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„Vielleicht kann man sich bei uns den einzigen CO₂-neutralen Herzkatheter setzen lassen“

Mitte September 2021 soll das zweite Gebäude des so genannten Gesundheitscampus Künzelsau auf Schloß Stetten in Betrieb gehen. Noch sind die Arbeiten an einigen Stellen in vollem Gange, trotzdem ließ es sich Christian von Stetten nicht nehmen, GSCHWÄTZ-Reporter Matthias Lauterer durch seine neuen Räumlichkeiten zu führen.

Gesundheitscampus Künzelsau. Links das neue Gebäude. Foto: GSCHWÄTZ

Christian von Stetten, hier mit Staatsekretär Steffen Bilger, kürzlich in Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Noch muß an einigen Stellen Hand angelegt werden. Foto: GSCHWÄTZ

Besonderheit des Hauses sind die Gästezimmer, die sowohl stationäre Patienten als auch deren Begleitpersonen aufnehmen können und die keine Krankenhaus- sondern eher Hotelatmosphäre bieten: Die Zimmer sind barrierefrei und somit auch rollstuhlgerecht. Auf Anfrage kann die Ausstattung auch individualisiert werden, zum Beispiel ein Arbeitsplatz eingerichtet werden. Auf die Frage „das ist aber keine Kassenleistung?“, lacht von Stetten und sagt: „Das nicht, aber relativ günstig“.

Sieht eher wie ein Hotel als eine Krankenstation aus. Foto: GSCHWÄTZ.

„Wäre das Krankenhaus nicht geschlossen worden, wäre das hier nicht gebaut worden“

Der Gesundheitscampus wurde zwar auch errichtet, um nach der Krankenhausschließung weiterhin eine breite ärztliche Versorgung anzubieten, „aber davon könnten wir nicht leben“, meint von Stetten. Daher werde man sich auch auf „Check-Ups“ spezialisieren und sei dafür auch schon Kooperationen eingegangen. Er nennt das MaWell-Resort in Langenburg: Teilnehmer von Firmentagungen dort könnten sich auf Schloß Stetten einem Check-Up unterziehen. Von Seiten der Unternehmen scheint es einen Bedarf zu geben, die Gesundheit ihrer Mitarbeiter:innen überprüfen zu lassen.

Sieht eher wie ein Hotel als eine Krankenstation aus. Foto: GSCHWÄTZ.

Auf dem Gesundheitscampus gibt es zwei Operationssäle: „Planbare Operationen sind nicht unser Ziel, die kann man auch in Heidelberg, Mergentheim oder Würzburg machen lassen.“ Aber akute Herz/Kreislauf-Behandlungen sollen beispielsweise möglich sein. „Es war mir wichtig, dass in der Region Ärzte zur Verfügung stehen.“ Auch für die Entscheidung, sein Alter auf Schloß Stetten zu verbringen, dürfte die Nähe zur ärztlichen Versorgung ein Argument sein. Allein 300 Menschen und damit potentielle Patienten wohnen dort.

Mehrere Ärzte und ein Physiotherapie-Zentrum

Noch will von Stetten nicht sagen, welche Ärzte und welche Fachgebiete in das neue Gebäude einziehen werden. „Das müssen die Ärzte selbst öffentlich machen.“ Allerdings sagt er auch, dass nur noch eine Praxis frei sei. Die anderen Praxen seien bereits vermietet. Dass die Physiotherapeuten von Thera-Fit einziehen werden, ist schon länger bekannt.

Die Geräte für die Physiotherapie sind bereits angekommen. Foto: GSCHWÄTZ

Umweltfreundlich

Stolz ist von Stetten auf die weitsichtige umwelt- und klimafreundliche Planung: Der Strom kommt aus einer Solaranlage, ein Batteriepuffer für den Solarstrom ist in Planung, Wärme wird in einer Hackschnitzelheizung erzeugt und über das bereits auf Schloß Stetten vorhandene Nahwärmenetz eingespeist. „Vielleicht kann man sich bei uns den einzigen CO₂-neutralen Herzkatheter setzen lassen.“ Und das Regenwasser von Dach und Parkplatz werde aufgefangen und für die Bewässerung genutzt.

Bald wieder Open-Air-Konzerte in Künzelsau?

