Künzelsaus Briefkästen erhielten im September 2018 Post von einem bislang unbekannten Flugblattverteiler. Der Inhalt: Ein Artikel der Internetseite Gerlachreport mit dem Titel: „Riesenskandal: Die Inkasso-Abzocker aus Künzelsau“. Darin wird die Künzelsauer Inkassofirma GPW Inkasso GmbH und deren Geschäftsführer Dieter Morscheck des Betruges bezichtigt. Auf Facebook in der Gruppe ‚Du weißt, dass du aus Künzelsau und Umgebung bist, wenn …’ wurde ebenfalls auf den Artikel hingewiesen. Kurze Zeit später wurde der Link allerdings schon wieder gelöscht. Plant hier jemand eine Rufmordkampagne gegen die Künzelsauer Inkassofirma oder ist an den schweren Vorwürfen gegen Morscheck etwas dran?
Morscheck: „Erlogene und haltlose Anschuldigungen“
Geht man auf die Internetseite von GPW Inkasso GmbH, findet man eine Mitteilung von Morscheck. Darin heißt es unter anderem: „Ich möchte Sie darüber informieren, dass die Berichte des Gerlachreports über mich als Privatperson, als auch die Informationen über die GPW Inkasso GmbH erlogen und haltlos sind.“
GSCHWÄTZ hat bei Dieter Morscheck nachgefragt und mehrfach telefonisch mit ihm gesprochen. Morscheck sagt auf GSCHWÄTZ-Nachfrage, dass es keine laufenden Ermittlungen gegen ihn gäbe: „Ich hatte letzte Woche persönlich bei den Behörden angefragt, ob irgendwelche Strafanzeigen gegen mich oder die GPW vorliegen. Mir wurde versichert, dass keinerlei Strafanzeigen vorliegen.“ Heiner Römhild, erster Staatsanwalt der Staatsanwaltschaft Stuttgart, äußerte sich auf GSCHWÄTZ-Nachfrage: „Ich kann bestätigen, dass keinerlei Ermittlungen gegen die Privatperson Dieter Morscheck und das Unternehmen GPW Inkasso GmbH laufen.“ Auch die Staatsanwaltschaft Heilbronn bestätigte dies und fügte hinzu, dass Morschek wiederum eine Strafanzeige wegen Verleumdung gegen den Gerlachreport erstattet habe.
Chefredaktion des Gerlachreports mit Sitz in Washington
Warum aber veröffentlicht der Gerlachreport einen derart kritischen Text über das Inkassobüro? Morscheck erklärt gegenüber GSCHWÄTZ, dass seine Inkasso-Firma unter anderem in Sachen Enercrox und Halbstrom unterwegs sei. „Ein Rainer von Holst, alias Peter Klein oder Jan Faber ist der Betreiber dieser Unternehmen und wird seit zwei bis drei Jahren per Haftbefehl gesucht.“ Es sei bekannt, dass er sich in die USA abgesetzt habe. „Von dort aus betreibt er den so genannten Gerlachreport. Sämtliche Personen, gegen die er dort berichtet, werden von ihm erpresst. Uns versucht er dahingehend zu erpressen, unsere Akten gegen ihn zu schließen und die Firmennamen von unserer Homepage zu nehmen. Andere Personen und Unternehmen hat er dahingehend erpresst, monatliche Zahlungen an ihn zu leisten, damit er nicht negativ über sie im Gerlachreport berichtet.“ Milla Korjus von der Chefredaktion des Gerlachreports mit Sitz in Washington betonte auf GSCHWÄTZ-Nachfrage in einer E-Mail, dass Jan Faber Chefredakteur des Gerlachreports sei und nicht mit Rainer von Holst „identisch ist“. Peter Klein sei ebenfalls nicht mit Rainer von Holst identisch, Klein habe nichts mit dem Gerlachreport zu tun – ebenso wie von Holst. Korjus: „Diese Falschmeldungen werden seit geraumer Zeit im Internet kolportiert – nur richtig werden sie dadurch nicht.“
Falsch sei ebenso, dass „Dieter Morscheck oder sein zwielichtiges Unternehmen Inkassoaufträge für die mit der Person Rainer von Holst angeblich verbundenen Unternehmen hat. Das alles ist schlicht eine Lüge“, sagt Korjus. Sie weist ebenso die von Morscheck erhobenen Erpressungsvorwürfe zurück: Morscheck könne „weder einen derartigen „Erpressungsversuch“ beweisen, noch einen Vertrag vorweisen, der seine Unwahrheiten stützt. Tatsache ist, dass es eine geschickte Methode ist, die unliebsamen Berichterstattungen des :gerlachreport zu diskreditieren“.
