Erdmann.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises vom 28.02.2020




Hohenlohe / Corona – Warum die Zahl in Wahrheit signifikant höher ist – Ärztliche Diagnosen fließen nicht in offizielle Statistik ein

Man wundert sich dieser Tage schon ein wenig. Denn der Graben zwischen den offiziellen Coronazahlen im Hohenlohekreis und der Maßnahmen, die der Hohenlohekreis parallel dazu derzeit ergreift, wird immer größer.

Eine neue geschaffene Isolierstation im ehemaligen Krankenhaus in Künzelsau mit dreimal so viel Betten wie in Kupferzell, der Hilferuf des Landrats Dr. Matthias Neth nach mehr Schutzmasken und medizinischem Personal. Und demgegenüber aktuell aber offiziell „lediglich“ 350 bestätigte Coronainfizierte im Kreis (Sozialministerium Baden-Württemberg, Stand: 27. März 2020, 16 Uhr https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/aktuelle-infos-zu-corona/corona-karte-baden-wuerttemberg/). 

Das klingt zuerst nach nicht wirklich vielen Fällen bei rund 120.000 Einwohnern. Allerdings darf man dabei mehrere Dinge nicht außer Acht lassen.

  1. Die Zahl der offiziell bestätigen Fälle wächst schnell an. Am Tag zuvor waren es „nur“ 300 Fälle, also 50 weniger. In einer Woche könnte man so schnelle eine vierstellige Zahl im Hohenlohekreis erreichen. Der exponentielle Anstieg (je höher die Zahl, umso schneller der Anstieg) sieht man besonders deutlich an den Zahlen den Infizierten in Baden-Württemberg. So liegt die Zahl der Infizierten derzeit bei 9.729 Fälle), einen Tag zuvor war die Zahl 8.441 Fälle. Das bedeutet einen Anstieg um rund 1.300 Fälle innerhalb von 24 Stunden).
  2. Es werden längst nicht alle Coronainfizierten bei der offiziellen Statistik erfasst. Die Dunkelziffer ist daher weitaus höher. Kritiker würden jetzt sagen: Das war noch nie anders. Stimmt. Besonders die Coronainfizierten ohne Symptome werden und wurden im Hohenlohekreis in der Regel nur erfasst, wenn es sich um Kontaktpersonen handelte, also Personen, die mit Infizierten Kontakt hatten. Eine pauschale Testung aller Einwohner, etwa in Hotspots wie Kupferzell, Bretzfeld oder Pfedelbach wurde nicht gemacht. So hätte man aber gerade die vielen  „stillen“ aktiven Träger in Quarantäne schicken können, bevor sie andere Menschen anstecken. Das größte Problem bei der offiziellen Zahlenstatistik ist aber: Es finden derzeit weit weniger Coronatestungen statt. Als im März 2020 der Abstrich-Drive-In in Belzhag eröffnet wurde, testeten Ärzte bis zu 200 Menschen täglich. Ziemlich schnell, noch bevor der Monat um war, gingen die Teststäbchen fürs Labor zur Neige. Fortan sollten die Ärzte vermehrt klinische Diagnosen durchführen, vom Landratsamt wurde diese Methode als genauso gut empfunden. Das Problem: Diese klinischen Diagnosen fließen nicht in die offizielle Corona-Statistik ein. Das bestätigte uns sowohl das Landratsamt des Hohenlohekreises als auch das Sozialministerium Baden-Württemberg in einem Schreiben auf Nachfrage gegenüber GSCHWÄTZ. Das Landratsamt verwies dabei auf die Vorgaben das Robert-Koch-Instituts hinsichtlich der Erstellung der Statistik. Daher ist es falsch zu glauben, dass die Zahl der Coronainfizierten weniger stark steigt, da die Statistik bislang nur die rückläufigen Labordiagnosen berücksichtigt und nicht die ärztlichen Diagnosen.
  3. Aber auch ärztliche Diagnosen sind derzeit nicht so leicht zu bekommen. Denn: Eine zweistellige Zahl an Arztpraxen im Hohenlohekreis hat in den vergangenen zwei Wochen, nachdem Ärzte und/oder Personal erkrankt sind, (vorübergehend) schließen müssen (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/03/27/arzt-und-oder-personal-infiziert-11-bis-15-arztpraxen-in-hohenlohe-mussten-bereits-schliessen/). Dies macht es diversen Menschen es noch schwerer, einen Arzt für eine Diagnose zu konsultieren. Bei leichten Symptomen verzichten daher auch Menschen darauf, den Arzt zu konsultieren, solange die Symptome nicht schlimmer werden. Auch diese Fälle sind nicht von der Statistik erfasst.
  4. Die so genannten Hotspots in Hohenlohe – Pfedelbach, Kupferzell und Bretzfeld – sind vornehmlich entstanden durch öffentliche Veranstaltungen, bei denen sich einige Menschen infiziert haben. Das Landratsamt des Hohenlohekreises selbst hat Wochen später erklärt, dass eine Rückvollziehbarkeit von Kontaktpersonen etwa an der Großveranstaltung „Rebenglühen“ in Bretzfeld mit einer fünfstelligen Teilnehmerzahlschier unmöglich sei.
  5. Krankenhäuser haben nicht unbegrenzte viele Intensivplätze (mit Beatmung). Auch wenn das Krankenhaus in Öhringen derzeit nochmal mehr Intensivplätze mit Beatmung geschaffen hat, ist das Krankenhaus von der Corona-Intensivbelegung derzeit nahezu ausgelastet. Coronapatienten werden schon jetzt teilweise weitergeleitet in die Kliniken nach Heilbronn und Ludwigsburg. Zumal das Krankenhauspersonal derzeit noch unter erschwerten Bedingungen arbeitet, da sie Coronapatienten von anderen Patienten trennen muss – in den normalen Stockwerken wie auch in der Intensivstation. 
  6. Man verdreifacht nicht mal einfach so die Isolierplätze in einem Landkreis, wenn es nicht erforderlich wäre beziehungsweise wenn man nicht die Annahme hegt, dass sich die Zahl der Infizierten weiter erhöhen wird.

