„Ich komm mit dieser Begründung überhaupt nicht klar“
War der Kreistag am 18. Juli bei der Erweiterung des Angebots des NVH knausrig (GSCHWÄTZ berichtete), zeigte er sich spendabel beim Umzug des Kreismedienzentrums. Hintergrund ist, dass das Kreismedienzentrum an einen neuen Standort umziehen soll, denn im neu zu bauenden Kreishaus sollen im Erdgeschoss sinnvollerweise die Ämter untergebracht werden, die den meisten Publikumsverkehr haben. Das Kreismedienzentrum mit geschätzt 10 persönlichen Kontakten täglich gehört nicht zu diesen Ämtern.
Als neuen Standort hat die Kreisverwaltung die gewerbliche Schule in Künzelsau vorgesehen, wo derzeit Baumassnahmen laufen. Im Rahmen dieser Baumassnahmen könnte zusätzlicher Raum im Obergeschoß errichtet werden.
Kosten: Eine dreiviertel Million
Kosten von fast 750.000 Euro sollten dafür genehmigt werden. Begründung für diese hohen Kosten war, dass das Kreismedienzentrum unbedingt im Erdgeschoß untergebracht werden soll, weil es ja große Leinwände und schwere Beamer zu transportieren gäbe. Daher soll das bisher im Erdgeschoß untergebrachte Pneumatiklabor in die zu errichtenden Räumlichkeiten umziehen und das KMZ soll in dessen bisherige Räume einziehen. Dieser Umzug stellt mit 600.000 Euro den Löwenanteil der Summe von 750.000 Euro dar.
Deutlicher Widerspruch
Prof Dr. Otto Weidmann (FWV) und Rolf Weibler (CDU) sprechen gegen diesen Vorschlag: Erstens habe man die Kreisschulen schon mit Material wie Beamern und „weissen Wänden“ ausgestattet, sodass diese Materialien in Zukunft kaum benötigt würden. Zweitens würden sich die Rollen der KMZ ohnehin ändern, da die Medien immer weiter in digitalisierter Form vorlägen. Dem stimmt selbst Landrat Dr. Matthias Neth zu: „Welche Rolle spielt ein KMZ in 10 Jahren? Ausgeliehen werden dann eher Medien, Geräte eher nicht mehr“, stellt er fest. „Die Ausleihe wird in 10 Jahren genauso veraltet sein wie heute die Schiefertafel“. Er verweist aber auf die gerade laufenden Bauarbeiten: „Jetzt ist ein idealer Zeitpunkt, wir haben einen vergleichsweise geringen Aufwand, da Jetzt Handwerker da sind.“ Weidmann verweist dagegen auf die finanzielle Lage und darauf, dass allein der Umzug des Pneumatiklabors unverhältnismäßig teuer sei.
„Wo ist die Wirtschaftlichkeit?“
Ute Öttinger-Griese (FDP) ist über die Kosten entsetzt: „Wir können nicht 700.000 Euro ausgeben, wenn das nicht zukunftsorientiert ist. Wo ist die Wirtschaftlichkeit?“ Ihr fehlt also auch eine Analyse der zukünftigen Aufgaben eines KMZ. Und sie findet einen sitzungsbezogenen Vergleich: „Das ist, wie wenn wir Busse fahren lassen und keiner sitzt drin.“ Auch Achim Beck schüttelt mit dem Kopf: „Ich komm mit dieser Begründung überhaupt nicht klar“.
Das zwischendurch aufgekommene Argument, das KMZ bis zum Baubeginn des Kreishauses noch ein paar Jahre am Standort zu lassen und zu analysieren, welche Anforderungen das KMZ zukünftig erfüllen soll, bevor man die Entscheidung über den Umzug trifft, beantwortet Neth: „Jetzt sind die Baufirmen da. Entweder jetzt oder in drei bis vier Jahren eine neue Planung. Es bleibt nichts als sich zu positionieren.“
Für Prof. Weidmann gehört das KMZ ohnehin ins Kreishaus: „Es muss ja nicht das Erdgeschoß sein, Geräte sind heutzutage klein und leicht“.
Antrag angenommen
Mit 18 Ja-Stimmen (vor allem aus SPD, AfD und CDU) gegen 15 Nein-Stimmen und 2 Enthaltungen wurde der Antrag der Verwaltung angenommen. Das KMZ wird also in die Gewerbliche Schule umziehen.
Text: Matthias Lauterer