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Die Irrungen und Wirrungen des Herrn Braun

Nun sind wir an diesem Punkt der Debatte angelangt, der noch 2020 Kopfschütteln in Deutschland ausgelöst hat, als Isreal die Impflicht quasi durch die Hintertür eingeführt hat, indem Geimpfte ihre Grundrechte zurückbekommen.

Nur noch ins Kino, wenn man vollständig geimpft ist

Nun, nur ein Jahr später, wird auch in Deutschland heftig darüber diskutiert, ob Geimpfte ihre vollständigen Rechte wiederbekommen und Nicht-Geimpfte eben nicht. Konkreter gesagt: Ab Herbst 2021 dürften dann nur noch vollständig Geimpfte ins Restaurant oder ins Kino gehen. Alle anderen können dann im wahrsten Sinne nur noch in die heimische Röhre schauen. DiesenVorschlag hatte unlängst etwa Kanzleramtsminister Helge Braun gemacht.

Urlaub ist für Familien derzeit schon ein Pokerspiel angesichts der drohenden Quarantäne

Was bei der ganzen Diskussion aber völlig vergessen wird, sind die Familien mit Kindern unter 12 Jahren, für die es noch keine adäquate Impfung gibt. Hier wird sogar der Urlaub schon problematisch, weil sie durch steigende Inzidenzen immer häufiger wieder gezwungen werden, einen nicht gerade angenehmen PCR-Test über sich ergehen zu lassen, wenn nicht sogar in Quarantäne nach dem Urlaub zu müssen. Ergo verzichten viele Familien lieber freiwillig auf ihren wohlverdienten Urlaub.

Ausschluss von kulturellen Veranstaltungen

Nun droht ihnen auch noch der Ausschluss aus kulturellen Veranstaltungen und Restaurantbesuchen. Was ist das für ein Signal, das hierzulande immer mehr gesendet wird?

Politische Sommerpause müssen für adäquate Schulkonzepte genutzt werden

Warum nutzen Politiker nicht die Sommerpause mit den niedrigen Coronazahlen, um sich für die kommende vierte Welle im Herbst / Winter 2021 / 2022 zu rüsten? Seit Monaten ist klar, wohin es gehen muss: Weg von der Kopplung der stark schwankenden Inzidenzen mit der Schließung sämtlicher Läden und Schulen. Hin zu einer Fokussierung auf den Schweregrad der Coronaerkrankungen, also eine Verschiebung des Fokusses auf die Intensivbettenbelegung. Denn: Viele haben Corona, aber keinen schweren Verlauf. Dabei sind Kinder keine Treiber von Coronaverbreitungen, im Gegenteil. Als die Schulen offen waren, waren die Ansteckungen überschaubar. Was nun hinzu kommt: Alle Lehrer, die geimpft werden wollten, konnten sich impfen lassen.

Erneute Schulschließungen wären fatal

Es wäre fatal, die Schulen noch einmal über einen so langen Zeitraum zu schließen und wieder ins homeschooling zu gehen. Es muss möglich sein und es ist auch möglich, die Schulen bei einer vierten Welle offen zu lassen. Und auch Deutschland sollte bis September 2021 so weit entwickelt sein, nicht wieder die Stoßlüften-Methode anwenden zu müssen, sondern adäquate Raumlüfter für die Klassenzimmer bereitzustellen. Für die Lufthansa-Corona-Subvention hatte man schließlich auch Millionen übrig.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann




Es geht sehr wohl um die Grundrechte

In seiner Zornesrede vor wenigen Tagen hat unser GSCHWÄTZ-Redakteur Matthias Lauterer die Meinung vertreten, dass es bei den Querdenker-Demo in Stuttgart am Karsamstag nicht um die Grundrechte geht. GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Sandra Hartmann sieht das anders. Ein Gegenkommentar.

Etwas Enttäuschung schwebt schon im Raum

Es geht sehr wohl um die Grundrechte, wenn eine fünfstellige Zahl an Bürgern allein in Stuttgart demonstriert. Und viele demonstrieren hier nicht gegen das Coronavirus, ein Mitdemonstrieren bedeutet auch nicht gleichzeitig, dass man ein Coronaleugner ist. Es gibt viele Bürger, die sich mittlerweile einfach nur besorgt über die massive Beschneidung der Grundrechte zeigen. Und wie kann man das besser zum Ausdruck bringen als in einer Demo? Ich bezweifle, dass auch nicht alle, die dort waren, einfach die Coronaregeln missachtet haben. Es wird wie so oft gewesen sein: Die Presse vor Ort lichtet die im negativen Sinne exemplarisch besten Fälle von Bürgern ab, die keine Maske tragen und sich nicht an Abstandsgebote halten. Es gibt aber auch genügend Demonstranten, die am Rande stehen, sich an die Regeln halten, die an Corona glauben, die aber (manche) Verordnungen hinterfragen und die nach einem Jahr Lockdown mit Pausen einfach ausgebrannt sind. Finanzielle Sorgen kommen hinzu und eine ernüchternde Enttäuschung schwebt schon im Raum, dass nach über einem Jahr mit diesen strikten Maßnahmenpaketen die Zahlen nicht besser sind.

Die nächste Lockdownstufe

Die nächste Stufe des Lockdowns wären dann flächendeckende ganztägige Ausgangssperren für alle. Und selbst dann würde sich das Virus weiterverbreiten. Bei der Arbeit, in den Kindergärten. Freiwillige oder verpflichtende Tests vor Ort müssten eigentlich bereits zu Hause durchgeführt werden, um mit dem Virus nicht spazieren zu gehen. Aber zu Hause, so die Angst mancher Stadtverwaltung, werde vielleicht nicht richtig getestet. Während Künzelsau etwa die Selbsttests für die Schüler:innen den Eltern mit nach Hause gibt, sollen die Kitakinder im Kindergarten in Niedernhall regelmäßig vor Ort im Kindergarten getestet werden.

Man dürfte schon etwas mehr Vertrauen in die Bürger:innen haben

Ein bisschen mehr Eigenverantwortung sollte man den Bürger:innen aber schon zutrauen. Denn je mehr ich selbst daran mitbestimmen, je mehr man selbst Teil der Lösung eines Problems sein kann, desto mehr sind die Menschen auch bereit dazu. Wenn man alles nur verordnet bekommt und fast keine Entscheidung darüber selbst treffen kann, stellt sich automatisch irgendwann eine Abwehrhaltung bei einer nicht zu unterschätzenden Zahl ein, insbesondere dann, wenn  man merkt, dass die verordneten Maßnahmen nicht zum Erfolg führen.

Damit käme der Brückenlockdown einem Dauerlockdown gleich

Deshalb wäre es am wichtigsten, besser zu erklären, warum man die Maßnahme X nun eingeführt hat und nicht Alternative B oder C. Die Bürger sind mündig, aber sie wollen mitgenommen werden, glaubwürdig mitgenommen werden – von einer nicht-korrupten Regierung. Man denke nur an den Maskenskandal der CDU, der bislang zu kaum einer Konsequenz geführt hat. Auch das nun von Armin Laschet in den Raum geworfene Wort des „Brückenlockdowns“ ist an Euphemismus kaum zu überbieten, meint er damit nicht etwa, ein Brückenlockdown über die Feiertage, sondern ein Brückenlockdown, bis mehr beziehungsweise die meisten Menschen geimpft. Unkonkreter geht es eigentlich kaum mehr, was auch nicht gerade förderlich für die Motivation der Bürger:innen ist. Damit käme der Brückenlockdown einem Dauerlockdown gleich.

Eine Perspektive geben sieht anders aus.