Das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau wäre prädestiniert dafür, das Krankenhaus Öhringen zu entlasten, sollte die Coronawelle von Italien und Frankreich zu uns überschwappen. Aber dafür muss der Kreis jetzt alle nur erdenklichen Vorkehrungen treffen, um für den Ernstfall gewappnet zu sein.

 

 




Wegen Engpass 10.000 Schutzmasken für den Hohenlohekreis geliefert

Das Landratsamt Hohenlohekreis hat am Freitag, den 17. März 2020, mehrere Pakete Schutzmasken an die Diakoniestation Öhringen überreicht. Die Aktion war Teil mehrerer Übergaben von insgesamt 10.000 gespendeten Schutzmasken an verschiedene Institutionen im Kreis. Landrat Dr. Matthias Neth ist dankbar über die hohe Spendenbereitschaft: „Dass der Aufruf der Kreisverwaltung große Erfolge zeigt, beweist wieder einmal: Hohenlohe hält zusammen.“ Das geht aus einer Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises hervor.

Auch für Zahnärzte, Physiotherapeuten sowie weitere Organisationen wie DRK und Feuerwehr werden einige dieser Masken zur Verfügung gestellt.

Insbesondere Schutzmasken waren in den vergangenen Tagen in vielen Einrichtungen Mangelware geworden, weshalb die Spende von 10.000 Schutzmasken bei den Betroffenen für große Erleichterung sorgte. Sabine Waldmann, Dekanin und Vorstand der Diakoniestation Öhringen e. V., freut sich: „Durch Ihre Mithilfe können wir unsere Mitarbeiter ausreichend schützen und so die bestmögliche Versorgung aller Patienten gewährleisten“. Nachdem ein Teil der Masken am Donnerstag an das Hohenloher Krankenhaus und die niedergelassenen Ärzte geliefert wurde, erhielten am Freitag die Altenheime und ambulanten Pflegedienste im Hohenlohekreis weitere Schutzmasken. Auch für Zahnärzte, Physiotherapeuten sowie weitere Organisationen wie DRK und Feuerwehr werden einige dieser Masken zur Verfügung gestellt.

