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Im Herbst 2020 soll das Geheimnis gelüftet werden

An der Kreistagssitzung am 13. Juli 3030, in Öhringen, gab es auch einen Tagesordnungspunkt rund ums Öhringer Krankenhaus. Abstimmungen gab es keine hierzu, es war ein Tagesordnungspunkt „zu Kenntnisnahme.“. Dem Kreistag soll damit, so das Landratsamt in seiner Tischvorlage, „ein aktueller Überblick über die Entwicklungen am Standort Öhringen gegeben werden, insbesondere auch im Hinblick auf die medizinische Ausrichtung und den Neubau“.

Blick zurück und nach vorn

Das Landratsamt erinnert in seiner Tischvorlage ncohmal an die Entscheidung im Juni 2017, als der Kreistag für die Annahme der Fördermittel aus dem Krankenhausstrukturfonds in Höhe von 51,5 Mio. € und somit einem Krankenhausneubau in Öhringen und einer Schließung des Künzelsauer Krankenhauses zugestimmt hat. „Mit Einstieg der BBT-Gruppe im Mai 2018 in das operative Geschäft wurden die bereits angestoßenen Neubaupläne weiter vorangetrieben“, heißt es weiter.

Neubau mit einem Generalübernehmer

„Die Hohenloher Krankenhaus gGmbH hat Ende Januar 2020 einen europaweiten Teilnahmewettbewerb ausgeschrieben, um mit einem Generalübernehmer den Partner für die weitere Planung und Umsetzung des Neubauprojekts zu finden. Das gewählte PartnerringVerfahren wurde bei einigen Klinikbauten im Land angewandt. In diesem Verfahren wird bereits zu einem frühen Zeitpunkt der Generalübernehmer mit einbezogen, der auch für die spätere Umsetzung des Bauvorhabens zuständig ist. Vorteile dieses Verfahrens sind insbesondere bessere Steuerung der Zeit- und Kostenplanung. Basis der Ausschreibung bildete das erarbeitete und mit dem Ministerium abgestimmte Raum- und Funktionsprogramm sowie die funktionale Leistungsbeschreibung.
Die Entscheidung zu diesem Vorgehen erfolgte in einer Gesellschafterversammlung durch die Gesellschafter. Die eingegangenen Teilnahmeanträge wurden anhand der zuvor festgelegten Kriterien ausgewertet. In einer Verhandlungsphase wurden der Projektentwicklungsvertrag sowie der Generalübernehmervertrag für die Realisierung des Neubaus eines Krankenhauses zu einem garantierten Maximalpreis (GMP) mit dem Bestbieter vereinbart.“ Das Landratsamt sagt: „Die Planungen für den Neubau
des Krankenhauses liegen momentan im Zeitplan, die Kosten (hier heiß es nur nebulös: „Kostengruppe 300-600 also inklusive Medizintechnik“) im Kostenplan.“ Hier stellt sich die Frage, welcher Zeitplan gemeint ist, denn ursprünglich sollte das Krankenhaus mit Neubau ein Jahr früher in betrieb gehen, als nun vorgesehen. Auch die Kostenplan war ursprünglich etwas anders, als sie nun im Raum stehen.

„Nach Beschlussfassung in der zuständigen Gesellschafterversammlung wird das Neubauprojekt weiter konkretisiert und unter Berücksichtigung eines Maximalpreises sowie der weiteren Vorgaben vorangetrieben.“

Im Herbst 2020 soll dann auch die Vorstellung der Pläne und Entwürfe in der Öffentlichkeit erfolgen. Geplanter Baubeginn ist im Herbst 2021, die Fertigstellung des Neubaus und die anschließende
Inbetriebnahme ist 2023/2024 vorgesehen.

Grundlage der Ausschreibung war ein Krankenhaus mit 205 Betten sowie vorgegebenem RaumFunktionsprogramm. Dieses Krankenhaus der Grund- und Regelversorgung erfüllt die
Voraussetzungen zur dauerhaften Sicherstellung der Krankenhausversorgung der Bevölkerung im  Hohenlohekreis.




F.A.Z.-Institut würdigt Mitarbeiter des HK als „Helden in der Krise“

Das Hohenloher Krankenhaus Öhringen (HK) hat für das „herausragende Engagement in der Corona-Krise die Auszeichnung „Helden in der Krise“ erhalten. Das geht aus einer Pressemitteilung der BBT-Gruppe, dem Mehrheitseigner des HK, hervor.

„Sie haben es sich verdient“

Mit dieser Auszeichnung bedanken sich das F.A.Z.-lnstitut, Hansgrohe, Beekeeper, Signal lduna und die dpa-Tochter news aktuell für die außerordentliche Hilfe, die das Hohenloher Krankenhaus und seine Mitarbeitenden in der Pandemie geleistet haben. „Man mag sich gar nicht vorstellen, welches menschliche Schicksal es ohne das großartige gesellschaftliche Engagement in der Corona-Krise gegeben hätte“, sagt Dr. Gero Kalt, Geschäftsführer des F.A.Z.-lnstituts. „Dafür bedanken wir uns bei allen Personen, Unternehmen und Institutionen, die in der Krise Besonderes geleistet haben.“ In seinem Schreiben an die Mitarbeitenden im Hohenloher Krankenhaus ergänzt Dr. Kalt: „Sehen Sie diese Auszeichnung bitte als Ausdruck unserer Hochachtung für Ihre Leistung in der Krise. (…) Uns ist es wichtig, dass wir uns nicht nur direkt bei Ihnen bedanken, sondern Sie für Ihre Verdienste ausdrücklich auszeichnen. Sie haben es sich verdient.“

Bundesweit rund 1.200 Ausgezeichnete

Das Hohenloher Krankenhaus gehört damit zu den bundesweit rund 1.200 ausgezeichneten „Helden in der Krise“. Diese Zahl zeige, dass das gesellschaftliche Engagement in der Corona-Krise sehr beachtlich gewesen ist, so das F.A.Z.-lnstitut. Ausgezeichnet werden dabei sehr unterschiedliche Aktivitäten – von der Produktion großer Mengen Desinfektionsmittel für Krankenhäuser über besondere Betreuungsleistungen für Ältere bis hin zum Aufbau von Internetplattformen, über die die Nachbarschaftshilfe organisiert wurde.