von Holst: „Seine Unflätigkeiten sind offenbar Ausdruck seiner Angst“
Rainer von Holst distanziert sich von Morschecks Anschuldigungen per E-Mail gegenüber GSCHWÄTZ, nachdem Korjus ihm unsere Anfrage weitergeleitet hat: „Ich habe weder etwas mit dem Gerlachreport als „Betreiber“ zu tun, noch etwas mit den von Herrn Morscheck dargestellten Sachverhalten. Ich kenne den Mann gar nicht. Er hat sich auch zu keinem Zeitpunkt an mich gewendet oder um eine Stellungnahme gebeten. Selbstverständlich werde ich mich gegen jede derartige Falschbehauptungen wehren. Ich habe bereits bei Gericht eine eidesstattliche Versicherung vorgelegt, die beweist, dass ich mit dem Gerlachreport nichts zu tun habe. Über Ermittlungsverfahren gegen mich ist mir nichts bekannt. Ich bin bis heute auch nicht befragt worden. Richtig ist aber, dass unsere Kanzlei mehrere Mandanten in Verfahren gegen Dieter Morscheck und die GPW Inkasso vertritt – offenbar sind seine Unflätigkeiten Ausdruck seiner Angst, dass seine kriminellen Methoden ans Tageslicht kommen.“
Morscheck wiederum verweist auf die Generalstaatsanwaltschaft Zentralstelle Cybercrime Bamberg, die gegen von Holst ermitteln würde. Auf GSCHWÄTZ- Nachfrage bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg, ob und warum gegen von Holst ermittelt wird, verweist der leitende Oberstaatsanwalt Lukas Knorr auf „laufende Ermittlungen“, so dass keine näheren Auskünfte erteilt werden können. Hat Morscheck diesbezüglich Strafanzeige gegen Rainer von Holst gestellt?, wollte GSCHWÄTZ von Morscheck wissen. Dieser erklärte: „Wir sind gerade dabei, weiteres Material zu sammeln. Kontakt zu der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg besteht, der Staatsanwalt ist darüber informiert.“ Aber nicht nur der Gerlachreport, auch Anwalt Ingo M. Dethloff aus Potsdam warnt auf der Internetseite anwalt.de vor der Inkassofirma GPW. Morscheck wiederum verweist darauf, dass es sich bei Anwalt Dethloff um einen „Mitbewerber“ handele, der versuche, auf diesem Wege Mandanten zu gewinnen.
