Zu Besuch am schönsten Arsch der Welt
Der Musiker Gregor Meyle gastierte im August 2017 im Rahmen der Burgfestspiele zu zwei Sommerkonzerten in Jagsthausen. Im persönlichen Gespräch mit GSCHWÄTZ plauderte der 39-Jährige über seine Kindheit und seine Karriere.
Aufgewachsen ist Gregor Fabian Meyle im beschaulichen Ernsbach. Mit 14 zog er über den Berg nach Jagsthausen. Bevor er 20 wurde, hatte er bereits seine erste eigene Wohnung. „Das Kocher- und Jagsttal, das ist meine Heimat“, sagt der Mann mit Hut und Brille. Hier erlebte er alle grundlegenden Dinge und ebnete sich den Weg in Richtung Musikstar. Nach der mittleren Reife war er als Tontechniker unterwegs. „Da bin ich als Roady mitgefahren“, erzählt er. Musik aber hat der sympathische junge Mann immer schon gemacht. Im Grundschulalter hatte er Gitarrenunterricht. Heute beherrscht er nahezu jedes Instrument, das Saiten hat. Und auch dem Klavierspielen näherte er sich an. „Mit dem Klavier entstehen viele neue Songs“, so Meyle. Außerdem hatte Gregor Meyle bereits zu Teenagerzeiten eine eigene Band, mit der er unter anderem im Kulturbahnhof in Künzelsau auftrat.
Wie es zu seinem musikalischen Durchbruch kam, war Schicksal
Er schrieb bereits früh eigene Songs und hob sich so von der breiten Masse ab. Als er volljährig wurde, ließ er die Musik ein wenig schleifen, da er viel als Tontechniker arbeitete. 2002 verließ Meyle Baden-Württemberg und zog nach Köln. Heute lebt der Familienvater im Bergischen Land. Wie es zu seinem musikalischen Durchbruch kam, war Schicksal.

Auftritt in Jagsthausen 2017. Meyle ist in Forchtenberg-Ernsbach aufgewachsen.
Foto: GSCHWÄTZ/Kähny
Sein Bruder arbeitete bei Stefan Raab und war mit den Spielen für die Fernsehshow „Schlag den Raab“ betraut. Er ermutigte ihn, bei einer neuen Musik-Castingshow von Raab mitzumachen. Gesagt, getan: Der Vollblutmusiker meldete sich für den Wettbewerb auf Pro Sieben an, denn er wusste es zu schätzen, dass er im Rahmen dieser Castingshow eigene Lieder performen durfte. „Dann habe ich da mitgemacht und es hat ganz gut geklappt“, resümiert der bescheidene Kerl von nebenan. Ganz gut geklappt ist untertrieben, denn Meyle belegte hinter Stefanie Heintzmann den zweiten Platz. Seither macht er hauptberuflich Musik und ist trotz Höhen und Tiefen voll durchgestartet.
„Ich produziere relativ viel“
Um unabhängig von Plattenfirmen zu sein, gründete er sein eigenes Plattenlabel „Meylemusic“. Nachdem ihm Pro Sieben ein Sprungbrett geliefert hatte, ging seine TV-Karriere im Frühjahr 2014 auf VOX weiter. Gemeinsam mit sechs weiteren Musikern nahm er auf Einladung von Xavier Naidoo bei „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ teil. Im Rahmen dieser Staffel wurde er noch populärer und sein damals neu auf dem Markt erschienenes Album „New York – Stintino“ schaffte es in die Top Ten der deutschen Charts. Auch seine vorherigen Alben erfuhren durch das Medieninteresse einen Aufschwung. Im Folgejahr wirkte Mey le als Pate bei einem Songwriting-Wettbewerb für Kinder auf KiKA mit. Außerdem bekam er unter dem Titel „Meylensteine“ seine erste eigene Fernsehsendung auf VOX. Im Rahmen dieser Show besuchte Meyle deutschsprachige Musiker zu Hause, musizierte mit ihnen und zeigte markante Eckpunkte derer Karrieren auf. Aufgrund des Erfolgs der ersten Staffel wurde dieses Jahr eine weitere gestartet. Diese konnte nicht an die Erfolge von vor zwei Jahren anknüpfen.