„Wir freuen sehr über diese besondere Auszeichnung“, kommentiert die kaufmännische Direktorin des Hohenloher Krankenhauses Melanie Junge die Meldung. „Neben den Spenden und dem Dank der Menschen im Hohenlohekreis ist dies eine weitere Bestätigung für das hohe Engagement, die Flexibilität und den immensen Arbeitseinsatz unserer Mitarbeiter im Hohenloher Krankenhaus. Dass dies nun auch bundesweit Anerkennung findet, freut uns ganz besonders.“

Auf der Homepage des Hohenloher Krankenhaus berichten Mitarbeitende in persönlichen Berichten über ihre Erlebnisse während  der Corona-Pandemie. http://www.hohenloher-Krankenhaus.net

Corona-Portraits HK Helden. Quelle: HK

 




„Wir sind total abgehängt. Es ist eine Katastophe“

Im Rahmen der Kreisärzteschaftssitzung vor rund zehn Tagen wurde auch die mögliche Abschaffung der Notdienste für Künzelsau scharf kritisiert und diskutiert. Der im Zuge der Krankenhausschließung in Künzelsau neu eingeführte so genannte „Sitznotdienst“, der von Anfang an in der Kritik stand, da der Arzt rein rechtlich keine Patienten behandeln, sondern nur weiterleiten da (wir berichteten), wird wohl nun wieder nach nur wenigen Monaten abgeschafft, weil  er von der Beölkerung nicht angenommen wird. Das war nicht wirklich überraschend.

„Uns fehlt das Krankenhaus“ zum Weiterbehandeln

Stattdessen soll nun der von den hiesigen Ärzten abwechselne betriebende kassenärztliche Notdienst ausgebaut werden um drei Stunden am Wochenende. Hiesige Ärzte sehen darin allerdings alles andere als einen Ausbau, sondern eher einen kompletten Abbau. Dr.  Lieselotte Wesely-Lany, stellvertretende Vorsitzende der Vorstandschaft der Kreisärzteschaft Künzelsau, erklärte auf GSCHWÄTZ-Nachfrage: „Das ist ein Kompensationsgeschäft“, weil der Sitznotdienst beendet wird. Aber eigentlich mache der Ausbau um drei weitere Stunden keinen Sinn, „denn es ist nicht mehr das, was es war“.  Das Hauptproblem: „Uns fehlt das Krankenhaus. Die Ärzte des Notfalldienstes können kein Röntgen und kein Labor anbieten. Die Bürger könnten denken, dann gehe ich gleich nach Öhringen“.

Dr. Wesely-Lany befürchtet, „dass die Kassenärztliche Vereinigung den Notfalldienst irgendwann auch zu macht, weil es sich so nicht mehr lohnt. Wir sind total abgehängt. Es ist eine Katastrophe.“

 




Nach rund einem Jahr ist Schluss

Das Personalkarussell im Krankenhaus Öhringen dreht sich weiter. Helmut Munz ist nicht länger Pflegedirektor am Hohenloher Krankenhaus (HK).

Im Juli 2019 verließ zunächst Thomas Weber das Hohenloher Krankenhaus. Er war Mitglied der Regionalleitung der BBT-Gruppe am Standort Öhringen. Ihm folgte im Oktober 2019 Alexander Hoß, der als kaufmännischer Direktor tätig war. Zuletzt kündigte Chefarzt Dr. Kühn und verließ Ende März diesen Jahres das Hohenloher Krankenhaus. Nun folgt eine weitere Änderung im Direktorium des Öhringer Krankenhauses.

Am 27. April 2020 wurden die Mitarbeiter des Hohenloher Krankenhauses darüber schriftlich informiert, dass Helmut Munz nicht länger die Funktion als Pflegedirektor ausüben wird.

Munz für den Datenschutz zuständig

In dem Schreiben an die Mitarbeiter heißt es unter anderem, dass Helmut Munz nach Absprache mit der Regionalleitung und dem Direktorium seinen Schwerpunkt auf die Arbeiten im Qualitätsmanagement setzen wird und zusätzlich als Datenschutzbeauftragter tätig sein soll. Diese Aufgaben soll er künftig für alle Bereiche des Hohenloher Krankenhauses und seinen Einrichtungen durchführen.

Helmut Munz war als Pflegedirektor Teil der Führungsspitze, die im Februar 2019 im Krankenhaus Öhringen feierlich eingesetzt wurde. Helmut Munz ist seit vier Jahrzehnten Mitarbeiter des Hohenloher Krankenhauses und war in dieser Zeit mit unterschiedlichsten Aufgaben und Funktionen betraut.

Mit der Abgabe seiner Verantwortung als Pflegedirektor gehört Helmut Munz nicht länger zur oberen Führungsebene des Krankenhauses Öhringen.

Als Pflegedirektor hatte Helmut Munz unter anderem organisatorische und verwaltende Tätigkeiten und war Hauptansprechpartner für den Pflegebereich.

Ein knappes Jahr später, nach Einsetzung von Helmut Munz als Pflegedirektor, ist diese Stelle nun wieder vakant.

Aus dem Schreiben an die Mitarbeiter geht hervor, dass die Stelle des Pflegedirektors zeitnah ausgeschrieben werden soll.

Text: Carla Mosel

 

 

 




Corona: Landrat Neth schließt aus „faktischen Gründen“ vollwertiges Krankenhaus mit Sauerstoffversorgung für Künzelsau aus

Wie bereitet sich der Hohenlohekreis auf eine mögliche Extremsituation in der Coronapandemie vor? Offensichtlich gar nicht, zumindest nicht, wenn es darum geht die Ressourcen des ehemaligen Krankenhauses in Künzelsau weiter zu nutzen. Derzeit werden keinerlei Vorkehrungen getroffen, um dass ehemalige Krankenhaus in Künzelsau so aufzurüsten, damit im Ernstfall Patienten mit medizinischen Sauerstoff versorgt werden können. Covid-19-Erkrankte leiden oft Atemwegserkrankrankungen – weswegen eine optimale Sauerstoffversorgung in einem Krankenhaus benötigt wird. Das Krankenhausgebäude wird derzeit nur als Isolierstation ohne medizinisches Fachpersonal genutzt.

