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Ingelfinger Teilort zwischen zu wenig und zu viel Wasser

Trockenheit herrscht in einem Graben, der vom Wald her kommend an der hinteren Klinge in Criesbach vorbeifließt. Das war nicht immer so: Früher, vor wenigen Jahren noch, so berichtet es Roland Dörr, dem dort einige Grundstücke gehören, gab es dort genügend Wasser, dass sich dort sogar Gelbbauchunken und  Feuersalamander aufhielten und sich fortpflanzten. Und er belegt das durch ein Foto aus dem Jahr 2018. Dieser Graben wird von einer oder mehreren kleinen Quellen gespeist und leitet Wasser zum Kocher ab.

Der Graben im Jahr 2018. Foto: privat

Inzwischen hat sich die Schüttung des Grabens verändert: Laut Dörr flossen einstmals rund fünf bis sechs  Sekundenliter Wasser durch den Graben, jetzt schätzt er den Durchfluß auf einen bis zwei Liter pro Sekunde. Er vermutet einen Zusammenhang mit Maßnahmen des NOW, des Zweckverbandes Wasserversorgung Nordwürttemberg, der möglicherweise das Wasser aus der dortigen Quelle in einen Hochbehälter abführe.

… und im März 2022. Foto: privat

Ortsvorsteher vermutet Zusammenhang mit trockenen Sommern

Ortsvorsteher Martin Fahrbach kennt die Gründe für das fehlende Wasser nicht, er geht aber ganz pragmatisch eher von einem Zusammenhang mit den letzten dürren Sommern aus.

NOW gibt detailliert Auskunft

Patrick Helber, NOW-Referent für die Öffentlichkeitsarbeit, teilt mit: „In unmittelbarer Nähe des Hochbehälters Criesbach befinden sich drei Quellfassungen (alte Quelle I und II; neue Quelle). Das Rohwasser der Quellen wird über den Hochbehälter Criesbach zum Wasserwerk in Niedernhall gefördert. Seit Fertigstellung des Wasserwerks in Niedernhall 2013 ist die NOW für die Brunnen und Quellen in Ingelfingen zuständig (Eigentümer ist weiterhin die Gemeinde Ingelfingen). (…) Die Nutzung der Criesbacher Quellen durch die NOW erfolgt seit 2016. Am Hochbehälter selbst sind in den vergangenen Jahrzehnten keine baulichen Änderungen erfolgt. Jener Teil des Quellwassers, der nicht für die Wasserversorgung gespeist wird, fließt als Überlauf dem Bächlein zu.“

Auflagen des Landratsamts werden vom NOW eingehalten

Helber ist überzeugt, dass der NOW sich auf rechtlich abgesicherter Basis bewegt: „Wasserversorgern und staatlichen Stellen ist bewusst, dass auch die Entnahme von Trinkwasser zu Zwecken der Wasserversorgung ein Eingriff in den natürlichen Wasserkreislauf darstellt. Um diese Eingriffe möglichst verträglich zu gestalten, werden Entnahmemengen vom Landratsamt festgelegt, bei dem Umweltverträglichkeitsaspekte berücksichtigt werden. Zudem werden falls notwendig Auflagen vom Landratsamt festgelegt. Das Entnahmerecht für die Criesbacher Quellen zu Zwecken der Trinkwasserversorgung ist in der aktuellen Wasserrechtlichen Erlaubnis des Landratsamts Hohenlohekreis vom 23.07.2015 geregelt. Die Entnahmemenge ist auf max. 4 Liter/Sekunde und max. 126.000 m³/Jahr festgelegt.“ In den letzten vier Jahren wurden zwischen 111.264 m³/Jahr und 125.926 m³/Jahr entnommen, berichtet Helber im Detail.

Von Salamandern und Unken nichts gewußt

Dörr helfen diese Informationen wenig, denn warum der Graben kaum noch Wasser führt, weiß auch Helber nicht: „Da die NOW bereits seit 2016 das Quellwasser für die Trinkwasserversorgung konstant nutzt, können wir die beobachteten Veränderungen am Bächlein ab 2019/2020 nicht erklären. Wir haben auch keine Informationen, welche weiteren Faktoren Einfluss auf den Bach und dessen Wasserstand haben.“ Die seltenen Tiere waren dem NOW nicht bewußt: „Die oben genannte aktuelle wasserrechtliche Erlaubnis enthält keine Auflagen bezüglich geschützter Tierarten oder Wasserrechte von Anliegern. Beide Punkte werden im Dokument an keiner Stelle erwähnt und waren der NOW auch ansonsten bisher nicht bekannt.“

NOW zeigt Gesprächsbereitschaft

Obwohl es die Aufgabe der NOW ist, „auch in Zeiten des Klimawandels verlässlich Trinkwasser liefern zu können“, „ist die NOW als kommunaler Zweckverband bei konkurrierenden Nutzungsansprüchen grundsätzlich bereit für einen Dialog.“ Helber weist aber darauf hin: „Für eine Reduzierung der zulässigen Wasserentnahme liegen aber aus Gründen der Versorgungssicherheit sehr hohe Hürden vor.“