Das Landratsamt Hohenlohekreis freut sich weiterhin über Spenden.

Wer Masken, Schutzkleidung oder Handschuhe spenden kann, wird gebeten, sich mit dem Gesundheitsamt unter corona-spenden@hohenlohekreis.de in Verbindung zu setzen, damit die Anlieferung organisiert werden kann. Offene Pakete können leider nicht angenommen werden.

Anfang dieser Woche haben sich Landrat Dr. Matthias Neth, der Vorsitzende der Innovationsregion Hohenlohe Thomas Philippiak und der Ärztliche Direktor der Hohenloher Krankenhaus gGmbH, Dr. Werner Reinosch, in einem gemeinsamen Brief an die Betriebe, Firmen, Unternehmen und Privatpersonen im Hohenlohekreis gewandt und um Unterstützung auf der Suche nach Schutzausrüstung gebeten. Der gemeinsame Spendenaufruf für die Gesundheitseinrichtungen im Kreis war nötig geworden, weil sich durch steigende Fallzahlen ein Engpass an Schutzausrüstung abgezeichnet hat.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises




Corona Hotspot Hohenlohe – Was ist schiefgelaufen?

Festleskultur, zu wenig Tests, zu viele „stille“ Träger

Der Hohenlohekreis gelangte in den vergangenen Wochen zu deutschlandweiter Berühmtheit. Und das diesmal nicht durch den Schraubenmilliardär Reinhold Würth und sein Imperium mit der Schaltzentrale in Künzelsau-Gaisbach, sondern mit einem Virus, das sich rasant weltweit ausgebreitet hat.

Der Hohenlohekreis ist ähnlich wie Bergamo in Italien und das Elsaß in Frankreich als Hotspot von Coronainfizierten in den Medien genannt worden. So viele Infizierte umgerechnet auf die Einwohnerzahl gibt es derzeit nirgends sonst in Deutschland. Doch wie konnte es soweit kommen? Was ist schiefgelaufen in diesem kleinen Kreis im Norden Baden-Württembergs mit seinen rund 120.000 Einwohnern? Ein Kreis, der so ländlich geprägt und gleichzeitig so wirtschaftsstark ist wie kaum ein anderer.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn befand sich noch im Winterschlaf

Drehen wir die Zeit ein paar Wochen zurück. Wir schreiben Mitte Februar 2020. Während in China die Zahl der an Covid-19 erkrankten Fälle und auch die Todesrate sprunghaft in die Höhe schießt, schwadroniert der Bundesgesundheitsminister und damals noch potenzielle Kanzlerkandidat Jens Spahn darüber, dass er mit der CDU bei der nächsten Wahl die 30-Prozent-Hürde knacken möchte. Kein Wort zu Corona. Wir haben darüber am 14. Februar 2020 einen Kommentar mit dem Titel veröffentlicht: „Der Coronavirus kommt und ihr seid noch beim Karneval – Die Unfähigkeit der regierenden Politiker“.

Air China fliegt weiter

Air China fliegt weiter und wird noch lange weiterfliegen – aus wirtschaftlichen Gründen, wie der Münchner Merkur berichtet. Die ersten Meldungen aus dem Bundesland Bayern kommen hereingeflattert, Mitarbeiter der Firma Webasto haben sich infiziert mit dem neuartigen Coronavirus, dem man den Namen Covid-19 geben wird. Menschen, die aus China angeflogen kommen, müssen einen Fragebogen ausfüllen, auf dem sie ankreuzen, ob sie Kontakt mit Coronainfizierten hatten und damit in 14-tägige Quarantäne müssen. Das erinnert ein wenig an den Fragebogen der Vereinigten Staaten, wenn man einreist à la : Sind Sie Terrorist?