Im Zuge der Krankenhausschließung im November 2019 wurde der Sauerstofftank entfernt, der sich auf dem Außengelände des Krankenhauses befand. Ein solcher Sauerstofftank ist nötig, um die einzelnen Patientenzimmer mit medizinischen Sauerstoff zu versorgen.

Aus diesem Grund hat GCHWÄTZ eine Anfrage bei den Sauerstoffwerken in Friedrichshafen gestellt, um zu erfahren, wie lange es im Ernstfall dauern würde, bis auf dem Krankenhausgelände ein solcher Sauerstofftank wieder aufgestellt wäre.

Eine konkrete Antwort auf diese Frage haben wir nicht erhalten, dafür wurde uns aber von Herrn Michael S., Mitarbeiter der Sauerstoffwerke, Folgendes geantwortet:

Mehr als eine Isolierstation soll es für Künzelsau nicht geben

„Nach Rücksprache mit Angestellten der Hohenloher Krankenhaus gGmbH, der Stadtverwaltung Künzelsau und des Landratsamt Hohenlohekreis wurde mir von allen Beteiligten jedoch versichert, dass das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau lediglich als Isolierstation für Personen die mit Covid-19 infiziert sind genutzt werde. Es ist nicht angedacht, in diesem Gebäude Patienten dauerhaft mit medizinischem Sauerstoff zu versorgen“.

Im Klartext heißt das, dass man trotz steigender Zahlen von Coronaneuinfektionen scheinbar keine weiteren Vorkehrungen trifft, um im Akutfall schnell handeln zu können. Im Gegenteil, unsere Presseanfrage wurde von Herrn M. S. sogar als „befremdlich“ bezeichnet. Gleichzeitig weist er aber darauf hin, dass er sich hierzu persönlich äußert und nicht im Namen der Sauerstoffwerke Friedrichshafen. Zitat:

„Ich finde Ihre „Presseanfrage“ in der aktuellen Situation, wo jede/r Mitarbeiter/in der im Bereich der Versorgung von  Mitbürgern und im Besonderen von kranken Menschen tätig ist, sehr befremdlich.“ Weiter schreibt Michael S.: „Durch Ihre Anfrage wurden personelle Ressourcen der Sauerstoffwerke Friedrichshafen GmbH, der Hohenloher Krankenhaus gGmbH, der Stadtverwaltung Künzelsau und des Landratsamtes Hohenlohekreis gebunden, die in dieser Zeit betroffenen Personen weit besser hätten helfen können.“ Weiter heißt es:

„Nach Rücksprache mit Angestellten der Hohenloher Krankenhaus gGmbH, der Stadtverwaltung Künzelsau und des Landratsamtes Hohenlohekreis wurde mir von allen Beteiligten jedoch versichert, dass das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau lediglich als Isolierstation für Personen die mit Covid-19 infiziert sind genutzt werde. Es ist nicht angedacht in diesem Gebäude Patienten dauerhaft mit medizinischem Sauerstoff zu versorgen.“

Landrat Dr. Neth: „Es steht zu befürchten, dass die Pandemie noch länger andauern und sich verschärfen wird“

Um so erstaunlicher liest sich die Pressemitteilung vom 29.03.2020, in der Landrat Dr. M. Neth schreibt: Es steht zu befürchten, dass die Pandemie noch länger andauern und sich verschärfen wird. https://www.hohenlohekreis.de/index.php?id=291&publish[id]=1116962&publish[start] Indes steigen die Zahlen der Coronaneuinfektionen im Hohenlohekreis tatsächlich weiter an. Zwei weitere Altenheime im Kreis müssen unter Quarantäne, damit sind Stand 02. April acht Pflegeheime betroffen.

Besonders ältere Menschen sind gefährdet an einem schwereren Atemwegsinfekt, wie durch das Corona-Virus verursacht, zu erkranken. Je nach nach Schwere und Verlauf der Lungenerkrankung Covid-19 benötigt es unterschiedliche Therapiemaßnahmen. Eine Maßnahme ist dabei die Sauerstofftherapie. Hat der Patient Atembeschwerden und nicht mehr genügend Sauerstoff im Blut, bekommt er von außen medizinischen Sauerstoff zugeführt, zum Beispiel über eine Nasenbrille.

Das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau verfügte über 120 Betten, von denen auf 90 Bettplätzen eine Sauerstofftherapie möglich wäre.

Die Isolierstation mit 50 Zimmern im ehemaligen Krankenhaus Künzelsau hat am Montag, den 30. März , 2020 ihren Betrieb aufgenommen. Bis dahin standen 17 Zimmer für die Isolierung von Menschen in Kupferzell zur Verfügung. In dieser Zeit war lediglich ein Patient in Kupferzell zur Isolierung. Dennoch erhöht man die Anzahl der Isolierplätze von 17 auf 50 und zieht diese nach Künzelsau um. Warum also erhöht man die Anzahl der Isolierbetten fast um das Dreifache?

Angesichts der Einschätzung von Dr. Neth, dass sich die Pandemie noch weiter verschärfen könnte, fragt man sich, warum diese Möglichkeit im ehemaligen Krankenhaus Künzelsau noch nicht in Erwägung gezogen wurde. Gerade dieser Tage sieht man, wie wichtig es ist, immer einer Schritt voraus zu sein. Immerhin liegt die Schließung des Krankenhauses nicht zehn Jahr zurück, sondern gerade mal etwas mehr als vier Monate.

Wir haben aus dem Grund im Landratsamt angefragt, ob eine mögliche Erweiterung der Isolierstation geplant sei, auch im Hinblick auf eine Versorgung mit Sauerstoff.
Vom Landratsamt wurde unter anderem mitgeteilt, dass eine Inbetriebnahme des ehemaligen Krankenstandortes Künzelsau nicht möglich sei. Gründe dafür seien, dass keine medizinische Infrastruktur mehr zur Verfügung stehe, dass beträfe sowohl medizinische Geräte wie auch Personal. Weiter heißt es: „Es ist gerade vor dem Hintergrund des Bedarfs an Intensivplätzen und Beatmungsplätzen medizinisch nicht sinnvoll, die in Öhringen konzentrierte Expertise und Infrastruktur zu splitten.“

Medizinisches Personal ist nicht weg, sondern im Zuge der Schließung im November 2019 lediglich umverteilt worden