Landratsamt und Stadt Ingelfingen weichen aus

Ausweichender antwortet das Landratsamt: „Insbesondere Feuersalamander sind aufgrund der vorhandenen Gewässercharaktereristik typisch und wurden im Rahmen von Begehungen auch angetroffen.“ Wann diese Begehungen stattfanden und ob die Amphibien dort immer noch angetroffen wurden oder zwischenzeitlich verschwunden sind, dazu äußert sich das Landratsamt nicht. Die Stadt Ingelfingen sagt hierzu: „Ihre Einschätzung, dass dieses Gewässer nahezu versiegt wäre bzw. seit rund 2 bis 3 Jahren deutlich weniger Wasser führe als bisher können wir nicht bewerten, da dies auf rein subjektiver Wahrnehmung beruht. Aktuell führt der Bach auf jeden Fall durchgehend und ausreichend Wasser.“ Was für die Stadt Ingelfingen „ausreichend“ bedeuten mag, sagt Roman Maier, der Leiter des Ingelfinger Bauamtes, nicht.

Gab es ein Sammelbecken?

Hochwasserschutz ist für Ingelfingen und seine Teilorte eine wichtige Aufgabe. Beim Starkregenereignis von 2016 hat sich auch in Criesbach gezeigt, dass Sturzbäche aus den Klingen eine erhebliche Gefahr für Menschen und Gebäude darstellen. Daher zeigt sich Dörr verwundert, dass ein Becken, das sich oberhalb des Hochbehälters befand, vor einiger Zeit zugeschüttet wurde. In diesem Becken hab sich, so erinnert er sich, bei Starkregen stets Wasser gesammelt und der Wasserfluß sei dadurch abgeschwächt worden. Er zeigt die Stelle, die er meint – und tatsächlich ist dort statt eines Beckens inzwischen eher eine Erhebung zu sehen. Sowohl Stadt Ingelfingen als auch das Landratsamt wissen allerdings von so einem Becken nichts: „Ein Sammelbecken irgendwelcher Art ist uns keines bekannt. Die Entwässerungsgräben aus den oberhalb liegenden Flächen entwässern in den Bachverlauf, daher besteht auch kein Anhaltspunkt für eine jemals vorhanden gewesenes Sammelbecken.“ antwortet Maier, und das Landratsamt teuilt mit: „Ein Sammelbecken zum Hochwasserschutz ist dem LRA nicht bekannt und auch nicht im Anlagenverzeichnis aufgeführt.“

Warum und mit was aufgefüllt?

Es mag sich bei dem Becken vielleicht nicht um eine wassertechnische Anlage, sondern um eine natürliche Kuhle gehandelt haben, die möglicherweise eine hochwasserrelvante Schutzwirkung entfaltet hatte – heute könnte ein Sturzbach von der Höhe herunter ungehindert fließen. Warum, von wem und mit welchem Material diese ehemalige Kuhle aufgefüllt wurde, ist offen.

Hochwasserschutz: Niemand kann derzeit sagen, ob und inwieweit Criesbach vor Sturzfluten geschützt ist

Genaue Daten über die Wassermenge, die der Graben bei einem weiteren Starkregenereignis fassen könnte und welche Kapazität die anschließende Verdohlung, die das Wasser unter Criesbach hindurch in den Kocher leitet, hat, werden derzeit erst ermittelt: „Im Zuge der Beseitigung der Unwetterschäden aus dem Jahr 2016 hat die Stadt Ingelfingen die gesamte Verdolung der „Inneren Klinge“ durch die Ortslage von Criesbach (Brunnengasse und Georg-Fahrbach-Straße) sowie das Einlaufbauwerk im Hinblick auf Hochwasser/Starkregen ertüchtigt. Derzeit wird das Starkregenrisikomanagement erarbeitet, konkrete Aussagen zum Inhalt können daher erst nach Abschluss dessen getroffen werden.“ meint die Stadt und das Landratsamt sagt dazu: „Der Abflussquerschnitt des Gewässers ist auf dem gesamten Streckenverlauf unterschiedlich ausgeprägt und daher unterschiedlich leistungsfähig.  Eine Starkregenbetrachtung wird derzeit durchgeführt. Rechenergebnisse und Abflussmengen liegen noch nicht vor.“

Niemand weiß, wie weit die Verdolung „ertüchtigt“ wurde

Diese Aussagen sind interessant: Es wurden also Ertüchtigungsmaßnahmen durchgeführt, man kann aber nichts über deren Leistungsfähigkeit sagen. Und vor allem kann man nicht sagen, für welche Ereignisse der Teilort Criesbach jetzt gewappnet ist und wann es gefährlich werden könnte.

Keine Wasserrechte der Anlieger?

Interessant ist allerdings, dass das Landratsamt davon ausgeht, dass die Anlieger des Grabens gar keine Wasserrechte zur Bewässerung ihrer Grundstücke haben sollen: „Kenntnis haben wir lediglich von einer erlaubten Wasserentnahme für eine Fischteichanlage an der Inneren Klinge. Weitere Entnahmen sind durch uns nicht erlaubt worden“, so das Landratsamt. Ein Folgebeitrag wird sich daher mit dem vorhandenen oder doch nicht vorhandenen Wasserrecht der Anrainer beschäftigen.