Noch Anfang März Veranstaltungsankündigungen des Landratsamtes

Es gibt zunächst kaum offizielle und einheitliche Informationsschreiben über das Virus, die Symptome, den Verbreitungsweg (wir berichteten in unserer Märzausgabe 2020). Daher kann es sich auch zunächst ungeniert in Deutschland ausbreiten. Noch Ende Februar und Anfang März 2020 veröffentlicht das Landratsamt des Hohenlohekreises Pressemitteilungen mit der Ankündigung öffentlicher Veranstaltungen, die teilweise für den 19. März 2020 terminiert sind. Am 02. März 2020, nur wenige Tage nach dem Ende der Faschingsferien, ändert sich alles. Die Stadt Künzelsau sagt alle öffentlichen Veranstaltungen, auch die Einwohnerversammlung ab.

Die offizielle Zahl des Hohenlohekreises beläuft sich anfangs noch auf Null

Das Landratsamt berichtet fortan fast täglich über die Zahl der Coronainfizierten im Hohenlohekreis, deren Zahl sich zunächst auf Null beläuft. Ein Koordinierungsstab wird gebildet, das Landratsamt verweist darauf, dass öffentliche Veranstaltungen dazu beitragen können, dass sich der Virus schneller verbreitet. Der erste offiziell als corona-positiv bestätigte Fall veröffentlichte das Landratsamt am 05. März 2020.

Aber es gibt Veranstaltungen, die nicht abgesagt werden in einem Landkreis, der geprägt ist von der Vereins- und Festleskultur, vom Ehrenamt und Zusammenhalt. Das Rebenglühen in Bretzfeld mit rund 10.000 Teilnehmern findet von 06. bis 08. März 2020 statt. Am Samstag, den 07. März 2020, gab es einen Kleinkindkleiderbasar in der Weinbrennerhalle in Untermünkheim. Am 01. März 2020 gab es noch Konzert mit mehreren Posaunenchören in einer kleinen Kirche im Ort Kupferzell. So berichtet es das Nachrichtenmagazin Focus online. Auch in Pfedelbach gibt es noch diverse Veranstaltungen, unter anderem der Weltgebetstag in Pfedelbach-Untersteinbach am 06. März 2020 sowie die Hohenlohe Rallye am 07. März 2020 – alles Städte und Gemeinden, die später zu so genannten Hotspots mutierten sollen – also wo es besonders viele Covid-Infizierte geben wird.

10. März 2020. Es gib 16 offiziell registrierte Coronafälle im Hohenlohekreis. In Kupferzell lässt das Landratsamt unter anderem durch das Technische Hilfswerk (THW) vorsorglich eine Quarantänestation in der Akademie für Landwirtschaft einrichten. Die 17 Betten sollen für Menschen sein, die sich nach einer Corona-Diagnose nicht zu Hause isolierten können oder wollen, um andere anzustecken. In der Pressemitteilung des Landratsamtes hierzu heißt es: „Das Robert Koch-Institut beurteilt die Gefährdungssituation für die Bevölkerung als mäßig.“Das wird sich kurze Zeit später ändern.

15. März 2020. „In den kommenden Tagen rechnet der Hohenlohekreis mit einem weiteren Anstieg der bestätigten Coronavirus-Fälle im Hohenlohekreis sowie der Verdachtsfälle“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes. Daher hat das Landratsamt in Zusammenarbeit mit dem THW Pfedelbach nun die Möglichkeit einer so genannten „Drive-in-Abstrichstelle“ in Belzhag bei Kupferzell geschaffen. Die Abstrichstelle wird von Ärzten der kassenärztlichen Vereinigung gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk und dem Deutschen Roten Kreuz betrieben. Ähnliche Stellen gibt es bereits in anderen Landkreisen. Das THW Künzelsau unterstützt die Umsetzung des Projekts ab Betriebsbeginn. Die Abstrichstelle beim Gesundheitsamt in Künzelsau wird ihren Betrieb einstellen.

Das Prozedere: Die Menschen, die grippeähnliche Symptome und dann noch typische Covid-Symptome haben wie trockener Husten und Atemnot, sollen sich beim Hausarzt melden. Dieser überweist sie an die Drive-In-Abstrichstelle. Erst mit dieser Überweisung wird der Abstrich in Belzhag vorgenommen.

Kein telefonisches Durchkommen bei den Hausärzten, Tage später Tests, Tage später das Ergebnis.

