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„Ja, Thomas. Oder soll ich Sven zu Dir sagen?“

Selbstgefällig, ichzentriert und kritikunfähig: So präsentiert sich Gottschalk schon seit Jahren im deutschen Fernsehen, insbesondere bei der Show Wetten, dass…Nach Jahren abgesetzt, nun wieder als Comeback in den deutschen Fernsehabend zurückgekehrt. Nun fällt auf, was eigentlich schon immer da war: Die Überheblichkeit Gottschalks gegenüber manchen Gästen, insbesondere die des weiblichen Geschlechts.

Bereits im Vorfeld hat  er fast abfällig über deutsche Stars wie Lena Meyer-Landrut gelästert, die er nicht bei sich auf der Couch sitzen haben möchte, sondern internationaler und größer müsse es schon sein. So war denn auch unter anderem Robbie Williams zu Gast.

Ist doch alles halb so wild, oder Tommy?

Den Auftritt beim RTL Jahresrückblick am 11. Dezember 2022 musste Sarah Connor wegen eines Infekts absagen, was Gottschalk mi den Worten quittierte, dass es heute auch gute Nachrichten zu verkünden gäbe, nämlich, dass Sarah Connor nicht kommen könne. Solche Peinlichkeiten hat der blone Talkhüne schon immer gebracht und selten ein Fettnäpfchen ausgelassen. Peinlich berührt und mit Fremdschämeffekt überzogen saß der Zuschauer hilflos vor dem Fernseher. Doch immer schien man dem Mann mit dem blonden Lockenkopf und den Grübchen alles zu verzeihen. Vermeintlich.

Nun aber erntet Gottschalk einen digitalen Shitstorm nach dem anderen wegen seine Fauxpässe. Vermutlich weil man mittlerweile weiß, dass es keine Fauxpässe sind von diesem versierten Moderator, sondern bewusste Angriffe unter der Gürtellinie. Vermutlich weil sich das Denken geändert hat, dass es eben nicht mehr akzeptiert wird, wenn jemand dermaßen despektierlich mit jemandem oder über jemanden redet. Das Anstand und Respekt wieder stärker gewünscht werden, besonders von öffentlichen Vorbildern. Aber vermutlich gab es auch in der Vergangenheit schon einige Zuschauer:innen, die Zuhause auf der Couch saßen und nur noch kopfschüttelnd diese vermeintlichen Gags von Gottschalk hinnahmen. In digitalen Zeiten nun haben die Zuschauer:innen die Möglichkeit, direkt und unmittelbar Feedback zu derartigen Klogriffen zu geben und haben das auch in scharfer Weise getan.

Gottschalk scheint die Kritik an seiner Person indes nichts anzuhaben. Als er unlängst den RTL Jahresrückblick moderierte, revanchierte sich Fußballerin Alexandra Popp für ihre Fußballerkollegin Giulia Gwinn, die Gottschalk bei Wetten, dass…? wiederholt Guiliana genannt hat. Als er beim Jahresrückblick gegenüber deren Kollegin Popp scherzhaft erklärte, bei seiner Moderation rollten Sportler […] schon immer mit den Augen„, versetzte seine Gesprächspartnerin: „[Ja,] aus Gründen.“

Auf die Frage, ob Gwinn seinen Patzer verwunden habe, antwortete Popp nur :“Ja, so gerade eben, Thomas. Oder sollte ich Sven sagen?“ Gottschalk lässt den Seitenhieb an sich abgleiten und äußert sich nicht weiter zum zurückliegenden Fauxpas.

So ist Gottschalk mittlerweile zu einem Stellvertreter einer ganzen Rasse von alten weißen Männern geworden, die selbstgenügsam auf ihrer Couch sitzen und das weibliche Geschlecht immernoch als aufgepimptes  Schoßhündchen betrachten, die dankbar sein dürfen, für eine kurze zeit neben ihnen sitzen zu dürfen. Aber es beginnt sich etwas zu verändern. Sarah Connor und Alexandra Popp haben den Anfang gemacht und den Mut gehabt, sich gegen Gottschalks Klatsche öffentlich und kritisch zu äußern. Nicht böse, ganz charmant, mit dem dezenten Hinweis, dass so ein Verhalten einfach gar nicht gehe. Das weiß eigentlich auch jeder, der bis drei zählen kann.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann