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„Daran möchte ich gar nicht denken, dass das nicht gelingt“

50 bis 60 Teilnehmer seien es, meinte ein Polizeibeamter, der am Freitag, den 24. September 2021, am Unteren Markt in Künzelsau die Startkundgebung der Demonstration von Hohenlohe for Future beobachtete. Als sich der Demonstrationszug in Bewegung setzte, sah man deutlich, dass er sich verschätzt hatte. Es werden wohl mehr als 150 Teilnehmer gewesen sein, die etwa eine dreiviertel Stunde lang durch die Innenstadt zogen, den Verkehr wie gewünscht zum Anhalten brachten und lautstark auf sich und ihr Anliegen aufmerksam machten. Bunt gemischt war der aktive Teilnehmerkreis – vom Teenager bis zum Großvater, vom Mann im Anzug bis zur Frau in Hippiekleidung. Allen liegt das Thema „Klima“ für sich selbst und die nachfolgenden Generationen am Herzen. Eine Trommel und ein Megafon sorgten für die entsprechende Lautstärke.

„Da brauchts mehr als eine Demo“

Silas, 13 Jahre alt und Schüler, trug ein Schild, auf dem die Temperaturentwicklung im vergangenen Jahrhundert abgebildet ist. Er sagte: „Das geht uns alle etwas an, wir müssen jetzt die Folgen sichtbar machen.“ Ob die Teilnahme an einer Demo hilft? „Da braucht’s mehr als eine Demo, die Demo ist nur ein Stück“, zeigte er sich realistisch.

„Geld regiert die Welt“ – die Macht der Konzerne

Auf die Macht der Konzerne wies Tina, 53, mit einem Plakat hin, das George Grosz nachempfunden ist und den Großkonzern als dicken weißen Mann mit Zigarre symbolisiert. Die Macht des Geldes beziehungsweise der Konzerne wurde auch während des Demonstrationszuges zum Thema gemacht – insbesondere Öl- und Autokonzerne wurden zur verbalen Zielscheibe der Demonstrant:innen.  „Das Klima ist das Wichtigste, für das es sich zu kämpfen lohnt“, meinte Tina. Mit der Demonstration will sie vor allem mithelfen, andere Menschen, „auch aus der Politik“, ans Klima zu erinnern.

„nur Blabla, man redet nur“

Rainer gehört mit seinen 79 Jahren der „Großelterngeneration“ an. Er hat, wie er sagte, „diverse Enkelkinder“ und findet es „zu wenig, was die Regierung macht.“ Er höre „nur blabla. Man redet nur.“ Sein Beweggrund, an der Demonstration teilzunehmen, war: „Wenn einer läuft, ist das zu wenig, wenn viele laufen, sieht’s anders aus.“

Klimaneutralität

Dr.-Ingenieur Harald Drück, Mitglied des Künzelsauer Klimabeirats, erläuterte in einer Rede das Thema „Klimaneutralität“. Er definierte Klimaneutralität als „nicht mehr CO₂ erzeugen, als die Erde auch verarbeiten kann“. Derzeit, so sagte er, erzeugen wir etwa das Vierfache an CO₂, als die Erde verarbeiten kann. Er wunderte sich, dass das Thema Klimaneutralität schon in vielen Gesetzen vorkommt, aber nirgends steht, was jeweils unter Klimaneutralität verstanden wird – ein klarer Vorwurf an den Gesetzgeber.

„Gar nicht erst CO₂ verursachen“

Seine Folgerung ist: „Gar nicht erst CO₂ verursachen“. Die Mittel und Wege dazu klingen einfach:

  • Die Energieeffizienz steigern, also wenig Energie verbrauchen
  • Weniger, das heißt für ihn vor allem: intelligenter konsumieren
  • Erneuerbare Energien einsetzen

„Das ist nur gemeinsam zu schaffen“, war sein Schlusscredo.