Das aber gerade eine solche Splittung Sinn machen kann und wie die Versorgung in der Coronakrise andernorts organisiert ist, zeigen derzeit die Politiker und Ärzte der Landkreise Altötting und Mühldorf im Regierungsbezirk Oberbayern. Das Innklinikum Mühldorf hat dabei ausschließlich die Versorgung von Coronapatienten übernommen, Altötting übernimmt die Versorgung aller anderen Patienten, die nicht Corona positiv sind oder entsprechende Symptome haben. Ein absolutes Vorzeigebeispiel in solchen Zeiten, da dadurch auch die Ansteckung untereinander minimiert werden kann, zudem können Patientenzimmer effektiver genutzt werden. https://amp.zdf.de/nachrichten/heute-journal/task-force-der-corona-klinik-100.html

Auch wenn nach internen Berichten bei der Schließung des Standortes in Künzelsau im November 2019 sehr viele Geräte und Materialen einfach entsorgt worden sind, ist dass medizinische Personal aus Künzelsau ja nicht weg, es wurde lediglich auf verschiedene Standorte der BBT verteilt. Auch wenn zwischenzeitlich Fachkräfte für Intensivmedizin und Anästhesie nicht mehr im Intensivbereich arbeiten, sondern beispielsweise derzeit von der Hohenloher Krankenhaus gGmbH in einem Pflegeheim eingesetzt sind, könnten diese sicher wieder akquiriert werden.

Es ist bedauerlich, dass ein Landrat lediglich darauf verweist, dass nun das Land Baden-Württemberg über eine mögliche Krankenhausnutzung entscheidet und nicht der Hohenlohekreis und ausführlich im selben Atemzug darlegt, warum diese Reaktivierung nicht möglich ist. Dabei wäre es in der derzeitigen Situation doch gerade Aufgabe eines Landrates sich dafür stark zu machen, dass alle denkbaren und verfügbaren Ressourcen genutzt werden. Das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau bietet dazu mehr als nur eine realistische Chance. Neth hat viele Punkte aufgeführt, aus welchen Gründen eine weitere Nutzung unmöglich sei. Wir haben in unseren Recherchen keine triftigen Gründe gefunden, die dass rechtfertigen. Eine vollständige Reaktivierung ist möglich.

Im Hinblick auf die aktuelle Coronalage in vielen Pflegeheimen im Hohenlohekreis ist das sicher keine ungefährliche Entscheidung seitens des Landratsamtes. Dennm maximal 12 Intensivbetten im Krankenhaus Öhringen für 120.000 Einwohner des Hohenlohekreises sind definitiv nicht ausreichend angesichts der Coronawelle, die über uns hereinzubrechen droht. Also: Wenn nicht jetzt, wann dann? Nicht reden, handeln.

Das Sozialministerium des Landes Baden-Württemberg hat sich auf Nachfrage uns gegenüber bislang noch nicht dazu geäußert, welche in den vergangenen Jahren geschlossen Krankenhäuser möglicherweise wieder reaktiviert werden als vollwertige Krankenhäuser und ob das Krankenhaus Künzelsau darunter fällt. Dadurch dass der Hohenlohekreis Corona-Hotspot in Deutschland ist, wäre es allerdings mehr als verwunderlich, wenn das Künzelsauer Krankenhaus davon ausgenommen werden würde.

Text: Carla Mosel

Schreiben des Landrats Dr. Matthias Neth bezüglich einer möglichen Wiederinbetriebnahme des seit rund vier Monaten geschlossenen Krankenhauses in Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ




„Jetzt zählt jedes Bett“ – Aufrüstung des Krankenhausgebäudes in Künzelsau – Dr. Andreas Kühn, Chefarzt im HK, im großen Interview

„Schwere ethische Entscheidungen, vor denen wir stehen werden“

Dr. Andreas Kühn ist noch bis 01. April 2020 Chefarzt und stellvertretender ärztlicher Direktor im Hohenloher Krankenhaus (HK). Er ist Facharzt für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie. Zusätzlich ist er derzeit noch der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes Hohenlohe und Vorsitzender der Ärzteschaft Künzelsau. Dr. Andreas Kühn wurde am 04.11.1969  geboren, ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von zwölf und 14 Jahren. GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann sprach mit Dr. Kühn über die Corona-Pandemie.

Leider ist unser Ärztehaus in Schloss Stetten für die Krise nicht rechtzeitig fertig geworden

GSCHWÄTZ: Herr Kühn, angesichts der Coronapandemie und der bezeichnenden Lage im so genannten Hotspot Hohenlohe – Könnten Sie sich vorstellen, nicht ab 01. April 2020 das Krankenhaus zu verlassen, sondern noch länger in dieser Krise als Arzt für das HK zu arbeiten?

Kühn: Ich bin Intensivmediziner und Anästhesist. Das sind genau die Menschen, die man jetzt braucht. Wenn man mich braucht, bin ich auch da in so einer angespannten Situation. Leider ist unser Ärztehaus in Schloss Stetten für die Krise nicht rechtzeitig fertig geworden.

GSCHWÄTZ: Ärzte aus dem Hohenlohekreis nehmen derzeit die Abstriche der Verdachtsfälle in der Abstrichstelle in Belzhag.

Kühn: Hausärzte von hier sind in Belzhag, die sich in ihrer eigenen Praxis frei machen für einige Stunden im stetigen Wechsel. Die kassenärztliche Vereinigung stellt eine medizinische Fachangestellte und man kann noch selbst eine Kraft zur Unterstützung aus der eigenen Praxis mitbringen. Eventuell bleibt dann die Praxis währenddessen zu, wenn man keine Gemeinschaftspraxis hat.

Ganzkörperschutzoverall anstatt „Norovirenkittelchen“

GSCHWÄTZ: Haben Sie selbst auch schon Abstriche vorgenommen? Wenn ja, hat man als Arzt Angst, sich anzustecken? Immerhin sind ja schon einige Ärzte erkrankt.

Kühn: Ich habe Abstriche gemacht, als die Abstrichstelle noch am Gesundheitsamt war, aber Angst vor einer Ansteckung habe ich nicht wirklich, denn ich weiß, wie man sich professionell schützt. Ich hatte einen weißen Ganzkörpervollschutzoverall (kein „Norovirenkittelchen“), Kategorie 3, an, eine Maske (FFP3–Mundschutz) und ein großes Schutzvisier, doppelte Handschuhe, so war alles geschützt, auch der Hals, da guckt kein bisschen Haut raus. Aber es ist unangenehm, damit zu arbeiten, weil es ist heiß darunter ist.