Text: Matthias Lauterer

 




„Das wird ein Gefrickel werden“

Die Gemeinderatssitzung in der Stadthalle in Ingelfingen am Dienstag, den 25. Januar 2021, war lang. Es reihten sich viele wichtige Themen für die Einwohner:innen denn auch wie Perlen an einer Schnur aneinander. Einer der Tagesordnungspunkte war der Hochwasserschutz für Diebach. Hierfür soll der Bach verbreitert werden. Die Firma Winkler aus Stuttgart stellte die Pläne vor. Die Umsetzung soll noch in diesem Jahr erfolgen. „Dann sind wir als einzige Gemeinde im Hohenlohekreis mit dem Hochwasserschutz durch“, so Bürgermeister Michael Bauer.

Bach soll verbreitert werden

Herr Mahlsen von der Firma Winkler erklärte dem Gemeinderat in seiner Sitzung anhand von diversen Folien mit Fotos von Diebach, wie Diebach künftig vor Hochwasser geschützt werden soll.

So soll auf der rechten Seite vom Diebach das Ufer erhöht werden. Eine Winkelstützmauer und eine Blocksteinmauer sollen gebaut werden, die Brücke in Diebach soll neu gebaut werden, das Bachbett soll mehr Platz bekommen und auf das Doppelte aufgeweitet werden, um, so Herr Mahlsen, „mehr Platz für das Gewässer zu schaffen“. Durch die unterschiedlichen Häuser, die am Diebach stehen und die Höhensprünge werde es ein „Gefrickel“ werden, bedeutet auf hochdeutsch: „viel Handarbeit“.

Es kann zu Grundwasserabsenkungen und Setzungsgefährdungen für die Häuser drumherum kommen

300.000 Euro netto hat die Firma Winkler für die Baukosten angesetzt sowie 40 Prozent Baunebenkosten. Während der Baumaßnahmen müsse man den Bach absperren und das Wasser „aussenrum pumpen“. Diese Maßnahme könne zu „Grundwasserabsenkungen“ führen, was wiederum zu einer „Setzungsgefährdung“ führen könne laut dem geotechnischen Gutachten, aber hier handele es sich lediglich um 1cm.

Es gibt für den Hochwasserschutz keine Förderung vom Land, da der Kosten-Nutzen-Faktor kleiner als 1 ist und damit nicht wirtschaftlich.

Der Gemeinderat stimmte dem Antrag dennoch zu. Im Mai/Juni 2022 soll die öffentliche Ausschreibung erfolgen, bis Ende 2022 soll der Hochwasserschutz fertig sein. Der einzige Wehrmutstropfen: Das Löschwasser kann die Feuerwehr dann künftig nicht mehr aus dem Bach entnehmen, da die Löschwasserentnahmestelle nach den Umbaumaßnahmen nicht mehr erreicht werden kann. Das müsse künftig übers Trinkwasser genommen werden. Nichtsdestotrotz: „Das ist eine wichtige Maßnahme für die Diebächer“, schließt Bürgermeister Michael Bauer.

Text: Dr. Sandra Hartmann

 




„Anwohner und Geschäftsleute bekommen schon gar keine Versicherung mehr, die Hochwasserereignisse abdeckt“

Fünf Jahre nach der Sturzflut am 29. Mai 2016 stellte Sabrina Theel von der beauftragten Firma BIT Ingenieure in der Gemeinderatssitzung vom Dienstag, 13. Juli 2021, die aktuell geplanten Hochwasser- und Starkregen-Schutzmaßnahmen vor.

Im ersten Schritt Massnahmen für Amrichshausen und die Innenstadt

Geplant sind im ersten Schritt ein Hochwasserrückhaltebecken in Amrichshausen sowie fünf Massnahmen an Künsbach und Kemmeter Bach.

Geplante Hochwasserschutzmassnahmen in Künzelsau. Foto: Sitzungsunterlagen Gemeinderat

Für Amrichshausen ist oberhalb des Dorfes ein rund 5000 m³ fassendes Rückhaltebecken mit einem rund 3,4m hohen Damm geplant, der Deubach soll einen neuen Verlauf bekommen, um ihn zu verlangsamen. Der Ablauf aus dem Becken wird nicht gesteuert sein, die Durchflussmenge ist durch die Größe des Rohrs begrenzt. Das sei, so Theel, eine äußerst preisgünstige Maßnahme. Dieses Bauwerk soll in der Lage sein, die Überschwemmung der Gemeinde Amrichshausen bei einem 100-jährigen Hochwasser (HW100) sogar unter Berücksichtigung eines Klimaerwärmungszuschlags von 15 Prozent, zu vermeiden.

„Letzte Woche wären wir beinahe wieder abgesoffen“

Gerhard Rudolph ist froh, dass endlich Maßnahmen getroffen werden: „Es hat sich bei den letzten Starkregen gezeigt, dass es 5 vor 12 ist“. Herbert Schneider stimmt zu: „Letzte Woche wären wir beinahe wieder abgesoffen“, 15 bis 20 Zentimeter hätten nur gefehlt. Dennoch hat er Bedenken wegen der Größe des Bauwerks, eine Vertiefung des Geländes wäre weniger Aufwand, meint er. Dem widerspricht Theel: Da das Grundwasser bereits knapp unter der Oberfläche steht, kann eine Vertiefung nicht durchgeführt werden.