An dieser Stelle ergeben sich gleich mehrere Probleme: Bei den Hausärzten ist zu dieser Zeit kaum mehr ein telefonisches Durchkommen. Viele Einwohner berichten uns, dass es vom Verdacht bis zur Diagnose mehrere Tage vergehen. In dieser Zeit können wiederum andere Personen angesteckt werden, weil es zu diesem Zeitpunkt noch keine Quarantäneregulungen für diese Verdachtsfälle gibt.

17. März 2020. Der Hohenlohekreis meldet den ersten Corona-Todesfall.

18. März 2020. Nach Bayern und zahlreichen anderen Bundesländern schließt nun auch Baden-Württemberg alle Schulen und Kindergärten. Bereits Tage zuvor schloss das Ganerben-Gymnasium und die Anne-Sophie -Schule, weil sie Covid-Verdachtsfälle hatte. Die Ergebnisse lassen auf sich warten.
Zur gleichen Zeit schließen fast alle Rathäuser ihre Pforten für die Öffentlichkeit und sind fortan lediglich über E-Mail oder eingeschränkt telefonisch zu erreichen.

Niedernhalls Stadtverwaltung setzt ein Zeichen und lässt nur noch eine begrenzte Zahl an Kunden in die Supermärkte und Drogerien vor Ort. In der Kreisstadt Künzelsau gibt es in den Supermärkten in Künzelsau auch Anfang April noch keine Einlassbeschränkungen. Teilweise stauen sich die Kundenschlangen im Kaufland, weil nur zwei Kassen offen sind. Auch bei den Schutzmasken ist Niedernhalls Stadtverwaltung Vorreiter und veröffentlicht Anfang April 2020 ein Schreiben, indem die Bevölkerung gebeten wird, mitzuhelfen, 4.000 Masken herzustellen.

Lange Schlangen an den Supermarktkassen, auch als alle Alarmzeichen schon leuchten

Es gibt landesweite Kontaktsperren. Mehr als zwei Personen dürfen sich nicht mehr zu Zusammenkünften treffen – ausgenommen Familien. Bayern geht mit der meisten Anzahl an Infizierten einen Sonderweg und führt Ausgangssperren ein. Auch in Baden-Württemberg werden die Menschen angehalten, nur noch zwecks Arbeit und zum Enkaufen das Haus oder die Wohnung zu verlassen. Derweil haben die Krankenhäuser in und um den Hohenlohekreis die ersten Covid-Patienten, die
wegen starken Atemwegsproblemen ins Krankenhaus eingeliefert werden.

HK-Chefarzt kritisiert Vorgehen des Landratsamtes massiv

Trotz eines klaren „Neins“ der BBT-Gruppe, des Mehrheitseigners der Hohenloher Krankenhaus gGmbH (HK), gegenüber GSCHWÄTZ zwei Wochen zuvor, wird das Krankenhaus Künzelsau Ende März 2020 vom THW für Coronazwecke reaktiviert.Der baden-württembergische Sozialminister Manfred Lucha bekundet angesichts der Coronapandemie nun, dass auch ehemalige Krankenhausgebäude wieder genutzt werden könnten. Erst rund vier Monate zuvor, am 15. November 2020, wurde es auch federführend unter Lucha geschlossen, weil es laut dem Landkreis und dem Land Baden-Württemberg zu kostenintensiv war. Aber: Es soll nur als Isolierstation dienen, ohne medizinisches Fachpersonal und ohne Sauerstoffversorgung für Patienten mit Atemwegsproblemen. Dr. Andreas Kühn, bis 01. April 2020, Chefarzt am HK, kritisiert scharf, dass laut dem Landratsamt sowohl gesunde Risikogruppen als auch kranke Menschen mit leichten Symptomen in der Isolierstation untergebracht werden. Dieses Vorgehen sei „absolut fahrlässig“. Kühn warnt öffentlich davor, als Gesunder in die Isolierstation zu gehen, da die Ansteckungsgefahr zu groß sei.

