Durch die Stadt cruisen und dabei kein bisschen Abgase in die Luft blasen – das versprechen Elektroautos. Sie gelten deshalb gemeinhin als umweltfreundlicher als Diesel- oder Benzin-Fahrzeuge. Fahrzeuge, die nur von einer Batterie angetrieben werden, sind zudem noch grüner als sogenannte Plug-in-Hybride oder Fahrzeuge mit kleinem Zusatzmotor. Doch auch wenn tatsächlich hinten nichts rauskommt: Die grüne Umweltbilanz der E-Autos steht und fällt mit der Herstellung des Kraftstoffs und der Stromer selbst – besonders der Batterien.
Neue Dieselfahrzeuge stehen mittlerweile besser da
Das Bundesumweltministerium (BMU) hat in seiner Bilanz zur Umweltfreundlichkeit von Elektroautos Fahrzeuge mit konventionellem Antrieb und Stromer direkt verglichen und kommt zu dem Schluss: „Der
Rohstoffaufwand ist bei Elektroautos höher als bei konventionellen Fahrzeugen, ebenso die Masse des insgesamt ausgestoßenen Feinstaubs. Bei den Stickoxidemissionen stehen insbesondere Dieselfahrzeuge mittlerweile besser da, da sie mit Neuzulassung ab 2020 die gesetzlichen Grenzwerte auch im realen Betrieb weitgehend einhalten.“ Doch komme es auch darauf an, wo die Emissionen ausgestoßen werden. Im belasteten Stadtverkehr beispielsweise biete das Elektrofahrzeug aufgrund seiner Emissionsfreiheit Vorzüge.
Große Mengen an Rohstoffen werden benötigt
Weiter schreibt das BMU: „Beim kumulierten Rohstoffaufwand schneiden Elektrofahrzeuge hingegen heute noch schlechter ab als verbrennungsmotorische Fahrzeuge. Für die Herstellung der Fahrzeugkomponenten werden schlicht mehr Rohstoffe benötigt.“ So werde für die Lithium-Ionen-Batterien große Mengen an Kobalt benötigt, „welches sowohl für seine sozial und ethisch problematischen Förderbedingungen als auch für seine hohen Umweltlasten in der Kritik steht. Hinzu kommen große Mengen an Kupfer und Nickel zum Einsatz, die ebenfalls mit Umweltlasten verbunden sind. Zuletzt wird auch bei Lithium häufig hinterfragt, welche Folgen dessen Gewinnung hat.“
Blick in die Zukunft
Deshalb hat das BMU Wiederverwertungsvorgaben für Batterien und Fahrzeuge eingeführt. Und es gebe bereits Batterien, die ohne Kobalt auskommen. Das BMU schaut hier in die Zukunft: „Hinsichtlich des gesamten Rohstoffaufwandes haben Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor einen Vorteil. Hier besteht noch Verbesserungspotenzial, insbesondere im Bereich der Energiespeicher. Die Weiterentwicklung von Produktion, Materialeffizienz und Speichertechnologie wird die Bilanz aller Voraussicht nach deutlich verbessern.“
Herstellung wird immer umweltfreundlicher
Auch im SWR3-Faktencheck heißt es: „Bei der Herstellung eines nagelneuen E-Autos werden mehr CO2-Emissionen produziert als bei einem nagelneuen Verbrenner. Zu diesem Zeitpunkt hat das E-Auto einen deutlich größeren CO2-Rucksack auf dem Buckel als unsere klassischen Pkw.“ Allerdings werde auch damit gerechnet, dass die Herstellung der Fahrzeuge in Zukunft immer umweltfreundlicher wird, je weiter die „Technologien für erneuerbare Energien voranschreiten“. Immer mehr Autohersteller tüfteln daran, wie sie ihre Produktion CO2-neutral machen können – wie beispielsweise der VW-Konzern in seinem Werk in Zwickau.
Schlechtere Ökobilanz bei herkömmlich produziertem Strom
Wird ein Stromer rund 14.000 Kilometer im Jahr gefahren, so benötigt er etwa 3.000 Kilowattstunden Strom, schreibt das Öko-Institut e.V. auf seiner Homepage. Das entspreche etwa der Strommenge, die ein Zwei-Personen-Haushalt durchschnittlich pro Jahr verbraucht. Das ist aber nur dann wirklich grün, wenn der Strom aus regenerativen Quellen stammt – am besten noch selbst erzeugt mittels Fotovoltaikanlage auf dem Hausdach des Fahrzeughalters. Fährt also ein Elektroauto im schlechtesten Fall mit Kohlestrom – wie in Deutschland noch häufig der Fall – fällt die Ökobilanz deutlich schlechter aus.
Wind sorgt für eine positive Bilanz
Doch daran wird gearbeitet. Laut Bundesministerium für Wirtschaft und Energie betrug im Jahr 2020 der Anteil der Erneuerbaren am Stromverbrauch auf 46 Prozent – mit steigender Tendenz. Allerdings wurde diese positive Bilanz laut Statistischem Bundesamt im ersten Quartal 2021 zunichtegemacht, weil dieses im Vergleich zu den Vorjahren eher windarm war: „Während der Strom im 1. Quartal 2020 mehrheitlich aus erneuerbaren Energiequellen stammte (51,4 %), wurde der Strom im 1. Quartal 2021 zu 59,3 % aus konventionellen Energieträgern erzeugt. Im Vergleich zum Vorjahresquartal stieg die Stromeinspeisung aus konventionellen Energieträgern um 18,9 %. Die Einspeisung von Strom aus erneuerbaren Energien sank dagegen um 23,0 %.“
Verkehrswende nur mit Elektroauto
Das BMU zieht das Fazit: „Elektrofahrzeuge können nicht die einzige Strategie sein, um den Zielen des
Klima- und Umweltschutzes im Straßenverkehr gerecht zu werden. Eine nachhaltige Verkehrswende gelingt nur, wenn der Fokus auch auf Vermeidung und Verlagerung gelegt wird.“ Doch weil auch in Zukunft motorisierte Fahrzeuge einen erheblichen Anteil am Verkehr haben werden, müsse der Autoverkehr klima- und umweltfreundlicher werden. Und dann führt am Elektroauto kein Weg vorbei.
Text: Sonja Bossert