Belsenberg weiter ungeschützt

Die in Belsenberg wohnenden Gemeinderäte fordern weitere Maßnahmen zum Schutz ihres Dorfes: Sabine Janny weist darauf hin, dass unterhalb des geplanten Beckens in Amrichshausen bereits weitere Bodenversiegelungen geplant sind, durch die bei Starkregen Wasser sehr schnell nach Belsenberg fließt. Wolfgang Kubat ergänzt, dass sich der Deubach inzwischen selber stark begradigt hat, „mindestens 5 Gumpen sind verschwunden“, und das Wasser daher sehr schnell nach Belsenberg schießt. Er fordert zwischen Amrichshausen und Belsenberg weitere Maßnahmen – in Belsenberg selber sei aufgrund des Artenschutzes an Maßnahmen kaum zu denken.

Sie müssen sich aber auf die Haushaltsplanungen für das Jahr 2022 vertrösten lassen, wo die neuen Projekte definiert werden. „Mit den Maßnahmen, die wir heute vorstellen, ist  es nicht getan“, versichert Bürgermeister Stefan Neumann, „im nächsten Jahr gehts weiter“.

Schutz für die Innenstadt

Zweiter Schwerpunkt ist der Künsbach, der 2016 die gesamte Innenstadt verwüstete. Hier sind gleich fünf Massnahmen geplant. Da im Bachlauf von Künsbach und Kemmeter Bach kaum Platz für ein Rückhaltebecken ist, schlägt Theel hier Massnahmen vor, die den Bachlauf sauber von Geröll und Holz halten sollen, um den Abfluß zu gewährleisten.

Mit einem Raumrechen am Kemmeter Bach, einem Geröllfang am Künsbach, einem Palisadenrechen hinter dem Zusammenfluss von Künsbach und Kemmeter Bach sowie Kaskaden in Höhe des oberen Marktes in Künzelsau will Theel einen Abfluß des Wassers gewährleisten. Ein Einlaufbauwerk auf Höhe des Baumarktes Maas soll zurückgestellt werden und erst zusammen mit einer geplanten Baumassnahme des Eigentümers verwirklicht werden.

Am oberen Markt sind Kaskaden zur Geröllrückhaltung geplant.
Foto: Sitzungsunterlagen Gemeinderat

Ein Gutachten steht noch aus

Das Ergebnis einer „Geschiebepotentialanalyse“, also einer Berechnung, wieviel Material die Bäche bei Hochwasser mitführen und wieviel davon durch die Maßnahmen gefiltert werden, steht noch aus. Erst mit diesen Daten kann die Bauplanung finalisiert und können Zuschüsse angefordert werden.

Nicht ohne Kritik

Boris d’Angelo ist überzeugt, dass diese Maßnahmen bei einem weiteren Starkregenereignis die Stadt nicht schützen können. Er ist der Meinung, dass die Verdolung, für die er das Wort „Baupfusch“ in den Mund nimmt, solche Wassermassen schlichtweg nicht bewältigen kann. Er wirft der Verwaltung vor: „Keiner will diesen Mangel, der damals gebaut wurde, wieder auf den Tisch legen“. Die Verdolung, so erklärt Theel, soll einem HW100 standhalten, beim Starkregen 2016 sei deutlich mehr Wasser angefallen. Für d’Angelo ist das ein Grund mehr, Massnahmen zu fordern, die das Wasser zurückhalten, zum Beispiel spricht er von einer „Staumauer“ im Bereich Gaisbach/Haag. Robert Volpp ist da bei ihm: auch er sieht die Notwendigkeit eines Rückhaltebeckens im Bereich des Künsbachs.

„Anwohner und Geschäftsleute bekommen schon gar keine Versicherung mehr“

Weiterhin fordert d’Angelo die Überprüfung der wahren Kapazität der Hauptstrassenverdolung. Als Bürgermeister Neumann den Sinn dieser Massnahme mit „welche Antwort haben wir dann?“ hinterfragt, beendet d’Angelo die Diskussion mit den Worten „Also gut, ich ziehe meinen Vorschlag zurück, kostet nur Geld“. Johannes Rückgauer fordert ebenfalls dringend Massnahmen zur Wassermengenreduzierung, denn „Anwohner und Geschäftsleute bekommen schon gar keine Versicherung mehr, die Hochwasserereignisse abdeckt“.

Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen

Inzwischen wirft die Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen ein neues Licht auf die Problematik der Kapazität der Verdolung und die Schutzmaßnahmen für die Innenstadt. Man muss sich überlegen, ob das „HW100“ als Maßzahl noch sinnvoll ist, wenn die Frequenz der Starkregenereignisse zunimmt – und genau damit rechnen ja die Meteorologen.

Im nächsten Jahr weitere Schutzmassnahmen

Auch Neumann weist nochmals darauf hin, dass weitere Massnahmen folgen müssen und verweist auf die Haushaltsberatungen für das nächste Jahr. Ein Ausgleich zwischen Kernstadt und Außenbereichen soll dabei das Ziel sein. Trotz aller Maßnahmen warnt er vor der Unberechenbarkeit des Wassers: „Wir dürfen nicht kommunizieren, dass jetzt alles sicher ist“, sagt er. „Wir werden aber besser und besser.“

Text: Matthias Lauterer




In der Sackgasse

Der Streit zwischen einer Niedernhaller Familie und der Stadtverwaltung zieht sich bereits seit 2018 (GSCHWÄTZ berichtete unter https://www.gschwaetz.de/2021/02/23/wir-wurden-enteignet-und-entmuendigt/). Wie berichtet, hatte der 78-jährige Mann (sein Name ist der Redaktion bekannt, er möchte aber nicht genannt werden) Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Bürgermeister Achim Beck eingereicht. Diese wurde nun vom Landratsamt Hohenlohekreis abgewiesen, weil es „im Vorgehen der Stadt beziehungsweise des Bürgermeisters keine Veranlassung zur Ergreifung aufsichtsrechtlicher Maßnahmen“ sieht. Das Schreiben des Landratsamtes an den Grundstückseigentümer liegt in der Redaktion vor.