Ärzte im Hohenlohekreis schlagen Alarm

Hohenlohe: Viele Jahre wurde an den Krankenhausmitarbeitern gespart – Anfang des Jahres klagten Mitarbeiter noch gegen Arbeitsverträge

Am 22. März 2020 meldet das Landratsamt die offizielle Zahl von 350 Infizierten.

Landrat Dr. Matthias Neth ruft öffentlich nach Spenden von Schutzkleidung wie Schutzmasken auf. Zusätzlich werde medizinisches Personal benötigt. Woran derzeit keiner mehr denkt: Noch Anfang des Jahres klagten Mitarbeiter des seit vier Monaten geschlossenen Krankenhauses in Künzelsau gegen die HK vor, weil sie wesentlich schlechtere Arbeitsverträge angeboten bekommen haben https://www.gschwaetz.de/2020/02/06/keinen-lohn-keine-krankenversicherung-mehr-2-mitarbeiterinnen-verklagen-hk/

Auch medizinisches Personal muss man sich eben leisten können. Vor der Seuche konnte der Hohenlohekreis es nur noch eingeschränkt. Und jetzt?

Vor den Hilfsrufen des Landrats hat er noch zwei Videos veröffentlicht, in welchen er unter anderem die Bvölkerung dazu aufruft, zu Hause zu bleiben, um die Schwachen und Alten zu schützen. Es gehe „um Leben und Tod“.

Es gehe um Leben und Tod

Teile der Hohenloher Bevölkerung sind irritiert angesichts der relativ niedrigen offiziellen Zahl an Infizierten auf der einen und den Maßnahmen, die der Hohenlohekreis parallel dazu derzeit ergreift, auf der anderen Seite.

Allerdings darf man dabei mehrere Dinge nicht außer Acht lassen.

Die Zahl der offiziell bestätigen Fälle wächst schnell an. Am Tag zuvor waren es „nur“ 300 Fälle, zwei Tage später über 400. Bei einerm derartigen Wachstum ist der Sprung zu einer vier- oder gar fünfstelligen Zahl nicht mehr weit.

Der exponentielle Anstieg der Infektionszahlen, vor dem zahlreiche Experten warnen (je höher die Zahl, umso schneller der Anstieg) sieht man besonders deutlich an den Zahlen der Infizierten in Baden-Württemberg. Ende März 2020 wächst die Zahl der Coronafälle pro Tag vierstellig. Am 28. März 2020 sind es fast 11.000 offiziell erfasste Coronafälle im Ländle – Tendenz weiter stark steigend. Vier Wochen zuvor waren es noch eine Handvoll.

Zahlreiche Coronainfizierte werden nicht erfasst

Das Problem bei dieser Statistik ist: Es werden längst nicht alle Coronainfizierte erfasst. Die Dunkelziffer ist daher weitaus höher. Kritiker würden jetzt sagen: Das war noch nie anders.

Die gefährlichsten Verbreiter, nämlich Infizierte ohne Symptome, werden nicht getestet

Stimmt. Besonders die Coronainfizierten ohne Symptome werden und wurden im Hohenlohekreis in der Regel nur erfasst, wenn es sich um Kontaktpersonen handelt, also Personen, die mit Infizierten Kontakt hatten. Eine pauschale Testung aller Einwohner, etwa in Hotspots wie Kupferzell, Bretzfeld oder Pfedelbach oder eine pauschale Testung aller Besucher einer Veranstaltung mit Coronainfzierten wurde bislang nicht gemacht. So hätte man aber gerade die vielen „stillen“, weil symptomlosen Träger in Quarantäne schicken können, bevor sie andere Menschen anstecken.

