„In 50 Jahren gibt’s Schnaps“
An einem trüben und kalten Freitagnachmittag im November sitzt die kleine Mila lächelnd auf einer Wiese mitten im Wald bei Kocherstetten und gräbt ein Loch gemeinsam mit ihren Vater Nils. Sie haben einen Spaten mitgebracht und heben damit ein Stück Erde aus. In dieses Loch pflanzen sie ein Elsbeerenbaum, welcher im Herbst rot schimmert und im Frühjahr ähnlich weiße Blüten hat wie ein Kirschbaum. Jetzt ist die Pflanze gerade mal 20 Zentimeter hoch, sie ist eine von rund 15 Bäumchen, die ihren Platz gefunden haben in dem neuen Hochzeitswald der Stadtverwaltung Künzelsau.

Einweihung Hochzeitswald in Kocherstetten. Foto: GSCHWÄTZ

Einweihung Hochzeitswald in Kocherstetten. Foto: GSCHWÄTZ
Stadt plant weitere grüne Aktionen
Für den Hochzeitswald lud die Stadtverwaltung sie Ehepaare ein, die sich in den vergangenen Jahren in Künzelsau haben trauen lassen, einen Baum zu pflanzen. Diese rund 15 Bäume sollen dann einen neuen kleinen Wald ergeben, den man beim Wandern besuchen kann. Die Bäume stellte die Stadt.
“Künzelsau macht einiges für Klima”, meinte der Künzelsauer Bürgermeister Stefan Neumann in seiner Begrüßungsrede. Er versicherte, dass die Stadt mehr grüne Aktionen machen will. Er ging mit den Ehepaaren mit und gab ihnen nach dem Baumpflanzen Sekt, Orangensaft und Bretzeln aus.
Bürgermeister schenkt Sekt aus
Danach verwies er auf den Förster Römer, welcher auch vor Ort war und den Ehepaaren erklärte, was genau sie nun machen sollen. Herr Römer erklärte den Paaren: „Wir pflanzen heute eine bereits heimische Baumart namens Elsbeere, diese wächst schon immer in unserer Region. Ich habe den ausgewählt, weil er in allen Jahreszeiten schön aussieht. Im Frühling hat er helle Blüten wie ein Kirschbaum und im Herbst werden seine Blätter ein schönes Rot“ Er zeigte den Ehepaaren die kleinen Baumsetzlinge die nur knapp 20 Zentimeter groß waren, in den nächsten Jahren sollten sie aber bis zu 10 Meter wachsen. „Außerdem hat die Elsbeere im Herbst kleine Früchte“, erzählte er dabei. Den Zucker der Früchte kann man zu Schnaps verarbeiten. „Das dauert aber ungefähr 50 Jahre, ist dann eher etwas für die goldene Hochzeit“, scherzte er.
Bis zu 10 Meter hoch
Die Ehepaare kamen mit Schaufeln und einige mit ihren Kindern. Sie alle gingen begeistert und motiviert an die Sache. Der Förster hatte zuvor ausgemessen, wo welche Baum hingepflanzt werden soll, damit sich die Bäume nicht in die Quere kommen und keiner gefällt werden muss. Die Plätze waren mit einem meterlangen Holzstock gekennzeichnet. An diesen banden die Paare später Plastikröhre, diese schützten die Bäume, davor, dass die Rehe die neuen Bäume aßen. Bürgermeister Neumann und der Förster Römer verteilten Filzstifte an die Paare, mit denen sie ihren Baum auf der Röhre kennzeichnen konnten.

Einweihung Hochzeitswald in Kocherstetten. Bürgermeister Neumann (rechts) schenkt Sekt aus. Foto: GSCHWÄTZ

Einweihung Hochzeitswald in Kocherstetten. Stadtförster Römer erklärt die Baumpflanzaktion. Foto: GSCHWÄTZ
Hochzeitsfeiern trotz Corona
Unter den Ehepaaren waren Ina und Robin Klaus, die sich seit zweieinhalb Jahren kennen und seit dem 14. April 2021 verheiratet sind. Ihre Hochzeit fand im kleinen Rahmen statt, aufgrund von Corona. Auf die Frage, ob sie vor haben zu ihrer goldenen Hochzeit einen Schnaps der Elsbeere zu trinken, antwortet Robin scherzhaft: „Nein, ich möchte nicht 50 Jahre verheiratet sein, 49 Jahre und dann wird sie ausgetauscht“ “Wenn er das noch erlebt”, meint Ina keck dazu, bevor sich die beiden lachend sich zu den anderen Paaren gesellen, die bereits mit dem Pflanzen begonnen haben.
Neue Bäume für die kleine Mila
Ein weiteres Ehepaar, Nicole und Nils, waren mit ihren Kind Mila und ihrem Baby Nele mitgebracht. Zu ihrer Hochzeit durften sie nur zu dritt, mit Tochter Mila, da das Ehepaar im April 2020 standesamtlich geheiratet hat und wegen den damaligen Coronaauflagen nur die drei erlaubt waren. Nele war damals noch nicht auf der Welt. Aber sie haben vor, zu ihrem nächsten Jahrestag eine große Feier mit ihren Familien und Freunden zu machen.
Mila jedenfalls hatte sehr viel Spaß an der ganzen Baumpflanzaktion und grinste breit, sie möchte gerne noch mehr Bäume pflanzen. “Dann müssen wir mal schauen, ob im Garten noch Platz ist, Mila”, erwiderte darauf ihr Vater Nils. Die Familie hat vor, ihren Baum, wenn sie Ausflügen machen, zu besuchen und zu schauen, wie er wächst.
Text: Merle Haspel


Einweihung Hochzeitswald in Kocherstetten. Foto: GSCHWÄTZ

Einweihung Hochzeitswald in Kocherstetten. Foto: GSCHWÄTZ

Einweihung Hochzeitswald in Kocherstetten. Foto: GSCHWÄTZ

Einweihung Hochzeitswald in Kocherstetten. Foto: GSCHWÄTZ