Wem gehört der Damm?

An dem Damm und wem er gehört, scheiden sich nach wie vor die Geister: Das Landratsamt schreibt, dass bei dem Tauschgeschäft, mit dem die Familie 1985 in den Besitz des fraglichen Grundstücks gekommen ist, der Damm bereits seit 25 Jahren Bestandteil des Grundstücks gewesen sei. Und die damalige Grundstücksbesitzerin – Mutter und Schwiegermutter der heutigen Besitzer – das Grundstück mitsamt Damm übernommen habe. „Warum damals keine notarielle Eintragung für den Damm erfolgt ist, kann leider nicht mehr nachvollzogen werden“, bedauert das Landratsamt. Allerdings: Die Familie hatte bei diesem Tauschgeschäft ein unbelastetes Grundstück abgegeben und wusste nichts davon, dass ihr der Damm gehören sollte.

Laut RP nicht im Privatbesitz

Das Regierungspräsidium dagegen hatte den heutigen Besitzern bereits in einem früheren Schreiben mitgeteilt, dass der Damm dem Land gehöre und folglich nicht in Privatbesitz sei. Zwischenzeitlich hat die Familie einen Auszug aus dem Grundbuch vom Grundbuchamt Heilbronn bekommen. „Dort steht auch nicht, dass der Damm der Stadt Niedernhall gehört“, sagt der Mann. Mittlerweile sei aber auch nicht mehr nachweisbar, was bei dem ursprünglichen Tauschgeschäft wirklich geschehen ist. Sitzungsprotokolle und weitere Unterlagen seitens der Stadt sind nicht mehr vorhanden.

„Wir haben nichts gemacht“

Der Damm, um den der Streit sich nun dreht, wurde 1998 erhöht. Doch die Schwiegermutter sei damals schon nicht mehr geschäftsfähig gewesen, die Tochter habe sich um alles gekümmert. „Doch wir haben nichts gemacht“, sagen die heutigen Besitzer. Alles, was die Tochter damals für die Mutter veranlasst habe, sei schriftlich erfasst worden. Und in diesen Unterlagen sei nun nichts zu finden, was darauf schließen lasse, dass sie von der Erhöhung und den unklaren Besitzverhältnissen gewusst hätten.

Warum kein Tausch?

„Warum gibt uns die Stadtverwaltung nicht einfach das vordere Ende des Grundstücks im Tausch?“, fragen sich die Besitzer, die sowieso von Anfang an ein Tauschgeschäft wollten. Dort, direkt an einem Feldweg, gehören der Stadt Niedernhall noch Flächen auf einer Breite von rund 15 Metern. „Das hat die Stadt damals behalten, denn es gab Pläne der Firma Würth, in Richtung Criesbach ein Hotel zu bauen.“ Dann hätte der Zufahrtsweg über die freien Flächen geführt. Das Hotel ist mittlerweile Makulatur, die Flächen immer noch frei. Doch hat der Rathauschef in Gesprächen mit der Familie auch gleich gesagt, dass die Stadtverwaltung nichts verkauft oder tauscht. „Aber mit so einer Einstellung braucht man doch gar nicht zu verhandeln“, regt sich der Grundstücksbesitzer auf. „Zudem hat es früher immer geheißen hatte, dass die Stadt nur tauschen würde.“ Außerdem der Preis: „Zu D-Mark-Zeiten hat man noch rund 17 Mark je Quadratmeter bezahlt, heute liegt der Preis bei 2,50 Euro.“

„Das steht doch in keinem Verhältnis“

Vorerst rechnet die Familie nicht damit, dass es in der Sache weitergeht. Das Landratsamt weist in seinem Schreiben ausdrücklich darauf hin, dass die Besitzer „etwaige Verletzungen ihrer Eigentumsrechte auf zivilrechtlichem Weg klären“ lassen können. Doch dazu müssten sie einen spezialisierten Rechtsanwalt aus Stuttgart engagieren. „Und der kostet mich schon 400 Euro“, beklagt der Mann. „Das steht doch in keinem Verhältnis.“ Dann könnten sie das Grundstück auch gleich verschenken. Zu Wut und Enttäuschung kommt so noch das Gefühl der Hilflosigkeit. „Das macht der Bürgermeister nur mit älteren Leuten“, ist das Ehepaar überzeugt. Sie erinnern sich noch gut an ihre Goldene Hochzeit, als Achim Beck zum Gratulieren gekommen sei: „Da war er so nett und menschlich.“ Mittlerweile aber sind die Fronten verhärtet.