von Holst: „Abzocker-Imperium“
Auch der Gerlachreport ist noch nicht fertig mit Morscheck. Milla Korjus betonte gegenüber unserer Redaktion, dass der Gerlachreport bereits mehrfach über die Firma GPW berichtet habe und das nicht ohne Grund: „Grundlage der Berichterstattungen sind umfassende Unterlagen, E-Mails, Auftragsbestätigungen und angebliche Tätigkeitsprotokolle des Unternehmens und seines Geschäftsführers Morscheck. Überprüfungen im In- und Ausland haben ergeben, dass die angeblichen abgerechneten Tätigkeiten gar nicht durchgeführt wurden oder aber das Unternehmen direkt mit Personen des Kapitalgrau- und -schwarzmarktes zusammengearbeitet hat. […]
Die Redaktion des :gerlachreport steht zu ihrer Berichterstattung und hat wesentliche Teile noch gar nicht dargestellt. Diese werden in zukünftigen Berichten verdeutlicht.“ Dem Gerlachreport lägen mehr als zwei Dutzend Fälle vor, „die die beschriebenen Methoden belegen und dokumentieren. Zusammen mit der Redaktion wurden Strafanzeigen für die betroffenen Kunden des Dieter
Morscheck und seines Unternehmens wegen des Anfangsverdachts des gewerbsmässigen Betruges entwickelt und nach Aussage der Betroffenen auch an die zuständige Staatsanwaltschaft versendet. Es mag sein, dass die Staatsanwaltschaft diese noch nicht bearbeitet hat. Tatsache ist aber, dass die Redaktion Kopien der Strafanzeigen vorliegen hat.“ Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage, ob sie uns diese Kopien zeigen könnte, verneinte Gerlachreport.
Wir baten Rechtsanwalt Clemens Foidl um ein Statement
Fakt ist: Die von GSCHWÄTZ befragten Staatsanwaltschaften bestätigten lediglich, dass es Strafanzeigen/Ermittlungen gegen den Gerlachreport gibt, nicht jedoch gegen Morscheck und seine Büroräume. Auch Rechtswanwalt Clemens Foidl hat darin seine Kanzlei. Inkassofirma. Auch gegen Rainer von Holst stehen schwere Vorwürfe im Raum. Am 12. September 2018 veröffentliche Stiftung Warentest unter dem Titel: „Abzocker-Imperium: Zwei Mitglieder des Rainer-von-Holst-Clans verhaftet“, dass „Rainer von Holst von den USA aus deutsche Anleger abzockt.“ Zwei seiner Töchter säßen laut der Staatsanwaltschaft Augsburg, so der Artikel weiter, seit dem 17. August 2018 in Untersuchungshaft wegen Kapitalanlagebetrugs. Und das „von Holst nichts dem Gerlachreport zu tun habe“, wie Milla Korjus von der Chefredaktion betonte, scheint unglaubwürdig angesichts der Tatsache, dass sie unsere Presseanfrage an von Holst weitergeleitet hat.
Morscheck hat derweil mit der Wiederherstellung seines Rufs zu kämpfen, der unter der Berichterstattung und der Flugblattkampagne gelitten hat. „Ich erhielt viele Anrufe“, sagt er gegenüber GSCHWÄTZ. „Einige Mandanten kündigten ohne nachzufragen erteilte Mandate.“ Zu dem Verhalten des ominösen Flugblattverteilers sagt er: „Ich finde dies beschämend.“
Die Redaktion GSCHWÄTZ erhielt unterdessen anonyme Hinweise, dass es sich bei dem Flugblattverteiler um Rechtsanwalt Clemens Alexander Foidl gehandelt haben soll, der mit GPW bereits früher aneinandergeraten sei. Foidl hat seine Räumlichkeiten in demselben Gebäude, indem auch GPW-Inkasso seine Büros hat. Wir baten Foidl um ein Statement zu den an uns herangetragenen Beschuldigungen. Seine Antwort erfolgte schriftlich per Mail: „In den vergangenen Tagen habe ich erfahren, dass die Eheleute Morscheck und Morscheck-Krauß eine ihrer beiden Wohnungen im
Haus Keltergasse 63 zum Verkauf anbieten. Da auch ich Interesse an einem Erwerb habe, liegt mir viel daran, mich ins Einvernehmen zu setzen.“ Zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen äußerte er sich nicht. Pikant: Eine Mitarbeiterin von Foidl soll den Link zu dem besagten brisanten Artikel über Morscheck in der Facebookgruppe ‚Du weißt, dass du aus Künzelsau und Umgebung bist, wenn …’ veröffentlicht haben.
Den vollständigen Artikel lesen Sie in unserer aktuellen Oktober-Ausgabe 2018, die seit dem 01. Oktober 2018 in unseren Verkaufsstellen erhältlich ist.