Bergamo ist in seiner Größe vergleichbar mit dem Hohenlohekreis

GSCHWÄTZ: Ihre Schmerztherapie-Praxis hat weiterhin geöffnet, weil ihre Patienten angewiesen sind auf die Behandlungen und Medikamente. Was tun sie, um dabei volle Wartezimmer zu vermeiden?

Kühn: Ich biete jetzt Videosprechstunden an und schicke Rezepte per Post. Darüber hinaus bestelle ich die Menschen einzeln in meine Praxis und lasse kein Wartezimmer volllaufen. Ich arbeite immer mit Handschuhen und Mundschutz, meine Angestellten tragen auch Mundschutz und Handschuhe im Umgang mit Patienten. Viele sagen derzeit aber auch ihre Termine ab aus Angst, sich anzustecken. Meine Frau ist Gynäkologin, in diesem Bereich verschieben gerade auch viele ihre Vorsorgetermine. Aber natürlich kann es dann passieren, dass wir nach der Krise einen Rattenschwanz aufzuarbeiten haben.

GSCHWÄTZ: Keiner von uns hat eine derartige Ausnahmesituation, eine Pandemie, jemals erlebt. Unter- oder übertreiben wir dabei in unserem Tun?

Kühn: Wenn uns so etwas passiert wie in Bergamo, das eine vergleichbare Größe wie der Hohenlohekreis aufweist, wenn man die Einwohnerzahl von 120.000 betrachtet, mit aktuell 800 und bald vermutlich 1.000 Toten, dann kämen wir bald an eine Letalitätsrate [Anm. d. Red.: Sterberate] von einem Prozent auf die Gesamtbevölkerung (nicht nur der Infizierten). Wenn man das auf Gesamtdeutschland überträgt mit rund 82 Millionen Einwohnern, dann wären das 820.000 Tote. Nicht zu vergessen: Die Intensivstationen in Bergamo sind sehr gut ausgestattet un ganz abgesehen davon, dass der Höhepunkt hier noch nicht erreicht ist.

„Uns entgehen die ganzen Symptomlosen“, die nicht getestet werden

GSCHWÄTZ: Hat Deutschland zu spät reagiert?

Kühn: In Südkorea werden nicht nur Menschen mit Symptomen getestet, sondern auch äußerlich gesunde Menschen und darunter waren einige positiv Getestete. Uns entgehen die ganzen Symptomlosen und dadurch verbreitet sich der Virus weiter. Wer sowieso schon Grippesymptome aufweist, geht in der Regel nicht mehr so auf die Straße und steckt andere an, wie jemand, der sich gesund fühlt, aber Corona hat.

GSCHWÄTZ: Durch den Engpass an Teststäbchen werden derzeit auch nicht mal mehr alle mit Symptomen getestet und den Ärzten obliegt es, hier eine korrekte klinischeDiagnose zu treffen. Ein schier unmögliches Unterfangen, oder?

Kühn: Es ist ganz einfach: Wenn jemand derzeit Grippesymptome hat, muss er zu Hause in Quarantäne bleiben. Dann meldet der Arzt ihn als möglichen Coronaverdacht. Der Abstrich wird nur noch gemacht, wenn er ins Krankenhaus muss und er dadurch in Kontakt mit anderen Menschen kommt.

Stichwort Krankenhaus Künzelsau: „Jetzt zählt jedes Bett“

GSCHWÄTZ: Das Krankenhaus Künzelsau wurde am 15. November 2019 geschlossen. Kurz darauf breitete sich in China die Corona-Epidemie rasant aus. Anfang 2020 traf es auch Deutschland. Aus einer Epidemie wurde eine Pandemie. Wie viele Krankenhausbetten entgehen uns derzeit durch das Sparen im Krankenhaussystem in den vergangenen Jahren?

Kühn: Vor der Krise war die Aussage von dem baden-württembergischen Sozialminister Manfred Lucha, dass man von 5,5 auf 4,4 Krankenhausbetten auf 1.000 Einwohner reduzieren wolle. Im Vergleich: Japan hat 13,9 Betten auf 1.000 Einwohner, also rund dreimal so viel. In Hohenlohe gab es bereits vor der Schließung lediglich 2,5 Krankenhausbetten, nach der Schließung des Krankenhauses Künzelsau waren es noch 1,7 Betten auf 1.000 Einwohner. Jetzt zählt jedes Bett und besonders die Intensivbetten mit Beatmung bei den schweren Corona-Verläufen.

GSCHWÄTZ: Wie ist der Hohenlohekreis hier derzeit aufgestellt?

Kühn: In Öhringen gibt es 12 Beatmungsplätze pro 110.000 Einwohner – wenn man die Narkosegeräte noch mit dazu zählt. Der Bundesdurchschnitt liegt hier rund dreimal so hoch bei 34 Beatmungsplätzen pro 100.000 Einwohner. Man darf dabei auch nicht vergessen: Jedes der 140 Betten im Künzelsauer Krankenhaus hätte Sauerstoffversorgung gehabt für die leichteren Fälle. Aber das jetzt auf die Schnelle wieder hochzuziehen, wird sehr schwierig werden. Jetzt sieht man mal, was passiert, wenn man auf viele Jahre das Gesundheitswesen auf Effizienz trimmt. Das reicht halt für eine Pandemie nicht.

„Entweder es gibt eine schnelle Durschseuchung und katastrophale Verhältnisse oder wir ziehen das in die Länge und kriegen bestmögliche Versorgungsbedingungen hin

GSCHWÄTZ: Was denken Sie, wie lange die Pandemie uns in Atem halten wird?

Kühn: Entweder es gibt eine schnelle Durchseuchung und katastrophale Verhältnisse oder wir ziehen das dementsprechend in die Länge und kriegen bestmögliche Bedingungen für die Versorgung hin, das dauert dann zwar auch dementsprechend länger, aber es werden weniger sterben. Also daher bitte ich jeden, zu Hause bleiben, damit die Kapazitäten ausreichen, damit alle bei Bedarf eine ausreichende Beatmungstherapie bekommen.

GSCHWÄTZ: Eine Herausforderung auch für die Ärzte.