Text: Sonja Bossert

 




„Wer jetzt durch die Stadt läuft, kann nicht mehr erahnen, wie stark Künzelsau betroffen war“

Das Unwetter am 29. Mai 2016 hat in Künzelsau und der Umgebung große Schäden angerichtet. Die Künzelsauer Innenstadt, aber auch Stadtteile auf der Höhe wurden von Wassermassen des Starkregens überflutet. Fünf Jahre später sind die meisten Schäden behoben und Maßnahmen, die vor solchen Wetterereignissen schützen, bereits umgesetzt und noch geplant.

Künzelsau war schwer getroffen

Die Feuerwache und das Alte Rathaus standen, wie viele andere private und städtische Gebäude in der Innenstadt, unter Wasser. Im Dezember 2019 konnte das generalsanierte Alte Rathaus eingeweiht werden. Im Wahrzeichen der Stadt ist eine moderne Stadtbücherei mit Bürgerräumen entstanden. Die Kosten von rund 1,3 Millionen Euro wurden gefördert mit einer großzügigen Spende der Albert Berner-Stiftung (100.000 Euro) und öffentlichen Mitteln aus dem „Städtebauförderungsprogramm Investitionspaket Soziale Integration im Quartier, SIW“ (410.000 Euro).

Fast fertig renoviertes Ganerben-Gymnasium stark betroffen

Im Ganerben-Gymnasium waren die Sanierungsarbeiten kurz vor dem Abschluss, als in der Unwetternacht viele der Räume überflutet wurden. Die naheliegende Katzenklinge konnte das Regenwasser nicht mehr fassen. „Wir haben mit der Sanierung fast wieder von vorne begonnen“, blickt Bürgermeister Stefan Neumann zurück.

In der Gaisbacher Straße und am Oberen Bach hat das Wasser große Löcher aus dem Straßenbelag gerissen und auch in den umliegenden Gebäuden immense Schäden verursacht. Die öffentlichen Flächen in diesem Bereich mussten komplett neu ausgebaut werden. Im September 2018 konnte die neue Innenstadtfläche mit hoher Aufenthaltsqualität eingeweiht werden. Die Kosten haben rund 470.000 Euro betragen.

Klingen, Bachläufe, Abwasserkanäle, Bachverdolungen, Wirtschaftswege und Gemeindeverbindungsstraßen wurden beschädigt und wiederhergestellt. So wurde beispielsweise im vergangenen Jahr (2020) eine Brücke, ein Straßendurchlass, vergrößert, um die Hochwassersituation in Ohrenbach zu entschärfen. Kosten rund 170.000 Euro.

Mehrere Millionen Euro Schaden allein für die Stadt

Der Schaden, den die Stadt insgesamt zu tragen hat, beläuft sich auf mehrere Millionen Euro. „An privaten Gebäuden und Grundstücken hat das Unwetter leider auch enorm großen Schaden angerichtet“, so Bürgermeister Stefan Neumann. „Es ist bewundernswert, wie seitdem gearbeitet wurde. Wer jetzt durch die Stadt läuft, kann nicht mehr erahnen, wie stark Künzelsau betroffen war. Danke an dieser Stelle für das Geleistete, an alle, die irgendwie ihren Teil dazu beigetragen haben. Das war eine gigantische Gemeinschaftsleistung.“

Vorbeugen – Schutz umsetzen

Da aufgrund des Klimawandels weitere Starkregenereignisse zu befürchten sind, hat die Stadtverwaltung das Ingenieurbüro BIT beauftragt, zu untersuchen, wo und wie Maßnahmen zum Schutz vor Starkregen und Flusshochwasser getroffen werden können. Im November 2019 hat der Gemeinderat dem so erarbeiteten Starkregenrisikomanagementkonzept zugestimmt. In dem daraus abgeleiteten Handlungskonzept sind über fünfzig Maßnahmen in Künzelsau und den Stadtteilen enthalten, die entsprechend verschiedener Prioritäten in den Jahren 2020/21 bis 2030 ausgeführt werden sollen. „Zwischen 21 und 32 Millionen Euro brutto müssen nach einer groben Kostenschätzung investiert werden, um Risikobereiche zu entschärfen“, erklärt Stadtbauamtsleiter Bernd Scheiderer.

Hochwasserschutz wird ausgebaut

Aktuell wird gerade entlang des Kochers in der Würzburger Straße in Künzelsau der Hochwasserschutz verbessert. Der Landesbetrieb Gewässer beim Regierungspräsidium führt die Arbeiten in Kooperation mit der Stadt Künzelsau aus. Sie stehen kurz vor dem Abschluss. Die Investitionskosten für diese Hochwasserschutzmaßnahme belaufen sich auf rund 1,050 Millionen Euro. Das Land trägt 70 Prozent, die Stadt Künzelsau 30 Prozent der Investitionskosten.

Regenrückhaltebecken in Planung

Ein Regenrückhaltebecken bei Amrichshausen ist mittlerweile in der Phase der Genehmigungsplanung. Die Kosten dafür werden in einer Höhe zwischen 300.000 und 400.000 Euro geschätzt. Parallel hierzu werden Maßnahmen am Kemmeter Bach und am Künsbach geplant. In den Jahren 2022 und 2023 sollen diese Projekte realisiert werden. Dafür werden Fördermittel beantragt.

„Bei Berndshausen bestehen drei Hochwasserrückhaltebecken, die 2022 fit für die Zukunft gemacht werden. Rund 100.000 Euro fallen voraussichtlich für die Sanierung an“, schätzt Bernd Scheiderer.