Überhaupt der Parkplatz: Bereits jetzt sei der erste Bauabschnitt gut frequentiert, der Parkplatz sei gut belegt. „Bis aus Ulm kommen Patienten“, stellt von Stetten nach einem Blick auf die Nummernschilder fest, „und ERB, wo ist das?“ Als weitere Nutzung könne man den Parkplatz bestuhlen und es könnten Konzerte für bis zu 3.800 Zuschauer stattfinden. Auf die Frage, ob das dann Klassikkonzerte werden würden, lacht von Stetten: „Die Generation, die mit Rock aufgewachsen ist, setzt sich mittlerweile auch ganz gern hin.“

Auf diesem Parkplatz soll auch der autarke Elektrobus aufgeladen werden, der als Pilotprojekt demnächst auf Schloß Stetten fahren soll (GSCHWÄTZ berichtete).

Noch nicht am Ende

Mit dem zweiten Bauabschnitt ist das Projekt noch nicht am Ende angelangt: Ein drittes Gebäude ist bereits in Planung und soll ab Anfang nächsten Jahres gebaut werden.

Text: Matthias Lauterer

 




Was tun, wenn’s juckt?

Eine wahre Odyssee durch den Irrgarten des Gesundheitssystems hat ein Patient aus dem Hohenlohekreis, wir nennen ihn hier passenderweise Josef K. (der Patient ist der Redaktion GSCHWÄTZ namentlich bekannt), hinter sich. Eigentlich eine einfache Situation: Josef K. ist allergisch gegen Wespengift, was erst kürzlich durch eine Laboruntersuchung festgestellt wurde. Sein Hausarzt überwies ihn daher direkt an die Allergologen der Klinik Löwenstein, deren Expertise in solchen Fällen er in höchsten Tönen lobte.

Überweisung wird nicht anerkannt

Allerdings wollte man Josef K. dort keinen Termin mit der Überweisung durch einen Hausarzt geben, auch nicht mit dem Hinweis, dass der Laborbefund bereits vorliegt. Ein „Allergologe“ oder „Pneumologe“ müsse der überweisende Arzt schon sein, darunter macht man es wohl in Löwenstein nicht.  Nun ist er Hohenlohekreis nicht für seine extreme Allergologendichte oder Pneumologendichte bekannt – Josef K. meinte also zuversichtlich, dass er die Handvoll Ärzte rasch durchtelefonieren und einen Termin vereinbaren könnte, um eine Überweisung durch einen Spezialisten zu erhalten.

Keine Termine erhältlich

Weit gefehlt. Nicht einmal mit dem Verweis darauf, dass es „nur“ um eine Überweisung gehe (oder vielleicht gerade deswegen?) war ein schneller Termin zu finden. Josef K. sah sich gezwungen, den Terminservice seiner gesetzlichen Krankenkasse einzuschalten, der ihm schon einmal schnell und zufriedenstellend weitergeholfen hatte. Nach fast zwei Wochen meldete sich der Terminservice zurück – auch dem Terminservice war es nicht möglich, einen Termin zu erhalten. Selbst im nahen Umkreis des Hohenlohekreises war kein Termin zu bekommen.

Auch ein Facharzt will es nicht glauben

Der Patient konsultierte einen weiter entfernten Hals-Nasen-Ohrenarzt, der ihn früher aus anderem Anlass behandelt hatte. Dieser Arzt ist zwar kein Facharzt für Allergologie, aber führt selbst Allergiebehandlungen durch, wenn auch nicht bei Wespengift. Er war sich sicher, dass seine Überweisung von Löwenstein akzeptiert würde. Josef K. ruft umgehend in Löwenstein an – und wird wieder abgewiesen: Dieser Arzt stünde nicht in einem Verzeichnis, in dem die freundliche Mitarbeiterin extra nachgeschlagen hatte. Der HNO war sehr verwundert, der Patient war sehr verärgert, war er doch extra eine gewisse Strecke mit dem Auto gefahren.

