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Polizei warnt vor unseriösen Handwerkern

Aus aktuellem Anlass warnt die Polizei vor Flyern, die vermeintlich günstige Handwerkstätigkeiten bewerben. In einem Fall in Mulfingen hatte im Juli ein Mann einen angeblichen Gartenservice kontaktiert und den Mitarbeiter um ein Angebot für einen Außenzaun gebeten. Nachdem er einen völlig überteuerten Kostenvoranschlag in Höhe von 18.000 Euro genannt bekam, versuchte der vermeintliche Handwerker den potentiellen Kunden mit reduzierten Angeboten zu überzeugen – jedoch nur gegen Barzahlung. Geschädigte, die Ähnliches erlebt haben, sollen sich beim Polizeirevier Künzelsau, unter der Telefonnummer 07940 9400, melden.

Möglichst einen Fachbetrieb vor Ort suchen

Die Polizei rät: Wer nach einem Handwerker sucht, sollte möglichst nach einem Fachbetrieb vor Ort schauen. Am Telefon können sich Suchende nach dem genauen Sitz des Betriebs sowie nach Namen und Adresse erkundigen und auch nach dem konkreten Preis der Dienstleistung fragen. Die Suche nach einem Betrieb im Internet bietet ebenfalls Möglichkeiten, den Handwerker zu überprüfen. Es gilt die Internetseite der Firma genauer anzuschauen. Hinweise auf einen unseriösen Anbieter können beispielsweise das Fehlen eines Impressums oder viele identische Seiten einer Firma mit unterschiedlichen Ortsangaben sein.

Auf korrekte Rechnung bestehen

Bezahlen Sie niemals sofort und verlangen Sie nach Abschluss der Arbeit eine Rechnung. Prüfen Sie, ob die aufgeführten Leistungen auch erbracht wurden. Achten Sie auf eine rechtskonforme Rechnung (Firmenangabe, Steuernummer, Rechnungsnummer). Haben Sie erst im Nachhinein das Gefühl, betrogen worden zu sein, melden Sie den Vorfall bei Ihrer nächstgelegenen Polizeidienststelle und scheuen Sie sich nicht, Anzeige gegen die Firma zu erstatten.

Rückfragen bitte an:

Polizeipräsidium Heilbronn
Telefon: 07131 104 1010
E-Mail: heilbronn.pp@polizei.bwl.de
http://www.polizei-bw.de/

Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn




900 Euro sofort fällig

Ein aktueller Fall betrügerischer Handwerkerleistungen, der sich Mitte April 2020 in Künzelsau ereignet hat, beschäftigt derzeit die Polizei in Künzelsau. Das geht aus einer Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn hervor.

In einer Wohnung in Künzelsau war ein Abwasserproblem aufgetreten. Der Bewohner suchte im Internet nach einer Lösung. Der Mann wurde auf eine Website aufmerksam und rief eine dort hinterlegte Nummer an. Kurz nach dem Anruf kamen bereits zwei Männer bei dem Geschädigten vorbei. Nach angeblicher Schadensbehebung wurde ein Betrag von über 900 Euro fällig. Dieser war sofort fällig, Kreditkarten oder sonstige bargeldlose Zahlungsmittel akzeptierten die Männer nicht.

Zwar wurde dem Mann ein Rechnung ausgestellt, diese wies bei näherer Betrachtung jedoch Abweichungen zu einer seriösen Rechnung auf. Mit dem Hinweis, nun mindestens zwei Stunden kein Wasser zu verbrauchen, zogen die Unbekannten wieder von dannen. Das Abwasserproblem hingegen ließen die Monteure da. Der Firmenname auf der Rechnung führte die Beamten zu einem Mann, der bereits bundesweit wegen Betrug und Wucher auffällig wurde. Derzeit ist noch unklar, ob nur dessen Rechnung verwendet wurde oder ob der ermittelte Firmeninhaber hinter der Betrugstat steht. Da das Problem mit dem Abwasser weiterhin bestand, suchte die geschädigte Familie weiter nach einer Lösung im Internet.

Gleich fünf Telefonnummern wurden angeboten. Wie sich herausstellte, betrieb die erstgenannte Firma mehrere Webseiten unter verschiedenen Domänen. Die Ermittlungen der Polizei Künzelsau dauern an. Das Geschäft mit dem Notfall ist keine neue Betrugsmasche.

Die Polizei hat diesbezüglich Tipps für die Bevölkerung, damit niemand unseriösen Handwerkern auf den Leim geht:

1. Genau informieren: Informieren Sie sich gut über die ausgewählte Firma.
Fragen Sie konkret nach Firmensitz und möglichen Anfahrtskosten. Vereinbaren Sie einen Fixpreis für die von Ihnen geschilderte Leistung.

2. Nicht unter Druck setzen lassen: Unterschreiben Sie nichts, wenn Sie Zweifel haben. Bezahlen Sie niemals sofort und bestehen Sie auf eine Rechnung. Lassen Sie sich nicht durch Drohungen mit der Polizei oder mit Inkassounternehmen unter Druck setzen.

