Der Hausbau hat sich innerhalb von acht Jahren um 20 Prozent verteuert.
Bezahlbarer Wohnraum zu finden wird immer schwerer, wie wir bereits in der April-Ausgabe 2018 thematisiert haben. Studenten treiben den Wohnungsengpass voran. Besonders an Sozialwohnungen herrscht Mangel. Auch Familien tun sich immer schwerer, im Hohenlohekreis etwas passendes und auch erschwingliches zu finden.
Wenn man keine passende Mietwohnung findet, hätte man die Option, sich ein Eigenheim zuzulegen. Aber ist das bezahlbar? Nadja Fischer hat sich mit dem Künzelsauer Architekten Andreas Graziadei unterhalten.
Sanierung kann Fass ohne Boden sein
Neubau oder doch lieber ein älteres Haus mit Charme sanieren? „Junge Familien entscheiden sich meist für einen Neubau. Bei einer Sanierung kann man vorher nie genau wissen, ob es ein Fass ohne Boden wird. Man reißt eine Wand ein und sieht erst dann, dass die Balken vermodert sind“, erzählt der Architekt Graziadei. Bei einem Neubau könne man etwas besser kalkulieren, auf welche Kosten man sich einlasse. Der Architekt: „Eine Familie mit ein bis zwei Kindern baut ein Haus mit ungefähr 120 bis 140 Quadratmeter. Ohne den Bauplatz liegt man da bei einem Preis von 250.000 Euro bis 380.000 Euro.“
Mittlerweile kosten Neubauten eine halbe Million Euro
Bei der Stadt Künzelsau fragen wir an, wie viel ein Bauplatz in Künzelsau und den Teilorten kostet. In Morsbach, Kocherstetten, Belsenberg und Amrichshausen liegt der Quadratmeterpreis zwischen 140 Euro und 155 Euro. Vor zehn Jahren sahen die Preise hier noch wesentlich charmanter aus. In der Würth-Stadt Gaisbach sind es sogar 220 Euro bis 250 Euro pro Quadratmeter, die der zukünftige Eigenheimbesitzer zahlen muss, um seinen Traum verwirklichen zu können.
Mit ein paar Extrawünschen beim Hausbau ist man schnell eine halbe Million Euro los. Hat ein Neubau schon immer so viel gekostet? „Der Hausbau ist innerhalb von acht Jahren um 20 Prozent teurer geworden“, so Graziadei. Nicht nur gestiegene Grundstückspreise und höhere Handwerkerlöhne sind dafür verantwortlich: „International gab es eine Preissteigerung des Materiales“, erklärt Graziadei und verwies auf die Zahlen des statistischen Bundesamtes.

Besonders die Materialkosten bei einem Neubau sind exorbitant in die Höhe geschossen.
Quelle: Statistisches Bundesamt 2017
Das statistische Bundesamt veröffentlicht jedes Quartal die aktuellen Zahlen. Schaut man sich die Statistik der Baupreise und Baukosten 2017 an, sieht man, dass die Preissteigerung vor allem bei den Erdarbeiten, den Klempnerarbeiten und bei den Gas-, Wasser- und Entwässerungsanlagen anfällt.

Alles wird teurer, insbesondere die Erd- und Klempnerarbeiten.
Quelle: Statistisches Bundesamt 2017
Ulrich Bopp, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn, erklärt: „Die Unternehmer selbst können relativ wenig für die Preissteigerungen. Die sehr hohe Lohnerhöhung von 5,8 Prozent mit vollem 13. Monatseinkommen sowie die überdimensionalen Materialpreiserhöhungen bei Bauprodukten tragen alleine in diesem Jahr zu einer enormen Preissteigerung bei. Es wäre fatal zu sagen, dass die erhöhten Kosten alleine den Handwerksbetrieben zugerechnet würden. Legitim ist aber auch, dass Handwerksbetriebe etwas verdienen dürfen, nein sogar müssen, um sich am Markt der Zukunft weiter behaupten zu können.“
Quelle: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Preise/Baupreise/FlyerBaupreiseBaukosten5612602177004.pdf?__blob=publicationFile