Letzte Hoffnung: Patientenservice der Kassenärztlichen Vereinigung

Josef K. versuchte, über seine Krankenkasse nochmals Schwung in die Sache zu bringen – vergebens: Die Krankenkasse riet, sich an den Patientenservice der Kassenärztlichen Vereinigung in Stuttgart zu wenden. Die dortige Mitarbeiterin, ebenfalls freundlich, wollte Josef K. erst einige Fachärzte nennen. Auf den Hinweis, dass er die Fachärzte in der Umgebung alle schon abtelefoniert habe, hatte sie noch einen Namen parat, der nicht auf der im Internet veröffentlichten Liste stünde – und wie es der Zufall will war sogar ein Mediziner ganz in der Nähe, den Josef K. kannte. „Sie können direkt vorbeikommen“ hieß es … und schon eine Stunde später hatte Josef K. sein ersehntes Überweisungsformular in der Hand.

Ein endloses geflochtenes Band

Leider wusste der Mediziner selber nicht, dass ihn die Krankenversicherung zum Facharzt für Allergologie befördert hatte – sein Fachgebiet liegt eher da, wo die Sonne nicht so oft hinscheint. Also stand auf dem Überweisungsformular: Allergologe.

Die Odyssee im Paragraphenirrgarten des Gesundheitssystems beginnt also für Josef K. von vorn.

Text: Matthias Lauterer

Die wahren Namen von Josef K. und der beteiligten Ärzte sind der Redaktion bekannt. Die Klinik Löwenstein und die Kassenärztliche Vereinigung wurden um eine Stellungnahme über die rechtlichen Hintergründe der Situation gebeten.

 




Dr. Peter Faust und Chefarzt Jan Dietrich halten Gesundheitsvorträge via Live-Stream

Im Oktober wurde der Gesundheitsvortrag mit Dr. Antje Haack-Erdmann, Leiterin des Gesundheitsamtes Hohenlohekreis, zum Thema „Corona-Pandemie – global und lokal“ erstmals live über den YouTube-Kanal der Stadtverwaltung Künzelsau übertragen. Auch die folgenden Gesundheitsvorträge im November und Dezember können wieder als Live-Stream von zu Hause aus verfolgt werden. Am Donnerstag, den 26. November 2020, hält Dr. Peter Faust um 19.30 Uhr einen Vortrag zum Thema „Zuckerkrank – und nun?“. Über die Behandlungsmöglichkeiten bei Knieschmerzen berichtet Chefarzt Jan Dietrich im Vortrag „Knieschmerz und Arthrose – ein neues Knie(teil)gelenk?“ am Donnerstag, den 10. Dezember 2020, um 19.30 Uhr.

Informationen zur Vortragsreihe „Gesundheit“

Das Thema Gesundheit ist ein Schwerpunktthema der Stadtverwaltung Künzelsau. Deshalb wurde dazu eine Vortragsreihe ins Leben gerufen, die medizinisches Wissen aus erster Hand bietet. Überwiegend Chefärzte des Hohenloher Krankenhauses und niedergelassene Künzelsauer Ärzte berichten aus ihrem Fachgebiet. Betroffene und Interessierte können sich umfassend informieren – zum aktuellen Stand der Medizin, Behandlungsmöglichkeiten und Erfahrungen aus der Praxis.

Informationen zu den Live-Streams

Die Vortragsreihe findet in Kooperation mit dem Hohenloher Krankenhaus statt. Fragen zu den Vorträgen können vorab per E-Mail an helen.buehler@kuenzelsau.de gesendet werden. Aber auch während des Live-Streams können Benutzer über die Kommentarfunktion spontan Fragen stellen. Der Live-Stream kann einfach und kostenfrei über den städtischen YouTube-Kanal unter http://www.youtube.de/stadtkuenzelsau aufgerufen werden.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau




Bürgermeister Neumann: Das Leitmotiv für 2020: „Zukunft Gesundheit“

Bei der letzten Gemeinderatssitzung in diesem Jahr hat der Gemeinderat Künzelsau den Haushalt für das Jahr 2020 verabschiedet. Dieser Haushalt sei, so Bürgermeister Stefan Neumann, wegweisend, da, so stellt Neumann in Aussicht, „wir ein positives Ergebnis in Höhe von 935.070 Euro zu erzielen. Zweitens – investieren wir kräftig in die Zukunft der Stadt und stellen damit wichtige Weichen.“ Das geht aus einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau hervor.