„Daran möchte ich gar nicht denken“

Nicola Hellgardt leitete die Veranstaltung und ist mit ihren beiden Kindern gekommen. Sie wirkte ein wenig gestresst: „Eine Demonstration organisieren und auf zwei kleine Kinder aufpassen, das ist nicht einfach.“  In ihrer abschließenden Ansprache ist sie mit dem Verlauf der Veranstaltung zufrieden: „Man hat uns gehört und gesehen.“  Auch die Bilanz der Arbeit von Hohenlohe for Future sieht sie positiv: „Der Klimabeirat von Künzelsau wurde auch auf unsere Veranlassung gegründet – das ist ein ganz konkreter Schritt, den wir schon erreicht haben.“ Das Engagement im Klimabeirat steht in Zukunft auf der Agenda von Hohenlohe for Future, genauso wie die Organisation weiterer Demonstrationen.

Was aber passiert, wenn das Engagement keinen Erfolg hat, schließlich haben ja ältere Generationen ebenfalls schon für die Umwelt gekämpft? „Das kann trotzdem passieren, aber man darf die Hoffnung nicht aufgeben. Daran möchte ich gar nicht denken, dass das nicht gelingt.“

Text: Matthias Lauterer

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Lautstark machten die Demonstranten auf ihr Anliegen aufmerksam. Foto: GSCHWÄTZ

Geld regiert die Welt – Großkonzerne symbolisiert durch einen dicken, weißen Mann mit Zigarre. Foto: GSCHWÄTZ

Rund 150 Teilnehmer hatte die Demo, die durchaus auch den Verkehr zum Stehen brachten. Foto: GSCHWÄTZ

„Nicht mehr CO₂ erzeugen, als die Erde auch verarbeiten kann“ – ist eines der Anliegen. Foto: GSCHWÄTZ

Für Bremser gab’s die Rote Klimakarte. Foto: GSCHWÄTZ

Der 13-jährige Silas hatte auf sein Schild die Temperaturentwicklung der vergangenen Jahre aufgezeichnet. Foto: GSCHWÄTZ

 




Von Stetten reagiert auf Hohenlohe for Future: „Eine glatte Lüge“

Mit ungewöhnlich deutlichen Worten reagiert Christian von Stetten auf die Pressemitteilung von Hohenlohe for Future über die „Rote Klima-Karte für Christian von Stetten“ (GSCHWÄTZ berichtete):

Nicht Mitglied der Werte-Union

Es sagt in einer Stellungnahme gegenüber GSCHWÄTZ, dass „die Behauptung von Frau Höhn, ich sei Mitglied der Werte-Union, eine glatte Lüge ist“. Er habe gegen diese Behauptung bereits rechtliche Schritte eingeleitet und eine anwaltliche Abmahnung auf den Weg gebracht.

Gegen Klimaschutzgesetz gestimmt

Tatsächlich hat aber von Stetten, wie in der Pressemitteilung behauptet, am 24. Juni 2021 gegen den Gesetzentwurf der Bundesregierung eines „Ersten Gesetzes zur Änderung des Bundes-Klimaschutzgesetzes“ (Drucksachen 19/30230 und 19/30949) gestimmt. Allerdings haben das, so von Stetten, auch andere Abgeordnete unterschiedlicher Parteien aus der Region: „Den Gesetzentwurf (…) habe ich genauso abgelehnt wie der Kollege Harald Ebner von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN aus Kirchberg. Der FDP-Kollege Michael Link aus Heilbronn hat den Gesetzentwurf ebenfalls abgelehnt und auch mein CDU-Kollege Alois Gerig, der den Nachbarkreisverband Main-Tauber-Kreis im Deutschen Bundestag vertritt, hat dem Gesetzentwurf nicht zugestimmt, sondern sich bei der Abstimmung enthalten.“

