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„Der weiße Fleck. Anleitung zu antirassistischem Denken“

Journalist und Autor Mohamed Amjahid ist zu Gast an der Hochschule Heilbronn (HHN): Er liest aus seinem aktuellen Buch „Der weiße Fleck“. Im Rahmen der Reihe wOrte wechseln sprechen Amjahid und die Moderatorin Sarah Bergh über Rassismus in Deutschland und das Zusammenleben in postmigrantischen Gesellschaften.  Die Lesung findet am 30. Juni 2022 im Foyer des T-Gebäudes (Nr. 14) am Bildungscampus Heilbronn statt. Beginn ist 19.30 Uhr.

Auseinandersetzung mit strukturellem Rassismus, die mit viel Leichtigkeit daherkommt

„Der weiße Fleck“ ist eine Auseinandersetzung mit strukturellem Rassismus, die mit viel Leichtigkeit daherkommt – ohne die Bedrohung zu verharmlosen, die Rassismus für Einzelne aber auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Deutschland birgt. Als „Anleitung zu antirassistischem Denken“ unterstützt das Buch dabei, eigene Privilegien zu erkennen und zu reflektieren, liefert aber vor allem Antworten auf die Frage „Was tun?“. Denn Rassismus, so Amjahid, kann man verlernen.

wOrte wechseln ist eine Kooperation der HHN, der Stadtbibliothek und der Stabsstelle für Partizipation und Integration der Stadt Heilbronn. Amjahid ist der dritte Gast in dieser Reihe, die danach fragt, was sich verändern muss, um die Potenziale einer vielfältigen Stadtgesellschaft zu erkennen und zu entwickeln.

„Dazu gehört auch, sich ernsthaft mit dem Thema Rassismus zu beschäftigen“, sagt Wibke Backhaus, Mitveranstalterin von der HHN. „Mohamed Amjahid haben wir eingeladen, weil sein Buch einer der wichtigsten Beiträge zur aktuellen Antirassismusdebatte ist, das es schafft, teils sehr komplexe Inhalte anschaulich greifbar zu machen.“

Über den Autor

Mohamed Amhjahid, geboren 1988 in Frankfurt M., ist in Deutschland und Marokko aufgewachsen. Der studierte Politikwissenschaftler arbeitet als Journalist und Autor. Für seine Bücher, Reportagen und Artikel ist er mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet worden. 2022 war er Fellow am Thomas Mann House in Los Angeles.

Weitere Informationen

Die Teilnahme ist kostenfrei, um Anmeldung via Mail an bibliothek@heilbronn.de wird gebeten.
Näheres zum Buch unter: Der weiße Fleck von Mohamed Amjahid | PIPER

Pressemitteilung Hoschschule Heilbronn




Schutz für Risikogruppen

Professorin Jennifer Niessner von der Hochschule Heilbronn (HHN) entwickelt laut einer Pressemitteilung Corona-Schutzmasken für Hochrisikopatienten mit chronischen Lungenerkrankungen. Ob beim Einkaufen oder der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel: Alltagsmasken sind in vielen Situationen Pflicht und tatsächlich stellen sie eine vielversprechende Option sowohl zum Selbst- als auch zum Fremdschutz vor SARS-CoV-2 dar. Besonders für Risikopatienten ist es wichtig, dass der Strömungswiderstand, der sogenannte Druckverlust der Masken, klein genug ist, sodass die Atmung nicht behindert ist. Falls nicht genug zertifizierte Masken verfügbar sind, werden selbst hergestellte Alltagsmasken als Option diskutiert. Es gibt allerdings nur wenige systematische und experimentelle Studien darüber, wie diese Masken am besten herzustellen sind, um ein hohes Schutzniveau – einen sogenannten hohen Abscheidegrad – bei einem tolerablen Druckverlust und gutem Tragekomfort zu erzielen. Dies erforscht aktuell Professorin Niessner, die Expertin ist auf dem Gebiet der Filterströmung. Bisher erforschte und entwickelte sie technische Filter wie zum Beispiel Ölnebelfilter in Fertigungshallen, Lufttrocknerkartuschen in Lkw-Bremsen oder Mikroplastikfilter für Waschmaschinen.