Der besondere Fokus liege dabei auf dem Thema „Zukunft Gesundheit“. Der Hohenlohekreis, die BBT-Gruppe und die Stadt Künzelsau möchten im neuen Jahr „das Gesamtkonzept für das Gesundheitszentrum verfeinern und auf den Weg bringen“, so Neumann. „Mit einem Jahresprogramm werden wir Zeichen für eine gute Gesundheitsversorgung im Mittelbereich Künzelsau setzen.“

Verstärkte Investitionen in der Umwelt- und Klimapolitik

Auch im Bereich Umwelt- und Klimapolitik möchte die Stadtverwaltung Akzente setzen und lässt sich hierzu von der Klimaschutz- und Energie-Agentur (KEA) Baden-Württemberg – einem laut eigenen Aussagen unabhängigen Dienstleister im Bereich Klimaschutz – beraten. Zusätzlich möchte die Stadt beim European Energie Award mitmachen und diverse städtische Dächer mit Photovoltaik-Anlagen ausstatten.

Neubau Landratsamt

Bezüglich des Neubaus des Landratsamtes (von der Stadtverwaltung als Kreishaus bezeichnet) soll mit dem Landkreis hinsichtlich einer verbesserten Infrastruktur zusammengearbeitet werden, so dass das neue Kreishaus verwirklicht werden könne.

Des Weiteren soll das Kinderhaus am Fluss soweit gediehen sein, dass der Spatenstich erfolgen kann. Dadurch, so Neumann, „schaffen wir mehr Raum für die Kindertagesbetreuung“.

Ab Februar sollen zehn Hektar Bauland in Gaisbach erschlossen werden und auch in „unseren eigenen Immobilienbestand investieren wir kräftig“. Für Eigeninvestitionen stehen laut Neumann zwei Millionen Euro bei den KünWerken zur Verfügung.

„Last but noch least, bauen wir das städtische Glasfasernetz weiter aus und nehmen uns alternativen Mobilitätsformen an. Ein arbeitsreiches und spannendes Jahr liegt vor uns und ich freue mich auf die Arbeit“, so Neumann.

Landrat Neth (rechts) und Bürgermeister Neumann (2. v. re.) bei der Vorstellung der Pläne für das neue Landratsamt. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

 




Arnulf von Eyb: „Wir leben hier nicht in Bananien“

Arnulf von Eyb, Der  CDU-Landtagsabgeordnete des Hohenlohekreises sprach mit Dr. Sandra Hartmann in seinem Schloss in Dörzbach unter anderem über Wein, die Probleme in der Landwirtschaft, seine Meinung über die aktuelle Gesundheits- und Bildungspolitik und Funklöcher im Ländle.

 

„Vom Weinbau selbst verstehe ich nichts, vom Weinkonsum schon etwas mehr“

 

GSCHWÄTZ: Bier oder Wein – was darf‘s sein, Herr von Eyb?

von Eyb:  Das ist keine einfache Frage, weil ich der weinbaupolitische Sprecher der CDU-Fraktion bin. Aber vom Weinanbau selbst verstehe ich nichts, vom Weinkonsum schon etwas mehr.

 

Ingelfingen und Niedernhall haben ja ganz schön bluten müssen die vergangenen Jahre – Fürstenfass hat sich die Keltereien quasi einverleibt.

von Eyb: Das ist eine ganz schwierige Geschichte. Dörzbach hatte ja eine Rebflurbereinigung vor ungefähr 20 Jahren. Damals hatte man gedacht, wenn die durchgeführt wird, ist der Weinbau für die nächsten 500 bis 1.000 Jahre gesichert. Nun sieht man, wie schwierig es. Auch Dörzbach musste die Selbstständigkeit aufgeben. Aber es ist alles nicht so schlimm, weil  es nun „die Hohenlohe-Kellerei“ heißt. und darin können sich sowohl die Niedernhaller, als auch die Ingelfinger und die Dörzbacher wiederfinden. Bevor der Weinbau komplett eingeht, ist das die bessere Lösung gewesen und der Wein ist nach wie vor gut.

