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Von Stettens grüner Traum rückt in greifbare Nähe

Nicht nur klimaneutral, sondern autark soll es werden, das neue Wohngebiet, das auf Schloß Stetten geplant wird. Direkt gegenüber dem Gesundheitscampus sind sechs Häuser mit je bis zu 10 Wohnungen vorgesehen, die komplett ohne Energie „von außen“ auskommen sollen. Sowohl Strom als auch Wärme sollen lokal erzeugt und verbraucht werden. Ein Hirngespinst des Bauherrn, dem Bundestagsabgeordneten Christian von Stetten?

So stellt sich Christian von Stetten das „Green Village“ vor. Foto: Sitzungsunterlagen

Energie-Autarkie ist kein Hirngespinst

Nein, sagt von Stetten. Denn auch wenn die Planungen jetzt erst beginnen, hat er schon sehr konkrete Vorstellungen, wie sich das Ziel der energetischen Autarkie realisieren lassen kann: In unmittelbarer Nähe der geplanten Siedlung, betreibt er schon eine große Freiflächenphotovoltaikanlage, deren Leistung von Stetten, mit 4 MW oder „mehr als 1.000 Haushalte“ angibt – das ist deutlich mehr, als in den geplanten Häusern verbraucht werden wird. Trotzdem sollen die geplanten Häuser sowie die Gebäude des Gesundheitscampuss mit Solarzellen ausgestattet werden. Die große Anlage soll nur als Backup dienen. Eine Hackschnitzelheizung – „das Holz erzeugen wir selbst!“, soll mittels eines Nahwärmenetzes die Häuser mit Wärme versorgen.

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Gesundheitscampus Künzelsau. Links das neue Gebäude. Foto: GSCHWÄTZ / Archiv

„Künzelsau will klimaneutral werden, dann müssen neue Baugebiete auch klimaneutral oder sogar klimapositiv sein.“

„Künzelsau will klimaneutral werden, dann müssen neue Baugebiete auch klimaneutral oder sogar klimapositiv sein“ – genau dieses Ziel will von Stetten mit den geplanten Häusern erreichen. Mehr noch: Er will energieautark werden und nach Möglichkeit keinen Strom bei externen Anbietern einkaufen müssen. Dazu muss tagsüber gewonnener Strom gespeichert werden. Den Platz für einen ausreichend großen Batteriespeicher hat er bereits geschaffen.

Gemeinderat gibt freie Bahn

Der Künzelsauer Gemeinderat hat am 14. März 2022 mehrheitlich einen „Aufstellungsbeschluß“ gefaßt – das gibt von Stetten jetzt die Sicherheit, dass er Planungsunterlagen erstellen kann, die dann zur Grundlage eines Bebauungsplans und schließlich eines Baugesuchs werden sollen. „Jetzt können wir mit den Prüfungen, beispielsweise zum Lärmschutz oder dem Naturschutz, beginnen“, meint von Stetten.

Hier ist das „Green Village“ geplant. Foto: Sitzungsunterlagen

Mitgliedschaft in einer Energiegenossenschaft soll zur Pflicht gemacht werden

„Diese Häuser haben nichts mit der Residenz zu tun, jeder kann hier eine Wohnung kaufen oder mieten“, allerdings mit einer Einschränkung: „Die Mitgliedschaft in einer zu gründenden Energiegenossenschaft soll für die Käufer und Mieter Pflicht sein.“  Das bedeutet, dass die Bewohner ihre Energie ausschließlich von dieser Genossenschaft beziehen dürfen. „Der Verzicht auf das Recht auf freie Wahl des Energieversorgers muss sein“, sagt Christian von Stetten. Die freie Wahl des Energieversorgers ist ein hohes Rechtsgut, das weiß er, daher wird er deutlich: „Wenn es keine funktionierende Regelung zur Selbstnutzung gibt, dann machen wir das nicht.“

Ein Green Village

Ein regelrechtes „Green Village“ will er also am Rande des Landschaftsschutzgebietes errichten. Und nicht nur die Energie soll grün sein, auch die Flächen um die Häuser sollen begrünt werden. Dafür ist eine Tiefgarage mit Stromanschlüssen für Elektroautos vorgesehen. „Ich will da oberirdisch keine Autos sehen“, ist von Stettens Ziel.

Erweiterter Gesundheitscampus startet am 1. April 2022

Noch ist das Gesundheitscampus nicht völlig ausgebaut. Im ersten Gebäude sind die Arztpraxen bereits seit einiger Zeit in Betrieb. Auf dem Parkplatz herrscht ein reger Verkehr, die Praxen werden also von Patienten gut angenommen. Im zweiten Gebäude soll der Betrieb am 1. April offiziell starten. Die Physiotherapie TheraFit, eine Apotheke, ein Psychotherapeut sowie ein HNO-Arzt sollen ihre Tätigkeit aufnehmen. Wer die Apotheke und die Praxis betreiben wird, will von Stetten noch nicht verraten, nur soviel: Beide kommen nicht aus Künzelsau, es handelt sich also um ein zusätzliches Angebot. Und ein drittes Gebäude ist bereits in Planung.

Vernetzung von Gesundheitscampus und neuem Wohngebiet

Die Nähe zum Gesundheitscampus soll eine bestimmte Zielgruppe von Mietern oder Käufern anziehen: „Es gibt Menschen, die ständig beispielsweise einen Herzinfarkt befürchten müssen.“ Von Stetten rechnet damit, dass ein Teil der Bewohner solche Menschen sind, die sich die Nähe zu einer kardiologischen Praxis – zukünftig dann auch mit Nachtbesetzung – wünschen. Er ist fest davon überzeugt, dass es diese Zielgruppe gibt und dass die Wohnungen daher begehrt sein werden.

Zu den Kosten des Giga-Projekts hoch über Künzelsau will er sich nicht öffentlich äussern. Nur so viel: „Wir von Stettens denken generationenübergreifend.“

Text: Matthias Lauterer