Nichtsdestotrotz testen die Hausärzte im Hohenlohekreis zuerst im Gesundheitsamt in Künzelsau, dann an einer provisorisch eingerichteten so genannten Drive-In-Abstrichstelle in Belzhag im März 2020 zahlreiche Menschen mit Teststäbchen, an einem Tag nicht selten zwischen 100 und 200. Das Problem: Diese Teststäbchen sind mittlerweile nur noch in begrenzter Anzahl vorhanden. Ein deutschlandweites Problem. Getestet werden daher in der Regel nur noch „Härtefälle“ mit schwerem Verlauf, die ins Krankenhaus müssen und man vorher abklären muss, ob sie eine starke Grippe oder Corona haben, um im Krankenhaus nicht wieder andere zu infizieren.
Bereits in der letzten Märzwoche finden wesentlich weniger Testungen statt, teils nur noch 16 pro Tag. Damit einhergehend steigt auch die offizielle Zahl von Coronainfizierten im Hohenlohekreis weniger stark an. Denn: Nur die mittels Teststäbchen im Labor getesteten Infizierten fließen in die offizielle Coronastatistik mit ein.

Diese so genannten klinischen Diagnosen der Ärzte fließen aber nicht in die offizielle Zahlenstatistik des Landratsamtes mit ein. 

Zweistellige Zahl an Arztpraxen musste schließen

Hinzu kommt: Eine ärztliche Diagnose ist gar nicht mehr so einfach zu bekommen. Eine zweistellige Zahl an Arztpraxen im Hohenlohekreis hat seit Mitte März 2020 in den vergangenen zwei Wochen, nachdem Ärzte und/oder Personal erkrankt sind, (vorübergehend) schließen müssen. Bei leichten Symptomen verzichten daher auch Menschen darauf, den Arzt zu konsultieren, solange die Symptome nicht schlimmer werden. Auch diese Fälle sind nicht von der Statistik erfasst.

Das Problem mit der nachträglichen Ermittlung aller Kontaktpersonen.

Die so genannten Hotspots in Hohenlohe – Pfedelbach, Kupferzell und Bretzfeld – sind vornehmlich entstanden durch öffentliche Veranstaltungen, bei denen sich einige Menschen infiziert haben. Das Landratsamt des Hohenlohekreises hat erklärt, dass eine Rückvollziehbarkeit von Kontaktpersonen etwa an der Großveranstaltung „Rebenglühen“ in Bretzfeld mit einer fünfstelligen Teilnehmerzahlschier schier unmöglich sei. Diese öffentliche Erklärung erfolgte allerdings erst über zwei Wochen nach der eigentlichen Veranstaltung.

Was bedeutet eine steigende Zahl an Infizierten für die Krankenhäuser im Hohenlohekreis und im Umland?

Krankenhäuser haben nicht unbegrenzte viele Intensivplätze (mit Beatmung), die man bei schweren Coronaverläufen braucht. Auch wenn das Krankenhaus in Öhringen derzeit nochmal mehr Intensivplätze mit Beatmung geschaffen hat (maximal 12 sind laut Aussagen von hiesigen Ärzten möglich), ist das Krankenhaus von der Corona-Intensivbelegung bereits nahezu ausgelastet. Coronapatienten werden schon jetzt teilweise weitergeleitet in die Kliniken nach Heilbronn und Ludwigsburg. Zumal das Krankenhauspersonal in Öhringen unter erschwerten Bedingungen arbeitet, da sie Coronapatienten von anderen Patienten trennen muss – in den normalen Stockwerken wie auch in der Intensivstation. Ein vollkommen separates Haus wie etwa in Schwäbisch Hall gibt es für Coronapatienten in Öhringen nicht.

Das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau wäre prädestiniert dafür, das Krankenhaus Öhringen zu entlasten, sollte die Coronawelle von Italien und Frankreich zu uns überschwappen.

Aber dafür muss der Kreis jetzt alle Vorkehrungen treffen, um für den Ernstfall, gewappnet zu sein.

Besonders bitter: Weder das Landratsamt des Hohenlohekreises noch das Sozialministerium des Landes Baden-Württemberg haben bislang gegenüber der Presse (Stand: 30.03.2020) auch auf mehrfache Nachfrage hin keine Zahlen über die klinischen, also die ärztlichen Corona-Diagnosen veröffentlicht. Dann hätte man vermutlich ein wesentlich realistischeres Bild hinsichtlich der Anzahl der Infizierten. Die offiziell über das Labor positiv getesteten Infizierten liegt laut dem Landratsamt bei 453 Infizierten im Hohenlohekreis (Stand: 30.03.3030).