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„Meine größte Angst war, andere anzustecken“

Die Wartezimmer sind voll, die Leute stehen Schlange – alles nur wegen einer Impfung, die im Vorjahr noch als überflüssig und nicht dringend notwendig galt. Es geht um die Grippeimpfung, welche die Influenza, also den Grippevirus vorbeugen soll. GSCHWÄTZ-Mitarbeiterin Cora-Lee Pusker (15) hat sich impfen lassen. Über ihre Beweggründe schreibt sie hier.

Es hat nicht viel Überredungskunst gebraucht

Dieses Jahr habe ich mich dazu entschieden, mich impfen zu lassen. Ich habe Angst vor Spritzen, aber dennoch hat es bei mir nicht viel Überredungskunst gebraucht, um mich zu überzeugen. Letztes Jahr war ich allerdings auch eine von denen, die es nicht zwingend für nötig gehalten haben, sich impfen zu lassen. Deswegen habe ich es damals auch noch nicht gemacht. Aber wie jeder weiß, ist 2020 ein spezielles Jahr. Das sogenannte „Corona-Jahr“. Als ich gehört habe, dass sich die Arzthelferinnen von meinem Arzt gegen die Grippe impfen lassen sollten, bin ich auf die Impfung aufmerksam geworden.

Das Thema wirft Fragen auf

Ich habe viel mit meinen Mitmenschen darüber gesprochen und ihnen einige Fragen gestellt zum Thema Grippeimpfung, wie zum Beispiel, ob das mit meinen 15 Jahren überhaupt sinnvoll ist. Wir haben viel darüber diskutiert sowie ausgetauscht, aber letztendlich haben mir alle die Entscheidung überlassen, ob ich es tun will oder nicht. Also habe ich mir selbst eine Meinung zu diesem Thema gebildet und mich entschieden, mich impfen zu lassen.

Ich bin erleichtert, schon geimpft zu sein

Nach dem Bestellen der Impfung kam die Zeit des Wartens. Ich habe mich oft gefragt, wann die Impfung endlich ankommt beziehungsweise, ob sie schon da ist. Ich hatte keine Panik, dass es so lange gebraucht hat, da ich zu keiner Risikogruppe gehöre, noch jung und gesund bin. Aber ich wollte das Impfen dennoch so schnell wie möglich hinter mich bringen. Ich befürchtete, dass ich mich noch vor der Impfung mit dem Influenzavirus anstecke und dadurch auch zum Überträger werde. Das war meine größte Angst und auch der letztendlich entscheidende Grund, weshalb ich mich impfen ließ. Um für mich und andere das Risiko zu senken, sich mit dem Influenzavirus anzustecken, wenn Corona auch noch ein Risiko darstellt.

Der frühe Vogel fängt den Wurm

Dieses Jahr wurde ich schon geimpft, aber andere warten noch auf ihre Impfung. Die Impfdosen, die mein Arzt Anfang März 2020 bestellt hat, lassen noch immer auf sich warten. Voraussichtlich sollen sie aber noch im November 2020 geliefert werden. Zum Glück habe ich mich schnell entschieden, denn so konnte mein Arzt für mich und meine zwölfjährige Schwester jeweils ein Rezept ausstellen. Anfang Oktober hat unser Arzt die Impfdosen bestellt, angekommen sind sie erst am 24. Oktober 2020. An diesem Tag sind wir gleich geimpft worden. Warum sie erst so spät angekommen ist, ist leicht zu beantworten. Es gibt in ganz Deutschland Lieferengpässe bei der Grippeimpfung, sodass sogar Einzelrezepte wie die von mir und meiner Schwester bis zu einem Monat Lieferzeit gebraucht haben. Unser Hausarzt hatte anfangs Impfungen vorrätig, die innerhalb von drei Tagen aufgebraucht waren. Die Apotheke konnte nochmal einige auftreiben. Diese waren für die Altenheimpatienten, die Hausbesuchspatienten, also chronisch kranke Menschen, die nicht mehr selbstständig zu ihrem Hausarzt gehen können, vorgesehen. Alle Altenheimpatienten sind geimpft worden, jedoch nicht alle Hausbesuchspatienten haben die Impfung in Anspruch genommen, obwohl sie zur Risikogruppe gehören. Dennoch hatten diese Patienten Vorrang – aufgrund des Alters und ihres gesundheitlichen Zustandes.

Ich werde mich auch nächstes Jahr wieder gegen die Grippe impfen lassen

Auch nächstes Jahr werde ich mich wieder impfen lassen. Warum? Viele Menschen wissen nicht, dass man sich jedes Jahr gegen Grippe impfen lassen sollte, um sich effektiv zu schützen, wie auch die Ständige Impfkommission (STIKO) generell rät. „Alle Personen, für die eine Influenza-Impfung empfohlen wird – oder Personen, die sich richtig schützen wollen – sollten sich jedes Jahr im Oktober bis Mitte Dezember impfen lassen. Da das Influenzavirus sehr wandlungsfähig ist, ist eine jährliche Anpassung des Impfstoffs und entsprechend eine jährliche Impfung notwendig. Gerade im Rahmen der COVID-19-Pandemie ist eine hohe Influenza-Impfquote bei Risikogruppen essenziell, um in der Grippewelle schwere Influenza-Verläufe zu verhindern und Engpässe in Krankenhäusern (unter anderem bei Intensivbetten, Beatmungsplätzen) zu vermeiden, wie das Robert-Koch-Institut empfiehlt.“ Deswegen habe ich mich entschieden, dass ich mich auch nächstes Jahr wieder gegen die Grippe impfen lassen werde.

Positive Aspekte

Schlussendlich kann man sagen, dass die Grippeimpfung etwas Positives ist, wenn man sie regelmäßig bekommt. Dennoch lässt sich nicht jeder impfen. Ich bin erleichtert, schon geimpft zu sein.   So habe ich die Sorge, mich mit der Grippe anzustecken, schon einmal weniger, denn dieses Jahr hat man genug Sorgen mit dem Corona-Virus. Dank Corona habe ich gemerkt, dass man froh sein sollte über jeden Impfstoff, der sämtliche Entwicklungs- sowie Teststufen durchlaufen hat und somit auch sinnvoll nutzbar ist.

Text: Cora-Lee Pusker

Es geht los: Cora-Lee Pusker erhält ihre Spritze. Foto: GSCHWÄTZ

Erleichterung: Die Impfung ist erledigt. Foto: GSCHWÄTZ

Auch Cora-Lees Schwester hat sich impfen lassen. Foto: GSCHWÄTZ

Der Impfstoff. Zurzeit sind die Grippe-Impfdosen knapp. Foto: GSCHWÄTZ