Aerosolforschung für Schutzmasken

Das Prinzip der Aerosolfilter ist auch für Schutzmasken ähnlich: Sie bestehen alle aus faserigen Filtermaterialien, mit Fasern, die einen Durchmesser von wenigen µm haben. Der einzige Unterschied ist die Materialwahl. Bei Feinstaub- und Aerosolnebelfiltern sind häufig Glasfasern im Einsatz, die aus gesundheitlichen Gründen nicht für Masken genutzt werden können. „Wir erforschen in unserem aktuellen Projekt BioPROTECT-Mask zunächst durch Strömungssimulationen, wie Masken optimal aufgebaut sein müssen. Wir testen also, welches Filtermaterial ideal geeignet ist, um möglichst viele Tröpfchen abzuhalten. Der sogenannte Abscheidegrad soll hoch sein, dies aber bei möglichst komfortabler Atmung, denn die fällt Risikopatienten ohnehin schwer“, erklärt Niessner in der Mitteilung.

Kooperation mit einem Industrie- und drei Klink-Partnern

Die Professorin kooperiert dazu sowohl mit drei Klink-Partnern in ganz Deutschland, die klinische Tests unter kontrollierten Bedingungen durchführen werden. Außerdem arbeitet Niessner mit Junker-Filter zusammen. Das Unternehmen stellt Filter her und wird die Prototypen der Masken für die klinischen Tests nach den Maßgaben des Forscherteams fertigen. Für den Entwurf optimierter Schutzmasken testet Niessner mit ihrem Team zunächst unterschiedliche Filtermaterialien, um schließlich die optimale 3D-Geometrie der Filter zu definieren. Diese virtuell optimierten Schutzmasken werden als reale Prototypen von Junker-Filter gefertigt und ebenfalls wieder Messungen von Druckverlust und Abscheidegrad sowie klinischen Tests unterworfen.

Ein Schritt weiter

In ihrer Masken-Forschung geht Niessner sogar noch einen Schritt weiter: „Auch der Einfluss der Tragedauer und der damit einhergehenden Durchfeuchtung der Maske sowie der Einfluss von Sterilisation werden untersucht, denn die optimale Maske bietet nicht nur guten Schutz und hohen Trage-Komfort, sondern erleidet auch keine Einbußen bei häufigem Waschen mit hoher Temperatur oder sonstigen Sterilisationsmaßnahmen“, erläutert Niessner. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt knapp 500.000 Euro gefördert und läuft bis Ende 2021.

Weitere Informationen unter https://www.hs-heilbronn.de/bio-protect 

Quelle: Pressemitteilung der HHN




Heilbronner Professor: „Die hohe Nachfrage nach Klopapier wird nachlassen“

Professor Markus Fittinghoff erläutert im Interview mit der Hochschule Heilbronn (HHN), wie sich COVID-19 auswirkt auf die Informations- und Materialflüsse in den Unternehmen. Er ist Spezialist für Intralogistik und lehrt im Studiengang Technisches Logistikmanagement.

HHN: Professor Fittinghoff, denkt man an Intralogistik könnte einem der Gabelstapler einfallen, der im Laden Ware von A nach B transportiert. Was steckt wirklich dahinter?

Fittinghoff: Die Intralogistik umfasst alle Informations- und Materialflüsse in den Unternehmen. Kurz gesagt: alle Prozesse von der Anlieferung der Materialien, über die Weiterverarbeitung in der Produktion bis zum Versand der Fertigprodukte.

„Handelsunternehmen erreichen nie dagewesene Spitzenumsätze.“

HHN: Leidet diese Prozesskette derzeit unter der Corona-Krise?

Fittinghoff: Die Auswirkungen sind je nach Branche unterschiedlich. Im Bereich des Handels kommen die Lieferketten mit dem Nachschub kaum nach und die Lager sind in vielen Sortimentsbereichen quasi leer. Bekannte Beispiele sind Hygieneartikel und Konserven. Da sehr viele nun auch aus dem Home-Office arbeiten, ist auch eine extrem hohe Nachfrage in der Elektronik-Branche zu registrieren. Handelsunternehmen erreichen nie dagewesene Spitzenumsätze. Dagegen sind andere Branchen, allen voran die Automobilindustrie, dem Nullpunkt nahe. Sowohl die Produktion von Komponenten als auch die Endmontage stehen still. Entsprechendes gilt für die Logistik, denn auch Zulieferer arbeiten bedarfsorientiert. Man könnte sagen, die gesamten Lieferketten sind wie „eingefroren“.

„Die Nachfragen werden später unter Normalwert absinken.“

HHN: Stichwort Klopapier. Könnte die hohe Nachfrage dazu führen, dass neue Lagerflächen benötigt werden, es diese aber nicht gibt und wir so nur noch vor leeren Regalen stehen?