Quelle: Pressemitteilung der Stadt Künzelsau

 

Im Bereich Oberer Bach in der Künzelsauer Innenstadt wurden beim Unwetter Pflastersteine großflächig herausgerissen und durch die ganze Hauptstraße, bis hinunter zur Kocherbrücke gespült. Der gesamte Bereich wurde grundlegend saniert und 2018 mit einem kleinen Fest der Anwohner eingeweiht. Foto: Stadt Künzelsau

Die Hauptstraße in Künzelsau war beim Unwetter überflutet und wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Viele Gebäude, darunter auch das Alte Rathaus mussten saniert werden. Foto_ Stadt Künzelsau

Die Hauptstraße in Künzelsau war beim Unwetter überflutet und wurde stark in Mitleidenschaft gezogen. Viele Gebäude, darunter auch das Alte Rathaus mussten saniert werden. Foto: Stadt Künzelsau




„Wir wurden enteignet und entmündigt“

„Das lasse ich mir nicht bieten“, gibt sich der Mann kämpferisch. Der 78-Jährige (sein Name ist der Redaktion bekannt, er möchte aber anonym bleiben) fühlt sich von der Stadtverwaltung Niedernhall ungerecht behandelt – regelrecht „enteignet und entmündigt“. Im Mai 2016 war die Kocherstadt schwer von einem Hochwasser getroffen worden. Um ein solches Ereignis in Zukunft zu verhindern, investiert die Stadt einiges, ertüchtigt den Hochwasserschutz, baut teilweise neu. Im vergangenen Jahr wurde hinter dem Solebad in Richtung Criesbach der Hochwasserschutzdamm am Kocherufer verbreitert. Von der Baumaßnahme war auch ein Grundstück der Niedernhaller Familie betroffen. Der Besitzer spricht von rund 200 Quadratmetern Ackerfläche, die unrechtmäßig überbaut worden seien. Bis zur halben Höhe des alten Dammes reiche der Besitz der Familie, die Grundstücksgrenze sei mit dem Damm überbaut. Jetzt steht dort eine Mauer aus Natursteinen.

Vorgefertigter Kaufvertrag

Im Vorfeld hatte die Familie 2018 ein Schreiben vom Regierungspräsidium bekommen, dass für die Hochwasserschutzmaßnahme Teile ihres Ackers benötigt werden würden. Auch eine Informationsveranstaltung habe es gegeben, auf der der Mann und seine Frau bereits den Preis erfuhren, der für ihre Fläche bezahlt werden solle. „Dann kam Bürgermeister Beck mit einem fertigen Kaufvertrag zu uns, in dem auch schon der Preis drin stand“, blickt der Mann zurück. „Wir haben aber gleich signalisiert, dass wir nicht verkaufen, sondern tauschen wollen.“ Das wiederum lehnte der Verwaltungschef ab, „weil die Stadt Niedernhall nichts verkauft oder tauscht“, erinnert sich der dreifache Vater. Sein Vorschlag sei: „Nach vorne gehören der Stadt noch rund 15 Meter Fläche bis zum Weg. Die hätten sie uns im Tausch geben können.“ Dann würde endlich wieder Ruhe einkehren.

Frühere Tauschgeschäfte

Schon früher wurden auch in Niedernhall munter Grundstücke getauscht. „Wir hatten ein Stück dort, wo jetzt das Hallenbad steht, und damals mit der Stadt getauscht“, erzählen die Besitzer. „Wir haben immer mitgemacht, wenn die Stadt was wollte und es Sinn machte.“ Doch das war noch zu Zeiten des alten Bürgermeisters. „Überhaupt, wo kommen wir hin, wenn der Käufer den Preis diktiert“, regt sich der Grundstücksbesitzer weiter auf. Die Gemeinde könne nur einen Richtpreis machen. „Irgendwann sagte Bürgermeister Beck, wir brauchen das Grundstück nicht mehr, wir bauen da eine Spundwand hin“, blicken die Eheleute zurück. „Doch uns gehört das Grundstück nicht nur bis zum Fuß des alten Dammes, sondern bis ungefähr zu seiner halben Höhe.“ Die Mauer stehe also auf ihrem Besitz.

Überraschung nach dem Urlaub

Als das Ehepaar nach einem längeren Urlaub wieder nach Niedernhall zurückkehrte, wurde es von den Baumaßnahmen am Kocherufer überrascht. „Ich bin zu den Bauarbeitern hin und sagte denen, das könnt ihr nicht machen, da ist doch nichts geklärt“, sagt der Mann. Aber es wurde weitergebaut und damit Tatsachen geschaffen. Genauso überrascht sei das Landratsamt gewesen, das davon ausgegangen sei, dass alles geklärt ist. „Bürgermeister Beck hatte uns außerdem zugesagt, eine Abschrift der Baugenehmigung zu schicken“, erzählt der Mann weiter. Die sei erst im November des vergangenen Jahres gekommen. „Da war die Einspruchsfrist lange vorbei.“

Dienstaufsichtsbeschwerde

Der Mann will nicht aufgeben, überlegt sich zurzeit weitere Schritte. Mittlerweile hat er gegen Achim Beck eine Dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht. Vor allem wirft er dem Bürgermeister vor, „zu wenig mit den Leuten zu reden“.