KÜHN: Das sind schwere ethische Entscheidungen, vor denen wir stehen werden und vor denen wir Angst haben. Was macht man beispielsweise, wenn die Intensivstation voll ist mit Menschen über 80 Jahren und dann kommt ein 40-Jähriger, der ebenfalls beatmet werden muss?

Wie konnte Hohenlohe Corona-Hotspot werden?

GSCHWÄTZ: Hohenlohe ist der Corona-Hotspot in Deutschland mit den offiziell am meisten Infizierten pro Kopf, geht man von der offiziellen Zahl aus. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Kühn: Man weiß mittlerweile anhand von diversen Beispielen, dass sich viele bei öffentlichen Veranstaltungen angesteckt haben. Daraus kann man schließen, dass man sich ziemlich schnell und leicht anstecken kann mit dem Virus. Zur Zeit des Rebenglühens Anfang März 2020 hat man diesen Virus in Hohenlohe noch nicht so richtig ernst genommen.

„Wir kaufen derzeit nur Obst und Gemüse, das geschält oder gekocht werden kann“

GSCHWÄTZ: Wie gehen Sie privat mit der Krise um?

Kühn: Ich gehe persönlich nicht mehr einkaufen im Supermarkt, nur noch im Monat einmal, dann aber kaufe ich viel. Ein guter Tipp aus meiner Zeit, als ich in Kalkutta als Medizinstudent war, beherzigen wir jetzt auch wieder: schälen, kochen oder wegwerfen. Sprich: Wir kaufen derzeit nur Obst und Gemüse, das geschält oder gekocht werden kann.

Herr Kühn, vielen Dank für das Gespräch.

 

 

Seit Anfang dieser Woche rüstet das THW das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau auf. Foto: GSCHWÄTZ vom 26.03.2020

Anbei veröffentlichen wir die aktuellen Corona-Zahlen des Sozialministeriums Baden-Württemberg (26. März 2020). Derzeit gibt es offiziell 8.441 Fälle und 76 Todesopfer. 302 Coronafälle weist der Hohenlohekreis dabei auf:




Künzelsauer Krankenhaus: Vor 2 Wochen noch ein klares Nein der BBT-Gruppe – Nun erfolgt eine Kehrtwende um 180 Grad

Was kann einem Landkreis peinlicheres passieren, als ein Krankenhaus trotz wochenlanger Proteste der Bevölkerung zu schließen, um es nur vier Monate später wieder zu öffnen (sicher, es ist derzeit „nur“ eine Isolierstation, aber wer weiß heutzutage schon, was morgen daraus wird? Hier scheinen sich jedenfalls die Spielregeln ständig zu ändern)? Hinzu kommt, dass ausgerechnet dieser Landkreis derzeit im Fokus Deutschlands als Corona-Hotspot steht. Beides Schlagzeilen, über die der Hohenloher Landrat Dr. Matthias Neth vermutlich nicht besonders amused ist.

Not amused

Vielleicht schaffen wir es aber auch bald, den Hotspot-Thron wieder zu verlassen, es gibt ja derzeit im Hohenlohekreis sowieso nur noch eine begrenzte Zahl an Teststäbchen, mit denen man testen kann, wer nun Corona hat und wer nicht.  Jeder, der grippeähnliche Symptome hat, wird derzeit angehalten, einfach mal Zuhause bleiben und wenn es schlimmer wird, sich wieder zu melden. Soweit von der Krisenfront im Hohenlohischen.

Als wir rund vor zwei Wochen bei der BBT-Gruppe – wir erinnern uns, die mit dem wohlklingenden Namen ,Barmherzigen Brüder‘ – gefragt haben, ob das Künzelsauer Krankenhausgebäude im Zuge der Coronapandemie möglicherweise genutzt wird – besteht also eventuell auch nur die geringste Chance – erhielten wir ein klares Nein. Ohne Begründung. Und nun, zwei Wochen später, die Kehrtwende um 180 Grad. So weit zur Weitsicht von Krankenhausträgern in gesundheitsbedingten Krisenzeiten.

Wir erinnern uns: Kleine Krankenhäuser sind zu teuer und zu ineffizient

Die Pandemie ist keine Frage verheerend, kein Spaß und mit Sicherheit hat sie keiner kommen sehen zu einer Zeit, als die Bundes- und/oder Landesregierungen (wer weiß das schon so genau, keiner will es gewesen sein) die Krankenhausschließungen  mit der Axt quer durch Deutschland geschlagen haben. In zahlreichen Landkreisen gab es Proteste wie in Künzelsau. Kleine Krankenhäuser seien zu teuer, zu ineffizient. Manfred Lucha, der Sozialminister in Baden-Württemberg, gab die Marschrichtung vor, zahlreiche Landräte folgten und verwiesen stets auf „die da oben“. Eines aber schienen die meisten von ihnen vergessen zu haben:

Auf einmal sind problemlos Milliarden da

Das Sozialsystem Deutschlands ist kein Wirtschaftsgut, sondern ein Grundrecht, dieses es nicht zu bemessen gilt mit dem spitzen Bleistift eines Finanzministers – zumal – hoppla, auf einmal problemlos Milliarden da sind, die nun an die Wirtschaft angesichts der drohenden Krise ohne Probleme seitens der Regierung ausgeschüttet werden können, weil – so erklärt es die Regierung in Berlin – der Staatssäckel gut gefüllt sei, weil man ja gut gewirtschaftet habe. Genau. Unter anderem beim Gesundheitssystem. In Katastrophen-Szenarien zeigen sich die wahren Helden und das sind die Menschen, die dieses Gesundheitssystem jetzt und bereits seit Jahren unter erschwerten Bedingungen am Leben erhalten. Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht nur bei einem „danke“ an alle nun helfenden Hände – Rettungsdienstler, Ärzte, Krankenschwestern, Pflegemitarbeiter und viele andere mehr – bleibt, sondern dass zumindest einer als Sieger aus dieser Pandemie hervorgeht:

das deutsche Gesundheitssystem und alle, die es stützen.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

 

 




Landratsamt sagt: Corona-Isolierstation im Künzelsauer Krankenhausgebäude für gesunde & kranke Menschen gleichermaßen gedacht

Nun ist es amtlich, was GSCHWÄTZ Anfang dieser Woche veröffentlicht hat: Die Landkreisverwaltung hat sich entschieden, im ehemaligen Krankenhaus Künzelsau eine Isolierstation einzurichten. Am heutigen Donnerstag, den 26. März 2020, nun hierzu auch eine offizielle Pressemitteilung.