Fittinghoff: Das kürzlich geschehene Einlagern großer Mengen Toilettenpapier in den privaten Haushalten ist – logistisch gesehen – ein Einmaleffekt. Das Virus befällt in der Regel ja nicht ausschlaggebend den Magen-Darm-Trakt und somit wird der Prokopf-Verbrauch nicht ansteigen. Die hohen Nachfragen werden nachlassen und später sogar unter Normalwert absinken, da Haushalte erst einmal ihre angesammelten Bestände verbrauchen, bevor sie nachkaufen.

„Eine Verlagerung der Produktionsstätten nach Europa ergibt Sinn.“

HHN: Wären Ihrer Meinung nach große Supermarkt-Lagerhallen eine vorbeugende Maßnahme, um nicht wieder in so ein „Waren-Loch“ zu fallen?

Fittinghoff: Nicht wirklich. Die Haltbarkeiten von Lebensmitteln sind bekanntermaßen begrenzt. Für Frischeprodukte müsste man energetisch sehr aufwändige Kühllager bauen. Auch Konserven müssen im Fluss bleiben und Klopapier ist aus logistischer Sicht ein eher ungünstiger Artikel, da es recht viel Volumen im Lager einnimmt. Bei Produkten wie Atemschutzmasken, Einmalhandschuhen und Schutzkleidungen für den Kliniken- und Pflegebereich sieht es anders aus. Die sind länger haltbar und einfacher zu lagern. Hier rechne ich fest damit, dass künftig größere Sicherheitsbestände aufgebaut werden. Auch eine Verlagerung der Produktionsstätten zurück nach Europa ergibt aufgrund der aktuellen Erfahrungen Sinn.

„Die Digitalisierung wird einen höheren Automatisierungsgrad ermöglichen.“

HHN: Mal das Positive herausziehen: Glauben Sie, dass es dank Corona möglicherweise zu ganz neuen Lieferwegen kommen könnte?

Fittinghoff: Aus meiner Sicht werden Themen aus der Industrie 4.0 in Verbindung mit Maschinellem Lernen und Künstlicher Intelligenz die Intralogistik und die Produktion erheblich verändern. Die Digitalisierung wird einen sehr viel höheren Automatisierungsgrad in Produktion und Intralogistik ermöglichen. Dadurch werden Verlagerungen von ganzen Produktionsstätten aus dem asiatischen Bereich zurück nach Europa wirtschaftlich. Sehr wichtig ist für die deutschen und europäischen Unternehmen dabei der Faktor Mensch.

„Jungen Menschen empfehle ich ein Studium im Bereich Logistik, Informatik und Automatisierung.“

HHN: Faktor Mensch – Studierende im Studiengang Technisches Logistikmanagement sind doch dann quasi die Retter in der Not von Morgen?

Fittinghoff: Die Unternehmen benötigen zukünftig Mitarbeiter, die den Wandel kompetent gestalten können. Jungen Menschen empfehle ich daher ein Studium im Bereich der Logistik, der Informatik und der Automatisierung. Dies alles verknüpft der Bachelor-Studiengang Technisches Logistikmanagement an der Hochschule Heilbronn. Die Studierenden lernen bei uns den Wandel zu meistern und Unternehmen größere Flexibilität zu geben.

„Es gibt spannende Projekte in unterschiedlichen Unternehmen.“

HHN: Die Hochschule Heilbronn ist bekannt dafür, sehr praxisnah auszubilden. Wie äußert sich das in Ihrem Studiengang?

Fittinghoff: Beispielsweise anhand unserer Labore. Die haben wir in den Bereichen Verpackung und Identifizierung, Werkstoffkunde, Automatisierung von Elektrotechnik über Antriebstechnik und Regelungstechnik sowie in der Fabrikplanung und Simulation. Zudem gibt es spannende Projekte direkt in unterschiedlichen Unternehmen, mit denen wir enge Kooperationen für unsere Studierenden aufgebaut haben.

„Man müsste belastbare Zahlen bekommen.“

HHN: Wird das Virus auch Ihren Lehrplan beeinflussen?

Fittinghoff: Insbesondere in der Simulation habe ich schon darüber nachgedacht, ob wir ein Corona-Modell zur Belastung der Kliniken mit Patienten in Deutschland aufsetzen könnten. Man müsste aufgrund des aktuellen Hypes allerdings belastbare Zahlen, insbesondere Aufenthaltsdauern der Patienten, dazu bekommen. Das ist im Moment etwas riskant, ich denke aber weiter darüber nach.

Quelle: Das Interview wurde von der Pressestelle der Hochschule Heilbronn zur Verfügung gestellt.




„Völlig unrealistisch“ – Können Autohersteller Beatmungsgeräte bauen? – Experte der Hochschule Heilbronn spricht Klartext

Die Hochschule Heilbronn hat angesichts der Coronapendemie ein Interview mit Patrick Balve, Professor für Logistikplanung und Organisation im Studiengang Produktion und Prozessmanagement (PPM) an der Hochschule Heilbronn (HHN), über die Herstellung von Beatmungsgeräten geführt.

