Künzelsau: Was Gonzo nur hinter verschlossenen Türen gesagt hat – Erinnerung an seinen 2. Todestag am 03. Mai 2020
Er war ein Star-Wars-Fan, Weinliebhaber, er mochte schöner Wohnen und er war wohl einer der bekanntesten Sänger Künzelsaus: Josip Gonzo Krolo. Also Gonzo wurde er eine lokale Berühmtheit. Vor zwei Jahren, am 03. Mai 2018, ist er gestorben, vermutlich aufgrund einer Herzkrankheit, wie seine Mutter Mirjana Krolo damals gegenüber GSCHWÄTZ äusserte.
Nur 47 Jahre ist der Sänger und Vater einer Tochter geworden. Sein Grab ist in Künzelsau. Was bleibt von ihm? Was hinterlässt er der Kreisstadt, die er so innig geliebt hat? 30 Jahre auf der Bühne, 20 Jahre seine eigene Band und dazu noch jahrelange Benefizkonzerte an der Hochschule in Künzelsau, zugunsten Gambia. Beim Hochwasser 2016 war er einer, der koordinierte, organisierte, Spenden für die Opfer sammelte, mit großem Erfolg. Er war eben auch ein Netzwerker vor dem Herrn. Aber er fühlte sich auch missverstanden.
In einem der letzten großen Interviews, das er vor seinem Tod mit GSCHWÄTZ-Reporterin Nadja Fischer in seiner Wohnung in Weißbach geführt hatte, redete er nicht nur über seine Erfolge, sondern auch über seine Schwächen und über das, was nicht spurlos an ihm vorüber ging. Unter anderem warfen ihm bei der Spendenaktion Kritiker vor, dass er das Geld für sich beanspruchen würde, auch seine Tochter sei dabei, wie er erzählte, verbal attackiert worden. Zu viel für ihn, dem Mann, der wirkt, als ob ihm nichts etwas anhaben kann.
Das ging ihm nach, noch Jahre später und das hat er bis kurz zu seinem Tod nicht vergessen. Er wollte etwas Gutes tun und erntete teilweise verletzende Kritik. So hat er sich in seinem geliebten Künzelsau nicht immer gut gefühlt. Nach aussen hat er seine Verletzlichkeit nicht gezeigt. Gonzo war ein Kämpfer.
„Mit dem Rücken an der Wand funktioniere ich am besten“, sagte Gonzo, als ihn Nadja Fischer damals auf seine Stärken und Schwächen ansprach. Reden könne er gut, aber eine gewisse „Grundfaulheit“ stecke in ihm drin, bekannt er ehrlich. Einen Hang zu Deko habe er, deswegen hätte er sich auch vorstellen können, Innenarchtitektur zu studieren, wenn das mit der Musikkarriere nicht geklappt hätte.
Nict nur Sänger, sondern auch gleichzeitig Manager und Organisator der Auftritte
Gonzo war nicht nur Sänger (damals hatte er laut eigenen Aussagen rund 200 Auftritte im In- und Ausland pro Jahr), sondern war auch gleichzeitig der Manager und Organisator seiner Auftritte.
Begonnen im La Quetsch, dann kam Curly Sue
Begonnen hat seine Karriere in der damals noch existierenden Kneipe La Quetsch in Künzelsau, als er nach ein paar Jacky Cola die Songs, die liefen, mitgesungen hat und gleich zwei Visitenkarten zugesteckt bekam. Er wurde unter anderem Sänger bei der Band Curly Sue. 1997 gründete Gonzo seine eigene Band namens Gonzo’n’friends. Nun führen seine Freunde sein Erbe weiter und haben nach seinem Tod Gonzo’n’friends umgewandelt in Gonzo’s friends. Das hätte ihm gefallen. https://www.gonzosfriends.de/
Gesundheitliche Probleme
Laut Mirjana Krolo habe Gonzo sich vor seinem Tod erst vor drei Wochen im Krankenhaus in Öhringen „durchchecken“ lassen. Bei den Tests sei alles in Ordnung gewesen, so Gonzo damals zu seiner Mutter. Mirjanas Vater sei ebenfalls an einem Versagen des Herzens, an einem Herzinfarkt gestorben, berichtet Mirjana Krolo. Er sei jedoch 71 Jahre alt geworden. „Die beste Spezialklinik der Welt hätte nichts mehr machen können“, ist sich die gelernte Schneiderin daher sicher. Und dennoch zerreisst es ihr das Herz. „Wie soll ich jetzt noch weiterleben?“, fragte sie dmaals. Mirjana hat noch einen Sohn und eine Enkelin – Gonzos 20-jährige Tochter. Gonzo selbst sei damals auch 20 Jahre alt gewesen, als sein Vater an Hepatitis B gestorben sei, so Mirjana. Sie selbst hatte zum Zeitpunkt des Todes ihres Sohnes ebenfalls gesundheitliche Probleme, ist ein Jahr zuvor schwer gestützt. Gonzo habe immer zu ihr gesagt: „Mama, du brauchst keine Angst zu haben“ und bot ihr finanzielle Unterstützung an.