Die Isolierstation kann, so das Landratsamt, für folgende Fälle genutzt werden:

1. Menschen mit schwachen Krankheitsanzeichen, die nicht zuhause leben können, weil dort Risikogruppen mit Ihnen leben.
2. Gesunde Menschen, die von kranken Familienmitgliedern getrennt werden sollen.
3. Klassische Verdachtspersonen, d.h. z.B. Personen, die aus dem Ausland einreisen, können in der Isolierstation zwei Wochen leben, bis klar ist, dass sie keine Infektion haben.
4. Risikogruppen, wie z.B. alte oder immunschwache Menschen, die von den Familienmitgliedern getrennt untergebracht werden sollen.
5. Mitglieder von systemrelevanten Berufen, die vorsorglich isoliert leben sollen.
6. Menschen, die aus dem Krankenhaus mit noch schwachen Symptomen entlassen werden.

Offen lässt das Landratsamt in seiner Pressemitteilung, wie gesunde Menschen aus Risikogruppen innerhalb des Gebäudes strikt getrennt werden von Coronapatienten, um Ansteckungen zu vermeiden. Zumal sich dort vermutlich jeder frei bewegen kann.

Die BBT-Gruppe hat noch vor rund zwei Wochen auf GSCHWÄTZ-Nachfrage ein klares „Nein“ geantwortet bei der Frage, ob das eheamlige Künzelsauer Krankenhaus im Rahmen der Corona-Pandemie genutzt werden könnte. https://www.gschwaetz.de/2020/03/10/coronavirus-quarantaenestation-in-kupferzell-krankenhaus-kuenzelsau-kommt-nicht-als-quarantaenestation-in-betracht/

Nun also der Umschwung, nachdem der Hohenlohekreis mit steigenden Coronazahlen zum deutschlandweiten Hotspot avanciert ist.

Die Hohenloher Krankenhaus GmbH habe in den vergangenen Wochen überprüft, inwiefern kurzfristig weitere Krankenhausplätze geschaffen werden können, erklärt das Landratsamt die Meinungsänderung. Für Coronapatienten mit einem schweren Krankheitsverlauf stünde jedoch nach wie vor das Öhringer Krankenhaus an erster Anlaufstelle. Denn: „Insbesondere für Menschen, die beatmet werden müssen, ist es nicht sinnvoll, diese im Hohenlohekreis außerhalb des Öhringer Krankenhauses unterzubringen. Denn nur im Krankenhaus Öhringen sind die medizinischen Geräte und die medizinischen Fachleute vor Ort.“

Aufnahme erfolgt freiwillig – medizinisches Personal werde es nicht geben

Daher handelt es sich, betont das Landratsamt, „beim ehemaligen Krankenhaus in Künzelsau um eine reine Isoliereinrichtung, eine medizinische Versorgung wird nicht angeboten. Die Aufnahme in der Isolierstation erfolgt freiwillig. Das Essen der Bewohner werde vom DRK Hohenlohekreis gestellt. Warum aber hat man die Isolierstation nicht in Kupferzell belassen? „Ein Vorteil gegenüber der Isolierstation in der Akademie Kupferzell ist, dass die Zimmer im ehemaligen Krankenhaus Nasszellen haben und die dort lebenden Personen somit ihre Zimmer nicht verlassen müssen“, erklärt das Landratsamt.

Aber es gäbe noch einen weiteren Grund: „Aus den Krankenhausentlassberichten von bisherigen Patienten ist ersichtlich, dass viele Infizierte aus dem Krankenhaus entlassen werden können, auch wenn noch leichte Krankheitssymptome und eine Virusausscheidung vorliegen. Diese Personen können dann, falls eine häusliche Unterbringung nicht sinnvoll ist, in der Isolierstation bis zur vollständigen Genesung bleiben. Dadurch können Krankhausbetten für schwerer erkrankte Personen freigehalten werden.“

Das Technische Hilfswerk Künzelsau werde, so das Landratsamt, die Isolierstation im Krankenhaus Künzelsau mit Materialien, die noch aus der Flüchtlingskrise zur Verfügung stehen, herrichten.

Ab nächster Woche startklar

Die Nutzung des Gebäudes wurde mit der Stadt Künzelsau abgestimmt. Die Isolierstation könnte somit ab Anfang nächster Woche in Betrieb gehen. Platz für über 50 Personen steht dann bereit.
Landrat Dr. Neth und die BBT-Gruppe haben dem Land Baden-Württemberg auch frühzeitig angeboten, dass das ehemalige Künzelsauer Krankenhaus für landeseigene Nutzungen zur Verfügung steht. Auch der Bundeswehr sei das Gebäude zum Gebrauch angeboten worden. Vor zwei Tagen allerdings wusste die dafür zuständige Bundeswehr in Stuttgart noch nichts davon (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/?s=bundeswehr ). Das Land und der Bund würden derzeit noch prüfen, ob sie das Krankenhausgebäude nutzen möchten. Falls diese Prüfung positiv verlaufe, könnte sich der Hohenlohekreis vorstellen, „die Räumlichkeiten dann anderen Trägern zu übergeben“. Die BBT-Gruppe als Mehrheitseigner erwähnt das Landratsamt in seiner Pressemitteilung nicht.




Öhringer Krankenhaus in Corona-Zeiten – Keine Spur von Aufregung

Es ist ziemlich ruhig an diesem frühen Dienstag, den 17. März 2020, vor dem Hohenloher Krankenhaus in Öhringen. Nur wenige Autos stehen auf den Parkplätzen, so nach und nach trudeln Mitarbeiter ein. Sie begrüßen sich lachend, unterhalten sich, winken einander zu. Ein einsamer Patient sitzt vor der Tür und raucht. Von Corona-Virus-Aufregung hier keine Spur.

Krankenhaus für Besucher zu

Aber der Eingang ist geschlossen, die große Türe öffnet sich nicht mehr. Auf einem Schild an der Tür steht, dass „aufgrund einer amtlichen Bekanntmachung das Krankenhaus grundsätzlich von Besuchern nicht mehr betreten“ werden darf. Ausnahmen sind lediglich „Behandlungsbedürftige und die Begleitung Sterbender“. Das LimesCasino ist nur noch für Krankenhaus-Mitarbeiter geöffnet. Und das auch nur bis 13.45 Uhr. Ins Krankenhaus selbst kommt man nur rein, wenn man klingelt. Dann muss man den Nebeneingang benutzen.