Dem Erfolg von Meyle tut dies keinen Abbruch. „Ich produziere relativ viel“, beschreibt er selbst seine aktuelle Situation. „Außerdem habe ich 60 bis 80 Konzerte im Jahr“, fügt er hinzu. Die Familie ist bei Auftritten selten dabei. Deshalb versucht Meyle, seine Konzerte auf drei bis vier Gigs pro Woche zu begrenzen. Der Familienmensch weiß, worauf es ankommt: „Familienleben und Musik machen: Das sind die zwei schönen Dinge im Leben.“ Der am Boden gebliebene Musikstar vergaß in den letzten Jahren nie, wo seine Wurzeln liegen. Beginnt er vom Kocher- und Jagsttal zu erzählen, schwärmt er wie ein kleiner Junge. „Es ist einfach eine wunderschöne Gegend und man weiß das sehr zu schätzen, wenn man da ist“, sagt Meyle. „Es sind die Gerüche, die tolle Luft, das Kulinarische, das sind die Leute, es ist der Dialekt natürlich und die Ruhe.“
„Es ist teilweise der Arsch der Welt, aber ein sehr schöner Arsch.“
Er hat schon viel von der Welt gesehen, dennoch zählt er das Kocher- und Jagsttal mit zu den schönsten Flecken in Deutschland. „Im Jagsttal gibt es noch viele Plätzchen, wo gar nichts los ist und man da wirklich noch von der Welt verloren gehen kann“, merkt Poet Meyle an. Um Worte ist der Sänger und Songwriter nie verlegen: „Es ist teilweise der Arsch der Welt, aber ein sehr schöner Arsch.“ Deshalb hat er seiner Band im Rahmen seiner beiden Sommerkonzerte Mitte August bei den Burgfestspielen in Jagsthausen seine Heimat gezeigt. Auf seinen Auftritt in Jagsthausen freute er sich im Vorfeld riesig, denn schon früh lernte er die Burgfestspiele kennen und lieben. „Jagsthausen war für mich als Kind die große weite Welt, die zu mir ins Dorf kam“, berichtet Meyle. Außerdem jobbte er dort mit 15 oder 16 Jahren als Tonpraktikant. Nach einem Anruf des Bürgermeisters war klar, dass Meyle die Anfrage über den kurzen Dienstweg annahm. Die zwei geplanten Konzerte waren schon nach kurzer Zeit ausgebucht. „Für mich ist es ein Geschenk, wenn man in die Heimat kommt und die Hütte ist voll“, so beschreibt Meyle sein Heimspiel in Jagsthausen.
Der Musiker liebt klassische Hausmannskost
Die Stimmung war fantastisch. Bei bestem Sommerwetter bot er den rund 900 Zuschauern gemeinsam mit seiner Band eine tolle Show. Sogar ins Publikum wagte er sich bei der akustischen Zugabe. Gregor Meyle hautnah: Das hat gefallen. Bei seinem „Heimaturlaub“ darf auch das eine oder andere schwäbische Gericht nicht fehlen, denn der Musiker liebt klassische Hausmannskost. „Der Kartoffelsalat ist spielentscheidend“, meint Meyle. Außerdem sei der Hefezopf der Bäckerei Gundel aus Ernsbach weltbekannt. Und auch eine Kuddelsuppe sei nur hier zu bekommen. Der Mann mit der ganz besonderen, sehr einfühlsamen Stimme, schwingt auch gerne selbst den Kochlöffel. Und wenn er dann noch Zeit hat, geht er seinen Hobbys nach: spazieren gehen, wandern und Snowboard fahren. Wohin es wohl musikalisch in den nächsten Jahren gehen wird? Eines ist sicher: Gregor Meyle wird sich treu bleiben.
Erschienen in unserem Print-Magazin Ausgabe 11 / September 2017