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Ingelfingen: Glasfaser von Giganetz kommt.

Am 12. Juli 2022 wurde im Gemeinderat von Ingelfingen bekanntgegeben, dass das benötigte Quorum von 35% der Haushalte erreicht wurde und damit die Firma Giganetz Deutschland ein Glasfasernetz in Eigenregie ausbauen wird. Auf die Gemeinde kommen also keine Kosten zu.

 




Giganetz in Künzelsau: Kaum noch Chancen, die 35%-Hürde zu überspringen

Im gesamten Gebiet Hohenlohe-Franken sind derzeit Werber unterwegs, die für das schnelle Glasfaser-Internet des Unternehmens Deutsche Giganetz werben. Sollten sich 35Prozent der Anschlussinhaber einer Gemeinde dazu entschließen, einen Vertrag mit Giganetz abzuschließen, dann wird Giganetz den Netzausbau auf eigene Kosten durchführen. Für die Gemeinden entstehen dadurch keinerlei Kosten. So jedenfalls haben es das Gigabitkompetenzzentrum Heilbronn-Franken und die Deutsche Giganetz vereinbart. Landkreis und Stadt Künzelsau haben sich dieser Vereinbarung angeschlossen.

Ende der „Nachfragebündelung“

In Künzelsau endet die Phase der „Nachfragebündelung“, man könnte es auch Werbephase nennen, mit dem 01. Mai 2022. In anderen Gemeinden, dauert die Phase noch länger, in Ingelfingen beispielweise bis zum 15.Mai 2022.

Quorum in Künzelsau kurz vor Toresschluß nicht erreicht

Aktuell wird Künzelsau das Quorum von 35Prozent höchstwahrscheinlich verfehlen, am Morgen des heutigen 29. April 2022 meldet Giganetz auf seiner Webseite 26Prozent Interessenten. Selbst wenn es auch bei Giganetz zu einem „Meldeverzug“ gekommen sein sollte, dürften die 35Prozent für die Stadt Künzelsau und ihre Teilorte nicht erreicht werden.

In anderen Gemeinden findet das Angebot mehr Zuspruch: In Kupferzell und Krautheim, wo die Aktion noch eine Woche länger läuft, steht man bei 32 und bei 34 Prozent.

35Prozent nicht  erreicht – dennoch Glasfaser möglich?

In der Kreistagssitzung im Juni 2021, in der das Konzept mit Giganetz vorgestellt wurde, wurde eine Lösung präsentiert, falls die 35Prozent nicht erreicht werden. GSCHWÄTZ schrieb damals: „Schließen nur 20 – 35 Prozent der Haushalte und Firmen einen Vertrag mit der DGN, soll der Ausbau „in Absprache mit den Gemeinden“ stattfinden – das kann nur bedeuten, dass mit der jeweiligen Gemeinde über einen Investitionszuschuss verhandelt wird.“

Text: Matthias Lauterer




„Es werde Lichtgeschwindigkeit“ – Glasfaser für alle im Hohenlohekreis steht kurz bevor

Aller Orten hängen derzeit orangefarbene Plakate, die damit werben, dass auch die Bürger:innen im Hohenlohekreis bald noch viel besser Anschluss an die digitale Welt haben werden. Die deutsche Giganetz, ein noch sehr junges, gerade einmal zwei Jahre altes privates Unternehmen, möchte dies möglich machen. Giganetz wirbt dabei mit dem einprägsamen Werbespruch: „Es werde Lichtgeschwindigkeit.“

Giganetz benötigt 35 Prozent aller Haushalte, sonst fangen sie nicht an

Die ebenfalls in orange gekleideten Mitarbeiter:innen klappern daher derzeit so gut es geht alle Haushalte, auch noch so kleine Weiler, ab, um den Einwohner:innen ein „Ja“ zu Glasfaser zu entlocken, nochmal ein „Ja“, das mit der Giganetz zusammen angehen zu wollen und ein drittes „Ja“, zur Vertragsunterschrift.

Hintergrund: Für den privaten Betreiber Giganetz lohnt sich der Ausbau im Hohenlohekreis nur, wenn 35 Prozent aller Haushalte in einer Gemeinde bereits vor dem Ausbau einen 24-monatigen Glasfaservertrag mit Giganetz eingehen. Ein Mitarbeiter sagte, dass Anfang Februar 2022 die Vertragsabschlussquote zwischen 50 bis 100 Prozent läge und dass in diversen Weilern rund um Künzelsau, nahezu alle einen Vertragsabschluss gemacht hätten, um möglichst schnell ein schnelles Internet mit der Giganetz zu bekommen. Es sehe daher „gut“ aus mit den 35 Prozent – zumindest für Künzelsau, die laut Giganetz bis Mai 2022 erreicht werden müssen.