3. Hilfe holen: Rufen Sie die Polizei unter 110, wenn Sie bedroht werden. Holen Sie wenn möglich Nachbarn hinzu, die den Vorfall bezeugen und Sie bestärken können.

4. Rechnung prüfen: Wenden Sie sich an die Verbraucherzentrale, wenn Sie Fragen zur Rechnung haben.

5. Anzeige erstatten: Scheuen Sie sich nicht, Anzeige bei der Polizei gegen die Firma zu erstatten.

Weitere Informationen und wichtige Tipps finden Sie unter www.polizei-beratung.de.




Bei den 1.500 Bauarbeitern im Hohenlohekreis droht 10-Euro-Lohn-Lücke

Zwei Bauarbeiter, die gleiche Arbeit – und trotzdem zwei unterschiedliche Löhne: Gut 10 Euro könnten die Löhne pro Stunde auf den Baustellen im Hohenlohekreis bald auseinandergehen. Denn Bauarbeiter, die keinen Tariflohn bekommen, müssen jetzt sogar um ihren Branchen-Mindestlohn bangen. Das teilt die IG BAU Stuttgart in einer Pressemitteilung mit. Darin heißt es weiter: Betroffen davon könnte ein Großteil der rund 1.500 Bauarbeiter im Hohenlohekreis sein.

„Bauhandwerk und Bauindustrie müssen jetzt das tun, was die IG BAU schon gemacht hat: Die Arbeitgeber müssen nämlich einem Schlichterspruch und damit neuen Bau-Mindestlöhnen zustimmen. Passiert das nicht, droht dem Bau im Hohenlohekreis schlimmstenfalls der gesetzliche Mindestlohn von 9,35 Euro pro Stunde als unterste Verdienstgrenze. Jetzt hängt alles am seidenen Faden der Arbeitgeber“, sagt IG BAU-Bezirksvorsitzender Mike Paul.

„Diese Bau-Mindestlöhne sind die Lohn-Stoppschilder nach unten“

Der Schlichterspruch sieht vor, dass die Branchen-Mindestlöhne auf dem Bau ab April steigen – und zwar auf 12,55 Euro für Hilfsarbeiten (Mindestlohn 1) und auf 15,40 Euro für Facharbeiten (Mindestlohn 2). „Diese Bau-Mindestlöhne sind die Lohn-Stoppschilder nach unten. Und genau die braucht der Bau ganz dringend. Wenn die Arbeitgeber die neuen Branchen-Mindestlöhne allerdings nicht akzeptieren, dann wäre das ein Lockruf an alle Billig-Firmen aus dem In- und Ausland, als Dumping-Konkurrenz auf den Markt zu drängen. Diese Billigheimer würden dann ordentlich arbeitenden und anständig – nämlich den Tariflohn – bezahlenden Unternehmen im Hohenlohekreis wirtschaftlich das Handwerk legen“, sagt Paul. Der Vorsitzende der IG BAU Stuttgart warnt die heimischen Bauunternehmen davor, sich hier auf einen „Kamikaze-Kurs“ einzulassen.

Der Countdown dazu laufe bereits: Die Arbeitgeber müssen bis zum kommenden Freitag – also bis zum 17. Januar – grünes Licht für höhere Mindestlöhne auf dem Bau geben. Die IG BAU ruft deshalb „alle anständigen Bauunternehmen im Landkreis auf, im Schulterschluss mit anderen als ‚starke Baden-Württemberg-Kraft‘ klare Signale an den Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) und an den Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB) zu senden – und zwar für das Akzeptieren der neuen Bau-Mindestlöhne.

„Hier steht viel auf dem Spiel“

„Hier steht viel auf dem Spiel. Nämlich der faire Wettbewerb bei fairer Bezahlung. Der Bau darf nicht zur Niedriglohn-Branche werden. Denn die Folgen für die Beschäftigungsentwicklung wären verheerend – und das mitten im Bau-Boom: Selbst Facharbeiter würden dann abwandern. Vom Niedriglohn-Image der Baubranche und ihrem fehlenden Nachwuchs ganz zu schweigen“, macht Mike Paul klar. Gerade jungen Menschen müsse das Signal gegeben werden, dass der Bau eine boomende Branche mit Zukunft sei, in der man was Tolles schaffen, den Erfolg seiner Arbeit sehen und gutes Geld verdienen könne.

Mit dem Tariflohn sei die „Lohnlatte“ fair gelegt. Der Basis-Tariflohn für einen erfahrenen Maurer, Zimmerer oder Straßenbauer im Hohenlohekreis liege derzeit bei 20,63 Euro. „Würden Unternehmen, die nicht an den Tariflohn gebunden sind, künftig lediglich den gesetzlichen Mindestlohn von derzeit nur 9,35 Euro bezahlen, dann würde das eine krasse Kluft von über 10 Euro beim Stundenlohn bedeuten. Das würde der Bau nicht verkraften. Denn das würde zu Lasten der Unternehmen gehen, die für fairen Wettbewerb und Qualität stehen“, so Paul. Dem Bau drohe dann ein regelrechter Preiskampf.