Kein separater Wartebereich für Corona-Verdachtsfälle

Kommt ein Corona-Verdachtsfall, muss er direkt neben (!) der Eingangstür warten und die auf einem Schild angegebene Telefonnummer anrufen. Unter der gibt es dann Informationen zum weiteren Vorgehen. Irgendwo separat und getrennt von den anderen Passanten zu warten, geht da aber nicht beziehungsweise es ist zumindest auf den ersten Blick nichts erkennbar.

Keine besonderen Maßnahmen

Keine der Personen, die durch die Krankenhaustür rein- oder rauskommen, trägt einen Mundschutz oder Handschuhe. Schaut man durch das Fenster, erkennt man Leute an der Empfangstheke und andere, die durchs Foyer gehen. Auch von ihnen scheint niemand besondere Schutzmaßnahmen vor dem Corona-Virus ergriffen zu haben.

Ein ruhiger Morgen vor dem Öhringer Krankenhaus. Foto: GSCHWÄTZ

 

Besucher dürfen nicht mehr ins Öhringer Krankenhaus. Foto: GSCHWÄTZ

 

Das LimesCasino ist nur noch für Krankenhaus-Mitarbeiter geöffnet. Foto: GSCHWÄTZ

 

 

 




„Herzstillstand“: Warum Künzelsaus Klinik sterben musste – SZ bringt großen Artikel über Schließung des Künzelsauer Krankenhauses

Die Süddeutsche Zeitung hat einen Artikel über mehrere Seiten veröffentlicht, der sich ausführlich mit der Schließung des Künzelsauer Krankenhauses beschäftigt. Der Autor wollte anhand Künzelsaus Entwicklung exemplarisch aufzeigen, warum zahlreiche kleine Krankenhäuser deutschlandweit geschlossen werden.

Unter dem Titel „Herzstillstand“ – Warum muss die Klinik in Künzelsau sterben?“ hat Rainer Stadler das Thema von möglichst vielen Seiten beleuchtet. Er hat mit Verantwortlichen der BBT-Gruppe gesprochen, mit Mitarbeitern, Patienten, mit Pflegedirektor Helmut Munz, mit dem früheren Chefarzt Dr. Andreas Eckle, mit der damaligen Führungsassistentin Corinna Moisel und mit Bürgermeister Stefan Neumann. Veröffentlicht wurde der Artikel nun auf vier Seiten in der Wochenendausgabe vom 15./16. Februar 2020.

Künzelsau: baden-Württembergische Provinz

Künzelsau beschreibt der Autor darin als „baden-württembergische Provinz, aber alles andere als abgehängt. […] Das Handelsblatt widmete der Stadt ein Portrait: Hauptstadt der Weltmarktführer.“ Die Schließung des Krankenhauses passe nicht ins Selbstverständnis der Stadt, heißt es im Text weiter. Aber Künzelsau stehe damit nicht alleine da. Zahlreiche Krankenhäuser wurden schon geschlossen und noch mehrere hundert sollen folgen, weil, so hieße es seitens der Politik, große Häuser besser geeignet seien, „um lebensbedrohliche Notfälle wie einen Herzinfarkt oder Schlaganfall angemessen behandeln zu können. „Dadurch ließen sich viele Komplikationen und Todesfälle vermeiden.“

Helmut Munz verweist im Gespräch mit dem SZ-Autor unter anderem auf Ultraschallgeräte, die bereits 15 Jahre alt seien. Andreas Eckle, so steht es in dem Artikel, sieht Helmut Munz als einen „Erfüllungsgehilfen einer Politik, die sich nicht um die Belange der Menschen schert“. Das Thema habe die Stadt gespalten. Während die Lokalzeitung eher kritisch über die Proteste gegen die Krankenhausschließung berichtete, „schlug sich die Stadtzeitschrift GSCHWÄTZ von Anfang an auf die Seite der Bürgerinitiative“. Über Corinna Moisel heißt es: „Bis heute ist sie davon überzeugt, dass die Schließung vermeidbar war, eine Folge von Misswirtschaft.“ Moisel wollte die Bindungen der Menschen an das Krankenhaus stärken und „verhindern, dass es in einen Abwärtsstrudel gerät“. Sie verweist darauf, dass die Mitarbeiter jahrelang Gehaltseinbußen in Kauf genommen hätten, damit das Krankenhaus in eine gute Zukunft geführt werden könne. Alles umsonst.

Abwrackprämie für den Hohenlohekreis

Aber all das Engagement hat seine Grenzen, wenn die Politik den kleinen Krankenhäusern das Leben schwer macht. Ein Professor kommt zu Wort, der genau das kritisiert. Mit komplizierten Eingriffen verdienen Krankenhäuser derzeit richtig viel, mit Blinddarmoperationen lasse sich fast nichts verdienen. Wie soll da ein kleines Haus überleben können?

Über 110 Jahre ist das Haus in Künzelsau alt, als es geschlossen wurde. Als es soweit ist, macht das Wort „Abwrackprämie“ die Runde, beschreibt der Autor kurz den damaligen „Deal“, Künzelsaus Krankenhaus „sterben“ und Öhringens Krankenhaus weiterleben zu lassen. Aber ob das Geld in Öhringen nicht auch irgendwann knapp wird? Landrat Dr. Matthias Neth findet in dem Artikel kurz Erwähnung. Der SZ-Autor hat im Zuge der Recherche allerdings nicht mit ihm persönlich gesprochen beziehungsweise sprechen können. Dafür aber kommt ganz am Ende des Artikels Bürgermeister Stefan Neumann zu Wort, den die Frage beschäftigt, wie man das ehemalige Krankenhausgebäude nun weiter nutzen könne. Das Wort Tagespflege fällt. Und: „Der Bürgermeister sagt es nicht so, aber im Grunde schwebt ihm ein kleines Krankenhaus vor.“

Artikel in der Süddeutschen Zeitung über die Schließung des Krankenhauses in Künzelsau.

Artikel in der Süddeutschen Zeitung über die Schließung des Krankenhauses in Künzelsau.