„Jeder kann sein persönliches Klimaverhalten noch verbessern. Ich auch.“

Auf den Vorwurf der Pressemitteilung, dass er mit persönlicher Klimaneutralität werbe, aber eine Blockadepolitik abliefere, erwidert von Stetten: „Jeder kann sein persönliches Klimaverhalten noch verbessern. Ich auch. Aber es gibt wohl keinen Bundestagsabgeordneten, der wie ich Strom mittels einer großen Solaranlage selbst produziert, dessen Heizung und Warmwasserbedarf nachhaltig durch eine Holzhackschnitzelverbrennungsanlage produziert wird und der ein Brennstoffzellenauto fährt, welches mit CO2-neutralem Wasserstoff betrieben wird.“

„Es tut mir für die vielen aktiven Jugendlichen leid“

Von Stetten befürchtet eine parteipolitische Einflußnahme auf die Friday-For-Future-Demonstrationen: „Es tut mir für die vielen aktiven Jugendlichen leid, die sich für den Klimaschutz engagieren und jetzt befürchten müssen, dass Hohenlohe for Future zu einer Vorfeldorganisation der grünen Wahlkampfkampagnenführung verkommen ist, welche mit Unwahrheiten wenige Tage vor der Wahl einen unredlichen Wahlkampf macht.“

„schlägt dem Fass den Boden aus“

Daß die Verfasserin der Pressemitteilung, so shreibt es von Stetten in seiner Stellungnahme,  „hauptberuflich in der Pressestelle des Kreiswahlleiters im Landratsamt arbeitet, schlägt dem Fass zwar den Boden aus,  beeinträchtigt aber meiner Meinung nach nicht die persönliche Neutralität des Kreiswahlleiters und Landrats Dr. Matthias Neth“.




„Gehört zu den größten Bremsern im aktuellen Bundestag“

Mehrere Bürger:innen versammelten sich in der vergangenen Woche vor der CDU-Zentrale in Künzelsau, um deren Bundestagskandidat Christian von Stetten die „Rote Klimakarte“ zu zeigen. Das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung von Hohenlohe for Future hervor.

Darin heißt es:

Die „Rote Klimakarte“ ist eine Aktion von Parents for Future Deutschland und Lobby Control, die im Vorfeld der Bundestagswahl am Sonntag, 26. September, auf besonders klimaschädliches Verhalten von Politikern und Politikerinnen aufmerksam machen. Im Hohenlohekreis beteiligte sich Hohenlohe for Future an der Aktion.

„Gehört zu den größten Bremsern im aktuellen Bundestag“

„Wir zeigen Christian von Stetten heute die Rote Klimakarte, weil er zu den größten Bremsern im aktuellen Bundestag gehört, wenn es um Maßnahmen für echten Klimaschutz geht“, erklärt Priscilla Reinauer aus Jagstberg. „Die politischen Entscheidungen der nächsten vier Jahre werden das Schicksal der Generation meiner Kinder bestimmen. Dürren, Brände, Stürme, Überflutungen: An vielen Orten der Welt sind Klimaextreme schon Alltag. Wenn wir nichts tun, wird das Leben der nächsten Generationen zu einem Kampf ums Überleben. Dieser Gedanke macht mir Angst.“

„Kampf ums Überleben“

Am 24. Juni 2021 stimmte der Deutsche Bundestag über die Verschärfung des Klimaschutzgesetzes ab, nachdem die erste Fassung vom Bundesverfassungsgericht für in Teilen unvereinbar mit den Grundrechten erklärt worden war. 351 Abgeordnete der Regierungskoalition votierten für das Gesetz, zehn Mitglieder der CDU stimmten gegen ihre eigene Partei – darunter Christian von Stetten, Abgeordneter für den Wahlkreis Schwäbisch Hall-Hohenlohe. Bereits 2019 mahnte er seine eigene Bundesregierung vor „übertriebenem Klimaschutz“.