Genau dieser Punkt habe den Präsidenten des Bundessozialgerichts, Prof. Dr. Rainer Schlegel, als Schlichter für das Bauhauptgewerbe offensichtlich bewogen, sich für neue Bau-Mindestlöhne auszusprechen. „Dieser Schlichterspruch ist für alle Seiten – für die IG BAU, die ihm bereits zugestimmt hat, vor allem aber für Bauhandwerk und Bauindustrie – akzeptabel. Zum Wohle der Branche wird’s jetzt Zeit, dass auch die Arbeitgeber ihn akzeptieren“, fordert der Vorsitzende der IG BAU Stuttgart, Mike Paul. Wie es tarifpolitisch dann auf dem Bau weitergeht, darüber werden IG BAU und Bau-Arbeitgeber bereits im Frühjahr verhandeln: Dann steht nämlich die neue Lohn-Tarifrunde an.

Quelle: Pressemitteilung der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt

 

 




Luxus Eigenheim

Der Hausbau hat sich innerhalb von acht Jahren um 20 Prozent verteuert.

Bezahlbarer Wohnraum zu finden wird immer schwerer, wie wir bereits in der April-Ausgabe 2018 thematisiert haben. Studenten treiben den Wohnungsengpass voran. Besonders an Sozialwohnungen herrscht Mangel. Auch Familien tun sich immer schwerer, im Hohenlohekreis etwas passendes und auch erschwingliches zu finden.

Wenn man keine passende Mietwohnung findet, hätte man die Option, sich ein Eigenheim zuzulegen. Aber ist das bezahlbar? Nadja Fischer hat sich mit dem Künzelsauer Architekten Andreas Graziadei unterhalten.

Sanierung kann Fass ohne Boden sein

Neubau oder doch lieber ein älteres Haus mit Charme sanieren? „Junge Familien entscheiden sich meist für einen Neubau. Bei einer Sanierung kann man vorher nie genau wissen, ob es ein Fass ohne Boden wird. Man reißt eine Wand ein und sieht erst dann, dass die Balken vermodert sind“, erzählt der Architekt Graziadei. Bei einem Neubau könne man etwas besser kalkulieren, auf welche Kosten man sich einlasse. Der Architekt: „Eine Familie mit ein bis zwei Kindern baut ein Haus mit ungefähr 120 bis 140 Quadratmeter. Ohne den Bauplatz liegt man da bei einem Preis von 250.000 Euro bis 380.000 Euro.“

Mittlerweile kosten Neubauten eine halbe Million Euro

Bei der Stadt Künzelsau fragen wir an, wie viel ein Bauplatz in Künzelsau und den Teilorten kostet. In Morsbach, Kocherstetten, Belsenberg und Amrichshausen liegt der Quadratmeterpreis zwischen 140 Euro und 155 Euro. Vor zehn Jahren sahen die Preise  hier noch wesentlich charmanter aus. In der Würth-Stadt Gaisbach sind es sogar 220 Euro bis 250 Euro pro Quadratmeter, die der zukünftige Eigenheimbesitzer zahlen muss, um seinen Traum verwirklichen zu können.

Mit ein paar Extrawünschen beim Hausbau ist man schnell eine halbe Million Euro los. Hat ein Neubau schon immer so viel gekostet? „Der Hausbau ist innerhalb von acht Jahren um 20 Prozent teurer geworden“, so Graziadei. Nicht nur gestiegene Grundstückspreise und höhere Handwerkerlöhne sind dafür verantwortlich: „International gab es eine Preissteigerung des Materiales“, erklärt Graziadei und verwies auf die Zahlen des statistischen Bundesamtes.

Besonders die Materialkosten bei einem Neubau sind exorbitant in die Höhe geschossen.
Quelle: Statistisches Bundesamt 2017

Das statistische Bundesamt veröffentlicht jedes Quartal die aktuellen Zahlen. Schaut man sich die Statistik der Baupreise und Baukosten 2017 an, sieht man, dass die Preissteigerung vor allem bei den Erdarbeiten, den Klempnerarbeiten und bei den Gas-, Wasser- und Entwässerungsanlagen anfällt.

Alles wird teurer, insbesondere die Erd- und Klempnerarbeiten.
Quelle: Statistisches Bundesamt 2017

Ulrich Bopp, Präsident der Handwerkskammer Heilbronn, erklärt: „Die Unternehmer selbst können relativ wenig für die Preissteigerungen. Die sehr hohe Lohnerhöhung von 5,8 Prozent mit vollem 13. Monatseinkommen sowie die überdimensionalen Materialpreiserhöhungen bei Bauprodukten tragen alleine in diesem Jahr zu einer enormen Preissteigerung bei. Es wäre fatal zu sagen, dass die erhöhten Kosten alleine den Handwerksbetrieben zugerechnet würden. Legitim ist aber auch, dass Handwerksbetriebe etwas verdienen dürfen, nein sogar müssen, um sich am Markt der Zukunft weiter behaupten zu können.“

 

Quelle: https://www.destatis.de/DE/Publikationen/Thematisch/Preise/Baupreise/FlyerBaupreiseBaukosten5612602177004.pdf?__blob=publicationFile