 

„Das Thema Krankenhaus ist extrem emotional belegt“

 

GSCHWÄTZ: Es gibt ja noch mehr kommunalpolitische Einschnitte – nicht nur im Weinbau, auch in der Gesundheitspolitik.

von Eyb: Ich kann die Entscheidung des Kreistages verstehen, den Krankenhausstandort in Künzelsau zu schließen. Es ist nicht immer einfach, weil das Thema extrem emotional belegt ist. Aber wenn wir ganz ehrlich sind, dann stellen wir fest, dass die schwierigen Fälle durch Bad Mergentheim, Schwäbisch Hall oder möglicherweise durch noch größere Krankenhäuser in Heidelberg oder Stuttgart abgedeckt werden. Die Ortsnähe hat natürlich was. Aber ein Krankenhaus am Leben zu erhalten, das im Prinzip nur künstlich am Leben erhalten werden kann, ist, glaube ich, auch nicht die richtige Entscheidung.  Mir wäre sehr daran gelegen, dass man dem Menschen, der in der Sekunde in der Not ist,  sei es durch einen Herzinfarkt oder einen Unfall, schnell hilft und da kann mich sicher noch einiges optimieren.  Ich glaube auch, darüber denkt man nach. Ob man dann in so einer Notsituation zehn Kilometer weiter transportiert wird, ist dann nicht mehr entscheidend. Was auch entscheidend ist: Wir brauchen in Künzelsau und auf dem Land nicht nur Hausärzte, sondern auch Fachärzte. Da würde ich mir wünschen, dass sich mehrere zusammentun und sagen: Das können wir sicherstellen.

 

GSCHWÄTZ: Viele Ärzte haben darauf hingewiesen, wie schwer es ist, Nachfolger für ihre Praxen zu finden.

von Eyb verweist auf einen Arzt in Sindelfingen, der in der Stadtmitte eine Praxis hat und ebenfalls keinen Nachfolger findet.

von Eyb: Dieser Arzt sagt, die jungen Ärzte wollen lieber in größeren Teams arbeiten, vielleicht auch nicht mehr die Verantwortung übernehmen und vor allem nicht auch noch sonntags gegebenenfalls arbeiten müssen.

 

„Wir können nicht weniger Bürokratie haben, sondern wir müssen mit Bürokratie besser umgehen lernen“

 

Viele monieren auch den hohen Verwaltungsaufwand, den die Politik vorgibt.

von Eyb: Ja, das stimmt. Das ist dieselbe Klage, die Landwirte oder Handwerker erheben. Wir können den Menschen nicht versprechen, weniger Bürokratie zu haben. Das wäre Augenwischerei, sondern wir müssen mit der Bürokratie besser umgehen lernen. Da  gibt es vielleicht Möglichkeiten, zum Beispiel, dass man nichts mehr in eine Akte einträgt, sondern während der Behandlung heineinspricht oder ähnliches, um insgesamt den Bürokratieanfall leichter ertragbar zu machen. Aber Bürokratieabbau wird nicht funktionieren. Und wenn man genauer hinschaut, stellt man fest, dass das alles eine sinnvolle Grundlage hat.

Also ist Deutschland Ihrer Meinung nach nicht überbürokratisiert?

von Eyb: Es wäre wunderbar und da, wo man es kann, soll man es auch tun. Aber es ist nicht so einfach, wie man es sich vorstellt. Wenn man sich etwa das statistische Jahrbuch von Baden-Württemberg anschaut. Es ist sensationell, was man aus diesem Buch herauslesen kann. Das könnte man alles nicht, wenn man die Daten vorher nicht erfasst hätte. Ich war kürzlich auf einem Rinderabend einer Rinderunion. Da wurden ihre Leistungskühe dargestellt. Es ist unglaublich, was man alles über eine Kuh wissen kann. Das Ganze kann man nicht prämieren, wenn man es nicht aufgeschrieben hätte.

In den Schulen könnte sich Arnulf von Eyb weniger Bürokratie vorstellen

Bei den Grundschullehrern müsse sich etwas ändern

 

A propos Bildungskühe. Fehlstunden, Lehrermangel – Das Kultusministerium in Stuttgart hat sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert in den vergangenen Jahren.

von Eyb: In diesem Bereich könnte ich mir eine Entschlackung der Bürokratie vorstellen.  Ich glaube, dass man in den letzten Jahren einfach zu viele Experimente gemacht hat. Unsere Kultusministerin hat eine sehr schöne Einstellung: Wir brauchen erstmal ein vernünftiges Fundament. Das Fundament kann man nur kriegen, wenn man lesen, rechnen und schreiben kann. Richtig ist, dass sehr viele Grundschulen keine Leiter bekommen, weil der Verwaltungsaufwand und das Mehr, was man als verantwortlicher Rektor bekommt, nicht angemessen ist. Da muss man sicherlich etwas tun.