Am Donnerstagmorgen um 10 Uhr, also nur wenige Stunden vor seinem Tod, hat Gonzo seinen letzten Post auf Facebook an an seine knapp 4.000 Anhänger geschickt. Darin steht:
„Dein ist dein ganzes Herz, du bist mein Reim auf Schmerz.“
Das letzte große Interview
Im Januar2018 haben wir ein Exklusiv-Interview in unserer gedruckten Ausgabe veröffentlicht und ein Video gedreht in seiner Wohnung in Weissbach. Er hatte einige musikalische Pläne und schaute optimistisch in die Zukunft. Anbei veröffentlichen wir das Interview nochmal in voller Länge:
„Bis zu diesem denkwürdigen Jacky-Cola im La Quetsch“
von Nadja Fischer. Das Interview wurde veröffentlicht in unserem gedruckten Magazin im Januar 2018.
Unsere Journalistin Nadja Fischer war bei Sänger Gonzo zu Hause in seiner Wohnung in Weißbach und trank mit ihm eine Tasse Kaffee. Sie plauderten über Musik, Star Wars und Pelzwecker.
GSCHWÄTZ: „Wir covern nicht, wir interpretieren…“ – wie darf man sich das vorstellen?
GONZO: Wir covern, bringen aber Individuelles mit ein. Wir machen von Haus aus eigene Versionen und brauchen das wie die Luft zum Atmen. Wir haben auch keine feste Setliste, sondern wählen unsere Songs nach Emotion aus. Ich sehe mich auch nicht als perfekten Sänger, hatte auch nie Gesangsunterricht. Technisch kann man alles lernen, aber die Emotionen nicht.
GSCHWÄTZ: Hast du dich schon mal an eigenen Songs versucht?
GONZO: Ja. 2019 wird es ein Album geben. Ich denke auch, dass es deutsches Material sein wird. Das ist einfach die Sprache, mit der wir uns am wohlsten fühlen. Da sind wir auch bekannt dafür. Es wird sozusagen Hängemattenrock, entspannter Pop-Rock. Unserem Alter entsprechend. (lacht). Ich denke ja für nächstes Jahr über eine Band-Umtaufung nach: Die netten älteren Herrn.
GSCHWÄTZ: Was ist dein persönlicher Lieblingssong?
GONZO: Es gibt viele, aber der Song, der mich wirklich berührt, ist Comfortably Numb von Pink Floyd. Wie gesagt, es gibt so viele. Aber Pink Floyd hat mich schon mein ganzes Leben begleitet.
GSCHWÄTZ: Josip Gonzo Krolo ist dein vollständiger Name. Woher kommst du?
GONZO: Meine Wurzeln liegen in Kroatien. Ich bin in Künzelsau geboren, aber meine Eltern kommen aus Kroatien. Mein Vater war Flüchtling. Er hätte zur Armee müssen und man wusste nicht, ob man da lebend wieder nach Hause kommt. Also ist er geflüchtet und in Künzelsau gelandet. Witzigerweise hat er auch hier meine Mutter kennengelernt, die in Kroatien nur 26 Kilometer von ihm entfernt gelebt hat. Eigentlich bin ich ein Flüchtlingskind.
GSCHWÄTZ: Wie kamst du zur Musik?
GONZO: Das war Zufall. Ich war eigentlich voll der Nerd und habe mich nur mit Computern beschäftigt. Zwar habe ich immer gerne gesungen, hatte aber nie wirklich Ambitionen, dass ich Sänger werden will. Bis zum denkwürdigen Jacky Cola im La Quetsch in Künzelsau vor knapp 30 Jahren. Als mich mein Bruder abgefüllt hat und dann lief Hotel California im Radio und ich habe mitgesungen. Ich war lauter wie die Anlage. Wusste davon aber nichts mehr, hab‘ ja nichts vertragen, weil es mein erster Alkohol war. Dann hatte ich aber am nächsten Tag von zwei Leuten eine Visitenkarte in der Hosentasche.
GSCHWÄTZ: Bist du hauptberuflich Sänger?
GONZO: Ja. Wir haben ungefähr 200 Auftritte pro Jahr und das weltweit. Namibia, Hong Kong, Schweiz oder Österreich. Aber wir freuen uns über jeden Auftritt auf dem Land. Also diese Großstadtgeschichten… die Menschen auf dem Land sind viel dankbarer. Mittlerweile haben wir mehr nichtöffentliche Auftritte als öffentliche Auftritte.
GSCHWÄTZ: Manche Sänger trinken Tee, andere einen Whisky. Zu welcher Kategorie gehörst du?
GONZO: Ich nehme keine Drogen und bin seit zehn Jahren Nichtraucher. Mittlerweile trinke ich gerne Rotwein, Gin Tonic mit Gurke und natürlich Kaffee. Als alleinerziehender Vater lebt man den Rock `n Roll nun mal anders. Wenn ich nach den Auftritten nach Hause fahre, läuft im Auto immer ein Hörspiel von den Drei Fragezeichen.
