So wird das nix mit dem Bahnverkehr
Es ist Dienstag, 9. August 2022. Eine Fahrt mit dem 9€-Ticket in die Landeshauptstadt Stuttgart steht auf dem Programm. Es ist ungefähr 07:45 am Morgen, der Bahnsteig 2 im Bahnhof Schwäbisch Hall-Hessental füllt sich. Pendler sind unter den Wartenden, aber auch viele offensichtliche Ausflügler. Alle, es werden um die 100 Menschen sein, warten sie auf den Regionalexpress RE90 um 08:03 nach Stuttgart, als die elektronische Anzeige informiert, dass sie noch etwas länger warten müssen. Genauer: Der Zug ist voraussichtlich 50 Minuten verspätet. Grund sei „eine verspätete Bereitstellung“.
Fahrplanaushang verwirrt
Am Fahrplanaushang ist verwirrendes zu lesen: Von Schienenersatzverkehr von und nach Gaildorf ist die Rede und von Bauarbeiten im Stuttgarter Tunnel, die den Fahrplan durcheinanderwürfeln könnten. Der Umstieg in die S-Bahn wird empfohlen. Welche Züge vom Schienenersatzverkehr betroffen sind, ist nicht leicht herauszufinden. In altbewährter Manier hat man einfach einen Gesamtfahrplan für alle Haltepunkte ausgedruckt, in dem einzelne Felder rot markiert oder durchgestrichen sind – die Bedeutung dieser beiden Kennzeichnungen, Ausfall oder Ersatzverkehr, ist nicht erklärt. Und wirklich lesen kann man diesen Fahrplan auch nicht, so tief ist er aufgehängt. Eine klare, deutliche und zielgerichtete Kommunikation sieht anders aus.
Ein einfacher Zettel würde schon reichen
Wie einfach wäre es doch, wenn man einen Zettel, der die vom Ersatzverkehr betroffenen Züge und deren Abfahrtszeiten klar und deutlich und nur für den jeweiligen Haltepunkt nennen würde. Man hat den Eindruck, dass jemandem das zu einfach wäre … aber: Wer in Hessental einsteigen will, den interessiert hauptsächlich, was er in Hessental vorfindet und interessiert sich kaum für den Haltepunkt in Fornsbach.
Die Hohenlohebahn war pünktlich
Ein Lichtblick ist, dass wenigstens die Hohenlohebahn pünktlich eintrifft, die ja auch schon des Öfteren wegen Personalmangels ausgefallen ist. Sie bringt weitere Menschen, die ebenfalls nach Stuttgart reisen wollen und die sich jetzt den Wartenden anschließen.
So fördert man den ÖPNV nicht
Ein leicht nutzbarer ÖPNV sieht anders aus. Einerseits ergibt der bundesweite Großversuch mit dem 9€-Ticket deutlich, dass ein Bedarf für den Bahnverkehr vorhanden ist und viele Menschen gerne den Zug nutzen würden, wenn das Angebot attraktiv wäre.
Andererseits sind die Bahnbetreiber, die Landesregierung als Auftraggeber der Bahnbetreiber und die DB Netz AG – ein Unternehmen der Deutschen Bahn, die zu 100% im Besitz des Bundes ist, überhaupt nicht auf einen höheren Bedarf vorbereitet.
Elfmeter verschossen
Zuverlässigkeit ist für einen ÖPNV essenziell. Wenn Pendler sich nicht auf die Verfügbarkeit und die Pünktlichkeit der Verkehrsmittel verlassen können, dann nutzen sie eben weiterhin das Auto. Die Chance, Menschen vom Auto auf den ÖPNV zu bringen, wird gerade von der Politik vergeben.
Eine Stunde wollten wir auf dem Bahnhof Hessental, der wirklich nicht zum Verweilen einlädt, dann nicht warten. Die Fahrt nach Stuttgart fiel aus.
Text: Matthias Lauterer