von Stetten mahnte angeblich die Bundesregierung vor „übertriebenem Klimaschutz“

„Ich würde von Christian von Stetten gerne wissen, warum er gegen das Gesetz gestimmt hat und sich im Wahlkampf gleichzeitig als Klimaschützer darstellt“, fragt Silvia Schöne aus Künzelsau-Gaisbach. Von Stetten wirbt immer wieder mit seiner persönlichen Klimaneutralität mit Strom aus einer Photovoltaikanlage, Energie aus Holzhackschnitzeln und einem Brennstoffzellenauto. „Sein privates Engagement in allen Ehren, aber das ist nicht das, was seine Wähler:“innen bekommen, sondern seine Blockadepolitik gegen mehr Klimaschutz im Bundestag.“

„Blockadepolitik gegen mehr Klimaschutz im Bundestag“

Parents for Future Deutschland & Lobby Control haben Informationen zum klimaschädlichen Verhalten von Stettens zusammengetragen: Der CDU-Politiker ist Mitglied im Präsidium des Wirtschaftsrats seiner Partei, der immer wieder als Klimaschutzbremser auftritt. Der Wirtschaftsrat warnt vor ambitionierteren Klimazielen auf europäischer Ebene und prophezeit den Niedergang des Wirtschaftsstandorts Deutschlands, wenn hier mehr für den Klimaschutz getan werde. Auch die von ihm mitgeführte Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der Union (MIT) spielt Klimaschutz gegen Wirtschaft aus. Von Stetten ist zudem auch Mitglied der Werteunion, deren Klima-Manifest von 2020 den Zusammenhang von CO2-Ausstoß und Klimawandel bestreitet und den menschemgemachten Klimawandel skeptisch sieht, Klimaforschung gar als „Müll-Wissenschaft“ bezeichnet. Der Klima-Wissenschaftler Stefan Rahmstorf hat in diesem Manifest 16 längst widerlegte Klima-Mythen ausfindig gemacht, die zuvor vor allem auf Webseiten von selbsternannten Klima-Skeptikern wie EIKE, Kalte Sonne, Tichy’s Einblick und der Achse des Guten verbreitet wurden.

Wirtschaft versus Klimaschutz

„Hohenlohe ist die Region der Weltmarktführer. Warum setzt sich Christian von Stetten nicht dafür ein, dass Hohenlohe auch zur Region der Weltmarktführer im Klimaschutz wird?“, fragt Friederike Höhn aus Künzelsau. In Braunsbach wurde deutlich, was der Wiederaufbau nach einer Überflutung gekostet hat, derzeit sehe man im Ahrtal und den anderen betroffenen Regionen, wie teuer kein Klimaschutz ist. „Klimaschutz ist Menschenschutz“, betont sie.

„In Braunsbach wurde deutlich, was der Wiederaufbau nach der Überflutung gekostet hat“

Die Bundestagswahl am 26. September wird die Grundlage für die politische Arbeit der nächsten vier Jahre legen. Ein breites Bündnis aus Gruppen der For-Future-Bewegung, kirchlichen Gruppen wie „Brot für die Welt“, Misereor, die vier großen Kirchen in Baden-Württemberg und auch Naturschutzverbände wie Greenpeace, NABU, WWF und BUND rufen zum Globalen Klimastreik am Freitag, den 24.09. auf. Auch der Hohenlohekreis ist mit dabei und setzt ein Zeichen für den Klimaschutz und gegen eine „Weiter so“-Politik: in Künzelsau um 15 Uhr am Unteren Markt und in Öhringen um 16 Uhr am Marktplatz. Die Mitstreiterinnen von Hohenlohe for Future rufen zur Teilnahme auf: „Es braucht Wähler:innen, um den Druck auf die Politik zu erhöhen. Deshalb gehen wir zusammen auf die Straße.“

Christian von Stetten hat laut eigenen Aussagen bereits rechtliche Schritte eingeleitet

Christian von Stetten wiederspricht den Anschuldigen von Hohenlohe for future vehement und hat laut eigenen Angaben bereits rechtliche Schritte eingeleitet. Und gibt GSCHWÄTZ hierzu auch eine Stellungnahme. Den Artikel hierzu lesen Sie hier.