GSCHWÄTZ: Wie kann man sich deinen Alltag vorstellen? Jeden Tag ausschlafen?
GONZO: Nein, schön wär‘s. Meine drei
Pelzwecker sorgen dafür, dass ich zeitig aufstehe. Ich bin Katzenpapa. Ich habe einen Ein-Mann-Betrieb mit zwei Jobs. Ich bin Künstler und Manager zugleich. Mein Büro ist zu Hause. Ich muss E-Mails schreiben und beantworten, Telefonate führen, Anfragen bearbeiten und kleine Events gestalten. Ich hatte auch seit 20 Jahren keinen Urlaub mehr. Aber mein Garten ist Urlaub genug für mich.
GSCHWÄTZ: Welche Hobbys hast du?
GONZO: Ich bin ein Serienjunkie. Breaking Bad, The Big Bang Theory und Game of Thrones. Alles gesehen. Ein Star-Wars-Fan bin ich auch. Jeder schenkt mir immer etwas, das mit Star Wars zu tun hat. Playstation vier zocken. Ich koche gerne und stehe auf Weihnachtskitsch.
GSCHWÄTZ: Was bedeutet für dich Heimat?
GONZO: Tja, Heimat bedeutet für mich… Ich bin ja geboren in Künzelsau und fühle mich als Hohenloher und Kochertäler. Eigentlich hätte ich schon oft hier wegziehen müssen, rein logostisch. Heimat bedeutet für mich: sich wohlfühlen, zu wissen, man kommt jetzt ein bisschen runter und hat Zeit für sich. Es ist einfach ein schönes Gefühl.
GSCHWÄTZ: Was sind deine drei Schwächen?
GONZO: Meine drei Schwächen…oha… ich rede viel. Ich bin ein bisschen faul. Man schiebt gerne Sachen vor sich her. Ich esse gerne. Was keine Schwäche ist, weil essen ist geil.
GSCHWÄTZ: Und was sind deine drei Stärken?
GONZO: Meine drei Schwächen (lacht). Irgendwas muss ich richtigmachen, gesangsmäßig, sonst wäre ich jetzt nicht seit 30 Jahren dabei. Ich kann Menschen unterhalten. Ich kann recht gut kochen, ist eine Leidenschaft. Ansonsten… was kann ich noch gut? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Oh, ich mag Deko. Ich liebe es, mich schön einzurichten. Ihr könnt gerne nochmal an Weihnachten vorbeikommen, da eskaliert es im Garten. Ja, ich bin ein kleiner Deko-Freak. Ich habe auch mal mit dem Gedanken gespielt, dass ich Innenarchitektur studiere. Das hat mich immer gereizt, aber ich bin dann doch irgendwie an der Musik hängengeblieben.
GSCHWÄTZ: Auf deiner privaten Facebook -Seite hast du 7.500 Abonnenten. Die Leitung der Facebook Gruppe „Du weißt, dass du aus Künzelsau und Umgebung bist, wenn…“ hast du aber abgegeben. Wieso?
GONZO: Als die Hochwasserkatastrophe in Künzelsau war, hatten wir einige Benefizkonzerte. Das gesammelte Geld haben wir der Stadt Künzelsau gespendet. Einige meinten aber, auf offener Straße meine Tochter angehen zu müssen und haben behauptet, dass ihr Vater das Geld eingesteckt hätte. Dabei gab es eine offizielle Veranstaltung mit Übergabe des Geldes. So etwas kann ich nicht tolerieren. Wenn man ein Problem hat, sollte man mich direkt ansprechen. Aber nicht meine Tochter – Familie geht mir über alles. Deshalb habe ich die Leitung abgegeben.
Gonzo, wir danken dir für das Gespräch.
Zur Person
Josip Gonzo Krolo ist am 04. Januar 1971 in Künzelsau geboren. Er war Sänger bei den Bands Shin Kicker und Curly Sue. Seit 1997, also seit nunmehr 20 Jahren, gibt es seine Band Gonzo`N`Friends. Der Musiker, der 2018 sein 30-jähriges Bühnenjubiläum feiert, ist Single und hat eine Tochter, die gerade als Au-Pair in New York ist.
Gonzo hatte sich auch schon an der Dating-App Tinder versucht, jedoch keinen passenden Deckel gefunden. Sein Verhütungsmittel: die Star-Wars-Fan-Artikel in seiner Wohnung, die wohl jede Frau in die Flucht schlagen sollen.

Grab von Gonzo Josip Krolo am Friedhof in Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ

Musiker Gonzo stolperte durch Zufall in seine musikalische Karriere


Gonzo’s Friends treten bei der ersten KÜNightLive 2020 in Künzelsau auf. Mit dabei: Michael Breitschopf. Foto: Dirk König.

Gonzo’s Friends traten am 05.02.2020 bei der ersten KÜNightLive in Künzelsau auf. Mit dabei: Michael Breitschopf. Fotos Stadtverwaltung Künzelsau/Dirk König