„Das kostet die Kommune nichts“

In der jüngsten Gemeinderatssitung in Ingelfingen im Februar 2022 empfiehlt nach einem Vortrag eines Giganetzmitarbeiters auch Bürgermeister Michael Bauer den Anschluss mit Giganetz für Ingelfingen: Die digitalen Zeiten werden „nicht weniger, sondern mehr werden“. Und, ganz wichtig: „Das kostet die Kommune nichts.“ Denn das private Unternehmen finanziert den Ausbau selbst bzeiehungsweise mit parallel von den Bürger:innen abgeschlossenen Verträgen.

Im zweiten Jahr zahlen Kunden 40 Euro mehr im Monat

Das Problem: Man muss jetzt schon einen Vertrag mit Giganetz abschließen. Andernfalls, so warnt Giganetz durch seine Mitarbeiter:innen und auf der Homepage, zahle man nachträglich, falls man sich irgendwann später doch noch dafür entscheidet, rund 2.000 Euro Anschlusskosten. Doch auch die Verträge von Giganetz sind nicht billig. Im ersten Jahr zahlen Verbraucherinnen zwar lediglich 24,90 Euro für einen 600MBit-Tarif. Im zweiten Jahr schlägt dieser aber dann mit 64,90 Euro zu Buche. Vergleicht man die Glasfaserverträge bei der zur Netze BW zugehörigen Netcom, die im Hohenlohekreis stark vertreten ist, dann erwarten den Endverbraucher auch hier gesalzene Preise. Für einen 500MBit-Vertrag zahlen Kunden in der Erstvertragslaufzeit 49,90 Euro, danach stolze 79,90 Euro (Stand: 04. Februar 2022).

Vorteil: Der Upload ist symmetrisch zum download.

Ein weiterer Vorteil von den Giganetztarifen: Der Upload ist symmetrisch zum download. Das ist bei Netcom derzeit zumindest noch nicht der Fall.

Abgehängte Weiler

Netze BW legt ab Ende Februar 2022 die Leitungen in Künzelsauer Teilorten wie etwa Ohrenbach für die Glasfaserversorgung. Es gibt aber Weiler, die nicht durch die Netze BW angeschlossen werden rund um Künzelsau. Für die ist Giganetz der Hoffnungsbringer. Andernfalls scheinen sie abgehängt. Giganetz verspricht indes, wenn sie bis Mai 2022 35 Prozent aller Haushalte (Ingelfingen hat beispielsweise rund 2.200 Haushalte) einen Vertrag vorab abgeschlossen haben, werden die Gemeinden (inklusive der kleinen Weiler und Aussichtshöfe) im Frühjahr 2023 Schritt für Schritt ans schnelle Internet angeschlossen. Ende 2023 soll alles fertig sein. Ein Mitarbeiter in der Beratungshotline hat jedoch bereits gegenüber Kunden anscheinend gesagt, dass das auch durchaus länger, bis zu mehreren Jahren, dauern könne. Giganetz kümmert sich auch um die Altverträge: „Wir kündigen den Altvertrag, wenn der Anschluss funktionsfähig ist“, erklärt der Giganetzmitarbeiter in der Gemeinderatssitzung in Ingelfingen. Auch eine kostenlose Mitnahme der Rufnummer sei möglich.

Missverständnis bei Mietobjekten

Auf die Nachfrage mehrerer Ingelfinger Gemeinderäte bezüglich Mietobjekten, erklärt der Giganetzmitarbeiter in der Stadthalle in Ingelfingen, dass jede Wohneinheit einen Vertrag benötige. Das ist aber so nicht korrekt, wie sich im Nachgang bei unseren GSCHWÄTZ- Recherchen herausstellte. Ein Mitarbeiter vor Ort in Künzelsau sowie ein Mitarbeiter in der Kundenhotline erklären uns gegenüber, dass es bei einem Sechsparteienmietshaus ausreiche, erst einmal einen Vertrag vorab abzuschließen und nicht sechs.

Text: Dr. Sandra Hartmann