 

Thema Funkloch & Eberbach: „Achtung, jetzt bin ich für ein paar Minuten weg“

 

Weder Handyempfang noch Internet – Das Dorf Eberbach schreibt derzeit bundesweit Schlagzeilen. Was ist denn da los?

von Eyb: Günther Oettinger sagt immer: Funklöcher sind schlimmer als Schlaglöcher und vor allem sind sie nicht so schnell zu stopfen wie ein Schlagloch. Dem stimme ich zu. Wenn ich von hier nach Stuttgart fahre, kann ich ziemlich genau sagen, wann ich in ein Funkloch hineinfahre. Da sage ich auch immer meinem Gesprächspartner: Achtung. Jetzt bin ich für ein paar Minuten weg. Das ist sicherlich nicht optimal. Ich habe auch den Landrat aufgrund dieser Diskussion in Mulfingen gebeten, mir zu sagen, wo wir derzeit noch Lücken haben. Aber dieses Thema ist natürlich enorm aufgebauscht.  Auch in Eberbach gibt es natürlich Internet- und Funkverbindungen.  Aber in dem einen oder anderen Fall eben nicht. Und daraus eine so große Geschichte zu machen – die kam mir etwas überzogen vor. Die Thematik ist zwar angespannt in dem einen oder anderen Ort. Aber nicht so, dass man denken kann, man lebt irgendwo in der Nähe von Bananien.

 

Sie haben als Landtagsabgeordneter den Spagat zu meistern zwischen Stuttgart und dem ländlichen Raum in Dörzbach und Umgebung. Wie sieht denn eine Woche im Leben eines Landtagsabgeordneten aus?

von Eyb: Ich bin der OB-Mann der CDU-Fraktion im NSU-Untersuchungsausschuss, in dem es darum geht, die Verbindungen des Mördertrios oder zumindest des Mörderduos bei der Ermordung der Polizistin Michèle Kiesewetter und des angeschossenen schwerverletzten Polizisten aufzuarbeiten. Wenn ich morgens um 9 Uhr im Landtag eine Vorbesprechung habe, fahre ich am Sonntagabend nach Stuttgart. Am Abend fahre ich zurück. Am Dienstagmorgen habe ich eine Vorlesung hier an der Hochschule – das hat mit meinem Landtagsmandat nichts zu tun – bei den Wirtschaftsingenieuren: Einführung in das Vertragsrecht. Dann fahre ich wieder nach Stuttgart. Im Fraktionsvorstand besprechen wir, was wir in der Fraktionssitzung noch alles ansprechen wollen. Sehr häufig sind dann abends noch Veranstaltungen von Organisationen, die Abgeordnete einladen oder Fachgespräche. Dann gibt es Ausschüsse. Die müssen vorberaten werden. Dann gibt es Plenum. Das sind die Tage, an denen man im Landtag sitzt. Dann gibt es sehr, sehr viele Termine hier im Wahlkreis. Wir haben die Aufgabe, möglichst viele Menschen zu erreichen. Wenn sie ein Thema haben, bei dem sie denken, da könnten wir helfen, stehen wir zur Verfügung. Wir werden sehr häufig eingeladen von Verbänden, Vereinen, Gemeinden oder Firmen.

Vorbereitung des Videointerviews im Schloss in Dörzbach

Interview als Video

 

Das am 15. Juni 2018 in seinem Schloss in Dörzbach gedrehte Videointerview mit Arnulf von Eyb sehen Sie im Video oben zum Anklicken. Darin äussert sich Arnulf von Eyb auch dazu, warum er nicht der größte WM-Fan ist.

Dreh, Schnitt & Fotos: Dr. Felix Kribus

 

Schubertiade

 

Arnulf von Eyb ist verheiratet und hat keine Kinder. Er ist neben seinem Landtagsmandat Rechtsanwalt. Einmal jährlich veranstaltet die Familie von Eyb die Schubertiade. Hierbei treten unterschiedliche Künstler im Schloss auf und präsentieren klassische Werke. Die Schubertiade geht in diesem Jahr noch bis September.

Karten hierfür gibt es auf: http://www.schubertiade-schloss-eyb.de