HHN: Professor Balve, dass statt dem Pkw nun das Beatmungsgerät am Fließband gebaut wird, ist das denkbar?

Balve: Die Idee, dass jetzt Automobilhersteller binnen weniger Tage von der Montage eines Pkw auf Beatmungsgeräte umstellen könnten, ist völlig unrealistisch. Von der Geometrie und Größe sowie vom Fertigungsprinzip her, haben solche Geräte nichts mit Pkw zu tun. Möchte man einen Montagebereich auf ein grundlegend neues Erzeugnis umstellen, so gehen locker mehrere Monate ins Land. Und dann muss natürlich auch ein hohes, der Medizintechnik angemessenes Qualitätsniveau sichergestellt werden. Das braucht genauso viel Erfahrung wie bei der Herstellung eines Pkw – und damit Zeit. Sicherlich sinnvoll ist das Angebot der Automobilhersteller, oder auch der Zulieferindustrie, qualifiziertes Personal bereit zu stellen.

„Man braucht Vorlaufzeit, um die Montage und angrenzende Bereiche neu auszurichten.“

HHN: Sie lehren im Studiengang Produktion und Prozessmanagement – sind also ein wahrer Fachmann, wenn es ums Thema Produzieren geht. Warum können etablierte Hersteller solcher Geräte nicht einfach mehr herstellen?

Balve: Selbst führende Unternehmen mit einer beherrschten und eingeschwungenen Fertigung von Beatmungsgeräten können ihre Fertigungskapazität nicht ohne weiteres verdoppeln oder gar verdreifachen. Kurzfristig ginge das natürlich mit der Stammmannschaft durch Einführen zusätzlicher Schichten unter Ausnutzung der jeweiligen Arbeitszeitregelungen. Nicht jede Fertigungsstruktur ist aber geeignet, gleichzeitig auch höhere Stückzahlen zu verkraften. Damit wären wir wieder bei dem Problem, dass man Vorlaufzeit braucht, um die Montage und angrenzende Bereiche neu auszurichten. Und schließlich darf man nicht vergessen, dass wir ganze Zulieferketten auf die dann sprunghaft angestiegenen Bedarfe an Rohmaterialien, Teile und Vorkomponenten anpassen müssten. Als Ausweg könnte man zwar die Fertigung von Teilen im 3-D-Druck-Verfahren sehen – und auch dazu gibt es ja in der Region entsprechende Hilfsangebote – aber das betrifft nur ausgewählte Teile eines durchaus komplexen Beatmungsgeräts.

„Ganz ohne Nähmaschine, Betriebsmittel und entsprechende Textilien wird es nicht gehen.“

HHN: Stichwort Schutzausrüstung. Käme hier eine Produktion in Frage?

Balve: Was Firmen der Region anbieten, ist ja zunächst einmal die Bereitstellung von Atemschutz und Schutzkleidung. Beides wird aufgrund der häufig runtergefahrenen Produktion in den entsprechenden Betriebsbereichen vorübergehend nicht benötigt. Hier wird man aber nur die Mengen zu Verfügung stellen, die man in Übermaß auf Lager hat ohne dabei seine Möglichkeiten einzuschränken, in ein paar Wochen die Produktion wieder hochfahren zu können. Was die echte Herstellung von Filtermasken und Schutzkleidungen anbetrifft, da bin ich sicherlich kein Experte für, aber ganz ohne Nähmaschine, Betriebsmittel und entsprechende Textilien und Fasermaterialien wird es wohl nicht gehen, womit wir leider wieder bei der Beschaffungsproblematik wären.

Mit rund 8.400 Studierenden ist die Hochschule Heilbronn eine der größten Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg. Ihr Kompetenz-Schwerpunkt liegt auf den Bereichen Technik, Wirtschaft und Informatik. An vier Standorten in Heilbronn, Heilbronn-Sontheim, Künzelsau und Schwäbisch Hall bietet die Hochschule mehr als 50 Bachelor- und Masterstudiengänge an. Die Hochschule pflegt enge Kooperationen mit Unternehmen aus der Region und ist dadurch in Lehre, Forschung und Praxis sehr stark vernetzt.

Quelle: Das Interview wurde von der Pressestelle der Hochschule Heilbronn zur Verfügung gestellt.

Patrick Balve ist Professor für Logistikplanung und Organisation im Studiengang Produktion und Prozessmanagement (PPM) an der Hochschule Heilbronn (HHN). Foto HHN