GSCHWÄTZ hat auch bei Achim Beck um eine Stellungnahme gebeten. Dieser teilte in einer ersten E-Mail gegenüber GSCHWÄTZ mit: „Ich beantworte die E-Mail in der mir zur Verfügung stehenden Zeit. Sie erhalten also dann Antwort, wenn ich die Zeit dafür habe. Derzeit gehe ich davon aus, dass ich Ihnen im Laufe der nächsten Woche antworten kann.“ Das war am 16. Februar 2021.

Text: Sonja Bossert

Bilder der Baumaßnahme. Der obere dunkle Strich zeigt an, wie weit das Grundstück des Niedernhallers reicht. Foto: privat

Die Mauer entsteht. Foto: privat

Natursteine stützen den Hochwasserschutzdamm ab. Foto: privat

 




Künzelsau nimmt Hochwasserschutz am Edeka in Angriff

Die Stadtverwaltung Künzelsau informiert über die Verbesserung des Hochwasserschutzes entlang des Kochers in der Würzburger Straße:

Schutz vor 100-jährlichem Hochwasser soll gewährleistet werden

Aufgrund der Klimaveränderungen seien  die bestehenden Schutzmaßnahmen überprüft und neu berechnet worden, was erforderlich ist, um vor den Auswirkungen eines hundertjährlichen Hochwassers zu schützen. Bisher war der Schutz auf ein 50-jährliches Hochwasser ausgelegt.  Das Gewerbegebiet in den Kocherwiesen, im Bereich zwischen dem Firmenparkplatz Ziehl-Abegg an der Brücke Bahnhofstraße und dem Steg am Nagelsberger Wehr, soll aufgrund dieser Betrachtungen vor zu erwartenden größeren Hochwasserständen besser geschützt werden. Aufgrund der Klimaveränderungen wurden die bestehenden Schutzmaßnahmen überprüft und neu berechnet, was erforderlich ist, um vor den Auswirkungen eines hundertjährlichen Hochwassers zu schützen.

Kosten der Maßnahmen: Etwa 1 Million Euro

Die Ausführung der Maßnahme wird unter der Bauherrschaft des Landesbetriebes Gewässer beim Regierungspräsidiums Stuttgart erfolgen. Die Baukosten für diese Hochwasserschutzmaßnahme belaufen sich auf rund 600.000 Euro. Die Investitionskosten der Gesamtmaßnahme liegen bei voraussichtlich 1,03 Millionen Euro. Das Land trägt 70 Prozent, die Stadt Künzelsau 30 Prozent der Investitionskosten.

Der Gemeinderat Künzelsau hat am 21. Juli 2020 die Vergabe der Tief- und Straßenbauarbeiten beschlossen: Die Tief- und Straßenbauarbeiten für die Hochwasserschutzmaßnahme in der Würzburger Straße wurden zu einem Angebotspreis von 500.250,92 Euro netto zuzüglich Mehrwertsteuer an die Firma HT&T GmbH aus Assamstadt vergeben.

Baustelle jetzt winterfest – Weiterbau im Januar geplant

Die Firma HT&T GmbH aus Assamstadt hat in den letzten Wochen mit der Umsetzung der Planung und den Arbeiten begonnen: In Höhe des Firmenparkplatzes an der Brücke Bahnhofstraße wurde der bestehende Damm saniert, erhöht und mit einer Natursteinmauer versehen. „Es fehlt nur noch die Anhebung und Asphaltierung des Fußweges“, erklärt Simone Mitsch. Sie ist die stellvertretende Technische Werkleiterin KünWerke und betreut die Baustelle. „Die Baustelle ist jetzt winterfest gemacht. Die Bauarbeiten sollen ab 11. Januar 2021 fortgesetzt werden. Ob dies auch so klappt, ist stark von der Witterung und von den bis dahin geltenden Corona-Regelungen abhängig.“ Die Stadtverwaltung Künzelsau nutzt die Gelegenheit, um im Zuge der Bauarbeiten auch gleichzeitig die Straßenbeleuchtung auf der kompletten Strecke zu erneuern. „Die energetische Sanierung ist förderfähig und hilft auf dem Weg zur Klimaneutralität.“ Der Rad- und Fußweg im Bereich der Baustelle ist weiterhin gesperrt. Die Stadtverwaltung Künzelsau bittet um Verständnis für die bestehenden Beeinträchtigungen.

Weitere Informationen

Grundlage der Planung sind die Hochwassergefahrenkarten (HWGK) für das Land Baden-Württemberg und der hierdurch ausgewiesenen Überschwemmungsgebiete: https://www.hochwasser.baden-wuerttemberg.de/hochwassergefahrenkarten

Die Stadt Künzelsau informiert auf ihrer Webseite: https://kuenzelsau.de/site/Kuenzelsau/node/703736?QUERYSTRING=Hochwasserschutz

Der Hochwasserschutz am Kocherufer in Künzelsau wird ausgebaut. Foto Stadtverwaltung Künzelsau.

Der Hochwasserschutz am Kocherufer in Künzelsau wird ausgebaut. Foto Stadtverwaltung Künzelsau.

Der Hochwasserschutz am Kocherufer in Künzelsau wird ausgebaut. Foto Stadtverwaltung Künzelsau.